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201

Sonntag, 1. November 2009, 11:27

Zu Zemlinsky

Diesen Halbsatz fand ich gerade im Beitrag zu Zemlinsky:

"aber als Dirigent trotz zahlreicher Erfolge nie wirklich reüssieren konnte."

Diesen Halbsatz sollten wir streichen. Das "Deutsche Theater" in Prag, dessen Opernbühne Zemlinsky langjährig geleitet hat, war schon eine der wichtigeren Opernbühnen der Zeit mit beträchtlicher Wirkung. Anschlußtätigkeit an der Krolloper folgte. Da gehörte Zemlinsky schon zu den gefragtesten Gastdirigenten seiner Zeit mit zahlreichen Verpflichtungen und Tourneen im In- und Ausland.

:wink: Matthias

202

Montag, 2. November 2009, 11:34

RE: Zu Zemlinsky

Diesen Halbsatz fand ich gerade im Beitrag zu Zemlinsky:

"aber als Dirigent trotz zahlreicher Erfolge nie wirklich reüssieren konnte."

Diesen Halbsatz sollten wir streichen. Das "Deutsche Theater" in Prag, dessen Opernbühne Zemlinsky langjährig geleitet hat, war schon eine der wichtigeren Opernbühnen der Zeit mit beträchtlicher Wirkung. Anschlußtätigkeit an der Krolloper folgte. Da gehörte Zemlinsky schon zu den gefragtesten Gastdirigenten seiner Zeit mit zahlreichen Verpflichtungen und Tourneen im In- und Ausland.

:wink: Matthias
Lieber Matthias

Möchtest Du ein oder zwei Sätze zu Zemlinsky als Dirigenten formulieren, die ich in den entsprechenden Beitrag übernehmen könnte?

Viele Grüße
Michel
Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

203

Dienstag, 3. November 2009, 20:31

Maier, Otto (1904 - 1993). Pianist, Korepetitor

Otto Maier wird 1904 in Winnweiler geboren. Er studiert in Frankfurt und Köln Klavierspiel und Dirigieren. 1929 wird er bei der WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG) als Konzertpianist angestellt. Im Juni 1933 wird ihm gekündigt. Danach arbeitet er als freier Pianist, unter anderem auch bei verschiedenen Rundfunksendern.
1948 wird er als Korepetitor beim Rundfunkchor des NWDR Köln angestellt. 1969 geht er als Assistent des Chordirektors in Ruhestand.
Otto Maier ist 1993 gestorben.

204

Dienstag, 3. November 2009, 20:33

Nachbemerkung zu Otto Maier:

Als Otto Maier 1948 zum damaligen NWDR Köln, späteren WDR kam, traf er dort einen alten Kollegen als Vorgesetzten wieder. Auch dieser war 1933 gekündigt, doch danach wieder weiterbeschäftigt worden. Er wurde Kapellmeister am Reichssender Stuttgart, trat in die NSDAP ein, arbeitete im Kreisstab Ludwigsburg, wurde Städtischer Musikdirektor. Und von 1947 - 1962 war er beim NWDR Köln, später WDR Chordirektor.

205

Donnerstag, 5. November 2009, 10:38

Fleischer, Arthur (1884 – 1948). Sänger



Der Bariton Arthur Fleischer wurde am 14. Dezember 1884 in Wien geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er am Konservatorium in seiner Heimatstadt. Von 1906 bis 1909 war er an der Komischen Oper Berlin, 1909 am Raimund Theater Wien und von 1910 bis zum ersten Weltkrieg am Hoftheater in Hannover engagiert. Von 1914 bis 1921 trat er an der Wiener Volksoper auf. Es folgten Engagements in Dresden, Graz, Leipzig, darüber hinaus europaweite Gastspiele z. B. in der Tschechoslowakei, Spanien, Holland, Finnland und Italien. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er ab 1933 in Deutschland und ab 1938 in Österreich mit Auftrittsverbot belegt. Arthur Fleischer emigrierte in die Vereinigten Staaten von Amerika. Am 11. April 1948 verstarb er in seiner Heimatstadt Wien*. – Sein Sohn ist der Dirigent Thomas Martin (1910-1984).

* Andere Quellen geben 1949 in San Francisco an.

206

Donnerstag, 12. November 2009, 11:20

Einstein, Alfred (1880 – 1952). Musikwissenschaftler, Musikredakteur, Musikkritiker



Alfred Einstein wurde am 30. Dezember 1880 in München geboren. Nach ersten Studien der Rechtswissenschaft wechselte er zur Musikwissenschaft (u. a. bei Adolf Sandberger) und Kompositionslehre. Nach seiner Promotion - einer Arbeit über die Musik der Viola da Gamba - arbeitete er für die Zeitschrift für Musikwissenschaft (1918-1933), Münchener Neueste Nachrichten (1909-1917), Münchener Post (1917-1927) und für das Berliner Tageblatt (1927-1933) sowie als Gast für weitere Zeitungen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Einstein über London und Florenz 1939 in die Vereinigten Staaten von Amerika. Hier wurde er Professor am berühmten Smith College in Northampton (Massachusetts). Alfred Einstein gilt als einer der berühmtesten und fachlich versiertesten Musikwissenschaftlern und -kritikern, der mit Arbeiten über Mozart, Gluck, Schubert und das Madrigal u. a. berühmt wurde. Am 13. Februar 1952 ist Alfred Einstein in El Cerrito (Kalifornien) verstorben. – Alfred Einstein ist ein Vetter Albert Einsteins.

