Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 12 d-Moll op. 112 "Das Jahr 1917" – "Zum Gedenken an Lenin" (1961) – Versuch in russischer Seele

    • philmus schrieb:

      Von der knalligen Instrumentation zu schweigen, mit der man auch in Hollywood hätte mitmischen können...
      Jetzt wo Du es sagst: ich hatte mir, dass muss so ca. 2004 gewesen sein, folgenden Film auf DVD gesehen:



      Die Filmmusik ist von Hans Zimmer. Im Abspann erinnerte mich eine Stelle damals spontan an Schostakowitsch, und ich glaubte, es hätte starke Ähnlichkeit zu einer Melodie etwa aus der Zwölften. Weiss aber nicht mehr, ob ich dies damals geklärt hatte, oder ob dies damals offen blieb.

      Die Musik findet man hier:

      youtube.com/watch?v=X-ByztTkCfE

      Die Stelle, die ich meine, beginnt bei 51:20

      Ich kann es jetzt auf die Schnelle wieder nicht verifizieren. Es gibt nur Ähnlichkeiten, wobei das Thema inder Zwölften (erster Satz), heller klingt, das von Zimmer grimmiger. Auf der anderen Seite habe ich auch jetzt wieder das starke Gefühl, die Melodie von Zimmer von irgendwoher "sehr gut" zu kennen. Hat jemand eine Idee?

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • maticus schrieb:

      Es gibt nur Ähnlichkeiten, wobei das Thema inder Zwölften (erster Satz), heller klingt, das von Zimmer grimmiger.
      Auffällig auch, daß bei es bei Zimmer lange auf einem Grundton verharrt, wo Schostakowitsch vermutlich schon mehrfach das tonale Zentrum gewechselt hätte...
      [edit: und zwar auf seine typische widerborstige Art immer knapp neben dem, was man erwartet...]
      und auch die klare Modalität (Dorisch, wenn auch die Tritonussprünge im original "dorisch" niemals verwendet worden wären...) klingt garnicht nach Schostakowitsch.
      In der Einleitung der 12. beschreibt die Melodie ja eher ein Äolisches Moll, wobei der Sprung nach oben (an den erinnert auch der Sprung von Zimmer) in die kleine Septime geht und sich zur kleinen Sexte senkt, um dann in der ausgleichenden Aufwärtsbewegung immer wieder daran zu scheitern, die Oktave zu erreichen..
      (Die Harmonien sind auch nicht streng äolisch, die Sexte wird von einer Art Tonika-Septimenakkord begleitet und klingt dadurch wie ein Vorhalt...
      Da ist Zimmer viel statischer, der Sprung geht gleich in die (dorische) große Sexte, und der Modus (die Tonleiter) wird nicht verlassen.

      maticus schrieb:

      Auf der anderen Seite habe ich auch jetzt wieder das starke Gefühl, die Melodie von Zimmer von irgendwoher "sehr gut" zu kennen.
      kein Schimmer. Düstere Stimmungen in dorisch jibbet ja jede Menge ...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • maticus schrieb:

      wobei das Thema inder Zwölften (erster Satz), heller klingt, das von Zimmer grimmiger.
      vielleicht meinst Du mit "heller" das dynamische, modulierende gegenüber dem komplett statischen bei Zimmer - es sind da Entwicklungskeime angelegt im Anfang der 12., die wohl auch so klingen sollen, daß zwar ein düsterer Zustand dargestellt wird, aber eben als Folie für und Herausforderung zu revolutionären Aktivitäten.

      Ansonsten fand ich den Vergleich von Schostakowitsch als Beispiel eines Komponisten, der zu halbwegs massentauglicher Tonsprache qua stalinistischer Vorgabe gegängelt wurde zu den Filmmusiken in Hollywood, wo die Bedürfnisse des Marktes quasi in dieselbe Richtung "gängeln", schon immer interessant.
      Wobei mir Schostakowitsch immer etwas origineller und borstiger vorkam, mir auch öfter mal zu unbequem und zu gebrochen klingt.
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    • Danke philmus, für deine Erklärungen. Ich beteilige mich hier die nächsten Tage weniger, da ich grad mal wieder eine Reise nach VR mache. Komme aber nochmal drauf zurück. Ich möchte auch wirklich noch (für mich) herausfinden, ob Zimmers Melodie nicht doch irgendwo vorkommt, in der Spätromantik oder klassischen Moderne.

      :wink: maticus
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