Johann Sebastian Bach: Triosonaten für Orgel, BWV 525 - 530

    • Johann Sebastian Bach: Triosonaten für Orgel, BWV 525 - 530

      Dieser Thread ist den Bachschen Triosonaten für Orgel gewidmet (entstanden um 1730). Unter spieltechnischen Gesichtspunkten zweifellos schwer zu bewältigen, versteht man doch unter Triosonaten Stücke, die im allgemeinen für zwei Soloinstrumente und und ein Continuoinstrument komponiert worden sind. Hier jedoch obliegt es einem Interpreten spieltechnisch manualiter und pedaliter drei gleichberechtigte Stimmen in einem kontrapunktischen, komplexen Zusammenhang darzustellen, wobei Bach melodiöse Schonheit aufs Beste mit den enormen satztechnischen Schwierigkeiten zu verbinden weiß.

      Was haltet Ihr von dieser Werkgruppe? Welche Aufnahmen bevorzugt Ihr?

      Gruß

      :wink:
    • Hallo Yukon,

      persönlich mag ich diese von Dir angesprochenen Triosonaten sehr. Sie zu hören bedeutet für mich immer in tiefe innere Ruhe zu kommen. Bach schuf hier ein Kompendium der Möglichkeiten im Umgang mit der Triosonate auf einem Soloinstrument.

      Als Aufnahme finde ich die bei Hänssler erschienene CD von Kay Johannsen sehr gelungen. Sie wurde in der Stadtkirche in Stein am Rhein aufgenommen.

      Grüße
      corda vuota

    • Hier nun eine interessante Lesart der Triosonaten in Gestalt einer Bearbeitung für Flöte und Orgel oder Cembalo mit Reine-Marie Verhagen (Flöte) und Tini Mathot (Tasteninstrumente).

      Aufnahme: Mai 2008, Waalse Kerk Amsterdam, Produzent: Ton Koopman, Gesamtspielzeit: 67:36


      Einen Audiokommentar von Ton Koopman kann man hier nachhören:

      http://www.br.de/radio/br-klassik/sendungen/starke-stuecke/starke-stuecke-bach-triosonate100.html

    • Yukon schrieb:

      Hier nun eine interessante Lesart der Triosonaten in Gestalt einer Bearbeitung für Flöte und Orgel oder Cembalo mit Reine-Marie Verhagen (Flöte) und Tini Mathot (Tasteninstrumente).

      Vor wenigen Tagen ist eine Einspielung der Triosonaten Bachs in der gleichen Besetzung von zwei italienischen Musikern erschienen:

      Die Hörschnipsel hören sich sehr angenehm an, finde ich. Die Triosonaten laden zu einer Adaption als Kammermusik für mehrere Musiker natürlich geradezu ein, viel mehr, als das meiste, was von Bach sonst so arrangiert, transkribiert adaptiert wird und so scheint es inzwischen schon eine ganze Reihe von Aufnahmen v. a. mit Flöte und Cembalo zu geben.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Wenn man denn die Gattung "Triosonate" generell als in der multiinstrumentalen Kammermusik wurzelnd, ansieht, hast Du natürlich recht mit Deiner Behauptung, dass

      Die Triosonaten [...] zu einer Adaption als Kammermusik für mehrere Musiker natürlich geradezu
      einladen würden. Die Sonaten werden nach der handschriftlichen Überlieferung zwar ausdrücklich als Sonaten "a 2 clav. e pedal" bezeichnet, was wohl auf eine ursprüngliche Konzeption für ein Tasteninstrument, wie Orgel oder gar Pedalcembalo - wenn man an das häusliche Musizieren denkt - hindeuten wird. Gleichwohl dürften die spieltechnischen Schwierigkeiten, auf die ich bereits im Ausgangsbeitrag hingewiesen habe, ein gewichtiges Argument dafür sein, die Stimmen der Sonaten auf im Trio musizierende Mitwirkende - in welcher konkreten instrumentalen Ausgestaltung auch immer - aufzuteilen, was möglichweise auch der Durchhörbarkeit des Stmmengeflechts zugute kommen könnte.

