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Mittwoch, 30. September 2009, 09:12

Konzerte in München

Hier also der angekündigte Thread für Konzertberichte aus München und Umgebung - Der Ort für alle, die nicht für jedes Konzert einen eigenen Thread aufmachen wollen oder gerade nicht in Stimmung sind, eine seitenlange Rezension zu schreiben. 8+)

Liebe Münchner: Spitzt im Konzert die Ohren und anschließend die Federn! :wink:

Viele Grüße
Michel
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

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Mittwoch, 30. September 2009, 09:43

28.09.2009 - 1. Akademiekonzert in der Bayerischen Staatsoper

Es spielte das Bayerische Staatsorchester, geleitet von Kent Nagano.

Das Programm:
  • Claude Debussy: Prélude à l'après-midi d'un faune
  • Max Reger: Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin op. 128
  • Robert Schumann: Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 „Rheinische“
Ein schönes Konzert zu unserer Eröffnung der Konzertsaison.

Debussys "Faune" in einer sehr zarten und klangschönen Interpretation - schade, dass die Celli-Pizzicati gelegentlich off-beat waren, und dass der Konzertmeister in einer Solopassage gepatzt hat. Aber ich will hier nicht den Beckmesser spielen... Schön anzusehen das präzise Dirigat von Nagano.

Reger gehört nicht unbedingt zu meinen Leib-und-Magen-Komponisten, daher habe ich für die Böcklin-Stücke auch keine Vergleichsmöglichkeiten. Aber so dargeboten hat es mir gefallen, dann gehe ich mal davon aus, dass es auch nicht so schlecht gespielt wurde. ;+)

Schumanns "Rheinische" dann war das gelungenste Stück des Konzerts (IMO, wie man so sagt). Insgesamt zügige Tempi, auch im 4. feierlichen Satz, der dadurch etwas leichter wirkte, aber nicht weniger beeindruckend. Auffällige Klangwirkungen, so mischten sich die Bläserfanfaren ganz wunderbar mit den Streichern, und dank der antiphonischen Aufstellung (geteilte Geigen: erste Geigen links, zweite Geigen rechts) wurde die offenbar durchdachte Klangbalance des Orchesters noch stärker hörbar. Gut, dass das Konzert in der Oper stattfand: Im Gasteig hätte man davon nichts mitbekommen...

Liebe Grüße
Michel
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

Ingrid

drittrangiger BSO-Hocker

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3

Mittwoch, 30. September 2009, 22:51

Lieber Michel,

ein Blick ins WF würde sich direkt lohnen, denn da steht auch eine begeisterte Kritik von diesem Konzert.

:wink: Ingrid

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Samstag, 10. Oktober 2009, 16:14

4.10. Münchner Philharmoniker, Leitung Donald Runnicles - Adams/Elgar/Strauss

Das Programm:
  • John Adams: "Slonimsky´s Earbox"
  • Edward Elgar: Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 (Solist: Christian Poltéra)
  • Richard Strauss: "Sinfonia domestica" op. 53
Anders als beim Bayrischen Staatsorchester fiel unser Saison-Auftakt mit den Münchner Philharmonikern eher langweilig aus. "Slonimsky´s Earbox" von John Adams ist ein knapp fünfzehnminütiges Virtuosenstück für großes Orchester, von Orchester und Dirigenten mit Spaß an der Sache vorgetragen. Dass selbst bei dem kurzen Stück meine Aufmerksamkeit recht schnell nachließ, lag nicht an der Darbietung: Den Effekt hat Adams in der Regel auf mich. Den Zugang zu der Musik kann ich einfach nicht finden... Nun ja, ich muss anerkennen, dass das Ende schon recht mitreissend war.

