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Rideamus Die Bezeichnung Gegenprogrom geht völlig fehl. Und wieso überhaupt Gegenprogrom ?
Zitat
Offen gestanden, fühle ich mich bei dieser Aufbereitung eines möglichen Gegenpogroms noch unwohler als bei der permanenten Übrbewertung des vermutlich engagierten, ansonsten aber viel zu wichtig genommenen Mitläufers Weismann in dem anderen Thread.
deshalb erwarte ich auch gründlichere Informationen, als aus dem Zusammenhang gerissene Zitate. Und die Frage ist durchaus interessant zu klären, ob sich Antisemitismus nicht auch in der Musik sich spiegeln könnte ...
Zitat
Mehr oder weniger aus ihrem (auch zeitlichen) Zusammenhang gerissene Zitate sind wenig hilfreich bei einer differenzierten Einordnung der Komponisten, und wenn nun alle von Schütz und Bach angefangen mit solchen Äußerungen aufgelistet und unter die Antisemiten eingereiht werden, wer hätte genau was davaon?
Offen gestanden, fühle ich mich bei dieser Aufbereitung eines möglichen Gegenpogroms noch unwohler als bei der permanenten Übrbewertung des vermutlich engagierten, ansonsten aber viel zu wichtig genommenen Mitläufers Weismann in dem anderen Thread.
Matthias
Ich verstehe Amfortas Überlegungen eher so, bzw. würde es vorschlagen, sie so zu verstehen, dass wir hier in diesem Thread vielleicht mögliche Fragen zu dem gesamten Themenkomlex Antijudaismus/Antisemitismus in der europäischen Musikkultur sammeln könnten und überlegen könnten, wie wir sie nach und nach sinnvoll und in Einzel-Threads angehen könnten, ohne dass wir uns überfordern.
Rideamus Der Titel liest sich aber leider anders.
Ich bleibe aber bei meiner Meinung, die auch in Algabals Bezeichnung "Denunziationsthread" nicht unpassend gekennzeichnet ist.
Zitat
Klar, über den Antisemitismus als kulturellen Code zu diskutieren macht Sinn - wir könnten aber auch (da trage ich bei Dir naklar Eulen nach Athen) einfach gemeinschaftlich Shulamit Volkov lesen, dann würde die Diskussion wenigstens einigermassen informiert sein.

Matthias Das könnte in der Tat sinnvoll sein. Dann bräuchte der Thread aber einen neuen Titel oder, noch besser, einen kompletten Neuanfang, der genau diese Absicht darlegt.Ich bleibe aber bei meiner Meinung, die auch in Algabals Bezeichnung "Denunziationsthread" nicht unpassend gekennzeichnet ist.
So eine "Pranger-Liste" fände ich auch wenig hilfreich, da nichts zum Verständnis beitragend.
Aber diesen Thread hier zur Verständigung über Themen in diesem gesamten Komplex und darüber, wie wir sie vielleicht bearbeiten könnten, zu benutzen, wäre doch vielleicht sinnvoll?
Matthias
Rideamus
so hatte ich mir diesen Thread vorgestellt. Wenn der Threadtitel etwas unglücklich ist bzw. wenn er unterstellt es wäre eine Art "Progromthread" (Ursache wäre meine Eile + Ungeduld in der Wortwahl), kann er geändert werden. Mir geht es um den Inhalt und die Fakten.
Zitat
Ich verstehe Amfortas Überlegungen eher so, bzw. würde es vorschlagen, sie so zu verstehen, dass wir hier in diesem Thread vielleicht mögliche Fragen zu dem gesamten Themenkomlex Antijudaismus/Antisemitismus in der europäischen Musikkultur sammeln könnten und überlegen könnten, wie wir sie nach und nach sinnvoll und in Einzel-Threads angehen könnten, ohne
dass wir uns überfordern. Denn es ist ja leider richtig, dass die "abendländische" Kultur voll von Antijudaismus und Antisemitismus ist, ich es unerträglich finde, sich demgegenüber naiv zu stellen, wie es ja von euch auch niemand macht, und das dann natürlich Fragen aufwirft, wie am besten damit umgegangen werden kann. Natürlich gebe ich auch Peter völlig recht, dass hier Unterscheidungen dringend erforderlich sind.
Lieber Peter, das ist sicherlich nicht verkehrt und sollte durchaus beachtet werden. Ausnahme: z.B. wenn ich Luthers möderische Ausfälle gegen Juden lese, dann fällt es mir sehr schwer darin "nur" Antijudaismus wahrzunehmen.. aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema.
Zitat
BTW muss man auch unterschiedliche Arten von Antisemitismus auseinanderhalten: der Antijudaismus von Luther ist etwas anderes als der Antisemitismus von Wagner und der unterscheidet sich immerhin noch voh dem Eichmanns.
Bevor der Thread tatsächlich weiter degeneriert, mein Vorschlag: in Nachfolge des ebenfalls unglücklich begonnenen Threads über antisemitische Komponisten einen neuen anfangen, der allgemein der Auseinandersetzung darüber gilt, wie man mit problematischem Verhalten der beschriebenen Art umgeht - möglichst ohne persönliche Denunziation und unfreiwillige Werbung.
Matthias Ja kann so umgenannt werden. Etwas Bessseres (als dieser Titel aus den Musikkonzepten) fällt mir momentan nicht ein. Es kann durchaus Wagner (Nightrider) mitberücksichtigt werden, aber der Thread sollte nicht auf Wagner fokussiert werden. Gegebenfalls kann sich dann zu Wagner auch ein gesonderter Thread abspalten.
Zitat
Hat denn jemand etwas dagegen, wenn wir nun diesen Thread umtaufen? Ich fände, dass "Wie antisemitisch darf ein Künstler sein?" ein guter Titel wäre. Aber auch andere Vorschläge werden gerne entgegen genommen.
Michel
z.B. im Parsifalthread ist schon einiges über Parsifal und Antisemitismus zu finden (z.B. Folgebeitrag von Polonius Nr. 41).....
Zitat
Konkret gesagt, würde ich gerne über Richard Wagner diskutieren. Nicht um zu denunzieren, sondern weil ich glaube, dass sich an seiner Person die Frage am deutlichsten zuspitzen lässt. Die üblichen Verteidigungsversuche greifen hier nicht: man kann Wagners Antisemitismus nicht unter den Teppich kehren, dazu ist er zu manifest.
Sehe ich ähnlich! Auch ich finde der Titel sollte viel allgemeiner gefasst werden:Und obendrein zu eng gefaßt. Natürlich ist Antisemitismus extrem übel - aber ich finde, wenn schon, dann sollte es um Rassismus allgemein gehen, es sollte also die Frage gestellt werden, ob rassistische Einstellungen in welchen Werken auch immer Spuren hinterlassen haben.
Wobei mir Rassismus fast zu wenig ist, ich würde fast auf "Fremdenfeindlichkeit" erweitern. Oder sogar auf "ideologische Feindschaft".
Mann, bin ich froh, daß ich kein Moderator bin...![]()
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Lieber Matthias,Dann nutze ich den Thread hier doch gleich, um etwas einzustellen, was ich eigentlich für den Weismann-Thread geschrieben hatte:
Lieber Rideamus, lieber Edwin,Bevor der Thread tatsächlich weiter degeneriert, mein Vorschlag: in Nachfolge des ebenfalls unglücklich begonnenen Threads über antisemitische Komponisten einen neuen anfangen, der allgemein der Auseinandersetzung darüber gilt, wie man mit problematischem Verhalten der beschriebenen Art umgeht - möglichst ohne persönliche Denunziation und unfreiwillige Werbung.
danke für euer Vertrauen, aber so richtig ist mir der Vorschlag noch nicht klar. Da müßt ihr mir noch etwas auf die Sprünge helfen. Also einerseits geht es um die Umgangsweise und Erinnerungskultur. Dankenswerterweise angestoßen von Keith haben wir hier schon etwas einige Problematiken von Erinnerungskulturen angefangen zu diskutieren. So viel mehr, als ich dort und hier geschrieben habe, will mir jetzt dazu auf Anhieb auch nicht einfallen. Auch Peter Brixius hatte dazu schon Eingangs im Thread über "Musik im Dritten Reich" schon Kluges geschrieben, was ich nur unterschreiben kann.
Absolut, und nicht nur bis in die 50er, sondern bis heute, denn unser gegenwärtiger Umgang mit dem Thema lässt ja auch tief blicken.