207

Sonntag, 15. November 2009, 16:02

Sultan, Grete (1906 - 2005). Pianistin

Grete Sultan wird am 21. 06. 1906 in Berlin geboren. Im elterlichen Haus in Berlin-Wannsee begegnet sie früh Künstlern wie Richard Strauss, Busoni, Furtwängler, Schnabel, Liebermann. Sie studiert Klavier bei Richard Bulig, Leonid Kreutzer, Edwin Fischer und begeistert sich für die zeitgenössische Musik.
In den späten 20er - frühen 30er Jahren beginnt Grete Sultan ihre Karriere als Konzertpianistin. Ihr Repertoire umfasst neben Klassik und Romantik auch Kompositionen von Debussy, Schönberg, Krenek, Strawinsky.
Als Jüdin erhält sie 1933 Auftrittsverbot; sie kann danach nur noch beim Jüdischen Kulturbund spielen. 1935 wird sie aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen, deren Präsident Richard Strauss Gast im Haus der Eltern war.
1941 gelingt ihr über Lissabon die Emigration in die USA. Hier verdient sie zunächst ihren Lebensunterhalt mit Klavierstunden, später kann sie ihre Karriere als Pianistin fortsetzen.
1945 macht sie die Bekanntschaft von John Cage. Dieser komponiert 1956 für sie elf seiner 50 Stücke aus “Music for Piano” und 1974/75 die “Etudes Australes”.
Mitte der 50er Jahre kehrt sie für eine Konzertreise nach Europa , auch Deutschland, zurück. Nach langen Briefwechseln erhält sie schließlich eine kleine Opferrente. 2002 wird ihr das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.
1996 gibt sie in New York ihr letztes Konzert, auf dem Programm stehen die
Goldbergvariationen von J. S. Bach. Bis zu ihrem Tod ist sie als Klavierpädagogin tätig.
Am 26. 06. 2005 stirbt Grete Sultan in New York.


http://www.exilarchiv.de/html/biografien…_biografien.htm

http://www.cmslib.rrz.uni-hamburg.de:6292/
receive/lexm_lexmperson_00001399;jsessionid=b3scrro29hhgj?wcm

208

Sonntag, 15. November 2009, 16:34

Hallo,

ausnahmsweise, da ich nicht weiß ob G. Sultan irgendwann einen eigenen Thread bekommt:

:juhu:

Bis dann.

209

Freitag, 20. November 2009, 00:37

Dauber, Robert (1922 - 1945) Cellist, Komponist.

Der Vater von Robert Dauber war der Cellist, Komponist, Arrangeur und Dirigent Adolf Dauber (1894-1950), der als Leiter des Dol Dauber Salonorchester in den zwanziger Jahren bekannt war, aber auch als Cellist im geachteten Ledec-Quartett spielte. Robert Dauber spielte Klavier und Cello. Zunächst widmete Robert Dauber sich der Unterhaltungsmusik. Während seine Eltern in Prag bleiben konnten, wurde er ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er sich an Aufführungen der Oper Brundibár beteiligte, ein Streichquartett mit den Geigern Pavel Kling und Max Bloch und dem Bratschisten Parvus gründete und komponierte, Erhalten ist nur die Serenata Violine und Klavier (1942) Anfang 1945 wurde Dauber nach Dachau verbracht, wo er im März an Typhus starb.


210

Freitag, 20. November 2009, 01:00

Löwenthal, Hugo (1875- 1942)

Der in Prag gebohrene Löwenthal war als Laie lange in jüdischen Singvereinen, bzw. Vereinen zur Pflege und Förderung von Musik engagiert gewesen, bevor er 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort adaptierte er Volksweisen zu jüdischen Feiertagen für Violine und Akkordeon. Juni 1942 wurde er in unbekannte polnische Lager weiterdeportiert und kam dort vermutlich bald um oder wurde dort ermordet.


211

Freitag, 20. November 2009, 01:25

Karel, Rudolf (1880 -1945) Musikwissenschaftler, Komponist

Der in Pilsen gebohrene Karel studierte zunächst Jura bevor er an der Karlsuniversität Musikwissenschaften und Komposition studierte, zuletzt (1904) bei Antonin Dvorák.Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs befand er sich in Rußland, konnte nicht mehr heimkehren und unterrichtete dort bis 1917 Musik. Unter dem Verdacht, ein östereichischer Spion zu sein, wurde er inhaftiert, konnte jedoch fliehen. 1919 gründete er in Rußland das Symphonieorchester der Tschechischen Legion. Nach seiner Rückkehr unterrichtete er am Prager Konservatorium bis ihn 1941 die deutschen Besatzer seines Lehrstuhls enthoben.

Karel nahm aktiv am tschechischen Widerstand teil, bis er 1943 verhaftet wurde und in das Prager Pankrác-Gefängnis eingeliefert wurde, wo er zwei Jahre verblieb, in denen er komponieren konnte, weil ihn ein verbündeter Wärter mit zusammengeklebten Rollen Toilettenpapier versorgte, auf die er seine Kompositionen schrieb, und die Rollen nach draußen schmuggelte. Karel komponierte dort neben Kunstliedern, Stücken für Klavier, bzw, Klavier und Violine auch ein Nonett und die Oper "Die drei goldenen Haare des Väterchen Allwissend". Im Februar 1945 wurde er in der kleinen Festung in Theresienstadt interniert, wo er am 6. März an Ruhr verstarb.

212

Freitag, 4. Dezember 2009, 10:18

Binental, Leopold (1886 – 1944). Musikwissenschaftler, Kulturpolitiker


Leopold Binental wurde am 10. Januar 1886 in Kielce geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung u. a. am Pariser Konservatorium und der Schola Cantorum Paris wurde Binental 1914 Professor an der Musikhochschule „Fryderyk Chopin“. Diese Tätigkeit übte er bis 1939 aus. Daneben war er 1915 zunächst stellvertretender Vorsitzender, ab 1916 bis 1919 Vorsitzender der Musikgesellschaft Warschau. In diese Zeit fällt ebenso der Anfang seiner kulturpolitischen Aufgaben, so war Binental z. B. 1927 Kommissar für verschiedene Musikausstellungen im In- und Ausland. Von 1934 bis 1939 war er Vorstandsmitglied des Fryderyk Chopin-Instituts. Herausragend aus seiner umfassenden musikwissenschaftlichen Tätigkeit sind seine Arbeiten über F. Chopin (seine Chopin-Monographie erhielt einen Preis der Académie Française). Leopold Binental wurde im April 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

213

Donnerstag, 10. Dezember 2009, 12:24

Katz, Erich (1900 – 1973). Komponist, Musikwissenschaftler, Musikkritiker, Instrumentalist