Das Cellokonzert von Elgar dirigierte Runnicles mit zurückgenommenem Pathos, was eigentlich ganz gut tun sollte. Vielleicht funktioniert das Konzert dann aber auch nicht mehr gut - jedenfalls schien sich nicht nur bei mir ein wenig Langeweile einzuschleichen, das Publikum war insgesamt beim Applaus freundlich, aber zurückhaltend. Einer der relativ seltenen Fälle, dass der Solist bei einem MPhil-Konzert nicht zu einer Zugabe "überredet" wird. Was vielleicht an seinem wenig extrovertierten Spiel lag - wer so wenig auf spektakuläres Auftrumpfen setzt, hat es beim Publikum manchmal schwer.

Fulminant gespielt dann die "Sinfonia domestica", mit viel Schwung dargeboten, instrumental vielfarbig realisiert. Der Jubel des Publikums war für Orchester und Dirigenten voll und ganz gerechtfertigt. Aber auch diese wirklich gute Leistung macht aus der "Sinfonia domestica" kein hörenswertes Stück. :stumm: Leider also Können am falschen Objekt demonstriert.

Nun dann. Bis zum nächsten Mal.
Michel
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Amfortas09

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5

Samstag, 10. Oktober 2009, 18:13

also bei Adams und Strauss geht es mir genauso (ich hoffe Falstaff liest jetzt nicht mit :hide: ) egal wer das spielt...und Elgars Cello-Konzert ist extrem schwer orchestral sinnvoll zu realisieren, sein VK hat es leichter...
:wink:
so ziehe ich den Dummköpfen die Narren vor — deren ich einer bin, was, leider ! gewiss ist... C.B.

6

Samstag, 10. Oktober 2009, 18:50

(ich hoffe Falstaff liest jetzt nicht mit :hide: )


Er liest mit :yes: . Aber mit der Domestica ist er niemals warm geworden... als einziges erfreut ihn an ihr das bonmot, dass Strauss bei der Beschreibung eines weinenden Babys mehr Lärm macht als Wagner bei der Beschreibung des Weltuntergangs :mlol: .

(Das bezieht sich allein auf die Größe des Orchesters, nicht auf die Lautstärke. Und ich weiß natürlich, dass es am Ende der Götterdämmerung keinen Weltuntergang gibt, zumindest keinen der physischen Welt. Aber die Formulierung ist zu schön um sich von der Wahrheit ablenken zu lassen...)

Falstaff

7

Montag, 12. Oktober 2009, 08:55

als einziges erfreut ihn an ihr das bonmot, dass Strauss bei der Beschreibung eines weinenden Babys mehr Lärm macht als Wagner bei der Beschreibung des Weltuntergangs :mlol: .
:mlol: :mlol: :mlol: in der Tat. Aber auch, wenn ich das Filzpantoffelprogramm weg lasse und (durchaus im Sinne Strauß, glaube ich) das Stück als Symphonie zu hören versuche, stellt sich nicht wirklich Begeisterung ein. Na ja, es muss einem ja nicht alles gefallen...

Michel
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Dienstag, 20. Oktober 2009, 09:57

15.10. Münchner Kammerorchester, Christoph Prégardien, Franz Draxinger, Leitung Alexander Liebreich: Mozart, Vivier, Britten, Schubert

Am 15.10. eröffnete das Münchner Kammerorchester seine Abo-Reihe.

Das Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre zur Oper ›Don Giovanni‹ KV 527
Claude Vivier ›Zipangu‹ für Streichorchester (1980)
Benjamin Britten Serenade op. 31 für Tenor, Horn und Streicher (1943)
Franz Schubert ›Tränenregen‹ D 795 Nr. 10 A-Dur aus ›Die schöne Müllerin‹
›Der Wegweiser‹ D 911 Nr. 20 g-Moll aus ›Die Winterreise‹
›Du bist die Ruh´‹ D 776 Es-Dur (Orchestrierungen von Anton Webern)
Franz Schubert Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 ›Die Unvollendete‹

Eine Opernouvertüre im Konzert ist immer etwas problematisch: Auch wenn die Don-Giovanni-Ouvertüre, wie hier, mit einem anderen Schluss gespielt wird, wundere ich mich am Ende, dass jetzt nicht Leporello auftritt... Der Anfang wurde sehr dunkel und dramatisch gespielt, die Kontraste zwischen den Anschnitten sehr deutlich hervorgehoben und durch prononcierte Pausen noch verstärkt. Eine Kollege, der zum ersten Mal in seinem Leben in einem Konzert mit klassischer Musik war, und für den alle Werke des Programms gleichermaßen neu waren, zeigte sich durch diese Ouvertüre bemerkenswerterweise genauso irritiert wie durch die gnadenlose Spannung des nachfolgenden Vivier-Stücks. Erstaunlich, wie der gute alte Mozart wirken kann.

Claude Vivier ist eine der tragischen Gestalten der Musik des 20. Jahrhunderts - im Alter von gerade 35 Jahren wurde er in Paris ermordet. Entsprechend schmal ist das Werk des Kanadiers, der unter anderem in Köln bei Stockhausen studiert hat. Es lohnt sich allerdings sich damit zu beschäftigen. Ligeti hat ihn als einen der überragenden Komponisten seiner Generation betrachtet. "Zipangu" für Streichorchester ist ein intensives, spannungsreiches und farbiges Spiel mit vielfältigsten Bogentechniken der Streicher. Das macht Lust, mehr von diesem Komponisten kennenzulernen.

Die wunderbare Serenade op. 31 von Britten wurde klangschön und virtuos von Franz Draxinger gespielt, Hornist des Bayrischen Staatsorchesters (das beim Lohengrin am gleichen Abend ohne ihn auskommen musste ;+) ). Mein Christoph-Prégardien-Phase liegt schon einige Zeit zurück, damals habe ich alle Platten gekauft, die ich in die Finger bekam, und auch eine ganz Reihe von Konzerten besucht. Seine "Winterreise" ist nach wie vor meine Lieblingsaufnahme des Stücks. Seine Stimme hat sich seitdem deutlich verändert, das leicht baritonal gefärbte Timbre ist heller geworden und die Stimme ist höher als früher - bei der Britten-Serenade ein großer Vorteil. Das Stück ist denn auch sehr schön gelungen.

Bei den anschließenden, von Webern orchestrierten Schubert-Liedern, muss ich aber zugeben, dass Prégardien auch einen Teil des Farbenreichtums seiner Stimme eingebüßt hat - sehr schade. Die Bearbeitungen Weberns sind interessant, besonders beim "Wegweiser" enthält die Musik eine eigentümliche Brüchigkeit - Liebreich sprach von "löchriger" Musik. Mal sehen, ob es die auf CD gibt, ich würde die gerne genauer hören.

Die "Unvollendete" schließlich präsentierte sich im klanglich ungewöhnlichen Gewand: Mit 5+5 Violinen, 5 Violen, 4 Celli und 2 Kontrabässen waren die Streicher höchstens halb so groß besetzt wie üblich, was den Klang zugunsten der Bläser verschob. Besonders der erste Satz hat mir sehr gut gefallen - das immer wieder erschütternde Versinken der Musik wurde von Liebreich und dem MKO beeindruckend umgesetzt.
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

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Sonntag, 5. Dezember 2010, 21:15

VOLLBLÜTIG UND TRANSPARENT

Ariel Zuckermann dirigiert die Tschechische Philharmonie Prag in der Philharmonie im Gasteig (München), Alice Sara Ott spielt Griegs Klavierkonzert a-moll, 5.12.2010

Die Tschechische Philharmonie Prag stellt sich mit Bedřich Smetanas „Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ vollblütig-kompakt vor. Die sind natürlich in dieser Musik ganz zu Hause. Dirigent Ariel Zuckermann baut auch bei Edvard Griegs Klavierkonzert a-moll op. 16 auf den vollblütigen Orchesterklang. Publikumsliebling Alice Sara Ott (ihretwegen sind wohl fast alle an diesem Sonntagnachmittag in die Philharmonie gekommen) forciert nicht, es ist ihr wichtiger, gemeinsam mit dem Orchester zu atmen, musikalisch aufeinander zu hören, das erzählerische Potential der Musik auszuloten. Ihre transparente Technik verblüfft mit einer Selbstverständlichkeit sondergleichen, die aber nie zum Selbstzweck mutiert. Die große Kadenz im ersten Satz spannt sie als pianistisch reichhaltigen Bogen. Da kann man eine Stecknadel fallen hören, so gespannt hören alle in der Philharmonie zu. Vor allem die lyrischen Passagen entfaltet sie sehr empfunden. Die sehr sympathisch wirkende junge Künstlerin demonstriert den Möchtegernklavierspielern mit der ersten Zugabe, dass auch Beethovens „Für Elise“ poetische Musik ist und mit der zweiten, dass „La Campanella“ von Franz Liszt sich zu einem irrwitzigen Virtuosenstück mausert. Peter I. Tschaikowskys 5. Symphonie e-moll op. 64 gelingt an diesem Nachmittag auch vollblütig-kompakt. Das Finale allerdings, hier ein effektvoller Abräumer und Demonstrant erlesener Orchesterkultur, hätte etwas mehr Psychologie vertragen, wie sie etwa Leonard Bernstein in seinen bekenntnishaft-kämpferisch-trotzigen Aufnahmen dieser Symphonie herauszuarbeiten versteht. Das Publikum bekommt noch zwei Ungarische Tänze von Brahms als Zugaben und verabschiedet das Orchester so herzlich, wie es schon begrüßt wurde.
Herzlicher Gruß aus München

Alexander

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Donnerstag, 15. Dezember 2011, 14:52

14.12.2011 sonate - que me veux-tu? Gesamtwerk für Klavier solo und das Zweite Buch der Structures von Pierre Boulez

Das gestrige Musica-Viva-Konzert im Münchner Prinzregententheater ist Grund genug, diesen Thread wiederzubeleben:

Das Programm:
  • Douze Notations [1945] - Pierre-Laurent Aimard
  • Première Sonate [1946] - Pierre-Laurent Aimard
  • Deuxième Sonate [1946/48] - Tamara Stefanovich
  • Troisième Sonate [1955-57] - Pierre-Laurent Aimard
  • Incises [1993/94] - Tamara Stefanovich
  • Une page d'Éphéméride [2005] - Pierre-Laurent Aimard
  • Structures pour deux pianos, Deuxième livre [1956/61] - Pierre-Laurent Aimard, Tamara Stefanovich


Es war einmal ein Komponist, der lange den Bürgerschreck schlechthin gab. Und der in seinen frühen Jahren eine ganze Reihe von Klavierwerken geschrieben hat, die zwar von vielen als Monument der Klavierliteratur des 20. Jahrhunderts betrachtet werden, die aber an Interpret und Zuhörer erschreckende Ansprüche stellen. Und entsprechend selten zu hören sind.

Ein halbes Jahrhundert später trauen sich zwei Pianisten, das gesamte Klavierwerk von Pierre Boulez an einem Abend zu spielen - ein mörderisches, über 2 1/2 Stunden langes Marathonprogramm. Und man wundert sich: Nicht nur, dass im vielleicht doch nicht so konservativen München das Prinzregententheater zu mehr als 90% gefüllt ist - auch die Begeisterung des Publikums kennt kaum Grenzen. Spätestens nach der atemberaubend und mit explosiver Energie von Tamara Stefanovich dargebotenen zweiten Sonate waren die Zuhörer überwältigt, und beim Schlußapplaus wurden die beiden Künstler wie Popstars bejubelt.

