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Montag, 26. Oktober 2009, 13:02

SCHOSTAKOWITSCH: Lady Macbeth aus Mzensk an der Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper hat Dmitri Schostakowitschs "Lady Macbeth aus Mzensk" herausgebracht: Inszenierung von Matthias Hartmann, Dirigent ist Ingo Metzmacher, die Titelrolle singt Angela Denoke.
Ich bin im Moment noch beruflich befangen, möchte diese Aufführung hier aber zur Diskussion stellen, falls eines unserer Mitglieder sie bereits gesehen hat.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

2

Montag, 26. Oktober 2009, 16:50

http://www.operinwien.at/werkverz/schost/alady.htm

ich werde am 12.11. in der aufführung sein und bin schon sehr gespannt.
die kritiken fielen ja durchwegs begeisternd aus,eine ausnahme bildete (wieder mal) die presse,die einen ziemlichen verriss brachte.

ich glaube ich darf verraten,dass unsere severina mir mitteilte,dass ich mich darauf freuen darf.

lg yago :wink:

GiselherHH

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3

Montag, 26. Oktober 2009, 17:06

Naja, der Herr Sinkovicz ist ja auch ein bekannter Metzmacher-Verächter (die vielbejubelte Salzburger Nono-Aufführung mit den Wienern hat er folgerichtig ebenfalls verrissen). Sein Abgott Thielemann hätte das natürlich viiiieeel viiiieeel besser gemacht (wenn dieser sich denn mal herabließe, die Oper überhaupt zu dirigieren).
"Er war verrückt auf Blondinen. Wäre Helga auch noch adlig gewesen, der gute Teddy wäre völlig durchgedreht."

Michael Gielen über Theodor W. Adorno, der versucht hatte, Gielen seine Frau auszuspannen.

4

Montag, 26. Oktober 2009, 17:36

Was bestimmte Kritiker betrifft, halte ich mich mit Kommentaren zurück. Sie haben halt ihre Gründe, von denen auch einige nicht mit konkreten Aufführungen zu tun haben...

Da ich, wie ich sehe, bereits offen über die Aufführung sprechen kann: Musikalisch ist sie hinreißend, was just an - nun, an Metzmacher liegt. Das ist ndlich ein Dirigent, der mit unaufwändiger, schlagtechnisch sauberer Geste seinen Apparat führt, bei dem man jeden Moment weiß, daß er das Werk in- und auswendig kennt. Nur, daß er es eben nicht kalt hrunterschlägt, sondern dermaßen aufpeitscht, daß einem ständig heiß und kalt wird. Ich muß gestehen, daß ich Metzmacher bisher auch sehr oft als trockenen Partitur-Verwalter einstufte und unglücklich war, als es hieß, er würde diese Aufführung übernehmen. Jetzt weiß ich, daß es die ideale Wahl war. Die Tempi sind flott, ohne überhastet zu wirken (sehr genau dran an Schostakowitschs Vorschriften), die Lyrismen behalten ihren Puls und wirken dadurch enorm gespannt.

Zweiter Glücksfall: Angela Denoke. Einfach fabelhaft, wie sie diese Rolle in jeder Facette glaubhaft macht, und sängerisch ist sie perfekt. Da geht kein Ton daneben, es wird sauber intoniert, und die Phrasierung zeugt von hoher musikalischer Intelligenz.

Bei der Inszenierung bin ich gespalten: Es gibt hinreißende Momente, und das Schlußbild ist wirklich erschütternd, aber es gibt auch viel szenischen Leerlauf, wo ich das Gefühl habe, Hartmann kann mit dem Stück und mit den Charakteren nicht sonderlich viel anfangen. Auch die Posse auf der Polizei im dritten Akt ist überzogen, so lustig ist das nicht.

:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

5

Montag, 26. Oktober 2009, 17:45

Musikalisch ist sie hinreißend, was just an - nun, an Metzmacher liegt.


