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Montag, 7. September 2009, 21:28

Museumsnacht 2009 in Kassel

Am Samstag den 5. September war es wieder so weit, die alljährliche Museumsnacht lockte mit fast 300 Ausstellungsorten.

Das Wetter war zuerst dem Vorhaben nicht gewogen und so regnete es den ganzen Samstag, doch am späten Nachmittag klärte es sich auf und pünktlich zur Eröffnung um 17:00 Uhr strahlte wieder die Sonne.


Wir besuchten diese Veranstaltung diesmal in unseren Barockkostümen – wollten auch vorzugsweise im "barocken Kassel" unterwegs sein: Orangerie und Schloss Wilhelmshöhe (wobei das Schloss ein wieder aufgebauter klassizistischer Bau ist)

Schon der Weg zu den Veranstaltungsorten war apart, die Kasseler Jugend die sich in einer Hinterstraße betrank, sparte nicht mit Beleidigungen.
Nun sie hatten wohl nicht die 90cm Klinge bemerkt die ich bei mir trug.
Aber mittlerweile bin ich darüber hinweg dieses Verhalten persönlich zu nehmen.
Perspektivlosigkeit, Neid, Selbsthass und Langeweile gepaart mit gezielter Verdummung durch die Hauptschulen war die eigentliche Quelle für diese Äußerungen.
Man hätte auch in einem Smoking vorbei kommen können, das Resultat wäre das Gleiche.


Nun der Weg zu Orangerie über die "Gustav Mahler Treppe" war weniger als spärlich beleuchtet. Es ist die einzige Verbindung zwischen Orangerie und der Stadt.
Dass man es hier versäumte Beleuchtungen aufzustellen machte den Gang zu einem recht gefährlichen Unternehmen.

Wir freuten uns auf die Orangerie und die Karlsaue.
Aber außer dem Marmorbad und einer schwachen Fassadenbeleuchtung der Orangerie war es stockdunkel.
Aus der Finsternis traten mal wieder die altbekannten Laserstrahlen hervor, die sonst vom Dach des Fridericianums leuchteten.
Vor der Orangerie war eine kleine Bühne für einen Sänger aufgebaut, im Marmorbad fand dann um 22:00 Uhr ein Konzert mit barocken Instrumenten statt.

Das Bad selbst wurde von mehreren Gorillas bewacht, als seien alle Besucher potentielle Randalierer – man fühlte sich sogleich wohl, zumal diese Typen bestimmte Besucher auf dem Kieker hatten und diese beharrlich verfolgten und nicht aus den Augen ließen.
So was nenne ich Service.
Die drei Musiker auf Violine, Gambe und Theorbe spielten herrliche Sonaten aus dem 17. Jahrhundert – und wenn man das teilweise ziemlich desinteressierte Publikum übersah und vor allem überhörte, so gelang ein ganz wunderbarer Zauber zwischen Architektur und Musik.

Das Marmorbad ist vielleicht der größte Schatz den Kassel zu bieten hat.
Ein Kleinod an barocker Prachtarchitektur.
Orientiert an der Badewohnung Louis XIV, jedoch im italienischen Stil, vereint das Bad in meisterhaften Reliefs und Statuen sämtliche berühmten Liebeszenen der Mythologie.
Eine dermaßen gelungen und qualitativ hochwertige und zutiefst berührende Schöpfung mag man vielleicht noch in Rom, Florenz oder Paris vermuten.

Laut den Führern ist dieses Bad natürlich nie benutzt worden, nun ja ich habe eine andere Meinung dazu – so etwas baut man nicht um es nur anzusehen – es mag sein dass die Fertigstellung unter Landgraf Karl es nicht zuließ, dass er es benutzen konnte – im 18. Jh. verlor man an solchen Bauwerken natürlich das Interesse, auch Louis XV ließ die Badewohnung des Sonnenkönigs entfernen.

Was weniger verzauberte, die Klänge des Barden vor der Orangerie zerschnitten mit den Tönen seine E-Gitarre die zarten barocken Melodien.
Herausragende Organisation nennt man so etwas wohl.
Die Besucher waren von der barocken Pracht wohl weniger begeistert, eine Dame meinte nur: ach komm wir gehen, ist eh immer das gleiche.

Tja Kassel ist und bleibt ein Paradebeispiel für den Spruch „Perlen vor die Säue“
Es hatte schon seinen Grund, dass man solche Schätze dem Pöbel vorenthielt.

Ich hätte mich Stunden in diesem Raum aufhalten können und mich von den bezaubernden Reliefs und den sinnlichen Statuen an die altbekannten Geschichten von Ovid erinnern lassen.


Viel mehr Andrang erfuhren die Fress- und Saufbuden.

Wir gingen und machten uns auf nach Wilhelmshöhe.
Leider war die Museumsnacht wohl schon gegen 23:00 Uhr zu Ende.
In Wilhelmshöhe trafen wir auf eine ganz entzückende Gruppe von Damen, sieben an der Zahl, die ebenfalls mit historischen Kostümen unterwegs waren.
Und dies war auch der schönste Teil des Abends.
Nun wurde ich zum Kurfürsten ernannt und soll bei den künftigen Treffen im Park unbedingt anwesend sein.
Und diesen Damen konnte ich unmöglich diesen Wunsch abschlagen. großes Grinsen

Wir wollten noch ein wenig durch die Galerie der Alten Meister wandeln.
Die Dame am Empfang sah uns an, als wären wir mit Scheiße überzogen gewesen.
Man sieht es eben nicht gerne, wenn man etwas Farbe in den Museumsalltag bringt. Man ist wohl eine potentielle Bedrohung.

Diese Dame hatte ohnehin die Angewohnheit das Museum als ihren persönlichen Besitz zu begreifen, ich war immer froh wenn sie nicht da war, weil es ihr schon ein Dorn im Auge war, wenn ich mit Zeichenblock ankam.


Doch soweit ich weiß, gehören die Kunst- und Kulturschätze uns allen – oder aber zumindest dem Land Hessen, was aber doch eigentlich das gleiche ist, wenn ich die Demokratie nicht missverstanden habe.


Ein Großteil des Publikums reagiert auf uns sehr positiv, das will ich gar nicht verschweigen.
Und der neue Kontakt mit der Damentruppe war schon mehr als eine Entschädigung für das erlebte.
Aber mir hat dieser Besuch doch gezeigt, dass der normale Bürger überhaupt kein Wertgefühl für Kunst besitzt. Es interessiert nicht, es wird nicht begriffen, weil die Bildung fehlt.
Der normale Bürger von der Straße ist anscheinend doch sehr viel dümmer als ich bisher gedacht habe.

So hielt man mich für Napoleon. wacky




Die Museumsnacht mag vielleicht einige Kunstinteressierte Menschen anziehen.
Aber in erster Linie ist es ein Saufgelage zu dem die Kulturschätze als Aufhänger missbraucht werden. Hier geht es nur ums schnelle Geld.


Die Organisation krankt an allen Ecken und Enden, es ist einfallslos und ohne Ideen umgesetzt. Im Grunde hat man die Museen die ansonsten um 17:00 schließen, erst um 17:00 Uhr geöffnet, ein paar Musiker überredet sich dafür herzugeben und besagte Fress- und Sauf - Buden dazu aufgebaut – mehr nicht.
Der Eintrittspreis von 9 Euro, bzw. 6 Euro mit Ermäßigung habe ich für die 3 Barockmusiker sehr gerne gezahlt – aber aufs Ganze betrachtet ist es eigentlich eine Frechheit.

