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Mittwoch, 17. Juni 2009, 20:46

Filmland Iran

Persepolis (2007) von Marjane Satrapi

Der Film entstand nach Satrapis autobiographischen Comics und erzählt die Geschichte einer jungen Frau aus einer intellektuellen Teheraner Familie, die nach der islamischen Revolution 1979 und dem Beginn des Krieges zwischen Iran und Irak 1980 das Land verlässt, in Europa (Wien) aber nicht heimisch wird. Sie kehrt in den Iran zurück, schreibt sich an der Uni ein, heiratet, und gerät immer stärker in Konflikt mit den rigiden Verboten und Regeln der Sittenwächter, bis sie schließlich endgültig nach Europa emigriert. Satrapi lebt in Frankreich. Ihr Film "Persepolis" wurde bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Satrapi ist ein ungeheuer witziger und bewegender Film gelungen, ihre animierten Figuren wirken sehr menschlich und werden im Original von Chiara Mastroianni und ihrer Mutter Catherine Catherine Deneuve gesprochen. In der Synchronisation spricht die ebenfalls aus Iran stammende Schauspielerin Jasmin Tabatabai die Hauptrolle. Es ist einer der Fälle, wo mir die Synchronisation besser gefällt als die Originalstimmen.

:wink: Talestri
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Virginia Woolf, Jacob's Room

2

Mittwoch, 17. Juni 2009, 20:48

Die Farben des Paradieses von Majid Majidi

Ein sehr bewegender Film über einen kleinen blinden Jungen, der eine Blindenschule in Teheran besucht. Die Ferien soll er bei seinem Vater in den Bergen verbringen, aber der Vater schämt sich für seinen blinden Sohn, dass er ihn vor der Familie seiner zukünftigen Frau versteckt halten will. Daher trennt er ihn von Großmutter und Schwestern und gibt ihn in die Lehre zu einem Zimmermann.
Mohammed ist ein sehr begabter Junge, der die Blindenschrift beherrscht und die Kinder in der Dorfschule beeindruckt. Er hat eine große Sensibilität für Geräusche und Stimmungen der Tiere und der Natur. Diesem Jungen und seiner Welt nähert sich Majidi mit sehr viel Respekt und Liebe. Ganz fantastisch spielt der junge Darsteller des Mohammed. Eindrucksvoll auch die Landschaftsaufnahmen. Ein bewegender und trauriger Film, der mit einem Funken Hoffnung endet.

:wink: Talestri
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Virginia Woolf, Jacob's Room

3

Mittwoch, 17. Juni 2009, 21:11

"Mond Sonne Blume Spiel" von Claus Strigel
Sehr sehenswert, sehr ungewöhnlich ist der Dokumentarfilm von Claus Strigel über die große iranische Dichterin Forough Farrokhzad und einen kleinen, bildschönen und sehr begabten Jungen, den sie aus einem Lepradorf herausholt und adoptiert. Nach Foroughs frühem Tod kommt der Junge über England nach München, wo er heute als Übersetzer, Schriftsteller und Archivbote lebt. Nicht nur er, sämtliche iranische Gesprächspartner des Filmemachers sind nie über Foroughs Tod bei einem Autounfall 1967 in Teheran hinweggekommen.

http://www.denkmal-film.com/

"Die junge persische Dichterin Forough Farrokhzad macht sich 1962 auf den Weg ans Ende der Welt zu den Aussätzigen, um einen Film über deren Welt zu drehen. Ihr Film "Das Haus ist schwarz" sollte Weltruhm erlangen - und ganz nebenbei eine kleine Welt verändern. Die Welt eines kleinen Jungen, der ihr begegnen durfte.
Der Junge wird innerhalb einer Nacht aus der mittelalterlichen Welt des Lepraghettos in die Aufbruchsstimmung der vorrevolutionären Teheraner Boheme geschleudert.
Ein dokumentarisches Märchen, das in einem Nordiranischen Lepraghetto seinen Ausgang nimmt und auf verschlungenen Wegen ins Münchner Westend führt: Dort macht sich der iranische Exildichter Hossein Mansouri auf die Suche nach dem Jungen - und findet eine wahrhaft orientalische Geschichte über seine eigenen Wurzeln und die Zauberkraft der Worte."

:wink: Talestri
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Virginia Woolf, Jacob's Room

4

Donnerstag, 18. Juni 2009, 11:16

Zitat von mela:

Zitat

So gab es vor Jahren eine Reihe in der Bonner Brotfabrik mit Filmen weiblicher iranischer Regisseure, die das allgemeine Bild von einer schweigenden in Tschador gezwungenen und ansonsten stummen weiblichen Bevölkerung mindestens relativierte. Leider erinnere ich mich weder an die Namen der Regisseure noch an die der Filme.

Bei den weiblichen Regisseuren muss man auf jeden Fall die Frauen aus der Familie Makhmalbaf nennen.
Mohsen Makhmalbaf ist ein großer iranischer Regisseur, der trotz Zensur und Verboten lange Zeit im Iran drehte. Er gründete eine Filmschule, an der er auch seine Töchter unterrichtete. Und so kommt es, dass drei Regisseurinnen des Iran aus der Familie stammen: die Töchter Samira und Hana und Makhmalbafs Ehefrau Marzieh Meshkini.
Samira Makhmalbaf ist international bekannt und erfolgreich. Bereits ihr erster Film "Der Apfel", den sie mit 18 Jahren drehte, wurde bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt.
Ich möchte einen Kurzfilm Samiras empfehlen, ihr Beitrag zu dem Gemeinschaftsfilm

11'09"01 - September 11

[


Elf Regisseure hatten 11 Minuten, 9 Sekunden und 1 Frame Zeit, sich mit den Ereignissen des 11. September auseinanderzusetzen.
Die Regisseure sind: Claude Lelouch (Frankreich) Youssef Chahine (Ägypten), Danis Tanovic (Bosnien-Herzegowina), Idrissa Ouedraogo (Burkina Faso), Ken Loach (Großbritannien), Alejandro González Inárritu (Mexiko), Amos Gitaï (Israel), Mira Nair (Indien), Sean Penn (USA), Shohei Imamura (Japan) und Samira Makhmalbaf (Iran)
In ihrem Beitrag versucht eine Lehrerin in einem Lager im Iran afghanischen Flüchtlingskindern das 9-11 Ereignis zu erklären. Für die Kinder ist aber die größere Katastrophe, dass zwei Leute in einen Brunnen gefallen sind. Das 9-11-Ereignis wird von den Kindern sehr klug mit ihrem Verständnis von der Macht Allahs interpretiert und es wird deutlich, wie sehr es den islamischen Vorstellungen widerspricht.

:wink: Talestri
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pfuetz

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5

Donnerstag, 18. Juni 2009, 20:28

Und nicht vergessen dürfen wir

Abbas Kiarostami

der viele Filme über den Iran gedreht hat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Abbas_Kiarostami

Ein wenig bekannt bei uns in Deutschland wurden seine Filme:

1988: Wo ist das Haus meines Freundes? (Khane-ye doust kodjast?)
1992: Und das Leben geht weiter (Zendegi va digar hitch)
1994: Quer durch den Olivenhain (Zire darakhatan zeytun)
1997: Der Geschmack der Kirsche (Ta'm e guilass)
1999: Der Wind wird uns tragen (Bad ma-ra khahad bord)
2002: Ten





Gruß,

Matthias
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
"Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
"Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)

6

Samstag, 20. Juni 2009, 19:12

"Der Kreis" (2000) von Jafar Panahi



Jafar Panahi ist ein früherer Assistent und Schüler von Kiarostami. Wie bei einem Reigen werden in seinem eindringlichen Film "Der Kreis" Episoden aus dem Leben von sechs Frauen aus Teheran aneinandergereiht, denen gemeinsam ist, dass sie aus dem Gefängnis entlassen oder entlaufen sind, und, da schließt sich der Kreis, wieder ins Gefängnis kommen. Es sind aber keine Verbrecherinnen, sondern Frauen, die mit den strikten Sittengesetzen im Iran und mit deren Wächtern in Konflikt geraten sind. Die Frauen geraten in schier ausweglose Situationen, weil sie zum Beispiel allein ohne männliche Begleitung mit dem Bus fahren wollen, weil das Kind, das sie zur Welt bringen nicht wie gewünscht ein Junge, sondern nur ein Mädchen ist, weil sie ihr Kind nicht ernähren können und es deshalb aussetzen müssen, weil sie als Prostituierte arbeiten.
Fast im Stil eines Dokumentarfilms begleitet Panahi die Frauen. Ihre Geschichten, die nur angerissen werden, erhalten so große Realität. Panahis Film, der in Iran nicht öffentlich gezeigt wurde, lässt die Zuschauer hilflos zurück.
Der Film erhielt den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig.

