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41

Mittwoch, 30. Juni 2010, 17:52

Hier die CD von Holly Cole, deren Jazzsongs auf dieser CD das Attribut eines "low-key Jazz" bekamen.



Diese Aufnahme ist zwar schon 1993 entstanden,habe sie aber erst jetzt für mich entdeckt.

Die Kanadierin Holly Cole ( geb.1963) gründete 1986 das Holly Cole Trio mit David Piltch ( bass) und Aaron Davis ( piano).

Für diese Aufnahme " Don't Smoke in Bed" wurden zusätzlich Musiker wie Joe Henderson ( sax) und David Lindley (guitar) eingeladen.

Für meinen Geschmack eine tolle Stimme mit ebenso tollen Musikern,die es verstehen,trotz dezenter Begleitung ihr Können unter Beweis zu stellen.

Mozartinaa
Es ist nicht erforderlich, Musik zu verstehen. Man braucht sie nur zu genießen.( L.Stokowski,Dirigent)

42

Mittwoch, 30. Juni 2010, 18:03

Hier die CD von Holly Cole, deren Jazzsongs auf dieser CD das Attribut eines "low-key Jazz" bekamen.



Diese Aufnahme ist zwar schon 1993 entstanden,habe sie aber erst jetzt für mich entdeckt.

Die Kanadierin Holly Cole ( geb.1963) gründete 1986 das Holly Cole Trio mit David Piltch ( bass) und Aaron Davis ( piano).

Für diese Aufnahme " Don't Smoke in Bed" wurden zusätzlich Musiker wie Joe Henderson ( sax) und David Lindley (guitar) eingeladen.

Für meinen Geschmack eine tolle Stimme mit ebenso tollen Musikern,die es verstehen,trotz dezenter Begleitung ihr Können unter Beweis zu stellen.

Mozartinaa


Da wußte ich ja gar nicht, dass ich schon seit Jahren low-key Platten besitze ;+) .

Gar nicht low-key ist für die mich die absolute Überfassung von "I can see clearly now".
Wie Cole es schafft, mitten im song den Übergang zwischen dem Endes des Regens und der durchbrechenden Sonne musikalisch darszustellen, hat für mich absolute Klasse.

Grüße
Achim

43

Mittwoch, 30. Juni 2010, 18:21

Re: Holly Cole

Da wußte ich ja gar nicht, dass ich schon seit Jahren low-key Platten besitze .


:yes: :D

Zitat

Gar nicht low-key ist für die mich die absolute Überfassung von "I can see clearly now".
Wie Cole es schafft, mitten im song den Übergang zwischen dem Endes des Regens und der durchbrechenden Sonne musikalisch darszustellen, hat für mich absolute Klasse.


:yes: :prost:

Das ist aber auch eine besonders schöne CD von Holly Cole. Nun kann man das sicherlich auch "low key" im Hintergrund als eine Art guter Bar-Musik hören, obwohl ihre gut gemachte Musik eigentlich hier dafür etwas zu schade ist.

Alles mag ich meist nicht auf den meisten CDs von Holly Cole, aber insgesamt ist sie für mich ein seltenes Beispiel in der Fülle der Veröffentlchungen in dieser Sparte dafür, dass man Vocal-Musik zwischen Pop und Jazz auch einfallsreich machen kann. Außerdem ist sie eine wirklich gute Sängerin, die durchaus auch kraftvoll klingen kann.

:wink: Matthias

44

Mittwoch, 30. Juni 2010, 18:49

Im Fragen Jazz-Thread wollte ich einmal wissen,was man unter " Cross-over Jazz" versteht,weil dieser Begriff ,laut einer Rezension, den musikalischen Stil der unten erwähnten Sängerin beschrieb.

Zitat von Achim:

"Ich kann Matthias da nur beipflichten: Mit dem Begriff Crossover wird wild herum hantiert (nicht nur im Jazz) und man sollte ihm keine allzu große Definitions-Bedeutung beimessen.


Ansonsten, liebe Mozartinaa, klebe bitte nicht zu sehr an den Begriffen. Sie verwässern im Laufe der Zeit schnell und sagen irgendwie alles und auch nichts aus... "


Nun möchte ich Euch die interessante Stimme und die Vielfalt ihrer Liederstile vorstellen......die Norwegerin Randi Tytingvag ( geb.1978, Sängerin und Komponistin).

Überzeugt Euch selbst ! Eure Mozartinaa

Es ist nicht erforderlich, Musik zu verstehen. Man braucht sie nur zu genießen.( L.Stokowski,Dirigent)

45

Mittwoch, 30. Juni 2010, 20:59

Liebe Morzatinaa,

danke für Deinen Hinweis, allerdings sind für mich solche piepseligen Stimmen eher nervig.
Ich zähle daneben dazu zB Silje Nergaard, Beady Belle.....

Ist aber meine ganz persönliche Meinung, die der Qualität der Musik als solcher keinen Abbruch tun soll.

Grüße
Achim

46

Mittwoch, 30. Juni 2010, 23:22

Bei mir heute Abend mal wieder etwas Jazz:



Österreichischer Jazz in relativ großer Besetzung. Das ist ein Neuzugang bei uns. Ad hoc klingt es gerade ganz interessant, aber ich muss die Platte noch mehrfach hören.

Viele Grüße,

Melanie
With music I know happiness (Kurtág)

47

Donnerstag, 1. Juli 2010, 01:49

danke für Deinen Hinweis, allerdings sind für mich solche piepseligen Stimmen eher nervig.
Ich zähle daneben dazu zB Silje Nergaard, Beady Belle.....


