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1

Dienstag, 16. Juni 2009, 23:23

"Regietheater" - Was ist das eigentlich?

Liebe Cappricisten,

ich möchte diesen Thread ausdrücklich nicht eröffnen, um ein Pro und Contra zu "modernen" Operninszenierungen vom Stapel zu brechen - das könnten und sollten wir vielleicht auch mal tun, einfach um zu testen, ob das auch hier beinahe zu Lynchaufrufen gegen zeitgenössische Opernregisseure führt wie in manchen anderen Foren (räusper...) - darum soll es aber hier nicht gehen. Um ehrlich zu sein, bin ich noch nicht einmal sicher, ob ich hier im richtigen Forum bin oder ob das unter "Aufführungspraxis" fällt, zur Not müßten die Mods den Thread wohl verschieben.

Worauf ich hinaus will: es wird heute immer wieder vom sogenannten "Regietheater" gesprochen, und ich würde ganz gerne rumfragen, wie Ihr den Begriff definiert und unter welchen Umständen ihr eine Opernaufführung in diese Sphäre einordnen würdet. Anders gesagt: ab wann zählt man eine Inszenierung zum "Regietheater", was soll eigentlich "Werktreue" in der Oper genau sein etc.? Muss man in der "Götterdämmerung" das Opernhaus anzünden und parallel fluten, um Wagners Willen umzusetzen? Was ist mit dem Thielemann-zitierten Wotan mit Aktentasche - "Regietheater" oder schon Standard?

Also, auf ein fröhliches Diskutieren!

:wink:
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." Gustav Mahler

2

Dienstag, 16. Juni 2009, 23:51

Ich habe mit der Regietheaterdiskussion immer das Problem, dass die Fronten für mich ganz woanders lang laufen als für die meisten bei diesen Diskussionen. Nämlich nicht an Ausstattungs-, sondern eben an Regiefragen.

Ich sehe überhaupt nur sehr gelegentlich wirklich gelungene Musiktheaterregie - wenn überhaupt. Wenn jeglicher schauspielerischer Differenzierung sich verweigernde Schönsinger möglichst rampennah die ewig gleichen schlechten Gesten performen, dann ist es mir ziemlich wurscht, ob das in "modernen" oder "historischen" Kostümen geschieht. Und das ist nun mal die Regel. Ein guter Musiktheaterregisseur sollte m.E. viel mehr Schauspiellehrer sein als alles andere. Die meisten sind es nicht.

Grüße,
Micha

3

Dienstag, 16. Juni 2009, 23:56

Nun ja, eigentlich ist "Regietheater" ein Pleonasmus: Entweder es gibt Regie, dann ist es Theater. Oder es gibt keine Regie, dann ist es auch kein Theater. :hide:
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

4

Mittwoch, 17. Juni 2009, 00:03

Ich habe mit der Regietheaterdiskussion immer das Problem, dass die Fronten für mich ganz woanders lang laufen als für die meisten bei diesen Diskussionen. Nämlich nicht an Ausstattungs-, sondern eben an Regiefragen.

Ich sehe überhaupt nur sehr gelegentlich wirklich gelungene Musiktheaterregie - wenn überhaupt. Wenn jeglicher schauspielerischer Differenzierung sich verweigernde Schönsinger möglichst rampennah die ewig gleichen schlechten Gesten performen, dann ist es mir ziemlich wurscht, ob das in "modernen" oder "historischen" Kostümen geschieht. Und das ist nun mal die Regel. Ein guter Musiktheaterregisseur sollte m.E. viel mehr Schauspiellehrer sein als alles andere. Die meisten sind es nicht.

Grüße,
Micha

Ich stimme Dir hier in vollem Umfang zu, allerdings scheint mir dies eher eine technische denn eine ästhetische Frage zu sein. Hier soll es ja gerade darum gehen, welche ästhetischen Gesichtspunkte eine Inszenierung zu "Regietheater" machen.

Nun ja, eigentlich ist "Regietheater" ein Pleonasmus: Entweder es gibt Regie, dann ist es Theater. Oder es gibt keine Regie, dann ist es auch kein Theater. :hide:

Volle Zustimmung auch hier, ich halte den Begriff ebenfalls für unsinnig. Von der semantischen Logik aber mal abgesehen, findet man ihn in vielen Feullitons (und Foren :hide: ), da sollte es ja eigentlich möglich sein, zu einer Eingenzung zu kommen. Und wenn nicht, wäre das vielleicht eine Überlegung wert...
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." Gustav Mahler

gioachino

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5

Mittwoch, 17. Juni 2009, 00:09

Regietheater findet dann statt, wenn die Kritik jubelt und die Besucher schimpfen.....

Übrigens fühlt sich heutzutage fast jede(r) Schauspielregisseur(in ) dazu berufen, Musiktheater zu inszenieren, oft genug bar jeglicher Kenntnis von der Partitur, von musikalischen Notwendigkeiten, von Noten überhaupt. Verfügt hingegen jemand über eben diese Kenntnisse wie z. B. Konwitschny oder der leider verstorbene Wernicke, so kann aus dem Ganzen eine überaus spannende Angelegenheit werden, bei der die singenden Protagonisten zu darstellerischer Höchstleistung auflaufen.

Ciao. Gioachino :juhu:
miniminiDIFIDI

6

Mittwoch, 17. Juni 2009, 00:33

Regietheater findet dann statt, wenn die Kritik jubelt und die Besucher schimpfen.....

Übrigens fühlt sich heutzutage fast jede(r) Schauspielregisseur(in ) dazu berufen, Musiktheater zu inszenieren, oft genug bar jeglicher Kenntnis von der Partitur, von musikalischen Notwendigkeiten, von Noten überhaupt. Verfügt hingegen jemand über eben diese Kenntnisse wie z. B. Konwitschny oder der leider verstorbene Wernicke, so kann aus dem Ganzen eine überaus spannende Angelegenheit werden, bei der die singenden Protagonisten zu darstellerischer Höchstleistung auflaufen.

Ciao. Gioachino :juhu:
Hallo Gioachino,

bezüglich Deiner Einschätzung der Qualifikation mancher Regisseure pflichte ich Dir i. W. bei. Ein Regisseur muß schon ziemlich interessante Ideen mitbringen, damit solche handwerklichen Mängel in den Hintergrund treten.

Was Deine "Definition" des Regietheaters angeht: Einspruch, Euer Ehren! Ich halte die schimpfenden Besucher für ein ziemliches Klischee, das vielleicht durch manche ältere Opernbesucher, besonders in der Provinz (sorry, das mußte raus), die ihre "Buhs" mit besonderer Inbrunst anbringen, genährt wird. Viele Aufführungen des "Regietheaters" genießen nach einiger Zeit beinahe Kultstatus, Beispiele: Konwitschnys Hamburger "Lohengrin", Wilsons "Parsifal" a. a. O. - wenn man den denn "Regietheater" nennen möchte. Womit wir beim Ausgangsproblem wären...
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." Gustav Mahler

7

Mittwoch, 17. Juni 2009, 00:52

RE: "Regietheater" - Was ist das eigentlich?


Worauf ich hinaus will: es wird heute immer wieder vom sogenannten "Regietheater" gesprochen, und ich würde ganz gerne rumfragen, wie Ihr den Begriff definiert und unter welchen Umständen ihr eine Opernaufführung in diese Sphäre einordnen würdet. Anders gesagt: ab wann zählt man eine Inszenierung zum "Regietheater", was soll eigentlich "Werktreue" in der Oper genau sein etc.? Muss man in der "Götterdämmerung" das Opernhaus anzünden und parallel fluten, um Wagners Willen umzusetzen? Was ist mit dem Thielemann-zitierten Wotan mit Aktentasche - "Regietheater" oder schon Standard?


Regietheater, liebes Symbol, ist ein Kampfbegriff der Konservativen gegen eine Tendenz im Musiktheater, Inszenierungen als eigenständigen Teil des Gesamtkunstwerks Oper zu verstehen. Das Gegenteil wäre der Versuch, eine Oper schlicht zu illustrieren. Beide Bemühungen können mE gültige Ergebnisse hervorbringen, d.h. wer den einen oder den anderen Weg wählt, entscheidet damit nicht notwendigerweise über die Qualität der Regiearbeit.

Entscheidend ist die Gesamtkonzeption - "Wotan mit Aktentasche" kann als Aktualisierung gelingen, es kann aber Nachplappern einer schon bekannten Idee, es kann aber auch Kitsch sein. Das gilt für Wotan mit Bärenfell und Augenklappe gleichermaßen.

Es gibt keine Opernaufführung ohne Regie, selbst wenn sie implizit ist (in einer Art Schrumpfregie). Gluck hat etwa sehr intensiv mit den Sängern gearbeitet, wenn man das alles anführt, was Zeitgenossen berichteten, war das schon "Regietheater". Auf der anderen Seite gab es schon immer das Publikum, das die SängerInnen hören wollte, dem die Oper als solche nur der Anlass war, wunderbare Stimmen zu hören. Komponisten sahen das in der Regel sehr kritisch ...

Wenn wir festhalten, dass jede Inszenierung ein Risiko ist - lebendige Oper eben auch dieses Risiko braucht und gleichermaßen die Routine wie das Neue um des Neuen willen verabscheut, kann man mit dem Begriff leben, obwohl er ein Pleonasmus ist. Das Faszinosum Oper geschieht mit ihm und gegen ihn.

Liebe Grüße Peter
.
Qu'est ce que cela peut me faire si tous les imbéciles ne jouent pas ma musique.

(Strawinsky)

8

Mittwoch, 17. Juni 2009, 00:56

Wilsons "Parsifal" a. a. O. - wenn man den denn "Regietheater" nennen möchte


Robert Wilson steht für Regieverweigerung auf die allerdings besonders virtuose Art. Ich habe bei seinen Theaterarbeiten nie verstanden, warum er überhaupt mit Schauspielern arbeitete. Was für eine Verschwendung. Freilich, sie hatten zu sprechen. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte er auch körperlich gut trainierte Laien oder, noch besser, dressierte Hunde in seine Bühnenbilder stellen können.

Grüße,
Micha

9

Mittwoch, 17. Juni 2009, 08:38

Lieber Micha,

über Robert Wilson wurde ja schon unlängst im Aufführungsthread anlässlich der Fernsehübertragung seiner "Freischütz"-Inszenierung aus Baden-Baden heftig debattiert. Er hat nun mal einen ganz eigenen Ansatz, der nicht auf psychologisch-realistische Personenführung abzielt. Daher "schauspielern" die Darsteller auch nicht im herkömmlichen Sinne. Die Ergebnisse von Wilsons Bühnenarbeiten sind oft faszinierend und immer umstritten. Man mag das ablehnen, was er macht, aber Regieverweigerung kann man es wohl kaum nennen. Es ist nur eine völlig andere Art von Regie.

gioachino

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10

Mittwoch, 17. Juni 2009, 10:29

Hallo Symbol,

die Pünktchen hinter meiner so plakativen Aussage sollen andeuten, dass sie nicht so ganz ernst gemeint ist. Fakt scheint mir jedoch zu sein, dass eine Aufführung, sogar und erst recht in der " Provinz ", erst dann überregionale Beachtung erfährt, wenn der Regieansatz besonders ausgefallen ist. Im allerletzten Absatz wird ( hoffentlich! ) die Leistung derer gewürdigt, auf die es letztlich ankommt - die Leistung der Sängerinnen und Sänger.

Ciao. Gioachino :pfeif:
miniminiDIFIDI

11

Mittwoch, 17. Juni 2009, 10:42

über Robert Wilson wurde ja schon unlängst im Aufführungsthread anlässlich der Fernsehübertragung seiner "Freischütz"-Inszenierung aus Baden-Baden heftig debattiert


Lieber Lokalheld,
den thread hatte ich überhaupt nicht wahrgenommen - was an meinem Desinteresse an Oper in der Glotze einerseits und am Freischützen andererseits liegt. Tut mir leid; wenn ich das gesehen hätte, hätte ich nicht versucht, hier ein Wilson-Fass aufzumachen; ist ja albern wenn gerade eine Diskussion stattgefunden hat.

Man mag das ablehnen, was er macht, aber Regieverweigerung kann man es wohl kaum nennen.


Da das Fass aber nun mal offen ist, muss ich doch noch ein bisschen Senf reingeben.
Ich habe mir den Freischütz-Thread jetzt durchgelesen. Da taucht wieder dieses großartige Wort "Personenregie" auf. Die, so heißt es da, könne man von Wilson nicht erwarten.
Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen "Personenregie" und "Regie"? Oder anders gefragt: was gibt es denn sonst noch für "Regie" außer "Personenregie"? "Requisitenregie"? "Bühnenbildregie"?

"Regie" ist natürlich Regie von Darstellern, was denn sonst. Wer sich als "Regisseur" der Arbeit mit den Schauspielern an der Rolle (und das muss keine psychologisch-realistische sein; da gibt es ja noch einige andere Formen) verweigert, macht meinethalben "Inszenierungen", aber keine Regie - wie der im Freischützthread erwähnte Achim Freyer übrigens auch. Dass solche "Inszenierungen ohne Regie" gerne mal als Musterbeispiel für das sogenannte "Regietheater" hergenommen werden, ist der Gipfel der absurden Begriffsverwirrung.

Grüße,
Micha

12

Mittwoch, 17. Juni 2009, 11:20

Ich finde die Diskussion über Wilsons Regiearbeit durchaus interessant. Aber wäre es nicht sinnvoller, sie im schon bestehenden, erwähnten Thread zum Freischütz in Baden-Baden stattfinden zu lassen (dorthin zu verschieben)?

