Lieber Symbol,Ähnlich wie Schönberg sich hier über Regisseure äußert, hat Mahler sich über Dirigenten geäußert und damit seine sehr exakten Partitur-Anweisungen begründet. Man sollte nicht vergessen, daß die Opernregie zu Schönbergs Zeiten noch nicht so weit entwickelt war wie heute - das Zitat stammt aus der Zeit vor Felsenstein und Wieland Wagner.
Es ist im Übrigen schon interessant: Wenn ein Klemperer Beethovens Tempo-Vorschriften eindeutig mißachtet, schreien die einschlägigen Verdächtigen nichts von "Verfremdung", steckt man aber Wotan in einen herkömmlichen Anzug, wird der Untergang des Abendlandes vermutet.
LG![]()
Zitat
Es ist im Übrigen schon interessant: Wenn ein Klemperer Beethovens Tempo-Vorschriften eindeutig mißachtet, schreien die einschlägigen Verdächtigen nichts von "Verfremdung", steckt man aber Wotan in einen herkömmlichen Anzug, wird der Untergang des Abendlandes vermutet.
Umgekehrt wird allerdings auch ein Schuh draus: Meine "einschlägigen Verdächtigen" halten es grundsätzlich für eine unzumutbare Fehlleistung, wenn eine Telemann-Suite auf modernem Instrumentarium gespielt wird, aber ein Parsifal als Cheftrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft ist in ihren Augen ein wunderbar progressiver Regieeinfall.
Viele Grüße
Bernd
Könnte man das Konzept nicht mal an einen Regisseur schicken? Ich würde mich auch persönlich dafür verwenden, Dich im Programmheft als Co-Dramaturgen aufzuführen.
Zitat von »Severina«
...
Und was die "Werktreue" betrifft: Ich erinnere mich noch gut an das empörte Aufheulen, als Riccardo Muti in den 80erjahren Franco Bonisolli als Duca die eingelegten Spitzentöne untersagte, eben weil Verdi die nicht komponiert hatte. Das Publikum war erzürnt und Bonisolli, dem ja immer mehr an vordergründigen Effekten als an einer ernsthaften Interpretation gelegen war, legte sich ebenfalls quer. Kaum war der Maestro aus dem Haus, schmetterte jeder wieder fröhlich in altbewährter Manier drauf los - Partitur hin, Partitur her.
lg Severina![]()
Lieber Keith,
Zitat von »Severina«
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Und was die "Werktreue" betrifft: Ich erinnere mich noch gut an das empörte Aufheulen, als Riccardo Muti in den 80erjahren Franco Bonisolli als Duca die eingelegten Spitzentöne untersagte, eben weil Verdi die nicht komponiert hatte. Das Publikum war erzürnt und Bonisolli, dem ja immer mehr an vordergründigen Effekten als an einer ernsthaften Interpretation gelegen war, legte sich ebenfalls quer. Kaum war der Maestro aus dem Haus, schmetterte jeder wieder fröhlich in altbewährter Manier drauf los - Partitur hin, Partitur her.
lg Severina![]()
Hallo Serverina,
weil G. Verdi dieses anders sah und niederschrieb, in diesem Fall vermittelt durch R. Muti. Man glänzt nicht allein durch Spitzentöne.![]()
Der Komponist lies in seinen Werken sehr wenig improvisatorischen oder ändernden Spielraum für die Sänger. G. Verdi war hier sehr streng:
1. Mit Fortschreiten der Werken
2. (Kleinere) Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
G. Verdi ist halt nicht Belcanto sondern Romantik; auch wenn sich die Gesangskultur in Italien nur allmählich und verzögert änderte...ob zum Guten oder Schlechten bleibt dahingestellt.![]()
Bis dann.
Lieber Mengelberg, der Gipfel der Paradoxie ist dann noch ,wenn die Oper , die angeblich total werkgetreu aufgeführt wird, nicht mal in der Sprache auf die Bühne kommt, zu der sie komponiert wurde.
Die Verquickung von militanten Forderungen nach "Werktreue" mit gleichzeitigem lautem Rufen nach Aufführungen in Landessprache hat mir die Schizophrenie solcher Gedankengänge in aller Deutlichkeit erschlossen.
F.Q.
) wesentlich konsequenter und nachvollziehbarer in ihrem Denken und lehnen nicht in einem Atemzug oder gar militant das Regietheater als Werkvergewaltigung ab. Fast im Gegenteil.
Zitat
das, was Du schreibst, mag im Prinzip richtig sein, aber eben halt auch nur im Prinzip. Die Frage ist nämlich, ob der von Dir angeführte HIP-Fan den "modernen" Telemann ablehnt, weil dieser nicht "authentisch" sei, oder aber, weil er/sie findet, daß die HIP-Interpretation einfach besser klingt. Im ersteren Fall hätten wir in der Tat einen Widerspruch, im letzteren nicht, weil es bei der einen diskutierten ästhetischen Präferenz überhaupt nicht um "Werktreue" geht, sondern um subjektive Vorliebe für einen bestimmten Klang oder eine bestimmte Spielweise.

Philipp
Zitat
Wahrscheinlich auf mich gemünzt
Zitat
Authentisch gibt’s nicht, das ist Blödsinn, wer so HIP begreift hat gar nichts kapiert - hier geht es nicht um die Reproduktion eines Klangs, sondern um eine annähernde Interpretation.

Zitat
Also DAS hat garantiert gar nichts mit Werktreue zu tun, das hat nicht mal was mit Kunst zu tun.
Zefirelli ist ein Bob Ross der Bühne mit faschistoider „Ästhetik
Lieber Bernd,
Ein Allegro ist ein Allegro und trotz eines gewissen Spielraums kein Largo - und Wotan ist Wotan und nicht Josef Ackermann. In mythologischer Vorzeit pflegte man nicht in Nadelstreifenanzügen herumzulaufen.
Die Stilbrüche, die in der modernen Opernregie gang und gäbe sind, finden im Vergleich zu jeder einigermaßen ernstzunehmenden Musikinterpretation auf einer viel elementareren Ebene statt. Für den Charakter einer Oper und damit auch ihrer MUSIK entscheidende Faktoren wie die Zeit und der Ort der Handlung werden in vielen Inszenierungen völlig ignoriert bzw. bewußt abgeändert. Die zwangsläufige Folge ist eine fundamentale Diskrepanz zwischen Musik und Szene; eines paßt vorne und hinten nicht zum anderen. Und mich wundert ein wenig, daß diejenigen, die auf der einen Seite eine teilweise über "historische Aufführungspraxis" versuchte, musikalisch möglichst dichte Annäherung an das Werk und seinen "Geist" propagieren, gleichzeitig auf der anderen Seite sznenische Anakoluthe in krassesten Versionen völlig schmerzfrei hinnehmen und verteidigen.
Viele Grüße
Bernd
- aber ganz bestimmt nicht mit Flügelhelm und Bärenfell. Für einen Mythos gibt es bekanntlich keine archäologische Quellenlage, also spricht absolut nichts dagegen, mir Wotan im Nadelstreif vorzustellen. Ganz bestimmt schmerzt mich das weniger als ein pseudogermanisches Kostümfest. Ich kann Dir auch erklären, warum: Meine bis vor kurzem heftige Abneigung gegen Wagners Ring resultierte u.a. auch aus dem Umstand, dass ich mit dieser ganzen Götter- und Halbgöttergesellschaft überhaupt nichts anfangen konnte. Ich konnte mich in dieses in meinen Augen absurde Konstrukt nicht hineinversetzen, das Schicksal von Siegfried und seinem Anhang berührte mich einfach nicht. Erst als ich die ersten Inszenierungen sah, in denen plötzlich Menschen aus Fleisch und Blut auf der Bühne standen, in normaler Kleidung und mit normalen Gesten, fand ich einen Zugang zu dieser mir bis dahin fremden Welt, und mit Sven- Eric Bechtolfs psychologisch ungemein fein gesponnenem Wotan, der überhaupt nichts Göttliches an sich hat, kann ich erstmals wirklich mitleiden. (In traditionellen Inszenierungen hingegen war er für mich nie mehr als eine ziemliche Witzfigur
) Es mag schon sein, dass ich einfach zu doof bin, das Allgemeingültige des Ring-Mythos auch in einem germanischen Disneyland zu erkennen, aber so ist es halt, und mein Ausweg aus diesem Dilemma sind eben moderne Inszenierungen.
