J.S. Bach: BWV 988 - Die Goldberg-Variationen

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    • Yukon schrieb:

      Hier eine Zusammenstellung aller bekannten Aufnahmen der G-Variationen (last update 10/2010): :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: "www.a30a.com/goldberg/gvemenu.html"[/
      Ich habe mal nachgerechnet: es sind 368 verschiedene Ausgaben aufgeführt. Da allerdings etliche Aufnahmen in verschiedenen Ausgaben (gleiche Aufnahmedaten, nur verschiedene Cover und/oder Label) gelistet wurden, dürfte es denn doch deutlich weniger verschiedene Einspielungen. Und ob das wirklich alle sind ?

      Ist aber immer noch ein ganz schöne Menge für einen umfassenden Hörvergleich ...
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      Mit meinem Unwissen kann man ganze Bibliotheken füllen.
    • Habe auf der Suche nach Anthony Newman in der Listung gerade durch Zufall entdeckt, dass es offenbar 6 (in Worten: sechs!!!) Einspielungen von Tatjana Nokolajeva zwischen 1970 und 1992 gibt. Vielleicht erklärt sich ja jemand bereit, der sich im Besitz aller 6 Aufnahmen befindet, mal darzustellen, ob und inwieweit Frau N im Laufe der Jahre ihre Interpretationshaltung gegenüber diesem Zykus einer Änderung unterworfen hat. :P
    • So, ich hab mir heute nochmal zwei oft gehörte Goldberg-Variationen zu Gemüthe geführt.

      1) Die 55er-Aufnahme von Gould: ich finde sie beim neuerlichen Hören ein bißchen hektisch, sehr auf Brillianz der Technik bedacht b.z.w. auf einen Schnelligkeitsrekord. Gould braucht hier 38.33 --- im Gegensatz dazu benötigt er bei der CBC-Aufnahme von 1954 gute vier Minuten mehr, und zwar nicht weil er mehr Wiederholungen spielt (ein, zwei könnten dabei sein), sondern weil er mit Bedacht vorgeht, was die Einspielung im Vergleich besser macht, inniger, und sie in die Nähe der 82er-Aufnahme rückt. Allerdings: die 15. Variation spielt Glenn hier, in der 55er, umwerfend schön. Ansonsten kann ich, wenn man nur diese Aufnahme kennt, den Nähmaschinen-Vorwurf gegenüber Gould recht gut nachvollziehen.



      2) Die HIPunHIP-Interpretation von Kempff. Ich hörte sie am Morgen, bei bedecktem Himmel und leichtem Regen. Und ich finde sie wirklich schön: tänzerisch und abgeklärt. Wie ein altes Kinderspiel, an das sich Kempff nur noch vage erinnert, das seine Finger aber noch immer perfekt beherrschen. Er spielt ruhig, zurückgelehnt, empfindsam. Und letztendlich doch auch im Geiste Bachs. Abgeklärt eben. Es ist ganz Bach, aber er macht zugleich etwas völlig anderes daraus.





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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Dass Cembalisten bisweilen klavieristisch denken und auch so spielen, beweist Anthony Newman - hierzulande fast völlig unbekannt -, der 1988 auch eine herausragende Einspielung einer Auswahl von Scarlattisonaten bei Sony veröffentlicht hat, dadurch, dass er 1971 in ausgesprochen raschen Tempi, fast schon hypernervös aber eben auch virtuos den Zyklus, damals für CBS, interpretiert hat. Wer da nicht an den jungen Gould denkt ... .
    • Die Aufnahme mit Kempff, die sich schon lange in meinem Besitz befindet, habe ich mir dann heute nachmittag auch noch mal angehört. Der allererste Eindruck war: "Zu geradeaus", zu sehr im Geiste der ersten Nachkriegsjahrzehnte gespielt, zu wenig Schwerpunkte, zu wenig Spannung, gleichzeitig zu unbarock und zu unromantisch.

      Aber nach kurzer Zeit hat mich die Interpretation dann doch in ihren Bann gezogen. Kempff spielt ungeheuer klangschön, nuanciert sehr subtil und erzielt damit dann doch eine *poetische* Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Ob man Barockmusik so hören will, ist natürlich Auffassungsfrage - aber ich will sie auf jeden Fall so hören! Ganz großes Klavierspiel für meine Ohren!

      Beste Grüße

      Bernd
    • Diese CDs haben sich mit der Zeit bei mir angesammelt. das heißt, ich habe meine Aufnahme noch nicht gefunden. Früher habe ich sehr viel Murray Perahia gehört, den ich immer noch sehr schätze, im Moment höre ich meistens Andreas Staier. Ich liebe den Klang der alten Instrumente, weil Singstimme und Instrument für meine Holzohren ideal zueinander passen.
      Tja, Stadtfeld war ein Geschenk, wir waren auf demselben Gymnasium, ich 40 Jahre früher und er halt später. Und ein Blasinstrument hab ich selber gespielt, und am liebsten schräg, deshalb mag ich auch hin und wieder Canadian Brass hören.




      Aufnehme noch











      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Ich liebe den Klang der alten Instrumente, weil Singstimme und Instrument für meine Holzohren ideal zueinander passen.


      Liebe Chris, welcher Tastenlöwe singt denn, während er die Goldbergvariationen spielt? :D


      Das macht doch höchstens Glenn Gould, und der spielt unbestritten auf einem modernen Konzertflügel, auch wenns meistensteils eher nach einem jungsteinzeitlichen Schlaginstrument klingt.... :hide:

      Beste Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Ich liebe den Klang der alten Instrumente, weil Singstimme und Instrument für meine Holzohren ideal zueinander passen.


      Liebe Chris, welcher Tastenlöwe singt denn, während er die Goldbergvariationen spielt? :D


      Das macht doch höchstens Glenn Gould, und der spielt unbestritten auf einem modernen Konzertflügel, auch wenns meistensteils eher nach einem jungsteinzeitlichen Schlaginstrument klingt.... :hide:

      Beste Grüße

      Bernd
      Wer noch singt?

      Z.B. Sergio Vartolo, hier zu hören im Quodlibet, ab ca. 4' 32'': :)

      http://www.youtube.com/watch?v=2bcTCJGKURo
    • arundo donax schrieb:

      Ich liebe den Klang der alten Instrumente, weil Singstimme und Instrument für meine Holzohren ideal zueinander passen.

      Liebe Chris, welcher Tastenlöwe singt denn, während er die Goldbergvariationen spielt? :D
      Macht das nicht Keith Jarrett auf seiner Aufnahme der Variationen:




      Als Jazzer schätze ich ihn sehr; sein "Köln-Konzert" gehört für mich zu den schönsten Jazz-Aufnahmen überhaupt. Aber mit seinen Ausflügen in das "klassische" Fach - WTK etc. - konnte ich mich leider nie anfreunden, trotz etlicher Versuche.
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      Mit meinem Unwissen kann man ganze Bibliotheken füllen.
    • arundo donax schrieb:

      Ich liebe den Klang der alten Instrumente, weil Singstimme und Instrument für meine Holzohren ideal zueinander passen.


      Liebe Chris, welcher Tastenlöwe singt denn, während er die Goldbergvariationen spielt? :D


      Das macht doch höchstens Glenn Gould, und der spielt unbestritten auf einem modernen Konzertflügel, auch wenns meistensteils eher nach einem jungsteinzeitlichen Schlaginstrument klingt.... :hide:

      Beste Grüße

      Bernd
      Oh ja, mal wieder einer meiner schrecklichen Gedankensprünge. Weil mir die alten Instrumente so gut zu Stimmen passen schienen - mir machte das soviel mehr Freude beim Singen im Chor - habe ich wieder manches überschlagen.
      Also: Glenn Gould singt ja meiner Meinung nach nicht. Er brummt. Und das in meinen Ohren schlimme ist: es ist egal. Ob er singt. Brummt . Oder was auch immer.
      Ich denke auch nicht mehr, dass Bearbeitungen mir helfen, das musikalische Geschehen besser zu verstehen. OK, Du hast es für Dich in einem anderen Thread gut erklätrt
      Und um mal ein bißchen zu provozieren: passen Stimmen wirklich zu Stahlrahmen?

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • arundo donax schrieb:

      Glenn Gould, und der spielt unbestritten auf einem modernen Konzertflügel,
      Spielte der nicht auf einem eher alten Steinway? Einem mit noch "persönlichem" Klang . . . . . . - Ich mag den Gould, am liebsten auch die Salzburger Aufnahme - schon lange nicht mehr gehört - Koroliov am Klavier ist wahrscheinlich derzeit meine liebste Aufnahme mit Hämmern, den alten Schiff mag ich auch, den neuen nicht wirklich - Hewitt wurde noch nicht erwähnt: die Dame spielt großartig Klavier - aber das ist kein Bach den ich hören mag wenn ich ("meinen") Bach hören mag. Den Jacques Brel des Cembalo - Hentaï - finde ich interessant, aber wirklich gefallen mag mir das nicht; Rousset ist eine Empfehlung wert und Leonhardt (1978) finde ich erstaunlich und unbedingt hörenswert. - Aber schöne Musik das.

      Nacht.


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Maldoror schrieb:

      Spielte der nicht auf einem eher alten Steinway? Einem mit noch "persönlichem" Klang . . . .


      Glenn Gould spielte den legendären Steinway D No. CD 318

      Einen amüsanten Blog zu Gould und seinem Flügel gibt es hier:

      "http://www.goldberg-variationen.de/literatur/steinway-cd-318/"

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:


      Glenn Gould spielte den legendären Steinway D No. CD 318

      Einen amüsanten Blog zu Gould und seinem Flügel gibt es hier:

      "http://www.goldberg-variationen.de/literatur/steinway-cd-318/"

      :wink: :wink:

      Christian
      Und der ist doch alt? 1910 rum oder so? Edit: Ich vergess´ auch alles . . . . .


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Spielte Gould bei der 1981er sowie anderen seiner späten Aufnahmen nicht einen Yamaha?

      Kater Murr
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Spielte Gould bei der 1981er sowie anderen seiner späten Aufnahmen nicht einen Yamaha?


      Meine mich an so was zu erinnern - aber da muss ich nachschauen - so, hier steht es:



      Gould schreibt:

      "I gazed at CD 318, heartbroken. It was time to say farewell. Yet surely noone would ever replace her. ... Several hours later, at the Yamaha store, the proprietor tried to interest me in several new models. They were fresh and shiny, full of the joy of youth. Yet none of them fascinated me. I was distraught, disconsolate. And then, in a darkened back corridor of the store, I saw her. A battered, abused soul. A used Yamaha. She reminded me of my first love, the Chickerling. The staff tried to dissuade me. But I recognized the passions. I was giddy with love again." :->

      Quelle: "glenngould.org/f_minor/msg05188.html"



      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Und um mal ein bißchen zu provozieren: passen Stimmen wirklich zu Stahlrahmen?


      Warum denn nicht, liebe Chris? Jedenfalls besitze ich über hundert CDs mit Liedern, bei denen mich die Kombination von Stimme und Stahlrahmen nie gestört hat... -

      Wenn ich das Glenn-Gould Zitat sehe, wird mir mal wieder ( trotz meiner stümperhaften Englisch-Kenntnisse) klar, warum ich Gould schon länger für einen deutlich besseren Schriftsteller als Pianisten gehalten habe....

      Ob er auf einem älteren oder jüngeren Steinway, einem Yamaha-Flügel oder einem Fazer-Klavier herumstakkatiert, scheint mir alles in allem ziemlich wurscht....jedenfalls kann ich diese Art von Klavierspiel inzwischen nicht mehr länger als 3 Minuten am Streifen ertragen... :hide:

      In meiner wildbewegten Jugend war ich allerdings auch mal ein Gould-Fan. :schaem:

