Das ist wirklich furchtbar zu hören - noch furchtbarer, daß diese Nachricht in den meisten österreichischen Medien, u.a. dem Rundfunk, nicht wahrgenommen wurde.
Mackerras war einer der großen Dirigenten unserer Zeit, ein besessener Arbeiter, aber auch ein praktisch denkender Musiker. Wir alle wissen, daß er es war, der Janáceks Opern in ihren herben Originalfassungen durchsetzte. Vor nun schon sehr langer Zeit, also rund 20 Jahren, engagierte die Wiener Staatsoper den großen Australier für eine Serie von "Jenufa"-Aufführungen, keine Premiere, sondern reines Repertoire. Der Direktor hoffte, damit auf diese tapfere Produktion aufmerksam zu machen. Natürlich lief "Jenufa" in der korrumpierten Version. Was machte Mackerras? - Er beließ es bei dr korrumpierten Fassung. Als man ihn etwas konsterniert fragte, weshalb, sagte er: Weil er nicht genug Proben hatte, um die Sänger und das Orchester auf die Vorzüge des Originals einzuschwören und dieses entsprechend aufzuführen. Der Star war eben auch ein Praktiker.
Ich möchte aber unbedingt darauf hinweisen, daß Mackerras zwar ein wunderbarer Interpret der tschechischen Musik war, aber auch anderes großartig im Griff hatte. Aus Australien gibt es eine DVD mit den "Meistersingern", die ich rückhaltlos empfehle: Flotte Tempi, sehr gut durchhörbar, sehr auf Parlando gespielt. Auch Britten war bei Mackerras in guten Händen. "Gloriana" ist eine immer noch unübertroffene Referenzaufnahme, die DVD von "Billy Budd" ist musikalisch sogar besser als Nagano und Hickox.
Außerdem gibt es unter Mackerras eine farbenglühende und dabei sehr detailfreudige "Salome". Und wer für Leichteres ein Ohr hat, kommt bei seinen nicht nur sehr präzisen sondern auch unglaublich amüsanten Einspielungen von Sullivan auf seine Rechnung.
Leider bin ich überzeugt, daß Mackerras schon bald vergessen sein wird. Und in 50 Jahren wird man seine Aufnahmen ausgraben und draufkommen, daß es da einen gab, der sich nicht als Superstar gerierte, aber einer der Großen seiner Zeit war.