13

Mittwoch, 17. Juni 2009, 12:07

Robert Wilson

Hallo zusammen,

vielleicht könnte man ja auch einen Thread generell über Robert Wilson im Unterforum "Regisseure, Bühnenbildner etc" aufmachen, da es bei den Diskussionen ja nicht aussschließlich über den Freischütz geht.

Ich muss gestehen, dass ich nur sehr wenig von Wilson kenne (eben den Freischütz und den Orphée et Euridice) und auch noch nichts davon auf der Bühne gesehen habe. Nach diesem Erfahrungen stehe ich ihm äusserst skeptisch gegenüber und wäre sehr an Berichten von Leuten interessiert, die Inszenierungen von ihm schätzen. Es kommen ja immer wieder auch Aussagen, dass seine Ansätze durchaus überzeugend sein können.

Vielleicht habe ich ja das Falsche gesehen, vielleicht erschließen sich seine Inszenierungen aber auch besonders schlecht über einen kleinen Fernsehbildschirm (z. B. Lichtregie).

Also, wer sich berufen fühlt, nur zu! :wink:

Viele Grüße,

Melanie
With music I know happiness (Kurtág)

14

Mittwoch, 17. Juni 2009, 12:11



Regietheater, liebes Symbol, ist ein Kampfbegriff der Konservativen gegen eine Tendenz im Musiktheater, Inszenierungen als eigenständigen Teil des Gesamtkunstwerks Oper zu verstehen. Das Gegenteil wäre der Versuch, eine Oper schlicht zu illustrieren.


Lieber Peter,

das sehe ich auch so. Da dieser Begriff aber untrennbar mit der unterstellten "Verfälschung" des Werkes verbunden ist, wäre es aus meiner Sicht höchst interessant, die Sache historisch zu beleuchten. Meist wird ja in solchen Diskussionen pauschal auf die 70er Jahre verwiesen, dann wieder bereits auf das Bayreuth der 50er Jahre. Eine Beschäftigung mit den Arbeiten von Tietjen und Preetorius und auch die Betrachtung des Musiktheaters in der Weimarer Republik zeigen aber ganz deutlich, dass es auch zu dieser Zeit schon deutliche Tendenzen zu etwas gab, was man heute im Extrem mit dem Begriff des Regietheaters benennt.
Gerade diese Phase scheint mir wichtig gewesen zu sein, da sich hier wohl der Umbruch zu einem Repertoirebetrieb festigt, der fast keine zeitgenössischen Werke mehr auf die Bühne bringt, sondern zunehmend Stücke, deren Uraufführung sich immer weiter entfernt. (Strauss und Puccini sind ja die letzten Komponisten des heutigen "Kernrepertoires", die in den 20ern Uraufgeführt wurden).

Es wäre also zu Verständnis und auch Wertung des Begriffs "Regietheater" hilfreich, ob sich eine kontinuierliche Entwicklung nachvollziehen lässt, deren Gründe dann eventuell auf die von mir oben angegebenen Besonderheiten im Repertoire zurückzuführen wären, die aber letztlich in das mündet, was heute als das "sogenannte Regietheater" zu benennen wäre.

:wink: aus Bärlin
Sascha

"You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
"
, David Hurwitz

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15

Mittwoch, 17. Juni 2009, 12:23



das sehe ich auch so. Da dieser Begriff aber untrennbar mit der unterstellten "Verfälschung" des Werkes verbunden ist, wäre es aus meiner Sicht höchst interessant, die Sache historisch zu beleuchten. Meist wird ja in solchen Diskussionen pauschal auf die 70er Jahre verwiesen, dann wieder bereits auf das Bayreuth der 50er Jahre. Eine Beschäftigung mit den Arbeiten von Tietjen und Preetorius und auch die Betrachtung des Musiktheaters in der Weimarer Republik zeigen aber ganz deutlich, dass es auch zu dieser Zeit schon deutliche Tendenzen zu etwas gab, was man heute im Extrem mit dem Begriff des Regietheaters benennt.

Sascha
Selbstverständlich. Man nehme nur mal die Inszenierung des "Fliegenden Holländer", die Fehling 1929 an der Krolloper herausbrachte. Die Sprüche, die so mancher Gegner des Regietheaters heute anbringt, können wortwörtlich auch in den seinerzeitigen Texten des "Richard-Wagner-Verbandes deutscher Frauen" oder im "Völkischen Beobachter" wiedergefunden werden... Und jemandem wie Adolphe Appia ging es genauso, als er Wagner inszenierte. (Siegfried Wagner sah es gelassener ; auf der Probe zum "Holländer" meinte er schlicht "Kinder, ihr seht ja alle zum Piepen aus"...)

16

Mittwoch, 17. Juni 2009, 18:02

Ich habe mir den Freischütz-Thread jetzt durchgelesen. Da taucht wieder dieses großartige Wort "Personenregie" auf. Die, so heißt es da, könne man von Wilson nicht erwarten.
Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen "Personenregie" und "Regie"? Oder anders gefragt: was gibt es denn sonst noch für "Regie" außer "Personenregie"? "Requisitenregie"? "Bühnenbildregie"?
"Regie" ist natürlich Regie von Darstellern, was denn sonst. Wer sich als "Regisseur" der Arbeit mit den Schauspielern an der Rolle (und das muss keine psychologisch-realistische sein; da gibt es ja noch einige andere Formen) verweigert, macht meinethalben "Inszenierungen", aber keine Regie - wie der im Freischützthread erwähnte Achim Freyer übrigens auch. Dass solche "Inszenierungen ohne Regie" gerne mal als Musterbeispiel für das sogenannte "Regietheater" hergenommen werden, ist der Gipfel der absurden Begriffsverwirrung.


Lieber Micha,

na jetzt betreibst du aber selber ein bißchen Wortklauberei oder -verwirrung. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, "Regie" und "Inszenierung" gegeneinander auszuspielen. Es ist doch wohl unstrittig, dass sich ein Regisseur bei der Erarbeitung einer Inszenierung um viele Elemente kümmern muss: um die Lichtsetzung genauso wie um das Bühnenbild, die Kostüme und natürlich auch und gerade um die Führung der Schauspieler.

Und genau das macht Wilson ja. Ich habe weder hier noch im Freischütz-Thread geschrieben, man könne keine Personenregie von ihm erwarten. Ich habe geschrieben, dass er eine konventionell-realistische Personenregie oder- führung verweigert. Denn das scheint mir der hauptsächliche Stein des Anstoßes zu sein, warum seine Inszenierungen so viel Befremden erregen. Tatsächlich arbeitet Wilson intensiv mit den Schauspielern, nur lässt er sie nicht "natürlich" agieren, sondern bewusst stilisiert und anti-naturalistisch, mit ausgefeilter Bewegungs-Choreographie.

Warum das jetzt keine Regie sein soll, ist mir völlig unerfindlich.