Ich würde gerne mal wieder eine Metzmacher-Aufführung hören, ich mochte seine Interpretationen in Hamburg immer sehr gerne. Ursprünglich war, wenn ich nicht irre, in Wien Petrenko vorgesehen? Das wäre auch eine interessante Besetzung gewesen. Ich hoffe sehr, dass ich im kommenden Frühjahr den Schreker in Zürich sehen und hören kann - da soll auch Ingo Metzmacher dirigieren.
Fremd bin ich eingezogen

6

Montag, 26. Oktober 2009, 19:40

Lieber Alviano,
völlig richtig, es war Petrenko vorgesehen, der aber absagte. Die meisten erwarteten, dass Bychkov übernehmen würde und waren, wie ich, enttäuscht, als Metzmacher angesetzt wurde. Metzmacher ist in Wien mit einer hinreißenden Aufführung von Messiaens "Eclairs" aufgefallen, ist aber auch mit ein paar anderen, eher trocken absolvierten Konzerten in Erinnerung. Und so wirklich berauschend sind seine Hartmann-Aufnahmen bei EMI auch nicht.
Umso mehr überraschte mich, wie glut- und blutvoll sein Zugriff war: Immer noch analytisch genug, daß man die Details sogar dann noch hört, wenn das Orchester an der Grenze zur ohrenbetäubenden Dynamik spielt; vor allem aber sind die zarteren Farben unglaublich gut ausbalanciert. Das Liebesduett bekommt eine ganz eigentümlich nervöse Sinnlichkeit, und die letzte Arie (die mit dem See) ist dermaßen zurückhaltend, daß die Denoke wirklich völlig freie Hand hat - aber wohl nur scheinbar, denn auch hier ist der Puls spürbar, die Linien zerreißen nicht, sondern sind in vibrierende Spannung versetzt. Ich habe nun wirklich das Werk in etlichen Aufführungen (live und auf CD&DVD) gehört, aber was Metzmacher geleistet hat, ist absolute Spitze, das hält, freilich bei grundlegend anderem Ansatz, auch mit Jansons und Rostropowitsch mit.
:wink:
Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

7

Montag, 26. Oktober 2009, 20:02

Hallo zusammen,

etwas OT, aber die Lobeshymne bzgl. Metzmacher lässt mich hoffen, dass das Konzert im Dezember, in welchem Metzmacher Debussys Martyre, Hindemiths Mathis der Maler und Strauss' Schleiertanz und Schlussgesang aus Salome geben wird, eine vielversprechende Angelegenheit wird. :klatsch:

Tschuldigung, bin schon wieder weg.
:wink:
Wulf
It is a common fault of criticism to pay more attention to the
influences of other composers in a young man's work than to its own
character as music.
(Robert Simpson)

8

Montag, 26. Oktober 2009, 20:40

Jetzt würde mich interessieren, ob jemand seinerzeit die Produktion in der Volksoper (Insznierung: Mielitz, Dirigent: Runnicles, in der Titelpartie Rebecca Blankenship) gesehen und noch in Erinnerung hat (ich kann mich nicht mehr daran erinnern wie es war) und Vergleiche ziehen kann.

Gurnemanz

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9

Freitag, 30. Oktober 2009, 16:16

Es fällt mir nicht leicht, über eine Opernaufführung Eigenes zu formulieren, da ich - wohl ein Fehler - bereits im Vorfeld die mir zugänglichen Kritiken gelesen hatte und während des Abends - ich war bei der zweiten Aufführung am 27.10. dabei - feststellen konnte, daß einiges von dem, was ich erwartet hatte, auch so eintraf. Was Edwin oben über das Dirigat Ingo Metzmachers schreibt, kann ich bestätigen: Das war von Anfang bis Ende emotional, klar, sagen wir es ruhig: fetzig. Mein Platz war im übrigen auf der Galerie: Es war beeindruckend und erhebend, wie die Klänge aus dem Orchestergraben heraufdrangen und den Raum erfüllten.

Angela Denoke war auch für mich der Star des Abends: Berührend und erschütternd, was diese Künstlerin von den leisen Tönen bis zur Leidenschaftlichkeit draufhat, immer souverän (auch als Schauspielerin) und niemals zum Schreien neigend. Ich habe sie dreimal in Stuttgart als Sieglinde in der Walküre erlebt; schon im legendären Stuttgarter Ring war sie für mich einer der großen Lichtpunkte.

Ebenfalls beeindruckend Kurt Rydl als Boris: stimmlich und darstellerisch großartig, z. B. der Todeskampf als Folge des Rattengifts, das ihm von Katerina verabreicht wird: jenseits aller Klischees, die Sterbende auf der Opernbühne oft bieten, natürlich, ausdrucksvoll.

Misha Didyk als Liebhaber Sergej war ein ausdrucksstarker Tenor, vielleicht ein wenig zu schmelzend im Ton, nicht so brutal, wie es hätte sein können.

Überhaupt: Sängerisch war das alles erste Sahne!

