Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

      Auf Talestris sehr guten Vorschlag hin haben wir unter Verfolgt, Emigriert, Ermordet - Die Namen bewahren einen Thread eingerichtet, in dem möglichst viele Persönlichkeiten der europäischen Musikwelt aufgeführt werden sollen, die unter dem Terrorregime der Nazizeit ihre Existenz oder sogar ihr Leben verloren. Da dieser möglichst alphabetisiert und überschaubar sein sollte, bitte ich alle, ihre Nominierungen und ggf. ergänzende Kommentare fortan hier zu posten, damit sie von der Moderation an die gegebene Stelle des eigentlichen Threads verlegt werden können. Moderatoren können ihre Beiträge natürlich gleich dort einstellen.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Ullmann, Viktor

      Viktor Ullmann wurde am 01.01.1898 in Teschen geboren, was damals zu Österreich gehörte. Nach seiner Schulzeit in Wien meldete sich Ullmann freiwillig zum Militärdienst, stand im ersten Weltkrieg an der Front und gehörte nach dem Krieg zu den Schülern von Arnold Schönberg. Ein erstes Engagement führten den jungen Mann, der sein Studium abgebrochen hatte, als Korrepetitor und Chordirektor ans "Deutsche Theater" in Prag. Der dortige Direktor, Alexander Zemlinsky, förderte den Komponisten Viktor Ullmann. Nach einer Krise am Ende der 20er Jahre, Ullmann verdiente sein Geld in dieser Zeit als Buchhändler in Stuttgart, begang Ullmann, der 1933 vor den Nazis geflohen war, in Prag nochmals eine Karriere als Komponist und Musikschriftsteller. 1942 wurde Ullmann, die Eltern waren schon vor seiner Geburt vom Judentum zum Katholizismus konvertiert, Viktor Ullmann selbst war aus er katholischen Kirche ausgetreten, nach Theresienstadt deportiert. Im Lager konnte Ullmann soetwas wie ein kulturelles Leben aufbauen, sogar das Komponieren war ihm dort möglich. Zu seinen Werken gehören z. B. Opern, Lieder, Kammermusik und Bühnenmusiken. Am 18.10.1944 wurde Viktor Ullmann in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.
      Der Kunst ihre Freiheit


    • Schnabel, Artur. Pianist und Komponist
      Geboren am 17. 4. 1882 in Kunzendorf (Schlesien). Gestorben am 15. 8. 1951 in Axenstein (Schweiz).
      Emigrierte 1933, nach der Machtergreifung Hitlers, nach Großbritannien und ging 1939 nach Amerika.
      Seine Mutter starb in Theresienstadt.


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Janssen, Herbert

      Der Bariton Herbert Janssen wurde am 22.09.1892 in Köln geboren. Schon zu Beginn der 20er Jahre kam Janssen nach Berlin, wo er an der Berliner Staatsoper schnell Karriere machte. Besonders Wagner-Partien, wie der Wolfram im "Tannhäuser" oder der Amfortas im "Parsifal" machten den Sänger auch über die Grenzen von Berlin hinaus bekannt. Zwischen 1930 und 1937 sang Janssen in Bayreuth. Obwohl der homosexuelle Sänger noch 1937 in die NSDAP eintrat, musste er Deutschland in direkter Folge verlassen. Die Metropolitan Opera in New York wurde 1939 seine künstlerische Heimat. Janssen, von dem viele Tonträger existieren, starb am 03.06.1965 in New York.
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    • Metzger, Ottilie