Zwielicht

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17

Mittwoch, 17. Juni 2009, 19:58

wäre es aus meiner Sicht höchst interessant, die Sache historisch zu beleuchten. Meist wird ja in solchen Diskussionen pauschal auf die 70er Jahre verwiesen, dann wieder bereits auf das Bayreuth der 50er Jahre. Eine Beschäftigung mit den Arbeiten von Tietjen und Preetorius und auch die Betrachtung des Musiktheaters in der Weimarer Republik zeigen aber ganz deutlich, dass es auch zu dieser Zeit schon deutliche Tendenzen zu etwas gab, was man heute im Extrem mit dem Begriff des Regietheaters benennt.
Gerade diese Phase scheint mir wichtig gewesen zu sein, da sich hier wohl der Umbruch zu einem Repertoirebetrieb festigt, der fast keine zeitgenössischen Werke mehr auf die Bühne bringt, sondern zunehmend Stücke, deren Uraufführung sich immer weiter entfernt. (Strauss und Puccini sind ja die letzten Komponisten des heutigen "Kernrepertoires", die in den 20ern Uraufgeführt wurden).


Wobei man für erste Konzeptionen einer antirealistischen Bühnengestaltung noch weiter in die Vergangenheit zurückgreifen muss. 1899 veröffentlichte Adolphe Appia seine Schrift "Die Musik und die Inszenierung", in der er forderte: "Wir wollen auf der Bühne die Dinge nicht mehr so sehen, wie wir wissen, dass sie sind, sondern so, wie wir sie empfinden." Entsprechend gibt es von von dem Wagnerianer Appia Bühnenbildentwürfe, die bereits einen hohen Grad von Abstraktion aufweisen und von denen Wieland Wagner Jahrzehnte später stark profitiert hat. Beeinflusst von Appia waren aber bereits Gustav Mahler und Alfred Roller, die während Mahlers Zeit als Wiener Hofoperndirektor zum erstenmal versuchten, gegen den tradierten Detailrealismus und die entsprechende Kulissenmalerei ein anderes Konzept durchzusetzen. Dabei mussten sie natürlich vorsichtig vorgehen, um nicht einen Sturm der Entrüstung hervorzurufen - die Bühnenbilder waren also durchaus "realistisch", aber bereits sehr stark vereinfacht; eine zentrale Rolle spielte die vereinheitlichende Lichtregie. Der Secessionist Roller hatte Mahler mit der Bemerkung auf sich aufmerksam gemacht, dass er die traditionellen Tristan-Inszenierungen nur mit dem Rücken zur Bühne ertragen könne (das kann man alles sehr schön in der Mahler-Biographie des Theaterwissenschaftlers Jens Malte Fischer nachlesen).

Die radikalen Konzeptionen Appias fanden dann bereits in den 20er Jahren großen Anklang und bilden eine zentrale Traditionslinie des (Musik-)Theaters über Wieland Wagner bis zu Robert Wilson.

Nur wenig später als Appia (ab ca. 1900) "erfand" der Engländer Edward Gordon Craig gewissermaßen den modernen Regisseur, der ein Konzept entwickelt, dem sich die Schauspieler/Sänger unterordnen. Im 19. Jahrhundert gab es in der Oper im Regelfall keinen Regisseur im modernen Sinn - allenfalls einen Arrangeur für die Auf- und Abtritte der Sänger. Alles andere war der Konvention und der Improvisationskunst der Sänger überlassen. An diesen Zuständen verzweifelte bereits Wagner, später - wie gesagt - auch Mahler. Beide (Wagner in Bayreuth, Mahler in Wien) waren bei den Proben ständig damit beschäftigt, zentnerschwere Sänger/-innen auf der Bühne hin- und herzuschieben, um wenigstens etwas Theatralik in die Aufführungen zu bringen.


Viele Grüße

Bernd
Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)

18

Mittwoch, 17. Juni 2009, 22:26

Regietheater, liebes Symbol, ist ein Kampfbegriff der Konservativen gegen eine Tendenz im Musiktheater, Inszenierungen als eigenständigen Teil des Gesamtkunstwerks Oper zu verstehen. Das Gegenteil wäre der Versuch, eine Oper schlicht zu illustrieren. Beide Bemühungen können mE gültige Ergebnisse hervorbringen, d.h. wer den einen oder den anderen Weg wählt, entscheidet damit nicht notwendigerweise über die Qualität der Regiearbeit.
Lieber Peter,

volle Zustimmung meinerseits. Besonders die Bezeichnung des Terminus "Regietheater" als Kampfbegriff erscheint mir sinnvoll. Daß dieser Kampfbegriff dabei durchaus auch von Befürwortern der bezeichneten Ästhetik angewendet wird, sollte nicht irritieren, wir sprechen ja auch von "atonal", obwohl Schönberg den Begriff nicht mochte. Anders gesagt: auch ein semantisch wenig sinnvoller Begriff kann sich in den Sprachgebrauch einschleichen.

Warum Kampfbegriff? Ganz einfach:

1) Unter "Regietheater" werden häufig Regisseure subsummiert, die nicht wirklich zusammengehören. Bestes Beispiel wären doch Wilson und Konwitschny. Beide werden wahrscheinlich beim traditionellen Opernfreund auf Ablehnung stoßen, aber in der Ästhetik trennen sie Galaxien. Es gibt keine geistige "Regietheater-Schule", in dieses Korsett preßt man Leute nur in Ermangelung einer tauglicheren Klassifizierung.

2) Die Trennlinie zwischen "Regietheater" und "traditionellem" (oder "werktreuem") Theater ist vollkommen undefiniert. Darüber könnten sich wohl sogar die krassesten Hardcore-Staubis fetzen. Ist Wieland Wagner jetzt Regietheater? Man vergleiche mal mit den Libretti, das ist Verfremdung in Reinform. Meist kommt dann die definierende Antwort: "Man muß die Oper so machen, wie im Libretto vorgesehen". Na, dann mal viel Spaß beim Versuch, am Schluß der Götterdämmerung die Regieanweisungen Wagners zu befolgen! Oder die Tarnhelm-Verwandlungen im "Rheingold" werktreu zu bringen! Um es mal frei nach Alfred Brendel zu sagen: viele Leute verwechseln "Werktreue" mit "Texttreue". Um es mal frei mit mir zu sagen: noch mehr Leute begreifen den Unterschied zwischen beidem gar nicht.

Hallo Symbol,

die Pünktchen hinter meiner so plakativen Aussage sollen andeuten, dass sie nicht so ganz ernst gemeint ist. Fakt scheint mir jedoch zu sein, dass eine Aufführung, sogar und erst recht in der " Provinz ", erst dann überregionale Beachtung erfährt, wenn der Regieansatz besonders ausgefallen ist. Im allerletzten Absatz wird ( hoffentlich! ) die Leistung derer gewürdigt, auf die es letztlich ankommt - die Leistung der Sängerinnen und Sänger.