Nun zur Inszenierung, und da muß ich einräumen, daß ich geprägt bin vom interpretierenden Musiktheater, wie ich es von Morabito/Wieler, Neuenfels, Kušej und Konwitschny her kenne: Matthias Hartmann fällt mit dieser Produktion deutlich ab; gut, daß ich, durch die Kritiken vorgewarnt, nicht mehr erwartet hatte: Das Beste, was ich von der Regie sagen kann, ist, daß sie die Akteure auf der Bühne und im Graben nicht daran hinderte, ihre Kunst zu entfalten. Das Bühnenbild war ein kalter, teilweise abstrakter Raum, Neonlichtatmospäre - eigentlich nicht schlecht, aber es führte eben nur dazu, daß die Handlung abgebildet wurrde. Auch die Risse in der Wand, hinter der die Mörder die Leiche verstecken, und die im Boden, der während der Hochzeit aufreißt und im Schlußbild aufbricht, um dann den Fluß zu bilden, in den Katerina am Ende ihre Rivalin Sonjetka stößt, um sich dann selbst hineinzustürzen - das sind fast zu eindeutige Chiffren des Aufbrechens der Grenzen.

Die Polizeiszene: Eine zentrale Stelle, weil hier Schostakowitsch auf böse-satirische Art den Terror der (zaristischen?) Diktatur thematisiert (bei Leskow gibt es diese Szene nicht, das Satirische fehlt bei der Vorlage ganz, auch der lustige Pope). Mir schien, daß die Regie die grotesken Züge der Musik nur teilweise aufnahm, das hätte man brutaler, böser darstellen können.

Überhaupt waren die in der Oper reichlich vorhandenen Gewaltakte (auch den Sex von Katerina und Sergej würde ich dazurechnen, wenn ich der Musik folge) nur stilisiert, da gibt die Musik mehr her. Vielleicht wäre eine konsequente Weiterführung der Kälte einer festgefahrenen Welt interessant gewesen; allerdings hätten der Regie dann auch die entsprechenden Bilder, die über die Handlung hinausreichen, einfallen müssen; Bilder der Aussichts- und Trostlosigkeit - Schostakowitschs Werk gibt da, glaube ich, auch hinreichend Vorlagen.

Bleibt der einzige interpretatorische Ansatz, den ich bemerkt habe: Ganz vorne in der Mitte der Bühne lag ein abgeschlagener Kopf, wie von einem Standbild, offensichtlich Stalin darstellend. Dieser Kopf lag dort die ganze Zeit, wie ein leeres Symbol, eine Chiffre, die ihre Bedeutung verloren hat. Die Geschichte von Stalin, der eine Aufführung der Lady Macbeth wütend verlasssen hatte, was zum Verbot der Oper und zu lebensgefährlichen Konsequenzen für den Komponisten führte, ist bekannt. Daß sich die Handlung und damit das Werk von diesem historischen Kontext zu lösen scheint (es ist eben weit mehr, wenn überhaupt, als eine Auseinandersetzung mit dem Stalinismus), fand ich in diesem Detail einleuchtend dargestellt.
Es grüßt Gurnemanz

---
Sprechen heißt: in Tautologien verfallen.
Jorge Luis Borges

10

Sonntag, 15. November 2009, 14:28

Ein Versuch,das vermeintl. einfache Bühnenbild etwas zu beschreiben:

Auf der Bühne sehen wir eine quadratische Grundfläche,45° gedreht,der Holzfussboden in breitem,weissem Fischgrätmuster wirkt ziemlich schäbig u. abgetreten.Die re. schräge Wand bildet ein weisser Vorhang,die li. ein Gazevorhang.(je nach Bild wechselt dies),eine Art Flur für die jeweiligen Auftritte von Chor,Trompetern oder anderen Akteuren folgt daran und dahinter wiederum Wände in Fischgrät.

In der Mitte des Raumes das ("leuchtende") Bett.

In der vorderen Bühnenbildmitte,wo sonst der Souffleurkasten ist, liegt der abgeschlagene Kopf Stalins.

Katerina rekelt sich am Boden und besingt ihr tristes Leben.

Hinter dem Vorhang schleicht Boris herum und betritt dann das Zimmer. Er macht Katerina Vorwürfe,dass sie Sinowi noch immer keinen Nachfolger geschenkt habe.Ein notgeiler alter Sack,der Katerina begrabscht und mies behandelt.

