Bartók: Die Streichquartette - Welche Aufnahmen sollte man kennen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Gurnemanz schrieb:

      a.b. schrieb:

      Die rhythmischen Raffinessen aber werden zugunsten eines weitgezogenen entspannten Dahinfließens nivelliert.
      Das kann ich mit meinen Erfahrungen (das genannte Konzert in Heidelberg, die Debussy-Ravel-Fauré-CD) nicht bestätigen.

      Näheres an diesem Ort gern, wenn ich mir die Bartók-Einspielung mit dem Quatuor Ebène zulegen sollte.

      :wink:



      Meine Konzerterfahrung rüht von 2007 her... :wink:
      Gruß a.b.

      ----

      In der Musik geht es nicht um Perfektion, sondern um die Freiheit, zu zeigen, wer man wirklich ist.
    • Man müsste sich wirklich mal ein Herz fassen und etwas ausführlicher über die einzelnen Quartette schreiben. Ich muss zugeben, dass ich mir das irgendwie nicht zutraue, obwohl ich sie zur Zeit rauf und runter höre. Aber was soll's, irgendwer muss es ja tun.... (demnächst mehr ;+) ...)

      Ich habe Hagen Q., Ungarisches SQ und Keller-Q. und tue mir schwer eine Präferenz zu bekunden. Alle drei Einspielungen sind auf sehr, sehr hohem Niveau. Das Ungarische-Sq. spielt wohl am wärmsten. Die Aufnahme des Takács-Quartett ist leider zur Zeit extrem teuer. Kann irgendwer etwas zur Aufnahme des Mikrokosmos-Q. sagen (erschienen bei Hungaroton)?
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Trichomonas musicalis schrieb:

      Man müsste sich wirklich mal ein Herz fassen und etwas ausführlicher über die einzelnen Quartette schreiben. Ich muss zugeben, dass ich mir das irgendwie nicht zutraue, obwohl ich sie zur Zeit rauf und runter höre. Aber was soll's, irgendwer muss es ja tun.... (demnächst mehr ...)

      Oh ja, gerne! Diesen Karakorum der Streichquartette schiebe ich auch schon lange vor mir her ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Ich habe nur die GA mit dem Alban Berg Quartett. Sehe ich das richtig, dass diese Aufnahme hier nicht sonderlich geschätzt wird? --- Habe eben mal die mit dem Hagen Quartett bestellt, kostet ja nicht die Welt.

      Ich höre gerade SQ Nr. 5 und 6. (Alban Berg Q.) Die Musik könnte mir durchaus gefallen. (Z. B. gefallen mir die Anklänge an den "Sacre" im 6.; oder dieser Volkmusikanklang im 5., hört sich für mich fast "irisch" an.) Generell tue ich mich aber mit Bartoks Quartetten ein wenig schwer. Die genannte GA habe ich mir vor vielleicht 4 Jahren zugelegt. Eigentlich wollte ich immer mal tiefer in diese Werke eindringen. Dazu ist es aber nie richtig gekommen. Da ich inzwischen deutlich mehr Kammermusikhörerfahrung habe, versuche ich es jetzt mal wieder. Es ist natürlich total subjektiv, ich weiss, aber vielleicht kann es trotzdem jemand nachvollziehen: im Gegensatz zu Schostakowitschs Quartetten, die ich im wesentlichen als "warm" empfinde, kommen bei mir die Bartok Quartette eher "kalt" daher. Das empfinde ich auch bei anderen Werken von Bartok so, womit er wohl nie mein Lieblingskomponist werden wird.

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Ich habe die ABQ-Einspielung leider nicht. Von den Klangschnipseln her, die ich mir einmal bei jpc angehört habe, habe ich nicht den Drang verspürt die Einspielung zu kaufen. Die Hagens spielen wirklich sehr, sehr gut - und vor allem weniger rabiat als man glauben würde. Die "wärmste" Einspielung wird aber wohl die des Ungarischen SQ sein.

      Generell glaube ich, dass man schon Bartók-gestählt sein sollte, wenn man sich den Quartetten widmet, da diese noch schwieriger zu hören sind als die Orchestermusik (es fehlen z.B. die vielen Klangfarben). Wenn einem z.B. die Musik für Saiteninstrumente, die ersten beiden Klavierkonzerte oder die Sonate für zwei Klavier und Schlagzeug nicht gefallen, wird man an den Quartetten wohl vorbeihören.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Die Quartette sind ohne Zweifel dichte, schwierige, intensive Musik, auch verglichen mit den meisten von Schostakowitsch. Muss man eben immer mal wieder anhören, ggf. auch satzweise. Ich finde nach wie vor 4-6 zugänglicher als 1-3. 3 ist vielleicht das dichteste und sprödeste. Wie ich oben schonmal schrieb, finde ich etliche Sätze allein klanglich recht faszinierend, zB die scherzo-artigen in 4 und 5.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      3 ist vielleicht das dichteste und sprödeste.

      Stimme absolut zu. Das 3. ist zwar sehr kurz aber hammerhart. Da durchzusteigen ist mir immer noch nicht ganz geglückt, allerdings finde ich hier das Ungarische SQ ein gutes Stück plastischer als die beiden anderen Aufnahmen von mir.
      Ich finde auch die klanglichen Innovationen in den Quartetten höchst bemerkenswert. Ziemlich klischeehaft ausgedrückt, kombiniert Bartók für mich auf perfekte Weise deutsche Themenarbeit mit französischem Klangzauber, plus ein gerütteltes Maß osteuropäischer Rhythmik.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Wie an anderer Stelle schon erwähnt, halte ich diese 49er Einspielung des gerade gegründeten Juilliard Quartetts für unbedingt hörenswert. Hier klingt alles frisch - das Quartett war neu, die Musik war neu - es ist einfach eine andere Sicht ! Bei der 63er Einspielung klang es schon ganz anders, und die noch spätere war überflüssig. Zumindestens mal anhören ! ( Überspielung von Schallplatten).

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Ich habe mir gestern das 4. Quartett, gespielt vom Ungarischen SQ, dem Keller Q. und dem Hagen Q., im Vergleich angehört und denke, dass ich jetzt den Finger darauf legen kann, wo bei den Kellers das Problem liegt. Nicht nur, dass die Aufnahme einen gewissen Hall hat, auch ist das Cello sehr leise und im Hintergrund. Dadurch entsteht ein "kalter" und distanter Eindruck, der vielleicht manchen Hörer noch zusätzlich abschreckt. In der Aufnahme des Ungarischen SQ ist das Cello sehr im Vordergrund, was zur "Wärme" des Ensembleklangs beiträgt. Die Hagens liegen dazwischen - vielleicht idealerweise....
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • SQ 2, 4, 6 - Jerusalem Quartet

      Letzten Monat erschien diese Aufnahme der SQ 2, 4, und 6 vom Jerusalem Quartet:



      Ein Hochglanzprodukt, welches ich mir natürlich auch gleich zulegen musste. Verführt wurde ich dazu v.a. durch die Soundschnipsel des zweiten SQ. Die Herangehensweise des JQ ist recht eigensinnig. Alle Instrumente klingen absolut gleichberechtigt, die Violinen ragen praktisch kaum hervor. Für das Hörbarmachen der décadence des Moderato des SQ2 ist dieser Ansatz geradezu ideal. Dies Musik zerfließt. Bei den späteren Quartetten, ganz besonders dem 4., wird dieser Ansatz aber zu einer lästigen Marotte. Der Kopfsatz des SQ4 klingt völlig konturlos, ebenso die anderen schnellen Sätze. Nur das zentrale Andante klingt hier überzeugend. Auch das SQ 6 verliert in dieser Interpretation seine Bissigkeit. Schade, dass die Herren vom JQ ihr Konzept so pauschal auf alle drei Quartette angewandt haben. Liebhabern des SQ 2 kann die Aufahme trotzdem empfohlen werden.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Heute morgen Quartett 4 von den Chiaras gehört und ich muß sagen, die rocken das Ding so richtig hammermäßig ab. Grandiose Aufnahme. Ist den ganzen Metallern da draußen eigentlich klar, dass Bartok der Erfinder der Power-Chords ist. Wenn nicht, Satz 5 hören. :P Die einzige Rockband, die sich m.E. nach ausdrücklich auf Bartok bezogen haben, war East of Eden, deren beiden ersten Alben Snafu und Mercator Projected eindeutige Bartok Einflüsse aufweisen. Das waren noch Zeiten.