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Zwielicht

La saison nouvelle

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161

Montag, 11. Juni 2012, 17:59

oder liegt's an iTunes?


:yes:

Kannst Du nicht irgendwo mp3s o.ä. zum direkten Anhören bereitstellen?


Viele Grüße

Bernd
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Gurnemanz

Hilfsseemann

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162

Montag, 11. Juni 2012, 18:07

[...] liegt's an iTunes?
Was mich angeht: Ja. MP3 fände auch ich hilfreich.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

---
-¿Se trata de una cita? -le pregunté.
-Seguramente. Ya no nos quedan más que citas. La lengua es un sistema de citas.

Jorge Luis Borges

163

Montag, 11. Juni 2012, 20:25

Ich weiß halt nicht, wie legal das ist.. aber ich schick euch gleich einfach 'nen Link per PN.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

philmus

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164

Montag, 11. Juni 2012, 20:36

Mir auch, bitte bitte

Gruss
Herr Maria
.................................................................................................

Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
daß Alles für Freuden erwacht

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die Sommerzeit abgeschafft gehört.

165

Montag, 11. Juni 2012, 20:45

ich würde es mich auch sehr gerne anhören, feedback versprochen :wink:
immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
Darf man das? Ja, wenn man es kann.

166

Mittwoch, 8. August 2012, 22:21

Hat sich's eigentlich mal jemand angehört? *neugieriger Blick*

Inzwischen ist mein zweites Trio für Klarinette, Harfe und Cembalo uraufgeführt worden. MP3 gibt's nach der zweiten Aufführung, wahrscheinlich im Dezember.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

Zwielicht

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167

Mittwoch, 29. August 2012, 18:45

Hat sich's eigentlich mal jemand angehört? *neugieriger Blick*


Irgendwie hab ich's mal wieder verschwitzt :schaem:. Wird aber am Wochenende nachgeholt, großes Indianer-Ehrenwort!


Viele Grüße

Bernd
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Zwielicht

La saison nouvelle

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168

Sonntag, 2. September 2012, 18:48

mein Trio für Trompete, Posaune und 5 Pauken hören. :D

Es besteht aus drei Sätzen:

I Toccata
II Intermezzo
III Muuten Vain

Der erste Satz wird von den in der Paukenstimme durchlaufenden Sechzehnteln beherrscht, worüber sich der Blechbläsersatz in mehreren Steigerungswellen verdichtet. Die Gegenüberstellung der verschiedenen Register in allen Instrumenten grenzt Formteile voneinander ab. Nur ein Posaunensolo durchbricht das starre Metrum und die Allgegenwärtigkeit der Pauke für einen kurzen Moment.

An zweiter Stelle steht ein lyrischer Zwischensatz, in dem die Trompete melodieführend agiert. Zwei Solopassagen (für Posaune und Pauke) fungieren quasi als "Couplets".

Der dritte Satz gibt sich - der Beginn ist dafür bezeichnend - weniger seriös, nistet sich überraschend in Cis-Dur ein, der Groove mündet in eine Höllenfahrt für alle drei Instrumente (aber inbesondere die Trompete) und findet letztendlich wieder nach Cis-Dur zurück, welches sich nun durch ein Zitat Legitimation verschafft. Die Musik kippt ein weiteres und letztes Mal über und endet still.

Die Paukenstimme ist so schwer, dass sie vom Prof gespielt werden musste, der Jahrzehnte lang Solopauker war und meinte, es sei die schwerste ihm je untergekommene Paukenstimme (nichtsdestotrotz hat er sie in einer Woche gelernt). Für die nächste Aufführung werde ich die Paukenstimme ein wenig abspecken, damit auch andere sie spielen können. :evil:


Ich hab's mir jetzt dreimal angehört, zweimal mit Noten, einmal ohne. Das meiste, was Du schreibst, kann ich gut nachvollziehen. Die motorische Energie der Toccata gefällt mir gut, bei einer richtig präzisen Aufführung könnte das vielleicht richtig mitreißend sein (ich kann das ja nicht beurteilen, aber es scheint mir für alle drei Instrumentalisten extrem schwierig zu sein - Respekt!). Angesprochen hat mich auch das langsame Verebben des letzten Satzes (und die "Schlusspointe") - hier ist auch mal für den Hörer Zeit zum Atemholen, sonst geht es meist recht wuselig zu. Die Kontraste zwischen den Sätzen, insb. zwischen 2 und 3, könnten vielleicht größer sein - oder ist das so beabsichtigt?

