Trompeter des Jazz

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    • Trompeter des Jazz

      Liebe Jazzfreunde,

      da der Keller von Capriccio durchaus noch Plätze frei hat, möchte ich gerne mit einer Reihe starten, die sich den Instrumentalisten widmen soll. Ich mache mal den Anfang mit dem - in früheren Zeiten gerne so betitelten - "Königsinstrument", der Trompete. Wer mag, kann hier Jazztrompeter vorstellen, die ihm/ihr besonders am Herzen liegen und entsprechende Aufnahmen empfehlen. Sollten sich innerhalb dieses Threads längere Fäden über bestimmte Musiker entwickeln, so können diese von der Moderation ja zu eigenen Themen gemacht werden.

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Woody Shaw (1944-1989)

      Ich beginne einfach mal mit einem Trompeter, der in meinen Augen viel zu wenig Beachtung erfahren hat, dessen Spiel sich aber sehr lohnt, wahrgenommen zu werden. Woody Shaw war ein Trompeter, mit dem es das Leben nicht gut meinte. Er gehört sozusagen in eine "Zwischengeneration", die ihren Platz zwischen den Hardbop-Heroen der 50er und 60er einerseits und den "jungen Wilden" ab Mitte der 80er andererseits einnahm. Die äußeren Lebensumstände dieses Mannes sind mehr als tragisch. Shaw erblindete im Erwachsenenalter nahezu, kämpfte zeitlebens mit Drogenproblemen, verwand familiäre Probleme nie wirklich und verstarb 1989 44-jährig an den Folgen eines Sturzes vor die New Yorker U-Bahn.

      Sein Spiel ist gekennzeichnet von einem eher lyrischen Ton, der auch in den Momenten musikalischer Attacke wenig von seiner verletzlichen Sanftheit verlor. Er ging harmonisch weiter als seine zeitlichen Vorgänger des Hardbop, wobei er allerdings die Grenze zum "Outside" nie wirklich übertrat. Bevor oder während er unter eigenem Namen hörenswerte Aufnahmen machte, spielte er u.a. mit Art Blakey, Gil Evans, Max Roach oder McCoy Tyner.

      Zwei Aufnahmen möchte ich erwähnen, die ich besitze und immer wieder gerne höre:


      Master of the Art
      WoundedBird, 1982


      Lotus Flower
      Enja, 1982


      Jetzt seid ihr dran. Her mit den Jazztrompetern, die ihr gerne erwähnt haben wollt!

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Lieber Carsten

      Dürfen sich diejenigen, die nur gelegentlich im Jazzkeller vorbeischauen, auch was wünschen? Mir fallen spontan 2 Trompeter ein, die mir bei meinen gelegentlichen Streifzügen durch die Jazz-Welt aufgefallen sind, und über die ich sehr wenig weiß: Clifford Brown (tauchte kürzlich auch hier auf), und Don Cherry, früher Mitstreiter von Ornette Coleman.

      Viele Grüße
      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Le Merle Bleu schrieb:

      Mir fallen spontan 2 Trompeter ein, die mir bei meinen gelegentlichen Streifzügen durch die Jazz-Welt aufgefallen sind, und über die ich sehr wenig weiß: Clifford Brown (tauchte kürzlich auch hier auf), und Don Cherry, früher Mitstreiter von Ornette Coleman.
      Lieber Michel,

      da nennst du zwei wirklich große Trompeter der Jazzgeschichte, erwischst mich aber dennoch auf dem falschen Fuß. Sowohl von Clifford Brown als auch von Don Cherry besitze ich nur wenige Aufnahmen, meist auch nur als Sidemen bei anderen Musikern. Aber ich bin mir fast sicher, dass Matthias Oberg zu Don Cherry einiges beisteuern kann... :P

      Ich mache erst einmal weiter mit einem meiner Lieblings-Trompeter. Tom Harrell wurde 1946 geboren und gehört - ähnlich wie Woody Shaw - zu den vom Schicksal gebeutelten. Harrell ist geplagt von einer schweren Nervenerkrankung. Die Krankheit und die Nebenwirkungen der Medikamente führen dazu, dass er auf der Bühne zumeist apathisch wirkend herumsteht, in sich gekehrt und bisweilen von körperlichen Zuckungen geplagt. Wenn er aber dann sein Instrument an die Lippen setzt, ist all diese Mühsal vergessen. Es grenzt bei Live-Konzerten immer wieder an ein Wunder, wie ein solch geplagter Mensch zu derartigen Leistungen fähig ist.

      Auch Harrell ist keiner, den man zu den "Trompeten-Löwen" zählen kann. Gleichwohl verfügt er über eine phänomenale Technik und einen harmonischen Ideenreichtum, die ihm das Spielen in allen Kontexten erlauben, ob in kleinen Formationen oder Big Bands, ob in Balladen oder UpTempo-Stücken. So spielte er in den großen Gruppen von Charlie Haden, George Gruntz, Gunther Schuller oder George Russell, aber auch in kleineren mit z. B. Bill Evans, Jim Hall und Phil Woods - stets mit äußerst bemerkenswertem Ausdruck.

      Aufnahmen, die ich kenne und in denen ich Tom Harrell besonders schätze, sind folgende:


      Charlie Haden Liberation Music Orchestra
      The Montreal Tapes


      Bill Evans
      We Will Meet Again

      Unter eigener Flagge kenne und schätze ich folgende:


      Tom Harrell
      Upswing


      Tom Harrell
      Prana Dance



      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Eine interessante Frage,aber ich bin überrascht,wie wenige Posts hier eingegangen sind.Nun gut,vielleicht ist ein Forum,welches sich vor allem der Klassischen Musik widmet,nicht gerade ganz so passend,aber ich werde es mal versuchen.

      Leider fängt hier keiner mit der Geschichte von Vorne an.So beginnt das Jazzspiel natürlich mit den Trompetern,die sich in New Orleans getummelt haben.Dort war der berühmte "Schmelztigel",der die Musik Europas,der Inseln Martinique,usw. und die Musik der Schwarzen (Blues,Gospel,Spirititual,aber auch deren außergewönlichen afrikanischen Einflüsse) vereint hat.

      Hier gab es bereits Trompeter,die schon Jahre vor dem großen "Übervater der Trompete",Louis Armstrong,aktiv und bekannt waren.Die wichtigsten Vertreter hier waren Buddy Bolden,Oscar Celestin,Bunk Johnson (dessen Aufnahmen leider einen alten Mann zeigten,der längst jenseits von Gut und Böse war,sorry),Chris Kelly (der früh verstarb,aber einen großen Einfluss hatte damals),Kid Thomas Valentine (der auch als uralter Mann noch munter spielte,aber in einer Art,die stilistisch vor Armstrong zu platzieren ist),Jabbo Smith (der zeitweise als harter Konkurrent von Armstrong galt,diesen Ruf aber nie bestätigen konnte später),"King" Joe Oliver (bei dem Armstrong sich den letzten Schliff holte) und Percy Humphrey,Lionel Ferbos (der noch lebt,ca.102 Jahre alt ist und hin und wieder als ältester Jazzmusiker der Welt gilt) und deren heutige Zeitgenossen Wynton Marsalis (die vielleicht einflussreichste Familie heute in New Orleans),Terance Blanchard,Nicolas Payton (dessen Vater Walter Payton in New Orleans ein sehr gefragter Bassist und Lehrer war),Wendell Brunious (auch hier gibt es in John Brunious,sr und jr. zwei Trompeter aus der Familie in New Orleans),Mark Braud (der mit den Brunoius verwandt ist),Kermt Ruffins,Efrem Towns und Gregg Stafford.Eine weitere wichtige Familie dort war jene des Trompeters Henry Allen,sr.Dessen Sohn Henry "Red" Allen machte viele Aufnahmen und durfte in der Zeit bis 1945 neben Armstrong der wirklich beste Trompeter in und um New Orleans gelten (er selbst stammte aus Algiers,einem Stadtteil von NO).

      Andere Trompeter-oder damals noch-Kornettisten waren der legendäre Buddy Bolden,einer dessen Nachfahren nach dem Tode Duke Ellingtons in der von dessen Sohn Mercer geleiteten Band saß-James Bolden.Des weiteren sind DeeDee Pierce (der durch Diabetes erblindete),Alvin Alcorn,Teddy Buckner (großartiger Trompeter mit auch stilistisch breitem Hintergrund),Wallace Davenport oder auch Kid Sheik,Punch Miller,Kid Howard,Andrew Anderson,Thomas Jefferson (ja,er hieß tatsächlich so) und Clive Wilson (der aus Großbritannien kam).Ebenfalls wichtig sind Sindney de Paris und Doc Cheatham,die aber nicht aus New Orleans kamen und natürlich die Ellington-Trompeter der 20-er Jahre,Bubber Miley,Freddie Jenkins (linkshändig),Rex Stewart und Arthur Whetsol.Später dann natürlich Cootie Williams.

      Das sind die Trompeter,die alleine in und um oder durch New Orleans eine gewisse Bedeutung erlangten.Viele von ihnen dürfte kaum mehr jemandem bekannt sein,aber gerade deshalb ist es mir ein Begehren,diese Musiker nicht in die Bedeutungslosigkeit zu stürzen.Sicher,viele davon sind technisch völlig unbeschlagen,teilweise geradezu dilettantisch,aber sie hatten eine Aussagekraft,die mir heute bei vielen Musikern generell fehlt.Sie hatten auch noch nicht jene Strahlkraft,die man dann von Louis Armstrong kannte.

      Seit 1961 gibt es die Preservation Hall in New Orleans.Dort trafen sich die bekanntesten Jazzmusiker und spielten jeden Abend.Immer in anderen Formationen,und sie tun das heute noch.Es wurde daraus eine Band gegründet,die "Preservation Hall Jazz Band",die in de 70-er Jahren um die ganze Welt tourte.Es gab damals im Grunde ZWEI dieser Bands.Eine,die tourte,und eine,die in der Hall spielte.Diese Band gibt es heute noch,verjüngt mit der nun bereits vierten Generation von Musikern,die die alten Stücke natürlich moderner interpretieren,aber sie im Grunde trotzdem voller authentisch spielen.

      Das soll es ein Einführung gewesen sein.Ich denke,dass viele meiner Kollegen die meisten Namen nicht mal gehört haben,geschweige denn,ihre Aufnahmen kennen


      Ich selbst spiele die Musik aus dem alten New Orleans sehr gerne,auch wenn ich mich stilistisch sicher eher in die Zeit um 1942 einstufen würde,also an der Grenze zwischen Swing und Bop.Für "Puristen" ist das ein Problem,da ich mich doch "freier" in der Improvisation bewege,als man das von damals her gewohnt ist.Doch es gibt so viele alte Songs,die heute kein Mensch mehr kennt und spielt,die aber wunderschön sind.Diese gilt es mMn zu bewahren und in die neue Zeit von heute zu retten.

