Musik für Streichquartett seit 1945 - Werke, Einspielungen, Empfehlungen

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    • Le Merle Bleu schrieb:

      Maldoror schrieb:

      War doch kein "echter" Link?
      Das spielt bei rapidshare keine Rolle. Sorry.

      Michel :wink:
      Habe eh kein Problem damit . . . .


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Henze und Holliger

      Das Streichquartett spielt für mein Musikinteresse eine überragende Rolle. Fast meine gesamte Platten- und CD-Sammlung bestand und besteht - neben Jazz - aus Kammermusikeinspielungen, insbesonders mit Kompositionen aus den letzten 100 Jahren.

      Ergänzen möchte ich die Nennungen erst einmal mit den fünf Streichquartetten von Hans Werner Henze. Ich höre die alle nach 1945 komponierten Quartette nicht gleich gerne. Am meisten hat es mir das 1976 geschriebene vierte Quartett angetan. Ich empfinde die Musik als klar und kraftvoll, aber, wie häufig bei Henze, mit etwas weicher Ansprache. Die Arditti-Aufnahme gefällt mir gut, andere kenne ich aber auch nicht.



      Und wo ich gerade bei einer Wergo-CD bin, verweise ich noch auf das Streichquartett von Heinz Holliger, dessen Quartett hier vom Berner Streichquartett eingespielt wurde. Das ist schon ein faszinierendes Werk, das mir anfangs vor Jahren ziemlich chaotisch und somit uninteressant vorkam, das mit aber nach jedem intensiven Zuhören vertrauter und lieber wird, besonders wegen der atmosphärischen Dichte. Ein sehr intensives und dynamisches Werk. Wer Melodien zum Mitpfeifen sucht, sollte diese Musik besser direkt im Verkaufsregal stehen lassen; hier wird an den Saiten gekratzt und gesägt...



      Gruß,

      Uwe
    • Beat Furrer (geb. 1954) Streichquartett Nr. 3

      Eine faszinierende Komposition von ungewöhnlicher Länge von ca. 50 Minuten. Kennzeichnend für dieses Quartett (jedenfalls nach dem ersten Reinziehen) ist es, dass aus einer Basis von tonlosen, geräuschhaften, gestischen Momenten sich der musikalische Ausdruck entwickelt und wieder dahin zurückfällt, so als ob versucht wird, ein Bereich des Ausdruckslosen klanglich einzukreisen (was dem Hörer eigentlich völlig paradox anmuten mag) ..

      Emilio Pomarico (geb. 1954) Streichquartett Nr. 2
      E P ist als engagierter Dirigent der klassischen und zeitgenössischen Moderne bekannt. Als Komponist noch nahezu unbekannt. Die einzige Gemeinsamkeit mit dem Furrer-Quartett ist die Länge. Denn die Tonsprache vom Pomaricos Quartettes gemahnt dagegen an Kompositionen, die unter dem Schlagwort „New Complexity“ fallen, z.B. Dillon, Ferneyhough... (na ja, vielleicht dient dieses Schlagwort eher der eigenen Abgrenzung von allzu „galanten“, harmlosen und gefälligen Kompositionen, die postmoderne oder neotonalen Strömungen zugerechnet werden)

      Wie dem auch sei, beide Quartette sind ohne Vorbehalte zu empfehlen. Leider ist das 2. Streichquartett von Pomarico nicht auf CD erhältlich...

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Und noch zwei - viel zu unbekannte - Vertreter, die ich eher dem Bereich der sog. klassischen Moderne zuordnen möchte (und der gleichen Generation, wie z.B. Ernst Krenek angehören):

      Ernst Hermann Meyer (1905 - 1988)
      Weitere Infos -> hier

      Erich Itor Kahn (1905 - 1956): Streichquartett





      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Frank Martin, Streichquartett.

      Eine positive Überraschung habe ich erlebt; zum ersten Mal habe ich das Streichquartett von Frank Martin gehört. Die Sprache dieses Stückes gefällt mir ziemlich gut, und ich wundere mich darüber, dass es ziemlich unbekannt ist.

      Martins Streichquartett wurde 1967 beendet und ein Jahr später in der Partitur herausgegeben. Kennt es jemand von Euch?

      Uwe
    • Uwe Schoof schrieb:

      Kennt es jemand von Euch?
      Nein, noch nicht. Gefunden habe ich nur dieses:



      Ob das dieselbe CD ist:
      amazon.de/Streichquartette-Ama…ic&qid=1280929147&sr=1-13 ?

      Neben dem Streichquartett von Martin (vermutlich das, das Du meinst) gibt es noch Werke von Karol Szymanowski, Wladimir Vogel, Hermann Haller und Rudolf Kelterborn. Es spielt das Amati-Quartett Zürich. Mir alles unbekannt (außer Szymanowski), aber vielleicht weiß wer was?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • klingt interessant, wie würdest du - ganz krude formuliert - dieses Streichquartett stilistisch bzw. harmonisch auf einen kurzen Nenner bringen, damit ich mir irgendwie eine ganz grobe Vorstellung davon machen kann....

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • hier sind schon mal die Youtube-Strings. Gute Inhouse-TQ. => keine Katze im Sack :D Klingt beim 1. Schnuppern nach vielversprechender klassischen Moderne. :thumbup: (Werde jetzt erstmal gleich den Youtube-Konverter bemühen)

      “www.youtube.com/watch?v=Q9VtQ7NlQq8&translated=1”
      “www.youtube.com/watch?v=yQPTH9AZKNY&feature=related”
      “www.youtube.com/watch?v=lnU6353uIy4&feature=related”
      “www.youtube.com/watch?v=_RjPzUIl9Xo&feature=related”


      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Das ist ja schön, dass das Quartettt auf youtube zu hören ist. Danke sehr für den Hinweis.

      Wie das Stück stilistisch einzuordnen ist, weiß ich (noch?) nicht. Es ist nicht tonartbezogen, orientiert sich möglicherweise an die Zwölftonmethode Schönbergs. Aber es hört sich für mich nicht so an, als ob er die Technik hier in reiner Form angewendet hat.

      Auf jeden Fall ist die Musik unaufdringlich, unverkrampft und locker gestaltet. Ich werde nun mal in weitere Werke Martins hereinhören und schauen, ob er auch in anderen Werken so stark ist.

      Uwe
    • ich habe - allerdings nach sehr kurzen Reinschnuppern in die Strings - einen ganz ähnlichen Eindruck. Manchmal mehr in Richtung Tonalität und dann wieder eher in Richtung Atonalität. Vielleicht etwas typisch für einen Teil der generation nach der Neuen Wiener Schule : z.B. Krenek, E.H. Meyer, Eisler etc...Bei Youtube gibts eine ganze Menge Frank Martin. werde das im Youtubethread irgendwann dokumentieren..

      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Barbara Pentland: 3. Streichquartett (1969)

      ein in der BRD sehr unbekanntes ganz großes + megafetziges Meisterwerk auf Champions-League-Niveau der Gattung zeitgenössisches Streichquartett ist das 24-minütige 3. Quartett der kanadischen Komponistin Barbara Pentland (1912 - 2000) , die ich schon im Klavierthread gepriesen habe.



      :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Das Quartett hat 4 Sätze
      1. Allegro
      2. Adagio
      3. Allegretto pagliaccesco
      4. Largo, presto

      Es siedelt streng innerhalb der sog. Atonalität. Auffällig während des 1. Reinziehens ist der Kontrast zwischen sehr gesanglich ausgeprägten Themen (die ich inzwischen in ihrer Inspiration und ihrer Handhabung irgendwie ganz pentlandtypisch finde) einer z.Tl. sehr scharfen zuweilen auch aggressiven Tonsprache mit hoher Komplexität, will sagen: ganz vielen Beziehungen; und auch skurrilen Momenten. Dadurch gewinnt das Quartett ein Höchstmaß an Emotion. Der sehr passionierte Gestus bewegt sich oft auf Hochdruck, jedoch ohne das sich damit die Intensität + der Ausdrucks abschleift. Ich bin auch überzeugt davon, dass diesem Quartett, so was, wie ein sog. Beethovenschen Ernst - eine bessere Beschreibung fällt mir momentan nicht ein - eingebrannt ist.

      Wer z.B. sich gerne die Streichquartette von Schönberg, E.H. Meyer, Crawford-Seeger, Wolpe, Brün, Itor-Kahn, G-Michael König, Lutyens, Fartein Valen oder auch einen Kurzen :thumbup: von Evangelisti reinzieht, wird sicher zu einem überzeugten Barbara-Pentland-Streichquartett-No.-3-Junkie :yes: .

      Warum fällt diese hammermäßige Musik im BRD-Konzertbetrieb noch so unterm Tisch ?

      :wink:
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    • Paul Dessau (1894- 1979)

      Vor ein paar Jahren hatte ich mir mal den Doppelpack mit den 7 Streichquartetten von Paul Dessau ganz billig erworben (mit dem Leipziger Streichquartett) . Als ich dann in das Booklet reinschaute, las ich die Worte wie z.B. "Neoklassik ...Hindemith". Also habe ich die CDs schnell weit von mir weggelegt + nicht weiter beachtet (zumal mich der Lukullus-Mitschnitt vom 17.03.51 musikalisch nicht gerade vom Hocker gerissen hat).

      Kürzlich tauchte in Youtube ein String des 3. Quartetts auf. Und nach dem Anklicken war sehr angetan von dem Quartett, trotz der miesen Lautsprecherboxen des PCs. Also augenblicklich die Dessau-SQs wieder aus der Versenkung hervorgeholt und beginne mirs nach + nach reinzuziehen.

      Fazit: fetzige Streichquartette der klassischen Moderne (auch das 1. SQ ist gar nicht schlecht).

      Also liebe Freunde der klassischen + zeitgenössischen Moderne ! Schmeißt eure Youtube-Konverter an, um euch wenigstens einen Kurzen zu genehmigen: Dessaus 3. SQ !

      Paul DESSAU, Quatuor à cordes N° 3, en un seul mouvement
      Neues Leipziger Streichquartett
      “www.youtube.com/watch?v=qlkKxQ1t_JU&translated=1“



      :wink:
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    • Algabal schrieb:


      Gian Francesco Malipiero: Streichquartette 5, 7, 8,

      Au ja, ich finde ja, dass Malipiero tendenziell immer besser wird und seine Höhepunkte eben nach 1945 erreicht.

      Befremdlicherweise gibt es bei jpc gegenwärtig gar keine Aufnahmen dieser späten Quartette (ein Schicksal, das er ja mit Milhaud teilt ...)
      Übrigens entstammt das letzte Streichquartett Hindemiths dem Jahr 1945, ich kenne es zwar nicht, poste aber auch hier ein Cover:

      und weil es so schön ist, noch der Hinweis auf die Quartette 6 und 7 von Martinu, die ich auch nicht kenne ...
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    • Übrigens sollte man nicht vergessen, dass 1945 die Spät(est)romantik noch gar nicht tot war ... auch im Streichquartett und auch unter der damals noch nicht ganz vergreisten Generation. Leider muss ich schon wieder Stücke in den Ring werfen, die ich nicht kenne, aber im Grunde tut es wenig zur Sache, ob Forenmitglied putto diese Musik gehört hat, oder nicht, wenn man sich interessiert, in welcher Bandbreite Streichquartette hohen Niveaus ab 1945 geschrieben wurden, kann es nicht schaden, auf Karl Höller (1907 - 1987) aufmerksam gemacht zu werden, denke ich (übrigens ist stets das englische wikipedia zuverlässiger - ab 1945 sind Höllers Streichquartette 2-6 entstanden):
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    • Da fehlt noch ein großer Altmeister oder alter Großmeister:
      Double Canon, for string quartet 'Raoul Dufy in Memoriam' (1959)
      von Igor Strawinsky

      <--
      Amazon-Link falsch?
      "http://www.amazon.de/Streichquartette-Alban-Berg-Quartett/dp/B00000DNQ1/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1348650479&sr=1-1"

      Das ABQ hat das mit anderen Strawinsky-Quartetten und mit zwei Werken anderer Komponisten kombiniert, die auch hierher gehören:
      Roman Haubenstock-Ramati: 2. Streichquartett (1977) mit etwas Aleatorik und
      Gottfried von Einem: 1. Streichquartett (1976) neoklassizistisch
      beide in Österreich tätig und derselben Generation entstammend trotz Gleichzeitigkeit extrem unterschiedlicher Stile frönend.

      Passt mit Strawinskys Quartetten nicht so recht zusammen, finde ich ...
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    • Die Nachkriegsavantgarde, derentwegen der Thread wohl mit 1945 beginnt, hat sich auch recht bald dem Streichquartett gewidmet.
      Allerdings sind die Werke bei weitem nicht so bekannt wie die gleichzeitigen neoklassizistischen etwa von Schostakowitsch, Martinu oder Ligeti.
      Bruno Maderna: Quartetto per archi in due tempi (1955) ist ein schönes Beispiel für den punktuellen seriellen Stil.
      Luciano Berio: Quartetto (1955)
      Es gibt eine Einspielung des Arditti-Quartetts in deren "from Italy"-Album - derzeit nicht auffindbar (aber in meinem CD-Regal).
      In Deutschland steht bei serieller Tonbandmusik Gottfried Michael Koenig an prominenter Stelle - auch er beschäftigte sich in den 50er-Jahren mit unserer Besetzung, 1959 schrieb er sein Streichquartett. Im Web dazu eine Analyse von Essl:
      "http://www.essl.at/bibliogr/koenig-strq.html"
      Bei Dieter Schnebel hatte ich im Gedächtnis, dass er sich in einem frühen Streichquartett von Webern beeinflussen ließ - ich finde jetzt aber nur "Stücke für Streichquartett und Streichinstrumente (1954/1955)", dafür ein "erstes Streichquartett" mit Namen "Im Raum" von 2005/06 im Net.
      Über Milton Babbitt hörte ich, dass er als erster seriell komponiert haben soll, spätestens ab 1948. Er ist also auch ein Kandidat für frühe serielle Streichquartette. Tatsächlich gibt es von ihm ein zurückgezogenes 1. von 1948 und ein 2. von 1954 - letzteres gibt es auf CD:


      Im Laufe der 50er hat ja auch die europäische Avantgarde aleatorische Elemente übernommen, z.B. im Streichquartett bei
      Franco Evangelisti: Aleatorio (1959)
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