Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Micha« (19. Mai 2009, 20:05)





Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Micha« (18. Mai 2009, 01:26)
Mrawinskijs Name ist verbunden mit dem von Dmitrij Schostakowitsch. Nur: Schostakowitsch mochte Mrawinskijs Interpretationen seiner Symphonien absolut nicht, wenn man der "Zeugenaussage" glaubt. Schostakowitsch warf Mrawinskij vor, seine Werke im sowjetischen Sinn geradlinig zu dirigieren und nicht im russischen Sinn als Satiren. Tatsächlich kommt der hohle Jubel, das Forcierte der Triumphe, bei Kondraschin und bei Roschdestwenskij stärker zum Tragen. Aber so eindimensional scheinen mir Mrawinskijs Aufführungen keineswegs.
Hintergrund mag sein, daß Mrawinskij die Aufführung von Schostakowitschs heftig umstrittener Dreizehnter Sinfonie ablehnte. Das Werk ist ein Schlag ins Gesicht der Sowjets. Mrawinskij versuchte, sich und sein Orchester aus politischen Statements so weit als möglich herauszuhalten. Also lehnte er die Uraufführung ab. Und zog sich Schostakowitschs Groll zu.
Zitat
Am liebsten war mir jedoch die Interpretation von Jewgeni Mrawinski und der Leningrader Philharmonie. Das ist einer der besten Dirigenten, die ich je kennenlernte - er ist präzis, erkennt hervorragend die Intentionen des Komponisten und hat die seltene Gabe, genau und klug zu arbeiten. Er weiß stets, was er will, arbeitet ohne überflüssige Eile, geht dabei sehr methodisch vor und erreicht in jeder Probe hervorragende Ergebnisse.
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Edwin« (19. Mai 2009, 22:35)
Ich besitze die Brilliant-Box nicht, was z. T. damit zusammenhängt, dass ich diesen Veröffentlichungen etwas skeptisch gegenüberstehe, nicht zuletzt deshalb, weil Brilliant zu schlampigen Recherchen bis hin zu mehr als ärgerlichen Fehlinformationen neigt.
Zur Chatschaturjan-Sinfonie folgende Anmerkung: ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass Mrawinski all deinen Zweifeln zum Trotz doch der richtige Dirigent ist. Onno van Rijens Internetseite über sowjetische Komponisten kann man jedenfalls entnehmen, dass das Werk am 13. Dezember 1947 eben gerade von Mrawinski und den Leningrader Philharmonikern uraufgeführt wurde! Sollte es sich um eine Live-Aufnahme handeln, könnte es sich also sogar um einen Mitschnitt der Uraufführung handeln.

Zitat
(pardon, Edwin, daß ich bei der anglophilen Schreibweise bleibe!).
Hallo Micha,Zur Chatschaturjan-Sinfonie folgende Anmerkung: ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass Mrawinski all deinen Zweifeln zum Trotz doch der richtige Dirigent ist. Onno van Rijens Internetseite über sowjetische Komponisten kann man jedenfalls entnehmen, dass das Werk am 13. Dezember 1947 eben gerade von Mrawinski und den Leningrader Philharmonikern uraufgeführt wurde! Sollte es sich um eine Live-Aufnahme handeln, könnte es sich also sogar um einen Mitschnitt der Uraufführung handeln.
Lieber Holger,
das ist natürlich ein sehr wichtiger Hinweis! Ich habe mir das Monstrum (ein interessantes freilich, aber ein Monstrum) gerade nochmal ganz angehört, und tatsächlich: nach einer Viertelstunde, wenn es zum ersten Mal ein wenig ruhiger wird, hört man Live-typische Hust- und Scharrgeräusche. Da diese Symphonie aufgrund der Besetzung wahrscheinlich nicht so häufig gespielt wurde, kommt es mir doch recht wahrscheinlich vor, dass es sich hier um den Uraufführungs-Mitschnitt handelte.
Mal kurz grafisch dargestellt, wie die Dritte Symphonie von Khatchaturian ungefähr klingt:
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Grüße,
Micha
da trifft Deine Grafikdarstellung zu.
Dazu komme ich später nochmal. 1956 nahm Deutsche Grammophon mit ihm und den Leningradern in Wien die Symphonien 5 und 6 von Tschaikowsky auf (in Monoqualität), 1960 in London die Tschaikowskysymphonien 4 bis 6 in Stereo. Diese Aufnahmen waren ein großer Erfolg und galten als Dokumente eines völlig neuen Tschaikowskyverständnisses.