Ich lehn mich mal aus dem Fenster: Irgendwie hat das Werk etwas Neoklassizistisches an sich - klar, wegen der Toccata, aber auch sonst mit der relativ klaren Gliederung.

Klarinette, Harfe und Cembalo interessiert mich auch. Eine Vorliebe für ungewöhnliche Instrumentalkombinationen kann man Dir ja nicht absprechen. :D


Viele Grüße

Bernd
Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)

169

Sonntag, 2. September 2012, 21:33

Danke für dein Feedback, Bernd!

Die Kontraste zwischen den Sätzen, insb. zwischen 2 und 3, könnten vielleicht größer sein - oder ist das so beabsichtigt?


Mit der Meinung bist du nicht alleine! Hab ich schon öfters zu hören bekommen. Für mich sind die beiden Sätze völlig unterschiedlich, aber ich kann gut verstehen, dass sie in mancher Hinsicht ähnlich wirken.

Ich lehn mich mal aus dem Fenster: Irgendwie hat das Werk etwas Neoklassizistisches an sich - klar, wegen der Toccata, aber auch sonst mit der relativ klaren Gliederung.


Würde ich zustimmen! Aber das andere Trio ist noch klassizistischer (und romantischer zugleich)... :D

Klarinette, Harfe und Cembalo interessiert mich auch.


Ich kann dich ja noch mal drauf hinweisen, wenn's wieder aufgeführt wird.

Vielen Dank fürs Anhören!
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

170

Sonntag, 2. September 2012, 22:04

Ich weiß halt nicht, wie legal das ist.. aber ich schick euch gleich einfach 'nen Link per PN.
Ich hätte den Link zum Pauken/Blechtrio auch gerne mal...
wellen unterschiedlicher frequenz und töne verschiedener höhe

171

Montag, 3. September 2012, 00:53

Ich hätte den Link zum Pauken/Blechtrio auch gerne mal...


Bitte auch an mich und, wenn noch möglich, bitte auch den für den Streichquartettsatz, den ich bislang irgendwie übersehen habe.

:wink: Matthias

172

Mittwoch, 14. November 2012, 19:01

Konzert für Horn und Orchester:

http://www.bernardynet.de/hornkonzert.pdf

(Auf der fehlenden S. 37 wird noch die Kadenz fortgesetzt werden)
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simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

173

Dienstag, 12. März 2013, 18:59

Biete: Capriccio für Klarinette solo, eingespielt von E. B. (Aufnahme per PN)

Noten:
http://www.bernardynet.de/capriccio.pdf

Außerdem: Aufführung des Hornkonzerts am 22. + 23. März in Karlsruhe, wer in der Nähe ist und kommen möchte ist herzlich eingeladen! ;+)
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simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

174

Sonntag, 24. März 2013, 12:16

Aufnahme des Hornkonzerts vom Konzert gestern:

http://www.dgsp-rheinland-pfalz.de/Hornkonzert.mp3

Noten siehe oben. Die Kadenz ist übrigens improvisiert worden.

Orchester: Junge Philharmonie Karlsruhe
Dirigent: Georg Köhler
Solist: Claudio Monteiro
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

175

Sonntag, 24. März 2013, 13:19

Wow, gefällt mir ziemlich gut. Ich werde wohl meinen bisherigen Standpunkt bzgl. Neuer Musik ein wenig überdenken müssen. Tolle Arbeit!

176

Montag, 25. März 2013, 17:10

Danke, Jürgen!

