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41

Mittwoch, 7. März 2012, 09:42

Als Studentin hatte ich immer das Problem, dass niemand meinen Text verstand, obwohl ich mich sehr darum bemühte. Als ich viel später wieder anfing, an meiner Stimme zu arbeiten, fiel mir auf, dass niemand Probleme damit hat, Musicalsänger zu verstehen. Die singen alle sehr textverständlich, obwohl deren Gesangstechnik oft alles andere als makellos ist. Aber die kümmern sich mehr als die klassischen Sänger um die Konsonanten. Man kann zum Beispiel auf den stimmhaften Konsonanten singen, da werden sie von ganz alleine deutlich, sogar am Wortende.


Vielleicht liegt es ja auch an der Sprache. Auf Englisch ist eigentlich das meiste gut verständlich, egal, ob das Musical oder Händel und Purcell ist. In deutschem Kirchenlatein finde ich das auch; in italienischem oder französischem Kirchenlatein wird es schon wieder schwieriger (ekszelsis - ätdschälsis...). Speziell die "dschs", die ja gerade im Italienischen nicht selten sind, finde ich gefährlich, da wird es gerne schwammig, denn das unterbricht den Fluß, was aber Sänger/in irgendwie gegen den Strich geht und deshalb wird da gerne geschlampt, und aus dem "ädschälsis" wird dann ein äääälsis. Gilt eigentlich für alle (weichen) Verschluß- und Implosionslaute: ome al iel ä-ii-i-a (Come dal ciel pecipita...) . Oft hilft es ja schon, die durch eine etwas "härtere" Variante zu ersetzen: prädschipita - prätschipita. Das bekannt hart gespuckte "khhh" am Wortanfang weist ja in die gleiche Richtung.
viele Grüße

Bustopher


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Mina

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42

Donnerstag, 22. März 2012, 15:59

Bryn Terfel ist Einer, der mich neben vielen anderen Vorzügen, auch immer wieder mit seiner Textverständlichkeit begeistert: man versteht JEDES Wort. :juhu:
Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

43

Donnerstag, 22. März 2012, 20:37


Vielleicht liegt es ja auch an der Sprache.


Das wäre in der Tat mal eine interessante Fragestellung ... Von meiner Gesangslehrerin bekam ich von der ersten Stunde an eingebleut, dass Italienisch wegen der offenen Vokale die beste Sprache für die klassische Gesangstechnik sei. Vielleicht aber nicht für die Verständlichkeit des Gesangs ... ;+)

DiO :beatnik:
Humor can only save some of us.

44

Donnerstag, 22. März 2012, 21:35

Vielleicht aber nicht für die Verständlichkeit des Gesangs ...

In Neapel auf der Straße vielleicht noch nicht mal ohne Gesang ;+)
viele Grüße

Bustopher


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45

Donnerstag, 22. März 2012, 22:15

Vielleicht aber nicht für die Verständlichkeit des Gesangs ...

In Neapel auf der Straße vielleicht noch nicht mal ohne Gesang ;+)


:yes:

DiO :beatnik:
Humor can only save some of us.

gioachino

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46

Donnerstag, 22. März 2012, 22:44

Heute morgen hörte ich im Radio Martha Mödl mit einer Aufnahme aus den frühen Fünfzigern des letzten Jahrhunderts. Die Moderatorin wies begeistert auf die große Textverständlichkeit hin. Die Mödl sang Ebolis " Verhängnisvoll war das Geschenk " . Tatsächlich verstand man jedes Wort. Aber um welchen Preis ? Von Legato konnte nur bedingt die Rede sein. Und das damals übliche Deutsch tat ein Übriges, die Verdiarie in die Nähe von Ortruds Fluch zu rücken ! Da lobe ich mir die Originalfassung und meinetwegen auch Übertitel.

Ciao. Gioachino :shake:
miniminiDIFIDI

47

Freitag, 23. März 2012, 11:46

Konsonantenspucken ist keinesfalls ein Ausweg und kann, wie Gioachino sagt, zur Vernachlässigung des Legatos führen. Verständliches Deutsch kann man auch mit weichen Konsonanten singen, das haben Franz Völker und mit ihm viele Sänger der alten Schule bewiesen. Daß Sänger unverständlich singen, liegt nicht an der Sprache. Italienisch richtig zu singen ist ziemlich schwer, denn man muß eben jene teutonisch-harten Konsonanten loswerden und Vokale singen, die teilweise ganz anders als jene deutschen sind (nebenbei bemerkt: Italienisch hat nicht nur offene Vokale). Man höre sich mal die Versuche von AN oder Joan Sutherland an. Bei letzterer kann man die Sprache kaum noch erkennen.

Daß hier ernsthaft vom Vorteil des Microport geredet wird, läßt mir die Haare zu Berge stehen. Opernsänger singen ohne Verstärkung, und der Klang einer richtig ausgebildeten Opernstimme entsteht erst ohne Verstärkung in der Akustik eines großen Raumes. Der Microport zerstört das, was eine Opernstimme im Kern ausmacht. Daß man in einem großen Saal verständlich singt, gehört einfach zum Handwerkszeug dazu, und wer dafür Mikrophone braucht, der sollte meiner Meinung nach den Beruf wechseln.

Aber auch hier müßte man eigentlich zwischen den verschiedenen Operntraditionen differenzieren. Sagen wir's so: Beim Belcanto und Verdi stört es mich nicht, wenn ich nicht alles verstehe, und auch bei Puccini ist mir eine schön geführte Stimme viel wichtiger als der Text. Wenn ich allerdings anderthalb Stunden Mime mit Siegfried diskutieren höre und ich kaum etwas verstehe, ja, dann nervt mich das auch. Aber so ist eine Tradition entstanden, die sich eben gezielt vom klassischen Belcanto abgesetzt hat: der Wagnersche Sprechgesang. Tja, und wenn wir Verdi mit Sprechgesang mischen, was kommt dann dabei raus? Eben: Ortruds Fluch.

:wink:

M.
"To me, Eurotrash is Zeffirelli." Graham Vick

48

Freitag, 23. März 2012, 12:13

Hallo Mengelberg!

(nebenbei bemerkt: Italienisch hat nicht nur offene Vokale)


Schon klar. Hab ich auch nicht behauptet.


Zitat

Daß hier ernsthaft vom Vorteil des Microport geredet wird, läßt mir die Haare zu Berge stehen. Opernsänger singen ohne Verstärkung, und der Klang einer richtig ausgebildeten Opernstimme entsteht erst ohne Verstärkung in der Akustik eines großen Raumes. Der Microport zerstört das, was eine Opernstimme im Kern ausmacht. Daß man in einem großen Saal verständlich singt, gehört einfach zum Handwerkszeug dazu, und wer dafür Mikrophone braucht, der sollte meiner Meinung nach den Beruf wechseln.


Falls Du Dich auf meinen Beitrag #38 beziehst, dann bitte genau lesen: Ich führe definitiv KEIN Plädoyer für Microports als Verstärker fürs Opernhaus! Ich sagte nur, dass ich sie bei der Übertragung von Opern in gewissem Maße für sinnvoll halte. Denn bei einer Übertragung erklingt die menschliche Stimme ja NIE in ihrer natürlichen Form, wie man sie im Opernhaus hört (jeder der bestimmte Sänger live und auf Tonträger erlebt hat, wird das bestätigen können), es ist eine Übertragung und damit in jedem Fall medial vermittelt.

DiO :beatnik:
Humor can only save some of us.

49

Samstag, 24. März 2012, 19:45

Ich bin auch bei Übertragungen gegen Microport. Der Close-up-sound läßt sich für meine Begriffe nicht mit einer Opernstimme vereinen, die sich erst im Raum entfaltet. Das Argument, daß ohnehin alle Aufnahme nicht naturgetreu seien, lasse ich da nicht gelten, denn es ist nicht wirklich ein Dilemma. Ein Microport verfälscht den Eindruck erheblicher als andere Aufnahmetechniken. Es gibt viele bessere Methoden, eine Stimme einzufangen als den Microport. Und wenn man die Aussprache schon durch ein, sagen wir, in wenigen Metern platziertes Bühnenmikrophon nicht mehr verstehen kann, dann sollte man doch schauen, ob man nicht einen anderen Interpreten bekommt.

Ich habe soeben Jessye Norman und Samuel Ramey in einer Aufführung von Herzog Blaubarts Burg angehört - in englischer Sprache wohlgemerkt. Von Jimmy Levine fürchterlich plakativ dirigiert (wer hätte anderes erwartet) - aber fabelhaft gesungen. Da konnte man außerdem fast jedes Wort verstehen, und zwar ohne Microport. Wirklich hervorragend.

:juhu:

M.
"To me, Eurotrash is Zeffirelli." Graham Vick

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50

Samstag, 24. März 2012, 20:43

Lieber Mengelberg!

Da hast Du Glück gehabt, ich habe bei der letzten Tosca in der WStO bei der Szene Angelotti / Cavaradossi und beim Scarpia im 1. Akt beim "Te Deum" von ihm kein einziges Wort verstanden, es dürfte sich aber um Italienisch gehandelt haben.

Das ist mir bisher noch nie geschehen aber alles ist das erst Mal.

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:

51

Samstag, 24. März 2012, 21:49

Lieber Peter,

vielleicht war es ja ein Rückfall in die Gepflogenheiten der Staatsoper aus den 1940er Jahren, wo die Gäste allesamt in ihrer Muttersprache singen durften. Vielleicht war Deine Tosca ja ein Kuddelmuddel aus Albanisch, Koreanisch und Schweizerdeutsch.

Naja. Wenn man nicht mal die Sprache erkennen kann, dann ist es schon arg schlimm. Hoffentlich lesen die Heinis von der Staatsoper diesen Thread.

Schöne Grüße aus dem frühlinghaften Berlin.

M.
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52

Sonntag, 25. März 2012, 06:44

Lieber Mengelberg!

Das kann wohl möglich sein, werde schauen ob ich ein Textbuch der Tosca in Albanisch oder Koreanisch bekommen kann, wenn aber die beiden Herren Angelotti und Cavaradossi wieder in den Boden reinsingen, dann wird es damit auch nichts werden.

Beim Scarpia, der hat ja gekonnt seine Simme rauh und undeutlich herausgebracht, aber Schyzerdütsch könnte es gewesen sein.

Liebe Grüße senet Dir Peter, zur morgendlichen Sommerzeit! :wink: :wink:

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