Zitat
Wahrscheinlich auf mich gemünzt
Nein, nicht speziell auf dich. In meinem Bekannten- und Freudes(!)kreis gibt es da einige Kandidaten....
Zitat
Authentisch gibt’s nicht, das ist Blödsinn, wer so HIP begreift hat gar nichts kapiert - hier geht es nicht um die Reproduktion eines Klangs, sondern um eine annähernde Interpretation.
Klar - und im Hinblick aufs Theater geht es mir nicht um eine "authentische" Inszenierung (nicht um die Reproduktion von 1860er Bärenfellen), sondern um eine "annähernde"!
Ein Allegro ist ein Allegro und trotz eines gewissen Spielraums kein Largo - und Wotan ist Wotan und nicht Josef Ackermann. In mythologischer Vorzeit pflegte man nicht in Nadelstreifenanzügen herumzulaufen.
Die Stilbrüche, die in der modernen Opernregie gang und gäbe sind, finden im Vergleich zu jeder einigermaßen ernstzunehmenden Musikinterpretation auf einer viel elementareren Ebene statt. Für den Charakter einer Oper und damit auch ihrer MUSIK entscheidende Faktoren wie die Zeit und der Ort der Handlung werden in vielen Inszenierungen völlig ignoriert bzw. bewußt abgeändert. Die zwangsläufige Folge ist eine fundamentale Diskrepanz zwischen Musik und Szene; eines paßt vorne und hinten nicht zum anderen. Und mich wundert ein wenig, daß diejenigen, die auf der einen Seite eine teilweise über "historische Aufführungspraxis" versuchte, musikalisch möglichst dichte Annäherung an das Werk und seinen "Geist" propagieren, gleichzeitig auf der anderen Seite sznenische Anakoluthe in krassesten Versionen völlig schmerzfrei hinnehmen und verteidigen.
Viele Grüße
Bernd
Lieber Bernd,
Zitat
und Wotan ist Wotan und nicht Josef Ackermann. In mythologischer Vorzeit pflegte man nicht in Nadelstreifenanzügen herumzulaufen.
dass die Wagnersche Musik untrennbar mit dem Dresscode aus mythologischer Vorzeit verbunden sei, bedürfte noch einer musikalischen Begründung.
In mythologischer Vorzeit pflegte man nicht in Nadelstreifenanzügen herumzulaufen.
(...)
Für den Charakter einer Oper und damit auch ihrer MUSIK entscheidende Faktoren wie die Zeit und der Ort der Handlung werden in vielen Inszenierungen völlig ignoriert bzw. bewußt abgeändert. Die zwangsläufige Folge ist eine fundamentale Diskrepanz zwischen Musik und Szene; eines paßt vorne und hinten nicht zum anderen.
. Frühestens morgen abend....in die Falle tappe ich nicht: Nicht ich war es, der behauptet hat, dass es eine Verbindung von Musik und Kleidung gibt. Deshalb nur das: Ich kenne eigentlich gar keine Musik, die nach Kleidung klingt.klingt das Walhall-Motiv für dich nach grauem Smoking? Oder das Schwert-Motiv nach Trainingsanzug?
ist sehr naheliegend, aber das Bankenwesen als solches ist doch eher der Zirkulationssphäre in der Kapitalverwertung zuzuordnen... also dann wenn die "Kreditklemme" wieder aufgehoben ist
Zitat
Ackermann passt eher zu Fafner, der mit seinem "Ich lieg und besitz" die "Kreditklemme" verursacht!
Lieber Bernd,Hallo Christian,
klingt das Walhall-Motiv für dich nach grauem Smoking? Oder das Schwert-Motiv nach Trainingsanzug?
leider gehst Du über den entscheidenden Punkt hinweg, nämlich daß viele HIP-isten gar nicht an einer Annäherung an das Werk interessiert sind, sondern finden, daß historische Instrumente und Spielweisen helfen, überkommene Interpretationsweisen zu überwinden, also einen sehr modernen Aspekt in diesem künstlerischen Ansatz sehen. Eine "moderne" Inszenierung ist dem relativ nah, denn auch hier geht es häufig darum, verschleiernde Interpretationen zugunsten einer Annäherung an den eigentlichen Kern des Werkes zu überwinden. Anders gesagt: wenn HIP nicht aus Gründen der Authentizität propagiert wird, kann man es auch nicht gegen einen "unauthentischen" Inszenierungsstil ausspielen.