Die Arbeiter stehen hinter den Vorhängen.Sinowi stellt einen neuen Vorarbeiter vor.Vor diesem warnt Boris,denn dieser soll die Frau seines letzten Chefs verführt haben.Ein wahrer Frauenheld also.

Sinowi wird auf´s Land geschickt.Erste Flirts zw. Katerina u. Sergej sieht man jetzt schon.

Boris „dirigiert“ die Arbeiter,während er Katerina runtermacht. Und wehe einer tanzt aus der Reihe.

Boris trägt Katerina auf,sie solle sich nützlich machen und das Rattengift mischen.

Die Arbeiter treiben mit Axinja ihre „Spässchen“,was in eine Massenvergewaltigung übergeht.Sergej ist Hauptakteur.
Katerina geht dazwischen,sie kann sich aber Sergej´s Anziehungskraft nicht entziehen und fordert ihm zu einem Ringkampf auf.
Als Boris dazukommt,nimmt sie Sergej in Schutz u. meint sie seien gestolpert u. Serge, habe ihr nur aufhelfen wollen.

Sergej kommt zu Katerina ins Zimmer geschlichen und sie verbringen eine nicht ganz ungestörte Liebesnacht.
Sie werden vom Schwiegervater erwischt und dieser peitscht Sergej öffentlich aus.(Auch wenn es sich dabei eigentlich um Stockhiebe handelt).

Darauf hin mischt Katerina Boris das Rattengift ins Pilzragout.
Dem herbeigerufenen Pope versucht er vergeblich mitzuteilen,was mit ihm passiert sei,ehe er das zeitliche segnet.

In einer der folgenden Liebesnächte werden sie von Sinowi überrascht und die beiden Liebenden bringen Sinowi gemeinsam um und verstecken seinen Leichnam hinter der li. Wandpanele.

Der „Schäbige“ vermutet bei seinem Abgesang an den holden Wein,einen edlen Tropfen,hinter dieser Panele,da Katerina immer abwesend an diese Stelle starre.Er reisst die Wand auf u. entgegenfällt ihm,die bereits merklich verwesende Leiche seines Herrn.

Wir befinden uns nunauf der Polizeiwache.
Vor Langeweile verprügeln die Polizisten halt ein paar Gefangene und der Schäbige zieht an einem Seil den vor sich hinwesenden Leichnam auf die Wachstube.
„Diesen Mann schickt der Himmel“ singt der Kommandant und man zieht zum Hause Katerinas.

Dort wird bereits feuchtfröhlich gefeiert.
Der Parkettboden weist bereits erste kleinere Löcher auf.(Ein Sinnbild dafür,dass nicht nur der Boden morsch ist,in dieser Gesellschaft)
Die Hochzeitstafel erstreckt sich aus der hinteren re. Wand kommend,nach weit vorne über die Bühnenmitte hinaus.
Der Pope tanzt auf dem Tisch.
Ein Teil der Polizisten nehmen Sergej und Katerina fest,der andere delektiert sich gleich an dem Hochzeitsmahl.

Im letzten Bild sehen wir den schon bekannten Parkettboden,nun über die gesamte Bühnenbreite,es soll das leicht verschneite Gefangenlager darstellen.Von der Mitte hinten ein breiter,sich nach vorne li. verjüngender tiefer Spalt,symbolisiert den Fluss.
Zusätzlich werden die weiblichen Gefangenen durch einen Stacheldraht von den männl. Gefangenen getrennt.
Die Wachen erschlagen wahllos einen Gefangenen.
Katerina besticht einem der Wächter,um zu Sergej gelangen zu können.
Sie steckt Sergej Geld zu,damit dieser seinerseits zu ihr gelangen könne.
Sergej gibt Katerina alle Schuld,dass er hier gelandet sei und weist sie ab.

Sergej,auch hier ganz der Weiberheld flirtet mittlerweile mit einer anderen Mitgefangenen (Sonjetka).
Mit Hilfe von Katerinas Geld gelangt er zu dieser und wirbt um ihre Gunst,diese will sie ihm nur gewähren,wenn er ihr die wärmenden Strümpfe von Katerina beschafft.Die anderen Frauen im Lager lachen über Katerina und als diese sich von Sergej die Strümpfe „rausleiern“ lässt,kennt ihr Spott keine Grenzen.

Am nä. Morgen geben die Wachen den Befehl zum Aufbruch.
Katerina zutiefst gedemütigt,stösst Sonjetka in die Fluten und springt selbst hinterher.