      Wenn mich jetzt jemand fragt,welche dieser CDs ich am meisten empfehlen würde,könnte ich ihm keine benennen.Es sind hier keine "Maynard Fergusons","Tom Harrells" oder "Miles Davis" am Werk,aber es sind MUSIKER am Werk,die mit unglaublich viel Herzblut,Empfinden,Leiden und Seele spielen,dazu auf sehr persönliche Art "Ihre" Musik spielen,ohne sich um das zu kümmern,was gerade mal "in" ist.

      Man kann das "archaisch" und teilweise "grobschlächtig" nennen,aber man sollte bedenken,dass es die Musik der Armen,der Unterschicht,der Arbeiterklasse war.Das die Musiker kaum eine Ausbildung hatten und auf Instrumenten spielten,die nur noch von Plastikbändern und Lederstücken zusammengehalten wurden (was später natürlich besser wurde,keine Frage).Hier könnte man auch auf Charlie Parker verweisen.Sie konnten sich keine Ärzte leisten,Alkoholismus war auch weit verbreitet,usw.

      Wer jetzt immer noch an einer CD Interesse zeigt,dem sei der Trompeter Percy Humphrey ans Herz gelegt.Er gehört nicht nur zu einer der am Weitesten verbreiteten Familie an (seine Brüder Earl und Willie Humphrey spielten Posaune und Klarinette,sein Vater galt als Lehrer vieler Musiker aus New Orleans),sonder ist auch technisch durchaus auf der Höhe der Zeit.Er konnte sauber intonieren und spielte auch ein C3 ohne Probleme.Er wurde 94 Jahre alt und starb quasi als Bandleader der legendären Preservation Hall Jazz Band auf der Bühne (also im übertragenen Sinne).

      Als interessanten Gegenpart zu Percy Humphrey würde ich den archaischen Kid Thomas (Valentine) empfehlen.Hier kann man deutlich den stilistischen Unterschied zu Louis Armstrong und Percy Humphrey heraus hören.Diese beiden Musiker dann mit Armstrong zu vergleichen würde die Geschichte der Entwicklung des Trompetenspieles im Grunde erzählen.Was anschließend kam,ist eine Verfeinerung,die bis hin zur atemberaubenden Virtuosität eines Arturo Sandoval führt.

      Viele musikalische Grüße,

      Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Eine interessante Frage,aber ich bin überrascht,wie wenige Posts hier eingegangen sind.


      Ich bin immer vor der Riesenaufgabe zurückgeschreckt, hier einen Überblick über die Entwicklung der Jazztrompete zu geben und bin ja noch nicht einmal dazu gekommen, wenigstens zu den bereits erwähnten Trompetern Threads zu eröffnen. Umso schöner, wenn du das jetzt für die Anfänge kompetent nachgeholt hast.

      Maurice schrieb:

      Als interessanten Gegenpart zu Percy Humphrey würde ich den archaischen Kid Thomas (Valentine) empfehlen.Hier kann man deutlich den stilistischen Unterschied zu Louis Armstrong und Percy Humphrey heraus hören.Diese beiden Musiker dann mit Armstrong zu vergleichen würde die Geschichte der Entwicklung des Trompetenspieles im Grunde erzählen.Was anschließend kam,ist eine Verfeinerung,die bis hin zur atemberaubenden Virtuosität eines Arturo Sandoval führt.


      Zurückgeführt auf die Unterschiede dieser drei kann man sicherlich sehr viel zeigen, aber meinst du wirklich, alles, was danach kam, wäre nur Verfeinerung oder verstehe ich dich hier falsch? Dem könnte ich dann jedenfalls nicht zustimmen. Da ist ja dann doch auch noch mal viel sehr Neues dazugekommen. Etwa bei Clark Terry, der meines Wissens der erste im Jazz war, mit perfekter Zirkularatmung, was ja dann doch ganz neue Möglichkeiten schafft, über viele Trompeter des 'New Thing' wie Ted Curson und der Avantgarde von etwa Don Cherry, Bill Dixon und Wadada Leo Smith, bis zu heute z. B. Rob Mazurek, Taylor Ho Bynum und dem phänomenalen Peter Evans, den ich kürzlich bei einem Solokonzert 20minütig per Multiphonics und Zirkularatmung dreistimmig, ohne abzusetzen, improvisieren hörte, oder bis zu solchen Trompetern wie Amir El Saffar oder Ibrahim Malouf, die derzeit auf Vierteltontrompeten noch mal ganz andere, nah- und mittelöstlische Traditionen in den Jazz einbringen. Die Viertelton-Trompete und teilweise arabische Skalen setzte natürlich auch schon vorher Don Ellis ein.

      :wink: Matthias
    • Maurice schrieb:

      Es sind hier keine "Maynard Fergusons","Tom Harrells" oder "Miles Davis" am Werk,aber es sind MUSIKER am Werk,die mit unglaublich viel Herzblut,Empfinden,Leiden und Seele spielen,dazu auf sehr persönliche Art "Ihre" Musik spielen,ohne sich um das zu kümmern,was gerade mal "in" ist.
      Ohne Worte. Soll das jetzt heißen, dass Miles Davis, Maynard Ferguson und Tom Harrell (ich habe die Reihenfolge jetzt bewusst mal verändert, weil nur das der Bedeutung der Genannten gerecht wird) keine "Musiker" waren, die "mit unglaublich viel Herzblut, Empfinden, Leiden und Seele spielen"? Wenn Du das ernsthaft so sehen solltest, dann stehen hier wilde Diskussionen an. Oder auch nicht. Weil die Jazzkenner dieses Forums Deine diesbezügliche Meinung einfach unkommentiert lassen werden.
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
    • music lover schrieb:

      Zitat von »Maurice«
      Es sind hier keine "Maynard Fergusons","Tom Harrells" oder "Miles Davis" am Werk,aber es sind MUSIKER am Werk,die mit unglaublich viel Herzblut,Empfinden,Leiden und Seele spielen,dazu auf sehr persönliche Art "Ihre" Musik spielen,ohne sich um das zu kümmern,was gerade mal "in" ist.

      Ohne Worte. Soll das jetzt heißen, dass Miles Davis, Maynard Ferguson und Tom Harrell (ich habe die Reihenfolge jetzt bewusst mal verändert, weil nur das der Bedeutung der Genannten gerecht wird) keine "Musiker" waren, die "mit unglaublich viel Herzblut, Empfinden, Leiden und Seele spielen"?


      Lieber music lover,

      Habe ich auch, zunächst stolpernd, zweimal gelesen, aber mit dem folgenden Nachsatz dann anders verstanden.

      Maurice schrieb:

      Man kann das "archaisch" und teilweise "grobschlächtig" nennen,aber man sollte bedenken,dass es die Musik der Armen,der Unterschicht,der Arbeiterklasse war.Das die Musiker kaum eine Ausbildung hatten und auf Instrumenten spielten,die nur noch von Plastikbändern und Lederstücken zusammengehalten wurden (was später natürlich besser wurde,keine Frage).


      Also die Virtuosität war aus angeführten Gründen meist deutlich begrenzter als bei z.B. Miles Davis, Maynard Ferguson und Tom Harrell, ja teilweise "grobschlächtig", aber das hat dennoch aufgrund vom Spiel "mit unglaublich viel Herzblut, Empfinden, Leiden und Seele" seinen eigenen Wert.

      :wink: Matthias
    • Ohne Worte. Soll das jetzt heißen, dass Miles Davis, Maynard Ferguson und Tom Harrell (ich habe die Reihenfolge jetzt bewusst mal verändert, weil nur das der Bedeutung der Genannten gerecht wird) keine "Musiker" waren, die "mit unglaublich viel Herzblut, Empfinden, Leiden und Seele spielen"?
      Da hast Du mich total falsch verstanden.Meine Aussage bezog sich,wie der Kollege Matthias Oberg richtig erkannt hat,auf die rein technischen Fertigkeiten.Man hat diese technische Mängel mit viel "Herzblut" ausgeglichen.

      Zurückgeführt auf die Unterschiede dieser drei kann man sicherlich sehr viel zeigen, aber meinst du wirklich, alles, was danach kam, wäre nur Verfeinerung oder verstehe ich dich hier falsch?
      Da ich mit meinem Schreiben gerade erst einmal,sagen wir im Jahre 1925 befinde,trifft diese Aussage bis dahin erst mal zu. Wenn man jetzt z.B. die Zeitspanne bis ca. 1942 in Betracht ziehen würde,wurde das Trompetenspiel ab dann von Louis Armstrong weiter verfeinert und zu neuen technisch-virtuosen Meisterschaft zu einem neuen Höhepunkt weitergeführt.So baut sich das Haus dann langsam auf,vom Keller (oder der Basis,die ich hier beschrieben habe) bis hin zum Dach.

      Man muss doch immer die Zeiten vergleichen. Was war 1910 möglich,was 1925,dann vielleicht 1935 und mit dem Aufkommen von Dizzy Gillespie und den ersten High Note-Spezialisten wie Eddie Tomkins und Paul Webster (beide bei Jimmie Lunceford) bis hin zu Cat Anderson,Al Killian und eben Dizzy,Howard McGhee,Ernie Royal oder Fats Navarro.

      Man sollte hierbei den Instrumentenbau nicht außer Acht lassen.Hier gab es einige bedeutende Neuerungen,die vermutlich zunächst einmal völlig unbeachtet geblieben sind bei den Außenstehenden.Was war passiert?Man spielte bis ca. 1925 fast ausschließlich Kornett,und nicht Trompete.Selbst in vielen Sinfonie-Orchestern waren Kornette im Einsatz (selbst im Boschoi-Theater in Moskau spielte der "Solo-Trompeter" Kornett!!!) und keine Trompeten.Erst Arthur Briggs,dann Louis Armstrong setzten die Trompete an Stelle des Kornettes ein und durch.Die berühmten Ausnahmen Rex Stewart,Bix Beiderbecke,Wild Bill Davison,Muggsy Spanier oder Nat Adderley spielten weiterhin Kornett,Ray Nance ab 1960 auch wieder,Clark Terry spielte es hin und wieder (Ich habe allerdings keine Aufnahme,auf der das speziell bekannt war),auch Thad Jones griff hin und wieder zum Kornett.Im alten New Orleans spielten allerdings viele Musiker weiterin Kornett (z.B. Mid Howward,DeDe Pierce).

      Die im Instrumentenbau neu eingebrachten größeren Bohrungen,dazu das Wegfallen der "engen" Bauweise und eine erste Umstellung bei den Mundstücken brachten weitere Verbesserungen nach sich.

      Ich taste mich da sehr behutsam voran,in der Hoffnung,keinen Trompeter zu vergessen.Ab ca. 1955/1960 muss ich mich dann wieder sehr zurückhalten,da ich mich ab da weitaus weniger auskenne.Mit der Viertelton-Trompete kann ich persönlich nichts anfangen,mit elektronischen Klangtechniken habe ich mich nicht beschäftigt,mit dem Free Jazz auch nur sehr wenig,so dass ich mich da auch kaum zu äußern kann und mag.

      Das mal am frühen Morgen auf eure Posts in Kürze....

      VG,Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich höre im Jazz lieber das Kornett als die Trompete. Hat eigentlich Fats Navarro eher Kornett oder Trompete gespielt.?
      Oh, ich habe das heute erst gelesen, sorry. "Fats" Navarro gehörte mit Dizzy Gillespie zur absoluten Topp-Riege der Bebop-Trompeter, aber gerade auch Navarro war der Trompeter, der begann, in den Hardbop, und damit zu Clifford Brown zu führen. Natürlich zusammen mit Kenny Dorham und Miles Davis. Dorham auf direkter Linie Bebop -> Hardbop, Miles Davis über den "Umweg" des Cool Jazz hin zum Hardbop. Clark Terry führt im Grunde vom Swing zum Bebop und Hardbop. Ein Musiker, der in jedem Stil zuhause ist, vermutlich aus der Zeit der um 1920 geborenen Musiker der letzte noch lebende Zeitzeuge überhaupt. Auch er (den Miles Davis immer wieder als einer DER Trompeter überhaupt lobte,und er tat das nur äußerst selten) war ein Vorreiter gewesen.

      So, nun zu Deiner Ausgangsfrage. Es gab meines Wissens nach keinen Kornettisten im Bebop. Navarro spielte ausschließlich Trompete. Es gab nur mir vier bekannte "Trompeter", die auch im modernen Jazz das Kornett spielten : Clark Terry, Thad Jones, Webster Young und Nat Adderley. Die ersten drei spielten es als "Nebeninstrument", wobei Clark Terry und Thad Jones auch verstärkt zum Flügelhorn griffen ( was vom Mundstück her näher zum Flügelhorn steht als die Trompete). Nat Adderley nutzte fast ausschließlich das Kornett.

      Ein Swing-Trompeter, der ab etwa 1960 fast völlig auf das Kornett umgestiegen ist, war der Ellington-Musiker Ray Nance.

      Das Kornett hat sich bis heute vor allem im traditionellen Jazz gehalten. Diese Linie beginnt im Grunde schon bei Buddy Bolden und führt weiter zu Oscar "Papa" Celestin, Bix Beiderbecke, "King" Joe Oliver, Louis Armstrong (der noch bis 1927 mit dem Kornett spielte), Rex Stewart (der zudem auch technisch viele "Trompeter" ausstach auf em Kornett"), Kid Howard und natürlich "Wild" Bill Davison, Muggsy Spanier, Sidney de Paris und Jimmy McPartland langsam in die Swingzeit hinein.

      Einer der ersten Musiker, der die Trompete nutze, und damit der "Vorreiter" war, war der heute im Grunde vergessene Arthur Briggs. Er wurde in Europa heimisch und war dadurch in den USA nicht mehr den Musikern dort geläufig.

      Einen Musiker des Freejazz möchte ich hier auch nicht vergessen zu erwähnen, der nicht das Kornett, aber eine Art "Taschentrompete" , in englisch "Pocket-Trumpet" benutzte. Das war Don Cherry.

      Solltest Du noch den Unterschied wissen wollen, den es zwischen der Trompete und dem Kornett gibt, so versuche ich auch das zu erklären. Da Cornet = Hörnchen (aus dem Französischen heraus) ist eine Art "Zwitter", eine Mischung aus Trompete oder Flügelhorn. Auf der einen Seite ist es nicht so strahlend hell klingend wie eine Trompete, aber auch nicht so so warm und samt klingend wie das Flügelhorn. Das ergibt oftmals einen etwas rauhen,erdigen Ton, der wiederum sehr gut in die Marching Bands,Brass Bands und eben die kleinen Oldtime-Bands hinein passt.

      Es ist in der Bauart einmal in einer kurzen Form zu finden ( dem sog Shepard Crook-Look oder Bauweise) und der "Langform", die dann mehr in Richung Trompete tendenziert.










      :L: So sieht das "Kurze Modell" aus. Es ist in B gestimmt, so wie die Standard-Trompete und das Flügelhorn auch.









      :L: Hier ein Instrument in der Langbauweise. Auch das ist in B gestimmt.



      Es gibt noch zwei weitere Möglichkeiten beim Kornett. Da wäre das Kornett in C, was ich noch nicht gesehen habe, und das Kornett in Es, das Sopran-Kornett. Optisch sehr ähnlich, doch mit einem gravierenden Unterschied. Der große Hauptbogen ist erheblich kürzer, die anderen Stimmzüge auch, aber das wird einem Laien weniger auffallen. Eingesetzt werden diese Instrumente vor allem in den Brass Bands in Den USA, Großbritannien ( eigentlich DEM Kornett-Land überhaupt), Holland und in Frankreich. In diesen Ländern auch in der Militärmusik, die ja lange Zeit eine ganz wichtige Rolle bei der Ausbreitung von Instrumenten einnahm.

      Die bekanntesten Marken, die man bei den Kornetten kennt, ist King, Conn, Olds, Reynolds, Holton und Blessing in den USA, Besson und Boosey (später auch Boosey&Hawks) in Europa. In Deutschland gab es nach dem 2. Weltkrieg das Hüttl "Kolibri", auf dem der legendäre Horst Fischer" spielte, bis er dann auch eine Trompete bekam.

      Ich selbst spiele zwei Olds in der kurzen Bauweise und ein Bessing in der langen Bauart. Zuvor auch Reynolds,Hüttl und King. Mir sind die Instrumente also durchaus vertraut,und das seit vielen Jahren. Man muss dazu "Lust" haben, es ist nicht immer meine Sache, denn sie sind schon anstregender zu spielen, gerade bei langen Auftritten ist es einfach anstregender sie zu spielen als mit der Trompete. Auch das nur mal aus der Praxis meiner Seite erzählt.

      Preislich liegen die Kornette auch dem gleichen Level wie die herkömmlichen Trompeten. Die Spanne ist groß, von ca. 120 € für ein Billig-Fabrikat aus Fernost bis hin zu 3000 € für die Luxus-Klasse eines Rolls Royce. Eines aber haben alle Instrumente zum Glück noch gemeinsam : Man muss selbst hinein spielen. Das kann,darf und muss man noch alleine tun....

      Sorry, wenn es wieder ein Roman geworden ist, aber so ein wenig History gehört irgendwie dazu finde ich. Es macht vielleicht eher begreifbar, warum das Kornett in bestimmten Bereichen verdrängt wurde, aber auch, wo es noch zu finden ist, aber bringt einem auch das Instrument irgendwie näher.

      VG, Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Herzlichen Dank Maurice für die super Erklärung!
      Du hast sehr viel Fachwissen - gerade auch im Jazz - und solltest mal ein Buch schreiben! Ich würde es sofort kaufen. Ich finde das Kornett wahrscheinlich so toll, weil ich gerne den alten Jazz gerne höre (New Orleans, Ragtime, und auch den swing in kleinen Besetzungen - die großen Big Bands mag ich einfach nicht, dass ist mir zu kommerziell, ja ich mag das Erdige!). Schade, dass es am Anfang - aus technischen Gründen- nur 3 Minuten Stücke gibt. Vor einigen Wochen war ich in Düsseldorf, wo ich die - überwiegend älteren Herren der Barreltime Jazzband hören konnte. Sie spielten viele Stücke von Sidney Bichet und andere, die dem Creole-Stil verschrieben sind. Schade , dass der alte Jazz mal irgendwann aussterben wird - da die Jugend eher Rammstein und ähnliches hört. Mit dem Modernen Jazz kann ich - noch nicht ? - so viel anfangen. gruß Telef.
    • Als großartige Band von heute, die den New Orleans Jazz aus der Mottenkiste holt ohne nach Frühschoppen, dicken Bäuchen und Lederwesten zu klingen, sei die Preservation Hall Jazz Band empfohlen. Ich besitze zwei CD´s von ihr:

      und

      Die erste weist aufgrund der Zusammenarbeit mit der Del MacCoury Band auch Bluegrass-Einflüsse auf. Beide CD´s sind ganz großartige Beispiele für eine musikalische Traditionspflege, die nie museal wirkt, vor allem, weil sich die Musiker nicht darauf beschränken, routiniert die ewig gleichen Nummern abzunudeln. Stattdessen enthalten die CD´s viele Eigenkompositionen, die Musiker sind kompetent und es ist ihrer Musik anzumerken, dass sie lieben, was sie tun. Heiße Empfehlung.

      Übrigens auch von mir vielen Dank an Maurice. Das war sehr interessant.

      Tharon.
    • Ich möchte zur Preservation Hall Jazz Band einige Ergänzungen machen. Zunächst einmal gibt es diese Band im Grunde seit 1961. Die heutige Band hat natürlich einen völlig anderen Klang als jene Band, die bis etwa 1993 spielte. Doch die Band hält die Tradition New Orleans' in seiner Ursprungsform bis heute aufrecht.


      Die "alte" Preservation Hall Jazz Band gab es auch in einer Art "Doppelpack". Einmal jene Band, die IMMER in der berühmten Preservation Hall in New Orleans spielte, aber auch eine Touring Band", die richtige Welt-Tourneen machte. Man kann sehr viele Beispiele in Youtube darüber finden.


      Die Ursprungsband bestand aus :

      Percy Humphrey (Trompete, Gesang, Leitung) - Jim Robinson (Posaune) - Willie Humphrey (Klarinette, Gesang) - "Sweet" Emma Barrett (Klavier,Gesang) - Allan Jeffe (Tuba) - Emanuel Sayles ( Banjo) - Cie Frazier (Drums)


      Natürlich gab es auch Alternativ-Musiker, die damals noch in durchaus genügender Menge zur Verfügung standen. Bei Percy Humphrey war es dann häufig der blinde Dee Dee Pierce ( Kornett, Gesang) , bei Jim Robinson Frank Demond (Posaune, auch Banjo) hin und wieder auch Louis Nelson (Posaune). Für Willie Humphrey stand vor allem Albert Burbank parat (Klarinette und Gesang). Am Klavier waren Billie Pierce (auch Gesang), Jeanette Kimball (Klavier) und der großartige Sing Miller (Gesang) parat, später war Narvin Kimball (Banjo,Gitarre,Gesang) ein wichtiger Bestandteil der Band. Cie Frazier war fast sowas wie immer da.


      Beide Humphreys, Robinson, Emanuel Syles, beide Kimballs und Fazier wurden steinalt und waren bis in die 1990-er Jahre mit dabei. Damit war die Tradition entsprechend ausgeprägt in der Band.


      Nachfolger von Percy Humphrey waren der großartige Wendell Brunious (Trompete, Gesang, Leitung), dessen Vorfahren John Brunious sr. und jr. ebenfalls Trompeter in New Orlenas waren, Mark Braud ( Trompete,Gesang,Leitung), der heute noch dabei ist, stammt ebenfalls aus einer uralten Familie aus New Orleans. Sein, ich meine Großonkel war DER Wellman Braud, der viele Jahre Bassist im berühmten Duke Ellington Orchester war.


      Wenn jemand Literatur sucht darüber, kann ich diese beiden Bücher empfehlen, da es direkt um die Preservation Hall und damit auch um die Band geht.





      Das zweite Buch will einfach nicht als Bild bei mir reingehen. Es stammt von William Carter und heißt ganz einfach "Preservation Hall".


