Eigenes von Roi des étoiles

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  • Vielen Dank für die interessanten Statements, zumal zu Algys Triebleben, aber ich räum hier trotzdem mal auf...

    Liebe Grüße,
    Areios
    Wortputze
    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
  • Dein Tod


    Dein Tod ist schön

    Im Rund liegt ein Sterben -
    ein Grab
    hinter der Stirn

    Sein Atem ein Spiegel
    und Wolkenblätter,
    verdreht

    Fast Sterngänger ist er,
    eine Stimme aus Luft

    Ich halt' ihn fest wie den Himmel,

    doch auch er löscht mir bloß
    den Totenduft aus



    (c) 2010, Jörg Borse
    Muss es sein? - Es muss sein!
  • Lieber Jörg, ich sag etwas dazu und zwar ganz offen: Dieses Gedicht gefällt mir leider nicht (vermutlich überrascht Dich das nicht...). Zu viel Tod und das zu plakativ, mit Metaphern, die mich nicht recht ansprechen (Atem, Spiegel, Wolkenblätter - der Himmel, der mir den Tod auslöscht). Mir wäre es lieber gewesen, wenn das Morbide nicht so offensichtlich da wäre.

    Vielleicht habe ich aber auch nur schon zu vieles gelesen, in dem der Tod besungen wurde.

    Nänie beispielsweise finde wesentlich schöner und gelungener!

    :wink:
    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann
  • lieber gurnemanz, vielen dank für die rückmeldung, auch wenn - was ich mir schon dachte - nicht positiv ausfällt. wir kennen uns wohl schon zu gut ;+)

    allerdings sehe ich da soviel morbides gar nicht drinnen ... atem, himmel, spiegel, geruch, stimme sind für mich gar nicht morbid ... ganz im gegenteil - eher etwas lebendiges (deshlab habe ich dieses auch bewußt benutzt, um den gegensatz zu schaffen). aber, es muß ja auch nicht alles gefallen ;+)

    :wink:


    ps: der himmel löscht den geruch nicht aus, sondern der tod (hier hat dich sicherlich das 'er' in die irre geführt - das würde im klaren latein nicht passieren)
    Muss es sein? - Es muss sein!
  • [...]
    In jedem Fall finde ich es megamutig, in diesem Forum unermüdlich Gedichte zu veröffentlichen und dazu noch den Humor und die Contenance zu bewahren, wenn Selbige mehr oder weniger "subtil" verrissen werden. Dichter untereinander scheinen sich ja eh noch schimmer als zwei Sopranistinnen beim Vorsingen für dieselbe Rolle zu sein.....siehe Mozart: Der Schauspieldirektor.
    Lieber Jörg, ich sage ganz offen, dass mir Vieles von dem, was ich hier gelesen habe persönlich auch deshalb nicht gefällt, weil Du eine gewisse Masche immer wiederholst und es sehr wenige Überraschungen und Brüche gibt. Und das Morbide ist mir wirklich manchmal arg am Rande des guten Wort- und Metaphern-Geschmacks. Aber ich finde auch immer wieder (mich) treffende und bewegende Bilder bei dir.
    Da ich es ausserdem gewiss nciht besser kann, zumal bei einer solch grossen Produktion wie der Deinen- bin ich trotzdem voller Respekt für Deine Beharrlichkeit, Deinem Traum nachzugehen und dich nicht entmutigen zu lassen. Egal wem deine Gedcihte nun gefallen oder nicht, die Tatsache, dass du sie schreibst und veröffentlichst ist ein Akt, der sicher eine grosse Bedeutung für Dich hat und respektiert werden sollte.
    [...]

    :fee:
    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
  • audiamus schrieb:

    Versucht bitte, auf sachlicher Ebene zu argumentieren.

    Dann tun wir das doch einfach.

    Lieber Jörg,

    [...].

    Auf ins Getümmel:

    Metrische Organisation kann ich bei keinem Deiner Gedichte in irgendeiner Form entdecken (und ich suche nicht nur nach fußmetrisch versifizierten Strukturen). Das ist an sich nicht als Manko zu werten, speist sich doch das Gros der zeitgenössischen Lyrik aus dem prinzipienlosen Prinzip des „Hinschreibens und Rand-drum-Lassens“, doch atmen mir Deine freien Rhythmen auch nicht, und ich bilde mir ein, gerade auf diesen Punkt in meiner mittlerweile anderthalb Jahrzehnte währenden intensiven Beschäftigung mit Lyrik vieler Sprachräume und Zeiten besonderes Augenmerk verwandt und mir ein einigermaßen intersubjektivierbares Urteil zugelegt zu haben. Ich würde das auch sonst nicht sagen, wenn ich befürchten müßte, daß das meine Privatmeinung und sonst gar nichts sei.

    Atmen tun alle Formen der Variation und der Anpassung. Du aber unterwirfst alle Wörter und Morpheme, die Du verwendest, einer schwach besetzten „Symphonie des großen Einfalls“. Du möchtest blenden, irisieren, und übersiehst dabei ein wenig, daß die Phrasen und die Silben auch ihr Eigenleben haben, das Du ihnen nimmst, indem Du sie sich nicht selbst organisieren läßt, sondern mit harter Hand Begriffe klopfst. "Syzygie" nennt man das in der Fachwelt, Zusammenjochung, auf formaler Ebene.