      Beste Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Warum denn nicht, liebe Chris? Jedenfalls besitze ich über hundert CDs mit Liedern, bei denen mich die Kombination von Stimme und Stahlrahmen nie gestört hat... -
      Auf ca. 80% meiner CDs wird auch gesungen. Da ich viel Alte Musik höre, habe ich mich mehr und mehr auch an den anderen Klang der Instrumente gewöhnt. Und irgendwann mochte ich sie lieber und habe nun auch bei Klassik und Romantik ganz gerne zeitgenössische Instrumente, v.a. bei klavierbegleiteten Liedern. Ich empfinde Hammerklavier oder Pianoforte "stimmnäher", ähnlicher der Singstimme als moderne Flügel. So schätze ich diese Instrumente inzwischen auch bei reiner Instrumentalmusik. Und seit ein Cembalo nicht wie noch vor 2 - 3 Jahrzehnten nach Nähmaschine klingt, höre ich auch das gern, Blas- oder Streichinstrumente sowieso, (aber ich vielleicht kommt da meine Vorliebe für schräge Töne auch manchmal durch).
      Die Staier-Interpretation mag ich deshalb im Moment von meinen Goldberg-CDs am liebsten, aber Perahia ist mir auch noch wichtig.

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • RE: Zhu Xiao-Mei

      zatopek schrieb:

      Amfortas09 schrieb:

      meine Gouldberg-Favoriten momentan (Radiomitschnitte):

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 aus Château de Florans vom 08.08.09 mit Zhu Xiao-Mei (Piano)

      Bach, J.-S. Goldberg-Var. BWV 988 (2 pianos de Max Reger) aus Paris vom 28.09.10 mit Yaara Tal + Andreas Groethuysen, piano

      wobei ich Zhu Xiao-Mei bevorzuge

      :wink:
      Die Aufnahme von Zhu Xiao-Mei gibt´s auch auf CD


      Ich habe sie gestern mal gehört. Aber irgendwie ging das gar nicht. Xiao-Mei spielt recht ordentlich, ohne große Verzierungen und Improvisationen. Sie läßt einige Wiederholungen aus, was ich nicht so gut finde, auch wenn dadurch die Einspielung recht kompakt wirkt. Virtuos ist sie, keine Frage. Auch die schnellen und schwierigen Passagen meistert sie imo ohne hörbare Anstrengung.

      Aber die Aufnahme selbst: zuerst dachte ich einen kurzen Moment lang, meine Anlage sei defekt. das Klavier hört sich völlig verhangen und gequetscht an - sorry für meine mangelnde Ausdrucksweise; besser kann ich es nicht beschreiben. Irgendetwas müssen die Tonmeister veranstaltet haben, damit ein Klavier so merkwürdig klingt. Nach etwa der Hälfte der Aufnahme hatte ich mich daran gewöhnt, oder ich hörte es nicht mehr. Jedenfalls ging es dann gerade so.

      Vielleicht lag es aber auch an meiner Tagesform. Ich werde es noch einmal, vielleicht mit KH ausprobieren.
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      Mit meinem Unwissen kann man ganze Bibliotheken füllen.


    • Johann Sebastian Bach
      Goldberg-Variationen BWV 988


      Sylvain Blassel, Harfe


      Die Goldbergvariationen passen wirklich hervorragend zur Harfe. Das beweist Sylvain Blassel mit seinem Spiel sehr meisterhaft und transparent in der von ihm selbst eingerichteten Version. Die 'munteren Stücke' wirken so sehr beruhigend und intim.

      Zusätzlich befinden sich auf der CD noch vierzehn Kanons über die ersten acht Fundamentalnoten der Aria aus den Goldberg-Variationen, die mit Fabrice Pierre im Harfenduett bestritten werden.
    • die goldberg variationen von bach, einfach genial. eine meisterleistung, was bach in seinen späteren jahren vollbracht hat.
      ich ziehe die interpretationen für cembalo eindeutig vor die klavieraufnahmen.

      ich habe folgende aufnahmen, die mir sehr gut gefallen.

      belder cembalo, und diese hier mit pinnock

      pinnock spielt auf einem cembalo von andreas ruckers aus antwerpen von 1646.
      mehrfache wiederholungen spielt pinnock nicht, das kommt der interpretation finde ich zu gute.
      die folgende aufnahme habe ich schon am 12.12.2010 bei jpc bestellt, aber bis heute ende januar 2011 immer noch im rückstand.
      sehr ungewöhnlich für jpc, ansonsten liefern sie recht pünktlich.
      diese aufnahme für orgel, ich hoffe sie kommt noch mal irgendwann.

      :wink:
      Die Kunst zu wissen, wann man das Orchester nicht stören soll.
      Herbert von Karajan (1908-1989)