Alle Vorurteile bestätigen sich immer wieder aufs Neue, es wird zwar versucht etwas in Kassel zu bewegen, aber das ganze ist mehr PR als wirklich dahinter steckt.
Es war absolut enttäuschend und ich werde die Museen lieber wieder besuchen, wenn ich weiß, dass vor den Eingängen keine grölenden Besoffenen herumhängen.

Was hingegen gut funktionierte waren die zusätzlichen Straßenbahnen, die an und abreise von bestimmten Locations ganz gut ermöglichte.

Mann muss wahrscheinlich andere Stellen besuchen, abseits der Hauptanziehungspunkte, am besten solche die nicht mal im Programm stehen …

Mag sein das ich anderen Stellen mit meinem Bericht Unrecht tue, zumal ich sie nicht gesehen habe - es ist einfach auch nicht möglich alles zu besuchen – das ist schon ein Denkfehler in dieser ganzen Konzeption, wie soll man 300 Ausstellungs- und Veranstaltungsorte besuchen, wenn man mal gerade ein paar Stunden Zeit hat ?
Um 23:00 Uhr wurden bereits viele Anlaufpunkte geschlossen.

Auch der Vorverkauf war Semiprofessionell.
Ich bin natürlich dahin gegangen wo ich mir alle nötigen Informationen erhoffte, ins Informationsbüro der Touristik in Kassel: geschlossen – am Tag der Museumsnacht.
Da fehlen mir einfach die Worte.

2

Montag, 7. September 2009, 22:35

Aber mir hat dieser Besuch doch gezeigt, dass der normale Bürger überhaupt kein Wertgefühl für Kunst besitzt. Es interessiert nicht, es wird nicht begriffen, weil die Bildung fehlt.
Der normale Bürger von der Straße ist anscheinend doch sehr viel dümmer als ich bisher gedacht habe.

Schlaue Sprüche wie "Kunst ist für Alle da", "Kunst muss auch den einfachen Leuten zugänglich gemacht werden" oder "Kunst darf nicht den Privilegierten vorbehalten sein" werden meistens von Leuten ausgesprochen, die niemals mit "einfachen Leuten" zu tun hatten. In einem Wiener-Klassik Forum meinte kürzlich jemand, dass Karajan dem "kleinen Mann auf der Straße" bekannt sei ... welch schöne Illusion ... ich möchte sie auch gerne haben. Ich empfehle demjenigen einen Selbstversuch auf der Straße ... er wird ein Erweckungs-Erlebnis haben wie es Duc in obigem Zitat geschildert hat.

Ich lehne alle künstlerischen Missionierungsprojekte ab. Warum soll man jemanden, der nichts für Kunst übrig hat, zu ihr bekehren? Ich will auch von Esoterik, Dan-Brown-Büchern und Homöopathie verschont werden und reagiere gereizt auf Bekehrungsversuche...

Ein sportlicher Mensch darf einem unsportlichen Menschen sagen, dass er unsportlich ist. Das ist gesellschaftlich akzeptiert.
Ein gebildeter Mensch darf einem ungebildeten Menschen nicht sagen, dass er ungebildeten ist. Dann gilt er als arrogant.

In der Schule musste ich mich von so manchem blöd anreden lassen, weil ich Bücher gelesen habe. Heutzutage ist es mir zum Gück möglich, solchen Leuten weitgehend aus dem Weg zu gehen.

Falstaff

3

Montag, 7. September 2009, 22:45

Beitrag zurückgezogen

4

Montag, 7. September 2009, 22:54

Nein, diejenigen denen es in die Wiege gelegt wurde für Kunst und Kultur entsprechend sensibel zu sein, die finden auch den Weg dahin.


Das glaube ich weitgehend auch. Es gibt Beispiele von Kindern aus kleinbürgerlichen kulturfernen Familien, die schon als Kinder ihre Eltern dazu drängten, ihnen eine Geige zu kaufen, und die inzwischen Geige studiert haben. Auf die oft gestellte Frage "Woher sie das hat" kann niemand eine Antwort geben. Umgekehrte Fälle gibt es ebenfalls.

Kunst ist insofern JEDEM frei zugänglich, als Bücher und CDs in Bibliotheken umsonst verliehen werden oder für einen sehr geringen Preis gekauft werden können. Und das ist auch gut so! Nur: Der Konsument (um es in zeitgemäßer Sprache auszudrücken) muss selbst AKTIV werden und sich das Buch oder die CD zulegen. Es würde nichts bringen, jedem Hartz-IV-Empfänger einmal Goethes Faust und eine GA der Beethoven-Sinfonien auf Staatskosten zukommen zulassen und sich dann als großer Volksbildner zu sehen. Man würde (fast) nichts damit erreichen.

Falstaff

5

Montag, 7. September 2009, 22:56

Es hatte schon seinen Grund warum die ganze Kunst nur einem gewissen Kreis vorbehalten war


Nun, der Grund ist dich ganz einfach: Es gab den gewissen Kreis, der es sich leisten konnten, und die die dafür arbeiten und bluten mussten, dass der gewisse Kreis es sich leisten konnte!

Ludwig II. war ein Visionär und Genie? In erster Linie war er ein Genie darin, Steuergelder zu verschwenden und sein Land zu ruinieren! Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass heute solche Spinner nicht einfach über Leib und Gut anderer Menschen verfügen können, ich bin heilfroh, dass ich die Chance habe, Bücher, Musik und Kunst überhaupt kennen zu lernen, ich bin heilfroh, dass nach über 200 jahren Aufklärung Menschen mit solchen kruden Ansichten, wie sie hier vorgetragen wurden, nicht mehr über mich entscheiden dürfen!

Entschuldigung, aber das musste jetzt sein! Es heißt ja nicht umsonst: "Wer austeilen kann, ..." :pfeif:
Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

6

Montag, 7. September 2009, 23:00


Durch meine Erfahrung die ich in der Kasseler Museumsnacht gemacht habe, bin ich von dem Pöbel der sich die großen Schätze nebenbei ansieht zutiefst angewidert - und ich kann nur sagen: Nein, das primitive Pack darf diese Kulturschätze weder mit ihrer Anwesenheit noch mit ihrem tumben Geist besudeln.

Dieses "primitive Pack" hat dir die ersten 31 Jahre deines Lebens finanziert. Und dabei wird es vermutlich nicht bleiben.

Zitat


Ich war zu wenig unter dem normalen Volk um mitzubekommen, wie primitiv, ungebildet und dumm der Großteil der Bevölkerung ist - es ist eine Schande - man schämt sich fast Mensch zu sein.

Das sehe ich anders.

Zitat


Ich denke ich werde meine eigenen Arbeiten auch nur noch einem ausgewählten Kreis präsentieren, wenn überhaupt - ich als Publikum genüge völlig.