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Bei der Durchsicht der eingespielten Werke ist mir aufgefallen, dass auch die Sinfonien Nr. 2 von Wadim Salmanow enthalten ist, wozu ich ein paar Worte verlieren möchte. Salmanow war offensichtlich mit Mrawinski persönlich befreundet; er schrieb vier Sinfonien, die alle von Mrawinski und seinen Leningrader Philharmonikern uraufgeführt wurden - also quasi Musik für Mrawinski. Die Zweite ist wahrscheinlich die populärste, ich kenne indes alle: in der Tat ist die Zweite ein sehr hübsches Naturpoem über den Wald, ich höre sie gerne. Die Erste ist eher sowjetischer Standard von 1952 (dem Entstehungsjahr). Während Salmanow sich in der wesentlich moderneren Dritten an der Einbeziehung von Zwölftonreihen versucht (ich hatte dieses Werk eher trocken in Erinnerung, was ein erneutes Hören soeben zu widerlegen scheint), hat er in der Vierten wohl sein Meisterwerk geschaffen: eine Sinfonie, die von Abschiedsstimmung erfüllt ist, (in den Ecksätzen, der Mittelsatz ist teilweise etwas anders) suchende thematische Linien und als Kontrast eine einfache, aber sehr berührende Melodie, quasi das Ideal, das die Sinfonie zu erreichen strebt. Ich finde die überwiegend herbstlich-poetische Atmosphäre dieses Werkes jedenfalls sehr bewegend, wie auch der Musikwissenschaftler Mark Aranowski schreibt: "... gewebt aus den gleichen delikaten Farben wie der Leningrader Himmel bei einem sommerlichen Sonnenuntergang".
Die 2. Symphonie von Salmanov war für mich eine wirkliche Entdeckung. Kein überaus komplexes Werk, aber wirklich interessant anzuhören. Es erstaunt mich nicht, dass Mravinsky sich für diesen Komponisten einsetzte und alle seine Symphonien zur Uraufführung brachte. Bei dieser Aufnahme handelt es sich vermutlich um den in der Discographie gelisteten Stereo-Konzertmitschnitt von 1966.



Vielleicht von mir noch die kleine Ergänzung, dass es sich bei dieser letzten Studio-Aufnahme um die Sinfonie Nr. 12 von Schostakowitsch handelt, welche er mit den Leningrader Philharmonikern im Oktober 1961- kurz nach der Uraufführung des Werks - im Studio aufnahm.Zur gleichen Zeit hörte Mravinsky auch auf, Schallplatten aufzunehmen: seine letzte Studioaufnahme datiert von 1961.

Das ist eine sehr interessante Information. Schuberts "Unvollendete" in der Interpretation Mrawinskys ist schlichtweg ein Ereignis. Es gibt drei Aufnahmen dieses Werks von ihm: den Moskauer Mitschnitt vom 24.4.1959 (mit dem Staatlichen Sinfonieorchester der UdSSR, auch wenn der CD-Hersteller inkorrekterweise die Leningrader Philharmoniker nennt)Sein letztes Konzert mit den Leningrader Philharmonikern gab Evgeny Mravinsky am 6. März 1987, auf dem Programm standen Schuberts Achte und Brahms' Vierte Symphonie.
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