Schnösel mit charakterlichem Chic
Ich bin halt vielleicht ein unverbesserlicher alter Grieche. Das Lebensgefühl der homerischen Helden, einer Sappho, eines Alkman, selbst eines Anakreon sind mir befremdlicherweise unmittelbar näher als die urbane römische Dekadenz, die hellenistische Künstlichkeit. Und besonders die Augusteizität der augusteischen Dichtung finde ich wenig ansprechend. (Drum bin ich ja wie du Ovid-Anhänger!)

Das Tolle ist, daß man gar nicht sagen kann, die römischen Autoren seien wirklich "verfeinerter" als ihre vorgeblich urtümlicheren griechischen Vorbilder. Ist mehr Verfeinerung denkbar als die, die aus Anakreons überbliebenen Resten zu uns spricht? Hat irgendjemand das Thema Liebe ganzer angepackt als Sappho ("Phainetai moi kenos isos thoisin...")? Ist jemand martialischer und dabei feinnerviger gewesen als Archilochos und Alkaios in ihren völlig durchdachten Einseitigkeiten?
Und doch ist Horaz nicht etwa eine halbobsolete Depravation der Genannten, er ist natürlich auch kein "logisches" Zuendedenken oder sowas Verrücktes, nein, Horaz ist ein Sammler und Wahrer des Überlieferten (im Grunde eine Art postalexandrinischer Philologos), dies allerdings im Medium der Kunst, die nebenbei sei es hervorgehoben, weit mehr Eigenes als Übernommenes enthält.
Bisher hat noch niemand was übernommen, aber die Diskussion blüht ja dennoch...
Schnösel mit charakterlichem Chic
Ihn allerdings als Sammler und Wahrer des überlieferten Griechischen zu sehen, geht mir zu weit und wird vor allem in meinen Augen weder der Eigenständigkeit Horazens noch dem Überlieferten, das bei Horaz eben gerade nicht gewahrt wird (das ist doch die Pointe, das die Kunst!), gerecht.
Zitat
...dies allerdings im Medium der Kunst, die nebenbei sei es hervorgehoben, weit mehr Eigenes als Übernommenes enthält
Was ich habe andeuten wollen ist, daß H. (nennen wir ihn Ejtsch] Metren und auch Themata natürlich herübergerettet und für die Mit- wie Nachwelt - weil die Griechen erstmal lange nicht gelesen wurden, später bis weit ins 20. Jhd. vor allem durch den altsprachlichen Unterricht in ganz Europa - meist in Erstbegegnung zugänglich gemacht hat.
Schnösel mit charakterlichem Chic
Un dilettante, questo Avenello
geweckt worden. Und die Begründung
Zitat
Vom Stümper Catull lasst mich schweigen
Zitat
hat meine Ablehnung metrisch-sprachliche Gründe: Catull kommt hörbar mit den
Metren, die er verwendet (elegisches Distichon, äolische Versmaße),
nicht klar und holpert oft ziemlich. Zwar sind die meisten seiner
Verse weniger fürchterlich als der Schlussvers aus dem carmen 73
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »avenellus« (27. Mai 2010, 18:40)
Haus- und Hofhund