Ciao. Gioachino :pfeif:
Lieber Gioachino,

Spaß verstanden. ;) Ansonsten würden wir hier m. E. aber ein anderes Problem streifen, nämlich die Frage, was in der Oper eigentlich im Vordergrund steht/stehen sollte. Oper ist für mich ein Gesamtpaket - schlechten Gesang verabscheue ich ebenso wie schlechte Regie. Eine Priorisierung fällt mir da schwer. Ein menschlicher Körper funktioniert ja auch durch das Zusammenwirken der Organe, und wenn die Leber ihren Dienst quittiert, kann man sich schwerlich mit dem Funktioneren der Nieren trösten. Außerdem bin ich mir nicht so sicher, ob es unbedingt die ausgefallene Regie sein muß, die einer Aufführung Aufmerksamkeit bringt. Der Fall AN zeigt doch recht klar, daß guter alter Opernsänger-Starkult auch heute noch funktioniert - wieviel Leute haben sich denn seinerzeit bei der Salzburger "Traviata" gefragt, wer die Regie gemacht hat?

Lieber Micha,

na jetzt betreibst du aber selber ein bißchen Wortklauberei oder -verwirrung. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, "Regie" und "Inszenierung" gegeneinander auszuspielen. Es ist doch wohl unstrittig, dass sich ein Regisseur bei der Erarbeitung einer Inszenierung um viele Elemente kümmern muss: um die Lichtsetzung genauso wie um das Bühnenbild, die Kostüme und natürlich auch und gerade um die Führung der Schauspieler.

Und genau das macht Wilson ja. Ich habe weder hier noch im Freischütz-Thread geschrieben, man könne keine Personenregie von ihm erwarten. Ich habe geschrieben, dass er eine konventionell-realistische Personenregie oder- führung verweigert. Denn das scheint mir der hauptsächliche Stein des Anstoßes zu sein, warum seine Inszenierungen so viel Befremden erregen. Tatsächlich arbeitet Wilson intensiv mit den Schauspielern, nur lässt er sie nicht "natürlich" agieren, sondern bewusst stilisiert und anti-naturalistisch, mit ausgefeilter Bewegungs-Choreographie.

Warum das jetzt keine Regie sein soll, ist mir völlig unerfindlich.
Lieber Local Hero,

ich sehe das genauso wie Du. Wenn man aus ästhetischen Erwägungen bewußt auf eine herkömmlich-naturalistische Personendarstellung verzichtet, so ist dies ein Regieeinfall bzw. ein Regiekonzept. Ob der/das funktioniert, ist eine zweite Frage. Bei Wilsons "Parsifal" in Hamburg sage ich klar "ja", beim Stehtheater in überteurer Kulisse von Stefan Bachmann im Berliner "Tristan" (Unter den Linden) sage ich eher "nein". Aber Regie ist es.

Viele Grüße!

:wink:
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." Gustav Mahler

19

Donnerstag, 18. Juni 2009, 08:05

Hallo Symbol,

was für ein schöner Beitrag, der die verschiedenen Facetten der Diskussion in diesem Thread elegant wieder zusammenführt. Auch inhaltlich meine volle Zustimmung in allen von dir angesprochenen Punkten!

:wink:

20

Donnerstag, 18. Juni 2009, 08:31

Meine Lieben!

Bei Regietheater fällt mir eben ein, es wurde einmal irgendein, mittelmäßiger, Regisseur, nach einer Probe gefragt, sagen wir z.B. bei Rigoletto,

und er meinte, mit Oper im Allgemeinen, und Rigoletto im Besonderen, kann ich nichts anfangen,

dann soll er es bleiben lassen, dann ist er der Feind der Oper und der Regie überhaupt.

Liebe Grüße Peter aus Wien. :wink: :wink:

21

Donnerstag, 18. Juni 2009, 10:22

Lieber Peter,

da würde ich absolut zustimmen. Aber was ist der Zusammenhang zum Regietheater?

Viele Grüße,

Melanie
With music I know happiness (Kurtág)

22

Freitag, 19. Juni 2009, 21:06

Meine Lieben!

Bei Regietheater fällt mir eben ein, es wurde einmal irgendein, mittelmäßiger, Regisseur, nach einer Probe gefragt, sagen wir z.B. bei Rigoletto,

und er meinte, mit Oper im Allgemeinen, und Rigoletto im Besonderen, kann ich nichts anfangen,

dann soll er es bleiben lassen, dann ist er der Feind der Oper und der Regie überhaupt.

Liebe Grüße Peter aus Wien. :wink: :wink:

Lieber Peter,

das glaube ich Dir, und ich bin auch sicher, daß dieser Regisseur kein Einzelfall ist. Ich halte es allerdings für zweifelhaft, daß er für das Regietheater an sich (welches es ja ohnehin eigentlich nicht gibt, s. o.) repräsentativ ist. Außerdem können wir alle uns nicht sicher sein, ob nicht auch ein Regisseur der "alten Schule" vielleicht gar kein Interesse an der Oper hat und das Ganze nur für Geld macht.

Liebe Grüße! :wink:
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." Gustav Mahler

Severina

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23

Freitag, 19. Juni 2009, 22:45

Meine Lieben!

Bei Regietheater fällt mir eben ein, es wurde einmal irgendein, mittelmäßiger, Regisseur, nach einer Probe gefragt, sagen wir z.B. bei Rigoletto,

und er meinte, mit Oper im Allgemeinen, und Rigoletto im Besonderen, kann ich nichts anfangen,

dann soll er es bleiben lassen, dann ist er der Feind der Oper und der Regie überhaupt.

Liebe Grüße Peter aus Wien. :wink: :wink:

Lieber Peter,

das glaube ich Dir, und ich bin auch sicher, daß dieser Regisseur kein Einzelfall ist. Ich halte es allerdings für zweifelhaft, daß er für das Regietheater an sich (welches es ja ohnehin eigentlich nicht gibt, s. o.) repräsentativ ist. Außerdem können wir alle uns nicht sicher sein, ob nicht auch ein Regisseur der "alten Schule" vielleicht gar kein Interesse an der Oper hat und das Ganze nur für Geld macht.

Liebe Grüße! :wink:
lieber Symbol,
diese Frage drängte sich mir immer ganz stark bei einigen der hoch gepriesenen Regiezampanos der "guten, alten Zeit" ;) auf, die weltweit und jahrelang mit der gleichen Inszenierung hausieren gingen. Ich fragte mich immer, ob es einen Zeffirelli nicht schrecklich langweilte, zwischen NY und Wien haargenau die gleiche "Bohéme" auf die Bühne zu stellen, Michael Hampes "Cosi" kenne ich viermal, hat man Schenks Wiener Meistersinger gesehen, kennt man auch die aus München und NY, usw. usw.
Irgendeinen künstlerischen Impetus kann ich in dieser Kopiertätigkeit nicht erkennen, das klang und klingt für mich immer sehr danach, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Geld zu scheffeln.
Deshalb finde ich es immer sehr witzig, wenn einem modernen Regisseur seine "Handschrift" vorgeworfen wird, wenn er bestimmte ästhetische Kriterien (für manche sind's allerdings unästhetische ;) ) bevorzugt, während das bei konservativen Inszenierungen die gleichen Leute gar nicht stört.
lg Severina :wink:
"Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)

24

Freitag, 19. Juni 2009, 23:31

Typische "Bausteine" des Regietheaters

Da ich gerade in Schreiblaune bin, möchte ich gerne versuchen, hier noch etwas Würze nachzustreuen, indem ich mir vielleicht auf den ersten Blick selbst widerspreche.