Der vielfach begabte Erich Katz wurde am 31. Juli 1900 in Posen geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung u. a. am Stern’schen Konservatorium Berlin und in Freiburg im Breisgau bei W. Gurlitt, die er 1926 mit seiner Dissertation über „Die musikalischen Stilbegriffe des 17. Jahrhunderts“ abschloss, wurde Katz 1926 Direktor des Freiburger Musikseminars. Dieses Amt hatte er bis 1933 inne. Daneben wirkte er bis 1938 als Musiklehrer, Organist, Komponist und Musikkritiker z. B. für die Musikzeitschrift „Melos“ und für die österreichische Zeitschrift „Musikblätter des Anbruch (ANB)“. Der Multi-Instrumentalist Katz konzertierte in den 1930er Jahren in Deutschland. 1939 emigrierte er nach England, hier war er von 1941 bis 1943 Leiter der Musikabteilung der Bunce Court School in Wem (Shropshire). 1943 wanderte Katz in die Vereinigten Staaten von Amerika aus und wurde 1946 Professor für Komposition am New York College of Music. Von 1943 bis 1959 war er Musikdirektor der American Recorder Society. Ab 1959 bis zu seinem Tode am 30. Juli 1973 in Santa Barbara in Kalifornien wirkte er leitend am Santa Barbara City College. Katz’ Kompositionen sind beeinflusst von C. Orff und P. Hindemith.

214

Dienstag, 12. Januar 2010, 09:17

Stöhr, Richard (1874 – 1967). Komponist, Musikwissenschaftler, Musikpädagoge


Der Komponist und berühmte Musikpädagoge Richard Stöhr wurde am 11. Juni 1874 in Wien geboren. Der promovierte Mediziner verfolgte seine musikalische Ausbildung u. a. bei R. Fuchs, W. Schenner und J. Volckner und wurde 1900 Korrepetitor am Wiener Konservatorium. Nach dem „Anschluss Österreichs“ wurde Stöhr, seit 1915 Professor, von seiner Lehrtätigkeit entbunden. Bis zu diesem Zeitpunkt war Stöhr ein erfolgreicher, oft aufgeführter Komponist (Opern, Sinfonien, Kammermusik etc.). Er emigrierte in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er von 1939 bis 1941 am Curtis Institute of Music in Philadelphia, von 1941 bis 1950 am St. Michael’s College in Winooski (Vermont) und danach als Privatdozent lehrte. Richard Stöhr war ein höchst bedeutender Lehrer, zu seinen geschätzten insgesamt ca. 10.000 Studenten zählen A. Rodziński, Erich Leinsdorf, H. v. Karajan, R. Serkin und L. Bernstein (siehe Vorwort zur Biografie). Am 11. Dezember 1967 ist Richard Stöhr in Montpelier (Vermont) gestorben.

215

Dienstag, 12. Januar 2010, 18:35

Smit, Leo (1900-1943). Niederländischer Komponist und Pianist

Der niederländische Komponist und Pianist Leo Smit wurde am 14. Mai 1900 in Amsterdam geboren. Er studierte in Amsterdam Komposition bei Sem Dresden und Klavier bei Ulfert Schults. Er stammt aus einer jüdischen Familie portugiesischer Herkunft. 1927 ließ er sich in Paris nieder, 10 Jahre später kehrte er nach Amsterdam zurück. Am 12. Februar 1943 vollendete er seine von leuchtenden Lyrismen erfüllte Sonate für Flöte und Klavier. Am 27. April dieses Jahres wurde er von der nationalsozialistischen Besatzungsmacht in das KZ Sobibor gebracht und dort drei Tage später ermordet.
Seine Werke nützen Instrumentalkombinationen, für die wohl die Jazzbands das Modell abgegeben haben. Die hauptsächlichen Einflüsse in Smits Musik sind jedoch französische, nämlich Debussy und Roussel. Sein bedeutendstes Orchesterwerk ist "Silhouetten".
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

216

Mittwoch, 13. Januar 2010, 23:49

Goehr, Walter (1903-1960). Komponist und Dirigent



Der deutsche Komponist und Dirigent Walter Goehr wird am 28. Mai 1903 in Berlin geboren. Er studiert bei Ernst Krenek und wird Meisterschüler von Arnold Schönberg. Als Dirigent arbeitet er beim Berliner Rundfunk. Diese Stelle verliert Goehr wegen seiner jüdischen Herkunft bereits 1932. Die Gramophone Company (die spätere EMI) bietet ihm den Posten eines Musikdirektors an. 1933 übersiedelt Goehr nach London.
Hier ist er vor allem als Dirigent tätig. Er setzt sich nachhaltig für zeitgenössische Musik ein, etwa für Benjamin Britten und Michael Tippett, dessen Oratorium "A Child Of Our Time" er zur Uraufführung bringt. 1950 dirigiert Goehr die erste Aufführung von Mahlers Sechster Symphonie in Großbritannien.
Am 4. Dezember 1960 stirbt Goehr im Rathaus von Sheffield nachdem er dort eine Aufführung von Händels "Messias" dirigiert hatte.
Der Werkkatalog Goehrs ist schmal. Seine wesentlichen Vorbilder sind Paul Hindemith und Kurt Weill. Goehrs wichtigstes Werk ist die Funkoper "Malpopita" (1931). Außerdem erstellte er Ausgaben von Monteverdis Marienvesper und dessen "L’incoronazione di Poppea" sowie eine Orchesterversion der "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski.
Als Dirigent bevorzugt Goehr einen entschlackten Stil, der den musikalischen Fluß auf dem exakten rhythmischen Puls aufbaut.
Goehr ist auch als Mittler von großer Bedeutung. So machte er seinen Sohn, den Komponisten Alexander Goehr, schon zu einer Zeit mit den Kompositionstechniken Schönbergs vertraut, als diese in England noch als tabu galten. Alexander Goehr gab sein Wissen an seine Komilitonen Peter Maxwell Davies und Harrison Birtwistle weiter. Damit sorgte Walter Goehr für die Initialzündung der britischen Nachkriegs-Avantgarde.
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

217

Donnerstag, 14. Januar 2010, 11:11

Kanitz, Ernest (Ernst) (1894 – 1978). Komponist, Musikpädagoge


Der promovierte Jurist Ernest Kanitz wurde am 09. April 1894 in Wien geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung u. a. bei R. Heuberger und F. Schreker arbeitete Kanitz als Komponist; ein frühes Werk war das Oratorium ‚Das Hohelied’ (Uraufführung 1921). 1922 wurde er Professor für Musiktheorie am Neuen Wiener Konservatorium. 1930 gründete Kanitz den Wiener Frauenkammerchor mit dem er europaweit Gastspiele gab. Nach dem „Anschluss Österreichs“ und der Schließung dieses Konservatoriums durch die Nationalsozialisten emigrierte Kanitz in die Vereinigten Staaten von Amerika und nahm seine Lehrtätigkeit zunächst am Winthrop College in Rockhill (South Carolina) und ab 1941 bis 1944 am Erskine College (South Carolina) wieder auf. 1945 wurde er Professor für Komposition an der University of Southern California in Los Angeles. Dieses blieb er bis zur Pensionierung. Danach wurde er Privatlehrer und widmete sich wieder verstärkt der Komposition.

