das wäre die Wiederholung des Immergleichen...
Zitat
Ich kann hundertmal dasselbe hören, ohne dass es an Reiz verliert und - wie mich annehme - ohne dass ich dabei 'immer mehr heraushöre'.
worin läge denn der spezifische "Gewinn" ?
Zitat
auf solche Weisen kann man einen SPEZIFISCHEN Gewinn aus dem Musikdrama beziehen..
Ich sags's mal so: im Erleben des gestischen Ausdrucks (Spiel auf der Bühne) und des i. e. S. musikalischen Ausdrucks (Musik) - natürlich in ihrem Zusammenwirken. (Was da ausgedrückt wird? Lieber Gott, wenn das sprachlich Gewinn bringend 'rüberzubringen' ist, dann ... wäre das solch eine phänomenologische Erörterung, die ich jetzt nicht in Angriff nehmen will/kann. Wir hatten das im Zeichensystem-Thread; Nocturnus verwies auf die Ikonizität des musikalischen Ausdrucks. Es ist zum Beispiel schwer zu sagen, WAS die Musik ausdrückt, als Sieglinde den Walküren von ihrer Schwangerschaft berichtet. Klar ist aber: Es ist nicht bloß die Proposition des Inhalts "Liebe Walküren, ich bin schwanger". Dafür wäre das musikalische und gestische Brimborium nicht nötig.)
Zitat
worin läge denn der spezifische "Gewinn" ?
Kann sie machen. Aber wenn sie es nicht tut, vermisse ich es nicht. Lesarten interessieren mich eben nicht, jedenfalls nicht in einem Sinne von Interpretation. Z. B. Wagner war kein besonders interessanter Denker - daher das, was ich zur Kapitalismuskritik im Ring sagte. Ist es spannend, wenn jmd. anhand des Ehekrachs Wotan-Fricka bürgerliche Beziehungsdramen behandelt? Ich denke:Nein. Daher beziehe ich mich auf spezifischere Leistungen musikdramatischer Aufführungen, und die dürften mehr mit jenem gestischen und musikalischen Ausdruck zu tun haben.
Zitat
ich denke eine Regie hätte u.a. auch die Aufgabe, neue Details, neue Lesarten dem Hörer eines Musikdramas erfahrbar zu machen...
Zitat
Welchen Nutzen hat es beispielsweise, wenn Harry Kupfer Siegfried in ein Atommülllager verfrachtet (in den 90ern)? Will er mich zum Nachdenken über AKW's bringen, während ich im "Siegfried" sitze?
) aktuelle gesellschaftliche Probleme von noch viel schwerwiegenderen Ausmaßen hätten! Was wäre, wenn es die entsprechenden Künstler nicht gewagt hätten, via Siegfried, Zauberflöte oder Hänsel und Gretel andauernd die Finger auf die klaffenden tagespolitischen Wunden zu legen? Ich gehe klar davon aus, daß dann unzählige Theaterbesucher niemals zu elementar wichtigen Erkenntnissen über die Atomenergie, das Dritte Reich, den Afghanistankrieg und die letzte Fußball-WM gelangt wären!
Zitat
Ich gehe klar davon aus, daß dann unzählige Theaterbesucher niemals zu elementar wichtigen Erkenntnissen über die Atomkraft, das Dritte Reich, den Afghanistankrieg und die letzte Fußball-WM gelangt wären!![]()

da unterscheiden wir uns erheblich: Mich würde das viel früher stören, nämlich in dem Moment, in dem es musikalisch misslingt. Ich schrieb ja: Man darf es, wenn man es kann. Bis zum Beweis des Gegenteils behaupte ich: Eine künstlerisch überzeugende Fassung von Mozarts Klarinettenkonzert mit Blasorchester oder Xylophonensemble schreiben, das kann niemand. Wenn es jemandem allerdings dennoch gelingen sollte, würde ich mich natürlich nicht daran stören, warum auch? Gute Kunst finde ich immer bereichernd, nicht störend.Arrangements von Mozarts Klarinettenkonzert für Blasorchester oder Xylophonensemble würden genau dann anfangen, mich empfindlich zu stören, wenn es kaum noch Aufführungen mit der von Mozart in der Partitur notierten Orchesterbesetzung gäbe....