Ich habe ja zuvor insistiert, daß es eine einheitliche "Regietheater-Schule" nicht gäbe, was ich auch nach wie vor meine. Trotzdem möchte ich einmal die Frage aufwerfen, ob es so etwas wie typische "Bausteine" oder Elemente einer Inszenierung gibt, die den Zuschauer dazu veranlassen, diese der Sphäre des Regietheaters zuzuordnen. Nachfolgend der Versuch einer kleinen Liste, mit herzlicher Bitte um kritische Hinterfragung oder Ergänzung. (Es soll damit nicht gemeint sein, daß alle diese Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine subjektive Zuordnung zum "Regietheater" erfolgt.)

1) Das Versetzen der Oper aus dem Original-Sujet heraus

Dies kann sowohl ein Versetzen der Oper in eine andere Zeit, in eine abstrakt-irreale Situation oder auch nur in eine andere Umgebung als gemäß den Vorgaben des Librettos beinhalten. Als Unterpunkt dieses Aspektes würde ich die recht häufig vorkommende Aktualisierung des Stoffes sehen.

2) Politische Durchleuchtung des Opernstoffes

Dies umfaßt m. E. den Versuch, gewisse politische Beziehungen oder Assoziationen, die sich aus dem Werk ergeben, aufzudecken oder ggf. zu hinterfragen.

3) Explizite Darstellung von Sexualität und Gewalt

(sollte selbsterklärend sein)

4) Aufhebung der Trennlinie zwischen den verschiedenen Ebenen (Bühne, Orchestergraben, Publikum)

Beispiele (allesamt von Peter Konwitschny): Schlägertruppen ziehen beim "Don Carlos" durch das Opernhaus. In der "Lulu" führt einen ein Bänkelsänger, durch das Opernhaus laufend, stimmungsmäßig in das Stück ein, und im Publikum erhebt sich später ein (Schauspieler-)Paar, lautstark über die Inszenierung schimpfend, und verlangt nach den Mänteln (die dann auch auf der Bühne gereicht werden). Anderes Beispiel: ein Regisseur platziert Dirigent und Orchester mit auf der Bühne (wie beispielsweise Sebastian Baumgarten in Händels "Orest" an der Komischen Oper Berlin).

5) Dekonstruktion

Unter diesem Begriff fasse ich alle Bestrebungen zusammen, das Werk gewissenmaßen (in unterschiedlichem Ausmaß) bewußt zu "zerlegen". Hierzu würde ich auch z. B. Konwitschnys berühmte Unterbrechung in den "Meistersingern" (zum Zwecke eines Gesprächs über den Text im Schlußgesang des Sachs) zählen.

:wink:
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." Gustav Mahler

25

Samstag, 20. Juni 2009, 22:52

Lieber Symbol,

da es nun endlich mal möglich ist, die Begrifflichkeiten zu beleuchten und auch zu hinterfragen, ohne Druck der Rechtfertigung dafür, überhaupt eine modern inzenierte Opernauffühung gut zu finden, ergaben sich prompt einige Antworten und auch geäußerte Zweifel bezüglich der zwar griffig wirkenden, aber äußerst unpräzisen Bezeichnung"Regietheater" überhaupt.

Nachdem das Wort von dessen Gegenern geprägt wurde, wundert mich das auch nicht.

Ganz lapidar: Theater findet immer mit Regie statt, wo ist das Problem? :) ;) Sicherlich die Tatsache, dass Unbequemes deutlich benannt wird, was in der betreffenden Oper auch zur Entstehungszeit unbequem war und dort in der Regel mit den damaligen Mitteln und verständilich für das damalige Publikum umgesetzt wurde mit der zwangsläufigen Folge des Skandals. Ergo: Die Aufführungen der Entstehungszeit hätten so manchen Konservativen von heute sicher zutiefst empört. :angel: ;)

Ich denke grundsätzlich, man tut vielen Werken etwas Gutes, wenn die Idee der epochalen Verständlichkeit die Inszenierung leitet. Die "Bewegung Regiertheater" ist ja m. E. entstanden, um der verklärenden Verflachung der Stoffe entgegenzuwirken. Selbige entsteht oft nicht einmal sehr bewusst. Ich will das an einen Beispiel verdeutlichen, das zwar nicht aus der Oper stammt, aber mich beschäftigt. Am Brunnen vor dem Tore: Oh heilige deutsche Innerlichkeit, Alptraum jeglicher Zwangs - Schulchorveranstaltung, die unsere Großeltern als Schulkinder über sich ergehen lassen mussten. Werktreu? Von wegen, man streiche den scharfkantigen Mittelteil und schon hat man die bewusste Schwelgemelodie voll von Sentimentalität, was nie und nimmer vom komponisten beabsichtigt war. Musikalische Eingriffe, die sich ein moderner Opernregisseur nicht leistet.

Deine Merkmale, lieber Symbol, erkenne ich in vielen Inzenierungen auch, wenn auch nicht überall alles. Ich bin überzeugt, sie fanden in der Entstehungszeit irgendwie auch statt.

Die Literatur über die Oper geht überwiegend von historischen Entwicklungen von der Sängeroper zur Vorherrschaft der Dirigenten aus und spricht heute oft von der absoluten Dominanz der Regisseure, die angeblich nichts Gescheites zustandebringen.

Man kann das so sehen, doch bleibt man damit in einer verkürzten Sichtweise, die nicht weiterbringt. Bei der eigenen szenischen Erarbeitung bringen mich meistens die Vorstellungen eines Regisseurs zur Entwicklung des tieferen Verständnisses, was wiederum die musikalische und stimmliche Erschließung enorm befördert, wenn auch natürlich nicht ausschließlich. Hier spielt die schon genannte "Personenregie" eine enorme Rolle, für meine Begriffe das zentrale Kriterium der Regiearbeit für deren Gelingen

Die Entstehung einer Aufführung ist m. E. zu komplex, um hier irgendeinen Part übermäßig zu gewichten. Wenn dies stattfindet, bekommt die Aufführung zwangsläufig Schieflage und Unstimmigkeiten, die dann auch zu Recht von Publikum und Kritik benannt werden sollen.

LG
:wink:
Ulrica
Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)

Areios

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26

Samstag, 20. Juni 2009, 23:08

Liebe Capricciosi!

Dank einer Lehrveranstaltung habe ich vor kurzem auch erfahren, dass das "Regietheater" tatsächlich schon eine lange Tradition hat: So wurde etwa Kleists 1808 verfasstes Schauspiel "Die Hermannsschlacht" bei der verspäteten Uraufführung 1860 wohl weniger in der Absicht, die politischen Komponenten des Stoffes gründlich zu durchleuchten, als vielmehr im Streben nach handfester politischer Agitation, in die Gegenwart versetzt (!) und in zeitgenössischen deutschen und französischen Militäruniformen (!) gespielt.