Hier noch zwei Fugen:

Klapperschlangenfuge:

http://www.bernardynet.de/fuge1.mp3
http://www.bernardynet.de/klapperschlangenfuge.pdf

Marschtrillerfuge:

http://www.bernardynet.de/Marschtrillerfuge.mp3
http://www.bernardynet.de/Marschtrillerfuge.pdf
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

177

Montag, 25. März 2013, 20:08

Hallo ralphb,

wo finde ich denn bitte das Oboenkonzert von der ersten Seite dieses Fadens zum Anhören ?
Ich bin anscheinend blind :schaem:
Viele Grüße - Allegro

Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)

178

Montag, 25. März 2013, 21:58

Hi Allegro,

das Oboenkonzert ist uralt und es gibt auch keine Aufnahme davon. Vergiss es einfach. ;+)
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

179

Montag, 25. März 2013, 22:56

Ralph hat in seiner typischen Bescheidenheit den Applaus nach dem Hornkonzert weggeschnitten, der ziemlich mächtig war! (..nicht nur ich habe ein ernstgemeintes Bravo in den Saal geschleudert.. :thumbsup: ) ..und mehrere Leute sagten mir danach das übliche Sprüchlein auf: "Neue Musik ist nicht so meins, aber das..." :prost:

180

Montag, 25. März 2013, 23:19

Mir ist Ralphs ganze Art zunächst einmal grundsympathisch, und dementsprechend lese ich seine Capriccio-Beiträge immer wieder sehr gerne.

Aber es hilft alles nix: Im vorhin via Link gehörten Hornkonzert kann ich beim besten Willen nichts anderes als eine wilde Agglomeration von instrumental erzeugtem Lärm erkennen. Davon, dass dem Werk dennoch ein genau bedachtes Formkonzept zugrunde liegt, bin ich überzeugt, aber dieses Konzept kann ich auf einem akustischen Weg noch nicht einmal erahnen. Von der formalen Ebene abgesehen spricht mich die Musik auch rein emotional nicht im Geringsten an, bringt spontan nicht das kleinste Saitchen in mir zum Schwingen

Sorry, sorry - isse so und nicht anders! :schaem:

Ralph dürfte es aber auf Dauer nicht weiterhelfen, wenn er nur positive Einschätzungen seines derzeitigen Kompositionsstils erhält, oder?

:hide: :hide:

Bernd

andréjo

sanfter Spötter

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181

Dienstag, 26. März 2013, 00:36

@ Hornkonzert

Geht es zu weit, ein wenig Richtung Hans Werner Henze anzusetzen? Dabei meine ich den modernen, noch nicht so sehr den schon eher postmodernen. Keine ganz leichte Kost, aber jedenfalls gekonnt. Der Versuch, die Partitur mitzuverfolgen, hat mich allerdings leider überfordert.

:wink: Wolfgang
He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

182

Dienstag, 26. März 2013, 20:56

Also, ich hab's mir jetzt noch ein paar mal angehört und ich muss sagen, es gefällt mir immer mehr. Von einer wilden Agglomeration von Krach kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, man hat zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass er genau weiß, was er tut. Ich kenne genug Stücke, die in die Kategorie "sinnloser Krach" einzuordnen sind, aber das hier bestimmt nicht. Für mich klingt es nach einer Art Programm-Musik. Es weckt jetzt vielleicht nicht die großen Emotionen, aber auf jeden Fall Assoziationen. Da ist z. B. eine starke Stelle zwischen 04:25 und 05:20. Für mich klingt es da, wie wenn ein Bär einschläft. Und bei 05:15 wird er dann abrupt aus dem Schlaf gerissen und wütet herum. Man kann natürlich auch andere Assoziationen haben, aber auf jeden Fall ist das ziemlich gut gemacht. Respekt.

183

Dienstag, 26. März 2013, 21:41

Zitat

Also, ich hab's mir jetzt noch ein paar mal angehört und ich muss sagen,
es gefällt mir immer mehr. Von einer wilden Agglomeration von Krach
kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, man hat zu jedem Zeitpunkt das
Gefühl, dass er genau weiß, was er tut. Ich kenne genug Stücke, die in
die Kategorie "sinnloser Krach" einzuordnen sind, aber das hier bestimmt
nicht.
Schliesse mich dem an.
Das Werk hat für mich einen klar durchdachten dramaturgischen Rahmen.
Die eingesetzten Effekte sind für mich sinnvoll......ok, habe die Partitur nicht gelesen, aber Mikrotonalität z.B. kommt vor........

