Am 15.10. eröffnete das Münchner Kammerorchester seine Abo-Reihe.
Das Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre zur Oper ›Don Giovanni‹ KV 527
Claude Vivier ›Zipangu‹ für Streichorchester (1980)
Benjamin Britten Serenade op. 31 für Tenor, Horn und Streicher (1943)
Franz Schubert ›Tränenregen‹ D 795 Nr. 10 A-Dur aus ›Die schöne Müllerin‹
›Der Wegweiser‹ D 911 Nr. 20 g-Moll aus ›Die Winterreise‹
›Du bist die Ruh´‹ D 776 Es-Dur (Orchestrierungen von Anton Webern)
Franz Schubert Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 ›Die Unvollendete‹
Eine Opernouvertüre im Konzert ist immer etwas problematisch: Auch wenn die Don-Giovanni-Ouvertüre, wie hier, mit einem anderen Schluss gespielt wird, wundere ich mich am Ende, dass jetzt nicht Leporello auftritt... Der Anfang wurde sehr dunkel und dramatisch gespielt, die Kontraste zwischen den Anschnitten sehr deutlich hervorgehoben und durch prononcierte Pausen noch verstärkt. Eine Kollege, der zum ersten Mal in seinem Leben in einem Konzert mit klassischer Musik war, und für den alle Werke des Programms gleichermaßen neu waren, zeigte sich durch diese Ouvertüre bemerkenswerterweise genauso irritiert wie durch die gnadenlose Spannung des nachfolgenden Vivier-Stücks. Erstaunlich, wie der gute alte Mozart wirken kann.
Claude Vivier ist eine der tragischen Gestalten der Musik des 20. Jahrhunderts - im Alter von gerade 35 Jahren wurde er in Paris ermordet. Entsprechend schmal ist das Werk des Kanadiers, der unter anderem in Köln bei Stockhausen studiert hat. Es lohnt sich allerdings sich damit zu beschäftigen. Ligeti hat ihn als einen der überragenden Komponisten seiner Generation betrachtet. "Zipangu" für Streichorchester ist ein intensives, spannungsreiches und farbiges Spiel mit vielfältigsten Bogentechniken der Streicher. Das macht Lust, mehr von diesem Komponisten kennenzulernen.
Die wunderbare Serenade op. 31 von Britten wurde klangschön und virtuos von Franz Draxinger gespielt, Hornist des Bayrischen Staatsorchesters (das beim Lohengrin am gleichen Abend ohne ihn auskommen musste

). Mein Christoph-Prégardien-Phase liegt schon einige Zeit zurück, damals habe ich alle Platten gekauft, die ich in die Finger bekam, und auch eine ganz Reihe von Konzerten besucht. Seine "Winterreise" ist nach wie vor meine Lieblingsaufnahme des Stücks. Seine Stimme hat sich seitdem deutlich verändert, das leicht baritonal gefärbte Timbre ist heller geworden und die Stimme ist höher als früher - bei der Britten-Serenade ein großer Vorteil. Das Stück ist denn auch sehr schön gelungen.
Bei den anschließenden, von Webern orchestrierten Schubert-Liedern, muss ich aber zugeben, dass Prégardien auch einen Teil des Farbenreichtums seiner Stimme eingebüßt hat - sehr schade. Die Bearbeitungen Weberns sind interessant, besonders beim "Wegweiser" enthält die Musik eine eigentümliche Brüchigkeit - Liebreich sprach von "löchriger" Musik. Mal sehen, ob es die auf CD gibt, ich würde die gerne genauer hören.
Die "Unvollendete" schließlich präsentierte sich im klanglich ungewöhnlichen Gewand: Mit 5+5 Violinen, 5 Violen, 4 Celli und 2 Kontrabässen waren die Streicher höchstens halb so groß besetzt wie üblich, was den Klang zugunsten der Bläser verschob. Besonders der erste Satz hat mir sehr gut gefallen - das immer wieder erschütternde Versinken der Musik wurde von Liebreich und dem MKO beeindruckend umgesetzt.