Und wieder muß ich dir zustimmen, Achim. Aber über die Musik kann ich sonst nichts sagen. Das lassen die kurzen Auschnitte für mich nicht zu.
-----------------------------------
Gehört habe ich aber zuletzt auch noch wie Mela:

Max Nagl Ensemble - Quartier du Faisan

:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Mitreissend, wie sie die amerikanische ältere wie neuere Tradition für Mini-Big Band plündern und verquirlen und dabei doch eifallsreich Eigenes, auch ein eigener Ensemble-Klang entsteht, so wie sie von den kleineren Bands Count Basies und Duke Ellingtons, über Mingus, über Muhal Richard Abrams, Malachi Thompson (die Rhythmen + Percussion/Bläser-Kombinationen) und Braxtons Creative Orchestra (besonders deutlich: track 6) - und insgesamt besonders deutlich Don Ellis - sogar eine Viertel-Ton-Trompete, wie von Ellis gespielt, bläst Trompeter Franz Hautzinger, Carla Bley (z.B. die humorvoll etwas kitschig gespielte Hammond im Kontrast zu schrägen Bläsern) und allgemein in den verschachtelten Arrangements mit vielen Wendungen von Julius Hemphill sich munter bedienen.
Solistisch ragen Nagel selbst (as) und Clemens Salesny, ebenfalls Alt-Sax & Bassklarinette heraus, die mir schon beide aufgrund ihres vollen, dirty Sound gut gefallen.

:wink: Matthias

48

Freitag, 2. Juli 2010, 20:28

Der Hitze angemessen und in der Einstimmung auf das Ghana-Spiel, gabs diesen Klassiker des afrikanischen Jazz-Rock von Osibisa:



Sunshine Day war mal sogar ein richtiger Hit. Und weils so schön war, habe ich gleich weiter Osibisa gehört.




Und ein Live-Album, vonn dem ich keine Abbildung mehr finde.

:wink: Matthias

49

Samstag, 3. Juli 2010, 00:48

Die fröhlichen Osibisa wollen jetzt nicht mehr so recht passen. Jetzt läuft Chris McGregors Brotherhood of Breath



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

In dieser Band spielten über Jahrzehnte die erste Liga der südafrikanischen Jazz-Musiker im Exil mit vielen Schlüsselmusikern der experimentellen britischen Szene und häufig auch Gästen aus der kontinantaleuropäischen Free Jazz Szene eine einzigartige und packende Mischung aus südafrikanischen Melodien, afrikanischem Funk, Duke Ellington-geprägtem Big Band-Jazz und Free Jazz. Damit haben sie bis heute zahlreiche Musiker nicht nur in Südafrika und Britannien geprägt.

:wink: Matthias

50

Sonntag, 4. Juli 2010, 00:26

Ich beschäftige mich im Moment sehr mit Nikolai Kapustin.
Über dieses Thema kan ich zum Jazz in der UDSSR und damit zur Big Band von Oleg Lundstrem.

Das ist ein wirklich faszinierendes Thema, welches mich im Augenblick recht gefangen hält:

"http://www.youtube.com/watch?v=kUYiD7VGBXY"

"http://www.youtube.com/watch?v=HEDI9_oNlCA&feature=related"

"http://www.youtube.com/watch?v=2_EIiO4u7d0&feature=related"

"http://www.youtube.com/watch?v=cYn_qNQl8YA&feature=related"

"http://de.wikipedia.org/wiki/Oleg_Lundstrem"

"http://de.wikipedia.org/wiki/Oleg_Lundstrem"

LG,
Michael
Ich hasse Leute, die einfach mitten im Satz

51

Montag, 5. Juli 2010, 03:04

Hallo Michael,

danke für die hochinteressanten Hinweise. Ich hatte über die Big Band von Oleg Lundstrem und ihre Bedeutung für die Jazzentwicklung in der SU zwar schon gelesen und natürlich auch, dass Kapustin dort als Pianist gespielt hat, hatte das aber nie zu Gehör bekommen. Zwar finde ich Kapustins Klaviermusik grandios, aber im reinen Jazz-Kontext hatte ich ihn auch noch nicht gehört.

Interessant sind Kapustins Jazz-Kompositionen, besonders die Toccata und die Variationen. Beide Stücke swingen sehr. Zwar gibt es in ihnen auch sehr konventionelle Abschnitte klassischen weissen 40er Jahre Swings, aber dann doch auch überzeugend eingebaute packende, unkonventionelle, modernere Stellen, wo auch hier Kapustins eigene Jazz-Klassik-Mischung hörbar wird. Außerdem überzeugt Kapustin hier natürlich als herausragender Solist. Sehr gut ist auch der Trompeten-Solist in einer der Aufnahmen, zwar konventioneller, aber sehr gut gespielt, technisch vorzüglich, ein bisschen an Maynard Ferguson erinnernd, aber mit viel mehr Sing als Ferguson hatte. Die Band scheint auf hohem, technischen Niveau gewesen zu sein.