Der Anfang war überwältigend gut, ich müßte mir das Werk nochmal anhören, um mir ein Urteil erlauben zu können, aber der Ersteindruck ist sehr gut.
Ich habe erstmal keine Assoziationen, aber ich fühle mich auch nicht verarscht wie bei sehr vielen anderen neueren Werken!

Und das ist als Kompliment gemeint!
"Lassen Sie es nicht so enden. Sagen Sie, dass ich etwas gesagt hätte."
Pancho Villa (1878 - 1923)

184

Sonntag, 31. März 2013, 22:41

Danke für eure Kommentare!

Bernd, Einschätzungen in jeder Richtung helfen mir insbesondere dann, wenn sie über das schlichte "gefällt mir/gefällt mir nicht" hinausgehen! Für mein nächstes Stück habe ich mir tatsächlich vorgenommen, den "Lärmpegel" etwas zu reduzieren und subtilere Mittel zu verwenden.

Das Werk in Arbeit (siehe Ausschnitt) ist dieses Mal besonders tricky sowohl für mich als auch für die Interpreten. Gute, dass ich eine vorzügliche Metronom-App auf dem Handy habe...

Für mich klingt es da, wie wenn ein Bär einschläft.


Lustigerweise habe ich dem Hornisten in einer Probe zur Stelle unmittelbar vor dem von dir erwähnten ff-Einsatz des Orchesters bei 5:15 gesagt, er soll klingen wie ein Bär. :thumbsup:
»ralphb« hat folgendes Bild angehängt:
  • trio.gif
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

185

Sonntag, 31. März 2013, 23:27

Das Werk in Arbeit (siehe Ausschnitt) ist dieses Mal besonders tricky sowohl für mich als auch für die Interpreten.


Rein optisch macht das ja schon was her. Ich hoffe, wir bekommen das auch zu hören. Bin schon neugierig.

186

Montag, 1. April 2013, 00:48

Zitat

Rein optisch macht das ja schon was her


Tja, es mag zwar rein optisch was hermachen, aber ich möchte - um bei der Ehrlichkeit zu bleiben - einen solch kruschteligen Notentext, obwohl ich irgendwann einmal Musik studiert habe, nicht ums Verrecken spielen müssen! In keiner der Stimmen! Für mich wäre das eine Art von Höchststrafe.

Ralph, gehts denn nicht etwas weniger verquast? Kannst du das, was du zum Ausdruck bringen möchtest, nicht in eine tendenziell übersichtlichere und eventuell sogar spielbarere Form gießen?

Das Verhältnis von Form und Inhalt.....ein Dauerbrenner in der Geschichte des Künste....

Nix für ungut und beste Grüße

Bernd

187

Montag, 1. April 2013, 01:18

Tja, es mag zwar rein optisch was hermachen, aber ich möchte - um bei der Ehrlichkeit zu bleiben - einen solch kruschteligen Notentext, obwohl ich irgendwann einmal Musik studiert habe, nicht ums Verrecken spielen müssen! In keiner der Stimmen! Für mich wäre das eine Art von Höchststrafe.

Das kann ich voll nachvollziehen. Da würde mir auch die allervorzüglichste Metronom-App nichts mehr nützen. Aber solange es Leute gibt, die das spielen können, soll's mir recht sein.

Grundsätzlich sehe ich es auch kritisch, wenn Komponisten Noten produzieren, die aussehen wie Quantenphysik, aber musikalisch kommt kaum was 'rüber. Was aber bei dem obigen Stück von Ralph musikalisch herauskommt, kann ich anhand des Notenbildes kaum sagen. Darum bin ich ja neugierig.

188

Montag, 1. April 2013, 11:08

Kannst du das, was du zum Ausdruck bringen möchtest, nicht in eine tendenziell übersichtlichere und eventuell sogar spielbarere Form gießen?


In der Tat empfinde ich ein zu eingeschränktes rhythmisches Raster momentan als dem Ausdruck hinderlich.

