Mißtöner
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Schnösel
Schnösel
Nee, also ich lasse mich auch nicht vom Künstler oder gar von nem dahergelaufenen Regisseur erziehen oder in meiner Empathie fördern. Gut, kann er ja versuchen. Aber dann hat er wieder gar nicht versucht, was ich von ihm erwarte und was - glaube ich - auch andere ........ nun gut, also Kunst,Theater, ... als Bildungsanstalten i. w. S. ; alte Idee, wenns das trifft, lebe ich mit anderen Begriffen (und bleibe bei meinen Tonkonserven)
Zitat
die Bildung des Herzens, emotionale Intelligenz, quasi das Arbeiten an sich selbst als sozialem Wesen
Sorry, wahrscheinlich kenne ich das Spiel, das W. da spielt, nicht. (Ich mag ohnehin nicht das Ausspielen der Sprachspiele - ordinary language - gegenüber der satzsemantischen Präzisierung - formal philosophy.)
Hupenschnitzer
Akkordarbeiter
Zunächst einmal: Was für ein schöner Strang! Vernünftige Menschen in vernünftiger Diskussion! Und das bei diesem Thema!
Mißtöner
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Es gibt in der ganzen Welt zahllose Fabriken, Betriebe, Firmen ohne Betriebsrat (+ auch ohne organisierte Arbeitnehmerschaft (d.h. in einer Gewerkschaft). Vermutlich agiert weltweit die überwiegende Anzahl der Firmen ohne die Institution eines Betriebsrats. Nebenbei: im mitteleuropäischen Recht gibt es auch nicht die Pflicht zur Bildung eines Betriebsrates, d.h. wenn sich keiner findet, um als Betriebsobmann sich aufstellen + wählen zu lassen, entfällt die Einrichtung eines Betriebsrates.
Zitat
Calixto Bieito hingegen siedelte Bergs "Wozzeck" in einer Fabrik an und nahm dem Stück damit das militärische Umfeld. Ich bin aber der vollen Überzeugung, daß "Wozzeck" nur in einem Umfeld mit klaren, nicht hinterfragbaren Hierarchien funktionieren kann, in dem der "Untergebene" als Mensch wertlos ist. Wenn "Wozzeck" in einer Fabrik spielt, frage ich mich als erstes: Warum schreitet der Betriebsrat nicht ein? Ich könnte mir "Wozzeck" auch in einem Gefängnis vorstellen oder eventuell in einem Asylantenheim. Aber nicht in der normalen Arbeitswelt.
, viel sublimer abläuft als bei Büchner. Insofern fände ich Wozzeck in der Fabrik so abwegig nicht, jedenfalls nicht a priori.
Tiefer Staubsauger
Akkordarbeiter
Bluesphilosoph
Vielleicht wäre der Begriff "emotionaler Erkenntnisgewinn" näher dran an dem was ich meine.
Matthias Tiefer Staubsauger
Wobei für mich das Hauptproblem des Regietheaters der Zwang dazu ist.
Soll heißen: Manchmal gibt es Regietheater um des Regietheaters willen.
Mißtöner
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nicht in Mitteleuropa + den USA . Aber in manchen südamerikanischen und südostasiatischen Regionen wird viel weniger ziemperlich mit Arbeitnehmern umgegangen, z.B. in Indonesion werden regelmäßig Gewerschafter massakriert und nicht wenige z.B. Steinbrüche dürften Slavenlagern gleichen .... in z.B. Mittelamerika werden Menschen vielleicht nicht für Experimente benutzt (obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin), aber sie werden für Organspenden gründlich ausgeweidet und dann entsorgt.. und was sich in Nordkorea abspielt möchte man vielleicht lieber nicht genau wissen...
Zitat
schon, aber in Fabriken wird man in der Regel nicht totgeschossen
Ja, und ich denke die Bieito-Regie des Wozzecks unterwarf sich nicht einem Innovationsdruck ..
Zitat
Da könnte etwas dran sein. In der Tat habe auch ich manchmal den Eindruck gewonnen, daß es in der Regie eine Art intrinsischen Innovationsdruck geben könnte, soll heißen: man goutiert etwas, das so noch nicht gemacht wurde, eben weil es so noch nicht gemacht wurde. Naheliegender wäre es, etwas zu goutieren, weil es im weitesten Sinne dem Stück dient (was sicherlich auch durch gewagte Ideen der Fall sein kann).
muss der denn immer unmittelbar/direkt in die Regie umgesetzt werden ? Es wären doch auch andere Lösungen denkbar....