Noch interessanter als die Kapustin-Kompositionen finde ich jedoch Mirage von Lundstrem selbst, vergleichbar vielleicht mit Stan Kantons Third Stream Experimenten, aber völlig eigenständig, eher durch russische modernere Klassik angeregt. Häufig scheinen sie auch eher konventionellen Swing eher epigonal gespielt zu haben, in denen dann nur die Soli Kapustins aufhorchen lassen, wie in einem der bei Youtube zu findenen Stücke, aber vor allem Mirage deutet daraufhin, dass Lundstrem darüber hinaus auch eine Kanton ähnliche Rolle in Rußland gespielt haben könnte, wenn der Jazz-Entwicklung in der SU auch institutionell/politisch enge Grenzen gesetzt waren. In der Peripherie waren diese meist viel lockerer, so entwickelte sich der Jazz lebendig vor allem in den baltischen Ländern, Armenien, Aserbaidschan, in Usbekistan, unter den Tartaren - Lundstrem hatte wohl selbst einen teilweise tartarischen Hintergrund - , in Tuwa und später in Archangelsk. Die frühste Jazz-Szene hatte sich wohl in Rußland in Odessa gebildet, dass bis 1914 durch tägliche Schiffsverbindungen und große Wanderungsbewegungen gerade aus dieser Musikerfabrik, von der Isaak Babel so treffend in seinen Odessaer Geschichten erzählt, nah bei New Orleans lag. Das war wohl die frühste lebendige Jazz-Szene außerhalb der USA. Mit dieser Szene ist aber in den 30er Jahren mit der stalinistischen Bekämpfung des NEP und damit den Lokalen, in denen Jazz stattfinden konnte, weitgehend Schluß gemacht worden. Wohl kein Zufall, dass Lundstrem in dieser Zeit in der Mandschurei und Shanghai den Anschluß an die damals neue amerikanische Swing Jazz-Entwicklung fand, dem damals wilden Osten, in dem Glücksritter, War Lords und Agenten aller Art und aller Mächte in vielen Clubs viel Geld auszugeben hatten.

Es wäre sicher sehr interessant, das weiterzuverfolgen. Interessieren würde mich, wie Lundstrems Band existieren konnte und das mußte in der SU heißen, auch institutionell eingebunden war, obwohl Jazz offiziell in Rußland selbst verpönt war. Welche Lücken und Kämpfe muß es da doch auch in Rußland selbst, nicht nur der SU-Peripherie gegeben haben? Hatte diese Band Wirkung auf andere jüngere Musiker?

:wink: Matthias

52

Freitag, 9. Juli 2010, 00:01

Tagsüber gab es Vital Information, diese sehr groovende Live Doppel-CD:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Orgel-Gitarren-Jazz und Jazz-Rock, der richtig abgeht und frisch klingt von 4 exzellenten Improvisatoren, darunter Tom Coster an der Hammond B 3, der von Santana einigen bekannt sein könnte, Steve Smith (dr), Frank Gambale (g), Baron Browne (e-b, mit erstklassigen E-Bass-Soli). Eine neue Noten kommt hier in's Spiel, dadurch, dass Coster hier auch sehr gut Akkordeon spielt; - mal ein Jazz-Akkordeon ohne Anklänge an Musette und andere Folklore.

Jetzt läuft noch diese:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Roots war ein Saxophonquartett + Piano-Trio um den wunderbaren Don Pullen, der hier teilweise neben dem Piano auch an der Hammond zu hören ist und inzwischen leider auch schon verstorben ist, Santi Debriano (b), Idris Muhammad (dr - mit tollem Drums-solo), die mächtig für treibenden Swing sorgen und an den Sax diesen 4 Großmeistern: Arthur Blythe, Nathan Davis, Chico Freeman und dem Avantgarde-Altmeister Sam Rivers, der hier ausnahmsweise mal zu hören ist in äußerst entspannendem, sehr harmonischem, wunderschönem, die Tradition aufgreiffenden Jazz. So spielen sie Stücke von Johnny Hodges, Jimmy Forrests "Night Train", von Oliver Nelson, Archie Shepp, Eric Dolphy, Benny Golson, Johnny Griffin, Red Holloway und von Pullens Langzeitpartner George Adams. Nur gelegentlich in den Soli leuchtet subtil und leicht auf, ohne die entspannte Stimmung aufzubrechen, dass diese Herren sonst sich nicht nur mit der Tradition beschäftigt haben.

Ein Album, mit dem auch die Freunde des softeren Jazz mal jemanden wie Sam Rivers genießen können und das es auf dem Marketplace sehr günstig gibt.

:wink: Matthias

53

Freitag, 9. Juli 2010, 01:27

Ich bin bei Don Pullen geblieben, jetzt mit Gary Peacock und Tony Williams.



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Schöne Melodien, packende Rhythmen - und Cluster und Tontrauben :D , wie sie für Don Pullen typisch sind, die sich plötzlich aus der Melodie organisch herauszuentwickeln scheinen.

:wink: Matthias

54

Freitag, 9. Juli 2010, 16:00

Bei Hitze wächst meine Lust auf Jazz. Deshalb jetzt hier, kurz vor dem Übergang von der Arbeit ins Wochenende Eric Dolphy




:wink:
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

55

Sonntag, 11. Juli 2010, 04:02

Eben noch - gibt es gerade sehr günstig:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Terri Lyne Carrington halte ich für gegenwärtig eine der allerbesten SchlagzeugerInnen - beiderlei Geschlechts. Das ist hier schön zu hören. Mit dem fantastischen Alt-Saxophonisten Greg Osby, mit seinem quirligen Spiel und klaren Sound, ist auf dieser CD von 2004 die Musik noch sehr weitgehend dem 80er M-Base-Funk-Jazz um Steve Coleman verpflichtet, mit dem sie beide damals viel zusammengespielt haben, ohne hier direkt Funk zu spielen. Vielmehr bilden eher Songs mit schönen Melodielienien das Ausgangsmaterial. In Joni Mitchells Ethiopia singt Carrington sogar auch selbst und sie macht das ganz gut, klugerweise ganz anders als Mitchell. Wie Carrington aber einerseits sehr straigt Funk-nahe Grooves treibend trommelt, andererseits kein Takt dem anderen ähnlich rhythmisiert wird und sie dabei weitaus mehr als nur die Klangfarbe wechselt, ja vielfach Taktwechsel einbaut, ist schon meisterhaft. Dabei verzichtet sie ganz auf jede Show-Nummer, dient ganz dem Gruppenklang, der doch neben Osby ganz von ihr lebt. Jimmy Haslip am Bass trägt den Groove gut mit und zeigt nur gelegentlich kurz, das er auch einiges drauf hat. Adam Rogers an der Gitarre gefällt mir weniger: Keine Frage, das ist alles gut gespielt, die Zuspiele zwischen Osby und Rogers sind ausgezeichnet, aber sein gefällig hübscher Sound und seine Spielweise liegen mir weniger. Es ist alles etwas erwartbar. Mag sein, dass dies so gewollt ist als ein Ausgleich, aber er nimmt dem doch viel Druck und Intensität, die Carrington und Osby erzeugen. Lediglich bei Omega (track 9) dreht er etwas auf und hier gefallen mir auch seine Sounds viel besser.