Ich bin vorgestern über einen schönen Satz von Schönberg gestolptert (in seinem Text "Franz Liszts Werk und Wesen" von 1911):

"Dadurch erklärt sich einerseits das, was jedem Künstler als »ungelöster Rest«, als Differenz zwischen seinem Ausdrücksbedürfnis und seinem Darstellungsvermögen bekannt ist, andererseits das Formbedürfnis, welches durch Einheitlichkeit in der äußern Erscheinung die Lücken und Mängel der inneren verkleidet."

Ein rhythmisches Korsett von etwa 32teln und deren Vielfachen stellt für mich eine von der äußeren Erscheinung aufgezwungene, also nicht von innen heraus kommende Einheitlichkeit dar.
Wenn man jemanden, der sich von allen Fesseln der Konvention gelöst hat, frei improvisieren lässt: allein dem inneren Ausdrucksbedürfnis folgend, wird ein - würde man es nachträglich versuchen zu notieren - rhythmisch höchstkomplexes Gebilde entstehen. Es wäre so komplex, dass niemand es genau so wiedergeben könnte (wie auch nie ein Form aus der Natur exakt reproduziert werden kann). Dieser Utopie des im Moment organisch Entstandenen versuche ich nachzugehen - gegenüber diesem ist meine Notation eine extreme Vereinfachung, und zwar (im Idealfall genau) so weit, dass man es - wie ich glaube - als Musiker noch im Fluss nachempfinden und ausführen kann (die Ausführung muss ja wiederum organisch sein). Die Klarinetten- und Geigenstimme auf der abgebildeten Seite empfinde ich als unproblematisch, den Rhythmus der Cellostimme muss man mit Sicherheit ein bisschen üben... Oder habe ich da eine verzerrte Perspektive?

[/Geschwall]
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simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

189

Montag, 1. April 2013, 12:53

Dieser Utopie des im Moment organisch Entstandenen versuche ich nachzugehen - gegenüber diesem ist meine Notation eine extreme Vereinfachung, und zwar (im Idealfall genau) so weit, dass man es - wie ich glaube - als Musiker noch im Fluss nachempfinden und ausführen kann

Wenn ich das richtig verstehe, dann entstehen deine Stücke im Wesentlichen durch Improvisation, wobei sich rhythmische Strukturen ergeben, die noch komplexer sind, als das was wir oben gesehen haben, so dass du sie dann zwecks Ausführbarkeit noch vereinfachst. Ist das in etwa die Vorgehensweise? Wenn es so ist, dann wird wohl der zeitaufwändigste Teil der ganzen Arbeit darin bestehen, über die Notation nachzudenken.

Dem Schönberg-Zitat kann ich mich (wie so vielem, das Schönberg gesagt hat) nicht anschließen. Die Form eines Stückes ist nicht dazu da, um inhaltliche Mängel zu verkleiden, sondern wird benötigt, um aus einer Ansammlung von musikalischen Ideen überhaupt erst ein geschlossenes musikalisches Stück entstehen zu lassen. Und wenn inhaltliche Mängel vorhanden sind, sprich langweiliges musikalisches Material, kann auch der durchdachteste formale Aufbau nichts mehr retten, d. h. da gibt's dann also auch nichts mehr zu verkleiden.

190

Montag, 1. April 2013, 13:05

Zitat

Die Klarinetten- und Geigenstimme auf der abgebildeten Seite empfinde ich als unproblematisch,


Ich spiele das Instrument zwar selber nicht, aber den meisten Klarinettisten dürfte sich diese Stimme mit ihren weiten Sprüngen in Verbindung mit extremen Dynamikwechseln alles andere als "unproblematisch" darstellen. Ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass sie rattenschwer zu spielen ist.

Und zu den enormen spieltechnischen Anforderungen kommt ja dann noch, dass man die drei Stimmen rhythmisch einigermaßen unter einen Hut bekommen muss.

Literatur, die mich vor so enorme Schwierigkeiten (unter anderem auch lesetechnischer Art) stellt, fasse ich zugegebenermaßen freiwillig erst gar nicht an. Und bei den meisten mit mir befreundeten Profimusikern sieht das kaum anders aus.

Aber diese Diskussion hatten wir ja schon mal.....nix für ungut!