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

27

Samstag, 20. Juni 2009, 23:33

Lieber Areios,

wenn man die Regiearbeit von Chistoph Willibald Gluck verfolgt, findet man vieles von dem, was das heutige Musiktheater ausmacht. So etwa in der Vorbereitung auf die uraufführung der Pariser Fassung des Orfeo, wo Gluck den Sänger des Orphée in der Begräbnisszene dazu auffordert, seine Klagerufe so zu singen, als ob ihm ein Bein abgesägt würde. Da kann man mal all die "werkgetreuen" Aufführungen ansehen, wo der Wille des Komponisten geachtet wurde - kurz: in keiner. Was mir zeigt, was man mit diesem sprachlichen Ungetüm "Werktreue" wirklich meint ...

Liebe Grüße Peter
.
Qu'est ce que cela peut me faire si tous les imbéciles ne jouent pas ma musique.

(Strawinsky)

28

Sonntag, 21. Juni 2009, 03:04

Lieber Areios,

wenn man die Regiearbeit von Chistoph Willibald Gluck verfolgt, findet man vieles von dem, was das heutige Musiktheater ausmacht. So etwa in der Vorbereitung auf die uraufführung der Pariser Fassung des Orfeo, wo Gluck den Sänger des Orphée in der Begräbnisszene dazu auffordert, seine Klagerufe so zu singen, als ob ihm ein Bein abgesägt würde. Da kann man mal all die "werkgetreuen" Aufführungen ansehen, wo der Wille des Komponisten geachtet wurde - kurz: in keiner. Was mir zeigt, was man mit diesem sprachlichen Ungetüm "Werktreue" wirklich meint ...

Liebe Grüße Peter

Lieber Peter!

Na, schlecht, wenn jedem Sänger, heute, in der Phantasie, ein Bein abgesägt werden würde, hätten wir einen derartigen Schwund, :hide: :hide: dass man kaum mehr einen Opernabend spielen könnte, einmal schon, aber nicht mehr, dann wäre nur mehr Platz in den Intensivstationen, der jeweiligen Krankenhäusern der Umgebung. :pfeif: :pfeif:

Liebe Grüße und weiterhin Gute Nacht, Dein Peter aus Wien. :wink: :wink: :sleeping: :sleeping:

29

Sonntag, 21. Juni 2009, 09:59

Lieber Peter,

alle großen Opernkomponisten, v.a. die sogenannten Reformer, beschwerten sich über die Willkür der Sänger, denen es mehr um die Eigendarstellung ging als um das Kunstwerk. Was von Aufführungen zu halten ist, die dem Willen der Sänger folgen, könnte man aus dieser Tatsache rückfolgern. Es ist eben kein Sängerwettstreit vorzuführen, sondern eine Ensembleleistung.

Liebe Grüße Peter
.
Qu'est ce que cela peut me faire si tous les imbéciles ne jouent pas ma musique.

(Strawinsky)

30

Sonntag, 21. Juni 2009, 10:07

Es ist eben kein Sängerwettstreit vorzuführen, sondern eine Ensembleleistung.
Lieber Peter,

nix für ungut, natürlich soll kein "Sängerwettstreit" (obwohl er mich weiland bei Nilsson/Corelli wegen beider Glanzstimmen kaum gestört hätte) stattfinden, aber viele Menschen gehen schon vor allem in eine Opernaufführung um ganz bestimmte Sänger, deren Stimmen sie lieben, zu hören und zu sehen. Ich selber sehe erst mal auf die Oper und dann, wer singt, denn die Sänger sind mir schon sehr wichtig.

Viele Grüße aus München

Kristin

31

Sonntag, 21. Juni 2009, 10:38

Liebe Kristin,



das scheint mir von einem (wichtigen) Teil des Publikums so gegeben zu
sein. Dass ausgerechnet allerdings von diesem Teil meist mit Werktreue
argumentiert wird, ist mE ein Widerspruch in sich selbst.



Natürlich ist die Oper eine zirzensische Veranstaltung, ihre Attraktion
sind die Akteure und ihre Kunstfertigkeiten. Aber aus dem Gesichtspunkt
des Komponisten ist es vielleicht sehr viel weniger wichtig, dass der
Sänger des Orphée zeigt, wie wunderbar er das hohe G singen kann - er
verlangt eine dramatische Präsenz. Da war Gluck unerbittlich. Dass
Sänger in ihre alten Fehler zurückfallen, sobald der auf Ausdruck
drängende Komponist die Szene verlassen hat, kann man in vielen der
gängigen Orfeo-Einspielungen hören.



Mein Récit aus der Sicht des Komponisten: Es wird weit weit öfters von
Sängerseite gesündigt, mehr als jeder Regisseur dem Werk zu nutzen oder
zu schaden vermag.



In der Realität wird es in der Regel ein Kompromiss sein, den man auf
der Bühne (oder auf der CD) hören kann. Wie weit man/frau mit dem
Kompromiss einverstanden ist, wird sehr unterschiedlich sein. Ich
urteile aus der Sicht des Komponisten und seines Werkes ...



Liebe Grüße Peter
.
Qu'est ce que cela peut me faire si tous les imbéciles ne jouent pas ma musique.

(Strawinsky)

32

Sonntag, 21. Juni 2009, 10:49

Mein Récit aus der Sicht des Komponisten: Es wird weit weit öfters von
Sängerseite gesündigt, mehr als jeder Regisseur dem Werk zu nutzen oder
zu schaden vermag.
Lieber Peter,

das glaube ich auf jeden Fall, lächel, ich denke, viele Künstler sind eitle Menschen und wer stellt sich nicht gern besonders zur Schau.

Liebe Grüße

Kristin

33

Sonntag, 21. Juni 2009, 11:05

Mhhhh... ob wirklich öfter von Sänger-Seite gegen eine Oper gesündigt wird als von anderen Seiten, wage ich doch anzuzweifeln.

Vor und zu Glucks Zeiten und noch bis ins Belcanto des 19Jhs hinein mag das so gewesen sein, aber heute doch ganz gewiss nicht- im Gegenteil!

In Zeiten des Regietheaters und der hofierten Chefdirigenten kann ein Sänger froh sein, wenn er in der Kritik einer Aufführung überhaupt noch namentlich Erwähnung findet.

Antracis hat das neulich an ienem Beispiel mit dem Osmin der Mozarts Entführung illustriert.

Der Inszenierung werden Seiten gewidmet, dem dirigenten Sparten und den Sängern bestenfalls eine Zeile........

Ich bin bekannterweise eine engagierte Vertreterin des Musik-THEATERS und nicht eines Sängersmuseums für Melomanen, aber leider wird nicht selten das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.



Wenn ich mir Opern anhöre(was ich serh selten tue!) dan nur um der Stimmen willen, wenn ich sie mir ansehe, kann mir ein schlechter Sänger in einer Hauptpartie viel eher die ganze Oper verderben als ein gelangweiltes oder unkoordiniertes Orchester.

Eine langweilige Regie mit herausragenden Stimmen würde ich eher akzeptieren bzw geniessen können als eine phantastische Regie mit schlechten Hauptrollen-Sängern.

Lieber ein otto schnek mit Kaufmann und Dessay(wobei die sowas gar nciht mitmachen würde....) als ein Konwitschny mit schwachen, wobblenden hässlichen oder was weiss ich Stimmen.

:wink: Sevi- :)





Ideal ist, wenn Alles zusammenpasst, aber das das seltene Sternstunden sind: im Zweifelsfalls hat Jeder gewisse Prioritäten.

Bei mir persönlich sind das in der Oper trotz meines Anspruchs an eine koherente und interessante Regie und werkgetreue musikalische Umsetztung immer noch die Stimmen der Sänger.



F.Q.
Gracias a la vida!

34

Sonntag, 21. Juni 2009, 14:43

Zitat

Mein Récit aus der Sicht des Komponisten: Es wird weit weit öfters von
Sängerseite gesündigt, mehr als jeder Regisseur dem Werk zu nutzen oder
zu schaden vermag.


In der Realität wird es in der Regel ein Kompromiss sein, den man auf
der Bühne (oder auf der CD) hören kann. Wie weit man/frau mit dem
Kompromiss einverstanden ist, wird sehr unterschiedlich sein. Ich
urteile aus der Sicht des Komponisten und seines Werkes ...

Das ist vielleicht doch ein wenig pauschal formuliert. Die "Sicht des Komponisten" scheint mir in dieser Frage nicht so einheitlich festzustehen.

So hätte z.b. ein Hans Pfitzner angesichts einer Palestrina-Inszenierung unter den Vorzeichen von Hammer und Sichel und mit einem Foltersznenario am Ende des 1. Aktes einen tobsüchtigen Anfall von ungeahntem Ausmaß bekommen. Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß ihm da die angesprochenen Sängersünden deutlich weniger Pein verursacht hätten....

Viele Grüße

a.d.

35

Sonntag, 21. Juni 2009, 15:02

Pfitzner

Manchmal muss man auch das Werk vor seinem Komponisten in Schutz nehmen...
Fremd bin ich eingezogen

36

Sonntag, 21. Juni 2009, 15:26

Zitat

Manchmal muss man auch das Werk vor seinem Komponisten in Schutz nehmen...

Das erinnert mich irgendwie an eine Aussage, die Ruth Berghaus zugeschrieben wird. Sinngemäß soll sie anläßlich einer Inszenierung der Zauberflöte erklärt haben, zu dem Stück würde ihr noch viel mehr einfallen, wenn die Musik nicht dauernd so stören würde....

:D :D :D

Beste Grüße

a.d.

37

Sonntag, 21. Juni 2009, 15:39

Zitat

Manchmal muss man auch das Werk vor seinem Komponisten in Schutz nehmen...

Das eriinnert mich irgendwie an eine Aussage, die Ruth Berghaus zugeschrieben wird. Sinngemäß soll sie anläßlich einer Inszenierung der Zauberflöte erklärt haben, zu dem Stück würde ihr noch viel mehr einfallen, wenn die Musik nicht dauernd so stören würde....

:D :D :D

Beste Grüße

a.d.

Lieber a.d.

Dann ist es ja ein Glück, dass sie die Zauberflöte nicht inszeniert, da soll sie beim Sprechtheater bleiben, wenn sie die Musik stört!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :shake: :shake: :shake:

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:

38

Sonntag, 21. Juni 2009, 15:43

Zitat

Mein Récit aus der Sicht des Komponisten: Es wird weit weit öfters von
Sängerseite gesündigt, mehr als jeder Regisseur dem Werk zu nutzen oder
zu schaden vermag.


Das ist vielleicht doch ein wenig pauschal formuliert. Die "Sicht des Komponisten" scheint mir in dieser Frage nicht so einheitlich festzustehen.


Die Sicht des Komponisten habe ich hier nicht pauschal angerufen; wenn jemand wie ich allerdings von einer (dem Wesen des Komponisten widersprechenden) klassizistischen Sicht der Werke Glucks, wie man sie in einer Vielzahl der (z.T. hochgepriesenen) Einspielungen mehr als enttäuscht ist - und mein Beispiel war Gluck und nicht Pfitzner), hat das sehr wohl seinen Grund. Gerade der Missbrauch des Orfeos als Schaustück eines Mezzos/Alt vorzugsweise in der Ricordi-Fassung lässt mir die Zornesader schwellen.

Die Noten sind sicher nicht so einheitlich zu sehen, aber doch nicht gegen ihren Geist.zu realisieren.

Im Übrigen habe ich doch wohl deutlich auch andere Zugänge zur Oper respektiert, deshalb wundert mich hier der Vorwurf der Pauschalisierung.

Es grüßt Peter
.
Qu'est ce que cela peut me faire si tous les imbéciles ne jouent pas ma musique.

(Strawinsky)

39

Sonntag, 21. Juni 2009, 15:49

Ruth Berghaus

Nun, Ruth Berghaus hat die "Zauberflöte" von Mozart 1980 in Frankfurt inszeniert, das war 16 Jahre vor ihrem Tod... Ob das ihr hier zugeschriebene Zitat korrekt ist, weiss ich nicht, aber es ist, denke ich, klar erkennbar, dass die Worte nicht allzu wörtlich zu nehmen sind. Ausserdem kam Ruth Berghaus vom Tanz, nicht vom Schauspiel und gehört zu den ganz grossen Regisseur/innen ihrer Zeit, die mit ihrer Form, Theater zu machen, Theatergeschichte geschrieben hat.
Fremd bin ich eingezogen

40

Sonntag, 21. Juni 2009, 16:00

Peter (aus Wien), Frau Berghaus hat die Zauberflöte inszeniert! ;(

Zitat


Die Sicht des Komponisten habe ich hier nicht pauschal angerufen; wenn jemand wie ich allerdings von einer (dem Wesen des Komponisten widersprechenden) klassizistischen Sicht der Werke Glucks, wie man sie in einer Vielzahl der (z.T. hochgepriesenen) Einspielungen mehr als enttäuscht ist - und mein Beispiel war Gluck und nicht Pfitzner), hat das sehr wohl seinen Grund.



Dann habe ich dich etwas mißverstanden und bitte dies zu entschuldigen. Nichtsdestotrotz scheint es mir mit gewissen Schwierigkeiten verbunden, im Hinblick auf heutige Inszenierungen die Perspektive eines Komponisten aus dem 18. Jahrhundert einzunehmen (das gilt übrigens in beide Richtungen - Zustimmung wie Ablehnung des Regietheaters heutiger Prägung).

Viele Grüße

a.d.

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