Beethoven rockt

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    • Beethoven rockt

      Hallo,

      diesen Samstag ist mir beim Musikhören etwas ganz besonders bemerkenswertes wiederfahren.

      Also eigentlich hatte ich ja Lust Rockmusik zu hören - ich hatte schon Wish You Were Here von Pink Floyd in der Hand. Dann aber kam mir eine andere Idee: Wie wäre es mal, wenn ich Beethovens Eroica als "Rockmusik" konsumiere? Sicher ein komischer, ja leicht dummer Gedanke ?!?

      Mit Nichten!

      Gesagt getan. Schon im ersten Satz bemerkte ich, dass meine Wahl wohl nicht übel war. Wish You Were Here habe ich in letzter Zeit sehr sehr oft gehört, die Eroica aber schon lange nicht mehr. Klar das Orchester umfasst keine elektronischen Instrumente und erst recht kein Schlagzeug - sieht man mal von den Pauken ab, aber dennoch schaffte Beethoven gerade mit der Dritten ein - sorry für die Wortwahl - wahrhaft fetziges Orchesteralbum, das nunmehr in meinen Augen einem melodischen Rockalbum in nichts nachsteht. So habe ich mich bereits nach kurzer Zeit dabei erwischt, wie ich auf einmal mittendrin begann im Takt mit den Füssen zu wippen - eine Marotte, die ich normalerweise nur bei eben Rockmusik mache.

      Davon nicht genug: Mein Fenster stand offen und da ich die Musik in einer nicht gerade geringen Lautstärke genoss drang davon wohl ein wenig auf den Hof. Und da sassen kartenspielende Jugendliche. Als ich die wahrnahm bemerkte ich, dass sie anstatt weiter Karten zu spielen eher so aussahen, als wenn sie ANDÄCHTIG DER MUSIK LAUSCHEN!

      Ja unser Genie Beethoven iwar einfach ein Tausendsassa - seine Musik kann eben mehr, als viele glauben. Man kann sie sehr wohl in eine Zeit einordnen, aber ihre Kraft ist wohl noch so jung und frisch wie bei der Uraufführung.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Wie wäre es mal, wenn ich Beethovens Eroica als "Rockmusik" konsumiere? Sicher ein komischer, ja leicht dummer Gedanke ?!?

      Och, weißt Du...

      Aquarius schrieb:

      Mit Nichten!

      Echt? Wie alt sind die Mäuse?

      Aquarius schrieb:

      ...aber dennoch schaffte Beethoven gerade mit der Dritten ein - sorry für die Wortwahl - wahrhaft fetziges Orchesteralbum, das nunmehr in meinen Augen einem melodischen Rockalbum in nichts nachsteht. So habe ich mich bereits nach kurzer Zeit dabei erwischt, wie ich auf einmal mittendrin begann im Takt mit den Füssen zu wippen - eine Marotte, die ich normalerweise nur bei eben Rockmusik mache.

      Entschuldige, aber bei der Eroica sind Zappeln, Stampfen, unkontrolliertes Summen und gelegentliches Umsichschlagen die adäquaten aktiven Rezeptionsmerkmale... Das hat der Meister selbst so vorgelebt.

      Aquarius schrieb:

      Ja unser Genie Beethoven war einfach ein Tausendsassa...

      "Denn er war unser..."

      Aquarius schrieb:

      ...aber ihre Kraft ist wohl noch so jung und frisch wie bei der Uraufführung.

      Ich war leider nicht dabei. Aber vielleicht Helmut oder Freddy Schmidt...?

      Roll with me, Louis. Ich finde den Gedanken prima, Wassermann!

      GWvSt. :wink:

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Mein Fenster stand offen und da ich die Musik in einer nicht gerade geringen Lautstärke genoss drang davon wohl ein wenig auf den Hof.
      Da hätte ich mich als Nachbar, der vielleicht gerade "Kunst der Fuge" hört, möglicherweise beschwert.
      Ich bin weltoffen, tolerant und schön.
    • kunnukun schrieb:

      Mein Fenster stand offen und da ich die Musik in einer nicht gerade geringen Lautstärke genoss drang davon wohl ein wenig auf den Hof.
      Da hätte ich mich als Nachbar, der vielleicht gerade "Kunst der Fuge" hört, möglicherweise beschwert.


      Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde ... ;+)

      Adieu,
      Alagabl
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Salut!

      ich hatte gerade die Vision eines tiefergelegten Golf GTI, laut wummernd, alle Scheiben runtergekurbelt, cooler Typ mit Sonnenbrille und Basecap am Steuer,
      Fuß voll auf dem Gas....und dann kommt er so herangewummert und es ist...

      Oh, mein Gott! Es ist die Eorica!

      irgendwie ´ne coole Vorstellung. :thumbup:
      "Eine Semmel enthält 140 Kalorien, 700 Semmeln pro Jahr ergeben 98000 Kalorien,
      diese benötigt man, um eigenhändig 1 Elefanten 9 Zentimeter weit zu tragen. Aber wozu?"
      (Loriot)
    • Symbol schrieb:


      meinst Du mit "Erotica" etwa das gleichnamige Album von Madonna?

      LG :wink:



      Nein, die gebildete Frau Stöhr meinte ich, die hatte wenig Ähnlichkeit mit Madonna ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      Symbol schrieb:


      meinst Du mit "Erotica" etwa das gleichnamige Album von Madonna?

      LG :wink:

      Nein, die gebildete Frau Stöhr meinte ich, die hatte wenig Ähnlichkeit mit Madonna ...

      Liebe Grüße Peter

      Ach so... :hide:

      Bevor wir den Thread vom armen Aquarius endgültig ruinieren: Ich finde, daß in diesem Erlebnis durchaus etwas Tieferes drinsteckt: nämlich, daß die klassische Musik gerade bei vielen jüngeren Menschen zu Unrecht als langweilig, hausbacken und verstaubt verschrien ist. Wenn man bedenkt, was Beethoven aus so einem Orchester herausgeholt hat, und dies ganz ohne Verstärker, Verzerrer und ähnliche Gimmicks, dann ist das schon unglaublich. Vielleicht sind es manche polierte Hochglanzaufnahmen der Vergangenheit, die derartige Eindrücke ruiniert haben, vielleicht ist es die tendenzielle Verkrampftheit des klassischen Konzertrituals, die zu diesem Negativ-Image der klassischen Musik beitragen. Who knows...

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Bevor wir den Thread vom armen Aquarius endgültig ruinieren: Ich finde, daß in diesem Erlebnis durchaus etwas Tieferes drinsteckt: nämlich, daß die klassische Musik gerade bei vielen jüngeren Menschen zu Unrecht als langweilig, hausbacken und verstaubt verschrien ist.

      Ja, sagt er ja auch...

      Symbol schrieb:

      Wenn man bedenkt, was Beethoven aus so einem Orchester herausgeholt hat, und dies ganz ohne Verstärker, Verzerrer und ähnliche Gimmicks, dann ist das schon unglaublich.

      Also rausholen tun das, wenn es gutgeht, die Musiker. Reingetan hat er es...

      Symbol schrieb:

      Vielleicht sind es manche polierte Hochglanzaufnahmen der Vergangenheit, die derartige Eindrücke ruiniert haben, vielleicht ist es die tendenzielle Verkrampftheit des klassischen Konzertrituals, die zu diesem Negativ-Image der klassischen Musik beitragen.

      Das erste gewiß (aber frag Aquarius bitte nicht, welche Aufnahme er laufen ließ, sonst sagt er am Ende Böhm oder Karamalz...), das zweite... würde jetzt wieder in die Debatte führen, wieviel "(Wiener) Klassik" noch im leven Ludwig gesteckt hat oder wie brachialromatisch er schon gewesen sein mag. Fakt ist, daß auch der Beginn von Mozarts "Don Giovanni", den ich vorhin hörte, in zumindest der Interpretations des immer noch nicht allzu billigen Jacobs verdammt kesselt. Ich plädiere mal aus dem Bauch heraus dafür, daß eine etwaige "Verkrampftheit des klassischen Konzertrituals" (und hier sowohl die der Epoche wie auch, wenn´s denn sein muß, die des ganzes Genres) eine Erfindung der Aufführungspraxis des späten 19. und vor allen Dingen beginnenden 20. Jhdts. gewesen sein mag. Wenngleich Ansätze dazu bereits in der Mitte des 19. Jhdts. dokumentarisch zu finden sind (nein, keine Literaturangaben mehr, wir sind in einem Internetforum und nicht in der Hochschule, auch wenn einige das nie kapieren werden).

      Symbol schrieb:

      Who knows...

      Ja, die Who wissen das wahrscheinlich...

      Nochmal zu Deinem Anfang, Christian: Wenn sog. "Klassische Musik", die in toto gesehen ein verdammt disparater Haufen Zeugs ist,

      ...gerade bei vielen jüngeren Menschen zu Unrecht als langweilig, hausbacken und verstaubt verschrien ist...

      woran liegt das? An den verzusselten Pinguinen, die sie spielen, an dem abschreckenden "Überbau", der edukativ über sie gestülpt ward, an der polymorphen Restringiertheit des Jugendcodes oder reicht es manchmal nicht wirklich aus, einfach mal das Fenster aufzumachen und ein Lied um die Welt gehen zu lassen? Aber was meinst Du, was "die Jugend" (ob sie nun Karten spielt oder nicht, ich selbst halte kartenspielende Jugendliche im Grunde schon für eine Vorstufe zum Klassikpublikum, zumindest Stammtisch und Bierzelt sind jederzeit bequem erreichbar...) sagen würde, wenn Aquarius Beethovens Tripelkonzert hätte laufen lassen oder noch was Schlimmeres?

      Also, es geht doch um den Wumms, und zwar den vom leven Ludwig, der er oftmals hatte. Und nicht um "die klassische Musik" und ihre gegenwärtige stratifizierte oder modularisierte Rezeption.

      Ich selbst fände es nebenbeibemerkt traurig, wenn "die Jugend" bestimmte "klassische" Musiken allein ihrer Herbheit und Wucht wegen konsumieren würde und andere Parameter dabei vernachlässigen, die zweifellos genauso im selben Stück Musik enthalten sind und die auch nur halbbewußt zu ignorieren geradezu ein anderes Werk zu generieren hieße. Das hieße, in einer Lebensphase, in der sowieso die Hormone Samba tanzen, müssen das auch alle konsumierten Kunsterzeugnisse. Musik nicht als herausforderndes Anderes, sondern als Soundtrack zur jeweiligen Lebensphase.

      Also mit 8 oder 10 die Zauberflöte und den Freischütz, mit 18, 20 die Eroica und Sacre du Printemps, mit Anfang Dreißig dann schonmal die eine oder andere Sonate, so sie mit Schmackes dargeboten wird, mit 40 Oper, da weiß man es bereits zu schätzen, wenn die Frau in der Blüte ihrer Jahre dahingerafft wird, mit 50 Kammermusik, weil man kaum noch Lust hat, einen Fuß vor die Tür und damit in diese bekloppte Welt zu setzen, und ab 60 so langsam ein Requiem nach dem anderen, oder wie?

      Ich meine: Entweder Eroica für alle und zu jeder Zeit und wie sie ist, mit allen ihren seltsamen Verrenkungen, oder Schnuller, Kaugummi und Schnabeltasse, alles im Lauf der Zeit schön mundgerecht und nicht so unverdaulich. Die Eroica ist aber unverdaulich, sie war es im Moment ihrer Erstdarbietung im Palais Lobkowitz, als alle sich gefragt haben, ob dieser Beethoven wohl wenigstens noch die Hälfte seiner Tassen im Schrank habe?, und sie ist es bis heute geblieben, unbeschadet der weiteren Entwicklung jedweder musikalischen Richtung oder Genres. Wenn Rotzigkeit und Aufmüpfigkeit bedeuten, daß es rockt, dann rockt sie wohl. Und wenn Rocken meint, daß man sich durch etwas Neues nicht aus der Fassung bringen läßt, sondern, außer vielleicht der Tatsache, daß man einem gewissen Lebensgefühl frönt, sich einläßt auf... das, was eben da geboten wird, was es auch sein mag..., dann hat Beethoven am Ende manchmal mehr mit "Revolver" von den Beatles oder "Beggar´s Banquet" von den Stones gemein als mit der einen oder anderen Sonate von Ferdinand Ries.

      Ich find das einen guten Ansatz. In einer nachpostmodernen Zeit, wo Porno Kunst wird, kann die Eroica ruhig wieder flapsig sein. Dem schon verfeinerten Geschmack wird dies am ehesten im hippen Einspielungen und Aufführungen möglich werden, dem noch nicht so bewußten Hörer mag eine gewisse Unkaputtbarkeit des Revoluzzerhaften bereits in sämigeren Dirigaten einleuchten. Entscheidend ist, daß Rock nicht an Lederjacke und verzerrte E-Gitarre allein gebunden ist, und da haben Beethoven und Aquarius verdammt recht. Scheiße nochmal!

      Abgesehen davon kann man auch gleich den nächsten Schritt machen, jegliche Etikettierung hinter sich lassen und alles, was einem vor die Flinte kommt, nicht gleich begrifflich totschiessen, sondern leben, atmen, sich bewegen lassen und einfach so nehmen, wie es sich einem präsentiert. Wenn man ein wenig Zeit hat, gerne auch mit allen wahrgenommenen Facetten... ;+)


      Euer Al :wink:

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Graf Wetter vom Strahl schrieb:

      Also mit 8 oder 10 die Zauberflöte und den Freischütz, mit 18, 20 die Eroica und Sacre du Printemps, mit Anfang Dreißig dann schonmal die eine oder andere Sonate, so sie mit Schmackes dargeboten wird, mit 40 Oper, da weiß man es bereits zu schätzen, wenn die Frau in der Blüte ihrer Jahre dahingerafft wird, mit 50 Kammermusik, weil man kaum noch Lust hat, einen Fuß vor die Tür und damit in diese bekloppte Welt zu setzen, und ab 60 so langsam ein Requiem nach dem anderen, oder wie?


      Genau so stelle ich mir das vor. Auch wenn ich persönlich die Oper nach wie vor beiseite lasse, und mit 40 direkt zur Kammermusik übergegangen bin. Und später dann mehr als dreißig Jahre lang Requieme, ich glaube, das ist mir dann doch zu fad. Aber ansonsten... :rolleyes: ^^

      .




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Graf Wetter vom Strahl schrieb:


      ...
      ...(nein, keine Literaturangaben mehr, wir sind in einem Internetforum und nicht in der Hochschule, auch wenn einige das nie kapieren werden).
      ...


      Lieber Graf,

      lange nicht da und gleich wieder Belehrungen zum Forums-Knigge. 8+) :D

      Bis dann.
    • Du legst den Finger MITTEN in die Wunde, lieber Freund! Keith mc², der Relativitätstheoretiker unter den Internetprofessoren... ;+)

      "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

    • Ich weiß zwar nicht ob das hier reinpasst - wobei es ja eigentlich egal ist, denn der Graf ist ja auch schon hier - aber ich habe neulich irgendwo gelesen, dass Katharina Wagner einen neuen Coup plant, um Wagner für neue Zielgruppen zu erschließen: Nach der kindgerechten Wagner-Oper kommt nun das Projekt "Wagner in da Club". Der Titel ist von mir frei erfunden, aber die Meldung an sich ist kein Scherz. Katharina Wagner will ein großes Disco/Party-Event mit geremixter Musik von Onkel Richard auf die Beine stellen ... da bin ich mal gespannt!

      DiO :beatnik:
    • Meine Herren, Graf, Du bist ja mal wieder in Topform! :D Da fällt mir glatt nichts zu ein... Liegt vielleicht aber auch am Rotwein (der Kollege Voß macht Schule). Außer: jawoll, Don Giovanni mit Monsieur Jacobs drückt einen wahrlich in den Sitz!

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler