Ein Versuch,das vermeintl. einfache Bühnenbild etwas zu beschreiben:
Auf der Bühne sehen wir eine quadratische Grundfläche,45° gedreht,der Holzfussboden in breitem,weissem Fischgrätmuster wirkt ziemlich schäbig u. abgetreten.Die re. schräge Wand bildet ein weisser Vorhang,die li. ein Gazevorhang.(je nach Bild wechselt dies),eine Art Flur für die jeweiligen Auftritte von Chor,Trompetern oder anderen Akteuren folgt daran und dahinter wiederum Wände in Fischgrät.
In der Mitte des Raumes das ("leuchtende") Bett.
In der vorderen Bühnenbildmitte,wo sonst der Souffleurkasten ist, liegt der abgeschlagene Kopf Stalins.
Katerina rekelt sich am Boden und besingt ihr tristes Leben.
Hinter dem Vorhang schleicht Boris herum und betritt dann das Zimmer. Er macht Katerina Vorwürfe,dass sie Sinowi noch immer keinen Nachfolger geschenkt habe.Ein notgeiler alter Sack,der Katerina begrabscht und mies behandelt.
Die Arbeiter stehen hinter den Vorhängen.Sinowi stellt einen neuen Vorarbeiter vor.Vor diesem warnt Boris,denn dieser soll die Frau seines letzten Chefs verführt haben.Ein wahrer Frauenheld also.
Sinowi wird auf´s Land geschickt.Erste Flirts zw. Katerina u. Sergej sieht man jetzt schon.
Boris „dirigiert“ die Arbeiter,während er Katerina runtermacht. Und wehe einer tanzt aus der Reihe.
Boris trägt Katerina auf,sie solle sich nützlich machen und das Rattengift mischen.
Die Arbeiter treiben mit Axinja ihre „Spässchen“,was in eine Massenvergewaltigung übergeht.Sergej ist Hauptakteur.
Katerina geht dazwischen,sie kann sich aber Sergej´s Anziehungskraft nicht entziehen und fordert ihm zu einem Ringkampf auf.
Als Boris dazukommt,nimmt sie Sergej in Schutz u. meint sie seien gestolpert u. Serge, habe ihr nur aufhelfen wollen.
Sergej kommt zu Katerina ins Zimmer geschlichen und sie verbringen eine nicht ganz ungestörte Liebesnacht.
Sie werden vom Schwiegervater erwischt und dieser peitscht Sergej öffentlich aus.(Auch wenn es sich dabei eigentlich um Stockhiebe handelt).
Darauf hin mischt Katerina Boris das Rattengift ins Pilzragout.
Dem herbeigerufenen Pope versucht er vergeblich mitzuteilen,was mit ihm passiert sei,ehe er das zeitliche segnet.
In einer der folgenden Liebesnächte werden sie von Sinowi überrascht und die beiden Liebenden bringen Sinowi gemeinsam um und verstecken seinen Leichnam hinter der li. Wandpanele.
Der „Schäbige“ vermutet bei seinem Abgesang an den holden Wein,einen edlen Tropfen,hinter dieser Panele,da Katerina immer abwesend an diese Stelle starre.Er reisst die Wand auf u. entgegenfällt ihm,die bereits merklich verwesende Leiche seines Herrn.
Wir befinden uns nunauf der Polizeiwache.
Vor Langeweile verprügeln die Polizisten halt ein paar Gefangene und der Schäbige zieht an einem Seil den vor sich hinwesenden Leichnam auf die Wachstube.
„Diesen Mann schickt der Himmel“ singt der Kommandant und man zieht zum Hause Katerinas.
Dort wird bereits feuchtfröhlich gefeiert.
Der Parkettboden weist bereits erste kleinere Löcher auf.(Ein Sinnbild dafür,dass nicht nur der Boden morsch ist,in dieser Gesellschaft)
Die Hochzeitstafel erstreckt sich aus der hinteren re. Wand kommend,nach weit vorne über die Bühnenmitte hinaus.
Der Pope tanzt auf dem Tisch.
Ein Teil der Polizisten nehmen Sergej und Katerina fest,der andere delektiert sich gleich an dem Hochzeitsmahl.
Im letzten Bild sehen wir den schon bekannten Parkettboden,nun über die gesamte Bühnenbreite,es soll das leicht verschneite Gefangenlager darstellen.Von der Mitte hinten ein breiter,sich nach vorne li. verjüngender tiefer Spalt,symbolisiert den Fluss.