      Es gab oder gibt auch eine "Gegenband" zur Preservation Hall Jazz Band, nämlich die "Original Tuxedo Jazz Band", deren Ursprung bis ins Jahr 1910 (!!) zurück geht. In ihr spielten ebenso viele bekannte Musiker aus der Gegend von New Orleans. Auch hier gibt es ein Buch,usw.


      Heute ist diese Tradition auch noch vorhanden, aber in anderer Form. Es wird aber auch noch immer der alte Jazz gespielt, doch eben mit einigen modernen Strömungen.


      Ebenfalls als eine extrem wichtige Tradition waren und sind die "Marching Bands". Hier war auch u.a. Percy Humphrey ein Aktivposten. Der Mann konnte übrigens richtig gut Trompete spielen, war auch technisch weitaus besser als viele seiner gleichaltrigen Kollegen. Das war damals keine Selbstverständlichkeit, da es im Grunde eine "Musik des einfachen Volkes" war.


      Auch eine extrem wichtige Rolle haben der Klarinettist George Lewis (in dessen diversen Bands die meisten Musiker aus New Orleans mal spielten) und Kid Thomas Valentine, einem Trompeter und Sänger, der Jahrgang 1896 (!!!), bis in die 1980-er Jahre in der PH tätig war. Auch er spielte im Grunde mit den ganzen Musikern aus New Orleans und galt als einer der wichtigsten und am längsten aktiven Musikern in der Hall. Sein Stil war noch sehr "roh" und "grobschlächtig", und damit stilistisch "pre-Armstrong".


      Die heutigen Musiker sind natürlich weitaus besser ausgebildet, können entsprechend flexibel in diversen Stilen spielen, decken also die ganze Musik-Geschichte fast damit ab. Die Vorschläge von Tharon entsprechen dieser Richtung. So haben auch fast alle CDs seit 1995 ein anderes "Feeling" als jene von zuvor. Sie sind auch eindeutig mehr auf Kommerz aus als die alten Aufnahmen. Daran "Schuld" ist vor allem der Bassist Benjamin Jaffe, dem Sohn von Allan Jaffe. Er hat sich da sogar zeitweise mit seiner Mutter zerstritten, aber das ist ein anderes Kapitel. Immerhin kann er so die Band halten und auch bezahlen.



      @ Telefrau : Ich danke Dir für das große Lob. Solltest Du mehr wissen wollen, kannst Du mir gerne eine PN senden. Ich würde Dir auch mal DIESE tolle Live-Doppel-CD ans Herz legen von der Ur-Ausgabe der Band :










      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ja,gibt es. Sogar mehrere. Doch man muss hier sagen, dass es sogar ein recht gutes Buch aus Deutschland gibt. Es beinhaltet auch die Trompeter der Klassik mit, damit ein doppelt verwendbares Buch.






      Das ist die zweite,erweiterte Auflage. Sie ist weitaus besser als die erste Ausgabe, aber auch immer noch recht teuer. Das erste Buch gibt es für wenig Geld zu kaufen. Ich habe auch nur die Erstausgabe, kenne aber das andere Buch. Das Buch wurde übrigens aus einer Laune heraus von einem Hobby-Trompeter geschrieben,und keinem Buchautor. Das Buch hat weniger Fotos, ist aber wirklich anständig gemacht.




      Er schreibt auch nicht "hochtrabend", sondern völlig ungekünselt. Man kann es als "laienhagt" berzeichnen, aber trotzdem ein gutes Buch, da er nichts falsch macht dabei. Die Zweitauflage wurde dann von einigen Profi-Musikern und ihm selbst bearbeitet, sprich, sie haben ihm Hilfestellung gegeben, die Schwächen der Erstveröffentlichung zu beheben. Da ich einen dieser Profis kenne, konnte ich auch das neuere Buch lesen.


      Aus den Staaten gibt es drei Bücher, die auch viele Fotos enthalten. Ich habe alle Bücher. Sie legen auch Wert auf die heutige Szene. Ob Du damit aber viel anfangen kannst, weiß ich nicht so recht.




      Ed Annibale ist selbst ein hervorragender Trompeter. Er befasst sich sehr mit der heutigen Szene.


      Scott Yanow nat ebenfalls ein sehr schönes Buch geschrieben. Auch hier gibt es immer mal Bilder dazu. Er ist einer der besten Autoren für diverse Jazzbücher in der heutigen Zeit. Es heißt passenderweise "Trumpet Kings".Bei ihm befinden sich auch die alten Trompeter mit dabei. Lasse Dich nicht von den teilweise schlechten Kritiken einschüchtern. Das ist Unsinn.





      Das letzte Buch stammt wieder von einem Musiker, der aber auch als Autor sehr professionell sein Werk vollendet hat : Scotty Banrnhart. Er spielt in einer der besten Bigbands der Welt, dem Count Basie Orchestra.





      Es gibt auch Bücher über die Zeit in New Orleans. Also,wenn Du was wissen möchtest, kein Ding.


      VG, Maurice




















      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich sehe, hier ist gerade der Stillstand ausgebrochen. Na, dann mache ich mal weiter mit den Jazz-Trompetern des Dixieland und New York Stils, die dann langsam in den Swing übergehen.

      Der große Spezialist was die ganzen wichtigen Stationen des Jazz angeht, war in Deutschland sicher Joachim Ernst Berendt. Also werde ich mich, was die Jahreszahlen angeht, an seine Angaben halten. Die ersten weißen Bands in New Orleans tauchten 1891 auf, also schon sehr früh. Es war "Papa" Jack Laine, der damit eine Vorreiter-Rolle ausgefüllt hat und der auch oft als Sieger in Band-Wettstreits hervor ging, auch dann, wenn er gegen schwarze Bands antreten musste.

      Ein weiterer Unterschied zwischen den schwarzen NO-Musikern und der weißen Generation war die Betonung der Zählzeiten 2 und 4 eines jeden Taktes. Was wir heute eigentlich dem "Jazz-Feeling" der Schwarzen zugestehen, war in Wirklichkeit ein Verdienst der weißen Musikergeneration. erstaunlich bestimmt für viele, die es hier lesen, aber sie waren es, die den marschähnlichen Rhythmus in einen mehr swingende Betonung der Zählzeiten 2 und 4 umwandelten. Sicher taten sie es mehr aus Zufall, aber diese Mischung aus Rag und Marsch war den Stücken wie dem "Tiger Rag" oder "at the Jazzband Ball" mehr im Wege als förderlich. Selbst schwarze Musiker wie George Lewis (Klarinette) oder ab den 60-er Jahren, der "Preservation Hall Jazz Band" spielten diesen 2/4-Rhythmus, während man bei Kid Orys Einspielungen bis 1956 (wegen des Schlagzeugers Minor Hall) noch deutlich der Hang zur 1/3-Bewegung feststellbar blieb.

      Zurück zu den Trompetern des Dixieland-Stils. Zur ersten Generation gehörte Nick La Rocca, der Gründer der berühmten "Original Dixieland Jazz Band". Auch er spielte Kornett und hatte noch viel mehr das Spiel der alten Zirkuskapellen an sich und stand damit den schwarzen New Orleans-Kollegen näher als den nachfolgenden Musikern der weißen Generation. Ebenfalls dem Spiel der schwarzen Kollegen näher stand Sharkey Bonano, obwohl bei ihm bereits das differenziertere und musikalischere Spiel anfing. Der dritte "Trompeter" hier wäre Muggsy Spanier, den ich bereits zuvor in meinem ersten Teil der Geschichte erwähnt hatte. Spanier spielte Kornett, galt als einer der "Trompeter", die sich viel von den Ellington-Kollegen abgeschaut hatte, vor allem im Spielen mit dem Plunger-Dämpfer (Wah-Wah-Effekte, Crowl).

      Nun beginnen aber die ersten Überschneidungen. In Chacago entstand um 1920 eine höchst lebendige Musik-Szene, als viele Musiker aus New Orleans arbeitslos wurden und nach Chicago wanderten. Der Grund war der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. New Orleans wurde Kriegshafen, und der Marinechef schloss das Vergnüguns-Viertel. Die nun arbeitslosen Musiker machten sich auf den Weg, und viele davon tauchten in Chicago auf. Joe "king" Oliver machte hier seine berühmten Einspielungen, an denen auch ein junger Trompeter namens Louis Armstrong teilnahm und bekannt wurde, Jelly Roll Morton und Johnny Dodds ebenso.

      Chicago war auch die Stadt des Blues geworden. Bessie Smith sollte hier erwähnt werden, die auch von Louis Armstrong hin und wieder begleitet wurde. Der Blues hier war nicht mehr so fröhlich-überschwenkend wie noch im alten New Orleans, dafür aber hektischer, einer Großstadt sicher angepasster. Dazu kam eine weitaus krassere Rassendiskriminierung wie im Schmelztiegel New Orleans.

      Der eigentliche "Chicago Stil" wurde von den jugendlichen Weißen kreiert, hier dem Dixieland sehr ähnlich. Wichtigste Änderung war die mehr parallele Stimmführung und nicht das ständige Überkreuzen der Melodielinien. Der wichtigste Trompeter hier war zweifelsohne Bix Beiderbecke, deren Vorfahren aus dem alten Deutschland kamen. Beiderbecke spielte mit einem sehr "reinen" Ton, wenig Vibrato, hatte einen nie erschöpfenden Ideen-Reichtum und war dazu sehr gebildet und spielte auch ein sehr gutes Klavier.

      BeiderbeckesmStil fand bei vielen junge Trompetern Anklang. Darunter waren Bunny Berigan ( den wir im Swing-Umfeld noch einmal finden werden), Bobby Hackett (der Kornett spielte), Jimmy McPartland (Kornett) Wild Bill Davison (Kornett), Max Kaminsky und Marty Marsala.

      Weitere Musiker, die einen gewissen Touch von Beiderbecke ab bekamen, waren die Schwarzen Joe Smith und Res Stewart (Kornett), wenn auch im weitaus geringeren Maße als dies bei ihren weißen Kollegen der Fall war.

      Zwei Musiker, die nicht direkt in diese Linie gehörten, aber ebenfalls unter dem Einfluss Beiderbeckes standen waren Red Nichols und Phil Napoleon. Sie verkörperten etwas, was man als "New York Stil" bezeichnen könnte. Beide waren aber weitaus "akademischer" als Beiderbecke oder gar die großen New Orleans-Trompeter. Technisch-Handwerklich noch "reiner" und "unfehlbarer" als Bix, aber auch "akademischer" und mit weniger Ideenreichtum und Sensibilität ausgestattet als dieser. Zugeben muss man, dass sie auch beim (kommerziellen) Publikum weitaus erfolgreicher waren als die meisten anderen hier bereits erwähnten Musiker. Über Red Nichols wurde sogar Ende der 50-er Jahre ein Film gedreht, der natürlich ganz a la Hollywood aufbereitet wurde und mit Danny Kaye einen entsprechenden Star in der Hauptrolle hatte.

