J. S. Bach - Sechs Suiten für Violoncello Solo BWV 1007 - 1012

    • ChKöhn schrieb:

      Du meinst vermutlich nicht die Phrasierung sondern die Artikulation.
      Ich habe mir erlaubt, diese Anmerkung aufzugreifen und dort zu thematisieren:
      Phrasierung und Artikulation: Was ist der Unterschied?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann

      Ein Pianist, der still und schweigend am Klavier sitzt, ist bereits eine Aussage.
      Rebecca Saunders
    • Die Ausgabe der Neuen Bach-Gesamtausgabe gibts auch bei ISMLP:

      imslp.eu/files/imglnks/euimg/e…eI(G-Dur)BWV1007textI.pdf

      Diese nach den Manuskripten von AM Bach und Johann Peter Kellner. Die NBA bringt auch noch eine weitere Ausgabe nach anonymen Abschriften, die ebenfalls bei IMSLP zu finden ist.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Wer Spaß am Vergleichen verschiedener Notenausgaben hat, kann sich mit Steven Isserlis vergnügen (ja, klar, auch seine Einspielung ist hörenswert).



      Isserlis beschreibt im Booklet die bekannte Notenlage und bemerkt hierzu: "Abgesehen von den Abweichungen, die man in handschriftlichen Kopien erwartet, gibt es Passagen, die so wenig Ähnlichkeiten aufweisen, dass man nur vermuten kann, dass Kellners
      Abschrift von einer früheren Fassung der Suiten stammen könnte, die Bach später selbst revidierte. (Die Kellnersche Fassung enthält außerdem wesentlich mehr Verzierungen als Anna Magdalenas Exemplar.) Jeder Cellist, der an den Suiten arbeitet, muss also eine scheinbar unendliche Anzahl von Entscheidungen treffen, wenn er zwischen den verschiedenen Versionen wählt." Exkurs: Lieber Ulf, deshalb wäre ich vorsichtig mit dem Hinweis, dass Schiff sich verzählt habe (das ist für mich nur schwer vorstellbar). Evtl. hat er sich für andere Noten entschieden.

      Interessant ist nun, dass Isserlis zum einen die Fassung des Präludiums der ersten Suite, für die er sich entschieden hat, präsentiert. Zusätzlich: "Als andere Zugabe habe ich drei verschiedene Aufführungen des ersten Präludiums eingespielt, die sich (einschließlich der Fehler) so nahe wie möglich an die drei frühesten Manuskripte halten—obwohl auch hier ein gewisses Element der Interpretation nötig ist, da es manchmal nahezu unmöglich ist, den genauen Anfang von Legatobögen oder sogar die Noten selbst akkurat zu bestimmen."

      Wer nur mal schnuppern möchte: Bei Amazon sind es die Tracks 14 bis 16 der zweiten CD.
    • ChKöhn schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Meines Wissens war er der erste, der die Phrasierungen des Originals wirklich befolgte.
      Du meinst vermutlich nicht die Phrasierung sondern die Artikulation. Und schau mal ins Autograph, dann wirst Du feststellen, dass die oft gar nicht so eindeutig lesbar ist.

      Christian
      Ja, ich habe mich tatsächlich falsch ausgedrückt! Gemeint sind die fehlenden Bindebögen in der jeweils zweiten Takthälfte.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Wiederbelebung geglückt

      So. Der Thread atmet wieder :clap:

      Im Moment knapp an Zeit, daher jetzt nur dieses:

      @Knulp, du mahnst mich zur Vorsicht hinsichtlich meiner Vermutung, dass Schiff sich in der Courante der I. Suite verzählt haben könnte. Ich bin insofern bei dir, als das wirklich SEHR schwer vorstellbar ist. Als weitere Quelle des Fehlers könnte ich mir ein tonmeisterliches Problem vorstellen - so, wie die Wiederholungen beider Teile klingen, sind es wohl Kopien, keine wirklich gespielten Wiederholungen (wenn da jemand etwas anderes hört, lasse ich mich gerne belehren).
      Ein Fehler ist es, da beißt die Maus keinen Faden ab. (Wer’s nicht glaubt, kann ja mal mitzählen). Mit der Wahl einer anderen Ausgabe lässt er sich nicht begründen. Eine solche müsste an der fraglichen Stelle eine punktierte Viertel oder eine Viertel mit anschließender Viertelpause notiert haben. Eine solche Ausgabe gibt es aber nicht. Umgekehrt ist es vielmehr so, dass die drei ältesten Abschriften - in der Bärenreiter-Edition von 2000 mit A (Anna-Magdalena), B (Kellner) und C (anonym) bezeichnet - an dieser Stelle eine punktierte Halbe ausnotiert haben, also einen vollen Takt, OBWOHL ja noch der Auftakt zur Wiederholung bzw. zum zweiten Teil folgt (ein Achtel). (NB: Nach heute üblicher Notation wäre der Takt also „übervoll“; zu Bachs Zeiten war dieser „Fehler“ aber gar nicht unüblich, wenn der Komponist das „Gewicht“ einer punktierten Halben, also einer „schweren“ Note haben wollte und eben nicht das Gewicht einer Halben.)
    • Julius Berger

      Tach,

      nach 1985 und 1997 hat Julius Berger die Suiten erneut aufgenommen, kombiniert mit Werken von Cage:



      Ich habe sie aber noch nicht gehört.

      VG Bernd

      P.S.: Die Aufnahme von Schiff finde ich sehr gut, gehört zu meinen ersten Empfehlungen (neben Wen-Sinn Yang und Fournier)
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      Mit meinem Unwissen kann man ganze Bibliotheken füllen.
    • Tach,

      gerade habe ich die Einspielung durch den kosovarischen Gitarristen Petrit Ceku gehört:



      Gefällt mir ausnehmend gut. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass die Suiten eigentlich ideal für die Gitarre und andere Zupfinstrumente ist, weil sich darauf die Mehrstimmigkeit sehr schön wiedergeben läßt.

      Zu dem Gitarristen: "https://en.wikipedia.org/wiki/Petrit_%C3%87eku" und "http://www.recital-gitarre-international.de/?p=2077"

      VG Bernd
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      Mit meinem Unwissen kann man ganze Bibliotheken füllen.
    • Vielen Dank für den Hinweis auf diese Gitarrenfassung gespielt von dem wirklich wundervollen Petrit Ceku!
      Überhaupt scheint es mir auf dem Balkan eine gute Ausbildung für klassische Gitarristen zu geben.
      Der Wiki-Link hat bei mir zwar nicht funktioniert, aber es gibt genügend andere Infos über Petrit Ceku.
      Die empfohlene CD ist leider kein Schnäppchen. Aber wer in die Tube guckt, könnte akustisch fündig werden...

      :wink:

      amamusica
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Ich habe mir diese Gitarrenfassung heute auch schon zu zwei Dritteln auf der tube angehört und werde noch jetzt den Rest genießen, denn die ist sehr, sehr schön. Gefällt mir sogar besser als mit Cello :versteck1:
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)