Beste Grüße

Bernd

191

Montag, 1. April 2013, 13:09

Wenn ich das richtig verstehe, dann entstehen deine Stücke im Wesentlichen durch Improvisation, wobei sich rhythmische Strukturen ergeben, die noch komplexer sind, als das was wir oben gesehen haben, so dass du sie dann zwecks Ausführbarkeit noch vereinfachst.


Das war jetzt sehr überspitzt formuliert. Improvisation ist natürlich im Sinne von kreativer Spontanität zu verstehen, nicht unbedingt Improvisation am Instrument. Ich versuche oft, mir zu überlegen, wie ich das, was ich mir klingend vorstelle, unverstellt - also ohne durch die Zwänge der Notation "abgestumpft" - bewahren kann.
Schönberg hat übrigens auch gesagt, dass Komposition verlangsamte Improvisation ist. Erstrebenswert wäre es aber doch, beim Komponieren die Vorzüge der Improvisation im engeren Sinne (also derjenigen im "Originaltempo") beizubehalten, soweit es geht.

Schönberg meint natürlich nicht Form überhaupt, sondern Formalismus. Das, was ausgedrückt werden soll, soll sich selbst seine Form schaffen.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

192

Montag, 1. April 2013, 13:20

Ich spiele das Instrument zwar selber nicht, aber den meisten Klarinettisten dürfte sich diese Stimme mit ihren weiten Sprüngen in Verbindung mit extremen Dynamikwechseln alles andere als "unproblematisch" darstellen.


Die wird derselbe Klarinettist spielen, der mein weiter oben gepostetes Klarinetten solo gespielt hat. Der hat an solchen weiten Sprüngen und extremen Dynamikwechseln (wie überhaupt aus meiner Erfahrung viele Klarinettisten) seine Freude. ;+)

Und zu den enormen spieltechnischen Anforderungen kommt ja dann noch, dass man die drei Stimmen rhythmisch einigermaßen unter einen Hut bekommen muss.


Dem kommt zugute, dass alles im 3/4 Takt mit gleichbleibendem Tempo notiert ist.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

193

Montag, 1. April 2013, 13:52

Schönberg meint natürlich nicht Form überhaupt, sondern Formalismus. Das, was ausgedrückt werden soll, soll sich selbst seine Form schaffen.

Ach so, ja, das habe ich missverstanden. Du willst sagen, dass der Formalismus, den er geschaffen hat, also seine Art zu komponieren, nicht aus irgend einer Idee heraus entsprungen ist, sondern das Ergebnis dessen ist, was er mit der Musik ausdrücken wollte. Das leuchtet ein.

194

Samstag, 6. April 2013, 00:41

Ich hab jetzt noch eine Aufnahme vom Konzert bekommen, die um ein Vielfaches besser (weniger tiefenlastig, viel transparenter!) ist als meine! Sie ist jetzt unter dem gleichen Link (http://www.dgsp-rheinland-pfalz.de/Hornkonzert.mp3) verfügbar.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

195

Samstag, 6. April 2013, 12:20

Ich hab jetzt noch eine Aufnahme vom Konzert bekommen, die um ein Vielfaches besser (weniger tiefenlastig, viel transparenter!) ist als meine!

Ich weiß nicht so recht, ich hab' die erste Aufnahme besser in Erinnerung. Aber ich habe natürlich jetzt keinen direkten Vergleich mehr. Weniger tiefenlastig sagst du, hmm... für mich klingt es nun eher etwas zu flach. Auch ein paar Details aus der ersten Aufnahme finde ich hier nicht mehr so recht. Bei meiner Lieblingsstelle, dem "einschlafenden Bär", meinte ich auf der ersten Aufnahme zu hören, dass im Hintergrund jemand leise kichert. Ich fand' das nett. Fehlt aber hier. Ist natürlich nicht so wichtig, ich würde aber wahrscheinlich trotzdem die erste Aufnahme bevorzugen. Müsste noch mal vergleichen. Wird man das Stück käuflich erwerben können?