Das Bühnenbild ändert sich jeweils nur durch Kleinigkeiten.Sei es das Licht,weisser Vorhang mal li.,mal re.,kleinere oder grössere Löcher im Fussboden.(Ausnahme Polizeiwache und natürlich Schlussbild Gefangenenlager).

Die ganze Brutalität des Geschehens findet hauptsächlich im Orchestergraben statt und Ingo Metzmacher treibt das Staatsopernorchester zu Höchstleitungen,wie es wohl nur dieses hervorragende Orchester zu erbringen mag.

Und ich untertreibe bestimmt nicht,wenn ich schreibe,dass die Wiener hier mal wieder gezeigt haben,dass sie zu recht, als das beste Opernorchester weltweit gehandelt werden.

Die Besetzung lässt keine Wünsche offen.

Angela Denoke wird als Star des Abend gefeiert.Sie singt diese Partie mit einer derartigen Hingabe
und bringt schauspielerisch die Rolle sehr überzeugend rüber.Mir gefällt sie in den lyrischen Momenten fast noch besser.Jede Bewegung,jeder Blick sind wohl bedacht.

Ähnliches gilt für Kurt Rydl als Boris,diesen Ungustl hätte ich schon früher Gift ins Essen gemixt.

Die Partie des Sinowi kann hier nur blass bleiben und da kann der Talaba nichts dafür.

Misha Didyk spielt den Frauenhelden sehr überzeugend und verfügt über eine recht angenehme Stimme.

Die leider viel zu kurze Rolle der Sonjetka,ist mir deswegen zu kurz,weil Nadja Krasteva einfach grandios ist.

Den Schäbigen bringt Michael Roider wunderbar rüber.

Janusz Monarcha als Pope wird mir etwas zu witzig gezeichnet.

Ein ganz grosses Lob an den wunderbaren Staatsopernchor.Er spielt,singt und agiert grossartig und es sollten sich die Regisseure öfter die Mühe machen,den Chor nicht einfach nur auftreten oder herumstehen zu lassen,sondern ihn auch zu bewegen,wie Hartmann das hier gemacht hat.

Ich fand die Regiearbeit Matthias Hartmanns sehr gelungen.
Kammerspielartig bringt er diese „Lady Macbeth von Mszenk“ auf die Bühne und es muss nicht immer alle Brutalität im Detail auch auf der Bühne gezeigt werden.Man muss nicht die Brutalität einer Vergewaltigung bildgenau unterlegen.Es geht auch so unter die Haut,zumal man ein solches Orchester im Graben sitzen hat.


Wie sagte die Dame neben mir an der Gardarobe?

„do hot ollas passt“

(für die Nordlichter unter uns: „Hier hat alles gestimmt“


Dem schliesse ich mich an und möchte die Grazer jetzt schon beglückwünschen,dass sie diese Inszenierung in der nächsten(?) Saison an ihrem schönen Haus erleben dürfen.


Leider kann ich dass alles nicht so wunderbar,wie unser Alviano beschreiben,aber ich hoffe ich konnte euch ein bissl was von dem vermitteln,was mir einen wunderbaren Opernabend beschert hat.




Liebe Grüße

yago :wink:

Severina

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11

Sonntag, 15. November 2009, 16:11

Hallo yago,
darauf warte ich schon die längste Zeit ;+) ! Ich kann nur sagen: Volle Übereinstimmung!
lg Severina :wink:
"Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)

Gurnemanz

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12

Sonntag, 15. November 2009, 16:19

Matthias Hartmann

Letzte Woche konnte ich sogar in meinem Lokalblatt (der Rhein-Neckar-Zeitung) viel Lobendes über Matthias Hartmann lesen: Er sei in Wien gerade der gefeierte Regisseur, sein Faust werde gepriesen, auch seine Lady Macbeth - wobei in diesem Fall lediglich die herausragende darstellerische und musikalische Leistung herausgehoben wird, nicht die Regie.