Du hast ein ziemliches Problem, und mein Beitrag wird da leider nichts ändern. Es könnte dir evtl. helfen, wenn man deine "Kunst" offen diskutieren würde. Aber das erscheint hier nicht möglich, es würde einem als Beleidigung ausgelegt. Aber der Leidtragende bist du. Letzteres nur als Hinweis an die Moderatoren, die es vermutlich gut meinen und meinen Beitrag kritisch sehen. Ich denke aber, wegsehen ist auf Dauer eher schädlich.


Thomas Deck

7

Montag, 7. September 2009, 23:05

Noch ein Beispiel:

Harnoncourt meinte einmal, er könne sich nicht vorstellen, dass es IRGENDEINEN Menschen gibt, der von Mozarts Krönungsmesse NICHT ergriffen wäre...

Ich würde ihn gerne fragen, ob er das ernst meint...

Falstaff

Zwielicht

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8

Montag, 7. September 2009, 23:06

Wenn diese epidemischen und mit den immergleichen "Argumenten" geführten Internet-Stammtisch-Debatten schon sein müssen, dann führt sie bitte so, dass hinterher nicht wieder haufenweise Porzellan zerschlagen am Boden liegt.

Am liebsten würde ich diesen Thread mitsamt dem ganzen Elitegedöns in Richtung Wien verschieben. Leider nicht möglich.


Viele Grüße

Bernd
Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)

9

Montag, 7. September 2009, 23:34

Zitat

Harnoncourt meinte einmal, er könne sich nicht vorstellen, dass es IRGENDEINEN Menschen gibt, der von Mozarts Krönungsmesse NICHT ergriffen wäre...

Ich würde ihn gerne fragen, ob er das ernst meint...


Ich auch. Denn nach der ungefähr fünfzigsten Dröhnungsmesse, bei der ich bislang mitgespielt habe, geht mir das Stück enorm auf den Senkel ;+) . Nein, um es ehrlich zu sagen, spiele ich den Oboenpart im Agnus Dei immer noch mit größerem Genuß - aber als Zuhörer schallt mir die Krönungsmesse gleich langweilig zu den Ohren raus wie rein. In gewissem Maße mag das mit einem Abstumpfungseffekt zu tun haben, aber regelrecht "ergriffen" hat mich diese Musik von Anfang an nicht..... -

Ansonsten zeigt der Thread mal wieder, daß Capriccio im Moment als eine zwar schwierige, pubertierende, kippelige Angelegenheit erscheint - aber keinesfalls das Attribut *langweilig* verdient!

Das Fluidum, in dem der "Duc" sich bewegt, ist mir ausgesprochen fremd. Ich vermute auch mal, daß wir uns im direkten persönlichen Kontakt nicht einmal ansatzweise verstehen würden. Aber gerade deshalb finde ich seine Beiträge ausgesprochen interessant! Jeder hier hat halt seine Bereiche, an denen er emotional besonders stark hängt - und die meisten "analytischen" Versuche, die der Begründung der eigenen Vorlieben dienen, bleiben am Ende doch "graue Theorie", die "des Lebens grünem Baum" immer nur sehr unvollkommen zu entsprechen vermag.

Beste Grüße

Bernd

10

Montag, 7. September 2009, 23:42

Verehrter Duc,

ich kann gut verstehen, daß die mangelnde Wertschätzung von Leuten gegenüber Kunstwerken dazu führen kann, sich zu echauffieren. Daß man in der resultierenden Erregung zu Rundumschlägen und Verallgemeinerungen neigt, mag auch sein.

Eines jedoch will mir nicht in den Sinn: Was machst Du bei so einer Veranstaltung? Mir kommt das, mit Verlaub, so vor, als würde jemand zu Andre Rieu gehen und sich dann beschweren, daß dort nicht das Ligeti-Violinkonzert gespielt wird... :hide:

Davon abgesehen halte ich es durchaus für eine legitime und auch nicht uninteressante Frage, ob die Popularisierung von Kunst ein gesteigertes Kunstinteresse nach sich zieht. Ich meine: nein. Rieu hat nicht dazu geführt, daß die Leute sich CDs von Oistrach oder Milstein gekauft haben, Helmut Lotti erhöht nicht die Besucherzahlen der nächsten Aufführung der "Dichterliebe", die "Drei Tenöre" haben nicht die Opernhäuser gefüllt, und eine Museumsnacht führt nicht zum langfristig erhöhten Absatz von Kunstdrucken. Das ist aber wohl ein anderes Thema.

LG :wink:
"Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

11

Dienstag, 8. September 2009, 05:36

Zitat

Nun, der Grund ist dich ganz einfach: Es gab den gewissen Kreis, der es sich leisten konnten, und die die dafür arbeiten und bluten mussten, dass der gewisse Kreis es sich leisten konnte!

Ludwig II. war ein Visionär und Genie? In erster Linie war er ein Genie darin, Steuergelder zu verschwenden und sein Land zu ruinieren! Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass heute solche Spinner nicht einfach über Leib und Gut anderer Menschen verfügen können, ich bin heilfroh, dass ich die Chance habe, Bücher, Musik und Kunst überhaupt kennen zu lernen, ich bin heilfroh, dass nach über 200 jahren Aufklärung Menschen mit solchen kruden Ansichten, wie sie hier vorgetragen wurden, nicht mehr über mich entscheiden dürfen!

Entschuldigung, aber das musste jetzt sein! Es heißt ja nicht umsonst: "Wer austeilen kann, ..." :pfeif:



wer austeilen will, sollte sich vorher informieren von was er redet ;+)

Ludwig II. hatte seine Schlösser allein aus seinem Privatvermögen bezahlt, an "Steuergelder" kam er gar nicht heran, den auch er bezog eine Art Gehalt vom Staat.
Ludwig II war kein absolutistischer Monarch, sondern hatte sich dem Parlament zu fügen und unterzuordnen.
Von einer Verschwendung von Steuergeldern zu sprechen geht also so ziemlich an den geschichtlichen Fakten vorbei.

Und selbst wenn, so hat das Land Bayern, die damaligen Baukosten mit der hemmungslosen Vermarktung und der damit verbundenen Entweihung dieser Orte längstens wieder drin.



Zitat

Eines jedoch will mir nicht in den Sinn: Was machst Du bei so einer Veranstaltung?


ja jetzt frage ich mich das auch - ich bin mit völlig falschen Vorraussetzungen an diese Sache heran gegangen.
Wenn von Barockkonzerten, beleuchtete Wasserspielen etc. die Rede ist, dann rechne ich nicht mit einem Bierzelt.
Ich hatte ein kompremiertes Kulturfest erwartet - so einen Fehler macht man auch nur einmal.
Ich denke durch diese Erfahrung kann ich mir auch sämtliche andere Veranstaltungen in dieser Richtung in Zukunft schenken.

In Frankreich habe ich Feste erlebt, da ist gar kein Vergleich.
Man wandelte durch den Park, lauschte der Musik und ließ sich von den Klängen, dem Licht der Fackeln und dem rauschen der Fontänen in eine andere Welt entführen.
Nun ja statt Bier und Currywurst wurde da auch Champagner gereicht.

Aber wenn ich an den Königsplatz in Kassel denke, der wurde auch angekündigt mit "Wasserspiele wie in Versailles" - stattdessen eine peinliche mißglückte Brunnenanlage, dessen Wasserverschwendung ein absoluter Hohn ist, wenn man daran denkt, das über eine Mrd Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser hat.
Das meiste Wasser dieser grandiosen Anlage klatscht einfach auf den Platz und man hat im Sommer stets nasse Füße.
An solchen Dingen merkt man schon wie das hier läuft....

