Musik für Streichquartett seit 1945 - Werke, Einspielungen, Empfehlungen

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    • Obwohl alles andere als Kammermusik-Kennerin kann ich das Streichtquartett des islandischen Komponisten Jón Leifs empfehlen, "El Greco" op. 64 ; entstanden 1965:

      "http://www.youtube.com/watch?v=FCUo5Nt2hsk"
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • putto schrieb:

      Übrigens sollte man nicht vergessen, dass 1945 die Spät(est)romantik noch gar nicht tot war ... auch im Streichquartett und auch unter der damals noch nicht ganz vergreisten Generation. Leider muss ich schon wieder Stücke in den Ring werfen, die ich nicht kenne, aber im Grunde tut es wenig zur Sache, ob Forenmitglied putto diese Musik gehört hat, oder nicht, wenn man sich interessiert, in welcher Bandbreite Streichquartette hohen Niveaus ab 1945 geschrieben wurden, kann es nicht schaden, auf Karl Höller (1907 - 1987) aufmerksam gemacht zu werden, denke ich (übrigens ist stets das englische wikipedia zuverlässiger - ab 1945 sind Höllers Streichquartette 2-6 entstanden):

      Habe ich nun gestern zum ersten Mal gehört, deutlich sind die Einflüsse des Impressionismus und eine Prise Hindemith. Obwohl man ihn also vielleicht als Neoklassizisten ansehen wird, wächst er doch relativ bruchlos aus der polyphonen deutschen Spätromantik heraus. Für die Nationalsozialisten zu modern, für die Nachkriegszeit zu konservativ, aber für den Hörer ein Gewinn.
      :)
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)


    • Pieces of Africa ist ein Sampler mit unterschiedlichen Quartetten afrikanischer Komponisten, von denen jeder für sich jeweils sein spezifisches nationales Element ins Streichquartett einbringt. Das Ergenbis ist eine sehr heitere, beschwingte, rhytmische Musik, die trotz aller Leichtigkeit fest in der Klassik verankert bleibt.

      Spartacus
      Für Monika
    • Hallo zusammen,

      habe ich Tomaten auf den Augen oder fehlt dieses sehr spannende Kompendium hier auch noch, die Mehrheit der 17 Quartette ist post-1945:



      Ein sehr eigenständiger (jüngerer) Freund und Zeitgenosse von Dmitri Schostakowitsch, die einen Wettkampf geführt haben, wer mehr Streichquartette schreibt.

      Gruß Benno
    • Amfortas09 schrieb:

      ein in der BRD sehr unbekanntes ganz großes + megafetziges Meisterwerk auf Champions-League-Niveau der Gattung zeitgenössisches Streichquartett ist das 24-minütige 3. Quartett der kanadischen Komponistin Barbara Pentland (1912 - 2000) , die ich schon im Klavierthread gepriesen habe.


      Deine Beschreibung macht mich sehr neugierig. Bei Qobuz finde ich das abgebildete Doppelalbum zum Download-Kauf, und auch bei Presto Classical (für ein paar Euro mehr). Allerdings enthält der Download bei beiden Anbietern kein Booklet. In solchen Fällen kaufe ich mir dann lieber nicht die FLAC-Dateien als Download, sondern die »richtigen« CDs und nehme in Kauf, dass die Kartons im Keller immer voller werden. Aber bei jpc scheint es überhaupt nichts von Pentland (von der ich bisher auch noch nie etwas gehört hatte) zu geben. Ist bei dem von Dir gezeigten Album überhaupt ein Booklet dabei, das über eine bloße Auflistung der Tracks hinausgeht? Dann würde ich versuchen, das Album irgendwo aufzutreiben. Sonst kaufe ichmkir den Download.
      Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
      (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)
    • Hey Dieter,

      lass am besten dazu eine PN zu mir rüberwachsen.

      Falls du bisher keine Berechtigung, dann poste am besten einfach mal ca 10 oder 12 x in "Eben gehört"..
      wie viele Postings es sein müssen, Mods fragen, habs gar nicht auf Schirm.

      (z.B. Mozarts Sinfonien unter Karl Böhm. kannste ja z.B. schreiben, Mozarts Sinfonien da total laaaaaangweiilig + weichgespült rüberkommen und es überhaupt nicht einsehbar ist, warum er mal als so bedeutender Mozart-Dirigent galt/gilt.. :thumbsup:
      oder noch besser: Opern-DVDs mit szenischen Umsetzungen von Konwitschny, Bieito, Neuenfels.. :D )

      ab morgen abend hätte ich Zeit/Gelegenheit auf PN zu antworten.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Schneller geht’s, wenn Du wieland nach meiner Mailadresse fragst. Oder zum Beispiel hier nachschaust: tech-archive.net/Archive/Germa…de.word/2004-03/0088.html. Oder auf meiner ansonsten ziemlich inhaltlslosen Webseite (stockert-mangels.de) auf den Link klickst und dann statt "webmaster" meinen Vornamen einsetzt.
      Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
      (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)
    • Meine Favoriten für Streichquartette nach 1950 (ohne weitere Ordnung):

      Jörg Widmann (es gibt mittlerweile eine weitere Aufnahme mit den Minguets)



      Pascal Dusapin: Quatuor II ("Time Zones", 1989)



      Beat Furrer: Streichquartett Nr. 3



      Brian Ferneyhough; Sonatas for String Quartet



      George Crumb: Black Angels (1970)



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Karl-Erik Welin



      Karl-Erik Welin (1934-1992)
      Streichquartette Nr. 1, 6, 7, 9
      Tale Quartet
      BIS, DDD, 98

      Karl-Erik Welin (h**ps//de.wikipedia.org/wiki/Karl-Erik_Welin) kommt auf Tonträgern beinahe nicht vor. Diese CD ist die Einzige, die jpc listet. Bei Amazon sieht es kaum besser aus. Enthalten sind vier jeweils ca. zwanzigminütige Streichquartette (der offenkundig fehlerhafte deutsche Wiki-Eintrag führt lediglich drei Quartette an). Die Kompositionen erscheinen mir grundsätzlich "langsam", sich in einem ruhigen Fluss entwickelnd. Dabei changiert die Musik auf eigentümliche Weise zwischen geräuschhaften Momenten (eher selten), schroffer Modernität und einem melancholisch-melodieseeligen Idiom. Die Kontraste und die sich immer wieder herausschälende musikalische Schönheit erscheinen mir jedenfalls sehr reizvoll. In die melodischen Augenblicke einzutauchen war mir beim hören jedenfalls eine große Freude.
      Wenige Eindrücke seiner Musik sind bei Youtube (h**ps//www.youtube.com/results?search_query=karl-erik+welin') zu finden, die Streichquartette jedoch leider nicht.

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Meine Favoriten für Streichquartette nach 1950 (ohne weitere Ordnung):

      Jörg Widmann (es gibt mittlerweile eine weitere Aufnahme mit den Minguets)

      Pascal Dusapin: Quatuor II ("Time Zones", 1989)

      Beat Furrer: Streichquartett Nr. 3

      Brian Ferneyhough; Sonatas for String Quartet

      George Crumb: Black Angels (1970)

      Gruß
      MB

      :wink:
      Bis auf den Furrer habe und höre ich das auch, wie muss ich mir das Quartett von Furrer vorstellen? Das was ich von ihm kenne (nur Sachen mit Stimme) gefiel mit gar nicht (vielleicht wg. der Stimme).
      Bei Ferneyhough finde ich vor allem das 2. SQ genial.
      Grüße
      Wieland
    • Wieland schrieb:

      Bis auf den Furrer habe und höre ich das auch, wie muss ich mir das Quartett von Furrer vorstellen?
      Sehr schwer zu sagen. Ich habe die CD ja, erst kürzlich wieder gehört: einsätzig über 40 Minuten. Im spanenden Sinn anstrengend (oder umgekehrt), denn Furrer arbeitet hier nur mit minimalem Material, auch mit Klopfgeräuschen. Vielleicht etwas in Richtung Lachenmann?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Arturo Fuentes

      Einer meiner "erfolgreichsten" Threads im anderen Forum widmete sich dem zeitgenössischen Streichquartett. Zu dem Thema gibt es hier schon diesen, den ich mit weiter entwickeln möchte.


      Wie an anderer Stelle schon ausgeführt, ist das Streichquartett meine liebste Musikform. Bis es dazu kam, war es ein weiter Weg, aber inzwischen schätze ich diese Kunstform vor jeder anderen. Fast jeder Komponist, der sich dem Streichquartett ernsthaft zugewendet hat, hat hier wichtige musikalische Aussagen getroffen, einige m.E. ihre wichtigsten überhaupt (Haydn, Beethoven, Bartok, Schostakowitsch). Die Tatsache, dass im Streichquartett im Idealfall vier gleichberechtigte Musiker auf der Suche nach einer gemeinsamen Aussage zusammenfinden, spricht mein Demokratieverständnis besonders an. Ein weiterer Grund sind die vielen neuen jungen Streichquartette, die in den letzten Jahren förmlich aus dem Boden geschossen sind und das technische Niveau auf ungeahnte Höhen gehoben haben. Und sie sind auch "sexy", die jungen Quartette. Vorbei die alten Zeiten, als vier bebrillte distinguierte Herren im Anzug die Plattencovers zierten und sicher ein jüngeres Publikum schon deshalb meist abschreckten. Viele der jungen Quartette präsentieren sich eher wie Popstars, das mag man kritisch sehen, aber wenn es denn junge Leute in die Konzertsäle bringt, mag es die richtige Strategie sein.

      Das 20. Jahrhundert ist vermutlich dasjenige, in dem die meisten Streichquartette komponiert wurden. Diese Aussage mag im ersten Moment überraschen, haben doch gerade in der Frühzeit des Genres einige Komponisten (Haydn Boccherini etc) fast an die hundert geschrieben. Aber die fast unübersehbare Zahl von Komponisten der Gegenwart zeichnet sich durch eines aus, fast alle haben ein, die meisten mehrere Streichquartette komponiert. So dass ich ohne es belegen zu können, überzeugt bin, dass das 20. Jahrhundert auch das Jahrhundert der Streichquartette ist.

      Vor einigen Jahren habe ich mir das Ziel gesetzt, die möglichst alle kennenzulernen, zumindest soweit sie auf Tonträger erhalten sind. Das ist natürlich ein absurdes Vorhaben und ich bin auch denkbar weit vom Ziel entfernt. Aber inzwischen kenne ich schon einiges, teils auch abgelegenes, und möchte in loser Folge auf einige der interessanteren Funde hinweisen.

      Heute also Arturo Fuentes, ein mexikanischer Komponist Jahrgang 1975. In seiner neusten CD widmet sich das Quatuor Diotima, Frankreichs Antwort auf Arditti, vier seiner Werke, die laut Booklet einzeln aber auch als Zyklus gehört werden können (Jörg Widmann lässt grüßen).
      Die vier Stücke zwischen 10 und 24 Minuten Länge tragen bildhafte Titel wie Broken mirrors, Liquid crystals, Ice reflection, Glass distortion und klingen auch so. D.h. Fuentes macht keine motivische oder thematische Arbeit sondern komponiert Klänge, die vor allem durch ungewöhnliche Strichtechniken und Glissandi erzeugt werden. Das klingt dann tatsächlich bildhaft entsprechend der Titel. Ähnliche Musik haben Brett Dean, Fabio Vacchi, Kaija Saariaho oder John Luther Adams für Streichquartett komponiert. Ich habe bisher nur die ersten zwei Stücke gehört, die auch die kürzesten sind, vermute aber, dass der Rest ähnlich ist. Ob man das über eine ganze Stunde hören mag, wird sich zeigen.