Danke, lieber yago, für Deinen präzisen Bericht, den ich, was das Faktische angeht, voll unterstreiche. In der Bewertung der Regie unterscheiden wir uns (s. o.).
Es grüßt Gurnemanz

---
Sprechen heißt: in Tautologien verfallen.
Jorge Luis Borges

13

Sonntag, 15. November 2009, 20:27

ganz sicher hätte man die eine oder andere szene noch drastischer darstellen können,denn ´ne wirklich sympatische person gibt es in der ganzen oper nicht.

ich bin ja,was inszenierungen anbelangt,alles andere als zimperliches gewohnt.
es ist hartmann gelungen,nie ins lächerliche zu verfallen.
nun gut,die szene auf der polizeiwache war recht harmlos ,ich fand es aber nicht schlimm,auch mal wieder zu atem zu kommen.
für mich lag vieles im datail.
auch wenn wir nicht so mit einer bilderflut ala herheim gesegnet waren,so fand ich vieles in den kleinen gesten wieder.
boris der ungustl,wie er einen stuhl vergenusszwergelte,denn ausser ein "bissl begrabschen getraute er sich katerina eh´ nicht.
die vergewaltigungsszene war auch so gewaltätig genug.
auch die immer wieder kleinen änderungen im bühnenbild haben für mich das geschen auf der bühne u. im orchestergraben,geradezu wunderbar unterstrichen.
und dadurch blieb viel zeit für die akteure ihr spiel auf uns wirken zu lassen und sie mussten so nicht gegen eine übermacht an bildern ankämpfen.
denn sein übriges machte die eruptive musik,die aus dem graben oder von den blechbläsern auf der bühne ausging.

ich mache ja kein geheimnis daraus,wenn ich mich als herheim und kosky-liebhaber oute.(oder auch tilmann knabe)
bei ihnen kommt man allerdings den sägern oft nicht hinterher,weils so viel zu gucken gibt.

hier bei hartmann hatten die sänger/innen zeit ihre rollen zu entwickeln und das hat auch viel mit spannung zu tun.

lg yago



p.s.:liebe severina,nur am rande,die demo war grossartig.

p.s.2.:vor ca. 15 j. hte ich in MS meine erste berührung mit der lady macbeth v. mszensk und die vergewaltigungsszenen und die ermordung des boris und des sinowi gerieten durch ihre darstellung leider in lächerliche.wobei ich zugeben muss,dass die mehr als unglückliche dt. übersetzung (es wurde dt. gesungen),ihr übriges taten.

14

Montag, 16. November 2009, 01:09

Lieber yago,

Zitat

p.s.2.:vor ca. 15 j. hte ich in MS meine erste berührung mit der lady macbeth v. mszensk und die vergewaltigungsszenen und die ermordung des boris und des sinowi gerieten durch ihre darstellung leider in lächerliche.wobei ich zugeben muss,dass die mehr als unglückliche dt. übersetzung (es wurde dt. gesungen),ihr übriges taten.

das war 1995 unter Lothar Königs, ich habe schon damals mitgespielt und die Musik ist mir unvergesslich geblieben.
Wir hatten noch den alten schäbigen Orchestergraben, und überhaupt.......
Es ist halt irgendwie durchweg anscheinend immer alles total scheisse bei uns, na ja, schade.......
Ich hasse Leute, die einfach mitten im Satz

15

Montag, 16. November 2009, 04:30

das war 1995 unter Lothar Königs, ich habe schon damals mitgespielt und die Musik ist mir unvergesslich geblieben.
Wir hatten noch den alten schäbigen Orchestergraben, und überhaupt.......
Es ist halt irgendwie durchweg anscheinend immer alles total scheisse bei uns, na ja, schade.......




hallo michael,

eben nicht!

damals habe ich diese oper erst kennen u. lieben gelernt,nicht zuletzt,durch die leistung im orchestergraben .

obwohl das bühnenbild im grossen u. ganzen sehr gut waren,insbesondere das schlussbild,war das was die sänger an schauspielerischen leistungen brachten nicht wirklich gut.

die dt. übersetzung war eine graus.

lg yago

16

Mittwoch, 28. April 2010, 12:27


Wie sagte die Dame neben mir an der Gardarobe?

„do hot ollas passt“

(für die Nordlichter unter uns: „Hier hat alles gestimmt“


Dem schliesse ich mich an und möchte die Grazer jetzt schon beglückwünschen,dass sie diese Inszenierung in der nächsten(?) Saison an ihrem schönen Haus erleben dürfen.


Leider kann ich dass alles nicht so wunderbar,wie unser Alviano beschreiben,aber ich hoffe ich konnte euch ein bissl was von dem vermitteln,was mir einen wunderbaren Opernabend beschert hat.




Liebe Grüße

yago :wink:
viell. komm´ ich zu "la traviata" oder zu "la boheme" ins schöne graz.
lg yago

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