die Ringwiedergaben mit "modernen"Inszenierungen, die ich mir live bzw. über DVD reingezogen habe, hatten durchaus sehr viel "Atmosphärisches"; z.B. im November Rheingold in Hannover. Die Götter z.Tl. in Badeklamotten (vermutlich würde es Dir , lieber Bernd bei der Vorstellung grauslich werden). Passte alles ganz vorzüglich und erschöpfte sich nicht in "banaler Sozialkritik" (was das auch immer sein mag), sondern zahlreiche Momente verwiesen auf weitere Zusammenhänge, die sich der Hörer/Besucher aber selbst zu ergründen hat (also niemals erhobener Zeigefinger) ...
Zitat
Mir ist das Atmosphärische in Wagners Opern sehr wichtig, weil ich glaube, daß darin etwas viel Tieferes ausgedrückt wird als banale Sozialkritik.
Den würde ich gerne sehen, denn von Carsen hat mir bisher fast alles ausgezeichnet gefallen, und ich kenne einiges von ihm.Sehr viel Atmosphäre gibt es auch im "Kölner-Ring" (Robert Carsen), den man im Juni 2010 zweimal sehen kann.![]()
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Gerd
Den würde ich gerne sehen, denn von Carsen hat mir bisher fast alles ausgezeichnet gefallen, und ich kenne einiges von ihm.Sehr viel Atmosphäre gibt es auch im "Kölner-Ring" (Robert Carsen), den man im Juni 2010 zweimal sehen kann.![]()
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Gerd
lg Severina![]()
Lieber Gerd,Den würde ich gerne sehen, denn von Carsen hat mir bisher fast alles ausgezeichnet gefallen, und ich kenne einiges von ihm.Sehr viel Atmosphäre gibt es auch im "Kölner-Ring" (Robert Carsen), den man im Juni 2010 zweimal sehen kann.![]()
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Gerd
lg Severina![]()
Liebe Severina, da kann ich Dir nur zustimmen. Neben seinem Ring (dreimal) habe ich in Köln von ihm noch:Falstaff, Macbetto und Katja Kabanowa gesehen und war stets begeistert. So sollte "Regietheater" (dazu muss man ihn wohl zählen) sein! Er übertreibt nicht und lenkt die Aufmerksamkeit immer auf das Wesentliche der Handlung, wie ich meine.
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Gerd
leider gehst Du über den entscheidenden Punkt hinweg, nämlich daß viele HIP-isten gar nicht an einer Annäherung an das Werk interessiert sind, sondern finden, daß historische Instrumente und Spielweisen helfen, überkommene Interpretationsweisen zu überwinden, also einen sehr modernen Aspekt in diesem künstlerischen Ansatz sehen. Eine "moderne" Inszenierung ist dem relativ nah, denn auch hier geht es häufig darum, verschleiernde Interpretationen zugunsten einer Annäherung an den eigentlichen Kern des Werkes zu überwinden. Anders gesagt: wenn HIP nicht aus Gründen der Authentizität propagiert wird, kann man es auch nicht gegen einen "unauthentischen" Inszenierungsstil ausspielen.
Auf den Kern gebracht hieße das doch, es muss nicht besser, sein, es muss nicht sinnvoll sein, es muss nicht einmal gut sein, Hauptsache es ist anders! Das kann aber doch kein ernsthafter Maßstab sein, um eine Interpretation zu beurteilen, weder ein Orchester noch ein Regisseur ist deswegen gut, weil er möglichst viel anders macht als seine Vorgänger! Laut deiner Aussage geht es nicht um "Authentizität", ja nicht einmal um eine "Annäherung" an das Werk, sondern schlicht darum, modern zu sein, anders zu sein als die Anderen. Wie ernst kann man denn eine Kunst nehmen, die sich auf so eine Begründung stützt (die meisten modernen Regiesseure tun das, um diesem Einwand gleich zuvorzukommen, zum Glück nicht!)? Was habe ich als Hörer und Zuschauer denn davon, wenn "überkommene Interpretationsweisen" überwunden wurden, die neuen aber viel banaler und einfallsloser sind? Was habe ich davon, wenn eine Interpretation überwunden wird, ich die Überwindung aber nicht verstehe oder nicht nachvollziehen kann? Kurz: Ist es für dich wirklich ein Qualitätsmerkmal, wenn "überkommene Interpretationen" überwunden wurden?