Das unterstellt, dass "diese Theaterform" einen stilistisch einheitlichen Block darstellt. Das Gegenteil ist leicht zu zeigen. Wer z.B. den Salzburger "Figaro" von Claus Guth mit dem von Barry Koskie in Berlin in denselben Topf "Regietheater" wirft, hat seine Blindheit hinreichend bewiesen. Das moderne Theater zeichnet sich, genau andersherum als Du behauptest, gerade durch eine enorme Vielfalt der Deutungen aus.Kurz gesagt: Ich habe nicht unbedingt etwas gegen das *sogenannte Regietheater* als solches. Aber ich habe eine Menge gegen die zur Zeit immer noch erbarmungslose Dominanz dieser Theaterform in Deutschland. Es existieren für mich einfach viel zu wenig Alternativen.
Wieland Wagner verstößt genauso gegen explizite Regieanweisungen des Librettos wie Kupfer oder Konwitschny.
wenn Du also Dir die Alpensinfonie oder den Rienzi anhörst, dann legst Du vermutlich keinen Wert auf unterschiedliche orchestrale Wiedergaben, da Du - nach Deiner Aussage- "niemals mehr" heraushörst, dass also neue Hörarten der genannten Werke, die zwangläufig mit z.B. anderen Orchestern dem Hörer gewahr werden - Dir gleichgültig sind. Das entspräche aber eher dem Ritual einer Wiederholung des Immergleichen...
Zitat
Lesarten interessieren mich eben nicht
Und da darf man wohl mal sehr polemisch werden, da der ganze Betrieb öffentliche Gelder kostet.
Was Staats-, Landes oder Gemeindegeld kostet, ist schon öffentlich interessanter als, wenn ich Blödian auf einen trickreichen Händler hereingefallen bin.
das wäre hilfreich es etwas genauer darzulegen. In welchen Fällen wären denn dann Regieanweisungen zu tolerieren ? Wenn diese den musikalichen Ausdruck bloß verdoppeln, ihn noch einmal unterstreichen ?
Zitat
Worauf es ankommt und womit die Qualität des Werks zu tun hat, dürfte etwas anderes sein, und ich wollte das mit "gestischer und musikalischer Ausdruck" ein bisschen andeuten. Wenn es diesen Qualitäten dient, mögen auch Verstöße gegen Regieanweisungen des Librettos zu tolerieren sein.
Zitat
Und wer beurteilt, ob das öffentliche Geld in der Oper adäquat ausgegeben wird?
Klar.
Zitat
Genauso gut kann man aus diesem Grund gegen ein reines Plüsch- und Ausstattungstheater polemisieren, das kostet nämlich auch öffentliche Gelder. Wer entscheidet, ob sie da besser angelegt sind?
Zitat
Was ist der SPEZIFISCHE Gewinn einer musikdramatischen Aufführung? An der Frage muss man dann meines Erachtens Gefallen finden.
der Satz "das war die Wahrheit" stösst mir etwas seltsam auf. Was ist denn "die Wahrheit"?
Ansonsten kann ich die Kritik Gielens natürlich nciht ganz von der Hand weisen, wobei ich allerdings nciht weiss, warum er sich gerade so auf Bieito einschiesst.
. In der Tat merkwürdig, dass sich Gielen gerade auf Bieito einschießt. Der steht doch eigentlch für einen aufklärerischen, durchaus linken Impetus, der Gielen sympathisch sein müsste. Gielen scheint eine gewisse Verselbständigung der Regie gegenüber der Musik zu stören (die ich in Grenzen durchaus akzeptabel finde). Er deutet sie als unberechtigte Dominanz. Ich frage mich allerdings, ob das gerade bei Neuenfels früher immer anders war...Gielen scheint eine gewisse Verselbständigung der Regie gegenüber der Musik zu stören (die ich in Grenzen durchaus akzeptabel finde). Er deutet sie als unberechtigte Dominanz. Ich frage mich allerdings, ob das gerade bei Neuenfels früher immer anders war.
Benutzerinformationen überspringen
trinkt abends gerne mal einen Saft
Wohnort: außerhalb von Leverkusen
Ich frage mich allerdings, ob das gerade bei Neuenfels früher immer anders war...
Ich erinnere gerne an die vom Priester gesegneten Panzer ,die in der Macht des Schicksals über die Bühne der DOB fuhren. Es gab sehr viel Geschrei und erhobene Fäuste.
1 Besucher
Forensoftware: Burning Board® 3.1.6, entwickelt von WoltLab® GmbH