Für Entdecker: Aufnahmen seiner Werke lassen sich bei 'JPC' und 'Amazon' nicht ausmachen.

218

Dienstag, 26. Januar 2010, 11:15

Rosé, Arnold Joseph (1863 – 1946). Violinist, Musikpädagoge



Der Violinist Arnold Rosé wurde am 24. Oktober 1863 in Jassy (Iaşi; Rumänien) geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung u. a. bei K. Heißler in Wien verfolgte er zunächst eine Karriere als Geigenvirtuose bevor er am 16. Mai 1881 Konzertmeister an der Wiener Hofoper wurde. Mit kurzen Unterbrechungen war er ab 1881 ebenfalls Mitglied der Wiener Philharmoniker und ab 1888 mehrmals Konzertmeister bei den Bayreuther Festspielen. Darüber hinaus lehrte er an der Wiener Musikakademie (1893 bis 1901 und 1908 bis 1924*). Bereits 1882 gründete er das weltberühmte Rosé-Streichquartett mit dem er mehrere Uraufführungen von Werken Brahms’, Pfitzners und Schönbergs unternahm. Nach dem „Anschluss“ Österreichs musste Rosé nach England emigrieren, wo er u. a. mit F. Buxbaum kammermusikalisch konzertierte. Nach dem 2. Weltkrieg spielte er wieder bei den Wiener Philharmonikern. Am 25. August 1946 ist Arnold Rosé in London gestorben. – Arnold Rosé ist der Vater der in Auschwitz ermordeten Alma Rosé. Sein Bruder Eduard Rosé ist im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben gekommen.

* andere Quellen geben 1929 an.

219

Dienstag, 26. Januar 2010, 11:48

Rosé, Eduard (1859 – 1943). Cellist, Musikpädagoge


Der Cellist Eduard Rosé wurde am 29. März 1859 in Jassy (Iaşi; Rumänien) geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung u. a. bei K. Udel und R. Hummer in Wien war er Mitbegründer (mit seinem Bruder Arnold Rosé) des weltberühmten Rosé-Streichquartetts. Dieses verließ er jedoch bereits 1883 um Solocellist an der Oper in Budapest zu werden. Anfang der 1890 engagierte ihn A. Nikisch für das Boston Symphony Orchestra. Von 1900 bis 1926 war er Solocellist am Hoftheater und in der Hofkapelle in Weimar. Zur gleichen Zeit lehrte er an der Musikschule Weimar. Darüber hinaus spielte er z. B. am Prinzregenten-Theater in München und bei den Bayreuther Festspielen. Hochbetagt wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er am 24. Januar 1943 ums Leben kam.

220

Mittwoch, 27. Januar 2010, 10:42

Golschmann, Boris (1906 - ?). Pianist


Der Pianist Boris Golschmann wurde am 25. November 1906 in Paris geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung u. a. bei I. Philipp in Paris und dem Gewinn des 1. Preises am dortigen Konservatorium konzertierte er sehr erfolgreich in Europa und Amerika. 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und deportiert. Über den weiteren Verbleib bzw. seinen wahrscheinlichen Tod auf dem Weg oder in einem Konzentrationslager ist nichts bekannt. – Boris Golschmann ist der Bruder des Dirigenten Vladimir Golschmann.


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Heute vor 65 Jahren wurde Auschwitz eingenommen und die letzten Überlebenden befreit.

221

Samstag, 27. Februar 2010, 11:42

Huberman, Bronislaw (1882 – 1947). Violinist und Humanist



Der Geiger Bronislaw Huberman wurde am 19. Dezember 1882 in Częstochowa (Tschenstochau, Polen) geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er ab 1888 u. a. bei Mihalowicz, Joachim, und Gregorowitsch, obwohl er hauptsächlich Autodidakt war. Sein Debüt absolvierte er siebenjährig mit Spohrs zweitem Violinkonzert. Seinen Durchbruch als Solist kann man mit dem Konzert vom 12. Januar 1895 in Wien festmachen (mit A. Patti). 1896 spielte er erstmalig öffentlich das Violinkonzert von Brahms. Der anwesende Komponist war begeistert. Huberman gastierte weltweit und galt als technisch hervorragender und eigenwilliger Musiker. Seine Fixpunkte waren Beethoven und Brahms. Seine Einspielung des Violinkonzertes von Tschaikowsky gilt als herausragend. Huberman war Mitbegründer des Palestine Orchestras und weigerte sich in ‚Nazi-Deutschland’ zu spielen bzw. es war ihm nicht mehr möglich. („...In Wirklichkeit geht es nicht um Violinkonzerte; es handelt sich auch nicht um Juden. Es handelt sich um die elementarsten Voraussetzungen unserer europäischen Kultur: Die Freiheit der Persönlichkeit und ihre vorbehaltlose, von Kasten- und Rassenfesseln befreite Selbstverantwortlichkeit.“ Aus einem Brief an Furtwängler vom 10.07.1933). Am 16. Juni 1947 ist Bronislaw Huberman in Corsier-sur-Vevey (Schweiz) gestorben.

222

Samstag, 27. Februar 2010, 15:49

Laks, Szymon (1901-1983). Komponist und Schriftsteller.




Szymon Laks wurde am 1.11.1901 in Warschau geboren. Laks beginnt zunächst ein Mathematikstudium, bevor er sich 1921 am Konservatorium in Warschau einschreibt. 1926 übersiedelt er nach Wien, 1927 dann nach Paris, wo er bis 1929 seine Studien am dortigen Konservatorium weiterführt. Laks lebt danach weiter in Paris, seine Kompositionen werden regelmäßig in der Stadt gespielt.