196

Sonntag, 7. April 2013, 11:23

Hi Jürgen, ich kann dir ja wenn du möchtest die erste Aufnahme nochmal zuschicken.
Käuflich erwerben können wird man es nicht. Aber vielleicht habe ich Glück und kann es im Herbst nochmal aufführen. Dann würde ich aber nochmal Bescheid geben.
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simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

197

Sonntag, 7. April 2013, 12:06

Hi Jürgen, ich kann dir ja wenn du möchtest die erste Aufnahme nochmal zuschicken.

Das wäre schön. Ich hab' dir eine PM mit meiner Email geschickt.

Käuflich erwerben können wird man es nicht. Aber vielleicht habe ich Glück und kann es im Herbst nochmal aufführen. Dann würde ich aber nochmal Bescheid geben.

Dann werde ich auf jeden Fall zusehen, dass ich komme. Ich hatte es mir auch jetzt schon überlegt, ob ich hinfahren soll, aber dann dachte ich mir "Och nö, 'Neue Musik', das wird wahrscheinlich wieder ziemlich grauslich". So kann man sich irren. Ich würde das Stück aber auch gar nicht unbedingt unter dem Etikett "Neue Musik" einordnen. Zumindest nicht unter dem, was ich bisher darunter verstanden habe.

198

Sonntag, 7. April 2013, 12:12

Was verstehst du denn unter Neuer Musik?

Kann dir die Aufnahme am Dienstg schicken, dann bin ich wieder daheim!
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

199

Sonntag, 7. April 2013, 13:46

Kann dir die Aufnahme am Dienstg schicken, dann bin ich wieder daheim!

Danke schön!

Was verstehst du denn unter Neuer Musik?

Na ja, ich will ja jetzt niemandem zu nahe treten, aber meine bisherige Definition von 'Neuer Musik' war wie folgt: Schräge Töne ohne Sinn und Verstand.

Ich habe ja absolut nichts gegen Dissonanzen oder dissonante Klangstrukturen, aber man sollte halt beim Anhören der Musik immer das Gefühl haben, dass sich der Komponist was dabei gedacht hat. Dass er also das was er da tut unter Kontrolle hat und dass die Noten und Artikulationen, die er da hinschreibt einen bestimmten Zweck erfüllen. Es gibt aber unzählige Stücke in diesem Genre (oder was ich dafür halte), wo sich bei mir eher der Eindruck einstellt, dass da der Zufallsgenerator am Werk war, und zwar sowohl bei der Festlegung der Tonhöhen, als auch bei den rhythmischen Strukturen. Das ergibt dann zwar oftmals ein unglaublich komplexes Notenbild, aber wenn man sich das dann anhört, dann stellt sich - zumindest bei mir - keinerlei musikalischer Genusseffekt, also keine Emotionen, keine Assoziation, keine Spannung, kein gar nichts, ein. Es ergeben sich höchstens mal ein paar interessante Klangeffekte, aber ob das deswegen schon Musik ist, darüber kann man diskutieren.

Nach diesen etwas polemischen Ausführungen, was für mich der Begriff "Neue Musik" bedeutet (oder bedeutete), muss ich schon nochmal betonen. dass das auf dein Hornkonzert alles nicht zutrifft. Du sparst zwar auch nicht gerade mit Dissonanzen, aber es entsteht doch der Eindruck eines geschlossenen Ganzen. Und die klangliche Atmosphäre, die du hier erzeugt, ist nicht reiner Selbstzweck, sondern eher der Rahmen für die musikalische Dramaturgie. Auch die Gesamtstruktur des Stückes ist gut durchdacht, jedenfalls habe ich nirgendwo das Gefühl, dass es langweilig wird, oder das man etwas kürzen müsste.

Wie gesagt, ich bin schon neugierig, was da noch so alles kommen wird.

200

Sonntag, 7. April 2013, 17:37

Die Klarinetten- und Geigenstimme auf der abgebildeten Seite empfinde ich als unproblematisch

Bezüglich der Geigenstimme hast Du da m. E. recht - bei mir hat es ja nur zum dillettierenden Hobbygeiger gereicht (der inzwischen auch schon seit Jahren aus der Übung ist), aber mit etwas Üben und genauem Zählen sollte man die Geigenstimme eigentlich hinbekommen. Verglichen damit sind viele Sachen aus der "herkömmlichen" Literatur deutlich schwerer!

LG :wink:
"Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

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