Ich bin einfach im falschen Land - das Land der Dichter und Denker...das ich nicht lache, ja dicht waren die alle, von denken aber keine Spur.


Zitat


Das Fluidum, in dem der "Duc" sich bewegt, ist mir ausgesprochen fremd. Ich vermute auch mal, daß wir uns im direkten persönlichen Kontakt nicht einmal ansatzweise verstehen würden.


das glaube ich nicht - ich bin keinesfalls so abgehoben, wie das scheinen mag.
Und umgänglich bin ich auch - aber dieses Erlebnis hat mich gerade sehr mitgenommen und das konnte ich nicht für mich behalten.

Zitat

Am liebsten würde ich diesen Thread mitsamt dem ganzen Elitegedöns in Richtung Wien verschieben. Leider nicht möglich.


Tja bis zu dieser Nacht, hatte ich eine ähnliche Einstellung, das hat sich nun gewandelt.

Zitat

Harnoncourt meinte einmal, er könne sich nicht vorstellen, dass es IRGENDEINEN Menschen gibt, der von Mozarts Krönungsmesse NICHT ergriffen wäre...


ja das gleiche Problem wie bei mir - weltfremd in Bezug auf das Interesse der menschen an Kultur - er sollte mal die nächste Museumsnacht in Kassel besuchen und da die Messe aufführen, mal sehen was er dann sagt :whistling:


Zitat

Dieses "primitive Pack" hat dir die ersten 31 Jahre deines Lebens finanziert. Und dabei wird es vermutlich nicht bleiben.


Meinen Sie nicht das es langsam reicht ?
Mein Leben wurde bisher von meinen Eltern und deren Arbeit finanziert, danach habe ich für mich selbst gesorgt.
Und was da noch von ihrer Seite mitschwingt verbitte ich mir.

Zitat

Es könnte dir evtl. helfen, wenn man deine "Kunst" offen diskutieren würde. Aber das erscheint hier nicht möglich, es würde einem als Beleidigung ausgelegt.


warum ? ich befinde mich ständig in Diskussionen darüber. Es gibt einen Teil von Menschen die sind begeistert, ein andere Teil findet es ist absoluter Mist - ein dritter Teil nimmt es gar nicht war - damit muss man leben, das geht jedem Kunstschaffenden so. An konstruktiver Kritik wachse ich nur - ich versuche ständig dazu zulernen.
Aber man kann es nie allen recht machen - warum auch ?
Mann kann das akzeptieren oder eben nicht - und solange ich diese breite Unterstützung von Kuratoren, Professoren und anderen Kunstschaffenden erhalte, habe ich nicht das Gefühl "ein Problem" zu haben, ganz im Gegenteil. Die bisherige Resonanz des Publikums in bezug auf meine Arbeiten war alles andere als ablehnend, man ist interessiert, diskutiert und hackt nach.
Wenn man mich fragt, was soll der ganze Kram, dann bekommt er/sie auch eine Antwort in der ich versuche zu erklären worum es mir geht.
Ein Großteil versteht allerdings sofort was Sache ist.

Das Studium, Ausstellungen, das entwickeln neuer Arbeiten das alles ist eine ständige Diskussion.

12

Dienstag, 8. September 2009, 05:47

Lieber Duc, mir tut es fast körperlich weh, zu lesen, wie Du bis zum Rand voller Aggressionen steckst und davon regelmässig in alle Richtungen überläufst.

Auch wenn das übelste Pöbel-Tâtigkeiten und unwürdige Niederungen sind: wie wärs hin und wieder mit einem Box- Sack oder einem Rugby-Club? ;+)

Ganz im Ernst: ich bin selbst von Kind an mit meinen schöngeistigen Neigungen als "elitär" aufgefallen und stand zu Schulzeiten oft sehr alleine da, aber man kann damit auch ganz anders umgehen, als du das offensichtlich tust.

Du erwartest(bzw hast erwartet) von Deiner Umwelt Verständnis und Toleranz für Dein gelebtes Kunstverständnis und deinen ganz besonderen Spleen(Spleen im Sinne von Baudelaire hat eine sehr positive Bedeutung!) aber bringst diese Toleranz selbst nicht im Geringsten auf.

Wer seine Mitmenschen als Pöbel abqualifiziert und - was ich wirklich nicht nur gegenüber allen Lehrern eine Zumutung finde!- Hauptschulen als systhematische Volksverdummung bezeichnet, darf sich nciht wundern, wenn er von Selbigen nciht auf Händen durchs Leben getragen wird.

Zur Bildung und Kultur gehört ganz entscheidend auch die Bildung und Grosszügigkeit des Herzens und die vermisse ich in deinen Beiträgen ganz entschieden.



Deine übermâssigen Aggressionen gehen manchmal so mit Dir durch, dass das regelrecht menschenverachtend wird und solches Verhalten empfinde ich dann für meinen Teil als pöbelhaft.



Du bist nicht besser als Andere, nur weil Du genau weisst, welche Musik in Versaille gespielt wurde, die Tanzschritte kennst und ein Louis XIV Köstum trägst!

Das erhebt Dich keinesfalls über den Rest der Menschheit, so schmeichelhaft solche Vorstellungen fürs eigene Selbstverständnis auch sein mögen und so gerne ich mir die auch selbst in der Pubertät gemacht habe, als meine Vorstelluingen so gar nciht mit denen der grossen Menge meiner Altersgenossen konform gingen.

Ich hoffe, jemand, der so austeilt wie du, kann auch ordentlich einstecken!

Denn das wird Dir bei diesen Rundumschlägen nicht erpart bleiben!

Aber da Du Dich ohnehin als Märtyrer der Kunst fühlst, wird jede Kritik an Deiner Weltanschauung Dir ja vielmehr Balsam sein..... :D

Also nimm diese meine "Streicheleinheiten" als wohlfeile Bestätigung Deines notwendigen Unverstandenseins an. :fee:

F.Q.



Im Übrigen waren meine Eltern mit einem befreundeten Paar aus Kassel bei der Museumsnacht. Sie werden Deinen Artikel sicher mit besonderer Freude zur Kenntnis nehmen. :thumbsup:
Gracias a la vida!

13

Dienstag, 8. September 2009, 06:32

Person und Sache auseinander zu halten fällt bei jemanden offensichtlich sehr schwer, bei dem Person und Sache in dieser Art verschmolzen sind, wie bei unserem doch hochgeschätzten Duc. Ich bewundere Engagement und Leistung sehr und freue mich Duc hier als Mitglied unserer Community zu sehen.

Duc bitte ich darum, das "Sie" in seinem Beitrag in ein "Du" zu verwandeln. Damit wollen wir doch hier nicht ernsthaft anfangen, uns zu siezen - auch nicht im Streit (wobei es ehrlich gesagt im real life notwendige Distanz in einen Disput bringen kann.