Zitat
Das Spezifikum von "Wozzeck" ist aber (auch von Berg miteinkomponiert) das Militär. Wenn ich dem Werk den (anti-) militaristischen Hintergrund nehme, beraube ich es um seine Triebfeder.
nicht in Mitteleuropa + den USA . Aber in manchen südamerikanischen und südostasiatischen Regionen wird viel weniger ziemperlich mit Arbeitnehmern umgegangen, z.B. in Indonesion werden regelmäßig Gewerschafter massakriert und nicht wenige z.B. Steinbrüche dürften Slavenlagern gleichen .... in z.B. Mittelamerika werden Menschen vielleicht nicht für Experimente benutzt (obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin), aber sie werden für Organspenden gründlich ausgeweidet und dann entsorgt.. und was sich in Nordkorea abspielt möchte man vielleicht lieber nicht genau wissen...
. Mir persönlich ist die Welt des originalen Wozzeck-Stückes vertrauter als das Arbeitermilieu in Indonesien. Außerdem: Ist der durchschnittliche Opernbesucher mit den Arbeitsverhältnissen in einer Werkhalle vertraut? Wahrscheinlich nicht.Akkordarbeiter
Mißtöner
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Ja auch durchaus. Ich würde auch niemals behaupten, dass Bieito die einzig mögliche Regiellesart des Wozzecks ist, aber momentan für mich die schlüssigste. Und wie gesagt; muss der militärische Hintergrund immer unmittelbar in der Wozzeckregie umgesetzt werden ? Dass Bieito bestimmte aktuelle Momente auch mit aufgreift ist durchaus legitim. Ich hatte nie den Eindruck, dass mir als Besucher das Denken abgenommen wurde. Was mich in der Bieito-Regie stört, ist die Personengruppe während der letzten Verwandlungsmnusik (also nach dem Tod Wozzecks), die spricht wahrlich für sich und bedarf keiner visuellen Verdoppelung.
Zitat
Die Zwangssituationen Wozzecks kann man durchaus nachempfinden, indem man sie als Zuschauer von den gegebenen Umständen - die Militärwelt des 19. Jahrhunderts - abstrahiert.
Du setzt dabei aber einfach voraus, dass eine Opernaufführung "Interpretation" eines "Werkes" zu sein hat. Wie begründest Du, dass sie statt dessen nicht selbst ein "Werk" sein kann, das zwar - unter anderem - auf einer Vorlage basiert, aber auch darüber hinaus gehen, sich davon entfernen und eigener innerer Logik folgen kann? Ich kenne den Bieito-Wozzeck nicht, habe aber seine "Entführung" in der Komischen Oper gesehen: Eine faszinierende Aufführung, zu deren Funktionieren u.a. sämtliche Dialoge neu geschrieben wurden. Das war natürlich weit mehr als ein "Werkkommentar", aber m.E. völlig legitim, weil es gut war.Denn eine Interpretation ist eine Art Werkkommentar. Wenn ich eine kommentierte Ausgabe der Grimm'schen Märchen kaufe, erwarte ich mir vom Kommentar, daß er mir mehr über die Grimm'schen Märchen erhellt, nicht aber, daß er Thomas Manns "Zauberberg" analysiert.
Akkordarbeiter
Schnösel
Na, und weder lasse ich mir von denen 'meine Wahrnehmungsfähigkeit erweitern' noch mich von denen politisch oder wie auch immer belehren. Für Ersteres gibt es ja 'bewusstseinserweiternde' Drogen u. a., und für das Zweite gibt es allerlei Infomaterial+Argumentationshilfen.
Zitat
"Warum würden Sie das so machen?" Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: "Weil das auch Harry Kupfer so machen würde."
Genau diese Haltung sehe ich bei etlichen Exponenten des Regietheaters: Es gibt für ihre Regieentscheidungen wenig bis keine Begründung, sie machen es halt (weil es ihnen so eingefallen ist oder weil es ein anderer so gemacht hat oder weil ein anderer das genaue Gegenteil gemacht hat), es fehlt aber die zwingende Notwendigkeit.
farfallone amoroso
Wie begründest Du, dass sie statt dessen nicht selbst ein "Werk" sein kann, das zwar - unter anderem - auf einer Vorlage basiert, aber auch darüber hinaus gehen, sich davon entfernen und eigener innerer Logik folgen kann?
Zitat
Erkenntnisgewinn nennt man das wohl. Und das ist doch die Aufgabe der Kunst.
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Wenn ich Erkenntnisse haben will, lese ich Texte. Kunst ist mir dafür zu schade.
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da sind wir an einem Punkt, der grundsätzlicher Klärung bedarf: Kann, soll, darf die Regie ein eigenes unabhängiges Werk sein?
in einem solchen Extremfall wäre ich Deiner Meinung. Allerdings wird die Frage, ab wann denn die Handlung auf der Bühne "Parallelaktion" sei, kaum einvernehmlich zu beantworten sein: Für den einen ist das anscheinend schon der Fall, wenn Brünnhilde ohne Brustpanzer auftritt, dem anderen reicht ein lockerer Assoziationszusammenhang, um die Verbindung zum Stück wahrzunehmen. Ich persönlich kann mich an keine "Regietheater"-Aufführung erinnern, bei der ich nicht wenigstens im Kern noch einen Zusammenhang zum Stück erkannt hätte (den Bieito-Wozzeck kenne ich wie gesagt aber nicht). Bei der "Entführung" lag zum Teil ein besonderer Fall von "Parallelaktion" vor: Manche Texte ("Welche Wonne, welche Lust") wurden durch das konträre Geschehen auf der Bühne bitter-böse ironisiert, man sah sozusagen ein Negativ des Textes. Gerade das fand ich unerhört faszinierend, vor allem auch in Verbindung mit Mozarts Musik, die anscheinend so gar nicht dazu passen wollte, deren Schönheit durch den Kontrast zur Bühne sogar etwas Erschreckendes bekam. Dass die Schönheit seiner Musik nicht mit Wahrheit gleichzusetzen ist (Musterbeispiel: Cosi fan tutte), das wurde hier sehr eindringlich gezeigt.Wird dem Stück aber, was ein legitimer Denkansatz ist, durch eine mit dem Stück kaum noch zusammenhängende Parallelaktion dargestellt, ergibt sich für mich im Grunde ein zweiter Fall Schenk: Ich fange nicht zum Nachdenken an, weil das Spannungsverhältnis fehlt, sondern ich akzeptiere eine konzertante Aufführung von Stück a bei gleichzeitiger szenischer Präsentation der Pantomime b. Ich sage jetzt nicht, daß das ein "Vergehen" sei (in der Ästhetik gibt es keine Vergehen, nur Denkansätze), ich halte diesen Ansatz aber für wenig zielführend.
wer sagt, dass eine Inszenierung nur das zu sein hat, was Du von ihr erwartest? Ich bin im Gegensatz zu Dir der Meinung, dass jede Theateraufführung ein eigenständiges Kunstwerk darstellt. Was nun? Ich meine das nicht persönlich, aber ich kann keinen einzigen Grund erkennen, der einem Künstler verbietet, etwas zu tun, was Du nicht erwartet hast. Dass in eine Theateraufführung eine Vielzahl von Dingen einfließt, die über das Textbuch bzw. die Partitur hinausgehen, liegt auf der Hand. Deine Forderung, ein Künstler solle "Gedanken und Erkenntnisse vermitteln", ohne selbst welche zu haben, oder zumindest ohne diese in seine Vermittlung einfließen zu lassen, ist ja wohl reichlich absurd.Zitat von »ChKöhn«
Wie begründest Du, dass sie statt dessen nicht selbst ein "Werk" sein kann, das zwar - unter anderem - auf einer Vorlage basiert, aber auch darüber hinaus gehen, sich davon entfernen und eigener innerer Logik folgen kann?
Mit welcher Begründung sollte sie das sein sollen? Genau dieser Gedanke ist es, der mir viele moderne Regiearbeiten verleidet! Eine Inszenierung soll eine Brücke sein zwischen dem Werk und mir als Zuschauer. Sie soll mir das Stück nahe bringen. Einen anderen Zweck hat eine Inszenierung für mich nicht, sie ist eben kein eigenständiges Kunstwerk.
Natürlich darf man auch Mozarts Klarinettenkonzert umbesetzen (was ja übrigens mit dem Soloinstrument dort regelmäßig geschieht...) oder die Winterreise umtexten, wenn man es denn kann. Die Frage ist eben, ob man es kann, ob also die Bearbeitung künstlerisch gelingt. Die Rock-Version der "Bilder einer Ausstellung" von Emerson, Lake and Palmer finde ich ziemlich gut, die Goldberg-Variationen von Uri Caine mit Klezmer-, Jazz-Einschüben usw. eher nicht. Übrigens werden bei fast allen Aufführungen der Winterreise die Tonarten und Tonartverhältnisse verändert. Skandal?Gehe ich zum Beispiel in eine Aufführung von Johann Strauss´ "Die Fledermaus", finde ich es unerträglich, wenn ein Herr Neuenfels sich für so wichtig hält, die Ballettmusik im zweiten Akt durch Hip-Hop zu erzetzen und sowieso das ganze Stück neu zu textieren. Das ist keine Brücke zwischen dem Werk von Strauss und Genée und mir als Zuschauer, das ist eine Bankrotterklärung des Regiesseurs, dem Sänger vergleichbar, der die "Winterreise" neu textiert, weil die Gedichte Müllers nicht zu seinen Vorstellungen passen oder dem Klarinettisten, der bei einer Aufführung von Mozarts Klarinettenkonzert plötzlich und unerwartet nur noch mit einer Rockband auf der Bühne steht und nach wenigen takten in freie Jazzimprovisationen abgleitet! Das ist doch absurd!
Bluesphilosoph
Na, und weder lasse ich mir von denen 'meine Wahrnehmungsfähigkeit erweitern' noch mich von denen politisch oder wie auch immer belehren
Matthias
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Wenn "Wozzeck" in einer Fabrik spielt, frage ich mich als erstes: Warum schreitet der Betriebsrat nicht ein?
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Wobei für mich das Hauptproblem des Regietheaters der Zwang dazu ist.
Soll heißen: Manchmal gibt es Regietheater um des Regietheaters willen. Die Umdeutung erfolgt ohne zwingende Notwendigkeit.
farfallone amoroso
Ich meine das nicht persönlich, aber ich kann keinen einzigen Grund erkennen, der einem Künstler verbietet, etwas zu tun, was Du nicht erwartet hast.
Deine Forderung, ein Künstler solle "Gedanken und Erkenntnisse vermitteln", ohne selbst welche zu haben, oder zumindest ohne diese in seine Vermittlung einfließen zu lassen, ist ja wohl reichlich absurd.
Natürlich darf man auch Mozarts Klarinettenkonzert umbesetzen (was ja übrigens mit dem Soloinstrument dort regelmäßig geschieht...) oder die Winterreise umtexten, wenn man es denn kann. Die Frage ist eben, ob man es kann, ob also die Bearbeitung künstlerisch gelingt.
Aus ganz aktueller Erfahrung breche ich eine Lanze für das PERSONEN-Regie-Theater. Ich habe vorgestern an der Opéra de Lille einen Eugene Onegine erlebt, der mich tief beeindruckte und gar nciht mehr loslassen will.
. Der Regisseur heisst Jean-Yves Ruf und inszeniert auch viel am Sprechtheater, was sich hier als segensreich erwies.
Es gab fast kein Bühnenbild und nur wenige Requisiten, die Kostüme waren mehr oder weniger zeitlos, aber, wie so oft in Frankreich von grosser ästhetischer Schönheit. Die ganze Inszeneirung richtete sch auf die Personen und deren Interaktion. Das Stûck konnte in jeder Zeit und überall spielen, es geht hier also nciht um die so oft geforderte Werktreue im Hinblick auf das Ambiente der Oper.
Gerade diese Zeitlosigkeit war es aber, die die Geschichte so mitreissend und packend machte und grossen Raum für Identifikation liess(siehe Arundos Forderung, "betroffen" zu werden)
. Du widersprichst Dir selbst: Du definierst, was angeblich allein Sinn und Zweck einer Theateraufführung sei, bist empört, wenn sich die Theatermacher nicht danach richten, behauptest aber, sie müssten das auch nicht tun. In meiner Heimat würde man sagen: Ja watten jezz?Natürlich muss sich ein Künstler nicht nach dem richten, was ich von ihm erwarte (beurteilen tue ich ihn aber genauso natürlich schon danach), aber darum geht es hier doch gar nicht. Aufgabe von Regiesseuren, Dirigenten, Sängern, Schauspielern und Musikern ist es, ein Kunstwerk, das andere Künstler geschaffen haben, zur Aufführung zu bringen. Das ist nicht meine Erwartungshaltung, sondern der Sinn und Zweck des Ganzen!
Das eine wird sich kaum vom anderen trennen lassen. Eine Opernpartitur bringt sich nun mal nicht von allein auf die Bühne, da sind viele Menschen beteiligt, die notwendigerweise ihre eigene Sicht der Dinge mit einbringen. Der Regisseur ist davon nur einer, wenn auch meist ein besonders wichtiger. Und noch einmal: Du schreibst ständig "er soll, er soll, er soll". Dein gutes Recht, nur: Ich meine, er soll etwas anderes: Mir einen spannenden, interessanten, anregenden, anrührenden Theaterabend verschaffen. Wat nu? Die einzige Lösung besteht m.E. darin, dass er selbst entscheidet, was er soll. Wir können uns dann ja immer noch empörenEs behauptet ja auch niemand, Künstler sollten keine Gedanken und Erkenntnisse haben. Es geht hier um Regiesseure. Die dürfen natürlich Gedanken und Erkenntnisse haben, es ist mir aber im Moment der Aufführung egal. Sie sollen mir ein Kunstwerk vermitteln, eine Brücke bauen, zwischen mir als Zuschauer und dem, was im Kunstwerk drinsteckt. Er soll sich also genau mit dem Stück, das er aufführt, auseinandersetzen, er soll sich Gedanken machen, er soll dann aber nur als Grundlage seiner Arbeit nehmen, was er im Stück gefunden hat, nicht, was er gerne gefunden hätte. Er soll mir vermitteln, was in diesem Kunstwerk drinsteckt, was andere Künstler möglicherweise dort hineingelegt haben, nicht seine eigene Gedankenwelt.
. Bei einer Opernaufführung ist der Anteil der "Vorlage" in der Regel wesentlich geringer als bei einer reinen Musikaufführung. Insofern erwarte ich von ersterer sogar, dass sie über die Vorlage hinaus geht. Das ist aber nur ein gradueller, kein prinzipieller Unterschied: In jede Aufführung fließt die Persönlichkeit des oder der Aufführenden zwangsläufig mit ein, und wenn das Ergebnis in sich überzeugend ist, sehe ich keinen Grund, das zu bedauern. Im Gegenteil: Das macht die Sache erst spannend und dauerhaft interessant.Wenn du so etwas mit dir machen lässt... also ich würde mir schon verkaspert vorkommen, wenn ich eine Aufführung der "Winterreise" ginge und dort würden völlig andere Texte gesungen... Ich finde die Bach-Improvisationen von Uri Caine oder Jacques Loussier übrigens gar nicht schlecht, viele ähnliche "Verjazzungen" von Klassikern auch nicht - aber ich würde doch nie auf die Idee kommen, darin eine Interpretation des zugrundeliegenden Bachstückes zu suchen! Das sind Bearbeitungen, die völlig anderen Bewertungsmaßstäben unterliegen! Wenn solche Musiker Motive von Bach, Mozart oder Wagner als Grundlage für eigene Werke nehmen, ist das doch etwas völlig anderes, als wenn man dir das als seriöse Interpretation des jeweils zugrundeliegenden Stückes andrehen will! Es geht da ja auch nicht mehr um den Musiker als nachschöpferischen Künstler.
Hupenschnitzer
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Natürlich darf man auch Mozarts Klarinettenkonzert umbesetzen (was ja übrigens mit dem Soloinstrument dort regelmäßig geschieht...) oder die Winterreise umtexten, wenn man es denn kann.
Schnösel
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Wann hat zuletzt ein Regisseur durch seine Operninszenierung den Versuch unternommen, dich zu belehren. Ein Beispiel wäre vielleicht hilfreich, damit wir nicht aneinander vorbeireden.