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Lars
Zunächst habe ich eigentlich von keiner Präferenz geschrieben, sondern lediglich von der (m. E. (Un-))Vergleichbarkeit zweier Positionen (Nicht-HIP-Musik mit herkömmlicher Inszenierung vs. HIP-Musik mit "moderner" Inszenierung). Und dann schrub ich: "[...] geht es häufig darum, verschleiernde Interpretationen zugunsten einer Annäherung an den eigentlichen Kern des Werkes zu überwinden." Es kann also gerade nicht darum gehen, irgendwas zusammenzuschrauben, Hauptsache, es ist neu. Maßstab eines vernünftigen Regisseurs (wie auch eines vernünftigen Dirigenten) sollte m. E. immer sein, inwiefern die getroffenen Maßnahmen dem Werk und seinem Gehalt dienen. Der Irrtum der eher konservativ aufgestellten Opernliebhaber liegt jedoch für mich gerade darin, daß eben gerade dieser Respekt vor dem Werk am Besten dadurch ausgedrückt wird, daß man das Libretto Wort für Wort abbuchstabiert und auskostümiert. Brünnhilde mit Brustpanzer und Flügelhelm mag ja 1876 super-sexy gewesen sein (und ist damit wohl auch irgendwie "authentisch"), heute wird man damit eher Lacher ernten.
Zitat
Brünnhilde mit Brustpanzer und Flügelhelm mag ja 1876 super-sexy gewesen sein (und ist damit wohl auch irgendwie "authentisch"), heute wird man damit eher Lacher ernten
ist mir noch etwas zu verallgemeinernd, aber nicht ganz abwegig:
Zitat
Der Vergleich zum Kochen liegt nahe - in vielen Opernbetrieben wird beständig mit Zutaten gearbeitet, die zum zugrunde liegenden Fleisch hinten und vorne nicht passen. Außerdem ist die dauernde Überwürzung eines der Hauptprobleme: Vor lauter Chili kann man die eigentliche Substanz nicht mehr schmecken. Eine solche Küche befriedigt bestenfalls Grobsensoriker - und dementsprechend bedienen unsere Opernregisseure eine Klientel, die immer wieder auf starke und neue Reize an der Oberfläche angewiesen ist....
Nur scheint mir zwischen dem "Abbuchstabieren" und den heutzutage in Deutschland üblichen Regiekruditäten eine kilometertiefe Kluft zu liegen. Der Vergleich zum Kochen liegt nahe - in vielen Opernbetrieben wird beständig mit Zutaten gearbeitet, die zum zugrunde liegenden Fleisch hinten und vorne nicht passen. Außerdem ist die dauernde Überwürzung eines der Hauptprobleme: Vor lauter Chili kann man die eigentliche Substanz nicht mehr schmecken. Eine solche Küche befriedigt bestenfalls Grobsensoriker - und dementsprechend bedienen unsere Opernregisseure eine Klientel, die immer wieder auf starke und neue Reize an der Oberfläche angewiesen ist....![]()
Von einer gelungenen Inszenierung erwarte ich subtile Nuancen. Aber stattdessen wird mir in den meisten Fällen eins mit dem Holzhammer übergebraten.
(leider unterstellt der Artikel, dass in den USA ausschließlich der Kitsch herrscht)
Zitat
Während Europa beinah flächendeckend mit Opernproduktionen versorgt ist, die verfälschende, in der Regel meist nur die handwerkliche Hilflosigkeit der Regisseure tarnende Machwerke darstellen, regiert jenseits des Ozeans ein retrospektiver Geist, der wiederum vor keinem noch so überladenen Kitsch zurückscheut. Hier wie dort bleibt der Geschmack auf der Strecke, sind ästhetisch hochwertige, mit Takt und Feingefühl gegenüber den Ansprüchen des Kunstwerks wie jenen des modernen Publikums erarbeitete Musiktheaterproduktionen die Ausnahmen.
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