Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Wellesz, Egon. Komponist

      Egon Wellesz wurde am 21.10.1885 in Wien geboren, studierte dort zuerst Jura, dann Musikwissenschaften bei Guido Adler und wurde Schüler von Arnold Schönberg. Egon Wellesz war neben seiner Kompositionstätigkeit lange Dozent am Konservatorium und an der Universität seiner Heimatstadt Wien. Wellesz komponierte Musik für fast jedes Genre, auch zahlreiche Bühnenstücke finden sich unter seinen Werken. 1938 kehrte Wellesz von einem Aufenthalt in den Niederlanden nicht mehr nach Österreich zurück, er floh als Jude, dessen Musik als "entartet" galt, nach England. Dort nahm Wellesz 1946 die Staatsbürgerschaft an und dort starb er auch am 08.11.1974 in Oxford.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Vogel, Wladimir Rudolfowitsch (1896-1984)


      Der Komponist Wladimir Vogel wurde in Russland als Sohn deutsch-russischer Eltern geboren. 1918 wanderte Vogel aus der Sowjetunion aus. Er studierte in Berlin bei Ferruccio Busoni Komposition. Anschließend war er als Komponist und Kompositionslehrer tätig. Er engagiert sich politisch auf Seite der Sozialisten. 1933 flieht Vogel vor den Nationalsozialisten in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tod lebt.
      Vogels Musik ist in einer ersten Phase vom Expressionismus geprägt. Vogel experimentiert bereits hier mit rhythmisch notierten Sprechchören. Das Oratorium "Thyl Claes" ist das Hauptwerk dieser Phase. Später wendet sich Vogel einer expressiven Reihentechnik zu und perfektioniert seine Sprechchöre bis zu polyphonen Schichtungen. Das Hauptwerk dieser Schaffensphase ist das Oratorium "Wagadus Untergang".
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Bei Wellesz eventuell ergänzen: Er entzifferte die byzantinische Notation, was bis heute als ein Meilenstein der Byzantinistik gilt.

      Übrigens: Wellesz war in Oxford als Byzantinist tätig, daß er "auch" komponierte, wußten nur wenige seiner Kollegen, erzählte mir einmal seine Tochter Elisabeth Kessler.

      :wink:
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Rathaus, Karol (1895-1954). Komponist


      Karol Rathaus wird in Tarnopol geboren, das zu diesem Zeitpunkt zur österreichischen Monarchie gehört.
      Rathaus studiert bei Franz Schreker in Wien und ist dessen Lieblingsschüler. Er folgt Schreker nach Berlin und schließt dort seine Kompositionsstudien ab. Danach ist Rathaus Lehrer für Komposition und Musiktheorie an der Berliner Hochschule für Musik. Als Komponist macht er sich sowohl mit Orchesterwerken und Filmmusiken als auch mit der Oper "Fremde Erde" einen Namen. Fallweise komponiert er unter dem Pseudonym Leonhard Bruno.
      1933 flieht Rathaus vor den Nationalsozialisten nach Paris, 1934 bis 1938 lebt er in London, anschließend läßt er sich in New York nieder, wo er bis zu seinem Tod lebt.
      Die Musik von Rathaus wurzelt ursprünglich in Schrekers Klangtechnik (erstes Meisterwerk: Erste Symphonie), ehe sich Rathaus einem neoklassizistischen Idiom (Oper "Fremde Erde") zuwendet, das er mit der raffiniert schillernden Harmonik seiner früheren Werke verbindet.
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Nachdem sich jetzt eine gewisse Routine heraus schält, wäre ich allen Nominierenden dankbar, wenn sie mir die Arbeit erleichterten, indem sie ihre Texte wie folgt einstellen:

      Name (von - bis) Tätigkeit

      (bitte nicht in die Überschrift schreiben, sondern in den Text über das Bild, sonst muss ich das extra kopieren oder abschreiben)

      BILD bzw. Plattencover zentriert

      Text linksbündig, bis zu 10-12 Zeilen

      Links:

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      Texte, die gleich so aufgebaut sind, kann ich unverändert mit einem einzigen Klick einsortieren. Andere muss ich leider umbauen. Ich bitte auch zu beachten, dass ich alle Texte unverändert übernehme, also nicht nachrecherchiere o.ä., wenn mir nichts sofort auf- oder einfällt. Deshalb und auch, um Euch die gebührende Ehre zu belassen, werden Eure Nominierungen hier erhalten.