Worüber soll man mehr staunen? Die unerreichte Farbigkeit, mit der Aimard die dritte und sprödeste der Sonaten spielt. Oder die schwindelerregende Virtuosität seiner Schülerin und Duopartnerin Tamara Stefanovich bei "Incises", ihre scheinbare grenzenlosen Kraftreserven, die es ihr erlauben, am Ende des langen Abends noch die Schlußsteigerung von Structures II wie einen Vulkanausbruch klingen zu lassen. Überhaupt Structures: Wunderbar, wie der Weg vom streng seriellen Beginn zum überbordenden Ende gestaltet wird. Und wie das Duo mit dem Kontrast zwischen der kraftvoll energischen Handschrift Stefanovichs und dem farbenreichen Spiel Aimards zu spielen versteht.

Die Rechnung des neuen Musica-Viva-Chefs Winrich Hopp scheint aufzugehen - nach dem völlig ausverkauften und umjubelten Konzert mit Boulez' "Pli selon Pli" unter Leitung des Komponisten im Oktober nun dieses eigentlich unmögliche Programm. Und auch hier liegt das Publikum den Musikern zu Füßen. Zwei Konzerte, die für mich zu den absoluten Höhepunkten des Jahres zählen.

München kein gutes Pflaster für Neue Musik? Quatsch. Man muss es nur richtig anpacken. Und die richtigen Gäste einladen.


:wink: Michel
Kunst ist vom Geist beherrschte Magie. Kunst als erfahrene Möglichkeit von Freiheit. Plötzlich spüren Sie beim Hören etwas fast naturhaft - wie ein Blitz: Und Sie hören als ein Veränderter, sind auf ganz neue Weise dabei. (Helmut Lachenmann)

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Sonntag, 5. Februar 2012, 18:02

Hallo zusammen,

ich habe mit meiner Vera und einer Freundin am Freitag den Liederabend im Nationaltheater gehört, den Matthias Goerne als 'Ersatz' für den abgesagten Thomas Quasthoff gegeben hat. Im Gegensatz zu Quasthoff, der auch noch Wolf und Loewe singen wollte, hat Goerne einen sehr stimmigen Liederabend ausschließlich mit Schumann und Mahler gegeben. Er ist dabei nicht durch ganze Werkgruppen durchgegangen, sondern hat drei thematische Schwerpunkte gebildet, die er jeweils mit Liedern der beiden Komponisten frei zusammengestellt hat.

Auch wenn Matthias Goerne aus meiner Sicht in die erste Reihe der aktuellen Liedersänger gehört und ich sogar schon zusammen mit ihm ein Konzert gestaltet habe (als Chorsänger natürlich!!), kann ich nicht behaupten, dass ich sein Schaffen in diesem Bereich verfolge. Ich gehöre (aus Zeitgründen: leider !!) auch nicht zu den regelmäßigsten Besuchern von Liederabenden und weiß, dass ich mich dafür auch immer etwas schäme, aber ich kennt das Problem mit Anspruch und Wirklichkeit, denke ich, alle: Man kommt zu viel zu wenig von den guten Sachen.

Goernes Programm bestand aus drei Teilen, die inhaltliche Schwerpunkte hatten: 1. Teil Traum, 2. Teil Tod, 3. Teil Krieg. In den ersten beiden Teilen hat er sehr viel sehr leise gesungen, nur bei wenigen Passagen richtig 'aufgedreht', aber es war aus meiner Sicht doch sehr überzeugend, wie er das gemacht hat: Lediglich im letzten Teil mit Soldatenliedern (z.B. Die zwei Grenadiere von Schumann oder Tambourg'sell und Revelge aus den Wunderhorn-Liedern von Mahler) hat Goerne der Stimmer freien Lauf gelassen, bei einem Liederabend-Programm, das ohne Pause und viel Zwischenapplaus fast 100 Minuten gedauert hat, sicher eine sehr gute Wahl. Beeindruckend wie er auch in höchsten Lagen pianissimo-Passagen gebracht hat, lediglich das gelegentliche Winden des Körpers war etwas gewöhnungsbedürftig.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Matthias Goerne gemacht? Hat er ein ähnliches Programm auch schon woanders gesungen? Ich bin an Eurer Meinung interessiert ...

Gruß Benno

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