1941 wird Laks seiner jüdischen Herkunft wegen verhaftet und zunächst im Lager Pithiviers (bei Orléans) interniert. Im Juli 1942 wird er nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Er überlebt das Lager als Mitglied des Lagerorchesters, das er später auch leitet. Im Oktober 1944 wird Laks nach Dachau evakuiert, wo er bis zu der Befreiung des Lagers durch die amerikanische Armee im April 1945 bleibt. Laks kehrt nach Paris zurück. Dort stirbt er an 11.12.1983.

Neben seiner Tätigkeit als Komponist hat Laks auch mehrere Bücher veröffentlicht, unter anderem „Musiques d'un autre monde“ (1948), das erst 1998 unter dem Titel „Musik in Auschwitz“ in deutscher Sprache erschienen ist.
Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

223

Mittwoch, 3. März 2010, 12:36

Rostal, Max (1905 – 1991). Violinist, Musikpädagoge



Der Geiger Max Rostal wurde am 07. August 1905 in Teschen (Österreich; heute die polnisch-tschechische Doppelstadt Czeski Cieszyn/Český Těšín) geboren*. Bereits mit 6 Jahren trat er öffentlich auf und unternahm zahlreiche Konzertreisen. Danach erst erfolgte die eigentliche musikalische Ausbildung u. a. bei Arnold Rosé und Carl Flesch. Er galt bald als Konkurrent von M. Elman sowie Nachfolger von F. Kreisler, dessen Spiel er nicht sonderlich schätzte, ihm im Klang jedoch ähnlich ist. Nach dem Gewinn des renommierten Mendelssohn-Preises wurde er mit ca. 20 Jahren Assistent von Flesch und 1928 Professor an der Berliner Hochschule für Musik. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Rostal nach England, wo er von 1944 bis 1957 an der Guildhall School of Music unterrichtete. Von 1957 bis 1982 war er Professor an der Hochschule für Musik in Köln und gab Meisterkurse in Bern. Zu seinen Schülern zählten u. a.: N. Brainin, E. Peinemann, Th. Zehetmair und U. Hoelscher. Neben seiner umfangreichen Lehrtätigkeit gab Rostal weiterhin Konzerte. Am 06. August 1991 ist Max Rostal in Bern (Schweiz) gestorben. – Nach ihm ist der Max-Rostal-Wettbewerb benannt.

* Einige Quellen geben den 07.07.1905 an.

224

Freitag, 5. März 2010, 09:32

Fröhlich, Alfred (1875 – 1942). Dirigent, Komponist


Der Dirigent Alfred Fröhlich wurde am 25. Februar 1875 in Wien geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung an der Akademie der Tonkunst in Wien (Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde) u. a. bei Jakob Grün und Sigismund Bachrich gründete er ein Streichquartett und studierte währenddessen bei Franz Kenn und den Brüdern Johann Nepomuk und Robert Fuchs Komposition. Danach arbeitete er als Chordirektor, Solorepetitor, Konzertmeister und Operetten-Kapellmeister in Preßburg (Bratislava), Olmütz (Olomouc), Aachen und Salzburg. Ab 1900 war Fröhlich in Düsseldorf tätig, von 1904 bis 1920 als Oberkapellmeister. 1906 organisierte er in Düsseldorf ein zehntägiges Fest anlässlich des 150. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach seiner Düsseldorfer Kapellmeistertätigkeit gründete er in Bonn das „Collegium musicum", dessen Konzerte im Rundfunk übertragen wurden. Am 30. Januar 1942 ist Alfred Fröhlich an Herzversagen gestorben, kurz bevor er nach Auschwitz deportiert werden sollte. – Alfred Fröhlich war mit der Sängerin Hermine Förster-Fröhlich verheiratet.

Der Nachlass von Alfred Fröhlich wurde von seiner Schülerin Elfriede Bauer zusammengestellt und befindet sich beim Stadtarchiv Düsseldorf. Ansonsten ist die Quellenlage extrem dürftig.

225

Samstag, 6. März 2010, 18:44

Bachrich, Ernst (1892 – 1942). Komponist, Dirigent, Pianist



Der Komponist Ernst Bachrich wurde am 30. Mai 1892 in Wien geboren. Seine musikalische Ausbildung fand am Konservatorium der Wiener Philharmonie Gesellschaft u. a. bei C. Prohaska und als Privatschüler bei A. Schönberg statt. In dessen „Verein für musikalische Privataufführungen“ war er Pianist und Sekretär. Seine beruflichen Anfänge absolvierte er als Pianist und Korrepetitor. Von 1920 bis 1925 dirigierte er an der Wiener Volksoper. Es folgten Engagements in Düsseldorf und Duisburg. Der Schwerpunkt seines kompositorischen Schaffens lag bei Klavier- und Kammermusik sowie Liedern. Am 11. Juli 1942 wurde Ernst Bachrich im Konzentrationslager Majdanek ermordet.

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Montag, 8. März 2010, 10:01

Pauly, Rose (1894 – 1975). Sängerin, Gesangspädagogin



Die Sopranistin Rose Pauly (oder auch Rosa Pollak, Rose Pauly-Dreesen, Rose Fleischner) wurde am 15. März 1894 in Eperjes/Prešov (heute: Slowakei) geboren. Nach ihrer musikalischen Ausbildung u. a. bei Rosa Papier-Paumgartner in Wien debütierte sie während des 1. Weltkriegs am Hamburger Stadttheater und 1918 an der Wiener Staatsoper. Es folgten Engagements in Gera, Karlsruhe, Köln, Mannheim und Berlin (Kroll-Oper). Ihre Karriere setze sie mit Auftritten an den anderen großen Bühnen Berlins, in Wien, Dresden, Budapest und Paris fort. Sie hatte ein sehr großes Repertoire von ca. 60 Rollen, darunter auch einige Operettenrollen. Bereits in den frühen 1930er Jahren bekam sie Probleme mit der nationalsozialistischen Hetze, welche nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum Auftrittsverbot führte, so dass sie ihre Tätigkeit zuerst in die Tschechoslowakei, dann nach Österreich (Wien, Salzburger Festspiele u. a.) und später in die USA verlagerte. Sie gab weltweit Gastspiele und musste nach einer Verletzung um 1942 herum ihre Bühnenkarriere beenden. 1944/1946 übersiedelte sie nach Palästina, wo sie als Gesangslehrerin arbeitete (Schülerin: Hilde Zadek u. a.). Rose Pauly verstarb am 14. Dezember 1975.

