Tschaikowski – Ein absoluter Tiefpunkt der Musik des 19. Jahrhunderts?

    • zabki schrieb:

      Bisher hat noch niemand plausibel machen können, was T. zu diesem Titel veranlaßt hat. Es wurde kein Rokoko-Modell oder keine Rokoko-Stileigentümlichkeiten namhaft gemacht, die das Thema mit "Rokoko" verbinden.
      Mit viel gutem Willen und etwas Einbildungskraft kann man im Thema, das gleich in der ersten Phase "zu Boden" (Tonika) geht, so etwas wie eine tänzerische Verbeugung (ein "Hofknicks"?) und dann einen sich daraus entwickelnden Tanz heraushören, so wie er etwa hier mustergültig ausgeführt wird:

      youtube.com/watch?v=wKo3Ry14kMQ

      ;)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Mit viel gutem Willen und etwas Einbildungskraft kann man im Thema, das gleich in der ersten Phase "zu Boden" (Tonika) geht, so etwas wie eine tänzerische Verbeugung (ein "Hofknicks"?) und dann einen sich daraus entwickelnden Tanz heraushören
      leuchtet mir sehr ein. Aber macht das "richtige" Rokokomusik auch so?
      ... falls nein, bliebe es dabei, daß ein imaginiertes Rokoko komponiert wurde.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Nun ja, ein "imaginiertes Rokoko" ist es auch bei Roman Polanski - halt ein wenig anders als bei Tschaikowski... :D

      Im übrigen finde ich die Rokoko-Variationen recht schön, habe sie in den letzten Tagen mehrfach gern gehört.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Im übrigen finde ich die Rokoko-Variationen recht schön, habe sie in den letzten Tagen mehrfach gern gehört.
      Höre sie auch gerade und staune erstmal über den doch sehr romantischen Vorhang, den die Einleitung da aufzieht...
      Rokoko höre ich da echt nicht. Auch nichts, was ich als "Vorläufer des Neoklassizismus" treffend betitelt fände - da ist, in Harmonik und Stimmführung (wenn man mal von der Grundstruktur des Themas absieht), soviel romantisches drin in Nebenstimmen und Instrumentation, daß sich die "(neo)klassizistischen" Elemente geradezu verlieren in einem Stilkonglomerat...

      Vielleicht wäre "Variationen über ein rokokohaft empfundenes Thema" der genauere Titel...
      Oder soll der doch eher verspielte und heitere Grundtenor beschrieben sein als eine Art "Rokoko mit romantischen Mitteln"?
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • ChKöhn schrieb:

      philmus schrieb:

      naja, eine gewisse gekünstelte Naivität kann auch kitschig sein als kitschig empfunden werden.

      Das Problem an einem solchen "Argument" ist, dass es nur durch sich selbst begründet ist. Ohne jede Begründung wird vorausgesetzt, dass die Musik sei "gekünstelt" sei, um dann - oh Wunder - zu schlussfolgern, sie sei "kitschig".
      Das war jetzt aber mit den "neoklassizistischen" Eigenschaften auch nicht anders.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)