Die Ansichten von Duc kann man teilen oder nicht. Doch persönliche Rückschlüsse gehören sich einfach nicht. Streiten ist gut, aber es gehört eben auch Streitkultur dazu. Wie gut es ist, jemanden wie Duc de Berry zu haben, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, eine Vielzahl von Diskussionen ist dieser Tatsache schon entsprungen. Auf welchem Niveau sie verlaufen, entscheiden alle Akteure.

Mitglieder hier aber in Person zu diskutieren, geht nicht an, Rückschlüsse wie "Dieses "primitive Pack" hat dir die ersten 31 Jahre deines Lebens finanziert. Und dabei wird es vermutlich nicht bleiben" halte ich für unangemessen. Wie ich mich dagegen wehre, dass hier jeder bei einer Kritik gleich sich persönlich betroffen oder gar beleidigt fühlt, wehre ich mich allerdings auch dagegen, dass hier Mitglieder attackiert werden.Und so manches löst man besser per PN (ich greife bevorzugt zum Telefon).

Meine Bitte: Es steckt viel Diskutables im Beitrag von Duc de Berry, diskutieren wir es und benutzen es nicht, den Schreiber in irgendeiner Form herunterzusetzen.

Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

14

Dienstag, 8. September 2009, 06:53

Beitrag zurück gezogen

15

Dienstag, 8. September 2009, 08:50

Aber ich denke es ist an der Zeit sich zu wehren und eben nicht ins Selbstmitleid zu versinken.


Es gibt eine dritte Möglichkeit: Finde Dich mit den Gegebenheiten ab. Mit der Zeit wird man dann gelassen. Bei mir klappt es ganz gut. Deine Wut kommt daher, dass Du dir wirkliche Welt, in die Du bei der Kasseler Museumsnacht wie beiläufig hineingestolpert bist, mit der Welt Deiner Vorstellung vergleichst - einer Welt, in der Kunst eine weltbestimmende Bedeutung hat.

Ich empfehle in solchen Gesprächen ein Gespräch mit Grundschullehrern aus sogenannten "Problembezirken" oder Sozialarbeitern. Die müssen mit Desillusionierungen in ähnlichem Maße klarkommen. Und sich irgendwann mit den Gegebenheiten abfinden müssen. Ansonsten halten sie oft der psychischen Belastung ihrer Arbeit nicht stand und werden nicht selten arbeitsunfähig.

Zum Trost: Bevor wir ent-täuscht werden, müssen wir zunächst getäuscht sein. Für den Moment der Enttäuschung sollten wir also dankbar sein. Er befreit uns von einer selbstverschuldeten Leichtsinnigkeit.

Falstaff

Caesar73

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16

Dienstag, 8. September 2009, 08:58

Ich empfehle in solchen Gesprächen ein Gespräch mit Grundschullehrern oder Sozialarbeitern. Die müssen mit Desillusionierungen in ähnlichem Maßeklarkommen.


Das wäre sicher heilsam. Abgesehen davon hält der Lehrerberuf bei weitem nicht nur Desillusionierungen bereit (die gibt es selbstredend)- auch an Hauptschulen nicht- ich kenne genügend Kollegen die an Hauptschulen unterrichten. Abgesehen davon verbringe ich mit besagtem Pöbel einen Großteil meiner Zeit- und: dieser "Pöbel" vermag einen gar nicht so selten positiv zu überraschen. Probleme gibt es im Bildungsbereich genügend. Aber solche Polemiken kann man sich wirklich sparen. Sie gehen an der Realität deutlich vorbei.

Zitat

und sich irgendwann mit den Gegebenheiten abfinden müssen. Ansonsten halten sie oft der psychischen Belastung ihrer Arbeit nicht stand und werden nicht selten arbeitsunfähig.


"Abfinden" würde ich nicht sagen. Man muss einen gesunden Sinn für die Realitäten entwickeln: Was kann ich als Lehrer verändern und was nicht?

Herzliche Grüße, :wink: :wink:

Christian
Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

Cato der Ältere

17

Dienstag, 8. September 2009, 09:13

Wenn man gerade einen Desillusionierungs-Augenblick hatte, dann haut man schon mal laut auf den Tisch ... wenn man dann in der Erregung mit heißer Nadel einen Beitrag strickt, so wird das schnell zu einem wütenden Rundumschlag ... und das ist auch gut so, man muss ja seinen Ärger abbauen ... meistens sieht man die Sache am nächsten Morgen gelassener ... warum haut ihr dafür auf Duc herum? Ihr alle ward mal wütend oder enttäuscht und habt euch bei Anderen darüber ausgesprochen ... dabei habt Ihr sicher nicht jedes Wort genau daraufhin abgewogen, ob es vielleicht jemanden als beleidigend empfunden werden könnte ... und ihr habt dabei sicherlich ganz schrecklich verallgemeinert...

Fairy, Du empfiehlst auf einen Sandsack einzuboxen? Verbales Boxen kann einen ähnlichen Effekt haben ...

Dass die Polemik ein tolles Stilmittel sein kann, hat doch schon vor jahrzehnten Thomas Bernhard (ihr wisst schon, welchen ich meine...) bewiesen. Ihm wird auch gerne vorgeworfen, dass er in Rundumschlägen unangemessen verallgemeinert und beleidigend wird. Solche Kritiken gehen völligan der Sachevorbei...

(Sorry, Duc, dass ich hier über Dich wie über ein Beobachtungsobjekt schreibe...)

Flastaff

18

Dienstag, 8. September 2009, 09:18

"Abfinden" würde ich nicht sagen. Man muss einen gesunden Sinn für die Realitäten entwickeln: Was kann ich als Lehrer verändern und was nicht?


Ich würde noch weiter gehen: Gar nichts mehr verändern wollen...

Falstaff

19

Dienstag, 8. September 2009, 09:18

wie primitiv, ungebildet und dumm der Großteil der Bevölkerung ist - es ist eine Schande - man schämt sich fast Mensch zu sein.




Lieber Duc, das du einstecken kannst,hast Du mit deiner Antwort auf mich wirklich bewisen und das imponiert mir nun wieder!

Aber bei aller Wetschätzung Deines künstlerischen Idealismus und Deines schwierigen Lebenswegs kann ich solche Sätze wie oben einfach nciht unwidersprochen stehen lassen, denn die logischen Konsequenzen aus diesen Behauptungen sind das nackte Grauen! :o:

Was willst du mit dem Grossteil der Bevölkerung machen, derentwegen Du Dich schämst, ein Mensch zu sein?

In einen Zoo sperren und mit Pommes Currywurst und Bier füttern?



Ich bin anders als du der Ansciht, dass nciht die Kunst einen Menschen zum Menschen macht und das wir Kunstliebenden/Schaffenden da unbedingt von einem Ross heruntersteigen müssen.

Es gibt menschliche Werte, die wenig oder gar ncihts mit Ästheitk zu tun haben und die(für mich) über der Kunst stehen.

Die findest du bei einem Bäcker oder Metzger, der dich vielleicht in Deinem Kostüm als den grôssten aller lebenden Spinner ansehen würde und die Hauptschule mit Ach und Krach geschafft hat, genauso wie bei einem Kunstprofessor Deiner Akademie, der deine Initiativen (gottseidank) mitträgt und unterstützt.

Anders als Du habe ich Erfahrungen gemacht, dass man Menschen ohne jeden Zugang zur Kunst sehr wohl errecihen kann und zwar auf eine mehr als eindrucksvolle Weise.