Zitat
Dann gehört zur Problematik der Umgangsweise noch die Nachzeichnung und Kritik der vorherrschenden Umgangsweisen nach 45.
Mein Vorschlag entsprang eher dem Impuls, die Debatte in konstruktivere Bahnen und von Weismann abzulenken. Konkret darüber nachgedacht, wie man das machen könnte, habe ich bislang noch nicht, und würde ich auch lieber anhand eines Threadverlaufes tun, denn, wie gesagt, mein Fachwissen ist viel zu begrenzt. Natürlich ist es wünschenswert, wenn Peter und viele andere dabei mitmachen, solange nur die leidige Debatte über individuelles Fehlverhalten, die zu leicht in die Nähe eines Prangers gerät, an den eigentlich Hunderttausende bis Millionen und beileibe nicht nur Deutsche gehören, vermieden und musikalische Qualität primär an dem menschlichen Wohl- oder Fehlverhalten Einzelner während der kritischen Jahre festgemacht wird.
Zitat
Vielleicht können wir per PN erst einmal Ideen, bzw Entwurfsbausteine austauschen und so eine Einleitung auch zusammen entwickeln. Lieber Rideamus, wenn dir da schon grob etwas vorschwebt, dann würde ich gerne eine grobe Skizze oder so ergänzen.
Rideamus Ich denke, man darf eine solche Frage stellen, wenn sie - was bei dem gleichlautenden Titel des damaligen "Musikkonzepte"-Bandes wohl eindeutig gegeben war - erkennbar provozierend gestellt wird. Ob die Provokation hier erkennbar ist, ist die Frage."Wie antisemitisch DARF ein Künstler sein?"
Darf man solch eine Frage stellen, oder ist allein das Ansinnen, daß ein Künstler ja unter Umständen darf, nicht bereits problematisch?
Lieber Brunello, diese Antwort ist der Weisheit letzter Schluss, denn warum sollte ein Künstler in Sachen Antisemitismus/Rassismus Sonderprivilegien haben dürfen??????Nicht mehr und nicht weniger als jeder andere Mensch.
- dreimal den Parsifal über mich ergehen lassen.
Antisemitische Musik ausmachen zu wollen, bedeutet imgrunde, die Massstäbe der Nazi-Ideologie und deren jahrhunderte-alten Nährboden zu übernehmen. Wie kann es antisemitische Musik geben wenn es nciht auch semitische Musik gibt?
Was es sehr wohl gibt, sind antisemitische Texte und Aussagen, aber die Musik als solche?
Zitat
Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, dass der »Ausnahmezustand«, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht. Dann wird uns als unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands vor Augen stehen; und dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern. […] Das Staunen darüber, dass die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten Jahrhundert »noch« möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, dass die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.
Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte [1939/40], 8. These

Liber Rideamus,
das ist doch schon mal was.
eine Diskussion darüber, wie WIR mit diesem Thema umgehen könnten oder sollten.
Ja, sehe ich auch so, dass dies zentral sein sollte.
Ansonsten muß ich dann noch etwas nachdenken. So aus der Hüfte geschossen, bekomme ich das auch nicht hin.
Matthias
....was natürlich sehr ambivalente Gefühle in mir weckt. Aber das ist nunmal so, damit muss ich umgehen. Die "gewisse Unlogik"
So gesehen ist die Frage danach, wie antisemitisch Komponisten oder sonst wer sein dürfen, jenseits der (hier im Forum doch hoffentlich konsensfähigen) Feststellung: »Gar nicht!« eigentlich weitgehend uninteressant. Da gibt’s auch nix zu diskutieren, denn die Antwort ist ausschließlich ein Spiegel der uns je eigenen Wertesysteme und Einstellungen.
@Algabal: ich hoffe, es ist durchgedrungen, [...] ist doch hoffentlich auch angekommen?!
wäre doch auch noch ein schöner Threadtitel. Oder anders gefragt: Gibt es hier jemanden, der bewusst keinen Gesualdo hört, weil dieser Mann nach den Maßstäben unserer Zeit als Schwerverbrecher gelten muss? Fairy, wie stehts da mit dir? ----
Zitat
Darf ein Komponist ein Mörder sein?
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