227

Donnerstag, 11. März 2010, 11:08

Book, Rose (1907 – 1995). Sängerin, Gesangspädagogin *


Die Koloratur-Sopranistin Rose Book wurde am 20. August 1907 in Wien geboren. In ihrer Heimatstadt absolvierte sie ihre musikalische Ausbildung am Neuen Wiener Konservatorium. Es folgten feste Engagements in Nürnberg, Mainz, Breslau sowie europaweite Gastauftritte. In der Saison 1932/1933 wurde sie an das Hamburger Stadttheater verpflichtet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Book 1934 entlassen und verlegte ihre Tätigkeit an das Deutsche Theater in Prag. Daneben sang sie u. a. für den Jüdischen Kulturbund, am Deutschen Theater in Brünn und an der Wiener Staatsoper. 1938 wurde ihr auch in Prag gekündigt, und sie emigrierte 1939 in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie u. a. an der Metropolitan Opera sang, jedoch zwang sie ein schwerer Bühnenunfall zu einer mehrjährigen Pause. Nach ihrer Bühnen- und Konzertkarriere arbeitete sie als Gesangslehrerin. 1995 ist Rose Book in New York gestorben.

* in manchen Quellen steht: Rosa

228

Freitag, 12. März 2010, 15:49

RE: Hilde Zadek - die Primadonna, und der bescheidene Star der Wiener Staatsoper.

Lieber Rideamus!

Das dachte ich mir jetzt auch. Natürlich bin ich einverstanden.


Bitte kannst Du den Beitrag zu den Sängern rüber geben, dort hätte er eher hin gepasst.

Herzlichen Dank für Deine Bemühungen.

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
[Dein Beitrag Nr. 100]


Lieber Oper337,

leider finde ich Deine Kurzfassung über Hilde Zadek nicht in der Capriccio-Gedenktafel. Anbei mein Kurzbeitrag über Hilde Zadek. Wäre es Dir so Recht oder möchtest Du ihn selbst verfassen?



Zadek, Hilde (geb. 1917). Sängerin, Gesangspädagogin




Die Sopranistin Hilde Zadek wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg (heute: Bydgoszcz) geboren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Zadek 1935 nach Palästina. Ihre musikalische Ausbildung absolvierte sie u. a. bei den Gesangspädagoginnen Rose Pauly und Edith Boroschek am Konservatorium in Jerusalem. 1937 kehrte sie zur Rettung ihrer Eltern nach Stettin zurück und emigrierte 1939 endgültig nach Palästina. 1945 übersiedelte sie in die Schweiz und studierte nun bei Ria Ginster. 1947 feierte sie ihr Debüt als ‚Aida’ am Theater an der Wien und wurde Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Zadek wirkte 1949 bei der Uraufführung der Oper „Antigonae“ von C. Orff bei den Salzburger Festspielen mit. Ihre weltweite Bühnenkarriere beendete sie erst 1972 und lehrte bereits ab 1964 als Gesangspädagogin und Professorin an der Musikakademie Wien. – Nach ihr ist der Hilde Zadek Gesangswettbewerb benannt.

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229

Freitag, 12. März 2010, 16:35

Lieber Keith!

Jetzt weiß ich was gemeint war, die Nr. 100 wurde, Seinerzeit, in die Sängerliste verschoben.

Danke für Deine Beschreibung, von Kms. Hilde Zadek, die ist doch sehr aufschlußreich und richtig. :juhu: :juhu:

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:

230

Samstag, 13. März 2010, 11:32

Lieber Oper337,

vielen Dank!

_________


Hussa, Maria (1983 – 1980). Sängerin, Gesangspädagogin


Die Sopranistin Maria Hussa wurde am 07. Dezember 1893* in Wien geboren. Nach ihrer musikalischen Ausbildung bei Elise Elizza und Senja Arnold Greve (ihrem späteren Mann) debütierte sie 1917 an der Wiener Volksoper. Es folgten Engagements in Wien (Hofoper bzw. Staatsoper), Graz, Prag und Berlin (Staatsoper). Von 1926 bis 1932 war Hussa Ensemblemitglied am Hamburger Stadttheater. Hier sang und spielte sie am 07. Oktober 1927 die Rolle der ‚Heliane’ in der Uraufführung von Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“. Außerdem wirkte sie am 18. November 1927 in der Uraufführung von Respighis Oper „Die versunkene Glocke“ („La campana sommersa“) mit. Nach einer Spielzeit in Düsseldorf (1933) führte sie ihr Weg an das Theater an der Wien (1934-1935) und gab europaweit Gastspiele. Nach dem sog. „Anschluss“ Österreichs 1938 emigrierte sie - aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Mannes - in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie bereits 1934 an der Oper von San Francisco gesungen hatte und wurde nun Mitglied der Oper von Chicago. Danach arbeitete sie als Gesangslehrerin. Mit dem Ende des 2. Weltkriegs wurde Hussa Vorsitzende des „Reconstruction Committee of the Vienna Opera“. Am 19. April 1980 ist Maria Hussa in Chicago gestorben.

* Einige Quellen geben 1894 bzw. 1896 an.

