Maurizio Pollini - ein kühler Technokrat und Analytiker?

    • Amfortas09 schrieb:

      Gurnemanz schrieb:

      Nochmals zu Pollini und Debussy: Hat Pollini eigentlich nur den ersten Band der Préludes eingespielt, nicht auch den zweiten?
      Meines Wissens nicht. Ich finde seine Einspielung des 1. Bandes ganz ausgezeichnet, obwohl Studio-Konserve...
      Die ist mir sogar näher als Gulda (die mir auch sehr gefällt), z.B. weil mir die Klangfarben bei Pollini - bei allem Drive - schwelgerischer und luxuriöser rüberkommen.

      Bei Youtube gab es eine Zeitlang einen Radiomitschnitt des 2. Bandes aus Luzerne vom 13.09.04 in guter Stereo-TQ; fetzig wie der erste Band...

      Hier gibt es Band 2 aus Debussys Préludes mit Maurizio Pollini:
      "https://www.youtube.com/results?search_query=debussy+preludes+book+2+pollini"

      Offiziell hat Pollini aber nur den 1. Band aus Debussys Préludes aufgenommen.

      Armin
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Lionel schrieb:

      Hier gibt es Band 2 aus Debussys Préludes mit Maurizio Pollini:
      "https://www.youtube.com/results?search_query=debussy+preludes+book+2+pollini"
      .. und die Links "überleben" weiterhin. ....kaum zu glauben . .. der Radio-Live-Mitschnitt stammt aus Amsterdam 2004 und nicht Luzern, wie ich fälschlicherweise gepostet...

      Frohe Botschaft zu Ostern: Pollinis fetzige Live-Wiedergabe der Debussy-Etuden kann erneut über Youtube reingezogen werden und man ist nicht auf seine knochentrockene Studio-Konserve angewiesen:

      „www.youtube.com/watch?v=s1KXcP7Xd6s"

      diesen String braucht man sich bloß noch zu filetieren....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • FAZ-Interview mit Pollini anlässlich seiner fertiggestellten Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten:

      "http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/der-pianist-maurizio-pollini-im-interview-13646729.html"


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • music lover schrieb:

      Inzwischen ist das sehr sehenswerte Maurizio Pollini-Porträt von Bruno Monsaingeon auf DVD erhältlich:
      Danke für den Hinweis, das werde ich mir bestellen. Ich habe Pollini vor drei Tagen in Berlin mit Chopins e-moll-Konzert gehört, mit den Philharmonikern unter Thielemann, außerdem gestern abend noch einmal live in der Digital Concert Hall. Er ist sichtbar gealtert und hat natürlich nicht mehr die klangliche Brillanz früherer Jahre, aber dafür hat sein Spiel jetzt eine unvergleichliche Mischung von seriöser Zurückhaltung und entschiedener Gestaltung. Er trägt nichts dick auf, sondern spielt vornehm, elegant und wunderbar farbig, Thielemann und die Philharmoniker folgten ihm phänomenal flexibel und aufmerksam. Auch die virtuosesten Stellen spielte Pollini mit innerer Gelassenheit, aber ohne die ihm so oft nachgesagte "Kühle". Seine agogische und klangliche Gestaltung wirkte immer natürlich, nie selbstverliebt oder effektheischend. Mit einem Satz könnte man sagen: Ihn interessiert nur die Aussage der Musik, nicht deren "Wirkung". Gerade für diese ganz und gar seriöse künstlerische Haltung bekam er zu Recht minutenlange stehende Ovationen. Ich hatte ihn zuvor mindestens zehn Jahre nicht mehr live gehört, aber nach diesem Eindruck muss ich doch auch mal wieder in einen seiner Klavierabende gehen. Er ist für mich ohne Zweifel einer der größten Pianisten des vergangenen halben Jahrhunderts.

      Christian
    • Ich habe kürzlich das Maurizio Pollini-Porträt von Bruno Monsaingeon (DVD) angeschaut. - Ich hatte es erwartet, war dann aber doch zunächst etwas traurig: Pollini bleibt schwer zu greifen und begreifen, er lässt sich nicht hinreissen und nicht in die Karten schauen. Zwischen ihm und Monsaingeon (und somit dem Zuschauer) steht als Grenze nicht nur der Schreibtisch, an dem er sitzt; dazwischen ist vor allem als unsichtbare Hürde die kühle, aristokratische und distanziert-höfliche Haltung Pollinis.

      Gleichwohl ist dies natürlich verständlich und sein gutes Recht. Ich fühlte mich ob meiner anfänglichen Enttäuschung fast ein wenig entlarvt, denn verständlich ist vielleicht auch, dass man einem solch großartigen Pianisten gerne etwas näher kommen würde. :saint:
    • music lover schrieb:

      Vor wenigen Wochen lief auf arte ein einstündiges Maurizio Pollini-Porträt aus den bewährten Händen von Bruno Monsaingeon. Im Anschluss daran zeigte arte die Aufführung des Klavierstücks X von Karlheinz Stockhausen aus einem Pollini-Konzert in der Salle Pleyel in Paris aus dem Jahre 2012. Beides habe ich mir gerade eben (auf Festplatte aufgezeichnet) angesehen und als hochinteressant empfunden. Das Porträt mit einem sehr aufschlussreichen Pollini-Interview sowie zahlreichen historischen Filmdokumenten. Die Stockhausen-Aufführung mit einem ohne Jackett, dafür mit fingerlosen Handschuhen spielenden Pollini, der auf ein mucksmäuschenstilles Pariser Publikum traf, welches ihm hinterher großen Beifall spendete (gab es vor nicht allzu langer Zeit nach 23 Minuten schrägstem Stockhausen sicherlich auch nicht stets).
      Wer von Euch 2015 das Maurizio Pollini-Porträt von Monsaingeon und den anschließenden Konzertmitschnitt mit Stockhausens Klavierstück X auf arte verpasst hat: Beides wird heute nacht im Rahmen des Thementags "Bella Italia" auf arte wiederholt. Zu später Stunde, aber immerhin:
      arte.tv/sites/temps-forts/thementag-bella-italia/?lang=de
    • music lover schrieb:

      Wer von Euch 2015 das Maurizio Pollini-Porträt von Monsaingeon und den anschließenden Konzertmitschnitt mit Stockhausens Klavierstück X auf arte verpasst hat: Beides wird heute nacht im Rahmen des Thementags "Bella Italia" auf arte wiederholt. Zu später Stunde, aber immerhin:
      arte.tv/sites/temps-forts/thementag-bella-italia/?lang=de

      Die knapp 54minütige Monsaingeon-Doku kann man schon jetzt in der Arte-Mediathek nachverfolgen:

      arte.tv/guide/de/046613-000-A/…ni-ein-meister-am-klavier
    • ... und gestern hat BR Klassik eine Aufnahme von Pollini und dem BR Sinfonieorchester unter Janssons mit dem 2. Brahmskonzert von 2006 gesendet, die ich nur noch zum Schluss hören konnte. Das, was ich noch mitbekommen habe war viel, viel besser als die neuerliche Liveaufnahme aus Dresden unter Thielemann. Aber verpasst... :( ... und wird vom BR wahrscheinlich auch nicht veröffentlicht, weil Pollini bei der DG unter Exklusivvertrag steht.. :( :( :(
    • Lionel schrieb:

      Gurnemanz schrieb:

      Nochmals zu Pollini und Debussy: Hat Pollini eigentlich nur den ersten Band der Préludes eingespielt, nicht auch den zweiten?
      Hier gibt es Band 2 aus Debussys Préludes mit Maurizio Pollini:
      "https://www.youtube.com/results?search_query=debussy+preludes+book+2+pollini"

      Offiziell hat Pollini aber nur den 1. Band aus Debussys Préludes aufgenommen.
      19 Jahre nach dem ersten Band gibt's ab Januar 2018 auch den zweiten Band der Debussy-Préludes mit Pollini auf CD:



      Außerdem noch En blanc et noir zusammen mit dem Sohnemann.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Amfortas09 schrieb:

      aus welchem Jahr ist denn diese Prelude-2-Aufnahme... Ist sie mit einem Radio Mitschnitt von 2004 aus Amsterdam identisch ?
      Infos zu dieser Aufnahme konnte ich nicht im Netz finden. Ich glaube aber nicht, dass die Aufnahme von 2004 ist; wobei es das schon gab, dass zwischen Aufnahme und Veröffentlichung ein paar Jahre lagen. Die letzten Veröffentlichungen von Polllini mit Beethovens Sonaten Nr. 16 - 20 (AD: Juni 2014) und Chopins späten Klavierwerken (AD: Mai/September 2015 & Mai 2016) entstanden beide unter Studio-Bedingungen im Herkulessaal der Residenz in München.

      Im vergangenen Jahr spielte Pollini Debussys Préludes - Band 2 zumindest in London im Konzert. Vielleicht ist das von dort ein Live-Mitschnitt oder Pollini hatte vor oder nach dem Konzert dann dort die CD-Aufnahme gemacht oder er ging wie bei den o. g. beiden Aufnahmen wieder nach München oder oder ....
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Neu

      Zwielicht schrieb:

      19 Jahre nach dem ersten Band gibt's ab Januar 2018 auch den zweiten Band der Debussy-Préludes mit Pollini auf CD:


      Außerdem noch En blanc et noir zusammen mit dem Sohnemann.
      Auch JPC bietet die neue CD nun an, allerdings mit dem Erscheinungsdatum 23.2.2017 und "lieferbar innerhalb einer Woche (soweit verfügbar beim Lieferanten)":



      Als Aufnahmejahr wird 2016 angegeben.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      Gurnemanz schrieb:

      Auch JPC bietet die neue CD nun an, allerdings mit dem Erscheinungsdatum 23.2.2017 und "lieferbar innerhalb einer Woche (soweit verfügbar beim Lieferanten)":
      Das ist ein Fehler bei jpc - als Erscheinungsdatum ist eindeutig der 23.2.2018 vorgesehen. Siehe hier die Infos auf der DG-Website: deutschegrammophon.com/de/cat/4798490

      Gurnemanz schrieb:

      Als Aufnahmejahr wird 2016 angegeben.
      Wenn man auf der oben verlinkten DG-Website auf die einzelnen Tracks klickt, sieht man auch Aufnahmedatum und Aufnahmeort: Oktober 2016, Münchner Herkulessaal, Studioaufnahme.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Neu

      Zwielicht schrieb:

      Das ist ein Fehler bei jpc - als Erscheinungsdatum ist eindeutig der 23.2.2018 vorgesehen.
      Das habe ich schon vermutet. Egal, bestellt ist bestellt, und ich habe ja Zeit (und genügend Alternativaufnahmen).

      :)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      Gurnemanz schrieb:

      Als Aufnahmejahr wird 2016 angegeben.
      Ich hoffe, dass Pollini nicht zu lange gewartet hat. Ich verehre ihn als Pianisten und Musiker seit Jahrzehnten wie nur ganz wenige sonst, muss aber zugeben, dass bei meinen letzten Konzerteindrücken selbst er technisch nicht mehr auf der Höhe war. Auch bei manchen seiner späteren Einspielungen von Beethoven-Sonaten ist da plötzlich eine gewisse manuelle Schlampigkeit und rhythmische Instabilität zu hören, die er in den Jahrzehnten zuvor niemals hatte. Geblieben ist allerdings sein zugleich freies und natürliches Rubato und sein außerordentliches Pedalspiel. Hoffentlich trägt ihn das auch durch die Préludes.

      Christian
    • Neu

      ChKöhn schrieb:

      Geblieben ist allerdings sein zugleich freies und natürliches Rubato und sein außerordentliches Pedalspiel. Hoffentlich trägt ihn das auch durch die Préludes.
      Das hoffe ich auch. Gestern habe ich die Préludes, Heft I, mit Pollini wieder gehört (eingespielt 1998) und war erneut sehr angetan vom kraft- und klangvollen Zugriff: "außerordentliches Pedalspiel", ja, das bestätige ich gern.

      Schaunmermal, wie Heft II herauskommt.

      Eine Frage: Bei welchen Beethoven-Aufnahmen konkret hörst Du "eine gewisse manuelle Schlampigkeit und rhythmische Instabilität"? Pollinis Beethoven schätze ich insgesamt sehr!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann