Zitat
Ich würde Bernds (arudo donax) festgestellte vermeintliche Angebotskrise bezügl. "nicht-verfremdender" Inszenierungen gerne bereitwillig diskutieren, würde dafür aber ebenso um eine etwas präzisere Erläuterung von "Verfremdung" bitten.
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Eines aber möchte ich genauer wissen: Wenn Du bestimmte Dinge als verfremdet bezeichnest, vor welchem Maßstab geschieht das? Woran erkenne ich, daß etwas nicht verfremdet ist und wo und warum fängt Verfremdung an?
) eine eindeutige Verfremdung des Werkes.
würde ich nicht so sehen, denn der Parsifal handelt auch von Krieg und militärischen Auseinandersetzungen.
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Die sind schlichtweg ein Stilbruch....und der Parsifal als Afghanistan-GI ist eben auch einer!
Wer mutig ist, kann ja anderswo das folgende Zitat von Graham Vick als Signatur verwenden "To me, Eurotrash is Zeffirelli"![]()
Michel

die USA haben nun wahrlich nicht gerade eine unüberschaubare Giganten-Produktion von Erzeugnissen der Hochkultur vorzuweisen.
Sehe ich anders, für eine noch vergleichsweise so junge Geschichte. Aber das führt hier vom Thema ab. Sorry, für die Unterbrechung.
Matthias
wenn man den Jazz mitzählt (wofür es sehr gute Gründe gibt), dann hast Du sicherlich Recht. Insofern korrigiere ich mich: "der klassischen Hochkultur". Das andererseits kann man den USA in der Tat weniger vorwerfen, wenn man das Alter der Nation bedenkt.
Eine andere Frage ist trotzdem, ob man Europa mit "Eurotrash" für die Pflege seiner eigenen Kultur bedenken sollte...
Matthias
und besonders die USA haben nun wahrlich nicht gerade eine unüberschaubare Giganten-Produktion von Erzeugnissen der Hochkultur vorzuweisen.
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Ich versuche es trotzdem mal: kann es sein, daß Du ein Problem mit "interpretierender" Regie hast (im Gegensatz zu "ästhetisierender" Regie, bei der vielleicht optisch abstrahiert wird, die Charakterisierung und Interaktion der Personen aber eher den librettösen Richtlinien folgen)?
). Aber in der Tat habe ich mit der entsprechenden Opernregie ein Problem, da ich sie in den meisten Fällen entweder als plumpe Betonung nebensächlicher Banalitäten oder als von sonstwoher an den Haaren herbeigezogen erlebe.Ich auch, aber das sind eben genau solche die mich nicht durch ihre angeblich historisch korrekte Ausstattung schon so festlegen, dass meiner Phantasie gar kein Spielraum mehr bleibt.Ich schätze Aufführungen, die mir möglichst viel Spielraum für meine eigenen Gedanken und Emotionen lassen
Wie wahr!Ein kultivierter (und ich unterstelle damit: kluger) Amerikaner würde den Begriff "eurotrash" nicht in den Mund nehmen, denn er spiegelt das geistige Niveau derjenigen wider, die ihn benutzen.
Ich war leider immer noch nicht im berühmten Konwitschny-"Lohengrin", der im Klassenzimmer spielt, aber hier hätte ich a priori nach Papierform gesagt, daß das nicht funktionieren kann - ich kenne aber nur Leute, die total begeistert von der Aufführung sind, und während Konwitschny bei der Premiere noch ausgebuht wurde, bekam er bei der letzten Hamburger Vorstellung angeblich standing ovations.
Was einem da an zuckrigen Hochglanz-Inszenierungen und barbiemässigen Pausen-Moderatorinnen aus der MET geboten wird, mögen Manche ja für den Gipfel der Hochkultur halten- das kann man aber auch ganz anders nennen.
Zitat
Diese in Mengelberg Sinne "unkultivierten" Amerikaner deren Background in grossen Teilen auf europäischen Traditionen wurzelt und die Selbige schon seit Jahrzehnten mit diversem "Trash" so anreichern, dass von der anderen Seite des grossen Teiches mit gleichem Recht von Ami-Trash geredet werden könnte, sollten vielleicht auch erst mal vor der eigenen Türe kehren.
Was einem da an zuckrigen Hochglanz-Inszenierungen und barbiemässigen Pausen-Moderatorinnen aus der MET geboten wird, mögen Manche ja für den Gipfel der Hochkultur halten- das kann man aber auch ganz anders nennen.
, aber es ist nicht unbedingt repräsentativ für die USA (siehe Aufzählung von Michel). Nebenbei: die urprüngliche Barbiepuppe wurde in Deutschland entwickelt. Firma Matell hatte das Patent zu einem Spottpreis gekauft...
Ich schätze Aufführungen, die mir möglichst viel Spielraum für meine eigenen Gedanken und Emotionen lassen. Das "Interpretieren" des Stückes erledige ich für mich dann schon selber - das schaffe ich auch ohne schulmeisternde Rippenstöße durch den Regisseur.
Matthias Lieber Bernd,
Ich schätze Aufführungen, die mir möglichst viel Spielraum für meine eigenen Gedanken und Emotionen lassen. Das "Interpretieren" des Stückes erledige ich für mich dann schon selber - das schaffe ich auch ohne schulmeisternde Rippenstöße durch den Regisseur.
Viele Grüße
Bernd
)
. Unseren Schenk-"L'Elisir" finde ich z.B. herzig und will ihn gar nicht hergeben
, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich an dieses Werk keine besonderen intellektuellen Anforderungen stelle, sondern mich dabei schlicht und einfach gut unterhalten will. Das gleiche gilt für unseren "Barbiere di Siviglia", auch da stört mich die Uraltinszenierung nicht. Wenn aber inhaltlich tolle Werke wie "Tosca" oder "Don Carlo"als zahnlose Ausstattungsschinken verkauft werden, sehe ich rot!
Damit sich meine Phantasie entfalten kann, brauche ich Freiräume im wahrsten Sinn des Wortes, also ein möglichst minimalistisches, abstrahiertes Bühnenbild. Welche Fragen sollen sich z.B. bei der "Traviata" von Zeffirelli aufdrängen? Da ist doch schon alles beantwortet, bis ins kleinste Detail der vollgerammelten Bühnenräume springt Dir doch ein "So ist es und nicht anders!" entgegen. Hingegen die Willy-Decker-Inszenierung in Salzburg: Hier ist nichts beantwortet, alles offen und daher von der ersten Minute an spannend. (Auch wenn man den Ausgang kennt )
maticus
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Schauen wir uns doch die amerikanische, von Hollywood geprägte Filmindustrie an (schon allein das Wort!). Das meiste würde ich doch "Trash" nennen wollen, und dass dieser auch weltweit so erfolgreich ist, wertet das in meinen Augen nicht auf. Gute Produktionen verschwinden doch in den Promille-Bereich.
Dazu konzentriert sich die "Hochkultur" in den USA auf einige wenige Metropolen, mit weitem Vorsprung sicherlich in New York, das in weiten Teilen sehr europäisch geprägt ist, Es gibt nicht diese Dichte wie in Europa, zwischen West- und Ostküste ist nicht viel. Wenn wir uns etwa die Orchesterdichte in Mitteleuropa anschauen. Ich denke, in den USA ist es viel schwieriger und gleichzeitig teurer und elitärer, in ein gutes (klassisches) Konzert zu gehen als etwa in Deutschland.
Liebe Mela,Damit sich meine Phantasie entfalten kann, brauche ich Freiräume im wahrsten Sinn des Wortes, also ein möglichst minimalistisches, abstrahiertes Bühnenbild. Welche Fragen sollen sich z.B. bei der "Traviata" von Zeffirelli aufdrängen? Da ist doch schon alles beantwortet, bis ins kleinste Detail der vollgerammelten Bühnenräume springt Dir doch ein "So ist es und nicht anders!" entgegen. Hingegen die Willy-Decker-Inszenierung in Salzburg: Hier ist nichts beantwortet, alles offen und daher von der ersten Minute an spannend. (Auch wenn man den Ausgang kennt )
Liebe Severina,
das verstehe ich nicht ganz. Für mich ist das Bühnenbild eigentlich nur ein Teil der Inszenierung und der Interpretation durch den Regisseur. Auch ein vollgestopftes Zefirelli-Bühnenbild sagt mir nichts über das Verhältnis der Personen untereinander, zu Gesellschaft o.ä. Ich halte es nicht für vollständig ausgeschlossen, dass auch in einem Zefirelli-Bühnenbild spannendes Theater möglich ist. Die Interpretation ergibt sich doch aus den Gesamtpaket (nicht das ich Zefirelli jetzt verteidigen will).
Für mich ist der Hinweis auf möglichst minimalistische, abstrahierte Bühnenbilder, die der Phantasie freien Raum lassen, nicht schlüssig.
Viele Grüße,
Melanie
Ähmmm... die Gattung Film ist sicher in ähnlichem Maße vom US-Amerikanischen geprägt, wie es die Gattung Oper über Jahrhunderte vom Italienischen war... ein großer Teil (der Überwiegende?) der filmischen Meisterwerke stammt aus amerikanischer Produktion...Schauen wir uns doch die amerikanische, von Hollywood geprägte Filmindustrie an (schon allein das Wort!). Das meiste würde ich doch "Trash" nennen wollen
z.B. die Verfilmung "The Remains of the Day = Was vom Tage übrig blieb" erfolgte durch einen US-Regisseur, nämlich James Ivory
Zitat
der filmischen Meisterwerke stammt aus amerikanischer Produktion...
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Während Dich offensichtlich eine historisierende Inszenierung zum Nachdenken anregt, blockiert sie mich total. Ein Zeffirelli erschlägt meine klares Denkvermögen mit einer Flut von Bildern, die sich dem freien Assoziieren ebenso in den Weg stellen wie den Sängern die Plüschsofas auf der realen Bühne, denen sie ständig ausweichen müssen.
Zitat
Wenn ich eine Oper kennenlernen möchte, greife ich bevorzugt zur CD, weil ich mir da tatsächlich möglichst unbeeindruckt durch die Interpretation einen Regisseurs mein eigenes Bild machen kann.
maticus
guter Vorschlag. Vielleicht trägt ein gesonderter Thread dazu bei, dass ein differenzierteres Bild von den USA gewonnen wird ...
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Wir können und sollten das gerne abtrennen. Ob meine "Ladung" so geballt war, das sehe ich nicht so, nur etwas vereinfacht. Vielleicht trägt das ja zu einer interessanten Diskussion bei -- an geeigneter Stelle.

was ich damit sagen will: Es gibt Bühnenbilder, Kostüme, die mir auf den ersten Blick verraten, wo und wann der Regisseur sein Stück verortet, und die habe ich eben nicht so gerne wie solche, die das in der Schwebe lassen. (Deshalb finde ich auch Naziuniformen nur mäßig originell, weil damit schon wieder eine Festlegung stattfindet. Jeder denkende Zuschauer wird diese Assoziation, so sie Sinn macht, selber herstellen, dazu braucht's keinen Holzhammer.) Ich liebe also Inszenierungen - und natürlich ist das Bühnenbild nur ein Teil davon - die vieles offen lassen, die mehr Fragezeichen als Rufzeichen enthalten.
Melanie, für mich persönlich ist gerade im Falle der Oper die Konserve nur ein sehr schwacher Ersatz für eine (meinetwegen auch noch so wenig überzeugende ) Aufführung.
- P1: Der Komponist/Librettist legt in der Partitur/im Libretto genau fest, wie das Werk aufgeführt werden soll.
Zu P1: Dieser Punkt ist äußerst fragwürdig, und zwar aus folgenden Gründen:
- Nicht jedes Libretto enthält Bühnenanweisungen. Noch weniger Partituren enthalten Bühnenanweisungen. Bühnenanweisungen im Libretto sind in den meisten Fällen sehr kurz gefaßt und reichen für eine Inszenierung nicht aus. Sofern Handlungsort und Handlungszeit in Libretto oder Partitur angegeben sind, bieten diese einen gewissen Rahmen.
- Literarische Texte sind in jeder Leseart eine Interpretation. Niemand kann objektiv sagen, wie etwas gemeint sein soll. Noch weniger geht das in einer Partitur, die sich bei dem unzureichenden Notationssystem noch viel größerer Unklarheiten schuldig macht als ein literarischer Text. Zu sagen, man könne einen literarischen Text bzw. eine Partitur objektiv lesen, ist Unsinn.
- Das Werk ist nicht die Partitur oder das Libretto, und niemand kann das Werk so aufführen, "wie es ist". Das Werk ist höchstens die Summe aller Aufführungen.

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Es ist im Übrigen schon interessant: Wenn ein Klemperer Beethovens Tempo-Vorschriften eindeutig mißachtet, schreien die einschlägigen Verdächtigen nichts von "Verfremdung", steckt man aber Wotan in einen herkömmlichen Anzug, wird der Untergang des Abendlandes vermutet.
: Meine "einschlägigen Verdächtigen" halten es grundsätzlich für eine unzumutbare Fehlleistung, wenn eine Telemann-Suite auf modernem Instrumentarium gespielt wird, aber ein Parsifal als Cheftrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft ist in ihren Augen ein wunderbar progressiver Regieeinfall.
(Ich taufe dieses tolle Smiley um. Es ist nicht nur ein Jubel-Smiley sondern ein Staubi-Jubel-Smiley!)
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