      Die am 15.07.1878 in Frankfurt geborene Altistin Ottilie Metzger besass eine der schönsten, echten Altstimmen ihrer Generation. So gehörte die Erda in Wagners "Ring" auch in Bayreuth zu ihren Glanzpartien. Andere (erste) Bühnenstationen der Sängerin waren Halle, Köln und Hamburg. 1925 beendete Ottlie Metzger ihre Bühnenkarriere, trat aber noch als Liedsängerin auf und machte sich einen Namen als Gesangspädagogin. Es gelingt Ottilie Metzger im Jahr 1939 nach Belgien zu fliehen, dort wird sie aber später verhaftet und nach Auschwitz deportiert. In Auschwitz stirbt Ottilie Metzger 1943, die Umstände sind nicht geklärt.
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    • Krása, Hans. Komponist.
      Geboren 30.11.1899 in Prag, gestorben 17.10.1944 im Konzentrationslager Auschwitz.
      Krása studierte in Prag Komposition bei Alexander von Zemlinsky. 1932/33 wurden seine Kantate "Die Erde ist des Herrn" und die Oper "Verlobung im Traum" uraufgeführt.
      Am 10. August 1942 wurde Krása in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Seine Kinderoper "Brundibár" wurde dort über 55-mal aufgeführt, so auch für eine Kommision des Roten Kreuzes, die das Lager besuchte und für den Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt". Fast alle Mitwirkenden der Aufführungen wurden nach Auschwitz deportiert. Krása wurde am 16. Oktober 1944 deportiert und nach seiner Ankunft sofort vergast.
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Gottlieb, Henriette

      Die Sopranistin Henriette Gottlieb (geboren 1884 in Berlin) begann ihre Karriere 1909 in Plauen. 1913 kam die Sängerin an die Städtische Oper nach Berlin, deren Mitglied sie bis 1934 blieb. Ende der zwanziger Jahre hatte Henriette Gottlieb ihren Durchbruch als Wagner-Sängerin - sie trat in Paris als Brünnhilde in Wagners "Ring" auf. In Baryreuth war die Sängerin nur in kleineren Rollen zu hören, nämlich 1927 als Ortlinde und 3. Norn. 1934 erhielt die jüdische Sängerin Auftrittsverbot, blieb aber in Berlin, wo sie sechs Jahre später verhaftet und in ein KZ deportiert wurde, wo sie vermutlich 1943 ums Leben kam. Der Ort ist unbekannt.
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    • Klein, Gideon

      Gideon Klein wurde am 6.12.1919 in Přerov (Tschechien) geboren. Schon der Heranwachsende zeigte ungewöhnliche musikalische Begabung, mit 14 gab er sein erstes öffentliches Konzert als Pianist, mit 11 entstanden erste Kompositionen. Seine Karriere als Pianist wurde durch die deutsche Besetzung der Tschechoslowakei beendet. Fortan waren allen jüdischen Künstlern öffentliche Auftritte untersagt. 1940 wurde ihm ein Stipendium der Royal Academy London angeboten, das aber nicht annehmen konnte weil die Besatzung ihm die Ausreise nicht erlaubte. Am 1.12.1941 wurde er in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort enstanden zahlreiche Kompositionen, vor allem Kammermusik, Chorwerke, Lieder und Klaviermusik. Im Jahre 1990 wurden zudem Werke aus der Zeit vor der Deportation wieder entdeckt.
      Im Oktober 1944 wurde Gideon Klein nach Auschwitz deportiert und von dort weiter in das Außenlager Fürstengrube. Sein Todesdatum ist nicht exakt bekannt, meist wird der 27.1.1945 genannt, kurz vor der Befreiung des Lagers. Es ist unklar, ob er von der Lagerbesatzung beim Anrücken der Roten Armee ermordet wurde oder während des Gewaltmarsches der fliehenden SS umkam. Gideon Klein wurde 26 Jahre alt.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Berman, Karel

