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gioachino

Förster Jenkins

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1

Sonntag, 26. Juli 2009, 17:04

Armer Opernbariton!

Eigentlich müssten die Baritone dem deutschen Komponisten Heinrich Marschner ( 1795 - 1861 ) dankbar dafür sein, dass er ihr Stimmfach quasi " erfunden " und mit gleich zwei Titelpartien beschenkt hat : Der Vampyr und Hans Heiling.

Nun sind die Beiden leider keine Sympathieträger, sondern das Gegenteil davon, was nicht ohne Einfluss auf weitere Komponisten geblieben sein dürfte. Der Blutsauger Lord Ruthwen liebt vergeblich Malwika, die sich zu Edgar Aubry ( natürlich Tenor ) hingezogen fühlt. Erdgeist Hans Heiling wiederum hat gegen den Leibschütz Konrad ( natürlich Tenor ) null Chancen bei Sopran Anna.



Günstiger sieht es da noch bei Mozart aus, dem das Stimmfach allerdings fremd war. Bassisten, die sich seines Don Giovanni, Guglielmo oder Papageno annahmen, konnten sich der Sympathie des Publikums gewiss sein. Und heute sind diese Rollen schierer Balsam für die so häufig geschundene Baritonseele, der es einfach gut tut, dem Sexmonster Don Giovanni und dem einfältigen Naturburschen Papageno Leben einzuhauchen ! Dass Guglielmos Liebeswerben sogar schneller zum Erfolg führt als das seines tenoralen Freundes und Rivalen Ferrando, ist im Kosmos namenns Oper beispiellos. Danke, Mozart !



Ansonsten aber sieht es schlimm aus um den Opernbariton, dessen Konturen Marschner so unheilvoll vorgezeichnet hat.

Beispiele gefällig ?

Almaviva : Bei Mozart arroganter Schürzenjäger, der später, bei Rossini, zum sehnend monogamen Liebhaber avanciert ( natürlich Tenor )

Barbiere : Stimmungskanone ! ( Anders als bei Tenor und Bass gibt es in diesem Stimmfach keinen Buffo.)

Don Pizarro : Ekel !

Valentin : Schöne Vorsingarie - das war`s auch schon.

Escamillo : Angeberischer Lackaffe.

Lindorf/Coppelius/Mirakel/Dappertutto : Fiese Intriganten, wobei Dappertutto wenigstens auf eine Arie hoffen darf, die eigentlich gar nicht in diese Oper gehört....

Eugen Onegin : Ein Sopran schreibt dem Bariton einen Liebesbrief ( wann gibt`s das schon ? ), dessen Aussage er schnöde ignoriert.



Luna : Chancenlos gegen seinen tenoralen Bruder.

Père Germont : Schöne Vorsingarie, ansonsten macht- und kraftlos.

Renato : Sein Chef ( natürlich Tenor ) klaut ihm die Ehefrau.

Posa : Opfert sich für seinen Tenorfreund - immerhin.

Macbeth : Ladyhöriger Schwächling und Zauderer.

Jago : Inkarnation des Bösen schlechthin.



Telramund : Ohne Chance gegen einen Tenor aus fernen Landen.

Wolfram : Seiner Arie fiebert das Publikum stundenlang entgegen. Dabei wollte Wagner eigentlich keine Arien in herkömmlicher Manier schreiben....

Holländer : Herumtreiber, der erneut in See sticht, als er erfährt, dass es einen rivalisierenden Hochtöner gibt.

Alberich : Irgendwann einmal hat es doch geklappt mit dem Sex. Resultat ? Hagen !

Gunther : Weichei, welches sich darauf verlässt, dass der Tenor, ihn stimmlich mehr schlecht als recht kopierend, ihm die Gattin zuführt.

Sachs : Überlässt den Sopran, kampflos resignierend, einem hergelaufenen Angeber.

Wotan : Omnipräsent, omnipotent, Macho, Pantoffelheld und glückloser Spieler.

Amfortas : Das hat er nun davon. Wovon ? No comment !



Marcello : Ob das Zusammmenleben mit seiner koloraturgewandten Kratzbürste wohl klappen wird ?

Marcel : Weiß sich nicht anders zu helfen, als den Tenorrivalen umzubringen.

Scarpia : Scheusal. Will erzwingen, was der Sopran dem Tenor freiwillig zugesteht.



Mandryka : Endlich einer, der geliebt wird !

Jochanaan : Religiöser Eiferer, der aus Liebe den Kopf verliert, allerdings höchst unfreiwillig, denn kopflos wird er durch die Gier des Soprans.

Wozzeck : Niederer Dienstgrad. Verliert sein Sopranweib an einen trommelnden Offizier. Nichtschwimmer.



Dies also ein kleiner Aufriss des Unheils, das Marschner angerichtet hat. Es grenzt an ein Wunder, dass es überhaupt noch Opernbaritone gibt, die sogar Freude an ihrer Betätigung finden. Liegt es vielleicht daran, dass ihnen fast immer die interessanteren Partien anvertraut sind ?

Ich weiß, die Mezzosoprane können ähnliche Stoßseufzer loslassen.

Aber das wäre wiederum ein Kapitel für sich !



Ciao. Gioachino !:wink:
miniminiDIFIDI

2

Sonntag, 26. Juli 2009, 17:53

Lieber Gioachino,

vielleicht hoffen und freuen sich alle Baritone darauf, dass endlich mal wieder der SIMON BOCCANEGRA gegeben wird und sie die Rolle kriegen. Der überlebt das zwar auch nicht, aber was hat er bis dahin alles Schönes zu singen! Dafür nimmt man sogar den Mörder RIGOLETTO in Kauf, zumal man da so schön vielfältig spielen darf. Und welcher Tenor darf schon am Ende seiner Karriere etwas so Tolles wie den FALSTAFF spielen? Das dürfen höchstens noch Bässe, wenn sie Raimondi heißen.

Ansonsten gibt es doch den viel zitierten Spruch, dass die Frauen die Tenöre anschmachten, aber mit den Baritonen nach Hause gehen. Ich fürchte also, Dein Selbstmitleid verfängt nicht :stumm:

:wink: Rideamus
Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

gioachino

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3

Sonntag, 26. Juli 2009, 19:57

Ach, lieber Rideamus,

ich bin eigentlich selbstmitleidlos ( ! ), zumindest bei diesem Thema, war ich doch meist als Konzertsänger unterwegs.

Aber selbst beim Kunstlied wurden die Vertreter der Hochtonriege meist bevorzugt, was zur Folge hatte, dass wir da unten die transponierten Fassungen zu interpretieren hatten und haben. :cry:

Skandalös, das Ganze, oder ?

Übrigens : Es lebe das Sommerloch !



Ciao. Gioachino :klatsch:
miniminiDIFIDI

4

Sonntag, 26. Juli 2009, 20:09

Ein Bariton hat es in "Zar und Zimmermann" immerhin zum russischen Zaren und allgemeinen Sympathieträger gebracht (wenn ihn Hermann Prey singt). Also nicht gleich verzweifeln. Schließlich sind die berühmtesten Tenöre wie Domingo etc. ja im Grund sowieso nur adaptierte Baritone. Und das Fehlen baritonaler Stimmfärbung wird in vielen Partien nicht gerne gehört. :D

LG
Waldi
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Homo sum, ergo inscius.

oper337

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5

Sonntag, 26. Juli 2009, 20:41

Lieber Gioachino!

Baritöner haben zumeist Charakterrollen und da haben sie den Tenören was vor. Ich singe ja auch Bariton, eigentlich Bassbariton, denn von meiner, ehemals glockenhellen Stimme, ist mir, wie von Emmy Loose prophezeit worden, der Bassbariton geblieben, auch nicht das Schlechteste.

Und der Liederzyklus "Die Winterreise" gefällt mir ohnedies von einem Bass-Bariton besser, eigentlich hat sie mir bei Tenören, nur von Anton Dermota gefallen. Bei Mezzos von, meiner geliebten, Christa Ludwig.

Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:

6

Sonntag, 26. Juli 2009, 21:52

Hallo Gioachino,

Ich empfehle Dir das Kapitel über die Tenori in Eckehard Henscheids genialem Opernbuch "Verdi ist der Mozart Wagners" als Balsam auf deine Wunden. :)

:wink:

Beryllo
"No matter. Try again. Fail again. Fail better." (Samuel Beckett)

7

Montag, 27. Juli 2009, 00:26

:mlol: :mlol: :mlol:

Dei Rollenbeschreibungen sind wirklich klasse!

Lieber Gioachino, das, was Du eigentlch hören willst, hat Rideamus bereits gesagt, aber ich wiederhole es geren noch einmal für dich:

Mir ist sind fast alle Baritone roh lieber als ein Tenor von Bocuse gekocht.

Was ist schon ein Don Ottavio gegen einen Don Giovanni?

Da kann er so schön schmachten wie er will- am Ende fallen sie doch alle wie reifes Fallobst dem Giovanni, der dazu kaum was zu singen hat, in den Schoss.

Ausserdem hast du einige wichtige Vertreter des Faches vergessen: was ist z.B. mit Rodolfo? Ein echter Gentleman! Nobelesse oblige und wenn Amina schlau wâre, würde sie ihren kindischen Elvino stehen lassen und sich Rodolfo angeln!

Bonne nuit - I love Baritones! :fee:
Gracias a la vida!

Mina

Badewannenprimadonna

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8

Mittwoch, 29. Juli 2009, 11:44

Nun ja, was den Erfolg bei Frauen angeht, mögen die Baritone oft frustiert in die Röhre gucken (selbst Don Giovanni kommt ja nicht mehr wirklich zum äh...Zug), aber dafür haben sie doch oft entschieden die interessanteren Rollen und die packendere Musik. Was sind Cavaradossis Arien gegen das nervenzerfetzende Duell zwischen Tosca und Scarpia im 2.Akt? Für wen hat Verdi die packendsten Szenen des Don Carlos geschrieben? Posa, Filippo, Inquisitor. Wer möchte schon „La donna e mobile“ singen, wenn es stattdessen „Pari siamo“ oder „Cortiggiani, vil razza dannata” sein könnte? Und wen liebt jedes Opernpublikum seit Jahrhunderten wirklich? Papageno, oder den enervierend tugendhaften Tamino? (Da kann Fritz so schön singen wie er will...).
Ich finde, die Baritone (und Bässe) haben keinen Grund sich zu beklagen. Aber freilich: Anna in die Arme schließen darf nur der Tenor, und ich gebe zu, daß das ein Grund sein kann, Frust zu schieben. :angel:


Dennoch: so doll läuft es für die Herren Tenöre ja nun auch nicht: Otello ist, mit Verlaub, dumm wie Brot :hide:
Don Carlos’ Liebe fällt der Staatsraison zum Opfer, Alfredo ist ebenfalls nicht der Hellste, was das ganze Drama überhaupt erst ermöglicht, Pinkerton ist ein Mistkerl der seines Lebens nicht mehr froh werden wird, und das völlig zu Recht, Rodolfo hätte manches Unheil verhindern können wenn er sich entschlossen hätte, anständige Arbeit zu suchen statt Gedichte zu schreiben die kein Mensch lesen will, Edgardo ist nicht imstande eine glückliche Braut von einer dem Zusammenbruch und der Verzweiflung nahen Frau zu unterscheiden etc. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Herren Tenöre kriegen zwar zunächst meist das Mädchen, verlieren es dann aber wieder, und das nicht zuletzt oft durch eigene Schuld.
In dem Zusammenhang: wieviele schlaue Tenöre passen in eine Telefonzelle?
Alle.
Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

Severina

Opernjunkie außer DIenst

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9

Mittwoch, 29. Juli 2009, 15:00

Lieber Gioachino,
auch wenn ich so meine tenoralen Lieblinge habe ;+) , finde ich die Baritonpartien viel interessanter und speziell für Singschauspieler doch wesentlich spannener als die oft sehr einfach gestrickten Tenorhelden. Wäre ich z.B. gezwungen, so moralinsaure Langeweiler wie Mozarts Don Ottavio zu singen, würde ich ernsthaft über eine Umschulung zum Bariton nachdenken. Welch ein Kerl ist hingegen Don Giovanni!!!
Und was den Trovatore betrifft: Für die herrliche Arie des Luna "Il balen del suo sorriso" lasse ich dir sämtliche Tenorschmachtfetzen links liegen - so hell kann das Feuer gar nicht lodern! :sev:
lg Severina :wink:
"Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)

10

Mittwoch, 29. Juli 2009, 15:40

Was soll ich sagen? Mein Herzallerliebster - seines Zeichens lyrischer Tenor, der mE (gut, ich bin voreingenommen, man möge mir das verzeihen :love: ) die Bildnisarie ganz wunderbar singt - wäre so gern (dramatischer) Bariton oder gar Bass geworden. Statt dessen muss er jetzt den - Zitat - "Pizzabäcker-Song" singen (= La donna e móbile).

Liebe Grüße

Vitellia
"Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)



But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)

gioachino

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11

Donnerstag, 30. Juli 2009, 17:36

Liebe Trösterinnen und Tröster,



gewiss habt Ihr, spätestens bei der Lektüre meiner bissig - ironischen Kurzportraits, gemerkt, dass dieses Thema nicht so ernst gemeint ist, wie es vielleicht rüberkommt. Ich halte es für schlicht sommerlochkompatibel !

Wenn man bedenkt, wie schwer sich so mancher tenorale Endsechziger damit tut, die Leiden des ( jungen ) Werther glaubhaft zu vermitteln, oder ein bassiger Endzwanziger das Liebesleid eines alten Monarchen, darf der Opernbariton froh darüber sein, auch altersmäßig dazwischen zu passen.