Zusätzlich werden die weiblichen Gefangenen durch einen Stacheldraht von den männl. Gefangenen getrennt.
Die Wachen erschlagen wahllos einen Gefangenen.
Katerina besticht einem der Wächter,um zu Sergej gelangen zu können.
Sie steckt Sergej Geld zu,damit dieser seinerseits zu ihr gelangen könne.
Sergej gibt Katerina alle Schuld,dass er hier gelandet sei und weist sie ab.
Sergej,auch hier ganz der Weiberheld flirtet mittlerweile mit einer anderen Mitgefangenen (Sonjetka).
Mit Hilfe von Katerinas Geld gelangt er zu dieser und wirbt um ihre Gunst,diese will sie ihm nur gewähren,wenn er ihr die wärmenden Strümpfe von Katerina beschafft.Die anderen Frauen im Lager lachen über Katerina und als diese sich von Sergej die Strümpfe „rausleiern“ lässt,kennt ihr Spott keine Grenzen.
Am nä. Morgen geben die Wachen den Befehl zum Aufbruch.
Katerina zutiefst gedemütigt,stösst Sonjetka in die Fluten und springt selbst hinterher.
Das Bühnenbild ändert sich jeweils nur durch Kleinigkeiten.Sei es das Licht,weisser Vorhang mal li.,mal re.,kleinere oder grössere Löcher im Fussboden.(Ausnahme Polizeiwache und natürlich Schlussbild Gefangenenlager).
Die ganze Brutalität des Geschehens findet hauptsächlich im Orchestergraben statt und Ingo Metzmacher treibt das Staatsopernorchester zu Höchstleitungen,wie es wohl nur dieses hervorragende Orchester zu erbringen mag.
Und ich untertreibe bestimmt nicht,wenn ich schreibe,dass die Wiener hier mal wieder gezeigt haben,dass sie zu recht, als das beste Opernorchester weltweit gehandelt werden.
Die Besetzung lässt keine Wünsche offen.
Angela Denoke wird als Star des Abend gefeiert.Sie singt diese Partie mit einer derartigen Hingabe
und bringt schauspielerisch die Rolle sehr überzeugend rüber.Mir gefällt sie in den lyrischen Momenten fast noch besser.Jede Bewegung,jeder Blick sind wohl bedacht.
Ähnliches gilt für Kurt Rydl als Boris,diesen Ungustl hätte ich schon früher Gift ins Essen gemixt.
Die Partie des Sinowi kann hier nur blass bleiben und da kann der Talaba nichts dafür.
Misha Didyk spielt den Frauenhelden sehr überzeugend und verfügt über eine recht angenehme Stimme.
Die leider viel zu kurze Rolle der Sonjetka,ist mir deswegen zu kurz,weil Nadja Krasteva einfach grandios ist.
Den Schäbigen bringt Michael Roider wunderbar rüber.
Janusz Monarcha als Pope wird mir etwas zu witzig gezeichnet.
Ein ganz grosses Lob an den wunderbaren Staatsopernchor.Er spielt,singt und agiert grossartig und es sollten sich die Regisseure öfter die Mühe machen,den Chor nicht einfach nur auftreten oder herumstehen zu lassen,sondern ihn auch zu bewegen,wie Hartmann das hier gemacht hat.
Ich fand die Regiearbeit Matthias Hartmanns sehr gelungen.
Kammerspielartig bringt er diese „Lady Macbeth von Mszenk“ auf die Bühne und es muss nicht immer alle Brutalität im Detail auch auf der Bühne gezeigt werden.Man muss nicht die Brutalität einer Vergewaltigung bildgenau unterlegen.Es geht auch so unter die Haut,zumal man ein solches Orchester im Graben sitzen hat.
Wie sagte die Dame neben mir an der Gardarobe?
„do hot ollas passt“
(für die Nordlichter unter uns: „Hier hat alles gestimmt“
Dem schliesse ich mich an und möchte die Grazer jetzt schon beglückwünschen,dass sie diese Inszenierung in der nächsten(?) Saison an ihrem schönen Haus erleben dürfen.
Leider kann ich dass alles nicht so wunderbar,wie unser Alviano beschreiben,aber ich hoffe ich konnte euch ein bissl was von dem vermitteln,was mir einen wunderbaren Opernabend beschert hat.
Liebe Grüße
yago