      Der Bassist, der auch selbst komponierte, wurde am 14.04.1919 in Neuhaus (heute: Jindrichuv Hradec) geboren. Sein Studium am Prager Konservatorium musste Berman 1942 abbrechen, ein Jahr später, 1943, wird Berman nach Theresienstadt deportiert. In Theresienstadt nimmt Karel Berman stark am kulturellen Leben teil, als Sänger, Komponist und Regisseur. Sein Liederzyklus "Poupata" entsteht in dieser Zeit und der Komponist Pavel Haas komponiert für ihn seine "Vier Lieder nach chinesischer Poesie", in Viktor Ullmanns Oper "Der Kaiser von Atlantis"übernimmt Berman die Partie des Todes. 1944 wird Berman zuerst nach Auschwitz deportiert. Er wird dort nicht ins Gas geschickt, sondern kommt als Zwangsarbeiter in das KZ Dachau. 1945 ist Karel Berman einer der Beteiligten des "Todesmarsches von Dachau", wo die Häftlinge in Richtung Alpen getrieben wurden, was zahlreiche Häftlinge nicht überlebten. Nach der Befreiung beendete Karel Berman sein Musikstudium und wurde eine der Stützen des tschechischen Musiklebens, u. a. als Solist des Nationaltheaters in Prag. Karel Berman starb in Prag am 11. August 1995.
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    • Goldschmidt, Berthold

      Der Komponist Berthold Goldschmidt wurde am 18.01.1903 in Hamburg geboren. Während und nach seinem Studium in Berlin, u. a. bei Franz Schreker, arbeitete der Musiker eng mit Erich Kleiber zusammen und lernte in Berlin Carl Ebert kennen, mit dem er Ende der 20er Jahre nach Darmstadt wechselte. Im nahegelegenen Mannheim kam 1932 Goldschmidts Oper "Der gewaltige Hahnrei" zum ersten Mal auf die Bühne. Goldschmidts Talent berechtigte zu grossen Hoffnungen, die sich nicht erfüllen sollten. Goldschmidt erhielt als Jude Aufführungsverbot und der Komponist entschloss sich, 1935 nach England zu emigrieren. Dort gelang es Goldschmidt nicht, seine Karriere fortzusetzen. Nur wenige Werke entstanden in der Zeit Emigration, nach dem Krieg war Goldschmidt vergessen. Erst Anfang der 80erJahre begann Goldschmidt wieder, verstärkt zu komponieren. Rund zehn Jahre später wurde seiner Oper "Der gewaltige Hahnrei" in Berlin konzertant wiederaufgeführt und auf CD vorgelegt. Ein riesiger Erfolg für den mittlerweile 90jährigen Komponisten, der noch miterleben konnte, dass ihm eine späte Wiedergutmachung zu Teil wurde. Berthold Goldschmidt starb am 17.10.1996 in London
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    • Schönberg, Arnold. Komponist.
      Geboren 13.9.1874 in Wien, gestorben 13.7.1951 in Los Angeles.
      Emigriert 1933 in die USA, wo er bis zu seinem Tod lebt. 1941 wird er amerikanischer Staatsbürger.
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    • Achtung, Gewichtungen

      Leider werden die einzelnen Texte langsam länger, was die frühen benachteiligt, während andere arg knapp ausfallen.

      Ich denke, wir sollten hier möglichst keine optischen Gewichte setzen und deshalb, wenn möglich, zwischen mindestens fünf und maximal zehn Zeilen (ohne Bild und Links) texten. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, die Lebensdaten fett jeweils neben den Namen zu setzen?

      Außerdem wäre ich dankbar, wenn die gewünschten Bilder möglichst gleich mit verlinkt werden, damit ich die nicht immer heraussuchen muss, und jeder gleich die Tätigkeiten desjenigen nennt, den er würdigen möchte. Ich würde beim Verlagern nämlich ungern in die jeweiligen Texte eingreifen.

      :wink: Rideamus
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    • Lieber Rideamus,
      das mit den unterschiedlichen Längen ist mir auch aufgefallen.
      Aber sollte man sich da nicht eher am Bekanntheitsgrad des Genannten orientieren? Braucht es eine Schönberg-Bio in fünf Zeilen, wenn früher oder später umfangreichere Schönberg-Threads reingestellt werden? Die unbekannten Künstler, denen man noch nie begegnet ist, sollten dagegen ausführlicher erwähnt werden, da es über sie nie einen eigenen Thread geben wird. Wichtig finde ich bei den bekannten Musikern einfach die Daten des Exils oder der Verfolgung, bei den unbekannten möchte ich gerne mehr über ihre Biografie wissen.