Meine Beschäftigung mit den Grauen und Schrecken verbreitenden Titelhelden Marschners haben mich dazu gebracht, über diese Stimmfach vor ihm und erst recht nach ihm zu reflektieren, sowie besonders darüber, warum der rivalisierende Bariton im Ringen um die Gunst der Soprandame grundsätzlich dem Tenor unterliegt. Hat Heinrich Marschner, im 19. Jahrhundert sehr beliebt, nicht nur in Deutschland, hier eine " Tradition " begründet ?

Männer wie Rigoletto ( siehe : Alberich ), Simon ( Politiker ) und Falstaff ( Lustmolch ), lieber Rideamus, sind halt nicht in diese kontroversen Liebeshändel verwickelt, sind quasi außen vor, was die geschilderte Konkurrenz zum tenoralen Nebenbuhler angeht.

Umso intensiver kann sich der Darsteller dieser Helden der individuellen Charakterzeichnung widmen, befreit von Kräfte zehrenden, dazu auch noch vergeblichen Hahnenkämpfen.....



Ciao. Gioachino
miniminiDIFIDI

12

Montag, 21. September 2009, 21:51

Hmmm...

Fragen wir doch mal anders herum: Wozu gibt es in der Oper Tenöre? na klar: irgendeinen Liebhaber braucht das Stück halt, aber das war's dann auch schon. Diejenigen, die die Welt am Laufen halten, sind allemals die Bässe und Baritone, ohne die die Tenöre nicht mal an ihr Mädel rankommen. Kennt Ihr EINE Mozartoper, wo es der Tenor ohne die Hilfe von am richtign Mann schafft?

Tamino: - Fällt gleich bei seinem ersten Auftritt in Ohnmacht und muß dann von Frauen gerettet werde. Später verläuft er sich und muß von Papageno und Pamina gefunden werden. (Schon mal darüber nachgedacht warum die Pa-mina und nicht Ta-mina heißt??) Außerdem glaubt er alles, was man ihm erzählt und macht alles, was man ihm anschafft, und zwar immer das, wass ihm gerade der letzte anschafft - ein geborener Führer! Sogar Flöte kann er nur, weil die von allein spielt. Und Schneid hat er - zum Lachen: "Mein Kind, was werden wir nun sprechen..?" Aber später dann den großen Maxe geben und dem Papageno den Mund verbieten.

Don Ottavio - der hat das einmalige Pech, daß ihm KEIN Bass oder Bariton hilft. Da hilfts ihm auch nix, daß er die Donna Anna permanent ansülzt. SIE WILL NICHT! Wer mag auch schon so einen Minisänger, wenn man einen DON GIOVANNI (wir wissen es: Bariton!) hätte haben können...

Belmonte - der bringt's doch ned amal fertig, allein eine Leiter an Constanzes Fenster anzulegen (-> Fensterln) Sogar dazu baucht er den Pedrillo (Bariton...) Statt dessen singt er solange Arien, bis die Flucht entdeckt wird. Und dann fällt ihm nix anderes ein, als mit seinem Vater anzugeben. Da ist er irgendwie wie der Tamino - "Ich bin ein Prinz...!"

Idomeneo - Wenn der auch nur ein Fünferl Hirn investiert hätte, BEVOR er so einen depperten Schwur tut, dann hätt's die ganze Oper ned gebraucht. Was natürlich auch wieder schad gewesen wäre. Aber es hätt viel Ärger gespart.


Escamillo - Angeberischer Lackaffe. May be. Aber immerhin einer, der weiß, wie er aufzutreten hat! Und Don José? - Weichei. Kriegt ja auch das Mädel nicht, keins von beiden. Klar, es hift ihm dabei ja auch kein selbstloser Bariton.

Almaviva/Rossini - bekommt das Mädel auch NUR dank selbstlosem Baritoneinsatz. Letzterer stellt das gleich zu Beginn auch ganz nüchtern fest, welche Rolle er in der Welt spielt: Largo al Factotum. Lalalalera...

Ernesto - die gleiche Geschichte. Hätte für ihn kein happy End, wenn da nicht der Dr. Malatesta...

Rodolfo - läßt das Mädel erst mal sitzen, als er erfährt, daß sie krank ist. So ein Held! Und wer sorgt immer wieder mal für ausreichend Essen zwischendurch, damit unser Tenor ned verhungert? (oder besser: ned abnimmt?) Marcello! (Wir ahnen es - Bariton...)

Pinkerton - mit Verlaub: ein Arschloch

Radames - der einzige Tenor mit Rückgrat..!