      Bis heute ist "Dixieland" eine beliebte Jazzart, die aber auch oft nur noch "Bierzelt-Jazz" genannt wurde, da sie weniger um Qualität als um die Alternative zur "Bierzelt-Blasmusik" angesehen wurde. Hunderte Amateurbands haben sich darin versucht, oftmals mit lausiger Qualität, ddafür aber mit immer fragwürdigeren Gags. Hierbei anknüpfend an berühmte Vorbilder, die damit leider teilweise begannen (u.a. spielte Trummy Young, der rund 13 Jahre mit den Louis Armstrong All Stars tourte, in seinen späteren Jahren einen Titel seinen Posaunenzug mit dem Fuß).

      Fünf Bands aber stehen weit über diesem billigen Durchschnitt einer solchen Szene: Die erste Band war auch kommerziell die erfolgreichste Band der vier gewesen. Es war die "Firehouse Five Plus Two". Sie entstand 1945 und machte 1949 ihre ersten Aufnahmen. Es war die Band Walt Disneys (ja, das ist richtig,kein Scherz meinerseits), denn fast alle Musiker arbeiteten für die Walt Disney Filmstudios und waren bis zum Ende der Band 1973 auch weiterhin dort hauptberuflich tätig. Zwei davon waren dies nicht, deshalb auch das Five PLUS Two. Die Band trat in extravaganten Feuerwehrkostümen auf, und sorgte mit ihren neuen und frischen Arrangements, gepaart mit exzellentem Können und einer Show, wie man sie wohl nur in Amerika machen kann, für Furore.

      Die nächste Band war eine schwarze Band, jene um den Posaunisten Wilbur de Paris. Er nannte sie "Wilbur de Paris and his NEW New Orleans Band. Gegründet etwa 1947, bestand sie bis zum Tode von Sidney de Paris, Wilburs Trompete (und manchmal auch Tuba) spielenden Bruders. Seine Band bezog sich auf die Musik des alten New Orleans und Jelly Roll Morton einerseits, aber neu zusammengestellt und bereichert mit Blues-Harmonika und sehr abwechslungsreichen Arrangements, aber auch neuer Stücke. Die Besetzung war auch viele Jahre sehr stabil geblieben, da sich die Musiker kreativ entfalten konnten, ohne ihre Herkunft zu verlieren. Neben den de Paris-Brüdern waren vor allem Klarinettist Omer Simeon und Schlagzeuger und Harmonikaspieler Wilber Kirk wichtige Stützen. Später kam hin und wieder auch Trompeter Doc Cheatham dazu, dessen Stil dem Sidneys völlig entgegen stand.

      Die berühmten "Dukes of Dixieland", eine Formation, die sich Mitte der 1950-er Jahre gründete (die Brüder Frank und Fred Assunto, dazu Vater Jac Assunto), spielte besonders virtuos ihre völlig eigenen Arrangements. AUch die Besetzung war sehr eigen. Teilweise zwei Posaunen, Elektro-Gitarre (die von Größen wie Herb Ellis oder Jim Hall gespielte wurde), dazu Kontrabass/Tuba auf eine höchst virtuose Art, sowie technisch höchst anspruchsvolles Spiel ist bis heute das Markenzeichen der Band, die zunächst nach dem Tode Frank Assuntos 1974 aufhörtew zu existieren,dann aber einige Jahre später wieder neu gegründet wurde und heute auf die gleiche, höchst virtuose Art agiert wie ihre Urbesetzung.

      Einige Jahre später, 1960, entstand die Band "Saints and Sinners" um den Pianisten Red Richards, in der Herman Autrey, der legendäre Trompeter der Fats Waller-Band, Rudy Powell und später Herb Hall Klarinette und Vic Dickenson Posaune spielte. Diese Band bestach durch ihre Spielfreude, aber auch dadurch, dass sie die Basis nie verleugnete, und sich auch nicht an kommerziellen Dingen orientierte.1970 wurde die Band aber aufgelöst.

      Ende der 1960-er Jahre fing der Erfolg der "The World's Greatest Jazz Band" an, einer Band, die zunächst aus neun wirklich ganz hervorragender Musiker bestand, und durch ihre Wiederbelebung der Musik der Bob Crosby-Band (die in der Bigband-Ära einen wichtigen Part einnahm) , aber auch des alten Jazz überhaupt, ein großes Publikum fand. Leider wurde auch diese Band immer kommerzieller, dann begann die Reduzierung der Musiker, und auch die Qualität der späteren Bands begann nachzulassen, obwohl weiterhin tolle Musiker in ihr spielten. Ihre beiden Gründer, der großartige Trompeter Yank Lawson und der Bassist/Arrangeur Bob Haggart, bleiben ihr aber bis zum Ende verbunden.

      Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auch in Europa eine große Szene der traditionellen Musik aufgebaut. Die bekannteste Band war ohne Zweifel die Chris Barber Band, die es noch heute gibt. Barber bediente sich dabei diverser Stile. So band er New Orleans, Dixieland, Blues, Swing und gar Rhythm&Blues zu einer Erfolsformel zusammen, die ihm seit 1954 die Welt offen stehen lässt. Sein Trompeter über viele Jahrzehnte war Pat Halcox, der sich vom reinen Oldtime-Musiker zu einem überragenden Jazztrompeter entwickelte, später sogar Flügelhorn spielte.

      Andere Bands waren Mr.Acker Bilk, Papa Bue's Wiking Jazz Band, Monty Sunshines Band, Fatty George, der großartige Trompeter,Kornettist,Gitarrist und Mundharmonika-Spieler Oscar Klein oder auch die Trompeter Keith Smith, Ken Colyer, Humphrey Lyttelton, Rod Mason, die "Dutch Swing College Band" aus den Niederlanden, die "Tremble Kids" aus der Schweiz oder die "Barrelhouse Jazz Band" aus Deutschland sind hier unbedingt zu nennen.

      Am Ende noch einmal zurück zu New Orleans zum Dixieland und ihre weiteren Musiker(Trompeter). Als der Jazz immer mehr von den Sängern, des Rock & Roll und des Modern Jazz geprägt wurde, fingen immer mehr Musiker an in Dixie-bands zu spielen, die eigentlich nicht direkt dort anzusiedeln wären. Es sind alle wunderbare Musiker, die einfach diesen Stil für sich "fanden", weil sie ihn locker beherrschen konnten, wenn sie sich damit beschäftigen wollten, dabei ein zahlungskräftiges Publikum gerade auch in Europa und Japan fanden, und sich nicht wirklich mehr groß umstellen mussten.

      Viele von ihnen spielten auch unter der Woche in den Filmstudios von Hollywood, in diversen Broadway-Shows oder in den letzten Bigbands der großen amerikanischen Hotels mit großen Tanzsälen. Darunter befanden sich Trompeter wie Buck Clayton, Emmett Berry, Doc Cheatham, Harold Baker, Sidney de Paris, Charlie Shavers (der einer der größten Allround-Trompeter war und vom alten Jazz bis zum Bebop alles spielen konnte), Teddy Buckner, Herman Autrey, Roy Eldridge, Johnny Letman, Ruby Braff (der Kornett spielte bis zum Ende seines Lebens. Ein großartiger Stilist, dessen Einspielungen man einfach nur als meisterhaft bezeichnen kann)

      Rex Stewart, Henry "Red" Allen, Pee Wee Erwin, Johnny Best, Bernie Privin, Clyde Hurley, Billy Butterfield und ab Ende der 1970-er Jahre der Kornettist Warren Vaché (der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Ruby Braff befindet),dann Glenn Zottola, Peter Ecklund,Jackie Coon(der schonseit den 50-er Jahren aktiv war), Colin Dawson, Ende der 1980-er Jahre dann Randy Sandke (auch er bewältigte die ganze Bandbreite des Jazz ohne Probleme), in den 1990-ern dann Jon-Erik Kellso (ein brillanter Trompeter/Kornettist, die große Tradition des alten Jazz und Swing verbindet), Bob Barnard, Ernie Carson und seit wenigen Jahren eine Frau, Bria Skonberg.

      Alleine die Anzahl der Musiker macht deutlich, dass auch heute noch ein gewisses Interesse an dieser Musik vorhanden ist. Leider wird die Anzahl immer kleiner, doch es gibt sie noch. Auch New Orleans hat sich wieder zurück gemeldet im Laufe der 1980-er Jahre. Musiker wie von Wynton Marsalis bis zu Gregg Stafford, Terry Riley, Wallace Davenport, Nicholas Payton, Kermit Ruffins, Wendell Brunious (dessen Vater in der berühmten Prservation Hall und dessen Großvater noch mit Paul Barbarin spielte), Mark Braud (dessen Onkel Wellman Braud viele Jahre Bass bei Duke Ellington spielte) oder Leroy Jones und dessen Nachfolger haben eine zeitgemäße Form gefunden, indem sie sich zunächst dem Hardbop widmeten, aber dann immer wieder auch Projekten zugewendet haben, die sich auf die große New Orleans-Tradition bezogen hat.

      Selbst die Brass Bands wie die "Dirty Dozen Brass Band"oder "Rebirth Brass Brand", aus der viele junge Musiker hervor gingen, die auf der einen Seite wie ihre Urahnen die Besetzung hatten, aber damit die Musik Charlie Parkers oder des R&B spielten, später aber auch durchaus die alten Stücke mit einbezogen, tauchten auf einmal wieder in den Straßen auf.

      Den Abschluss aller Musiker macht ein Trompeter, der im Guiness Buch der Rekorde steht, und dort vermutlich auch nie wieder getoppt werden kann und wird. Es ist der dieses Jahr im gesegneten Alter von 103 Jahren(!!) verstorbene Lionel Ferbos. Was er geleistet hat, kann man mit Worten alleine kaum erklären, denn wer kann schon behaupten, mit diesen 103 Jahren noch AKTIVER JAZZMUSIKER oder generell aktiver Musiker zu sein? Doch genau DAS war er gewesen. Die letzten Jahre an den Rollstuhl gefesselt, spielte er noch immer einige Nummern, wann immer er angefordert wurde. Ein auch im hohen Alter sauber und intonationstechnisch einwandfeier Musiker, dessen Repertoire vermutlich grenzenlos war, ein wunderbarer Erzähler aus dem guten,alten New Orleans, der immer Arbeit hatte, früher ein gefragter Lead-Trompeter war, dazu ein charmanter Sänger und Zeitgenosse, von dem man einfach nur voller Respekt den Hut ziehen kann und muss. Es gibt CDs mit ihm aus dem Jahre 1994 und 1995, die diese Qualitäten eindrucksvoll belegen können.

      Der Teil wurde auch wieder viel länger und ausführlicher als es von mir geplant war. Doch so ist es meistens, wenn man beim Schreiben feststellen muss, dass es nicht immer nur mit der Nennung oder Auflistung einiger Musiker geht, da es meiner Meinung nach diesen Leuten einfach unwürdig erscheint, sie so behandeln.

      Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Dass es nun fast schon eine Geschichte des Dixieland wurde, war auch nicht geplant, aber es geschah ganz automatisch. Der Übergang wird immer fliesender. Das wird im Swing und dann im Bebop noch viel schwerer. Mir graut schon jetzt davor, diese Stile und ihre Musiker zu beschreiben....
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Der Übergang vom Dixieland zum Swing geschah natürlich genau so fließend wie jener vom New Orleans zum Dixieland und Chicago Stil. Doch es wird immer schwerer, hier wirklich alle Musiker unter zu bekommen, die man für extrem wichtig bis einfach "nur" sehr gut empfindet. Einige Namen haben sich in der Geschichte eingeprägt, andere Namen sind heute nur noch Insidern bekannt.

      DER Musiker schlechthin, der sich vom New Orleans-Musiker zum Swing-Trompeter entwickelte, war natürlich der einmalige Louis Armstrong. Er sollte bis hin zum Bebop, und damit auch noch bis hin zum FRÜHEN Dizzy Gillespie, alle Trompeter beeinflussen, die vor oder mit ihm spielten, teilweise auch noch diejenigen, die nach ihm kamen (u.a. Ruby Braff).

      Während Armstrong das Trompetenspiel durch seine Phrasierung, seinen Ton, seine Brillanz und auch seine bis dahin noch nie gehörten Töne auch in hohen Lagen, auf einen absoluten Gipfelpunkt führte, bahnte sich zuerst durch King Oliver, und dann durch die Ellington-Trompeter Bubby Miley, Cootie Williams, Freddy Jenkins, Arthur Whetsol und Re Stewart (Kornett) das Spiel mit dem Plunger , auf Deutsch, dem Gummidämpfer, ein ausgeklügeltes Spiel mit Dämpfern unterschiedlichster Art an. Auch hier gibt es eine Ellington-Linie, die dann von Ray Nance, Taft Jordan, Clark Terry und beim sehr späten Ellington durch Barrie Lee Hall weitergeführten Stil geprägt wurde.

      Direkt von Armstrong und den Dämpfer-Spezialisten waren Sidney de Paris und Muggsy Spanier (beide Kornett) gekommen, beide stehen auch den alten New Orleans-Musikern noch nahe. Ebenfalls unmittelbar zu Amrstrong gehören Jimmy McPartland und Bobby Hackett , beide bleiben dem Kornett treu. Beide sind zunächst einmal Dixieland-Musiker, doch Hackett entwickelte sich weiter, spielte u.a. bei Bob Crosby und Glenn Miller (Sein Solo über "String of Pearls" gehört zu den ganz großen Klassikern der Bigband-Ära) und spielte in den 50-er Jahren einen Dixieland-Stil, der durchaus mit modernen Harmonien aufhorchen ließ. Auch machte er mit Jackie Gleason Aufnahmen, die ihn als Solisten von Spitzenklasse auswiesen. Dabei blieb er sich stets selbst treu.

      Ebenfalls von Louis Armstrong kommen Hot Lips Oran Page, der in Kansas City aktiv war und zum frühen Count Basie Orchester gehörte und Jonah Jones. Page war als Sänger und Trompeter Armstrong sehr ähnlich, später war Teddy Buckner ein großartiger Trompeter in dieser Nachfolge gewesen. Jonah Jones spielte viele Jahre bei Cab Calloway, bevor er in kleinen Besetzungen eine gute Mischung aus Tradition und Moderne fand und entsprechend erfolgreich war. Heute sind alle diese Musiker im Grunde unbekannt und nur noch Fachleuten geläufig.

      An diese Linie reihen sich doch viele erstklassige weiße Trompeter, die den Weg in den Swing fanden : Sterling Bose, Manny Klein (der eine lebende Legende als Studiomusiker wurde, und an tausenden von Einspielungen beteiligt war,darunter spielte er das Trompetensolo in dem Film "Vedammt in alle Ewigkeit" ein), Pee Wee Erwin, Bunny Berigan, Yank Lawson und Max Kaminsky seien hier erwähnt.

      Sidney de Paris spielte mit Charlie Johnson, Don Redman und Benny Carter quasi seit der Frühzeit der Bigband-Ära in großen Bands, bevor er ab ca. 1945 mit der Band seines Bruders Wilbur eine Jazzband leitete, die sich durch kluge Arrangements und Ideen vom New Orleans Revival abhob und durch zahlreiche Aufnahmen einen lebendigen Jazz spielte.

      Weitaus fortschrittlicher war der andere große New Orleans-Trompeter nach Louis Armstrong, Henry "Red" Allen gewesen. Er verlagerte als erster Musiker die Phrasierung mehr hinter den Beat als direkt auf ihm. Damit begann etwas, was durch die nachfolgende Generation noch deutlicher wurde, nämlich der Einfluss der Saxophone in das Spielen und Phrasieren überhaupt. Hier sei der Tenor-Saxophist Lester Young erwähnt, dessen Phrasierung auch für die Trompeter stilprägend war: Das "Verschleppen" der Melodie und der Improvisationslinien hinter den Beat, oder auch vorziehend, ganz nach Belieben.

      Nach Red Allen sind zunächst Bill Coleman (der leider nie so recht die Anerkennung bekam,da er früh in Europa heimisch wurde) und dann vor allem Roy Eldridge zu nennen. Bei Eldridge sind wir dann auch beim wichtigsten Musiker überhaupt, was Phrasierung, Stilistik und auch High Note.Spiel angeht. Er wurde ganz bewusste von den großen Saxophonisten geprägt, besonders von Lester Young, aber auch seinem Freund Chu Berry, mit dem er viele Jahre zusammen in diversen Bands spielte. Er wurde das Bindeglied zwischen Louis Amrstrong und Dizzy John Gillespie, dem ersten großen Trompeter des modernen Jazz, dem Bebop.

      Doch gab es noch andere wichtige Trompeter, und die fand man vor allem in den groartigen Bigbands der damaligen Zeit. So gab es eine Reihe von Solisten, die eine besonders enge Bindung zu den Bigbands von Count Basie und Jimmie Lunsford hatten: Buck Clayton, Harry Edison, Lester "Shad" Collins, Emmett Berry und später dann Clark Terry, Snooky Young, Joe Newman,Thad Jones, Sonny Cohn und Al Aarons stehen für die Basie-Band von 1938-ca.1969.

      Sy Oliver, Gerald Wilson, Snooky Young und die beiden ersten High Note-Trompeter Eddie Tomkins und Paul Webster sind hier zu nennen. Oliver ist vor allem als Arrangeur bekannt geworden (Opus One, For Dancers Only,'tain't what you Do,Margie, Organ Grinder's Swing sind nur einige Beispiele hier). Sein Nachfolger wurde Gerald Wilson, der später auch für Dizzy Gillespie, Duke Ellington oder Count Basie spielte und arrangierte. Er war bis zu seinem Tode 2014 auch als Bigband-Leiter aktiv und erfolgreich.

      Auch Benny Goodman hatte eine Reihe erstklassiger Solisten in seiner Band, darunter natürlich viele Trompeter. Den Anfang machten Sterling Bose, Pee Wee Erwin und Bunny Berigan, dann folgten der großartige Harry James, den man damals zu Recht auf eine Stufe mit den schwarzen, großen Trompetern stellte, Ziggy Elman, Chris Griffin, Bernie Privin, Jimmy Maxwell, Billy Butterfield, Cootie Williams, Yank Lawson, Lee Castaldo und John Best. Sie waren alle von 1934-1947 in seiner Band. Während seine kurzen Bop-Zeit waren Fats Navarro und Doug Mettome seine Solisten gewesen, beide aber sind ausgemachte Bop-Trompeter und werden uns später erst wieder begegnen.

      Charlie Barnet, der stark von Duke Ellingtons Stil gepräft wurde, hatte ebenfalls einige bemerkenswerte Trompeter in seinen Reihen, auch wenn sie nicht den Bekanntheitsgrad erreichten wie Roy Eldridge oder Harry James. Hier wären Bonny Burnett, der eine exzellente Plunger-Rolle a la Cootie Williams in der Band übernahm, Billy May, der Barnets größten Hit "Cherokee" arrangierte, und später bei Glenn Miller weitere Topp-Arrangements ablieferte, bevor eine eigene Bigband leitete und in den Hollywood-Studios Sänger wie Frank Sinatra begleitete, "Peanuts" Holland, einem schwarzen Trompeter, der von Roy Eldridge her kommt, oder High Note-Virtuose Al Killian, ebenfalls ein schwarzer Musiker, der mit Count Basie, Lionel Hampton udn Duke ELlington noch arbeitete, und nach 1945 Clark Terry, Doc Severinsen, Rolf Ericson, Jimmy Nottingham oder Ray Wetzel. Die beiden Letzteren gelten als ausgezeichnete High Note-Trompeter und Satzführer, also wichtige Leute in einer Bigband, damals wie heute.

      Gene Krupa, der von 1935-1938 Starsolist der Benny Goddman-Band war, gründete 1938 seine eigene Bigband, die zunächst bis 1943 bestand. Sie war noch ganz im Swing-Stil der damaligen Zeit und hatte mit Nate Kazebier,Shorty Sherock, Roy Eldridge selbst und Corcy Cornelius ihre Trompetensolisten. Dann musste er seine Band auflösen,da er Probleme mit Rauschmitteln bekam, gründete dann aber 1944 erneut eine Bigband, die aber eine Reihe vorzüglicher Musiker des Bop in ihren Reihen hatte, und auch erstaunlich fortgeschrittene Arrangements spielte von u.a. George Handy, Eddie Finckle, George Williams und einem blutjungen Gerry Mulligan. Hier waren Red Rodney und erneut Roy Eldridge als Solisten tätig, aber auch die Lead-Trompeter Al Porcino, Joe und Ray Triscari. Diese Band wurde Anfang 1950 aufgelöst leider.

      Auch Artie Shaw hatte einige vorzügliche Trompeter in seinen Reihen. Darunter Bernie Privin, der später in Glenn Millers Army Air Force Band spielte, Johnny Best, der direkt zu Millers Zivilband ging, Billy Butterfield, Hot Lips Page und Roy Eldridge, die beiden großen, schwarzen Trompeter.

      Man sollte dabei erwähnen, dass Benny Goodman, Charlie Barnet, Artie Shaw und Gene Krupa die ersten weißen Bigbands waren, die schwarze Musiker beschäftigten. Dass das zur Zeit um 1941 eine Herausforderung für alle Beteiligten war, kann man sich sicher gut vorstellen.

      Schwarze Bigbands, die sich Trompeter erster Güteklasse erlauben konnten, waren natürlich Fletcher Henderson, der sich seit den 20-er Jahren mit Musikern wie Louis Amrstrong, Rex Stewart,Joe Smith, Emmett Berry, Roy Eldridge schmücken konnte, oder Lucky Millinder, der den Ausnahme-Trompeter Charlie Shavers, Carl Warwick, Harry Edison, Freddie Webster oder auch Dizzy Gillespie in seinen Reihen hatte, Lionel Hampton, der 1940 seine erste Bigband gründete, und der zunächst Joe Newman, Al Killian, Cat Anderson, Jimmy Nottingham, Clark Terry, Teddy Buckner, Fats Navarro oder Anfang der 50-er Jahre Quincy Jones, Art Farmer und Clifford Brown angehörten, Cab Calloway, der Doc Cheatham und Mario Bauza als Lead-Trompeter, und Dizzy Gillespie, Jonah Jones, Johnny Letman, Lamar Wright und Shad Collins als Solisten verpflichtete, oder Benny Carter, der Freddie Webster, Gerald Wilson, Idrees Sulieman, Emmett Berry und Lead-Trompeter Paul Cohen in seiner Band hatte.

      Es fehlen noch Stan Kenton, dessen Affinität zum Blech bekannt ist, Tommy Dorsey und Bob Crosby. Kenton hatte als Solisten Chico Alvarez, die Lead-und auch teilweise Solo-Trompeter Frank Beach, Buddy Childers, Ray Wetzel und Al Porcino. Sie waren von 1941-191949 seine wichtigsten Trompeter. Ken Hanna war als Arrangeur bedeutender denn als Trompeter, sollte aber erwähnt werden, da er doch Einfluss auf die Band hatte.

      Tommy Dorseys Trompetensolisten wurden schon früher genannt, doch Bunny Berigan, Pee Wee Erwin, Yank Lawson, Ziggy Elmen, Chuck Peterson und ab 1945 auch immer wiede Charlie Shavers sind zu erwähnen.

      Bob Crosby spielte einen Bigband-Swing, der sich direkt auf den Dixieland bezog. Entsprechend waren seine Solisten Yank Lawson, Billy Butterfield und Muggsy Spanier gewesen.

      Die Liste zu verängern, wäre einfach. Noch immer würden mir Namen einfallen, die durchaus ihre Berechtigung hätten, hier auch Aufnahme zu finden. Doch das würde den Rahmen wirklich sprengen. Es dürfte aber die sicher vollständingste Auflistung sein, die man auf die Schnelle lesen und abrufen kann. Kein Jazzbuch der Welt wird zum Thema Swing-Trompeter mehr Namen auflisten als ich es gerade getan habe, und doch muss ich eine Linie finden.

      In Kurzform würde sie SO aussehen : Louis Amrstrong - Henry "Red!" Allen" - Roy Eldridge - Harry Edison (der harmonisch von allen Swing-Trompetern wohl der modernste war) - Charlie Shavers - Benny Harris (den man noch VOR Dizzy Gillespie der vielleicht mit früheste Bop-Trompeter nennen müsste - Dizzy Gillespie.

      Trompeter, die sich im unmittelbaren Gillespie-Bereich befinden, und die zunächst noch im Swing ihre Wurzeln haben, waren Joe Guy, Joe Newman, Freddie Webster, Joe Wilder und Ray Linn. Ebenfalls VOR Dizzy Gillespie sind die Trompeter zu erwähnen, die sich nach Louis Amrstrong zuerst mit dem Hochton-Spielen (High Note-Blowing genannt im Englischen) einen Namen machten: Da waren aus der Jimmie Lunceford-Band die erwähnten Eddie Tomkins und Paul Webster, später dann Snooky Young, Al Killian, Cat Anderson, Jimmy Nottingham, Leo Shepard bei Lionel Hampton (und natürlich auch bei den anderen hier erwähnten Bands), Sunny Dunham im weißen Casa Loma Orchestra, Erskine Hawkins (der eine ausgezeichnete Bigband leitete, die man als Vorläufer des Rhythm & Blues bezeichnen könnte; bekanntestes Stück war bei ihm Tuxedo Junction gewesen) und dann der großartige Allround-Trompeter dieser Epoche, Charlie Shavers.

      Charlie Shavers muss man einfach extra behandeln. Heute kennt man ihn leider zunächst vor allem als Komponist des Standards "Undecided", doch er galt 20 Jahre lang als DER Allrounder der Swing-Ära. Er konnte Klavier und Banjo spielen und trat damit mit u.a. Bobby Hackett auf, doch solistisch trat er mit den Bigbands von Tiny Bradshaw, Lucky Millinder und dann dem berühmten John Kirby-Sextett hervor, dem er von 1938-1943 angehörte. Hier schreib er auch den Titel Undecided und viele andere tolle Arrangements. Er wirkte an Aufnahmen von Sidney Bechet mit, nach dem Kriege dann spielte er auf vielen Konzerten der Jazzreihen "Jazz at the Philharmonic" oder "just Jazz" mit, oftmals zusammen mit Dizzy Gillespie, aber auch mit Lionel Hampton. Hier kam nicht nur sein ganz persönliches Spiel besonders gut an, sondern auch seine Virtuosität in höchsten Lagen.

      Ab 1945 wirkte zudem sehr oft in der Bigband von Tommy Dorsey als Starsolist und Sänger, in etwa so, wie es Roy Eldridge bei Gene Krupa tat, nur runde 10 Jahre länger und auch mit Pausen. Leider verstarb er bereits mit 53 Jahren an Krebs zwei Tage nach Louis Amrstrong am 08.07.1971.

      An dieses brillante High Note-Spiel schließen sich jetzt im Grunde alle Lead-Trompeter und High Note-Artisten an, die man ab 1942 hören konnte. Die größten Lead-Trompeter der damaligen Zeit noch aufzulisten, wäre vielleicht mal interessant, aber sicher nicht so wichtig für den "normalen" Hörer oder Freund des Jazz. Ich habe auch viele davon schon erwähnt, deshalb noch einen Namen, den ich bis jetzt NICHT erwähnt habe, der aber unbedingt dazu gehört, wenn er auch als Solist nur wenig hervor getreten ist : Conrad Gozzo. "Gozz", wie er genannt wurde, begann seine Laufbahn 1938 als Teenager in der Band von Red Norvo. Weitere Stationen waren Bob Chester, Claude Thornhill, die Navy-Band von Artie Shaw und Sam Donahue, Woody Herman, Stan Kenton, Harry James, Shorty Rogers, Benny Goodman und dann die Filmstudios von Hollywood. Er wirkte dabei an den Aufnahmen von The Glenn Miller Story, The Benny Goodman Story, Ben Hur, Cleopatra mit, begleitete Frank Sinatra und Dean Martin, Dinah Shore , Henry Mancini, Les Brown und Ray Anthony. Hier war er so sehr beschäftigt, dass er 1964 an einer Herzattacke verstarb.

      So, das wars erst mal wieder für einige Zeit. Das ist so anstrengend, das kann kaum einer denken.....
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Weiter geht es mit den Bop-Trompetern. Ab hier wird es erneut etwas schwerer, weil sich natürlich immer mal wieder Entwicklungen ergeben, die übergreifend verlaufen. Doch ich versuche mal, das Ganze zusammen zu fassen.

      Es gibt, wie ich schon geschrieben habe, einige Trompeter, die man die "Wegbereiter des Bop" nennen kann. Selbst DER große Mann der Bop-Trompete, Dizzy Gillespie war, was seinen Jahrgang angeht, ein Musiker der Swing-Ära gewesen. Dass er damals bereits Ideen im Kopf hatte, die aber noch nicht richtig umsetzen konnte, ist bekannt und wurde auch von ihm selbst in seiner Biographie so geschrieben. Doch wer waren die weiteren Wegbereiter, die im Grunde fast zeitgleich ähnliche Ideen entwickelten?

      Nun, da wären, was den Tonumfang angeht, die bereits erwähnten High Note-Trompeter der Swing-Ära, allen voran vielleicht Paul Webster, der Tommy Stevenson in Jimmy Luncefords Orchester von 1935-1944 ersetzte, und den Gillespie vermutlich auch live hören konnte. Auf jedem Fall aber auf Schallplatten, die die Band reichlich machte. Webster spielte auch mit Charlie Barnet und Cab Calloway, aber niemals zeitgleich mit Gillespie. Webster ist Jahrgang 1909 und damit noch zwei Jahre älter als Roy Eldridge, also ein Mann der Swing-Ära, aber eben mit der außergewöhnlichen Fähigkeit, extrem hoch spielen zu können.

      Als Gillespie 1937 bei Lucky Millinder spielte, hatte er zwei Kollegen im Trompetensatz neben sich sitzen, die nicht nur seiner Generation angehörten, sondern auch ähnlich dachten wie er. Das waren Carl "Bama" Warwick, der Lead spielte und auch später Gillespie Lead-Trompeter seiner Bigband von 1956-1958 wurde, und der kurze Zeit später bei Count Basie berühmt gewordene Harry "Sweets"Edison ( Warwick war, wie Gillespie, Jahrgang 1917, Edison 1915 geboren). Mit ihnen verstand er sich wohl glänzend und sie unterhielten sich viel über Harmonisierung und Phrasierung.

      Harry Edison war sicher ein Swing-Trompeter allererster Güteklasse, und harmonisch gesehen, sicher der moderneste Trompeter vor dem Bop-Musikern gewesen, während sein ebenfalls berühmter Kollege Buck Clayton mehr die "traditionelle" Seite abdeckte. Edison spielte auch mehr kammermusikalisch und auch kein Vertreter des High Note-Spieles gewesen.

      Weitere Vorbereiter des Bop waren Benny Harris, der in etwa die Postion eines Trummy Young oder Bill Harris bei den Posaunen inne hatte, sprich die Tradition erweiterte, ohne je den letzten Schritt zum Bop gemacht zu haben. Harris traf 1943 in der Earl Hines-Band auf Gillespie. Jene Band also, die rein zufällig eine Reihe von jungen Musikern etwa zwischen 1942 und 1944 in ihren Reihen hatte, die fortschrittlicher dachten als die breite Masse, darunter war auch Charlie Parker am Tenorsaxophon (!!!), die Sänger Billy Eckstine und Sarah Vaughan, lauter Musiker, die kurze Zeit später in aller Munde waren.

      Ebenfalls zu diesen Wegbereitern muss man Freddie Webster zählen, der 1916 geboren wurde, und in den Bands von Benny Carter, Cab Calloway, Earl Hines, Jimmie Lunceford und Lucky Millinder spielte. Er beeinflusste nachweisbar den blutjungen Miles Davis, aber auch Kenny Dorham und Dizzy Gillespie selbst. Er verstarb bereits 1947 durch einen Herzanfall. Ob dabei Drogen im Spiel waren, lässt sich heute nur spekulieren, doch Gerüchte sagen auch das als möglichen Tod aus.

      Seine Aufnahmen sind leider selten, aber es gibt jene mit Sarah Vaughan von 1946, Frank Socolow und Bud Powell von 1945 und Radio-Mitschnitte der Jimmie Lunceford-Band von 1943, so dass durchaus Material vorhanden ist, was belegt, dass er zu den frühen Bop-Pionieren gehörte.

      Wir gehen noch einen kleinen Schritt weiter. Clark Terry, der große Basie-und Ellington-Trompeter, der auch das Flügelhorn im Jazz salonfähig machte, wie kaum jemand vor ihm, ist Jahrgang 1920. Sein Einfluss auf den jungen Mies Davis und auch dessen Achtung vor diesem großartigen Musiker, ist immer wieder von diesem bestätigt worden. Sein Spiel ist hinreichend dokumentiert. Er spielte mit Lionel Hampton, Charlie Barnet, Count Basie,Duke Ellington, Quincy Jones und Gerry Mulligan, bevor er viele Jahre ind en Studios und der Tonight Show-Band angehörte. Er lebt auch heute noch (Stand 20.02,2015), kann nicht mehr spielen, ist an den Rollstuhl gefesselt, aber erteilt noch immer Unterricht. Seine Schüler sind zahllos, er ist bereits zu Lebzeiten eine Legende geworden.

      Sonne Berman (1923-1947) ist ein weiterer tragischer Fall, der früh an Drogenkonsum verstarb. Er spielte noch bei Harry James, ehe er in der "First Herd" von Woody Herman zusammen mit Pete Candoli (1942-2008) solistische Glanzstücke ablieferte.

      Ein weiterer Trompeter, der eigentlich noch vom Jahrgang her (1918-1987) in den Swing gehören müsste, steht aber bereits voll in den Fußstapfen von Dizzy Gillespie. McGhee spielte zuvor aber in den Swing-Bands von Andy Kirk, Charlie Barnet und der kleinen Gruppe von Coleman Hawkins, ehe er in der Band von Charlie Parker Nachfolger von Miles Davis wurde. Hier begann auch er dem Rauschgift zu verfallen, konnte sich aber viel später davon lösen und hatte ein Comeback.

      Ebenfalls bei Andy Kirk, und auch teilweise zusammen dort spielend, war vielleicht DER Trompeter des Bop mit Gillespie überhaupt, Fats Navarro. Navarro (1923-1950) begann noch in Snookum Russels Band als Nachahmer von Roy Eldridge, und damit wie Dizzy Gillespie, der zeitgleich bei Cab Calloway spielte, und dort bereits eigene Wege ging. Navarro wurde leider ebefalls früh Opfer von Heroinsucht, die vermutlich um 1945 in der Billy Eckstine-Bigband begann, der ersten Bop-Bigband überhaupt. Dort ersetzte er sein Idol Gillespie und spielte mit Leuten wie Art Blakey, Gene Ammons, Dexter Gordon, Sarah Vaughan und Leo Parker. Anschließend spielte er mit Tadd Damaron, Illinois Jacquet, in Benny Goodmans Bop-Bigband (mit Wardell Gray zusammen) und Lionel Hampton (1947 oder 1948, zusammen mit Charles Mingus).

      Kenny Dorham (1924-1972) steht voll in der Bop-Ära und war damit der erste bedeutende Trompeter überhaupt, der nicht noch aus der Swing-Ära hervor ging. Er spielte mit Dizzy Gillespie und Billy Eckstine Bigband-Bebop, mit Kenny Clarke und Charlie Parker im Quintett, aber auch bei Lionel Hampton und Mercer Ellington Ende der 40-er Jahre. Später wirkte er im Hard Bop bei Horace Silver in der Ur-Besetzung der Jazz Messengers mit und ging dann zu Max Roach, wo er den tödlich verunglückten Trompeten-Giganten und würdigen Nachfolger Fats Navarros, Clifford Brown ersetzen musste.

      Joe Wilder (1922-2014) steht noch mit einem halben Bein im Swing, doch man muss ihn mehr dem Bop zurechnen. Zunächst noch in der Band von Les Hite mit Dizzy Gillespie zusammen spielend (1941-1942), spielte er noch vor dem Kriegsdienst bei Lionel Hampton. Nach dem Kriege wirkte er erneut bei Hampton, aber auch Jimmie Lunceford, Lucky Millinder und Sam Donahue mit. Später spielte er mit Count Basie (Sein Solo Ende 1953 über "Softly with Feeling" wurde sehr bekannt damals), Tadd Damaron, Oscar Pettiford, Quincy Jones und Oliver Nelson, aber auch beim NBC, in Philharmonischen Orchestern, Cab Calloway, oder 1962 mit Benny Goodman in Moskau. Er trat noch bis kurz vor seinem Tode auf und ist tonlich wie stilistisch im Umfeld von Clark Terry anzusiedeln.

      Nick Travis (1925-1964), Doug Mettome (1925-1964), Red Rodney (1927-1994) und Shorty Rogers (1924.1994) sind die weißen Vertreter des Bop. Travis wirkte vor allem in Swingbands mit, auch sein Stil ist kein reiner Bop, doch eben auch kein Swing mehr, mehr eine Verbindung beider Richtungen. Er spielte mit u.a. Woody Herman (42-43+50-51), Ray McKinley (46-48+1949), Benny Goodmans Bop-Bigband (48-49), Gene Krupa, Tommy Dorsey, Tex Beneke, Elliott Lawrence ehe er ein viel beschäftigter Studiomusiker wurde. Sauter/Finegan, Gerry Mulligan und Thelonious Monk wsren weitere Stationen seines Wirkens ab 1956.

      Doug Mettome spielte in der späten Phase der Billy Eckstine-Bigband, kam zu Benny Goodmans Bop-Bigband und wurde dort Nachfolger von Fats Navarro. "Undercurrent Blues" war dort sein Paradestück, was auch aufgenommen wurde. Weitere Stationen waren Woddy Herman, Herbie Fields, Tommy Dorsey, Pete Rugolo, Johnny Richards und Urbie Green. Da auch er dem Drogenkonsum verfiel, starb er bereits mit 38 Jahren.

      Red Rodney spielte bereits mit 15 Jahren professionell mit Jerry Wald, kam nach dem Kriege zu Gene krupa, wo er enige bemerkenswerte Soli einspielte. Anschließend waren Woody Herman, Buddy Rich und Claude Thornhill seine Cefs, bevor er 1949 Nachfolger von Kenny Dorham bei Charlie Parker wurde. Damit geriet auch er in den Drogensumpf, aus dem er erst wieder in den 60-er Jahren heraus kam. 1980 gelang ihm ein vielbeachtetes Comeback.

      Shorty Rogers spielte bereits mit 17 Jahren1942 in der Bigband von Will Bradley und bei Red Norvo 42/43, bevor er zum Mlitärdienst gezogen wurde. 1945 ging er erneut mit Red Norvo auf Tournee und spielte beim Town Hall Concert 1945 eine bemerkenswerte Platte ein und ging zur späten Phase der First Herd von Woody Herman 1946. Dann wurde er Mitglied in den Bigbands von Charlie Barnet, Butch Stone und der Second Herd von Woody Herman47-49; er schrieb u.a. "Keen and Peachy","Lemon Drop" und "Keeper of the Flame für ihn). 1950-1951 war er bei Stan Kenton (hier schrieb er "Viva Prado", "Jemmy Rogers" und "Art Pepper" für ihn). Nun zog es ih an die Westküste. Dort gehörte er zu den Lighthouse All Stars, bevor seine eigenen "Giants" gründete. Rogers setzte nun auch verstärkt das Flügelhorn ein und war damit zusammen mti Clark Terry einer der ersten wichtigen Musiker, die das Instrument in den Jazz fest integrierten. Er legte in dieser Zeit eine bemerkenswerte Karriere in den Studios von Los Angeles hin, machte auch exzellente Bigband-Einspielungen, bevor sich nach vielen Jahren wieder auf die Jazzszene wagte in den frühen 1980-er Jahren.

      Ernie Royal (1921-1983), Shorty McConnell (ca.1920 geboren), Idrees Sulieman(1923-2002), Dave Burns (1924-2009) und Benny Bailey (1925-2005) sind weitere Trompeter des Bop, die man unbedingt erwähnen muss.

      Royal galt vor allem als exzellenter Lead-Trompeter, der aber auch bemerkenswerte silistische Fähigkeiten hatte. zunächst noch in den Swingbands von Les Hite und CeePee Johnson aktiv, begann seine Karriere mit der Lionel Hampton Bigband von 1940-1942. Er war der Hogh Note-Solist in Hamptons berühmter Einspielung von "Flying Home", bei dem Illinois Jacquett sein nicht minder berühmtes Tenorsolo spielte. Nach dem Kriege spielte er mit Woody Herman (1947-1949 Lead-Trompete), Count Basie, Charlie Barnet und Duke Ellington (Europatournee 1950), bevor er für zwei Jahre in Europa blieb. Zurück ind en Staaten waren Wardell gray und Sten Kenton seine weiteren Stationen, bevor er von 1957-1972 bei ABC Studiomusiker war.

      Shorty McConnell war kein berühmter Solist gewesen, aber seine Stationen Earl Hines (42-43, Solo in "Second Balcony Jump" und §Stormy Monday Blues") , wo er zusammen mit Gillespie und Parker spielte, Billy Eckstine (44-46) und Lester Young (1947) machen seine Karriere wiederum interessant. Anschließend verschwand er total von der Szene, so dass man keine Informationen mehr hat über ihn.

      Idrees Sulieman, der ursprünglich Leonard Graham hieß, spielte 43/44 bei Earl Hines, aber etwas später als Gillespie und Parker. Weitere Stationen waren Benny Carter, Count Basie,Cab Calloway, Dizzy Gillespie, Lionel Hampton und Illinois Jacquet gewesen. 1957 tauchte er auf eine Platte mit Coleman Hawkins als Leader auf, ging 1961 nach Europa, und wirkte dort u.a. in der legendären Kenny Clarke/Francy Boland-Bigband an der Seoite von Benny Bailey mit. 1964,1976 und 1985 legte er in Europa Platten vor. in den 1990-er Jahren ging er zurück in die USA.

      Dave Burns war ein ausgezeichnter früher Vertreter des Bop. Er hörte Dizzy Gillespie im Minton's Playhouse jammen, und wurde ein großer Verehrer von ihm. 1942-1943 spielte er zunächst noch mit dem legendären "Savoy Sultans" in ebendiesem Gebäude, ging zur Army, um nach dem Kriege vor allem in der Bigband von Dizzy Gillespie zu spielen. Nach einem kurzen Intermezzo bei Duke Ellington 1949-1950 wurde er erst wieder richtig aktiv bei James Moody 1952-1957. 1961-1963 spielte er bei Al Grey/Billy Mitchell mit, dann bei Willie Bobo und mit eigener Band. Er war u.a. 18 Jahre lang Musikdirektor für die International Arts of Jazz tätig, und über 40 Jahre als Lehrer beim Nassau BOCES Culture Arts Center in New York und seinem eigenen Studio.

      Letzter im Bunde der Bop-Trompeter ist Benny Bailey. Nach mehreren Jahren mit Jay McShann (43-47) wirkte er Dizzy Gillespies Bigband mit, bevor er zu Lionel Hampton kam (49-53). Dort wurde er zum Starsolisten, verließ ihn aber noch während Europatournee 1953,um für viele Jahre in Euopa zu leben und dort aktiv die Szene zu bereichern. 1959-1960 spielte er in der berühmten Quincy Jones Bigband ("Meet Benny Bailey" schrieb Jones für ihn). Ab 1963 spielte er bis 1973 mit der Kenny Klarke/Frany Boland-Bigband, dann mit George Gruntz und der "Paris Reunion Band". Er tourte auch regelmäßig mit der Max Greger Bigband , Werner Müller und ab 1972 mit Kurt Edelhagen.

      So, nun sollte ich auch hier die wichtigsten Vertreter und noch viele mehr genannt haben.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)