nie oder kaum je zum Thema von Diskussionen, Artikeln usw. gemacht hätten.
Es mag ja total naiv sein, aber mir scheint es doch viel naheliegender "authentischen" Brahms oder Mahler von Musikern zu erhalten, die im unmittelbaren Umkreis dieser Komponisten ausgebildet wurden
nie oder kaum je zum Thema von Diskussionen, Artikeln usw. gemacht hätten.
haben sie doch!!! s. Auswahl von Zitaten im Vibrato-Thread. Man muß sich nur die Mühe machen, danach zu suchen. Demzufolge hat zu Beginn des 20 Jh.s ein Stil- oder besser Geschmackswandel stattgefunden. Die Behauptung, es gäbe keine oder nur wenige Belege wird durch stete Wiederholung nicht richtiger![]()
Aber warum haben fast ausnahmslos alle Musiker, die zwischen 1860 und 1885 geboren wurden, also vor dem Wandel ausgebildet wurden, den Wandel letztlich mitgemacht, so dass um 1930 (oder so) fast nichts mehr vom alten Stil übrig gewesen ist?
Aber was ich an Orchesteraufnahmen aus den 1930ern gehört habe, klingt allemal ähnlicher der Musizierweise der 1950/60er als zu HIP seit den 1980ern.
Zitat von »Symbol«
Ich würde nie behaupten, daß Norrington ein Idiot sei, aber auch sehr kluge Leute können sich mal irren, besonders wenn sie eine Idee vertreten möchten, in die sie sich irgendwie vernarrt haben.
Mal ganz blöd gefragt: Was ist denn eine Mengelbergisierung?![]()
Apropos Mengelberg: Er kannte Mahler ja persönlich und hat seine Partituren sehr genau mit ihm studiert. Wenn man mal in seine 1926er Aufnahme des Adagietto hineinhört ("http://www.youtube.com/watch?v=YumH_e3dKB0"), so hört man ein recht zügig-flüssiges Tempo, Vibrato (Oder täuscht das? Habe hier gerade nur sehr miese Lautsprecher...) und viel, viel Portamento. Ganz schön Non-HIP, der Mahler-Freund Mengelberg...![]()
Daß es irgendwann (!) einen Wandel
Norrington aber legt sich apodiktisch auf einen engen Zeitraum fest
Die Frage des Zeitraums ist aber in diesem Fall die eingentlich entscheidende, weil sie bestimmt, ob eine bestimmte Verwendung des Vibratos HIP oder Nicht-HIP ist.
Man sagt ja auch nicht, daß man die Verwendung einer Barockvioline in der Musik von Schönberg damit rechtfertigen könnte, daß man sich mit dem Zeitraum der Änderungen im Geigenbau halt etwas vertan hat und im Prinzip eigentlich richtig liegt, denn irgendwann hat es die Änderungen ja nachweislich gegeben (was sind schon 100 bis 150 Jahre).
Wenn Mahler das an einer Stelle explizit Vibrato verlangt, kann das auch bedeuten, daß er davon ausgeht, daß ansonsten entweder kein oder nur wenig Vibrato praktiziert wird (wobei "wenig" Vibrato sicher verschieden ausdeutbar wäre). Ansonsten wäre die Anweisung ja sinnlos.Jawohl, Mahler verlangte auch hier an einer Stelle explizit und wörtlich das Vibrato!
Das, lieber Symbol, klingt plausibel. Habe die Stelle gefunden (von der 5. und 7. habe ich Partituren). Ist das übrigens ein Sonderfall oder gibt es noch anderswo bei Mahler eine explizite Vibrato-Vorschrift?2) Mahler geht davon aus, daß verschiedene andere Vortragsanweisungen an anderen Stellen ("espressivo", "seelenvoll", "grosser Ton") ohnehin mit einer gewissen Dosis Vibrato einhergehen werden, nur diese ätherisch-zurückhaltende Pianissimo-Stelle könnte evtl. von manchen Dirigenten durch ein Non-Vibrato verwirklicht werden. Dieser Tendenz, die besagte Stelle zu spielen, möchte er entgegen wirken.
Zitat
außerdem ist das c mit der Vibrato-Notiz noch mit folgender Phrasierung markiert: <>.
Allein im "Tristan" sollen IIRC angeblich vier Vibrato-Anweisungen stehen.

Zitat
Nachdem nun fast jede/r die besagten Epochen mit HIP-Aufnahmen in der Sammlung hat, was bleibt denn da? Eine neue CD-artige Technik-Revolution ist nicht in Sicht, die Käufe stimulieren könnte. Bliebe noch, das Repertoire bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein HIP-mäßig aufzumotzen. Das Problem ist nur, daß das HIP-Klangbild dem modernen Standard-Klangbild immer näher kommt, je jünger das jeweilige Werk ist (kein Mensch wird Wolfgang Rihm in HIP aufnehmen). Wie erzeugt man dann einen für jeden faßlichen Unterschied? Man schmiedet an der Legende vom Hollywood-Vibrato, das als Geschmacksverirrung in den 20er bis 30er Jahren begann, den reinen Orchesterklang zu kontaminieren - und spielt fortan u. a. Mahler mit Sterilton, den sich doch bitteschön jede/r CD-seitig zulegen sollte.
Mag sein, daß diese Überlegung Quatsch ist. Plausibler als Norringtons Vibrato-Räuberpistole könnte sie immerhin noch sein
Mein Geigenbauer klärte mich dann auf, daß dies Darmsaiten mit einer Metallumwicklung neuerster Bauart seien, solche Darmsaiten gab es allerdings früher nicht, da man damals diese Art von Metallumwicklung nicht herstellen konnte.
lieber micha,Mich würde grundlegend einmal interessieren, warum bei HIP im Falle von Streichinstrumenten ein wichtiges Detail immer weggelassen wird:
Es handelt sich um die Lagenwechsel.
Bis in's 20Jhdt. herein war es üblich, jeden Ton anzurutschen.
Im Falle des Cellos war Casals einer der wichtigsten , der damit aufhörte.
Nun ist es ja wirklich interessant und wichtig, HIP-informierte Aufführungen hören zu können, aber diese Lagenwechsel werden dabei ausgespart.
Ich kann auch verstehen, warum: Sie sind für unsere Ohren einfach potthäßlich.
Auf dieser Seite kann man sich z.B. ganz legal Aufnahmen mit dem amerikanischen Cellisten Hans Kronold anhören, alle aus der Zeit um 1905-1913:
http://www.archive.org/details/CollectedWorksOfHansKronold
Ich höre immer wieder gerne die "Traumerei" , eine Aufnahme von 1905.![]()
Was mir als erstes auffällt: Der Cellist vibriert.
Und er rutscht auf dem Griffbrett herum, daß ich die Schleimspuren förmlich vor mir sehen kann.
Nun, das ist HIP, und zwar ganz echt.
Aber so möchte man es dann heute doch nicht haben, insoferne sind einige HIP- Auswüchse für mich einfach nicht echt.
Wie gesagt, ich finde HIP im Prinzip total klasse und man kann eine Menge lernen und als Musiker seinen Horizont enorm erweitern.
Aber die Sache mit den Lagenwechseln finde ich eigenartig und manche Diskussionen über Non-Vibrato auch, denn jeder kann hören, daß 1905 vibriert wurde.
Grüße,
Zitat
Während man heute das Vibrato nur noch als Mittel
ansieht, einen Ton zu gestalten, hatte es im 17. und
18. Jahrhundert eine ganz andere Funktion. Das
Vibrato war eine Verzierung, und diese diente dazu,
die Affekte stärker zum Ausdruck zu bringen.
Dementsprechend gab es auch nicht eine einzig
gültige Form des Vibratos, sondern viele
verschiedene. Ilona Hanning begibt sich auf eine
Spurensuche.
Rein logisch ist das kein korrekter Schluß. ich würde dieser Klage eher entnehmen, daß es schon damals eine Geschmacksfrage war, wieviel vibriert wird...leopold mozart klagte schon im 18. jhdt über violinisten mit "zitterfinger" (sic !! ).
das vibirieren ist also nicht HIP.
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