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Eponine

Queen of Pop - or was it the Witch?

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1

Sonntag, 11. April 2010, 20:19

The Fall

Da gestern Abend zum wiederholten Male angesehen, moechte ich hier mal einen Film vorstellen, der m.E. viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat: Tarsem Singh's "The Fall".
Einen Trailer gibt es hier: "http://www.youtube.com/watch?v=iO0LYcCoeJY" (Englisch) oder hier "http://www.youtube.com/watch?v=JKlwDoEhDs4" (Deutsch, gar merkwuerdig ;+) )

Ich kann natuerlich nicht beurteilen, wieviel man in Deutschland davon mitbekommen hat, aber hier war der relativ schnell aus den Kinos verschwunden. Wundert mich aber auch nicht wirklich. Umso mehr wuerde ich jedem, der wirklich gute, nicht nur plotmaessig, sondern auch visuell ansprechende Filme mag, dringend empfehlen, sich diesen Film anzusehen. Wenn es geht, sogar auf BluRay ;+)

Wie sieht es hier generell mit Spoilern aus, sind die hier eher unerwuenscht? Bevor ich den Film naemlich in aller Tiefe diskutiere (hofffentlich nicht im Alleingang, vielelicht hat's der Eine oder die Andere ja doch gesehen), will ich ja nicht zuviel verraten. Daher als Einstieg vielleicht nur mal ein Zitat aus Dimitrios Athanassious Kritik auf moviemaze (auch nur ein Auszug, eben wegen Spoileralarm ;+) ) :

Zitat

Wenn der Sturz einen nicht umbringt, so doch oft der Aufschlag. Wer beides überlebt, dem steht die schwierigste Herausforderung bevor: das Wiederaufstehen. Nach einem Unfall liegt Stuntman Roy mit zerschmetterten Beinen im Krankenhaus. Es ist ungewiss, ob er jemals wieder wird richtig laufen können. Und selbst wenn sein Körper mitspielt, seit ihn seine große Liebe verlassen hat, ist er ohne Lebensantrieb. Klingt nach einem Psychodrama, doch wenn auf dem Regielabel Tarsem Singh steht, sind visuelle "Orgien" vorprogrammiert. Für Fans bildgewaltiger Kompositionen besonders empfehlenswert.

Copyright by MovieMaze.de: The Fall - Film, Kino, DVD "http://www.moviemaze.de/filme/2777/the-fall.html#ixzz0kohb3ohr"
"You're so nice. You're not good, you're not bad, you're just nice.
I'm not good, I'm not nice, I'm just right. I'm the Witch! You're the world!"
(S. Sondheim/J. Lapine - Into the woods)

2

Montag, 12. April 2010, 00:28

Wie sieht es hier generell mit Spoilern aus, sind die hier eher unerwuenscht?


Spoiler sind laut irgendeiner Forenregel, die wir noch erfinden werden, folgendermaßen zu kennzeichnen:

SPOILER !!!

Oder ganz anders, aber ähnlich.
Heckspoiler in dunkelgrün, Geschirrspoiler in zartrosa.
Spoiler nach Athen tragen ist verboten.

audiamus für die Moder-Ration
"...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms

3

Montag, 12. April 2010, 01:43

Liebe Eponine,

The Fall ist nun derjenige von zwei Filmen des Regisseurs Tarsem Singh, den ich noch nicht kenne. Vorher hatte er ja The Cell gedreht, der mir leider unendlich auf die Nerven ging. Und das lag nicht einmal an Jennifer Lopez in der Hauptrolle, sondern an dem unbedingten Willen Singhs, jede einzelne Einstellung zu einem Gemälde machen zu wollen. Damit nahm er dem Thriller jedes Tempo, jede Ernsthaftigkeit und schuf eine ästhetische Distanz, die es unmöglich machte, auch nur annähernd mitfiebern zu können. Über The Fall weiß ich nur wenig. Ist der ähnlich artifiziell wie der Vorgänger? Spoilere hier gerne ein wenig herum, wenn's denn ausgewiesen wird. ;+)

Ein ähnliches Problem wie mit Singh hatte ich mit Darren Aronofsky: Nach einem starken Debüt mit Pi hat er mit Requiem for a Dream einen unglaublich guten Film gemacht, der zwar visuell sehr frisch war, aber die Story nicht durch eine verquaste Bilderwut zerstört hat. Dann aber folgte The Fountain , der in Cannes bei den Filmfestspielen hysterisch ausgelacht wurde. Zurecht, denn auch hier geriet das Maß zwischen Inhalt und Visuellem Gimmick in völlig absurder Weise aus dem Lot. Zum Glück hat Aronofsky dann aber mit The Wrestler wieder zu einer so unmittelbaren Bildsprache zurück gefunden, die den Streifen zu einem der großen, kraftvollen Film-Ereignisse 2008 gemacht haben.

LG
C.
„Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

Eponine

Queen of Pop - or was it the Witch?

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4

Montag, 12. April 2010, 16:57

Nachdem mir ein PN-Popup den Beitrag zerschossen hat, den ich gerade schrieb :cursing: , mache ich das jetzt lieber in Word, mal sehen, wann's fertig ist ....
"You're so nice. You're not good, you're not bad, you're just nice.
I'm not good, I'm not nice, I'm just right. I'm the Witch! You're the world!"
(S. Sondheim/J. Lapine - Into the woods)

Eponine

Queen of Pop - or was it the Witch?

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5

Montag, 12. April 2010, 18:30

So, zweiter Anlauf …

Die meterlange Synopsis, die ich im ersten Anlauf geschrieben hatte, lasse ich jetzt mal weg, das alles noch mal zu schreiben, dauert mir zu lange. Ist vielleicht auch gar nicht schlecht, dann kann sich jeder selbst aussuchen, ob er mit Spoilern leben kann oder nicht. Wer interessiert ist, kann sich ja die Zusammenfassungen auf Wikipedia oder IMDB durchlesen.

Lieber Carsten,

erst mal interessant, dass Du hier auch Darren Aronofsky ewaehnst, denn zwei der genannten Filme wuerde ich vielleicht auch an anderer Stelle ganz gerne diskutieren: “The Fountain” und “Requiem for a dream”. Dazu dann aber vielleicht wirklich anderenorts....

Ich kann schon gut verstehen, warum Dir der Zugang zu “The Cell” fehlt, so ganz meins war das auch nicht. Die “Traumsequenzen” (ich nenne sie jetzt einfach mal so, wobei sie weder im einen noch im anderen Film ja welche sind) sind schon in beiden Filmen recht aehnlich, da muss man sich nur die Trailer ansehen.

Waehrend ich die in “The Cell” aber teilweise wie Du stoerend fand, koennte ich mir ein Fortschreiten der Handlung und auch eine Entwicklung der Protagonisten in “The Fall” anders nicht vorstelllen. Davon mal abgesehen ist “The Fall” auch kein Thriller, wo es schon rein vom Handlungsstrang her schwieriger ist, solche Sequenzen einzubauen, ohne den Fluss zu stoeren.

SPOILER!!!!!! Kurz zusammengefasst geht es hier um einen Stuntman, der nach einem schweren Arbeitsunfall und privaten Verwicklungen den Lebensmut verliert und im Krankenhaus ein kleines Maedchen trifft, dem er eine Geschichte (noch dazu eine “epische” ;+) ) erzaehlt. Die “schoenen Bilder” entstehen ganz allein in der Phantasie des Kindes, daher finde ich sie auch aeusserst passend – wir haben es hier wirklich mit einem Maerchen zu tun. Die Geschichte wird immer dort unterbrochen, wo es am spannendsten ist, und auf diese Weise macht er sich das Kind bei seinen Selbstmordplaenen behilflich: Sie soll ihm Morphium stehlen, weil er angeblich nicht schlafen kann. Und klar, wenn er muede und unleidlich ist, kann er die Geschichte nicht weitererzaehlen. Alles dazwischen lasse ich jetzt mal aus, aber die Entwicklungen sind hier und da durchaus tragisch. Am Ende gibt es jedoch so etwas wie eine “Lichtung des Nebels”, naemlich wo die Erkenntnis einsetzt, dass man jemand anderen gefaehrdet hat, einem also klar wird, dass einem doch nicht alles egal ist, und dass allein die Kraft der Zuneigung zu einem anderen Menschen einem wieder Perspektiven geben kann. SPOILER beendet!!!!! :D

Ich sehe hier eine wirklich ergreifende Geschichte ueber Depression, Verzweiflung und schliesslich und endlich den Willen, sich daraus auch wieder zu befreien, anstelle sich einfach reinfallen zu lassen. Dass das nicht immer einfach ist, ist selbstredend und muss sicher gerade denen, die das schon selbst erfahren haben, nicht erklaert werden.

Nicht zuletzt ist es auch eine wunderbare Hommage an die Kraft der Phantasie, naemlich dort, wo das kleine Maedchen aktiv in die Erzaehlung eingreift und somit den Lauf der Dinge veraendert.

Man kann jeden Film ueberinterpretieren. Ich koennte jetzt hier von Jungschen Archetypen anfangen, und jedem der fuenf (oder sogar 6) Helden der Geschichte irgendeine Bedeutung zuweisen, die wieder auf de Hauptprotagonisten schliessen laesst. Ich denke mir, dass das wahrscheinlich sogar so gedacht war, SPOILER!!!!!!!! denn nicht zuletzt aus diesem Grund laesst Roy ja am Ende alle sterben. SPOILER beendet!!!!!

Was den Film fuer mich allerdings sehenswert macht ist, neben der visuellen Komponente, die sich fuer mich wohltuend von ueblichen Blockbuster-Kamerafahrten unterscheidet, v.a. die Leistung der beiden Hauptdarsteller. Lee Pace (kennen einige vielleicht aus “Pushing Daisies”) und Catinca Untaru spielen in den real-life-Sequenzen so natuerlich und unaufdringlich, dass es einfach nur Spass macht, zuzusehen. Da die weibliche Hauptdarstellerin sehr jung ist, ist da ganz viel mit Ad-libbing gearbeitet worden, und man kann einfach nicht anders als sich an der ganz besonderen Bindung, die da zwischen den Akteuren entsteht, zu freuen - es macht echt Spass, sich das anzusehen (mir jedenfalls ;+) ).

Ich wuerde auch drigend empfehlen, sich den Film auf Englisch anzusehen, wenn es irgendwie geht, denn vieles geht in der Uebersetzung verloren. Wenn einer der Helden der Geschichte z.B. als “Indian” bezeichnet wird, und Stuntman Roy damit eigentlich einen Indianer meint, wird er in Alexandrias Phantasie zu einem Inder, da sie auf der Orangenplantage mit eben solchen arbeitet. Solche Nuancen gehen in der Uebersetzung, wo es von vornherein ein “Inder” ist, einfach verloren.

Kurzum: Nervig fand ich an dem Film, im Gegensatz zu “The Cell”, eigentlich nichts. Sehr stimmig, sehr bewegend (dankenswerter Weise auf eine relativ unaufdringliche, unkitschige Art) und schoen anzusehen, wenn man sich auf die Bilder einlassen mag.
"You're so nice. You're not good, you're not bad, you're just nice.
I'm not good, I'm not nice, I'm just right. I'm the Witch! You're the world!"
(S. Sondheim/J. Lapine - Into the woods)

6

Montag, 12. April 2010, 22:12

SPOILER!!!!!! [...] SPOILER beendet!!!!!


Brav. :D
"...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms

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