231

Montag, 15. März 2010, 09:14

Schwarz, Paul (1887 – 1980). Sänger


Der Tenor Paul Schwarz wurde am 30. Juni 1887 in Wien geboren. Nach Stationen in Bielitz (Biala), Wien (Volksoper) und Zürich kam er 1912 an das Hamburger Staattheater. Hier sollte er eine Stütze des Opernhauses werden. Er sang bis 1933 ca. 140 Partien in mehr als 4000 Vorstellungen. Sein Fach reichte vom Tenor-Buffo bis zum Heldenfach des Wagner-Gesangs, von Operette bis Oper. 1911 wirkte er bei der Uraufführung der Oper „Der Kuhreigen“ von W. Kienzel an der Wiener Volksoper mit. In Hamburg war er 1927 in der Uraufführung von E. W. Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“ zu hören sowie im selben Jahr in O. Respighis Oper „Die versunkene Glocke“. Gastspiele führten ihn an zahlreiche europäische Opernhäuser. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er zwangspensioniert bzw. gekündigt. Der Umstand, dass er mit einer sog. „Arierin“ verheiratet war, schützte ihn zunächst vor weiteren Verfolgungen der Nazis. Schwarz engagierte sich beim „Jüdischen Kulturbund“ und setzte seine internationale Karriere fort, bis 1938 sein österreichischer Pass eingezogen und er zur Zwangsarbeit verpflichtet wurde. 1949 beendete Schwarz seine lange - aber zwangsweise unterbrochene - Karriere an der Hamburgischen Staatsoper in W. A. Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ als ‚Basilio’. Paul Schwarz, Träger der Brahmsmedaille, starb am 24. Dezember 1980 in Hamburg.

Kutsch/Riemens gehen von der Emigration in die USA aus. Dieses dürfte falsch sein.

232

Mittwoch, 17. März 2010, 10:06

Pollak, Egon (1879 – 1933). Dirigent


Der Dirigent Egon Pollak wurde am 03. Mai 1879 in Prag (Praha) geboren. 1901 wurde er Assistent von L. Blech an der Oper in Prag. Weitere Stationen seiner Karriere waren Bremen, Leipzig und Frankfurt am Main. 1917 wurde Pollak Generalmusikdirektor des Hamburger Stadttheaters (Staatsoper). 1920 dirigierte er zeitgleich mit O. Klemperer in Köln die Uraufführung von E. W. Korngolds Welterfolg „Die tote Stadt“. Aufgrund der nationalsozialistischen, rassistischen Diffamierungskampagne kündigte er 1931 seinen Vertrag in Hamburg - Nachfolger wurde K. Böhm - wechselte kurzzeitig an die Oper von Chicago und dirigierte dann in Kairo (Gastspiel der Wiener Staatsoper) sowie in der Sowjetunion. 1932 emigrierte Pollak in die Tschechoslowakei und wurde Chefdirigent des Deutschen Theaters in Prag. Am 14. Juni - während einer "Fidelio"-Aufführung - verstarb Egon Pollak.

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233

Montag, 29. März 2010, 15:56

Iannis Xenakis (1922 - 2001) Komponist

schloss während der Besatzung Griechenlands durch die Deutschen sich dem kommunistisch geführten antifaschistischen Widerstand an. Xenakis wurde in Kampfhandlungen verwickelt, in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Durch eine Granate erlitt er eine schwere Gesichtsverletzung, verlor sein linkes Augenlicht und war bis zu seinen Lebensende gezeichnet.

:wink:
“If somebody was sending rockets into my house where my two daughters sleep at night, I'm going to do everything in my power to stop that.” (2008) „Justice has been done.“ (2011)

Barack Hussein Obama

234

Montag, 29. März 2010, 21:17

Re: Xenakis

Xenakis schloß sich zwar der ELAS, der griechichischen Volksbefreiungsarmee unter kommunistischer Führung, an und kämpfte aktiv gegen die deutschen Besatzer, aber die schwere Gesichtsverletzung, durch die seine ganze eine Gesichthälfte sichtbar zerstört blieb, zog er sich in der Schlacht um Athen durch eine britische Panzergranate zu.

Die ELAS hatte große Teile Griechenlands im Kampf gegen die deutschen Besatzer befreit, die in Griechenland wüteten, wie sonst nur in Rußland und nahezu alles Wertvolle und Essbare den Griechen raubte, es gab ca. 300 000 Hungertote, über 100 000 Emordete, die deportierten griechischen Juden nicht mitgerechnet, in dem kleinen Land - angemessene deutsche Reparationen wurden nie gezahlt, Viele Kommentare deuter Politiker, Banker und Wirtschaftsjournalisten heute gegenüber Griechenland sind deswegen einfach ekelhaft.

Die ELAS war aber auf der Konferenz von Jalta von Stalin verraten worden. Griechenland wurde den Briten zugesprochen und die setzten die vor der deutschen Besatzung autoritär-faschistoid herrschende Exil-Regierung des Monarchen wieder ein und schreckte dabei auch nicht zurück, die Terrormilizen der griechischen faschistischen Kollaborateure mit den Deutschen wiederzuaktivieren. Es kam zum Bürgerkrieg zwischen der ELAS und ihren Verbündeten und der britischen Armee und den raktionären Kräften. Die ELAS war so stark, dass die Briten schließlich auch die US-Amerikaner zum Eingriff bitten mußten. In der Schlacht von Athen eroberte die britische Armee die von großen Teilen der Bevölkerung und der ELAS selbst befreite Hauptstadt.

Xenakis geriet schwer verwundet in Haft, wurde von dem von den Briten eingesetztem rechtem griechischen Regime zum Tode verurteilt, jedoch gelang ihm vor der Erschießung auf abenteuerlichem Weg die Flucht über Italien nach Frankreich.

Die Sache ist also etwas diffizil. Auch, weil die ELAS selbst unter stalinistischer Führung stand und für Massaker an einigen Tausend in Griechenland relativ starken Trotzkisten und Archaeomarxisten, einer eigenen griechischen Strömung antistalinistischer Sozialisten,mit eigenen Guerillaverbänden, verantwortlich ist.

Ich kann mir mal einen Eintrag zu Xenakis, den ich sehr begrüßen würde, überlegen, möchte das aber nicht schnell übers Kreuz brechen. Mein Vorschlag kann dann natürlich auch noch mal hier diskutiert werden.

Xenakis blieb übrigens bis zu seinem Tod radikaler Linker, war aber später scharf antistalinistisch und gehörte nie einer KP an, sondern war, wie auch mit seinen Kompositionen, immer ein ganz unabhängiger Denker.