Was die Gitarre angeht, hat mir ihre Zusammenarbeit mit so intensiven Gitarristen wie Nguyen Le oder Jean-Paul Bourelly weitaus besser gefallen. Ich habe sie sogar Live mal mit beiden zusammen erlebt, als Bourelly, der mit einer Schwedin zusammen seit einigen Jahren in Berlin lebt und auch in der hiesigen Szene sehr aktiv ist, spontan bei Carringtons/Les gemeinsamen Hendrix-Projekt einstieg. Das war ein Super-Konzert, aber hinterher beim Bier saß Le einsam an einem Tisch, stinkesauer, weil Bourelly in seiner Dominanz das ganze Konzert an sich gezogen hatte und er, der sicher kein schlechterer Gitarrist ist, nicht mehr genug zum Zuge kam, während sich der Rest der Band mit Anhang drei Tische weiter um ihren Freund aus New Yorker Zeit Bourelly scharte und die arme Terri Lyne Carrington immer zwischen den Tischen hin- und her wechselte.

Ich bin dann noch zu einem anderen Konzert gereist, um das eigentlich Projekt von Le zu hören. Außerdem spielte da auch Geri Allen, während sie beim Berliner Konzert von Patrice Rushen ersetzt wurde. Auch dadurch waren es völlig andere, aber beide Male herausragend gute Konzerte, denn Geri Allen groovt zwar auch sehr, spielt aber eher intellektuell vertrackt auf dem Flügel und dem Fender Rhodes, Patrice Rushen lieferte hingegen vor allem satte Soul-Jazz Orgel und entpuppte sich als ausgezeichnete Soul-Sängerin, so dass in Berlin die Hendrix-Stücke auch exquisit gesungen wurden, während Bourelly seine schrägen, breitflächigen Free-Funk Gitarren-Breitseiten im Dauerfeuer losließ- Klar, dass da in Berlin Le nicht mehr so zum Zuge kam, obwohl auch er hier zu einigen schönen Reaktionen motiviert wurde, aber er spielte halt dieses Programm sehr ausgetüftelt, viel mit Loops arbeitend und dadurch weniger flexibel. Es hatte sich dann auch wegen ihm sehr gelohnt, noch ein weiteres Konzert zu besuchen und das eigentliche Programm zu hören.

Die mußte ich mir inzwischen auch noch anhören:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Sie ist unter Nguyen Les Namen erschienen, es war aber ein Projekt von ihm und Carrington gemeinsam, das übrigens ursprünglich aus einer Jam-Session bei Jazz Baltica hervorgegangen war, auf die zunächst eine Tournee der Jam-Session Teilnehmer als Terri Lyne Carrington Band folgte, u.a. neben Le und Carrington: Geri Allen (p, e-p) und Lars Danielsson (b), manchmal auch Martin Koller an der zweiten Gitarre, weil sie die Session so gut gefunden hatten. Ich habe sie drei Tage hintereinander im A-Trane in Berlin gehört und jedesmal ein geniales, völlig anderes Konzert. Jammerschade, dass daraus keine Platte geworden ist. Danach folgte dann das Hendrix-Projekt mit Platte und Tournee. Auch hier ist es äußerst schade, dass es keine Live-Platten gibt und ich keine Mitschnitte habe, denn live war es doch ganz anders als auf der auch sehr guten Le-CD, wenn live auch nicht Meshell Ndegeocello dabei war, dafür waren live Geri Allen und Patrice Rushen Spitze.

:wink: Matthias

56

Sonntag, 11. Juli 2010, 19:31

als Folge einer Anregung aus dem Bassklarinetten-thread gab's heute:



- Murray bläst hier zwar öfter das Tenorsaxophon als die Bassklarinette, schön ist die Scheibe aber trotzdem :)

Erwähnte ich schon mal, dass bei Hitze meine Neigung zu Jazz steigt? :wink:

Michel
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

57

Sonntag, 11. Juli 2010, 21:38

Bei uns heute abend:



Die ist wirklich gut :D

Viele Grüße,

Melanie
With music I know happiness (Kurtág)

58

Montag, 12. Juli 2010, 02:14

Hallo Mela & Michel,

freut mich, dass euch die Takase/Murray und die Nagl gut gefallen.

Murray bläst hier zwar öfter das Tenorsaxophon als die Bassklarinette, schön ist die Scheibe aber trotzdem


Naja :pfeif:, aber was Murray auf der Bassklarinette macht , ist doch dafür wirklich schön. Ich liebe diese Scheibe ja heiß und innig. Aber dazu trägt sicherlich auch bei, dass ich sie zusammen live erleben konnte und beide sehr oft einzeln mit anderen Programmen und sie auch ein bisschen darüber hinaus kennenlernen konnte. Es sind beide super-sympathische Menschen.

Murrays "Ballads for Bassclarinet" liefert aber wirklich Bassklarinette satt und ist auch wunderschön.

Eine Scheibe, die ich ähnlich heiß und innig liebe, ist Aki Takases Duo mit der portugiesischen Sängerin Maria Joao.



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Die Live-Scheibe ist voller abgedrehtem, aber herzerwärmendem Humor und Poesie. Schöne Songs, auch Standards oder ein Song der Fado-Meisterin Amelia Rodriguez gehen urplötzlich in kräftige, freie Klaviergewitter Takases über. Joao ist nicht nur eine Meisterin des Scat-Vocals, sondern hat auch eine Ausdruckspalette und intelligente Komik, wie ich sie auf ganz andere Weise nur von Cathy Berberian kenne. Ihr Zusammenspiel erreicht eine Intimität und Freundschaftlichkeit, die aus jedem Weltschmerz retten kann. Und was sie aus My favorite Things oder Stephen Sondheims Send in the Clowns machen, muß man einfach gehört haben. Und unter dem Titel Watashi no Obukasan verbirgt sich sogar eine Art Berliner Lied etwas im 20er Jahre Stil der in Berlin lebenden japanischen Pianistin, dass mit starkem portugiesischen Akzent gesungen, besonders schön und lustig klingt. Live war es meist der Beginn der Zugaben.

:wink: Matthias

59

Dienstag, 13. Juli 2010, 20:48

:wink:

Im Keller wird über Irene Schweitzer, Duo Tacuma/Puschnig und Duo Takase/Joao geschrieben und prompt kann ich mich gut an die erinnern, waren alle in Moers anno 1987/88. Besonders bei Takase / Joao war das Zelt aus dem Häuschen. :) Nach drei Zugaben in einer halben Stunde wurde noch eine Viertelstunde weiter applaudiert. Der Zeitplan war hin, aber egal Thomas Mapfumo hat sowieso fast die ganze Nacht gespielt, egal wann das anfing.

Nach einem dieser sinnlosen Meetings heute Nachmittag, mit so genannten Topmanagern, die meine Arbeit viel besser verstehen, weil sie sie noch nie gemacht haben, hatte ich mir einfach das Beste verdient, einen wirklichen Meister, Johnny Hodges:



Gruß, Frank

PS: Gibt es auch als Vinyl.
"No matter. Try again. Fail again. Fail better." (Samuel Beckett)

60

Dienstag, 13. Juli 2010, 21:39

Ich hab ja in letzter Zeit eher wenig Jazz gehört. Umso mehr Lust hab ich heut auf diese wunderbar entspannte Scheibe:



Archie Shepp: Stream

Archie Shepp - T- & S-Sax
Charles Greenlee - Trombone
Beaver Harris - Piano
Cameron Brown - Bass
Dave Burrell - Drums

Mitgeschnitten in Montreux am 18. Juli 1975.

Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

61

Dienstag, 13. Juli 2010, 23:09

Archie Shepp: Stream

Archie Shepp - T- & S-Sax
Charles Greenlee - Trombone
Beaver Harris - Piano
Cameron Brown - Bass
Dave Burrell - Drums


Eine ganz tolle Scheibe, aber Beaver Harris ist der sehr gute Drumer, Dave Burrell der Pianist.

Und weil Dave Burell zwar nie so groß herausgekommen ist, aber m.E. einer der ganzen großen Pianisten des Jazz ist, lege ich doch gleich mal diese von ihm ein:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Dieses Trio mit Michael Formanek (b) und Guillermo E.Brown (dr) überzeugt vor allem durch die packende Interaktion in den etwas sperrigen, sehr originellen Kompositionen Burrells.

Anschließend gibt es noch:

Dave Burrell Plays Ellington & Monk mit Takashi Mizuhashi, 1978

:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Auch in seinen besonders experimentellen Phasen des 60er/70ern blieb die Tradition bei ihm immer heraushörbarer als bei fast allen anderen Vertretern der radikalen Avantgarde. Das waren bei ihm neben Monk und Ellington vor allem die Meister des frühen Jazz Pianos wie Jelly Roll Morton und die großen Meister des Stride Pianos wie James P. Johnson, der auch Ellington besonders beieinflußt hat. Es gibt sicher keinen lebenden Pianisten - nur Uri Caine kommt da etwas ran -, der so gut noch die Stride-Piano-Stile drauf hat und sie mit Modernem verknüpft, wo dann z.B. Stride-Läufe plötzlich in für ihn typische Cluster-Glissandi mit der Faust oder dem ganzen Unterarm übergehen können. Aber so sehr er auch in der Tradition ruht und swingt, war er auch immer für Experimente zu haben, darunter auch eine faszinierende Jazz-Oper, die er mit seiner Frau, der Sängerin Monika Larsson schuf, einer der ganz wenigen relativ geglückten Versuche dieser Art.

Ich habe ihn mehrmals mit Archie Shepp und David Murray zusammen, sowie solo und mit eigenen Projekten erleben können und das waren immer Konzert-Highlights, zuletzt den schon bedenklich wacklig zum Flügel schlurfenden alten Mann im Herbst solo in Berlin, in dem er Kompositionen von Jelly Roll Morten, Monk, Ellington und seinen eigenen Personalstil in praktisch jedem Stück ineinander- und übereinanderschob - absolut faszinierend organisch klingend und immer noch virtuos, obwohl er früher noch virtuoser und freier spielte, aber ganz relaxed und bescheiden vorgetragen.

Von seinen über 30 eigenen Lp/Cds und weit über 100 Aufnahmen als Sideman gibt es leider nur noch wenig und die meisten, besonders die eigenen, waren immer schon extrem schwer zu beschaffen, dabei halte ich viele eigene besonders aus den 60ern und frühen 70ern für epochal absolut herausragend, auch viele aus dieser Zeit mit Shepp, z.B. Attica Blues, oder Sunny Murray, Beaver Harris, Pharoah Sanders oder Alan Silva.

Besonders schön sind auch seine Duo-Cds mit David Murray oder die Aufnahme der beiden mit seiner Frau Monika Larsson, die wie Karen Krog oder Monika Zetterlund diese ganzen aufgebauten jungen skandinavischen Stimmchen aber so etwas von in den Schatten singen kann.

:wink: Matthias

62

Mittwoch, 14. Juli 2010, 08:21

Archie Shepp: Stream

Archie Shepp - T- & S-Sax
Charles Greenlee - Trombone
Beaver Harris - Piano
Cameron Brown - Bass
Dave Burrell - Drums


Eine ganz tolle Scheibe, aber Beaver Harris ist der sehr gute Drumer, Dave Burrell der Pianist.


Oh ja, Du hast recht ! :hide:

Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

63

Samstag, 17. Juli 2010, 23:03

Nachmittags mit viel Freude goutiert:



Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

64

Sonntag, 18. Juli 2010, 12:55

Ich würde zu gerne die Gesichter von typischen Metheny-Group-Fans sehen, wenn ihnen als hartnäckigen Fans das in die Hände gefallen ist und die ersten Cluster-Attacken aus den Boxen dröhnen.
http://www.amazon.de/product-reviews/B00000209E/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1

;+)

65

Sonntag, 18. Juli 2010, 18:07

http://www.amazon.de/product-reviews/B00000209E/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1


Danke, EinTon. Hübsch. :D Ja, so ähnlich hatte ich mir die Reaktionen vorgestellt: Gar "keine Melodien" - Ooo! :D Ich mag Derek Bailey und es gibt schon viel zu viele Melodien in der Musik. Ich nehme meist die Melodien halt in Kauf, wenn der Rest darum gut komponiert/arrangiert/improvisiert ist, aber die Melodien selbst finde ich meist eher nervig, vor allem in der Klassik. Unvertreibbare Ohrwürmer im Kopf zu haben, hasse ich richtig. Melodiöse Musik versuche ich deswegen, selbst wenn mir die Melodien mal gefallen, nur sehr sparsam wiederzuhören, damit sie sich mir nicht im Hirn einnisten, was bei mir leider sehr schnell geht, und mir beim zu häufigen Hören die Musik verderben. Ab einer hinreichenden Größe einer Sammlung läßt sich so ganz gut mit diesen viel zu vielen Melodien in der Musik leben.

Oder die Melodien werden hinreichend zerlegt und so neuzusammengesetzt, dass bestimmt keine Melodienseligkeit aufkommen kann. Z.B. so:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Derek Bailey spielt Standards - wunderbar!

:wink: Matthias

66

Sonntag, 18. Juli 2010, 18:28

Ich nehme meist die Melodien halt in Kauf, wenn der Rest darum gut komponiert/arrangiert/improvisiert ist, aber die Melodien selbst finde ich meist eher nervig, vor allem in der Klassik.

Naja, ich mag auch *schöne (allerdings nicht "banale") Melodien*, aber sie müssen auch nicht unbedingt sein, damit mir die Musik gefällt.
Und ich habe sogar 4 Alben von Metheny, dessen Musik für mich durchaus einen gewissen Reiz hat, allerdings mag ich auf die Dauer andere Stile schon mehr... :)

67

Sonntag, 18. Juli 2010, 20:08

Und ich habe sogar 4 Alben von Metheny, dessen Musik für mich durchaus einen gewissen Reiz hat,


Für mich dann auch, wenn er starke Partner hat, wie hier Derek Bailey oder Ornette Coleman, Brad Mehldau, Michael Brecker, Roshua Redman...; - so sind bei mir sogar einige mehr zusammengekommen.

Es ging weiter mit Gitarren-Jazz, aber jetzt einer Musik, die weniger Konzentration nötig macht.





Bei mir sind diese beiden Alben als Act-Wiederveröffentlichung komplett auf einer CD.

Besonders schön: Piazzollas Deus Xango, in dem ein bestens aufgelegter Joachim Kühn pianistisch das Gitarren-Duo erweitert. (Also manche Melodien, nicht zu oft gehört, nicht zu eingängig interpretiert, finde ich ja auch schön.)

:wink: Matthias

68

Montag, 19. Juli 2010, 00:38

Zur Vorbereitung des versprochenen "Frauen im Jazz" - Threads habe ich heute einen Abend lang diverse Aufnahmen mit Lil Hardin Armstrong gehört, darunter viel nur entlegen oder gar nicht Veröffentlichtes aus Archiven, natürlich auch Einiges mit ihrem kurzzeitigen Mann Louis Armstrong und mit Fletcher Henderson. Die Lady war eine der ganz Großen des Jazz!



Bei mir aber die Original- Columbia-Box. Für die musikalische Konzeption dieser besten Aufnahmen von Louis Armstrong war vor allem Lil Hardin verantwortlich.

:wink: Matthias

69

Montag, 19. Juli 2010, 19:47

Ian Carrs Nucleus, eine der besseren europäischen Jazz-Rock-Formationen:









Die alten Platten hatte ich nur auf alten Cassetten gehabt. Zum günstigen Preis jetzt doch mal neu besorgt.

Gefällt mir immer noch.

:wink: Matthias

70

Donnerstag, 22. Juli 2010, 22:51

In letzter Zeit liefen:



Nigel Kennedy Quintet

Ziemlich gutes Album mit deutlichen Anklängen des Früh-70er Jazz-Rock mit Hammond-Orgel, schönem Zuspiel Kennedys mit sich selbst mit eher Geigen.nahen und eher Klasse-E-Gitarren-Sounds und wilden E-Gitarren-Soli auf der E-Geige a la Jerry Goodman. Tomasz Grzegorskis (ts,ss, bcl) Phrasen kennt man zwar schon, aber sie sind sher passend eingesetzt und gut gespielt.

Herausragend und wirklich originell hingegen ihre Fassung von River Man :juhu: :juhu: :juhu: mit Ostinato der Bassklarinette und der Hammond zu fahl klingenden Geigenklängen, die keine Kitsch-Sentimentalität aufkommen lassen, und einem richtig guten, sehr angemessen fertig klingenden Gesang von Boy George. Ich wußte gar nicht, dass es den noch gibt und das der so etwas hinbekommt.



Schon die dritte CD, jetzt auf einem Label mit internationalem Vertrieb, von Thierry Langs Lyoba-Projekt, in der er populäre traditioelle Melodien seiner westschweizerischen Heimat zum Ausgangspunkt für seine romantischen Jazz-Arrangements nimmt, in der originellen Besetzung für Piano, Bass, Flügelhorn und 4 Celli. So entsteht eine hübsche imaginäre Filmmusik vielleicht für einen nostatalgisch-melancholischen alternativen Independent-heimatfilm ohne falsche Sentimentalitäten. Matthieu Michel am Flügelhorn ist wunderbar, auch Heiri Känzig am Bass gefällt mir wieder sehr gut, Etwas blaß bleibt für mich jedoch Langs Klavierspiel. Auch mindestens einer der Cellisten ist zu guten Jazz-Soli beizutragen in der Lage. Aber insgesamt ist mir das dann doch ein bisschen zu geschmackvoll.

Und wieder mit Jazz-Streichern:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Rigmor Gustafsson Alben fand ich bislang eher langweilig, was wohl auch trotz stets sehr guter Musiker,
besonders an den zahmen, viel zu geschmackvollen Arrangements lag, aber hier gefällt
sie mir mal gut, obwohl sie keine große Stimme hat, aber sie interpretiert hier ausdrucksstark, differenziert und originell. Das muß am Radio-String-Quartet-Vienna liegen, dass hier auch für die ziemlich genialen Arrangements und einige Kompositionen verantwortlich ist.

Dieses Quartett hat sich in kürzester Zeit unter den JazzStreichquartetten ganz nach vorne gespielt mit einem Album mit der Musik Mclaughlins Mahavishnuorcherst für Streichquartett und Kollaborationen mit Klaus Paier und Ulf Watenius. Alle vier sind erstklassige Jazz-solistInnen mit der Power einer harten Rockgruppe auf dem spieltechnischen Niveau klassischer SolistInnen. Cellistin Asja Valcic kann auch auf eine schon ganz gute klassische Solistinnenkarriere zurückblicken, bevor sie zum Jazz gewechselt ist.

Hier also nur Gesang und Jazz-Streichquartett ohne weitere Instrumente, die diese Jazzstandards, Songs von Paul Simon, Stevie Wonder und sogar Burt Bacharach gründlich und äußerst lebendig, mit enorm dichten,vollen Sound gegen den Strich bürsten. Höhepunkte sind aber für mich die Eigenkompositionen der Quartetmitglieder, besonders daslustig-abgedrehte Fancy Nancy, bei dem Asja Valcic für Komposition und Text gesorgt hat und Joni Mitchells The Dry Cleaner from Des Moines. Zwar kommt Rigmor Gustafsson nicht ganz an Joni Mitchell ran, singt das aber, klugerweise auf ihre eigene Art sehr gut, doch das gleich wild einsetzende Arrangement des Quartets ist der Hit.

Diese tolle Scheibe lief heute gleich noch mal.

71

Donnerstag, 22. Juli 2010, 23:23

Ebenfalls gestern und heute lief diese, gerade sehr günstige CD:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Eric Watson gehört zu den von mir ganz besonders geschätzten Pianisten, in dessen Musik subtile Kompositionen und freie Improvisation eine außerordentlich intensive Verbindung eingehen und der stets erstklassige Partner mitbringt, hier Peter Herbert (b) und Christophe Marguet (dr), der aber dennoch nicht die große Anerkennung bekommen hat, die jemand verdient, der in mehreren Jahrzehnten ausschließlich besonders ausgezeichnete Alben veröffentlicht hat.

Hier liegt der Schwerpunkt mehr auf der Kompositions- als auf der Improvisationsseite und es dominieren wunderschöne Stücke voller, etwas herber, zerrissener Romantik und melancholischer Nachtstimmung. Etwas aus dem Rahmen fällt das sehr kräftig-vitale Dice in the Sky mit Anklängen an Mal Waldron und McCoy Tyner, das mir besonders gut gefällt.

Watson hat einen ganz eigenen Klavierstil, der nicht nur die Jazz-Moderne, sondern auch die klassische Moderne verarbeitet, so klingen etwa Herbie Nichols, Thelonious Monk und Mal Waldron von Ferne ebenso an wie Charles Ives.

:wink: Matthias

72

Freitag, 23. Juli 2010, 09:24

Hier läuft im Moment Charlie Mingus:



wow :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

73

Samstag, 24. Juli 2010, 01:59

Ah, Paris 1964! :thumbsup:
:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Bei mir Tom Harrell (tp) & Jacky Terrasson (p) im Duo



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Wunderbare Interpretationen von Dizzy, Miles, Bud Powell, Duke Pearsons tolles "Janine" in einer besonders herausragenden Interpretation und einige ganz vorzügliche Monk-Interpretationen, die sehr gut den Monk-Ton mit seinen abgehackten Synkopierungen und etwas schrägen Akkordfolgen treffen.