Zitat

...Sexmonster Don
Giovanni....
Sagt mal: sind Euch da noch nie Zweifel gekommen an dieser Stalkergeschichte? WAS WISST IHR WIRKLICH ÜBER IHN? Ich meine, so ganz objektiv, und nicht nur aus Erzählungen Dritter, die alle irgendwie ein mehr oder weniger vitales Interesse daran haben, ihn schlecht zu machen?
viele Grüße

Bustopher


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13

Montag, 21. September 2009, 22:06

:mlol: :mlol: :mlol:

Sag mal, so ein singender Kater wie du... der ist doch hoffentlich............ Bariton? ?(

Und was den Don und das Stalking angeht: von wegen Sexmonster! :shake:

Er kommt nicht ein einziges Mal zum Zuge- in der gesamten Oper nicht! Da kann man nicht mal vom Coitus interruptus sprechen, denn selbst die Versuche werden schon im Vorfeld interruptiert. Eine richtig arme Socke ist das und für all dieses nicht zum Zuge gekommene muss er dann am Ende auch noch zum Teufel fahren. Singen darf er auch nix Ordentliches- ich habe wirklich Mitleid mit diesem armen Opernbariton! :troest:

Und die Anderen:

Don Ottavio- wartet heute noch aufs Mädel ! Tenor . Leporello, kriegt bestenfalls die abgelegten Mâdels seines Don und wenn die dann merken dass er es ist... Interruption und Fehlanzeige! Bariton-Bass.

Am Ende ist Massetto der einzige, der das Mädel (bzw dessen certo balsamo) wirklich kriegt und der ist ein..... Bass!!!!!

Also sing mal endlich einer ein Loblied auf die Bässe :yes:



F.Q.
Gracias a la vida!

gioachino

Förster Jenkins

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14

Dienstag, 22. September 2009, 00:29

Kleine Korrektur, lieber Bustopher : Pedrillo ist ebenfalls Tenor und zwar Buffo.

Die Bässe, liebe Fairy, sind in der Regel Väter, weise Mönche, resignierende Fürsten : Der Komptur, Pater Guardian, Philipp, Marke,

Gremin usw., die keiner ( jungen ) Fliege etwas zuleide tun. Oft sind die Sänger jung und müssen alt geschminkt werden. Die Tenöre sind häufiger alt und müssen........



Ciao. Gioachino :mlol:
miniminiDIFIDI

Amfortas09

Mißtöner

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15

Dienstag, 22. September 2009, 14:17

und nicht vergessen folgende Tenöre:

Othello: Leichtgläubigkeit + gleichzeitiger Autismus in Person

Pelleas: ist nicht fähig sich mal richtig mit Golo auszuquatschen

Herodes: Psychopath

Ägisth: Obertrottel (aber nicht im Bett)

Tambourmajor und Hauptmann im Wozzeck: einfach nur würg !!!!

Despotes in BAZis Soldaten: fast genauso mies wie Pinkerton

Siegfried: ständig Symptome von Frühdemenz

Tannhäuser: zu Beginn völlig überfordert durch die erotischen Avancen von Venus

:wink:
“If somebody was sending rockets into my house where my two daughters sleep at night, I'm going to do everything in my power to stop that.” (2008) „Justice has been done.“ (2011)

Barack Hussein Obama

Melione

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16

Freitag, 25. September 2009, 13:04

RE: Armer Opernbariton !

Wozzeck : Niederer Dienstgrad. Verliert sein Sopranweib an einen trommelnden Offizier. Nichtschwimmer.
:mlol: :mlol: :mlol: :mlol: :mlol: Habe schon sehr lange nicht mehr so gelacht wie über das "Nichtschwimmer" in deinem Beitrag.
Kompositorische Versuche:
E-Musik
U-Musik
Literarische Versuche:
Halbfertige Kurzgeschichte
Erstes Kapitel eines Romans

Kommentare wären super! :)

17

Montag, 15. November 2010, 17:46

Reden wir doch mal von den armen Bässen:

Alcina (Melisso), drei Stunden Oper, EINE Arie...

WO, sechs Teile, drei Stunden, ZWEI Arien...

Ariodante (il re), drei Stunden Oper, DREI Arien...
(drei kleine Arien, die sang der Bass allein, da war die Oper auch schon aus, da ließ er's wieder sein...)

Man kann's natürlich auch positiv sehen: die anderen müssen sich drei Stunden lang plagen....
viele Grüße

Bustopher


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18

Montag, 15. November 2010, 19:14

Tenöre, Ihr Lieben, sind doch eigentlich etwas für junge, unerfahrene Leute, die sich noch an Lambrusco betrinken - vordergründiger Rausch ohne Substanz.
Baritone und Bässe hingegen sprechen den reiferen Verstand und Geschmack an, wie ein Mouton Cadet Rothschild. Von dem, lieber Bustopher, trinken wir doch auch höchstens ein, zwei Gläschen... ;+)

So tröstet Euch und sich
der auf der weiblichen Seite dieses Problems leidende

Mezzosopran Honoria Lucasta
"...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)

19

Montag, 15. November 2010, 21:25

vordergründiger Rausch ohne Substanz.

jaja, und hinterher Kater...

Aber was willst Du mir damit eigentlich sagen? Daß die Bässe und Baritöne eher die ältere weibliche Jugend ansprechen? Oder daß letztere nicht mehr verträgt? :stumm:
PS: eine meiner Lehrerinnen ist Mezzo. Die hat mal gesagt, daß, wenn sie wieder mal auf die Welt kommt, dann als Bass wiederkommt. Wegen dem irren Gefühl, wenn der ganze Körper vibriert, bei den tiefen Tönen.... :D
viele Grüße

Bustopher


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gioachino

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20

Dienstag, 16. November 2010, 00:27

Es wäre für sie ja leichter, lieber Bustopher,

als Contralto wieder geboren zu werden. Das dürfte sich ähnlich anfühlen.

Übrigens bin ich gerührt, dass Ihr meinen alten Thread wieder ausgegraben habt.



Ciao. Gioachino :juhu:
miniminiDIFIDI

21

Dienstag, 16. November 2010, 09:20

Lieber Bustopher,

was ich sagen wollte, war:

In der Beschränkung zeigt sich der Meister.

Grüße vom Balkan!


Honoria
"...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)

22

Dienstag, 16. November 2010, 12:43

In der Beschränkung zeigt sich der Meister.


...i.e.: Baritöne sind beschränkt...?:mlol:

Zitat

Es wäre für sie ja leichter, lieber Bustopher,

als Contralto wieder geboren zu werden. Das dürfte sich ähnlich anfühlen.

ich frag mich ja ohnehin, wie sie auf diese Idee gekommen ist. Ich hab' ihr dann aufgezählt, wie groß das lohnende Repertoire ist, das sie singen kann, und wie groß das der Bässe - s. Melisso vs. Ruggiero - sie hat dann wieder Abstand davon genommen und war mit ihrem Los ganz zufrieden... ;+)
viele Grüße

Bustopher


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23

Dienstag, 16. November 2010, 19:36

Es wäre für sie ja leichter, lieber Bustopher,

als Contralto wieder geboren zu werden. Das dürfte sich ähnlich anfühlen.

Ciao. Gioachino :juhu:


Boah, ey, das fühlt sich sogar viel besser an. So suhlen in den tiefen Tönen kann doch der Mezzo gar nicht.... ;+) :P
Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)

gioachino

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24

Sonntag, 16. September 2012, 12:26

Liebe Baritonkollegen und -sympathisanten,
ich muss mein uraltes Lamento dem Vergessen entreißen, weil es mich ärgert, dass ein zurecht umjubelter Tenor auf seine alten Tage mir nichts Dir nichts auf Baritonrollen umsteigt : Nicht Gabriele Adorno und Duca, sondern Simone Boccanegra und Rigoletto sind neuerdings Objekte seiner Begierde, was optisch durchaus hinhaut, stimmlich jedoch nur bedingt. Natürlich kann ein P. D. ein strahlendes g´ singen, ohne allerdings den notwendigen virilen Baritonklang. Nun müssen jedoch die Kollegen der mittleren Stimmfachfraktion auch Töne unterhalb von c bis G hörbar und sonor produzieren, woran es unserem Umsteiger leider gebricht.
Natürlich unternehmen auch wir sporadisch Ausflüge in die tiefen Gefilde einer Tuba mirum, was wiederum Kopfschütteln der Basskollegen hervor ruft. Aber diese Ausflüge sind erstens Ausnahmen und zweitens halbwegs vertretbar, weil es für den Bariton in der Sakralmusik nicht viel zu holen gibt ( Danke, Brahms ! Danke, Fauré ! ).
Der Tenor jedoch kann in allen Gattungen ein weites, quasi grenzenloses Feld beackern, allerdings mit Tönen jenseits des a`. Wenn das nicht mehr zuverlässig klappt, sollte er m. E. den Herren Nucci, Hampson, Allen, Terfel usw. nicht ins Handwerk pfuschen, meint

Gioachino :hide:
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Mauerblümchen

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25

Sonntag, 16. September 2012, 12:47

Ich stimme meinem Vorschreiber vollinhaltlich zu, befürchte jedoch, dass Domingo uns in zehn Jahren mit dem Filippo zu beglücken gedenkt ... oder doch wenigstens mit dem Großinquisitor ...

Gruß
MB

:wink:
"Wer nur gerechtfertigt leben kann, kann nicht leben. Es sei denn, er könne seine Rechtfertigungsnot durch das Auflegen von Debussy-Platten narkotisieren." Martin Walser

26

Sonntag, 16. September 2012, 12:48

Wenn das nicht mehr klappt, sollte er m. E. den Herren Nucci, Hampson, Allen, Terfel usw. nicht ins Handwerk pfuschen
Dem kann ich nur beipflichten lieber Gioachino, zumal ich vor einiger Zeit las, daß sich dieser Herr auch noch anderer Bariton-Rollen annehmen will (Vater Germont z.B., oh Graus). Aber anscheinend wird er, zumindest als Boccanegra, vom Publikum bejubelt. Ob die wohl alle wissen, wie ein richtig gesungener Doge klingen muß?

Beim Rigoletto-Quartett war er nicht mehr zu hören, daß muß man sich mal gönnen.

:wink: :wink: Kristin

27

Sonntag, 16. September 2012, 13:37

Also, zunächst mal ist es durchaus legitim vom Bariton- ins Tenorfach und/oder umgekehrt zu wechseln, wenn die Stimme sich entsprechend verändert (und die Stimme verändert sich ständig). Und in sehr vielen Fällen ist das sogar sinnvoll. Die wenigsten Tenöre werden als Tenor geboren (ist halt ein künstliches Stimmfach...), vor allem im dramatischen Fach.

Nur: Ein Tenor ohne Höhe ist halt noch lange kein Bariton, dazu braucht es eben auch die Tiefe. Die entsprechenden Töne dann einfach auzulassen oder unhörbar zu säuseln ist natürlich Betrug am zahlenden Publikum. Aber selbst wenn man sich die Tiefe erarbeiten kann (was nicht immer möglich ist), macht das aus einem Tenor noch keinen Bariton. Die Höhe muss nämlich bei einem Fachwechsel vom Tenor zum Bariton ganz neu geformt werden, Töne die man als Tenor coperto nehmen würde, müssen als Bariton offener genommen werden usw. Alles in allem erfordert so ein Fachwechsel eine komplette technische Umstellung, und ist sicher nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen. Ich glaube nicht, dass man das schaffen kann, ohne mindestens ein Jahr zu pausieren. Jedenfalls braucht ein Wechsel vom Tenor zum Bariton sicher genauso viel technische Arbeit wie umgekehrt.

Schliesslich will ich aber auch noch etwas zum umgekehrten Fall beisteuern: Nur weil man als hoher Bariton alle hohen Töne hat, um eine Tenor-Partie zu singen, heisst das noch nicht, dass man sie auch singen sollte. Noch schlimmer ist es, wenn man dann noch in Ensembles die hohen Stellen in bequeme Lage herunter transponiert, in solistischen Passagen dann aber keine Gelegenheit auslässt, mit testosteron-protzenden Spitzentönen zu prunken, die ein echter Tenor natürlich so nicht produzieren kann. Das betrifft nun vorwiegend die Operette (wiewohl Adrian Eröd ja schon den Loge gesungen hat, und es sicher nur eine Frage der Zeit ist, bis sich ein Bariton am Siegmund vergreift...), namentlich Partien wie den Eisenstein, Danilo, Tassilo, ... wobei ersterer ja schon fast nur noch von Baritonen gesungen wird. Das sollte sich mal ein Regisseur trauen, so in die Partitur einzugreifen, wie es ein Wächter, Prey oder Allen getan haben - obwohl deren Darstellungen sicher ihre Meriten haben, es ist halt nur ein anderes Stück.

Mauerblümchen

Nachtschattengewächs

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28

Sonntag, 16. September 2012, 13:49

und es sicher nur eine Frage der Zeit ist, bis sich ein Bariton am Siegmund vergreift...

Wäre das so ein großes Problem? Gerade beim Siegmund fand ich Stimmen, denen die baritonale Fundierung fehlt, eher unbefriedigend. Außerdem hat der Bariton Domingo ja schon den Siegmund gesungen. ...

Gruß
MB

:wink:
"Wer nur gerechtfertigt leben kann, kann nicht leben. Es sei denn, er könne seine Rechtfertigungsnot durch das Auflegen von Debussy-Platten narkotisieren." Martin Walser

29

Sonntag, 16. September 2012, 15:12

Ich hätte damit kein Problem, wenn das die Frage ist. Machbar ist es auf jeden Fall. Der Siegmund geht bis zum a1, das kriegt vom reinen Umfang ein hoher Bariton locker hin, auch die Tessitur ist durchaus machbar. Aber natürlich klingt ein Bariton anders als ein Tenor, und Wagner wollte eben einen Tenor. Man kann sich darüber hinwegsetzen, klar. Als Experiment im Einzelfall sicher interessant. Je nach Bariton würde ich es mir sogar anhören. Aber wenn man Tenöre kritisiert, die im Baritonfach wildern, dann muss man das auch umgekehrt tun - denn da gibt es weitaus mehr Fälle! Und natürlich gibt es das Problem auch bei den Frauenstimmen: Man kann ja auch die Rosina im Barbier oder die Carmen mit einem Sopran besetzen, es klingt halt anders als bei einem Mezzo/Alt. Im Einzelfall vielleicht durchaus interessant(er), Ich frage mich nur: Wieso macht man das? Ist es wirklich künstlerische Notwendigkeit, oder will da jemand nur sein persönliches Betätigungsfeld auf Kosten anderer erweitern, auch wenn die Qualität leidet. Die Frage stellt sich insbesondere, wenn in dem Fach eigentlich kein Mangel herrscht. Besonders perfide finde ich da die Koloratursoprane, die (unter grossen Eingriffen in den Notentext) im Rossini-Alt-Fach wildern, und den Kolleginnen damit die einzige Bühne nehmen, auf der sie sich ausserhalb der Barockmusik im Standardrepertoire profilieren können. Fast genauso schlimm sind die Baritöne, die sich für Operettentenöre halten, und damit das Trainingsfach der Heldentenöre zerstören - mit der bekannten Konsequenz.

gioachino

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30

Sonntag, 16. September 2012, 15:47

Ein Bariton mit einem lockeren a1 sollte wohl eher die " Winterreise " im Original singen und vom Siegmund die Finger, besser : den Kehlkopf, lassen, denn er wird - bei gewiss lyrischer Veranlagung ( kopfig ) - die vom Publikum heiß ersehnten Wälse - Rufe schwerlich bewältigen. Generell gilt natürlich auch für Frauenstimmen : Schuster, bleibt bei Euren Leisten ! Einer seriösen Umschulung steht andererseits nichts im Wege. Aber ein Domingo lässt sich nicht umschulen. Der macht halt im Nachbarfach weiter und erwartet, dass die Leute begeistert sind - wie gehabt.....

Ciao. Gioachino :pfeif:
miniminiDIFIDI

Areios

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31

Sonntag, 16. September 2012, 16:29

Und natürlich gibt es das Problem auch bei den Frauenstimmen: Man kann ja auch die Rosina im Barbier oder die Carmen mit einem Sopran besetzen, es klingt halt anders als bei einem Mezzo/Alt. Im Einzelfall vielleicht durchaus interessant(er), Ich frage mich nur: Wieso macht man das?


Die Carmen ist ja eher anders rum: Da wildern die dramatischen Mezzosoprane und Altistinnen im lyrischen Sopran/Mezzosopran-Fach. Célestine Galli-Marié, die Uraufführungscarmen, war nach heutigen Begriffen wohl ein hoher Mezzo, und ihre Rollennachfolgerin an der Opèra-Comique, Adèle Isaac, kreierte bei der Uraufführung von den "Contes d'Hoffmann" die Olympia (!) und Antonia. Die dramatische Mezzo- oder gar Alt-Carmen scheint erst eine Nachkriegsmode zu sein, die sich aber mittlerweile so sehr in die Köpfe der Opernbesucher eingebrannt hat, dass eine leichtere, originalgetreuere (und gute!) Besetzung wie Magdalena Kozená heftiger Kritik ausgesetzt ist.

Ebenso übrigens die meisten Belcanto-Opern, wo im Zuge des Belcanto-Revivals der 1950er Jahre massive Eingriffe in den Notentext unternommen wurden, um die Seconda Donna, die selbstverständlich für Sopran geschrieben ist, auf Mezzosopran herunterzutransponieren. Das ist bei manchen Opern wie "Norma" z.B. noch immer nicht revidiert worden, eine originale Sopran-Adalgisa bekommt man auch heute, in Zeiten der HIP-Bewegung, nirgends zu hören.

Und auch die schon angesprochenen "Contes d'Hoffmann": Zwar wurde der armen Giulietta schon bei der Uraufführung und bei allen Folgeaufführungen bis in die 1980er Jahre die Koloraturarie gestrichen, die definitiv nur von einem Sopran zu bewältigen ist, aber man besetzte sie selbstverständlich mit einem lyrischen Sopran, wie es auch in allen gedruckten Partituren steht. Erst ab der Mitte des 20. Jh. begannen die dramatischen Mezzos, sich die Partie unter den Nagel zu reißen, und heutzutage wird Giulietta gemeinhin als Mezzosopranpartie wahrgenommen, was sie nie war. Da frage ich mich auch: Wieso macht man das?

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

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