Das spektakulärste Beispiel aus jüngster Zeit sind Initiativen mit Obdachlosen( hier in Lille), die Freikarten für Oper und Theater bekamen und so ergriffen waren, dass sie in Tränen aufgelöst aus der Vorstellung kamen.

Diese Leute, Alkoholiker und Verwahrloste, also Dein "Pöbel", hatten soetwas nie zuvor gesehen und unsereins wäre oft froh, wenn Oper noch eine solche Wirkung auf uns hätte!

Und wir müssen dennoch einfach akzeptieren und respektieren, dass man auch ohne unsere mit Herzblut geliebte Kunst glücklich und zufrieden als Mensch leben kann und damit noch lange nciht primitiv , dumm und pöbelhaft sein muss.



Ich wünsche dir natürlich, dass du genug Unterstützer und Förderer und Ermutiger auf deinem Weg findest.

Aber ob du mit dem Macchiavelli System letztlich besser durchs Leben kommen wirst, bezweifle ich.

Meine Erfahrung lehrt mch da zumindest Anderes.

Mit einem verhärteten Herzen wird niemand glücklich

Dass vor der Ent-Täuschung die Täuschung kommt, ist natürlich auch ein sehr wahres Wort.

F.Q.



Nachtrag zu Falstaff: wer solchee Polemiken schreibt muss mit Gegenpolemiken rechnen und tut das auch ! Da kann sich der Duc schon selbst verteidigen .

Das mit dem verbalen Box-Sack ist aber eine gute Replik! :thumbsup:
Gracias a la vida!

20

Dienstag, 8. September 2009, 09:40

Nachtrag zu Falstaff: wer solchee Polemiken schreibt muss mit Gegenpolemiken rechnen und tut das auch !Da kann sich der Duc schon selbst verteidigen .


Ich wollte den Duc keinesfalls verteidigen...! Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob man auf eine Polemik mit einer weiteren Polemik reagiert, oder ob man mit "Bei dieser zur Undifferenziertheit tendierenden Wortwahl könnte sich das eine oder andere Sensibelchen bedrängt fühlen"-Gutmenschen-Geschwätz zu kontern meint ;+).

Es wird Polemiken immer wieder vorgeworfen, dass sie polemisch sind...
Da schimpfe ich lieber auf den Himmel... der ist mal wieder blau...

Falstaff

21

Dienstag, 8. September 2009, 10:08

Lieber Falstaff, Sensibelchen halten es in Intenet- Foren ohnehin nciht aus, und wer ncihts vertragen kann, ist bei solchen Diskussionen fehl am Platze

Aber Gegereden zu Polemiken vom hohen Thron als Gutmenschen-Geschwätz abzutun und in den Himmel zu schauen ist immer eine SEHR bequeme Lösung.

Sich mit den Argumenten auseinanderzusetzen und mir zum Beispiel zu erklâren, wie ihr euren verdummten , primitiven Pöbel zu "entsorgen" gedenkt, wâre da schon viel heikler.....

Das ist jetzt auch polemsich und hier ist der Himmel auch blau. :fee:
Gracias a la vida!

22

Dienstag, 8. September 2009, 10:21

wie ihr euren verdummten , primitiven Pöbel zu "entsorgen" gedenkt,
Ich habe nicht von verdummtem, primitivem Pöbel gesprochen, das waren Andere. Ich sagte, dass ich Leuten versuche aus dem Weg zu gehen, die mich wegen meiner Kunstbeschäftigung herablassend angucken oder dafür, dass mir die Bundesliga-Ergebnisse vom letzten Wochenende nicht bekannt sind. Ich versuche sie nicht zu missionieren und sie nicht "entsorgen". Dafür will ich auch von ihnen nicht missioniert werden. Es sind viele Leute mit gesellschaftlichem Status darunter, die niemand als Pöbel bezeichnen würde. Es ist nicht herablassend oder elitär, jemandem aus dem Weg zu gehen.

23

Dienstag, 8. September 2009, 11:17

Zitat

Ich habe nicht von verdummtem, primitivem Pöbel gesprochen, das waren Andere. Ich sagte, dass ich Leuten versuche aus dem Weg zu gehen, die mich wegen meiner Kunstbeschäftigung herablassend angucken oder dafür, dass mir die Bundesliga-Ergebnisse vom letzten Wochenende nicht bekannt sind. Ich versuche sie nicht zu missionieren und sie nicht "entsorgen". Dafür will ich auch von ihnen nicht missioniert werden. Es sind viele Leute mit gesellschaftlichem Status darunter, die niemand als Pöbel bezeichnen würde. Es ist nicht herablassend oder elitär, jemandem aus dem Weg zu gehen.


ich sehe das sehr ähnlich, ich will überhaupt niemanden entsorgen. 8| Ich werde das in Zukunft ignorieren, wie bestimmte User hier.
"Pöbel" hat auch für mich eine andere Bedeutung, es ist da allein das Benehmen das ich meinte, nicht der soziale Status. Das ist warscheinlich falsch herüber gekommen.
Ich kenne sehr viele Obdachlose, oder arme Leute die außerordentlich höflich sind und mit anderen Menschen respektvoll umgehen - das ist für mich kein Pöbel.
Der soziale Status hat damit wohl eher wenig zu tun.
Ich habe dafür Leute in Chefetagen kennen gelernt, auf die diese Betittelung wesentlich besser passt.

ich kann nichts ändern, nur eben begreifen, dass es Menschen gibt, die keine Achtung vor nichts haben, die keinen Anstand haben, keine Ehre, keine Gefühle.
Ich bin da eben anders - und werde mich in Zukunft davon einfach fern halten.
Falstaff hat das schon ganz gut formuliert.

Für mich ist Kunst eben essentiell - dafür lebe ich.
Und alles was ich erwarte ist, dass man mich so leben lässt.
Aber das ist manchmal schon zuviel verlangt - aber ich werde nicht nachgeben :beatnik:

24

Dienstag, 8. September 2009, 13:29

Ich glaube, daß man den erweiterten Hintergrund der Ausbrüche des Duc letztlich nur diskutieren kann, wenn man die Relation weiter Teile der Gesellschaft im Allgemeinen zur Hochkultur betrachtet. Dieses Verhältnis kommt mir zunehmend neurotisch vor.

In vergangenen Zeiten, als die Hochkultur nur von bestimmten Zirkeln gepflegt wurde, die sich wiederum durch ihren sozialen Stand definierten, waren die Verhältnisse geordnet - aber zugleich auf bedenkliche Weise undurchlässig! Ich möchte nicht wissen, wieviele Bildungsbürger des bürgerlichen Zeitalters nur ins Konzert gingen, weil man halt ins Konzert ging, ohne eine echte emotionale Bindung zu der dargebotenen Musik entwickeln zu können.

Heutzutage ist die Gesellschaft sehr viel permeabler geworden, womit aber auch einhergeht, daß Leute in sozial durchaus höhergestellte Positionen kommen, deren Bildung nicht unbedingt dem Stand ihres Bankkontos entspricht. Umgekehrt gibt es sicherlich einige Intellektuelle, die sich materiell sehr mühen müssen. Dadurch entsteht jedoch eine merkwürdige Asymmetrie: die von mir erwähnte erste Kategorie trägt entweder die Populär- und Trivialkultur in Kreise, in denen diese früher eher wenig anzutreffen war, oder sie bemüht sich um eine (vermeintliche) Teilnahme an der Hochkultur. Da sie jedoch zu der herkömmlichen Form der Pflege der Hochkultur keine echte Bindung aufbauen können, brauchen sie das "Event", das ihnen die Hochkultur im Stil einer Sportveranstaltung nahebringt. Das Resultat sind dann Rieu, irgendwelche Operngalas oder halt Kasseler Museumsnächte.

Diese Konfusion führt m. E. dazu, daß diejenigen, die sich auf eher herkömmliche Weise mit der Hochkultur beschäftigen - also im Falle der Musik nicht zum LangLang-Open-Air rennen, sondern lieber ins Abo-Konzert oder in eine normale Opernvorstellung gehen und Aufnahmen sammeln - gerne als "Nerds", als schräge Vögel mit exotischer Vorliebe abgestempelt werden. Jemand mit 20 Michael-Jackson-CDs (davon 15 Best-ofs) gilt als "normal", jemand mit 10 Aufnahmen des Beethoven-Violinkonzertes hingegen als Exot.

Natürlich kann ich meine Meinungen nicht kulturwissenschaftlich untermauern, und vielleicht werden sie von einem Sachkundigen gleich gnadenlos auseinander genommen - so be it! Wenn ich mir anschaue, was für einen unglaublichen Quatsch manche Berufskritiker gegen Geld verzapfen, kann ich auch meine bescheidenen Ideen umsonst hier absondern. :D

LG :wink:
"Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

Caesar73

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25

Dienstag, 8. September 2009, 13:31

Ich würde noch weiter gehen: Gar nichts mehr verändern wollen...


Entspricht nicht meinem Berufsethos.

Wenn der Tag kommen sollte (woran ich nicht glaube) würde ich definitiv über einen Berufswechsel nachdenken. Dazu macht mir der Beruf aber definitiv zu viel Spaß. Was mich stört, sind nicht meine Schüler, was mich stört ist das Übermaß an Bürokratie.

Herzliche Grüße, :wink: :wink:

Christian
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Cato der Ältere

26

Dienstag, 8. September 2009, 16:12

Lieber Duc,

Enttäuschungen, die man hinausschreien könnte und dass man dies gelegentlich auch - mit etwas überzogenem Ergebnis - tut, kann ich persönlich gut verstehen und nachvollziehen.

Bei deiner aplompartigen Eröffnung des Threads und der Weiterführung hast du auch eine Menge von dir selbst preisgegeben, jedenfalls für mich wie ein offenes Buch. Das finde ich sehr mutig und weist dich als Menschen mit einem Charakterzug aus, der sich - hier um die Sache der Kunst - nicht darum schert, was die Mitwelt von einem hält.

Das imponiert an sich durchaus, war aber noch nie wirklich beliebt, um auch deine Freude an vergangenen und sehr vergangenen Zeiten anzustoßen, weder gestern noch vorgestern noch heute, nur mit dem Unterschied, dass man, so gepolt, heute "nur" ggf. böse Kommentare bekommt, während man "früher" von allen möglichen realen Ducs, Rois und deren Schergen wegen "großer Klappe" Stäupen, Kerker und sogar dem Tod bedroht war.

Allerdings: Wer sich im großen Rundschlag nur "auskotzt", muss auch bei den Wohlwollensten mit erheblichem Widerspruch rechnen und Publikumsbeschimpfung durch den Künstler bekam noch nie ungeteilten Applaus.

Es ist, wie auch Peter oben schon feststellte, zwar gar nicht o.k., Unterstellungen bezüglich der persönlichen Finanzierung des Künstlers abzulassen, aber Tatsache ist, dass die meisten Kunstprojekte öffentlich gefördert und somit von der "Allgemeinheit" finanziert werden. Das ist auch in Ordnung so, aber Pauschalschelte für das Volk, das kommt, ist doch eigentlich dann nicht so recht fair, oder?

Trotz "Auskotzens": Respekt vor "einfachen" Leuten ist genauso angesagt wie Respekt vor Künstlern (das sage ich als auch künstlerisch Tätige), den der "Prolet" ist es, der die Bühne aufstellt, die Bilder aufhängt, die Beleuchtung garantiert und das Drumherum in Gang hält, und froh kannst du sein, wenn solche Personen verfügbar sind (ich habe auch schon die Bühnenelemente mit aufstellen müssen, auf denen ich paar Stunden später gesungen habe).

Jede/r hat das Recht, Kunst so zu genießen, wie es ihr/ihm gefällt und ich erinnere gut und gerne an so manche befrackte Opernbesucher, die mit Buh - Gegröle wahrlich nicht sparen. Elitär und vornehm?

Du bist ein ernorm begabter und engagierter Mensch und würdest dir einen größeren Gefallen tun, wenn du souveräner herangehen würdest. Auch wenn du das unverschämt findest, aber ich geige dir hier meine ehrliche Meinung, entsprungen dem, was ich hier lese. Du kommst keinen Schritt weiter, wenn du nun den harten Verlauf dieser Diskussion nur auf die anderen User schiebst.



LG :wink:

Ulrica
Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)

Ramist

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27

Dienstag, 8. September 2009, 17:15

@ Duc de Berry

Soll ich es ein Glück nennen, dass ich schon viel früher aufgeklärt wurde? Soll ich?

Nein im Ernst: bei solchen Veranstaltungen wie Du sie besucht hast, wäre ich von grundauf skeptisch.

Was wirklich geht, weiß ich oder glaube ich zu wissen. Wir haben vor einem Jahr an einer musikalischen Führung durch die Eremitage von Bayreuth teilgenommen. Also ein wirklich kompetenter Herr führte durch den Park und an verschiedenen Stellen spielte ein Ensemble - nicht das Beste, nicht das Schönste Ensemble, aber es war nett! - und so ging man unter Erläuterungen zur Parkgeschichte und von musikalischer Station zur nächsten durch den Park. Die Gruppe umfasste vielleicht vierzig Besucher. Sowas wird was. Es ist niveauvoll und gut.

Der springende Punkt, mon Duc, das ist die Masse. Ich habe es immer wieder bestätigt gesehen. Wird eine angeblich kulturell hochwärtige Veranstaltung immer mehr aufgebläht, dann stehen irgendwann die Würstlestände im Schlosshof (wie in Rastatt einmal vor Jahren). Historisch gekleidete Hintergrundsbespaßung muss sich im Minimalfall davor hüten von Besuchern nicht den Senf auf den tausende Euro wertvollen Anzug gekleckert zu kriegen.

Insgesamt vermag ich daher Deinen Ärger nicht zu verstehen, weil ich aber auch schon früher meine Lehre aus Erfahrungen gezogen habe.

28

Mittwoch, 9. September 2009, 09:08

Man kann zu Kunstäusserungen stehen, wie man will und man kann die Kunstwerke des Duc gut und zukunftsträchtig finden oder nicht, aber man kann nicht hier so ad personam schreiben, wie das Thomas Deck getan hat.

Solche Angriffe gegen eine Person widersprechen den Leitlinien des Forums .

Zu den Kunstwerken des Duc gibt es einen eigenen Thread.

Kunst muss, will und darf provozieren und es ist sicher im Sinne des Duc wenn dort auch serh unterschiedliche Meinungen geäussert werden.

Der letzte Beitrag von Thomas Deck und alle Folgenden, die sich darauf beziehen, werden verschoben und nach Absprache mit den Modkollegen das weitere Verfahren entschieden .

F.Q.

Die Antwort des Duc habe ich erst nach Einstellen dieses Beitrags gelesen.

Wenn ihr trotz dieser serh persönlcihen Thematik weiter über das Thema diskutieren wollt, macht das bitte per PN aus und zieht dann- ohne die persönlichen Finanzen und die konkreten Lebensumstände einer Person öffentlich anzuprangern in den Kunstwerke-Thread um.

In diesem Forum wird sich aus Gründen der Nettiquette und des Grund-Respekts nciht gesiezt.

Dies bitte ich alle User zur kenntnis zu nehmen. Beiträge in denen das weiter getan wird, werden angemahnt und bei Renitenz gelöscht.
Gracias a la vida!

Caesar73

Weltenbummler

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29

Mittwoch, 9. September 2009, 09:14

Der Thread wurde vorläufig geschlossen und die letzten beiden Postings vorläufig in den unsichtbaren Bereich verschoben

Caesar73
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Cato der Ältere

30

Dienstag, 6. Oktober 2009, 19:24

wer austeilen will, sollte sich vorher informieren von was er redet ;+)

Ludwig II. hatte seine Schlösser allein aus seinem Privatvermögen bezahlt, an "Steuergelder" kam er gar nicht heran, den auch er bezog eine Art Gehalt vom Staat.
Ludwig II war kein absolutistischer Monarch, sondern hatte sich dem Parlament zu fügen und unterzuordnen.
Von einer Verschwendung von Steuergeldern zu sprechen geht also so ziemlich an den geschichtlichen Fakten vorbei.


Mit den Fakten hast du da natürlich recht, das weiß ich auch, aber wer bezahlte denn die gewaltige Apanage, die Ludwig vom Staat Beyern bekam? Natürlich die Steuerzahler und Untertanen. Das Geld, das er ausgab, war also durchaus Geld des Staates, nur scherte Ludwig sich ja kein Bisschen darum, wie groß denn seine Apanage vom Staat war, oder wie viel Privatvermögen er besaß, er gab einfach Geld aus, viel, viel mehr, als er in seiner privaten Schatulle hatte und viel mehr, als er vom Staat bekam. Nun musste aber der Staat für seine Schulden bürgen und irgendwann sahen die bayrischen Politiker ja nur noch die letzte Möglichkeit, ihren König für unzurechnungsfähig erklären zu lassen, weil sie nie im Leben die ganzen Schulden hätten bezahlen können, die Ludwig machte! Der König war kurz davor, sein Land in den kompletten Ruin zu treiben!
Im übrigen war Ludwig II. ja bei der Beschaffung neuer Gelsquellen nicht zimperlich. Gegen ein paar Millionen, die Bismarck ihm unter der Hand für sein neustes Bauprojekt zukommen ließ, war er dann auch schon mal bereit, seine Zustimmung zur Gründung des neuen Kaiserreiches zu geben und auf die bayrischen Ansprüche zu verzichten. Man kann die Konsequenz bewundern, mit der Ludwig II. seine Träume verfolgt und durchgezetzt hat, aber als Mensch und Politiker war er meiner Meinung nach eine schäbige Gestalt und machte eine ganz schlechte Figur auf dem Thron. So jemand soll als Vorbild taugen? :faint:
Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

31

Dienstag, 6. Oktober 2009, 20:52

ja natürlich ist das ein Vorbild - für KUNST - ich nehme ihn ja nicht als politisches Vorbild oder als Vorbild für mein Leben.

Das sollte man unterscheiden.


Ansonsten hat so ziemlich jeder Mensch, Künstler und Politiker etc. schäbige Seiten, wenn es danach geht, dann kann man sich niemanden zum Vorbild nehmen.


Bach hat wahrscheinlich seine Kinder geprügelt und sich nie die Zähne geputzt - Schande über jeden der sich an ihm orientiert, ihn spielt und seiner Musik lauscht.
Biber war ein Scheusal als Mensch, Lully ein Drecksack und Intrigant, Mozart ein Blödmann und Egoist und Beethoven ein Messi.

Na und - wo ist der perfekte Mensch, man zeige ihn mir.

Das ist doch Blödsinn mit solchen Argumenten zu hantieren.

32

Donnerstag, 8. Oktober 2009, 19:30

Ich würde Beethoven nicht als Nachbarn haben wollen und Bach nicht als Vorgesetzten, sicher nicht. Jeder Mensch hat schäbige Seiten und die großen Geister haben manchmal besonders schäbige. Darum ging es mir gar nicht, das finde ich selbstverständlich. Du scheinst mich, lieber Duc, ziemlich falsch verstanden zu haben.
Der Punkt, um den es mir von Anfang an ging, ist ein ganz anderer. Ich habe von klein auf vermittelt bekommen, das Schlösser und Burgen schön, überwältigend und faszinierend sind, dass Kunstwerke aus vergangenen Epochen Spaß machen, dass man aber bei der Betrachtung all dieser Pracht nie vergessen darf, dass sie von einigen Wenigen zu ihrem Vergnügen geschaffen wurde, die eine große Masse dafür bluten ließen. Fast jeder von uns, die wir hier über diese Kunstwerke staunen und diskutieren, hätte damals zu denen gehört, die die Pracht allenfalls von ferne hätten bestaunen dürfen, zu denen, die dafür ausgepresst wurde, dass diese ganze Opulenz, die wir heute frudig bestaunen, entstehen konnte. Ich habe das als Kind und Heranwachsender immer wieder so vor Augen geführt bekommen und ich glaube, dass es nicht schadet, sich dessen bewusst zu sein, wenn man heute die wunderbaren Werke vergangener Epochen bestaunt.
Man versteht nun vielleicht, dass es mir schon reichlich sauer aufgestoßen ist, hier zu lesen, wie jemand, der dieses rüchsichtslose Ausbeuten um die eigenen Dekadenz zu befriedigen (und ich meine "Dekadenz" jetzt nicht im kunsthistorischen Sinn, sondern im ganz profan negativen), auf einmal nicht nur verteitigt wird, sondern auch noch zum Vorbild erhoben im Umgang mit Kunst! Das diese haltung heute größtenteils ausgestorben ist (hoffe ich doch mal?), dem verdanke ich, der ich nicht aus einer adligen oder großbürgerlichen Familie komme, es doch gerade, dass ich überhaupt die Chance habe, so etwas wie Oper, Theater, Kunst und Kultur kennen zu lernen.
Ich hoffe, ich habe mich verständlich machen können, die Polemik des Duc, die völlig an dem vorbei geht, was ich sagen wollte (immerhin brachte ich mich so nicht getroffen fühlen :P ), konnte ich dann doch nicht ohne Erläuterung stehen lassen. Von mir aus können wir diese unersprießliche Kontroverse damit auch gerne beilegen, mit dem Thema des Threads hat sie ja nun auch nur am Rande zu tun.

Liebe Grüße,
Lars
Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

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