    Hierbei, und jetzt sind wir schon nicht mehr im metrischen Bereich, verwendest Du mit einer an Besessenheit grenzenden Vorliebe sog. absolute Metaphern. Damit sind entlegene Zuordnungen und Zusammenstellungen gemeint, die den Intellekt des Lesers dadurch herausfordern wollen, daß sie ihm ersteinmal kaum mit dem herkömmlichen semantischen Instrumentarium der Alltagssprache zu knackende Nüsse präsentieren. Das kann man ein paarmal machen, aber das Überraschungsmoment und auch die Würde solcher rhetorisch heiklen Elemente schleifen sich verzweifelt rasch ab, wenn sie in der Serialität geboten werden, wie Du sie pflegst.

    Viele Deiner Gedichte wirken eher wie eine Sammlung von kühnen Lesefrüchten oder auch wie der Teil eines Werkzeugkastens für angehende Poeten, in den man nur mit Vorsicht greifen sollte, weil er die ganz besonders starken Mittelchen enthält, die die Gefahr der schnellen Überreizung bergen.

    Die Kunst der Sparsamkeit wird hier von Dir nicht sehr geschätzt, lieber Jörg, das wirst Du sicher zugeben. Und dies ist eine hohe Kunst in der verdichtetsten Form, in der wir Sprache haben, in der Lyrik.

    Du bekümmerst Dich desweiteren auch kaum um Aufbau und Verlaufskurven in Deinem Tun, um ein Auf und Ab im Schreibfluß, um Intensivierung und Retardation, um Systole und Diastole, um eben: Atem. Auf dichteste Passagen folgen, wo eben möglich, noch dichtere, aber Entspannung, die zum Aufbau neuer Spannung diente, findet niemals statt. Die einzelnen Teile interagieren so nicht, sondern wirken aleatorisch aufgereiht. Man kann versuchsweise ja mal eine Strophe eines Deiner Gedichte nehmen und in ein anderes von Dir zu implantieren suchen. Zumeist wird es gelingen und der Eingriff unauffällig bleiben.

    Inhaltlich, denn dort sind wir jetzt in der leider sehr einseitigen kleinen Besprechung angekommen, muß ich in das Horn tuten, das Gurnemanz schon öfter ausgepackt hat: Die Bildbereiche Deiner Arbeit leiden stark an Beliebigkeit und schroffer Unverbundenheit. Oftmals bemühst Du enorm kontrastive Begrifflichkeiten, um vordergründig Wirkung zu erzielen. Und Wirkung, die meist nur vordergründig bleibt. Oder aber solche, die nah am Kitsch geboren wurde.

    Die Welt des Himmels (Tag und Nacht), der Pflanzen (Blumen insbesondere), der Düfte, Farben und edlen Stoffe wird von Dir mit der Nonchalance und Gewissenlosigkeit eines Pennälers geplündert, es gibt ja immer einen Kniff, mit dem man „Schönheit“ in ihrer basalsten Form reproduzieren kann. Genau damit aber verhindert man jene sekundäre Schönheit, die ein Gedicht braucht, um Realität zu spiegeln und selbst in sich gefestigt eigenständig gegen diese aufzutreten.

    Schönheit kann man sich nicht aus der Welt mit copy&paste herüberholen, man muß sie ganz neu herstellen als Lyriker, und ich habe jetzt keine bestimmte Form von Lyrik, keine Schule oder Schreibart im Kopf, das scheint mir ein universelles Erfordernis der Gattung zu sein – wenn man denn Schönheit überhaupt als relevante poetologische Kategorie erachtet, was Du aber ganz klar tust.

    Zuletzt: Du schreibst komplett epigonal. Deine Liebe zum Expressionismus geht offenbar so weit, daß Du das Originalitätspostulat des 20. Jahrhunderts über Bord zu werfen und Dich in fortgesetzten Reminiszenzen zu ergehen scheinst, statt den Habitus des Expressionistischen in genuin eigene Strukturen allererst einzubetten und so nur zu zitieren, statt ihn zu kopieren..

    Es tut mir leid, lieber Jörg, daß ich nichts Dir Genehmeres zu sagen habe. Ich habe mir die Freiheit genommen, zu kritisieren, weil Du Dir lauthals diejenige genommen hast, in unserm Kreis zu "publizieren" und auch um Kritik zu bitten.

    Und damit Du weißt, wer Dir das schreibt: Auch ich bin Lyriker im richtig wahren echten Leben, das lasse ich nur nicht so heraushängen. Man hätte aber darauf kommen können, wenn man, und das ist schon die einzige Gelegenheit gewesen, zu der ich das in diesem Forum einmal angedeutet habe, meine Parodien zur Kenntnis genommen hätte, die ich am vergangenen Aschermittwoch mit dem genialischen Gestus ;+) des „Ach, egal“ hingeworfen und hier eingestellt habe, und einige aus diesem Forum haben das denn auch bemerkt.

    [...]

    Liebe Grüße,

    Alex :wink:

    "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

  • danke für die ausführliche auseinandersetzung mit meinem 'stil' [...]

    - es wird dich nicht wundern, daß ich dies ganz anders sehe (über manche einwürfe könnte man sich hingegen trefflich streiten). interessant, daß ich just vor einigen tagen in einem anderen forum eine ganz andere analyse meines 'stils' erhalten habe - die einseitig positiv war. und ich schreibe das jetzt nicht aus der mir angeborenen hybrischen hybris - sondern um zu verdeutlichen, wie unterschiedlich wohl geschmäcker und gedanken sind. ich würde jetzt gerne mehr auf deine einschätzngen eingehen(denn da gäbe es viel, viel, viel zu entgegen und klarzustellen), aber leider muß ich die kostbare zeit nutzen, um schlechte gedichte zusammenzustellen und selbstvertändlich überarbeitend noch schlechter zu machen für das miese buch, das nun herauskommt und noch vor dez. erscheinen soll - natürlich im selbstverlag mit 200%igem zuschuß trotz der minimalen auflage und der tatscahe, daß ich es dann als alleiniger käufer noch aufkaufen muß, da den schrott ja keiner liest ...

    aber danke auch für deine aufrichtigen wünsche :wink:
    Muss es sein? - Es muss sein!
  • Graf Wetter vom Strahl schrieb:

    jene sekundäre Schönheit, die ein Gedicht braucht, um Realität zu spiegeln


    Ach, sowas kann ein Gedicht? Ich hab immer schon geahnt, dass Du in Wahrheit Georg Lukacs bist ...

    Ansonsten ist das ein schöner Text, den Du da geschrieben hast. Voller Poesie!

    Und jetzt noch was persönliches: Ich freue mich immer an der Lyrik des Sternenkönigs - sie ist der texthaftige Beweis dafür, das es tatsächlich mindestens ein autopoietisches System auf Erden gibt. Und das ist gut so. Niklas Luhmann hat also nicht umsonst gelebt. Immerhinque.

    Adieu,
    Algabal
    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
  • Vermutlich kann es wirklich nur einen geben - Roi, Graf oder den Florian.

    Die vor einiger Zeit aufgekommene Schärfe in der Bewertung der Gedichte von Jörg hat sich mir von Beginn an nicht recht erschlossen. Ich halte es da wohl eher mit Fairy, die grundsätzlich den Mut würdigt, hier Gedichte einzustellen (sich zu öffnen/entblößen). Ich fühle mich dadurch nicht persönlich angegriffen oder provoziert.

    Wenn es um Kritik geht, muss ich gleichwohl anfügen, dass mir Jörgs Arbeiten nicht allzu viel sagen. Das Expressionistische daran lässt mich relativ kalt. Ganz fern erinnert mich das an ein Lied von Holger Hillers erstem Solo-Album (Ein Bündel Fäulnis in der Grube); das Lied heißt "Bleich schreien Rabe" (blass schlafen Wald) und ist dem Vernehmen nach dadurch zustandegekommen, dass Hiller die am häufigsten verwendeten Worte aus expressionistischen Gedichten mehr oder minder sinnhaft zusammenfügte.
    Auch meide ich generell Liebes-Gedichte, in denen das Wort Liebe eingesetzt wird, oder Gedichte, in denen das Wort Tod erscheint. Der Gebrauch des Wortes schön bereitet mir immer Bauchschmerzen, weil es überhaupt nichts sagt, außer, dass ich nicht ausdrücken konnte, was mich berührt/bewegt hat.
    Aber.
    Ich lese die Gedichte durchaus mit Interesse. Ebenso bin ich überzeugt, dass sie andere mehr ansprechen können als mich. Und das ist nicht wenig. Mich bringen sie dazu, mich mit einer Kunstform zu befassen, für die sonst zu wenig Zeit aufbringe.

    Insofern teile ich die fundierte Kritik des Grafen nur zum Teil. [...]
  • Zum Abschluß


    nehmt meinen dank, ihr holden leser –

    mit diesen leicht abgewandelten worten einer wunderbaren mozart-arie möchte ich mich verabschieden und allen leserinnen und lesern dank sagen für interesse, treue und zuweilen auch wohlgefallen wie auch (fundierte) kritik. ^^ ^^ ^^


    denn die zeit ist gekommen: das buch wird ende 2010 / anfang 2011 endlich erscheinen mit genau 86 der 87 hier, bei tamino und papageno veröffentlichten (und zuweilen recht deutlich bearbeiteten) gedichte und kann bei interesse gerne bei mir (zum sonderpreis) erworben werden. ich möchte hier keine weitere werbung machen.

    dies ist somit auch der anlaß, den aktuellen thread zu schließen.


    eine neue periode beginnt. – vielleicht irgendwann mit Eigenes II.


    es grüßt herzlich

    jb


    Muss es sein? - Es muss sein!