Es geht doch fast nichts darüber, nach einem langen Tag mit einem Lagavulin im Glas nachts 'Round Midnight in einem schönen Duo zu hören. :thumbup:

:wink: Matthias

74

Sonntag, 25. Juli 2010, 01:18

Bei mir lief heute Jazz aus Berlin:



:juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Silke Eberhard Quartett: Silke Eberhard (as, bcl), Niko Meinhold (p, melodica, toys), Jan Roder (b), Sebastian Merk (dr)

Nicht untypisch, für das, was sich hier in der progressiven Jazz-Szene tut: Verbindung von komplexeren, vorgegebenen Formen, insbesondere komplexeren, meist ungraden Metren - 4/4-Takt ist inzwischen verboten - und freier Improvisation. Nun ist das in New York, Paris, Copenhagen und anderswo auch der Trend. Nicht untypisch für diese Berliner Szene ist dabei viel Humor, die zwischendurch auch mal einfachere Strukturen nicht scheut, wenn der Groove dabei schön ungerade bleibt, und, dass Jan Roder den Bass spielt, was er in unzähligen Berliner Projekten tut, wobei er immer mit vorzüglich herausgespielten Linien sehr dazu beiträgt, dass die Musik auch wirklich groovt. Die guten Kompositionen stammen überwiegend von Silke Eberhard, die auch solistisch an Alt-Sax und Bassklarinette besonders positiv heraussticht. So ist insgesamt ein überdurchschnittlich gutes Album gelungen.

Da freue ich mich doch schon auf Eberhards bereits angekündigte, neuste Einspielung, in der sie sich mit ihrem reinen Bläserquartett der Musik von Eric Dolphy widmet. Live konnte ich das schon hören und es war hervorragend.

:wink: Matthias

75

Sonntag, 25. Juli 2010, 03:00

Zuletzt lief Free-Jazz aus Norwegen:

Frode Gjerstad Trio: St. Louis , 2003 FMR Records

:juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Frode Gjerstad (sax), Øyvind Storesund (b) Paal Nilssen-Love (dr) gehören zu den umtriebigsten Musikern des norwegischen Jazz. So spielt Gjerstad auch bei The Source, einer der wichtigsten norwegischen experimentellen Bands, hat aber auch mit der Indie-Hardrock-Band Motorpsycho gespielt, Storesund u.a. auch bei der verrückten Rock-Band Kaizers Orchestra, Nilssen-Love u.a. viel mit Ken Vandermark und Peter Brötzmann.

Diesen Live-Improvisationen aus St.Louis hört man an, dass dieses Trio schon einige Zeit zusammenarbeitete und bestens aufeinander eingespielt ist. Wenn die Interaktion zwischen großartigen Musikern so dicht und anregend ist, die Ideen so blitzschnell von einem zum anderen wandern, dann macht Free Jazz enorm viel Spaß.

:wink: Matthias

76

Sonntag, 25. Juli 2010, 09:39

Ah, Paris 1964! :thumbsup:
:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


Bei mir lief gestern Abend: Bremen (16. April) 1964 ! :thumbsup:



:juhu: :juhu: :juhu:

In Bremen agierte die Truppe noch komplett als Sextett: mit Johnny Coles an der Trompete, der - wenn ich richtig informiert bin - während des am folgenden Tag (17. April) stattfindenden Paris-Konzerts einen Schwächeanfall erlitt und die weitere Europa-Tour nicht mehr mitgestalten konnte.

Interessant ist übrigens auch das als Quintett gespielte Konzert in der Stuttgarter Liederhalle vom 28. April 1964, das u.a. in dieser ziemlich preiswerten und IMO sehr empfehlehnswerten Box vollständig (3 CDs!) enthalten ist:



Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

77

Sonntag, 25. Juli 2010, 12:31

Höre grade eine meiner Liebligsscheiben:



Ornette Coleman & Prime Time: Virgin Beauty

Ornette Coleman: Saxophon, Violine, Trompete
Denardo Coleman: Drums, Keyboards, Percussions
Calvin Weston: Drums
Al McDowell: Bass
Chris Walker: Bass
Bern Nix: Gitarre
Charlee Ellerbe: Gitarre
Jerry Garcia: Gitarre


:juhu: :juhu: :juhu:

Das macht richtig gute Laune!

:)

Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

78

Sonntag, 25. Juli 2010, 14:35

Heut' bleib ich noch ein bissel hier und hör diese:



Sonny Rollins: Horn Culture (1973)

Sonny Rollins: T- und S-Sax
Walter Davis Jr: Klavier, E-Piano
Masuo: Gitarre
Bob Cranshaw: E-Bass
David Lee: Schlagzeug
Mtume: Percussion, Klavier


Mag ich sehr! :juhu: :juhu: :juhu:

Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

79

Sonntag, 25. Juli 2010, 15:44

Rollins' auf »Horn Culture« enthaltene Interpretation von »God bless the Child« ist ganz wundervoll - am liebsten bleibt mir dennoch Eric Dolphys Kopenhagener Solo-Bassklarinetten-Performance dieses Stücks vom 8. September 1961. Hier enthalten:



und eben zum Vergleich gehört.

:faint: :juhu: :juhu: :juhu:

Jetzt gehts aber weiter mit dieser schönen Rollins-Compilation:



Adieu,
Algabal
"Tarek sagt 'Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen!' Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen." (Peter Fox)

80

Sonntag, 25. Juli 2010, 20:09

Auch nach 25 Jahren kann man mit dieser Aufnahme noch sehr viel Spaß haben:





Ich bin weit eher ein Freund der sphärischen Töne Bill Frisells als des eher erdigen John Scofields, aber die Kombination beider in einem Quartett war einfach eine hervorragende Idee, zumal Johnson und Erskine hier weitaus mehr als bloße Begleiter sind.

Danach dann ein herrlich groovender Klassiker des entspannten Sommer-Jazz. So nah am Kitsch und dennoch so meisterhaft - das gelang halt nur in den Swinging Sixties:





Cheers,

Lavine
Schlofsch nagged - do verschleisch koi Hos'

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