Ein interessanter, noch sehr untererforschter Aspekt ist übrigens auch, dass ca. 1000 übergelaufene deutsche Soldaten auf Seiten der ELAS kämpften. Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass in Griechenland viele deutsche Strafbatallione stationiert waren, die eigentlich in Nordafrika im Wüstenkrieg verheizt werden sollten, wozu es für viele nicht mehr kam. Sprecher des "Nationalkomitees Freies Deutschland bei der ELAS" war übrigens Veit von Harnack, dessen Bruder ein Anführer der roten Kapelle war, ein Neffe des großen protestantischen Theologen Theodor von Harnack, der sich mit Leo Beck scharf gefetzt hatte. Auf von Harnacks scharf antijüdisches Buch "Wesen des Christentum" antwortete Leo Beck mit seinem "Wesen des Judentum" mit scharfer Abgrenzung vom Christentum. Schon Theodor von Harnack war jedoch trotzdem einer der wenigen scharfen und engagierten Gegner des Antisemitismus unter protestantischen akademischen Theologen.

Naja, jetzt ist mit das Thema etwas ausgefranst, aber in diesem Vorbereitungs-Thread geht das vielleicht mal.

:wink: Matthias

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235

Dienstag, 30. März 2010, 07:49

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass diese Erläuterungen auch für einen Thread über Xenakis gut geeignet wären und würde einen solchen Thread sehr begrüßen... gestern habe ich mir über Youtube Keqrops (1986) (piano concerto, Claudio Abbado conducts, Roger Woodward) reingezogen.
"www.youtube.com/watch?v=Cc3ZV9cSZC0"
"www.youtube.com/watch?v=obW7GIa-XzE&feature=related"
Sehr beeindruckende Musik. Schade, dass es nur in Monoqualität zu hören ist.... eine andere Frage wäre z.B. , ob überhaupt + in wie weit in seinen Kompositionen politische Implikationen zu finden wären. Das würde u.a. mich (als "Xenakis-Neuling") auch interessieren.....

:wink:
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236

Dienstag, 30. März 2010, 10:33

Re: Xenakis

Direkte politische Implikation gibt es wohl in Xenakis Werk nicht, allenfalls über mehrere Ecken als Auseinandersetzung mit klassischer griechischer Philosophie und Literatur der Polis, aber Beeinflussungen durch den Lärm und den Wechsel von Aggregatzuständen, bzw Ordnungs-/Ordnungsauflösungszuständen von Massenaufmärschen, militanten Demos, so jedenfalls Xenakis selbst in den wenigen Äußerungen zu seiner Musik.

Einen Xenakis-Thread bereite ich schon seit längerem vor. Aber da hat sich bei mir zum Thema einiges angesammelt, so dass ich noch etwas brauche.

:wink: Matthias

237

Freitag, 21. Mai 2010, 08:57

Ruffo, Titta (1877 – 1953). Sänger, Gesangslehrer



Der weltberühmte Bariton Titta Ruffo (Ruffo Cafiero Titta) wurde am 09. Juni 1877 in Pisa geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung bei Venceslao Persichini (dieser hielt ihn jedoch für einen Bass) und Lelio Casini u. a. debütierte er 1898 am Teatro Costanzi in Rom als ‚Heerrufer’ in „Lohengrin“. Es folgte eine der bemerkenswertesten Welt-Karrieren eines Sängers. Nach der Ermordung seines Schwagers Giacomo Matteotti - der Generalsekretär der Sozialistischen Partei Italiens (PSU) war - durch die Faschisten, weigerte er sich ab 1925* in Italien aufzutreten. 1935 gab er sein letztes Konzert in Cannes und arbeitete ab 1936 in Florenz als Gesangslehrer, nachdem er nach seiner Ankunft in Italien vorübergehend verhaftet wurde. Mit der Nachricht vom Sturz Mussolinis sang er am Fenster seiner Wohnung vor applaudierenden Zuhörern die Marseillaise. Am 06. Juli 1953 ist Titta Ruffo (der Löwe, welcher nicht nur 'Organ' hatte....) in Florenz verstorben.

* Kutsch/Riemens geben 1924 an.

238

Freitag, 21. Mai 2010, 11:11

Nach der Ermordung seines Schwagers Giacomo Matteotti - der Sekretär der Kommunistischen Partei Italiens war


Lieber Keith,

danke für deine schöne Erinnerung an Titta Ruffo, nur Matteotti war Generalsekretär der Partito Sozialista Unitario. Beide Parteien waren zwar miteinander verbündet, dennoch ein wichtiger Unterschied. Matteotti stand in seiner Partei auch eher für einen reformistischen Weg. Vor seiner Ermordung, 1924, hatte Matteotti in einer Aufsehen erregenden Parlamentsrede vor der Auflösung der Demokratie in Italien unter Mussolini gewarnt. Diese scharfe Anklage war gerade deswegen besonders wirkungsvoll über die Linke hinaus gewesen, weil Matteotti in seiner Partei als einer der Gemäßigten galt. Nach seiner Ermordung gab es im Parlament eine berühmte Rede von Antonio Gramsci, dem Gründer der PCI, in der er die Verantwortung von Mussolinis Faschisten für den Mord nachweisen konnte und mit der er sich den besonderen Haß Mussolinis zuzog und bald darauf verhaftet wurde. Als Ergebnis der sog. Matteotti-Krise zogen die Gegner Mussolinis ihre Abgeordneten aus dem Parlament, das immer mehr zur Staffage geworden war, zurück. Daraufhin wurden die antifaschistischen Parteien endgültig verboten und systematisch verfolgt.

:wink: Matthias

239

Freitag, 21. Mai 2010, 11:51

Lieber Matthias,

vielen Dank, dass Du mitgelesen hast. Ich habe mich bei dieser Position lediglich auf eine Quelle verlassen. Das war unrichtig. Ich habe es im Beitrag korrigiert, ohne weitere Fakten bzgl. Matteottis "Einstellung" quellenmäßig prüfen zu wollen.

Bis dann.

240

Freitag, 21. Mai 2010, 11:57

Lieber Keith,

tausche besser noch "Sekretär" durch "Generalsekretär" aus. Das sind unterschiedliche Funktionen. Sekretär ist so etwas wie Ortsbevollmächtigter, Generalsekretär ist so etwas wie der geschäftsführende Parteichef.

Ansonsten lese ich deine Beiträge hier natürlich immer gerne.

:wink: Matthias

P.S.: ich sehe, ist inzwischen schon passiert.

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