      Dass der gesamte Thread bei reger Beteiligung Gefahr läuft, unübersichtlich zu werden, fürchte ich auch. Daher fände ich es gut, den "Beruf" neben den Namen zu setzen, so dass man vielleicht einmal nach Sängern-Instrumentalisten-Dirgenten-Komponisten (und -innen) sortieren könnte.

      Vielen Dank jedenfalls für die große Mühe, die Du Dir mit dem Thread machst.

      :juhu: Talestri
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    • Ursprünglich hatte ich mir einmal eine Art Gedenktafel vorgestellt, auf der die Namen und Daten und vielleicht ein oder höchstens zwei Zeilen erklärender Text stehen sollten.
      Jetzt kann ich nicht mehr zwischen diesem Vorhaben und ausführlicheren Beiträgen unterscheiden.

      Ich weiß jetzt auch nicht, wie ich mit meinem Text verfahren soll.
      So wie oben, also zehn oder zwölf Zeilen? Ist dann ein ausführlicherer Beitrag überflüssig?
      Oder ganz knapp und an anderer Stelle noch einmal ausführlich?

      :stern: ?( :stern: ?(
    • Talestri schrieb:

      Lieber Rideamus,
      das mit den unterschiedlichen Längen ist mir auch aufgefallen.
      Aber sollte man sich da nicht eher am Bekanntheitsgrad des Genannten orientieren? Braucht es eine Schönberg-Bio in fünf Zeilen, wenn früher oder später umfangreichere Schönberg-Threads reingestellt werden? Die unbekannten Künstler, denen man noch nie begegnet ist, sollten dagegen ausführlicher erwähnt werden, da es über sie nie einen eigenen Thread geben wird. Wichtig finde ich bei den bekannten Musikern einfach die Daten des Exils oder der Verfolgung, bei den unbekannten möchte ich gerne mehr über ihre Biografie wissen.

      Dass der gesamte Thread bei reger Beteiligung Gefahr läuft, unübersichtlich zu werden, fürchte ich auch. Daher fände ich es gut, den "Beruf" neben den Namen zu setzen, so dass man vielleicht einmal nach Sängern-Instrumentalisten-Dirgenten-Komponisten (und -innen) sortieren könnte.

      Das sehe ich genau wie Du, nur scheinen mir die Unterschiede zwischen 2- und 12-Zeilern optisch zu extrem.

      Leider können wir innerhalb der Threads gar nichts sortieren, höchstens später getrennte Threads nach Berufsgruppen aufmachen und entsprechend verschieben. Deswegen wäre es mir auch wichtig, wenn der Nominierende sich selbst auf den wichtigsten Beruf festlegt. Z.B.: Gustav Mahler: Dirgent und Komponist? Oder doch Komponist und Dirigent? In dem Fall würde wohl jeder zu Ersterem neigen, weil er "nur" noch als Komponist von den Verfolgungen betroffen war, aber es gibt auch andere Fälle.

      Auf baldige Unübersichtlichkeit wegen reger Beteiligung hoffe ich sehr, denn die damit verbundenen organisatorischen Probleme wird man sicher in den Griff kriegen. Manche ergeben sich ja erst, wenn genügend Material beisammen ist.

      @ Hildebrandt:

      ich würde auch eher zu Deiner Lesart neigen, aber bei manchen Namen wird wohl kaum jemand einen eigenen Thread aufmachen. Deshalb finde ich in solchen Fällen und ganz im Sinne von Talestris Einwand 10-12-Zeiler ebenfalls ok. Wenn einmal ein Thread existiert und der vorbereitete Platz für den Link gefüllt wird, kann man ja den Text kürzen.

      So oder so: dieser Thread bleibt eine redaktionelle Aufgabe auf Dauer.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Bekanntheitsgrad

      Talestri schrieb:


      Wichtig finde ich bei den bekannten Musikern einfach die Daten des Exils oder der Verfolgung, bei den unbekannten möchte ich gerne mehr über ihre Biografie wissen.

      Die Entscheidung, wer bekannt oder unbekannter ist, finde ich schwierig. Das einfache posten der reinen Lebensdaten ist mir zu wenig, einen kleinen Überblick über die vorgestellte Person finde ich grundsätzlich nötig - dem steht, zumindest für mich, keine genauere Betrachtung in einem späteren, längeren Thread entgegen.

      Mir gefällt ausgesprochen gut, wie Rideamus die Namen in eine alphabetische Reihenfolge bringt und ich finde das überhaupt nicht unübersichtlich im Gegenteil. Die "Berufsbezeichnung" füge ich gerne an und die "Originaltexte" (die ja jetzt doppelt drinstehen) könnten eventuell in Folge gelöscht werden...?

      Bilder einstellen habe ich noch nicht geübt, ich fürchte, da habe ich Nachholbedarf, um den zuständigen Wachwolf zu entlasten...



      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Schreker, Franz (1878-1934)


      Der österreichische Komponist Franz Schreker war eines der ersten Opfer des Nationalsozialismus. Schreker war einer der bedeutendsten Komponisten der Zwischenkriegszeit.
      1932 zog er aus Angst vor dem Terror der Nationalsozialisten seine Oper "Christophorus" noch vor der Uraufführung in Freiburg zurück. Bei der Uraufführung der Oper "Der Schmied von Gent" (Berlin, 1932) veranstalteten die Nationalsozialisten einen Skandal und pfiffen das Werk mit Trillerpfeifen nieder.
      Schreker war der, neben Schönberg, bedeutendste Kompositionslehrer seiner Zeit. Dennoch wurde er gezwungen, sein Amt als Leiter der Berliner Musikhochschule zurückzulegen. 1933 wurde er als Leiter der Kompositions-Meisterklasse der Preußischen Akademie der Künste von deren Leiter, dem NS-orientierten Komponisten Max von Schillings, dessen Oper "Mona Lisa" ein Imitat der Werke Schrekers darstellt, zwangspensioniert. In der Folge verfiel Schreker in Depressionen, erlitt einen Schlaganfall und am 21. März 1934 einen tödlichen Herzinfarkt.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Kleiber, Erich (1890-1956). Dirigent.

      Erich Kleiber gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kleiber wurde 1923 zum musikalischen Leiter der Staatsoper Berlin berufen, wo er immer wieder als Anwalt der neuen Musik hervortrat. So brachte er z.B. 1925 Wozzeck von Alban Berg zur Uraufführung. Auf Erich Kleibers Anregung stellte Alban Berg 1934 die Lulu-Suite zusammen, deren Uraufführung Kleiber am 30.11.1934 in Berlin leitete. Die sich anschließende Diffamierung des Werks durch die Nazis war wohl der letzte Anstoß für Kleiber, von seinem Posten an der Staatsoper zurückzutreten. 2 Monate später emigrierte er nach Süd-Amerika.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Pisk, Paul Amadeus (1893-1990). Komponist und Musikwissenschaftler


      Der österreichische Komponist Paul Amadeus Pisk war Kompositionsschüler von Arnold Schönberg und Franz Schreker sowie als Musikwissenschaftler von Guido Adler. Er unterrichtete am Wiener Konservatorium und hielt an Volkshochschulen Lesungen. Er engagierte sich auf Seite der Sozialisten und steht als einer der Kulturträger des "Roten Wien".
      Pisk war auch Vorstandsmitglied, Sekretär und Pianist in Schönbergs "Verein für musikalische Privataufführungen". Er war Gründungsmitglied der International Society for Contemporary Music und von 1920 bis 1928 Mitherausgeber der Musikblätter des Anbruch sowie Musikredakteur der Arbeiter-Zeitung.
      Bereits 1936 ahnte Pisk, was kommen auch in Österreich kommen würde und emigrierte in die USA, wo er an den Universitäten von Austin und St. Louis lehrte. Pisk komponierte in allen Genres außer der Oper. Seine Musik ist oft reihentechnisch gebunden, wobei Pisk danach trachtet, die konstruktiven Elemente in Einklang mit dem sinnlichen Erleben zu bringen.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)