      Ich möchte iesen Beitrag nicht schließen, ohne auf die vorzügliche Einspielung von Edward Power Biggs (Verwendung eines Pedalcembalos) hinzuweisen (aufgenommen ausweislich des Begleitheftes vom 7. bis 9. Dezember 1966):



      Der Spiegel teilte 1968 zu dieser Aufnahme mit:

      Biggs, der früher schon Orgelwerke von Bach auf einem modernen amerikanischen Pedal-Cembalo aufgeführt hat, gewinnt den Trio-Sonaten mit hoher Registrierkunst eine der Schallplatte adäquate Dimension ab. Aus der Harmonie zwischen Instrument, Medium und Hörraum resultiert eine neue Möglichkeit strukturellen Hörens: Auf dem Pedal-Cembalo, so viel ist gewiß, ist die komplizierte Faktur der dreistimmigen Sonaten weit deutlicher zu unterscheiden als beim Hi-Fi-Orgelschwall.
      aus: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46050066.html

      Struktubetontes Spiel ==> Transparenz ==> Durchhörbarkeit/Unterscheidbarkeit der Stimmen ==> gleichsam miteieinander kommunizierend. :yes:
    • Ich hab diese Werke über die Aufnahme von Power Biggs kennengelernt und liebe sie heiß! Ich weiß nicht, wie oft ich die Scheibe in den letzen Jahren gedreht habe - oft! ;+)

      Allerdings finde ich, dass die Durchhörbarkeit bei Walcha praktisch genauso gut ist. Da hört man praktisch alles - und so mancher langsamer Satz klingt auf der Orgel für mich eindeutig besser. Trotzdem: die Aufnahmen mit Triobesetzung höre ich zur Zeit beinahe öfter, und zwar vor allem diese:




      Ebenfalls sehr schön ist diese leider inzwischen aus dem Sortiment genommene Scheibe, auf der BWV 525 und 527 eingespielt wurden (neben den drei Gambensonaten BWV 1027 - 1029 für alternative Triobesetzung):


      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Die Power-Biggs-CD war auch meine erste komplette Aufnahme und ich schätze die nach wie vor sehr, weil die schnellen Sätze auf der Orgel niemals so transparent-trocken daherkommen. Die Orgel-Aufnahme aus der Hänssler-Edition ist aber auch ziemlich gut und inzwischen mag ich auch etliche andere Orgelaufnahmen.

      Bei kammermusikalischer Besetzung nervt mich manchmal etwas, dass dann der Bass mit mehreren Instrumenten besetzt und ausgeziert wird.
      Diese Musik ist scheußlich. Dieses Umkehren des Wohllautes, dieses Notzüchtigen des Schönen würde in den guten Zeiten Griechenlands mit Strafen von Seite des Staates belegt worden sein. Solche Musik ist polizeiwidrig, sie würde Unmenschen bilden, wenn es möglich wäre, daß sie nach und nach allgemeinen Eingang finden könnte. [...] Diese Oper kann nur Narren gefallen, oder Blödsinnigen oder Gelehrten, oder Straßenräubern und Meuchelmördern. (Grillparzer über Webers Euryanthe, 1823)
    • Zu Benjamin Righettis Lesart der Trios hatte ich an anderer Stelle mitgeteilt:


      ich schrieb:

      außerordentlich spielfreudige, verschwenderische, extrovertierte Interpretation, die Akzente setzt hinsichtlich einer spannungsvollen, weil abwechslungsreichen Registrierung und einer variablen Tempogestaltung; bitte mehr von Righettis Bachlesarten.

      Righetti bespielt die Felsbergorgeln Saint-Paul, Lausanne; La Chiésaz, Saint-Légier; Temple, Boudry. Hier das Booklet (fr., engl., d.).

      rec. 2009
    • Ich:

      Den Anfang seiner Aufnahmen der gesammelten Orgelwerke des Thomaskantors machte Herrick 1989 bei Hyperion mit dieser Aufnahme der Trios an der Metzlerin der Stadtkirche, St. Nikolaus, Bremgarten, Schweiz.


      Ausgeprägtes Artikulationskönnen, Phantasiereichtum (z.B. hinsichtlich der reichhaltigen Registervarianten), an Koopman erinnernde Verzierungen zeichnen diese äußerst spielfreudige und klangfarbenprächtige Aufnahme aus - keine Spur von orgelbewegter Vermeidung von Subjektivismen, genauso, wie ich es mag.



      Derzeit für ein Trinkgeld erhältlich.


    • Bei allen Aufnahmen, die sich bei mir tummeln, ob nun auf Orgel, Pedalcembalo oder Instrumentalbearbeitungen, ist diese mir noch immer die liebste.
      Kleine Orgel, kleine (trockene) Akustik, aber große Interpretation: sehr klar strukturiert, es ist möglich, alle Stimmen zu verfolgen.
      Butt liest die Werke als Kammermusik, mir drängt sich der Gedanke auf, genauso könnte er sie auch auf einem Pedalcembalo spielen.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire