Wladimir Michailowitsch Jurowski

    • Wladimir Michailowitsch Jurowski

      Nach einigen Dirigaten, die ich von ihm per TV und CD doch eher zufällig miterlebte und die mich begeisterten, wäre ich sehr dankbar ein wenig mehr über ihn zu wissen. Dem wikipedia-Artikel entnehme ich, dass er vor Glyndebourne u.a. an der Komischen Oper war.

      Also Facts, weitere CD-Empfehlungen u.ä. würden mich in diesem Thread erfreuen.

      Vielen Dank im Voraus Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lieber Peter,

      kenne mich u.a. ja auch bei Dirigenten nicht so gut aus, da für mich meist die Sänger und Sängerinnen im Vordergrund stehen ;+), aber durch Deine Nachfrage hier, horchte ich natürlich auf, als Jurowski gestern bei der Übertragung des Falstaff aus Glyndebourne ans Pult trat. Es lag nun wohl wirklich an seinem Dirigat, dass ich das Gefühl hatte, jetzt endlich auch diese Oper richtig gut zu finden, obwohl Bryn Terfel nicht die Hauptrolle sang, wie ich es hoffte. Die Spannung hielt wirklich bis zum Schluss.

      Vielleicht hast Du die Übertragung im ZDF-Theaterkanal ja auch gesehen und kannst differenzierter darüber berichten (andere evtl. auch).

      Von der Inszenierung her fiel mir noch auf, dass Jones ein Faible für Häuser in Fertigbauweise hat und auch die Vorgärten sehr geordnete Blumen- oder Gemüserabatten haben müssen (Lohengrin München) :faint: Sie hat also wirklich nicht dazu beigetragen, mich so zu fesseln, wie auch die Protagonisten nicht, die mir, bis auf Kucerová, sowieso unbekannt waren und nicht vom Stuhl rissen.

      Herzliche Grüße
      Ingrid
    • Eine CD-Empfehlung, die ich mich anmaße nur nach Hören der jpc-Schnipsel auszusprechen, gilt der folgenden Einspielung:



      Das scheint mir wunderbar knackig interpretierter Prokofiev zu sein, die exzellente Klangqualität des Labels Pentatone tut das Übrige, so dass die CD eine wahre Freude sein dürfte.

      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Lieber Wulf,

      vielen Dank für den Tipp, habe ich gleich geordert. Ich habe gesehen, dass er viel russisches Repertoire aufgenommen hat, darunter Schostakowitsch. Für den letzteren gibt es immer noch ein freies Plätzchen im Regal.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Hallo Peter,

      Die neueste "Gramophone" meldet, dass Jurowski seinen Vertrag mit dem London Philharmonic Orchestra bis 2014/15 verlängert hat. Als ich vor Jahren begann mich mehr mit den Werken von Rachmaninov zu beschäftigen, las ich eine enthusiastische Rezension im FonoForum und erwarb dann sofort diese Aufnahme, die mich auch sofort begeisterte:



      Nach langer Zeit höre ich jetzt wieder in "Die Toteninsel" und die Aufnahme gefällt mir wieder sehr, allerdings fehlen mir Vergleiche mit anderen Einspielungen. Klar und fein gespielt, sehr nuanciert in laut und leise, tief die Dramatik auslotend.

      Gruß, Frank
    • Beryllo schrieb:





      Nach langer Zeit höre ich jetzt wieder in "Die Toteninsel" und die Aufnahme gefällt mir wieder sehr, allerdings fehlen mir Vergleiche mit anderen Einspielungen. Klar und fein gespielt, sehr nuanciert in laut und leise, tief die Dramatik auslotend.


      Lieber Frank,

      vielen Dank für den Tipp, da habe ich auch eine Reihe von Vergleichsaufnahmen. Ich werde mich melden, wenn die CD da ist. Die andere ist auch noch unterwegs, da kommt auf jeden Fall noch eine Meldung von mir.

      Einen schönen Gruß nach Trier

      Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Die Jurowskis sind ja wie die Järvis eine "Dirigentenfamilie": Vladimir ist der Sohn von Michail Jurowski, und sein Bruder Dmitri Jurowski ist ebenfalls schon ganz gut im Geschäft - wie bei Neeme, Paavo und Kristjan Järvi.

      Auf Vladimir Jurowski bin ich schon recht früh aufmerksam geworden, die erste Aufnahme, die ich mit ihm erwarb, dürften Schostakowitschs Sinfonien 1 & 6 mit dem Russian National Orchestra, dessen ständiger Gastdirigent Jurowski eine zeitlang war, gewesen sein. Eine Aufnahme, die interpretatorisch wie klangtechnisch zu den besten der Sinfonien zählt:



      Unbedingt empfehlenswert finde ich sein Falstaff-Dirigat aus Glyndbourne, dass Du, Peter, ja schon kennst:



      Ebenfalls aus Glyndebourne, und ebenfalls fantastisch dirigiert (man höre: vom Dirigat her für mich die Referenz bei dem Stück) die Fledermaus, die man sich hier und da sängerisch etwas besser gewünscht hätte (wenngleich Thomas Allen als Eisenstein und Malena Ernman als Orlovsky Glanzpunkte setzen). Dazu Stephen Lawless durchdachte, intelligente Inszenierung:



      Ebenfalls ein bemerkenswertes Operndirigat, wie beim Falstaff in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Richard Jones, Humperdincks Hänsel und Gretel aus der MET. Die Produktion hat Jurowski übrigens schon bei ihrer eigentlichen Entstehung an der Welsh National Opera 1998 betreut, auf youtube finden sich Ausschnitte aus der Aufführung, die das Talent wie die Entwicklung des Dirigenten (vergleicht man mit dem MET-Mitschnitt) eindrucksvoll aufzeigen:



      Soweit für's erste, weiteres mag folgen, sofern ich die anderen Aufnahmen, die ich mit Jurowski habe, wieder gehört habe.

      Gruß,

      C.
    • Hallo,

      wenn es hier schon um die Musikerfamilie Jurowski geht, möchte ich auch Michails Vater Wladimir Jurowski (1915–1972) nicht unerwähnt lassen: er war Komponist. Einige seiner Werke sind sogar auf LP veröffentlicht worden, ich selbst kenne seine Sinfonie Nr. 4 (gar nicht so übel!).

      Michail Jurowski habe ich selbst noch als Chefdirigenten der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford erlebt; allerdings war ich erst 12 Jahre alt, als sein Vertrag auslief. Ich erinnere mich jedoch gerne daran, dass er oft Stücke dirigiert hat, die man nicht alle Tage im Konzert hört. Seinen Sohn, um den es hier ja nun eigentlich geht, habe ich damals sogar einmal in Löhne erlebt: er muss etwa Mitte 20 gewesen sein, als er hier die NWD beim Kinderkonzert dirigiert hat (Peter und der Wolf). Besonders ausgeprägt sind meine Erinnerungen daran (verständlicherweise, ich war damals ja selbst noch ein Kind) leider nicht...

      Viele Grüße
      Holger
    • Danke, Holger, für den Hinweis auf den Komponisten Juroswski - das war mir in der Tat noch nicht bekannt....

      Habe das Wochenende u.a. genutzt, mich ein wenig weiter durch die hier vorhandenen Aufnahmen von Vladimir Jurowski - dem Dirigenten ;) - zu hören:

      Johannes BRAHMS - Sinfonien Nr. 1 & 2

      London Philharmonic Orchestra
      Vladimir Jurowski



      Zupackende, vorwärtsdrängende Interpretationen beider Sinfonien, die zu gefallen wissen. Jurowski hat eine klare Vorstellung von der Musik, die er auf das hier hervorragend aufspielende Orchester zu übertragen weiß. Willkommene Ergänzung zu Gardiner, Abbado, Mackerras, Gielen u.a.

      Ernest BLOCH - Konzert für Violine und Orchester

      Matthias Wollong (Violine)
      Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
      Vladimir Jurowski



      Das nicht oft zu hörende, aber hoch interessante Werk kommt hier sowohl seitens des Solisten wie auch seitens des Orchesters zur besten Geltung.

      Peter TSCHAIKOWSKY - Hamlet, Ouvertüre und Schauspielmusik op. 67a; Romeo und Julia, Fantasieouvertüre (Fassung: 1969)

      Russian National Orchestra
      Vladimir Jurowski



      Eine SACD mit der ich nicht recht warm werde. Das mag daran liegen, dass die Schauspielmusik zu Shakespeares Hamlet, mit der stark gekürzten Fantasie-Ouvertüre vorweg nicht zu des Komponisten besten Werken gehören mag. Aber auch Dirigat und Orchesterspiel scheinen mir im Vergleich zu anderen Aufnahmen Jurowskis stark gezügelt, ja fast zahm. Das Impulsive, der Sinn für den Spannungsbogen, ist irgendwie nicht wie gewohnt vorhanden. Das gilt leider auch für die Urfassung der berühmten "Romeo und Julia"-Ouvertüre, die merkwürdig spannungslos daherkommt. Orchester und Dirigent scheinen nicht ihre beste Aufnahmesitzung erwischt zu haben.....

      Sergeji Prokofiew - Sinfonie Nr. 5, op.100; Ode zum Kriegsende op. 105

      Russian National Orchestra
      Vladimir Jurowski



      Hier sind die bei der Tschaikowsky-Platte fehlenden Qualitäten wieder voll da: Prägnant, drängend, spannend die Sinfonie, die ich eigentlich so sonderlich gar nicht mag. Die beigegebene Ode braucht man musikalisch nicht unbedingt, aber ein zumindest interessanter Füller ist sie allemal.

      Fortsetzung folgt....

      C.
    • Vielen Dank für all die Hinweise und Tipps. Ich hatte gestern einen Freund bei mir, den ich gleich auch für Jurowski begeistert habe. Was vor allem einschlug war der TV-Mitschnitt von Beethoven 4.Wir hatten vorher Nanut, Masur (da wird noch im Beethoven-Thread Rechenschaft abgelegt), Jurowski und Paavo Järvi jeweils mit Beethoven gehört - da schlug Jurowski immer noch wie eine Bombe ein - sein Dirigat zu sehen, hat dem Ganzen noch ein Mehr an Überzeugungskraft gegeben.

      Ich werde dann mal gleich bei einem unserer Werbepartner ordern, ich freue mich schon auf alles, was noch zu mir unterwegs ist.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Den Mitschnitt von Beethoven IV und VII auf Arte hatte ich auch gesehen, eine Aufführung, der man die kommerzielle Vermarktung nur wünschen kann.

      Weiter ging es hier mit der ersten Hälfte von Jurowskis Antrittskonzert als Chef des London Philharmonic Orchestra im September 2007. Das ungewöhnliche Programm umfasste eine geschickte Montage des Vorspiels und der Schlussmusik aus Wagners Parsifal sowie Bergs 3 Orchesterstücke op.6: Die Werke erfahren eine glühende, mitreissende Interpretation, bei der das Orchester spürbar vor Spannung vibriert:



      Die Edition umfasst zwei DVDs, auf der ersten ist das Konzert im "normalen" Schnitt zu sehen, die zweite hält rechts unten in der Ecke den permanenten Blick auf den Dirigenten vor, eine gute Gelegenheit, Jurowskis Stil zu studieren.

      Der zweite Teil des Konzertes, Mahlers "Klagendes Lied" in der Urfassung, muss bis morgen warten.

      Weiter ging es mit

      Peter TSCHAIKOWSKY - Manfred-Sinfonie

      London Philharmonic Orchestra
      Vladimir Jurowski



      Eine hin- und mitreissende Interpretation, die Masurs (leider mein einziger Vergleich) locker in den Schatten stellt. Hier wie so oft in Jurowski-Mitschnitten ist die Spannung beim Musizieren direkt mit den Händen zu greifen.....phänomenal.

      C.
    • Nun also noch:

      Gustav MAHLER - Das Klagende Lied (Urfassung 1880)

      David Christopher Ragusa (Knabensopran)
      Marisol Montalvo (Sopran)
      Hedwig Fassbender (Mezzo-Sopran)
      Michael Hendrick (Tenor)
      Anthony Michaels-Moore (Bariton)

      London Philharmonic Choir
      Neville Creed - Einstudierung

      London Philharmonic Orchestra
      Vladimir Jurowski - Dirigent



      Momentan, da Naganos Erstaufnahme mit dem Hallé Orchestra offenbar nicht mehr greifbar ist, die einzige Aufnahme der Urfassung Mahlers. Und was für eine, jedenfalls, wenn man Chor, Orchester und Dirigent nimmt. Bei den Solisten Licht (Knabe, Mezzo, Bariton) und Schatten (die anderen beiden), aber dennoch: insgesamt ein lohnendes Dokument.

      C.