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Mozartinaa

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41

Dienstag, 6. Juli 2010, 13:50

Dann ist die Rolle der Pianistinnen, Bandleader und Arrangeurinnen Lil Hardin Armstrong und Mary Lou Williams, etwas später der Posaunistin und Arrangeurin Melba Liston für die gesamte Jazz-Entwicklung überhaupt nicht zu überschätzen.


Lieber Matthias,

da du den Begriff der Arrangeurin zweimal erwähnst.....was hat sie als solche genau gemacht und welche Qualitäten musste sie dafür haben?

Mozartinaa
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42

Dienstag, 6. Juli 2010, 14:25

da du den Begriff der Arrangeurin zweimal erwähnst.....was hat sie als solche genau gemacht und welche Qualitäten musste sie dafür haben?


Einen Song für eine Band einrichten, z. B. Bläsersätze schreiben, was mindestens für eine Big Band sehr anspruchsvoll sein kann. Voraussetzungen sind zunächst mal sehr gut Noten Lesen und Schreiben können, im frühen Jazz noch keine Selbstverständlichkeit, obwohl viel weiter verbreitet, als es in manchen Vorstellungen über frühen Jazz erscheint. Und natürlich sehr gute Kenntnisse in Harmonielehre und Instrumentierung. Lil Hardin etwa hatte so ziemlich die beste klassische Kompositionsausbildung, die damals eine junge, schwarze Frau erreichen konnte. Lil Hardin war verantwortlich für die damals wirklich ganz neuen Konzeptionen der Bands von Kid Ory und der Hot-Bands ihres kurzzeitigen Mannes Louis Armstrong, hat dann eine eigene, eine der ersten Big Bands dieses neuen Typs überhaupt, die den Übergang von Hot-Jazz der 20er/30er zum Swing der 30er entscheidend mitgestaltet hat, die Rhythm Syncopaters. Sie ist auch mit Kid Ory und Bix Beiderbecke die erste, die Jazz als eigene Kunstmusik versteht und dementsprechend ausbauen will. Sie und Mary Lou Williams sind auch, wenn sie nicht eigene Bands leiten, als Arrangeurinnen der innovativsten Big Bands ihrer Zeit tätig, für Fletscher Henderson, Duke Ellington und Count Basie. Das sind wirklich die Mütter des anspruchsvollen Swing und Big Band Jazz! Wieder Mary Lou Williams und Melba Liston spielen dann eine ganz entscheidende Rolle, den Big Band Jazz nach dem Swing mit Bebop, Hardbop und schließlich noch Modernerem, bei beiden auch Afrikanischem zu erneuern. Ihre Rolle für die gesamte Jazzentwicklung ist wirklich gar nicht zu unterschätzen. Sie müssen auf jeden Fall ganz, ganz vorne unter den wichtigsten JazzmusikerInnen - beiderlei Geschlechts! - genannt werden.

:wink: Matthias

Florian Voß

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43

Dienstag, 6. Juli 2010, 14:33

Bix Beiderbecke


Ach ja, Bix, du hast nicht zufällig Lust einen Faden zu knüpfen - ich hab im Momnt keine Zeit dafür. Wenn du den über Frauen im Jazz eröffnest, ist das doch n Klax, für´n Cat wie dich gleich n paar Zeilen über den Jungen Mann mit dem Horn zu schreiben. Ich würde dann anschließend auch etwas dazu beitragen... :beatnik:

.




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Eine Krähe war mit mir
aus der Stadt gezogen

44

Dienstag, 6. Juli 2010, 14:55

Re: Bix Beiderbecke

Hallo Florian,

zu ihm habe ich keider kaum Material greiffbar. Also das wird auf absehbare Zeit nichts. Mach's selbst!

:wink: Matthias

Florian Voß

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45

Dienstag, 6. Juli 2010, 17:23

Mach's selbst!


Das habe ich ja bereits befürchtet... 8| ich setz mich Ende August dran.

.




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Eine Krähe war mit mir
aus der Stadt gezogen

46

Dienstag, 27. Juli 2010, 17:12

Zu den "Frauen im Jazz" sei noch Ann Ronell erwähnt. Ich weiß nicht gerade viel über sie, aber im Musical- und Filmmusikbereich hat sie wohl einiges komponiert und arrangiert, vor allem aber hat sie "Willow weep for me" geschrieben, und das ist die Erwähnung allemal wert. Angeblich hat sie eine Affäre mit Gershwin gehabt und soll ihm den besagten Song auch gewidmet haben.

Tharon.

47

Samstag, 12. März 2011, 13:16

Was ich schon immer mal über Jazz wissen wollte? Da gibt es so viel, dass mir meistens keine konkrete Frage einfällt.

Hier mal wieder eine, die die Wardell Gray Aufnahme "Memorial Volume 1" in mein Bewusstsein gespült hat: Bei den Tracks 15 - 18 wird Wardell Gray von "Teddy Charles West Coasters" begleitet. Teddy Charles spielt Vibraphon. Ich mag den Sound dieses Instrumentes sehr. Wenn ich aber Vibraphon im Jazz höre gibt es zwei Möglichkeiten: entweder steht mir der Mund auf, angesichts der unfassbaren Virtuosität (ich finde, virtuose Vibraphonisten gibt es überraschend viele im Jazz), oder ich bleibe relativ unbeteiligt.

Mich würde mal interessieren, ob es Jazz-Vibraphonisten gibt, die die besondere Klangqualität des Instrumentes, so wie ich sie schätze, zur Geltung bringen. Ich mag nämlich das Instrument besonders dann, wenn man hören kann, warum es seinen Namen bekommen hat: wenn längere Akkorde oder stehende Klänge hörbar werden, bei denen man hört, wie der Motor die kleinen Platten in den Resonanzröhren langsam und stetig hin und her wendet. Wenn der Sound dadurch langsam und scheinbar schwerfällig umgeschichtet wird... ("gerührt, nicht geschüttelt").

Kurz: gibt es Jazzvibraphonisten, die nicht unbedingt auf Demonstration von Geschwindigkeit und Virtuosität aus sind, sondern das Instrument öfter mal ausklingen lassen?

Tharon.

48

Samstag, 12. März 2011, 13:39

Kurz: gibt es Jazzvibraphonisten, die nicht unbedingt auf Demonstration von Geschwindigkeit und Virtuosität aus sind, sondern das Instrument öfter mal ausklingen lassen?


Mit David Friedman dürftest du in der Hinsicht gut bedient werden. Der meist sehr lyrisch spielende US-Amerikaner, der Jazz-Professor in Berlin ist, ist ein durchaus hervorragender Virtuose, der sich aber sehr oft viel Zeit und sein Instrument lange klingen läßt, z.B. auf dieser sehr schönen Duo-CD mit dem Berliner Saxophonisten Peter Weniger:



Es gibt aber sehr viele, sehr gute, eher ruhige Aufnahmen von David Friedman, auf denen er den Klang lange schweben läßt. Da kann man kaum etwas falsch machen.

Auch Gary Burton läßt sich häufiger Zeit. Da fällt mir aber gerade keine passende CD-Empfehlung ein.

:wink: Matthias

Nachtrag: Vor wenigen Tagen habe ich erst eine außerordentlich gute, noch unbekannte Vibraphonistin gehört. Die junge Polin ist erst Mitte 20, der Fusion ihrer Frauen-Band sehr konventionell und langweilig, aber ihre Soli waren das nicht und auch nicht nur extrem virtuos, sondern musikalisch wirklich gut, z.B. außerordentlich gut aufgebaut, doch jetzt musste sie wohl noch ihre ganze Virtuosität auch fast immer beweisen. Ihr Name könnte sich aber zu merken lohnen: Izabella Effenberg. In ein paar Jahren hat sie vielleicht nicht mehr zu viel Mike Maineri, sondern auch mehr David Friedman internalisiert.

49

Samstag, 12. März 2011, 14:54

Vielen Dank. Ich werde mich mal drum kümmern.

Tharon.

50

Sonntag, 29. Mai 2011, 00:40

Ja, und hier mal wieder ich... per Anhalter durch die Galaxis des Jazz...

Also: Es gibt eine Miles Davis Platte, die ich schon lange Jahre besitze: "Miles Davis and the Lighthouse All-Stars - At Last!" (Das Cover per Amazon lässt sich aus irgendeinem Grund nicht transferieren).

Um ehrlich zu sein: ich finde die Scheibe nicht besonders. Aber ein Stück hat es mir angetan: "Infinity Promenade". Es ist eine ziemlich statische Komposition, deren Thema lediglich aus bogenförmigen Phrasen mit schrittweiser Tonfortschreitung und einem Pendeln zwischen I. und IV: Stufe besteht. Auf diese Weise spiegelt es eine nicht enden wollende Promenade gut wider. Harmonische Statik im Jazz ist eine Erscheinung, die mich interessiert und diese Komposition, finde ich wenigstens, lädt doch geradezu zu einem John-Coltrane-My-favorite-things-Sog ein. Leider, wie gesagt, ist die Miles-Davis-Version ziemlich nichtssagend. Also denke ich mir: vielleicht gibt es noch eine bessere Quelle. Komponist der Nummer ist Shorty Rogers. Und ich finde eine Version auf dieser Compilation:



Diese Version ist nicht schlecht... aber das Statische wird geradezu außer Kraft gesetzt, weil nach der Themenvorstellung Improvisationen folgen, die nicht auf der Harmonik des Themas beruhen, sondern eine ziemlich standardmäßige Akkordprogression konstituieren. Hin und wieder wird das Thema in Erinnerung gerufen, jedesmal auf "Bolero"-artige Art und Weise gesteigert, bis die Trompeten auch zeigen können, wie hoch sie wirklich kommen... aber das, was dieses Thema für mich verheißt, geht in den nachfolgenden Improvisationen unter.

Also folgt als logische Frage: Gibt es eine Version des Stückes, die die flexible harmonische Anlage konsequent ausnutzt (ich denke an modalen Jazz oder von mir aus auch Free Jazz)?

Das wüsste gern

Tharon.

Mozartinaa

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51

Samstag, 8. Oktober 2011, 21:29

Als ich heute mit dem Auto unterwegs war und aus dem Lautsprecher Chet Baker ertönte,der mit seiner sanften Stimme meine Fahrt versüßte, kam mir plötzlich folgende Frage in den Sinn:

Woher stammt eigentlich das Wort " Jazz" ?

Ist dieser Begriff eine Neuerfindung?

Weiß man eigentlich,wer der Geburtsvater dieses Wortes ist?

Und was heisst "Jazz" eigentlich genau übersetzt? Kann man dieses Wort überhaupt übersetzen?

Es grüßt Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

52

Samstag, 8. Oktober 2011, 22:13

Woher stammt eigentlich das Wort " Jazz" ?
Hier guckst Du! :D
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


Mozartinaa

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53

Sonntag, 9. Oktober 2011, 18:47

Hallo Josquin,

Wikipedia ist bei Fragen meistens meine erste Anlaufstelle ,aber danke für deine Antwort. Ich stellte meine Frage ins Forum in der Hoffnung,dass vielleicht einer der Jazzfreunde noch eine andere Erklärung zur Etymologie des Wortes Jazz hat.

Ich hab mich schon mal auf Spurensuche gemacht und werde meine Recherche peu à peu zum Besten geben. Für Korrekturen und Ergänzungen bin ich natürlich sehr dankbar.



Die Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Jazz" kann nicht mit Sicherheit bestimmt und erklärt werden. Daher gibt es zahlreiche Erklärungsversuche,die mehr oder weniger plausibel sind.

Ich möchte einmal zwei der wahrscheinlicheren Deutungen anführen.

Version A : das Wort "Jazz" könnte sich vom jamaikanisch-kreolischen Wort " jass" abgeleitet haben,was soviel wie Aktivität ( auch Sexualverkehr) bedeutet.

Version B: "Jazz" stamme eventuell vom amerikanischen Slang - Ausdruck " jazzy" ab, der für grell,erregend,sexuell stimulierend steht.



Fotsetzung folgt Mozartinaa
" Das Österreichisch klingt wie ein einzig großer Topfenknödel "......Zitat aus der Krimiserie "Bella Block"

54

Sonntag, 9. Oktober 2011, 20:52

Dann bin ich mal gespannt, was du noch findest. Ich weiß nämlich auch nicht mehr, als bei Wikipedia zu finden ist, außer, dass es noch diverse weitere kuriose Erfinderansprüche gibt, z. B. noch von Jelly Roll Morton, aber sogar von einem Russen. :D

:wink: Matthias

Mozartinaa

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55

Sonntag, 9. Oktober 2011, 21:36

Ich weiß nämlich auch nicht mehr, als bei Wikipedia zu finden ist, außer, dass es noch diverse weitere kuriose Erfinderansprüche gibt, z. B. noch von Jelly Roll Morton, aber sogar von einem Russen.

Zu den unwahrscheinlichen Deutungen gehört auch jene, dass die Enstehung des Wortes "Jazz" etwas mit dem legendären DJ AL "Jazzbeau" auch "Jazzbo" ( 1919-1997) zu tun haben könnte.

Warum dieser Jazzbo legendär war, habe ich noch nicht nachgeschlagen,ist auch zur Zeit nicht von großem Interesse für mich. Aber vielleicht hast du schon mal von ihm gehört.

Mozartinaa
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56

Sonntag, 9. Oktober 2011, 23:14

Aber vielleicht hast du schon mal von ihm gehört.


Nö. :D

:wink: Matthias

57

Sonntag, 29. Juli 2012, 23:11

Demnächst gibt es in der Jazzband meiner Schule wahrscheinlich einen E-Bass UND eine Tuba.

Ich habe etwas Angst vor den multiplen Tiefen.

Gibt es irgendwelche Vorbilder, die man sich mal anhören könnte, die mit Bass und Tuba oder zumindest zwei unabhängigen Bassinstrumenten gespielt haben und trotzdem tiefes Mulmen vermieden haben und plastisch durchhörbar geblieben sind?

Tharon

58

Mittwoch, 1. August 2012, 21:48

@ Tharon:

die Antwort auf deine Frage würde mich auch interessieren, da ich ab und zu mit einer guten Freundin (ihres Zeichens e-bassistin) experimentiere und wir auch auf der Suche nach Stücken für zwei Bassinstrumente sind, die sich in ihrer Melodieführung klar voneinander unterscheiden bzw. ergänzen.

Ich habe jetzt mal das hier für uns angeschafft:

http://www.alfredverlag.de/cms/front_content.php?idcat=694&idart=4283

LG Lotte

59

Donnerstag, 2. August 2012, 00:42

In unserer eigenen Combo funzt die Paarung wunderbar. Der Bass muss nur gut artikulieren können. Mal schauen, ob ich mal irgendne Aufnahme rausklauben kann.
"...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms

60

Donnerstag, 2. August 2012, 02:23

Ja, ich spiele auch gerne mit mehreren Bässen oder Bässen und tiefen Bläsern.

Da gibt es auch enorm viele Beispiele, so spielte ja schon Coltrane öfter mit zwei Bässen und auf den Africa Brass Sessions etwa mit Bass und tiefen Bläsern, Ornette Coleman seit den 70er überhaupt nur noch mit 2 bis 3 Bässen, meist zwi Kontrabässe und ein E-Bass und viele übernahmen das und zu Gil Evans späteren Bands gehörten immer Tuba und Horn und Kontrabass oder E-Bass. Das kannst du, lieber Tharon, auf jeder seiner späteren CDs z.B. mit seinem Monday-Night-Orchestra hören. Die Kombination von Bass, Tuba und Horn oder weiteren anderen tiefen Bläsern sind in modernen Big Bands eigentlich sehr verbreitet. Die tiefen Bläser sind dann meist Erweiterung der Farbpalette des Posaunensatzes und die Tuba übernimmt nur Bass-Rhythm-Patterns, wenn der Bass Melodie oder kontrapunktische Gegenmelodie oder Soli spielt. Die Kombination E-Bass und Tuba ist eigentlich am einfachsten, weil sie sich besonders leicht in den Ferquenzen aus dem Weg gehen können. Der Bass sollte dann vielleicht eher mit weniger am Amp eingedrehten Mitten und Bässen spielen, eher clean und knackig, dort, wo beide Rhythmusarbeit leisten und natürlich müssen beide deutlich akzentuieren, wie Audiamus schon schrieb.

Auch zur Kombination von Bässen und Celli fällt mit so viel ein, dass ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll.

Das Berlin Improvisers Orchestra spielt etwa sogar regelmäßig mit 4 - 5 Kontrabässen, Cello, Posaunisten, die manchmal auch zur Tuba oder zum Susaphon wechseln und oft einem Theremin, das manchmal auch in die tiefen Ferquenzen gerät und natürlich noch vielen anderen Instrumenten u.a. immer 2 Schlagzeugern und oft noch Percussion und die spielen völlig freie, jedoch meist von einem der MusikerInnen spontan dirigierte Kollektivimprovisationen und klingen meist dennoch sehr durchhörbar, es sei denn tiefe Cluster passen gerade in den Prozess. Selbst das geht! Aber das sind natürlich alles sehr erfahrene MusikerInnen, die wissen, was zusammengeht und wann man nichts mehr hört und die blitzschnell im Zusammenspiel dementsprechend reagieren können. Die Kombination mehrerer Tieftöner verlangt auf jeden Fall gutes Zuhörenkönnen und Selbstdisziplin, nicht zu viel machen zu wollen. Insofern eigentlich ideal zum Lernen in einer Nachwuchsband und eine gute, spaßige Herausforderung für die Tieftöner, die dann auch mal solieren können, was viel einfacher ist, wenn ein zweiter Tieftöner dann die Rhythmuspatterns weiterspielt. Da kann dann auch schon relativ einfach zu Spielendes sehr wirkungsvoll sein. Es muß ja nicht jeder gleich wie Dave Bargeron in Gil Evans Monday Night Orchestra ein Jimi-Hendrix-Solo in Jimis Klasse auf der Tuba zu "Little Wing" hinlegen :D . Für die eher Rock-Interessierten, Bargeron spielte übrigens auch die Tuba bei Blood, Sweat & Tears, die selbstverständlich auch noch einen E-Bass hatten. Besonders interessant zu hören auf ihrer Live-Doppel-LP.

Liebe Lotte, für dich ist vielleicht auch die schwedische Progressiv Metal Band "Diablo Swing Orchestra" interessant, die immer mit E-Bass und 1-2 Celli spielen, gelegentlich schon mal auch noch einem zusätzlichen Kontrabassisten.

Die Free-Noise-Metal-Band God machte sogar mit 8 Bassisten plus mehrere Bariton-Saxophone und Bass-Sax interessanten Krach. :D

:wink: Matthias

61

Donnerstag, 2. August 2012, 13:17

Auch zur Kombination von Bässen und Celli fällt mit so viel ein, dass ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll.


Wo Jazz-Cellisten nicht solo, im Duo oder Trio auftreten, sondern in der Gruppe, spielen sie im Jazz in der Regel mit einem Bassisten. Ausgehend von heute mindestens ca. 40 - 50 sehr guten ProfijazzcellistInnen im internationalen Jazz, von denen einige schon seit Jahrzehnten tätig sind und die, sehr niedrig angesetzt, bei ca. 3 Cds im Jahr mitwirken, läßt sich ein Eindruck gewinnen, wieviel es bereits gibt. Aber natürlich gibt es auch Duo- und Trio-Aufnahmen mit Cello und Bass, z.B. nicht nur hoch-virtuos, sondern auch sehr schön, experimentell und oft witzig, ist ein Streich-Trio mit Vincent Courtois (Cello), Claude Tchamitchian (Kontrabass), Alain Grange (Bratsche), von denen es auch sehr tolle CDs gibt oder schon vor 20 Jahren das Accardo String Trio mit Mark Feldman (vi), Erik Friedlaender oder Hank Roberts (cello) und Mark Dresser (b).

Ich kann nur wieder sagen, möglichst viel Musik mit Tieftöner-Kombinationen Hören - am besten auch live und/oder mit dem Instrument in der Hand! Es gibt mehr als genug. Vielleicht auch mal kürzere Passagen, mit denen man gerade viel anfangen kann, transkribieren. Und dann eben in's kalte Wasser springen und ausprobieren!

Versuchen, Regeln aufzustellen oder Arrangement-Lehrbüchern stehe ich eher sehr skeptisch gegenüber. Aber das Zusammenspiel mit erfahreneren MusikerInnen ist Gold wert und insofern können Workshops sehr sinnvoll sein. Da wird doch heute landauf, landab viel angeboten. Bei solchen Workshops ergeben sich meistens schon dadurch, dass meistens mehrere Tieftönerinstrumentalisten teilnehmen und dann auch mitspielen und ausprobieren wollen, Zusammenspiele mit mehreren Tieftönern und ein guter Workshopleiter oder schon erfahrenere Teilnehmer werden etwas ordnend eingreiffen.

:wink: Matthias

62

Donnerstag, 2. August 2012, 13:44

In meinem Buch "Faszination Schellack" gibt es ein eigenes Kapitel über frühe Jazzplatten, den Jazz im Allgemeinen.

Darin heißt es etwa: "Der Jazz will keine einfache, besinnliche Musik sein, der den Zuhörer beruhigt. Er will ein wenig provozieren und er will frei bleiben, improvisiert. Und das ist es, was die Generation zwischen den Weltkriegen hören wollte (...) Dem Jazz haftete schon immer etwas ruchloses an, schon alleine die Wurzeln des Wortes Jazz ("jazzing" bedeutete in den Freudenhäusern New Orleans wohl "Verkehr miteinander haben") machen dies deutlich. Bis in die heutige Zeit beeinflusst die vorgegebene Spieldauer einer Plattenseite von ca. 3 1/2 Minuten die Musik. Auch im Jazz wurden dadurch zwangsweise viele Stücke dieser Dauer formal unterworfen. Die in Live-Sessions zeitlich fast unbegrenzte Möglichkeit der Improvisation musste jetzt verhältnismäßig geplant und beschnitten werden. Andererseits musste in der kürzeren vorhandenen Zeit so viel wie möglich gezeigt werden und hat dadurch sicherlich wieder neue Kreationen hervorgerufen."



Interessant ist eine ganz frühe Schellackplatte aus dem Jahr 1917, mit dem Titel "Darktown strutters ball", wobei laut Etikett die "Original Dixieland Jassband" spielt. Da wurde Jazz noch Jass bezeichnet. Wieso, weiss ich nicht.
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Alle Menschen werden als Unikat geboren, doch die meisten sterben als Kopie.
Wo alle dasselbe denken, wird nicht viel gedacht.

63

Donnerstag, 2. August 2012, 23:56

Interessant ist eine ganz frühe Schellackplatte aus dem Jahr 1917, mit dem Titel "Darktown strutters ball", wobei laut Etikett die "Original Dixieland Jassband" spielt. Da wurde Jazz noch Jass bezeichnet. Wieso, weiss ich nicht.
Ist das nicht sogar eine der ersten Jazz-Aufnahmen überhaupt?


jd :wink:
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Hudebux


64

Freitag, 3. August 2012, 00:07

Ich denke, ja. Wobei ich mich aber nicht festlegen will darauf, bei Jazz-Schellacks hab ich so gut wie gar keine Ahnung, mein Gebiet ist eher die Klassische Musik. Ich finde es ja schade, dass Schellacks meistens auf Tanzmusik reduziert werden, obwohl es auch z.B. Kabarettplatten gab, oder die "ODEON Zauberplatte", wobei eine Plattenseite 3 Rillen hatte, wobei es dem Zufall überlassen war, welche Rille die Nadel erwischt hat, welches Stück also gespielt wurde.

Gehört hab ich die Platte leider noch nicht, würde mich interessieren wie die Aufnahme klingt. Das Ungewöhnlichste ist sicher dass Jazz noch Jass geschrieben wurde - obwohl die Platte KEINE deutsche, sondern eine amerikanische Pressung der Columbia Graphophone (kein Schreibfehler!) Company ist, also aus Amerika.
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65

Freitag, 3. August 2012, 00:54

Lieber Matthias,

danke erstmal für deine Antwort.

Die einzige Coltrane-Aufnahme, die mir etwas vertrauter ist und mehrere Bässe aufweist ist die Ascension... dachte ich zumindest... eben sehe ich, dass auf der Aufnahme von "India" auf der "Impressions" auch zwei Bässe spielen. Nun... so sehr ich die Ascension mag - die Musik ist doch relativ weit weg von dem, was ich mit meinen Schülern anstellen kann... und das, obwohl die Gruppe durchaus aufgeschlossen für ein paar vorsichtigere Experimente ist. Ich weiß auch nicht, ob ich gerade den Sound der "Ascension" als durchhörbar bezeichnen würde. (Ähnliches gilt für die "Free Jazz" von Coleman: die ist zwar etwas durchhörbarer, aber ebenfalls meilenweit von der schulmusikalischen Realität entfernt). So was wie "India" ist drin... aber auch nur in Gestalt von ein oder zwei Nummern pro Programm. Diese statischen Grundton-Bordun-Nummern brauchen eben Leute, denen es gelingt, spannende Sachen darüberzuspielen. Dazu sind wir in der Gruppe einfach nur begrenzt in der Lage.

Gil Evans kenne ich natürlich. Ich habe ihn als Vorbild gar nicht in Erwägung gezogen, weil ich eben gar keine richtige BigBand zur Verfügung haben. Bei uns gibt es in der Regel drei, vier Saxophone, ein, zwei Blechbläser und eine Rhythmusgruppe. Das ist dann doch nochmal eine andere Klangwirklichkeit als das fette Gil Evans Orchester.

Dieses Monday-Night-Orchestra und die Africa-Brass-Sessions nehme ich auf jeden Fall mal als Anregung mit. Ich kenne beides noch nicht.

Letztlich ist aber so ein Satz...

Zitat von »Matthias Oberg«

Die tiefen Bläser sind dann meist Erweiterung der Farbpalette des Posaunensatzes und die Tuba übernimmt nur Bass-Rhythm-Patterns, wenn der Bass Melodie oder kontrapunktische Gegenmelodie oder Soli spielt. [...] dort, wo beide Rhythmusarbeit leisten [...] müssen beide deutlich akzentuieren


...immerhin auch schon mal ´ne konkrete Aussage, auf deren Basis ich mal anfangen kann auszuprobieren.

Tharon.

66

Freitag, 3. August 2012, 00:56

Gehört hab ich die Platte leider noch nicht, würde mich interessieren wie die Aufnahme klingt.

"http://www.youtube.com/watch?v=IMHJ8PgVatk"

Ich verstehe aber nicht ganz, welche Frage sich dadurch stellen soll? Geht's um den Begriff "Jass/Jazz"? Oder um die vieldiskutierte Frage, welche Rolle die ODJB musikhistorisch spielt?
„Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

67

Freitag, 3. August 2012, 01:03

Leider steht bei dem Video kein Datum dabei - ich glaube nicht, dass das DIE Aufnahme von 1917 ist, dafür klingt sie viel zu hallig, die Instrumente zu ausgewogen, wie es eine akustische Aufnahme aus der Zeit, wo man noch mit Trichtern aufnahm, nie klingen würde. Für mich klingt sie elektrisch.

Aber ich kann mich auch irren, und lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen, aber DIESES Klangbild für eine 1917er wäre schon SEHR ungewöhnlich.

(Hier habe ich einen Fledermauswalzer von 1910 eingestellt: "http://www.youtube.com/watch?v=_V4Q_t4KN1c&feature=relmfu" - die Instrumente im Hintergrund, speziell die kleine Flöte, hört man so gut wie gar nicht mehr!)
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68

Freitag, 3. August 2012, 01:26

ich glaube nicht, dass das DIE Aufnahme von 1917 ist, dafür klingt sie viel zu hallig, die Instrumente zu ausgewogen, wie es eine akustische Aufnahme aus der Zeit, wo man noch mit Trichtern aufnahm, nie klingen würde. Für mich klingt sie elektrisch.
Mag sein. Ich verstehe aber immer noch nicht, worauf du mit deinen Beiträgen hinaus willst!? Wo ist die Frage? Bzw. worauf ist dein Hinweis eine Antwort?
„Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

69

Freitag, 3. August 2012, 13:05

Gil Evans kenne ich natürlich. Ich habe ihn als Vorbild gar nicht in Erwägung gezogen, weil ich eben gar keine richtige BigBand zur Verfügung haben. Bei uns gibt es in der Regel drei, vier Saxophone, ein, zwei Blechbläser und eine Rhythmusgruppe. Das ist dann doch nochmal eine andere Klangwirklichkeit als das fette Gil Evans Orchester.

Dieses Monday-Night-Orchestra und die Africa-Brass-Sessions nehme ich auf jeden Fall mal als Anregung mit. Ich kenne beides noch nicht.


So etwas wie sehr begrenzte Möglichkeiten habe ich mir schon gedacht. Deswegen kam ich auf den späten Gil Evans. Das war nicht mehr der perfekte Klangzauberer, sondern nicht nur mit dem Monday-Night-Orchestra, womit Montags aus einem Pool von Musikern um Gil Evans die, die halt gerade konnten, eher sessionmäßig im Sweet Basil spielten, sondern auch in den meisten späten Ausgaben des Gil Evans Orchestra war die Musik und waren auch die Arrangements viel einfacher., z. B. Stücke von Hendrix oder sogar Sting. Es gab kaum noch ausgefeilte Partituren. Gil Evans sang oder spielte seinen Musikern der jeweiligen Orchestergruppe meist nur kurz vor, was er von ihnen wollte. Was dabei an Ausgefeiltheit und klangzauberischer Rafinesse verloren ging, wurde andererseits an Lebendigkeit gewonnen. Außerdem war die Besetzung häufig Tuba und E-Bass.



Jedoch spielt hier Howard Johnson nicht nur Tuba, sondern auch Baritonsax. Die Beispiele, wo er Tuba spielt, sind aber vielleicht ganz brauchbar.

Bei Coltranes "Africa" auf Africa Brass verwendet er sogar 4 Hörner, 2 Euphonium, Baritonsax, Tuba und 2 Kontrabässe. Auch diese Komposition ist eigentlich nicht so kompliziert, aber sehr toll. Da läßt sich m.E. schon ganz gut heraushören, wie er erreicht, dass die tiefen Bläser zusammen als Gruppe hörbar sind und sie sich mit den Bässen nicht in die Quere kommen.

:wink: Matthias

70

Freitag, 3. August 2012, 14:17

Hallo lieber Matthias,

ich danke dir sehr für deine ausführliche Antwort, du gibst dir immer so viel Mühe, einem weiterzuhelfen!!

Die Band "Diablo Swing Orchestra" habe ich mir jetzt vorgeerkt. Leider ist eben so, dass wir beide eher in die Ketgorie "Anfänger" gehören, vor allem was bei mir das Improvisieren betrifft. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich das noch nie getraut. Ich hänge an den Notenbättern wie ein Nichtschwimmer an seinen Schwimmflügeln :hide: . Und meine Bekannte ist zwar das Improvisieren auf dem Saxophon bereits etwas gewöhnt, jedoch ein absoluter Anfänger auf dem e-bass.

Meinst du, du könntest mir noch einen Tipp bezüglich der workshops geben, die du genannt hast?? Vielleicht was im Rhein-Main-Gebiet?? :pfeif:

Nochmal vielen Dank!

LG Lotte

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71

Freitag, 3. August 2012, 15:47

Jedoch spielt hier Howard Johnson nicht nur Tuba, sondern auch Baritonsax.
Und er spielte Piccoloflöte - und das sogar als Soloinstrument! Ich habe ihn mit dem Gil Evans Orchestra mal in der Hamburger "Fabrik" ein geniales Piccoloflötensolo zu "Little Wing" von Jimi Hendrix (einem der Leib- und Magenstücke von Gil Evans) spielen hören.

Zum späten Gil Evans kann ich nur sagen, dass er für mich der beste war. Die "Live at Sweet Basil"-Aufnahmen sind allesamt sowas von klasse (es gibt etwa 8 Stunden Live-Mitschnitte in verschiedensten Editionen). Ebenso die Konzerte, die er in Europa mit seiner Band gab. Marilyn Mazur habe ich zum Beispiel nicht nur mit Miles gesehen, sondern auch als Perkussionistin bei Gil Evans. Was hatte er sonst noch alles für tolle Musiker in der Band der letzten Lebensjahre: Lew Soloff, George Adams, Hannibal Marvin Peterson, Dave Bargeron, Hiram Bullock, Tony Levin, Delmar Brown, Shunzo O'no, Chris Hunter, John Surman, Danny Gottlieb, seinen Sohn Miles (!) Evans, um nur mal ein paar außer dem bereits erwähnten Howard Johnson zu nennen. Und welch ein Talent hat er als seine Assistentin der letzten Lebensjahre in die Jazzwelt eingeführt: Maria Schneider! Sie musste die gesamte Arrangierarbeit mehr oder weniger komplett übernehmen, nachdem Gil Evans fast erblindet war. Das aber immer in stetem Kontakt mit Gil, den sie über alle Maßen wegen seiner Lebensleistung bewunderte, fast schon gottähnlich verehrte. Nicht umsonst nannte sie ihr zweites Album mit dem Maria Schneider Jazz Orchestra "Evanescence".

Wer nicht so jazzaffin ist, aber zu Hauses Stings Album "Nothing like the Sun"

im Regal stehen hat, sollte sich mal "Little Wing" von diesem Album in voller Lautstärke anhören. Dort spielt das Gil Evans Orchestra mit Sting! Und wenn man das mag, sollte als nächste logische Anschaffung dieser Live-Mitschnitt vom Umbria Jazz Festival in Perugia 1987 folgen

auch erhältlich als DVD

Alle Arrangements stammen übrigens - siehe oben - von Maria Schneider, deren erster großer Auftritt dieses Perugia-Konzert war. Und wenn man dann beim genial dargebotenen Song "Strange Fruit" begeistert mitswingt, bei "Murder by Numbers" mitrockt, beim George Adams-Solo zu Tony Williams' Komposition "There comes a time" sprachlos lauscht oder beim wunderbaren "Little Wing" eine Träne verdrückt, ist man im Jazz angekommen 8+)

72

Freitag, 3. August 2012, 18:16

Meinst du, du könntest mir noch einen Tipp bezüglich der workshops geben, die du genannt hast?? Vielleicht was im Rhein-Main-Gebiet??


Hallo Lotte,

Vielerorts gibt es private Musikschulen für Rock und Jazz, die gelegentlich auch nicht-instrumentengebundene Workshops zur Improvisation anbieten, vielleicht auch mal z.B. ein Blockseminar zur Einführung in die Improvisation. In der Regel wird dann schnell in's kalte Wasser gesprungen und in kleinen Gruppen derer, die da eben hinkommen, mit eben den mitgebrachten Instrumenten improvisiert. Ein erfahrener Kursleiter kann dann schon auch Tips geben, die auch über sein eigenes Instrument hinausgehen.

In Darmstadt ist das Deutsche Jazzarchiv. Die machen auch selbst eine ganze Reihe Veranstaltungen, jedoch mehr Ausstellungen, Konferenzen und Diskussionsveranstaltungen zu Geschichte und Gegenwart des Jazz, aber wenn ich mich richtig erinnere, haben die auch ein schwarzes Brett mit Aushängen für Unterricht, Workshops etc in der Region.

In Frankfurt gibt es eine private Jazzhochschule. Das ist für Euch zwar zu hoch und da kann man auch nicht einfach an Kursen teilnehmen. Aber da kann man vielleicht erfahren, was für Kurse, Workshops etc in der Region noch angeboten werden. Würde mich sehr wundern, wenn es nicht auch in Frankfurt Musikschulen gibt, die Workshops zum Improvisieren-Lernen anbieten. Ansonsten kann man über solche Anbieter oft auch einfach mal 2-3 Privat-Stunden Band-Coaching mit einem erfahrenen Musiker ausmachen. Häufig werden auch da, wo viele Übungsräume vermietet werden, Unterricht und Kurse angeboten.
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Hallo Music Lover,

ja, Howard Johnson ist ein faszinierender Multi-Instrumentalist. Ich habe ihn zwar noch kein Solo auf der Picolo-Flöte spielen hören, aber dafür ein langes, sehr tolles auf der ansonsten aus dem Irish Folk bekannten Tin Whistle. Er ist beeindruckend gut an der Tuba und dem Bariton-Sax, aber er spielt außerdem auch noch Posaunen, Kontrabass und E-Bass. Ich habe mal einen Worshop bei ihm mitgemacht, wo wir mit diversen Bässen und Tuba und anderen tiefen Bläsern zusammengespielt haben und er extrem gute Tips geben konnte. Es gibt von ihm Aufnahmen mit mehreren Tuben mit seiner Gravity Band:



Sehr tolle Musik! In den verschiedenen Line Ups seiner Gravity Band haben auch fast alle Top-Tubisten des Gegenwartsjazz mal gespielt. War auch immer live extrem unterhaltsam.



Auch dieses Pharoah Sanders Tribute ist sehr schön. Er wechselt hier zwar zwischen Tuba, Bariton Sax und Tin Wistle, hat aber auch 1- 2 Kontrabässe dabei. Live hat er die Tournee mit deutschen StudentInnen aus seinen dmaligen Meisterklassen in Hamburg und Berlin gegeben und hatte zwei Kontrabässe dabei. Zumindest auf einigen Stücken ist auf der CD auch die Kombination Tuba - Kontrabass zu hören.

Diese ganzen späten Gil-Evans-Band-Aufnahmen finde ich auch alle sehr toll. Ich habe jetzt noch mal nachgeschaut. Meistens wechseln jedoch die Posaunisten nur für einige Stücke zur Tuba. Bass-Posaune und Horn gibt es dann meist auch noch. Das ist in sehr vielen modernen Big Bands und mittelgoßen Bands so, dass Posaunisten für einzelne Stücke zur Tuba wechseln, Horn und Bassposaune aber durchgehend spielen und selbstverständlich die Rhythmus-Gruppe über einen Kontrabass oder E-Bass verfügt, die Tuba nur ausnahmsweise Rhythmuspatterns übernimmt, ansonsten Teil der Posaunengruppe ist.

Wie die Tuba dann mal Rhythmus spielen kann, kann man gut auf den diversen neueren, meist ziemlich funky spielenden New Orleans Brass Bands hören, z.b. Dirty Dozen Brass Band, Rebirth Brass Band u.v.a.

:wink: Matthias

73

Freitag, 3. August 2012, 18:45

Ähnliches gilt für die "Free Jazz" von Coleman: die ist zwar etwas durchhörbarer, aber ebenfalls meilenweit von der schulmusikalischen Realität entfernt).


Ja, klar, aber bei den ganzen späteren Aufnahmen mit der Prime Time Band oder mit seiner aktuellen Band ist es zwar auch sicherlich nicht auf die schulmusikalische Realität übertragbar, aber viel durchhörbarer als bei "Free Jazz" und ähnlichen Aufnahmen aus dieser Zeit. Insofern läßt sich schon vielleicht etwas abhören, wie z.B. mit Funk-Patterns gearbeitet werden kann, wenn mehrere Bässe gleichzeitig spielen, bzw wie es geht, wenn mehrere Tieftöner gleichzeitig Rhythmus-Patterns spielen. Daraus ist ja dann auch viel hervorgegangen, wie Ronald Shannon Jacksons Decoding Society, die auch immer mit 2 E-Bässen spielte.

Wieder ander, aber gut geht z.B. auch - und das muß nicht schwierig sein, klingt aber effektvoll - , wenn die Tuba typische moderne New-Orleans-Funk-Marching-Band-Rhythmuspatterns übernimmt, der E-Bass dazu nur wenige Grundtöne mit dem Daumen slabt, so eher das Schlagzeug ergänzend, ansonsten mehr die Töne funkbassmäßig auf den höheren Saiten anreißt oder auf den unteren beiden Saiten Akkorde rhythmusgitarrenmäßig anreißt oder mit Plektrum spielt und so sehr helle, knackige, sehr akzentuierte Klänge erzeugt. So kannst du auch mal für ein Paar Takte oder sogar ein Stück beide in der Rhythmusgruppe einsetzen und wenn beide gut genug sind, können sie dann auch gut zu einem Solo übergehen, während der andere weiter den Rhythmus spielt.

:wink: Matthias

74

Montag, 4. Februar 2013, 00:04

Eigentlich wollte ich eine kleine Frage zu Chico Hamilton hier einstellen... aber als ich da so den Strang wieder mal aufrufe, stelle ich fest, dass hier als eine der letzten Aktionen meine Frage zu Tubisten im Jazz diskutiert wurde. Von daher vielleicht der Vollständigkeit halber noch ein kleiner Lagebericht darüber, was wir in unserer Schuljazzband inzwischen mit der Tuba anstellen (und nein... ich behaupte nicht, dass das das wichtigste Thema überhaupt ist. Bei Desinteresse also gleich zum nächsten Posting!)

Zu meinen Erfahrungen mit einer Tuba in der Jazzband:

Wir haben Folgendes ausprobiert:
1. Möglichkeit: Tuba und E-Bass im Wechsel. Das funktioniert bei uns dann, wenn der Wechsel auch strukturell bedingt ist (z. B. bei diesem Solo erdet der E-Bass, bei diesem die Tuba). Wenn der Wechsel irgendwie häufiger/flippiger/unstrukturierter ist, läufts weniger gut.
2. Möglichkeit: E-Bassisten in die Ecke stellen (oder ans Glockenspiel). Tuba als alleiniges Bassinstrument funktioniert bei uns dann am besten, wenn die Songs harmonisch eher einfach gestrickt sind. Die bekommen dann so einen Tom-Waits-Und-Kraut-Und-Rüben-Touch. Nett.
3. Möglichkeit: Tuba als tiefstes Mitglied im Bläsersatz: Das funktioniert besonders gut, wenn dieser tiefste Bläser wirklich sehr tief ist und lange Liegeklänge dran sind. In diesen Momenten wird die Bauchdecke in der Magengegend in diese verrückten Schwingungen versetzt, was uns gut gefällt.
4. Möglichkeit: Tuba als Solist. Logo... das ist extrem von den Fähigkeiten des Tubisten abhängig. Wenn der aber nicht gleich ganz so souverän ist, dann braucht er Raum um sich auszubreiten, ohne sich durchsetzen zu müssen. Tubasoli funktionieren bei uns deshalb am besten bei minimaler Begleitung (Gitarre mit Fingerpicking und Congas beispielsweise)

Ich habe den Eindruck, was dieses Instrument angeht habe ich als Leiter und Arrangeur der Band noch ´ne Menge zu lernen.

Tharon

75

Montag, 4. Februar 2013, 00:47

Nun zu Chico Hamilton...

Den kenne ich eigentlich nur von der großartigen Gerry-Mulligan-Chet-Baker-Aufnahme, die man gar nicht genug preisen kann:



(Hiermit geschehen)

Bei der oben angepriesenen CD lausche ich allerdings vorwiegend den Bläsern. Daher habe ich mir auch noch nie über Chico Hamilton einen Gedanken gemacht. Heute also stolpere ich zunächst mal auf Youtube über die Nummer "Blue Sands" (von 1955). Ich finde, das ist eine tolle Nummer (Jim Hall an der Gitarre - den ich sonst durchaus schätze - gefällt mir hier mit seinen Flamencoparaphrasen allerdings nicht ganz so)... und für den Schlagzeuger als Bandleader ein zwar warmer, sympathischer Tom-Tom-Sound, der allerdings in seiner Monotonie kaum zu überbieten ist.

"http://www.youtube.com/watch?v=NW9ZvqdLlUE"

Ich war leicht irritiert, aber auch interessiert, daher habe ich noch ein paar andere Chico-Hamilton-Nummern angeklickt:

"http://www.youtube.com/watch?v=saNdX5EESZ0"

Gengis (von 1973) hat einen ziemlich fusionartigen Sound... allerdings ist die Nummer extrem abgehangen und gefällt mir nicht zuletzt deshalb ganz gut. Während die beiden Congaspieler hörbar mitgestalten ist vom Schlagzeug im Wesentlichen nur das Zischen des Hi-Hats zu hören. Wieder wundere ich mich darüber, da der Schlagzeuger doch immerhin Bandleader ist. Naja, nächste Nummer:

"http://www.youtube.com/watch?v=D5i8mcUAeOM"

"Voice in the night" (von 1963) ist eine ziemlich schöne Ballade mit Charles Lloyd am Tenorsaxophon (und als Komponist). Chico Hamilton braucht eine Weile und bringt sich erst ein, wenn die intime Stimmung einem langsamem Groove gewichen ist. Das macht er gut, aber auch hier ist instrumentales Können hörbar weniger wichtig als Musikalität und ein Aufnehmen und Verstärken der Stimmung. Drei recht unterschiedliche Nummern - aber immer geht es bei Chico Hamiltons Schlagzeugspiel um den Dienst an der Sache, nicht um Virtuosität. Das ist - bei aller Unsicherheit meinerseits - für mich erstmal ein sympathischer Zug.

Als nächstes schnappe ich meinen Rough Guide of Jazz und schlage mal Chico Hamilton nach. Ich lese ein paar nette Informationen zu seinem Werdegang und stutze dann bei folgendem Satz:

"Sein Quintett pendelt unablässig zwischen einer nicht akzeptablen Kapitulation vor den europäischen Einflüssen und einem akzeptablen Forum für aufstrebende Improvisatoren."

Den zweiten Teil der Aussage bekomme ich mit meinen Höreindrücken zusammen. Hier bedient jemand das Schlagzeug, der alles tut, nur nicht sich in der Vordergrund zu spielen. Was aber um alles in der Welt bedeutet der erste Teil der Aussage ("nicht akzeptable Kapitulation vor den europäischen Einflüssen")?

Gibt es jemand, der das erklären kann? Nett wäre auch, wenn mir mal jemand sagen könnte, was besonders lohnende, exemplarische oder sonst wie schätzenswerte Chico-Hamilton-Aufnahmen sind. Ich fühle mich so, wie beim Stochern im Heuhaufen... (aber der Heuhaufen duftet schonmal ganz gut...)

Tharon

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