2006 erhielt Panahi den Silbernen Bären in Berlin für den Film "Offside". Obwohl es ihnen verboten ist, versuchen sich Frauen Zugang zum Fussballstadion zu verschaffen, um ein wichtiges Spiel der iranischen Nationalmannschaft zu sehen. Sie werden verhaftet und beginnen, mit den Soldaten zu diskutieren. Hier der Kino-Trailer:
http://kino-zeit.de/filme/trailer/offside

:wink: Talestri
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Virginia Woolf, Jacob's Room

7

Freitag, 20. Mai 2011, 22:50

Jafar Panahis Offside

Zitat

Was ist das für ein seltsamer Junge, der da, auf dem Weg ins Stadion, ganz still zwischen all den lautstarken Fußballfans in der Ecke eines Busses sitzt? Sieht man genauer hin, kann man erkennen: Es ist gar kein Junge, sondern ein Mädchen, das sich verkleidet hat. Sie ist nicht der einzige weibliche Fan – auch im Iran gibt es immer mehr fußballbegeisterte Frauen. Doch bevor das Spiel beginnt, wird sie an einem Kontrollpunkt festgenommen und zu einer Umzäunung in der Nähe des Stadions gebracht.
Sie ist nur eine von vielen, mit der so verfahren wird. Denn sie trifft hier eine ganze Gruppe von Frauen, die sich als Männer verkleidet haben. Nach dem Spiel wird man sie der Sittenpolizei übergeben.
Aber vorher wird man sie quälen! Sie werden jeden Aufschrei der Zuschauer verfolgen, der aus dem Stadion dringt, ohne dass sie den entsprechenden Spielzug zu sehen kriegen. Und schlimmer noch: Sie müssen den Kommentaren eines Wachsoldaten zuhören, der nicht den geringsten Schimmer vom Fußball hat. Aber die jungen Frauen geben nicht auf! Was immer sie an Tricks auf Lager haben, wenden sie an, um das Spiel doch noch zu sehen.
Das soziale Dilemma, in das moderne iranische Frauen geraten können, hat Jafar Panahi in seinen vorangegangenen Filmen schon häufiger thematisiert. Diesmal erzählt er davon und von einem verletzten Frauenrecht in Form einer gewitzten Komödie.

Quelle: h**p://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20064227.pdf
Ich mag diesen Film, obwohl bzw. gerade weil ich überhaupt kein Fußballfan bin. Denn trotz des ernsten Hintergrunds bleibt die vielschichtige Geschichte bis zum Schluss kurzweilig und unterhaltsam. Es ist ein riesiges Vergnügen mitzuverfolgen, wie die Mädels, die ohnehin mehr Ahnung von Fußball haben als die männlichen Akteure, ihre Bewacher, die das gesellschaftliche System verkörpern, mehr und mehr bloßstellen. Herrlich!

...und Pahani dreht trotz des ihm auferlegten Berufsverbots offensichtlich weiterhin Filme. Respekt!

Meine Meinung: :klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch:

Viele Grüße
Frank
"...wird hier gebratscht?"

8

Sonntag, 3. Juli 2011, 07:45

Guten Morgen,
ich habe gestern den iranischen Film(mit frz. Untertiteln....) gesehen, der dieses Jahr in Berlin den goldenen Bâren gewonnen hat. Er heisst hier "une separation" müsste in deutsch also "Eine Trennung" oder so ähnlich heissen. Den Namen des Regisseurs muss ich erst suchen. Farahdi glaube ich. Hat jemand den film gesehen, bzw gibt es dazu hier einen Bericht und wenn ja wo?
Ich fand den Film ebenso überraschend wie hervorragend. Er hat mir vor allen Dingen gezeigt, wie erbärmlcih wenig ich von diesem Land , der Gesellschaft und den Menschen weiss. Die Handlung spielt sich zwischen zwei Familien ab, es gibt keinerlei Landschaftsaufnahmen, man sieht ausser ein paar Strassen so gut wie nichts von der Umgebung.
Eine Frau verlâsst ihren Mann, weil er nicht mit ihr auswandern und seinen an Alzheimer erkrankten Vater nciht allein lassen will. Die 11 jâhrige Tochter (sie wirkt in dem Film deutlich älter und reifer) bleibt vorläufig beim Vater, die Mutter zieht zu ihrer Mutter zurück. Eine Haushaltshilfe wird eingestellt, um den Vater zu "bewachen" und zu versorgen. die junge Frau ist streng islamgläubig und kommt ohne Wissen ihres Mannes mit ihrer kleinen Tochter. Sie ist schwanger, teilt das dem Arbeitgeber aber nicht mit. Die Arbeit mit dem alten kranken Mann ist zu schwer für sie und besonders bewegend fand ich die Szene wo sie ihren imam anruft um zu fragen ob es Sünde sei, den alten inkontinenten mann zu waschen udn die Situation als "Notfall" deklariert wird. ich will nciht alles erzählen, aber es kommt schliesslich zu gravierenden Problemen und die junge frau verliert ihr Kind udn klagt ihren Arbeitgeber an. Der Film beginnt vor dem Richter, grosse Sequenzen finden bei Gericht statt udn er endet auch vor dem Richter. Die Hauptleidtragenden bzw Identifikationsfiguren sind die Kinder.
Der Konflikt zwischen moderner sakularisierter Mittelschciht und strengreligiöser Unterschicht spielt eien grosse Rolle. Ich habe zwar die anderen Wettbewerbsfilme nciht gesehen, aber dieser Film hat seinen Preis gewiss verdient und mir eine Welt erschlossen, die ich überhaupt nciht kannte.
:fee:
Gracias a la vida!

9

Sonntag, 3. Juli 2011, 09:22

http://videos.arte.tv/de/videos/interview_mit_asghar_farhadi-3722354.html

pfuetz

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10

Montag, 24. Oktober 2011, 21:13

Copie conforme/Die Liebesfälscher

Gestern waren wir im Kino und haben uns Abbas Kiarostamis neuen Film "Die Liebesfälscher" angesehen. Wer "Wo ist das Haus meines Freundes?" oder "Und das Leben geht weiter" oder "Quer durch den Olivenhain" oder "Der Geschmack der Kirsche" oder "Der Wind wird uns tragen" oder auch "Ten" kennt, wird enttäuscht sein, wir jedenfalls waren es. Was in der kargen Landschaft des ländlichen Irans (oder im Auto in Teheran (in "Ten")) klappt, funktioniert in der Toskana nicht. Zwar spielen Juliette Binoche und William Shimell ganz wunderbar, und auch läßt Kiarostami wie gewohnt alle Fragen offen und uns damit die Chance, noch lange über seinen Film nachzudenken, dennoch ist hier, evtl. weil es "westlich" ist (?), zuviel "Gerede" im Spiel. Wo er in seinen Filmen im Iran die Landschaft oder die Handlungen oder auch einfach nur die Zeit, die vergeht oder verstreicht, wirken läßt, kommt hier zu viel Gerede, und damit zuwenig Zeit zum "Mitgenommen werden"/"Eintauchen können" in den Film. Zwar ist die Frage nach dem Wert der Kopie (ist die Kopie wertvoller als das Original?) spannend, auch ist die Frage, wie man eine aus den Fugen geratene Ehe wieder revitalisieren könnte, spannend, in Summe aber läßt der Film uns seltsam unberührt zurück. Liegt es daran, daß hier zuviel und zugleich zu wenig passiert? Ich weiß es nicht...

Hier Links zu Zeitungskritiken, die das alle anders sehen, evtl. haben wir uns da also getäuscht?

Die Süddeutsche: http://www.sueddeutsche.de/kultur/die-li…ebens-1.1161062
Frankfurter Rundschau: http://www.fr-online.de/film/-die-liebes…0,10997504.html
Die Zeit: http://www.zeit.de/2011/42/Film-Liebesfaelscher
FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ki…k-11489638.html
"Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
"Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
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