      Coverbilder aus Amazon oder jpc würden wir bevorzugen, weil die auch auf Bestellmöglichkeiten verlinken, von denen unser kommender Verein eine Kleinigkeit abbekommt. Wer nkcht weiß, wie er sie einstellen kann, möge bitte nachfragen. Ich habe mir jedenfalls die Websites der beiden Partner in meine Merkleiste kopiert, so dass ich sie jederzeit aufrufen kann, auch ohne dass wir hier ein Werbebanner haben:


      "http://www.jpc.de/jpcng/"

      "http://www.amazon.de/"

      Wenn ein passendes Cover gefunden wurde, die Platte anklicken, die Bestellnummer markieren und kopieren (bei Büchern ist das in der Regel die ISBN13 - Nummer) dann im Text auf das Icon oben für jpc oder amazon klicken und mit Steuerung/v in die markierte Lücke die Nummer einfügen. Fertig ist die Laube.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Dessau, Paul (1894-1979). Komponist



      Paul Dessau entstammt einer musikalischen Familie: Sein Urgroßvater und sein Großvater waren Kantoren der deutsch-israelitischen Gemeinde in Hamburg, sein Cousin Max Winterfeld tritt unter dem Namen Jean Gilbert als Operettenkomponist hervor. Als Solorepetitor und Kapellmeister arbeitet Dessau mit Klemperer und Walter zusammen. Als Komponist schreibt er zuerst primär Filmmusik.
      1933 emigriert Dessau nach Paris, wo er durch René Leibowitz in Schönbergs Zwölftontechnik eingeführt wird. 1939 emigriert er in die USA, wo er zum Kreis um Schönberg gehört. Nach dem Zerwürfnis zwischen Brecht und Weill nimmt Dessau die Stellung eines musikalischen Beraters Brechts ein, zu dessen Stücken er Schauspielmusiken komponiert. 1948 läßt sich Dessau in der DDR nieder, deren politischen Idealen er sich, ungeachtet zahlreicher Konflikte, verbunden fühlt.
      Dessau komponiert sowohl neoklassizistische als auch reihentechnische Werke, mitunter verbindet er Tonalität und Reihentechnik im selben Werk im Sinn einer musikalischen Dialektik. In späteren Werken kommen aleatorische Elemente sowie Zitate und Collagen hinzu.
      Hauptwerk der neoklassizistischen Phase ist die Oper "Die Verurteilung des Lukullus". Hauptwerke der späteren Phase sind die Opern "Puntila" und "Einstein" sowie das "Requiem für Lumumba" und das Orchesterwerk "Bach-Variationen".
      Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)
    • Gebirtig, Mordechaj (1877 - 1942). Dichter und Komponist.



      Der am 4.4.1877 in Krakau geborene Mordechaj Gebirtig war einer der bedeutensten Schöpfer jiddischer Lieder. Sein Lied "Undzer Shtetl Brent!" von 1938 wurde zur Hymne des jüdischen Widerstandes in den Ghettos. Am 4. Juni 1942 wurde Mordechaj Gebirtig im Krakauer Ghetto auf von einem deutschen Soldaten auf offener Straße erschossen. Auch seine Frau und seine drei Töchter werden von der SS ermordet.
      Mordechaj Gebirtig steht hier auch als Stellvertreter einer jiddischen osteuropäischen Kultur, die durch den Nationalsozialistischen Wahnsinn ausgelöscht worden ist.

      Links:

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      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Noch ein Gedanke:

      bislang sind alle Einträge anonym, wie bei einem redaktionellen Obituarium.

      Mir gefällt's zumal die Originale ja in dem Nominierungsthread stehen bleiben, aber wer seine Autorschaft des Eintrags gerne im Fließtext dokumentiert hätte, setze bitte seinen Nick in Kursiv ans Ende seines Textes.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Gurlitt, Manfred (1890 - 1972). Komponist



      In Berlin am 06.09.1890 geboren, erhielt Manfred Gurlitt auch dort seine musikalische Ausbildung bei Engelbert Humperdinck, Karl Muck und Moritz Mayer-Mahr. Zwischen 1908 und 1910 war Gurlitt dann Korrepetitor an der Berliner Hofoper und begleitete Karl Muck als Assistent zu den Bayreuther Festspielen. Es folgten Engagements in Essen, Augsburg und Bremen, wo Gurlitt GMD wurde und wo seine "Wozzeck"-Oper 1926 erfolgreich zur Uraufführung kam. Gurlitt war politisch links stehend und setzte sich vehement für die musikalische Moderne ein. 1933, Gurlitt war inzwischen wieder in Berlin engagiert, kam das Aufführungsverbot und die Entfernung aus allen öffentlichen Ämtern, der Komponist galt als "Kulturbolschewik", aber er emigrierte erst 1939 nach Japan. Auch dort wurde er auf Druck der Nazi-Diplomatie schnell aus allen Ämtern entlassen. Nach dem Krieg gelang es Gurlitt nicht mehr, in Deutschland Fuss zu fassen, dafür baute er massgeblich eine japanische Opernkultur mit auf, für die er zahlreiche Auszeichnungen des Gastlandes erhielt. In Tokio starb Manfred Gurlitt am 29.04.1972.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Alexander von Zemlinsky (1871 - 1942) Komponist und Dirigent



      Der geborene Wiener gehörte mit Werken wie der Lyrfischen Sonfonie, zahlreichen Kammermusikstücken und Liedern sowie Opern wie DREI WÜNSCHE, KLEIDER MACHEN LEUTE oder EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE zu den führenden und auch erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit, der von Gustav Mahler und vielen anderen gefördert wurde, aber als Dirigent trotz zahlreicher Erfolge nie wirklich reüssieren konnte. Zu seinen engen Freunden gehörte sein Schüler und späterer Schwager Arnold Schönberg. Als engagierter Vertreter der Musik der Moderne, war er den Nazis schon früh verhasst, aber seine Prominenz rettete ihm das Leben, obwohl er ein sogenannter Halbjude war. 1938 emigrierte er mit seiner Familie in die USA, wo er infolge der erlittenen Schicksalsschläge 1942 infolge einer Lungenentzündung und nach mehreren Schlaganfällen in Larchmont im Staate New York verstarb.


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    • Spiegel, Magda (1887 - 1944). Sängerin



      Magda Spiegel wurde am 03.11.1887 in Prag geboren und hatte ihr erstes Engagement in ihrer Geburtsstadt. Danach zog es die herausragende Altistin nach Düsseldorf, unternahm jedoch ebenso Gastspiele an anderen Häusern. Sie folgte dem Ruf Richard Strauss' nach Berlin, um schließlich 1917 ein Engagement an die Frankfurter Oper anzunehmen, wo sie zum Publikumsliebling aufstieg. 1935 war ihr letzter Auftritt als Ortrud in Lohengrin. 1942 wurde sie aus ihrer Heimatstadt Frankfurt nach Theresienstadt verschleppt, um am 19.10.1944 nach Auschwitz deportiert zu werden, wo sie vermutlich bereits am 20.10.1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.
    • Pechner, Gerhard (1903 - 1969) Sänger



      Der Bass-Bariton Gerhard Pechner, 1903 in Berlin geboren, gehörte zum Ensemble der Städtischen Oper Berlin, bevor er aufgrund seiner jüdischen Herkunft vom Berufsverbot betroffen war. Zuerst nahm Pechenr noch an Aufführungen des "Jüdischen Kulturbundes" als Interpret teil, er emigrierte dann aber über Süd- nach Nordamerika, wo er an der Met in New York eine neue künstlerische Heimat fand. Neben zahlreichen kleineren Partien war der Sänger auch u. a. als Beckmesser in den "Meistersingern" oder als Alberich im "Ring" zu hören. Gerhard Pechner starb 1969 in New York.
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    • Mamlok, Ursula (1923) Komponistin

      Mamlok, Ursula (*1923) Komponistin



      Ursula Mamlok wurde 1923 in Berlin geboren. Sie musste, aufgrund ihrer jüdischen Abstammung über Südamerika nach New York fliehen. Sie war Schülerin bei Roger Sessions, Stefan Wolpe und Ralph Shapey. Sie ist – nach ihrer eigen mündlichen Mitteilung von der 12-Tonmusik der Neuen Wiener Schule geprägt und dieser verbunden. Sie war auch zeitweise Schülerin bei George Szell und beklagte sich über dessen kompositorisch konservative Haltung. Ihr erstes Streichquartett widmete sie Milton Babitt. Vor ein paar Monaten hatte ich die Gelegenheit ihr 2. Streichquartett als Radiomitschnitt zu hören, dass mir spontan gefiel.

      Ursula Mamlok hat bisher ca. 75 Werke geschrieben. Seit 2006 lebt Ursula Mamlok wieder in ihrer Geburtsstadt Berlin.

      Links:

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      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Tauber, Richard (1891 - 1948 ) Sänger



      Richard Tauber, der am 16.05.1891 in Linz geboren wurde, gehörte zu den populärsten Sängern seiner Zeit. Von Wiesbaden aus, wo Tauber bei seinem Vater wohnte, besuchte der junge Mann das Hoch´sche Konservatorium in Frankfurt, wo Tauber Komposition, Klavier und Dirigieren studierte. Seine Gesangsausbildung erhielt der Tenor in Freiburg, ein erstes Engagement folgte am Theater in Chemnitz. Die Freundschaft mit Franz Lehár sollte für Tauber besonders fruchtbringend sein, viele von dessen Operettenpartien wurden für Tauber komponiert. Aber auch im jugendlichen Tenorfach der Oper (der Paul in Korngolds "toter Stadt" war eine seiner Glanzpartien) oder als Mozartsänger wusste Richard Tauber zu gefallen. Seine grosse Popularität verdankte Tauber auch seiner Mitwirkung in Tonfilmen, in denen ebenfalls oft gesungen wurde. Schon 1933 wurde das Klima in Deutschland für Richard Tauber, dessen Vater jüdischer Abstammung war, kühler. Aber erst 1938 nutzte der Tenor die Chance, nach England zu emigrieren, wo er seine Karriere fortsetzen konnte. Dort, in London, starb Richard Tauber am 08.01.1948.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Rudolf Kolisch (1896-1978 ). Geiger, Musiktheoretiker, Geigenlehrer.

      Der Österreicher Rudolf Kolisch stammte aus einer musikalischen Familie. Schon früh erhielt er Geigenunterricht, unter anderem von einem Mitglied des berühmten Rosé-Quartetts. Nach einem Unfall musste Kolisch die Geige seitenverkehrt spielen. Kolisch studierte unter anderem bei Otakar Ševčík, Franz Schreker und bei Arnold Schönberg, dessen Schwager er 1924 wurde. Anfang der 20er Jahre gründete er das Wiener Streichquartett, (später das Kolisch-Quartett), dessen Schwerpunkt die Aufführung zeitgenössischer Musik war.
      Nach zahlreichen Tourneen im Ausland ließ sich Kolisch ab 1937 in den USA nieder, wo er ab 1939 von einer Lehrtätigkeit lebte, da die Situation für die vielen emigrierten Musiker auf dem begrenzten amerikanischen Markt äußerst prekär war. 1944 wurde er Primarius des Pro Arte-Quartets. Kolisch schrieb zahlreiche musiktheoretische Schriften und widmete sich bis zu seinem Tod der Vermittlung zeitgenössischer Musik. Er starb am 1. August 1978 in Watertown, Massachusetts.
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Ančerl, Karel (1908 - 1973). Dirigent


      Karel Ančerl (geboren als Karel Antscherl) wurde in Tučapy, Südböhmen, geboren. Am Prager Konservatorium studierte er Dirigieren und Komposition. Er war Assistent von Hermann Scherchen und leitete das Orchester des Freien Theater in Prag. 1933-1939 leitete er das Orchester des Radio Prag. Am 12. November 1942 wurde er mit seiner Familie in das Konzentrationslager Terezín deportiert. Dort nahm er wesentlichen Anteil am musikalischen Leben. Er war Leiter des Theresienstädter Streichorchesters. Nach der Uraufführung der Etüde für Streicher von Pavel Haas wurde er am 15. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. In Auschwitz verlor er Frau und Sohn. Nach seiner Befreiung kehrte er zum Radio Prag zurück. 1950 wurde er musikalischer Direktor des Tschechischen Philharmonischen Orchesters. 1969 bis zu seinem Tod am 03. Juli 1973 leitete er das Sinfonieorchester Toronto.
      With music I know happiness (Kurtág)
    • Klemperer, Otto (1885-1973). Dirigent und Komponist.



      Zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung hatte sich Otto Klemperer bereits den Ruf als einer der besten Dirigenten seiner Generation erarbeitet, nicht zuletzt durch Aufführungen zeitgenössicher Werke, unter anderem von Schönberg, Strawinsky und Hindemith. Ein Aufführungsverbot für den "Kulturbolschewisten" erfolgte noch 1933. Otto Klemperer emigrierte im gleichen Jahr in die USA und wurde 1937 amerikanischer Staatsbürger.

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      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Kalter, Sabine (1889 - 1957) Sängerin



      Die polnische Mezzsopranistin Sabine Kalter (geboren am 28.03.1889 in Jaroslaw) kam nach einer Zwischenstation in Wien im Jahr 1915 an die Städtische Oper nach Hamburg. Dort sang sie rund 20 Jahre lang alles, was es in ihrem Fach gab: die grossen Wagner-Partien, Verdi, Strauss... Auch an Uraufführungen war Sabine Kalter beteiligt, so 1927 an der UA von Korngolds "Wunder der Heliane" in Hamburg oder z. B. als Gast in Berlin in Hindemiths "Neues vom Tage" (1929). Überhaupt gastierte Sabine Kalter an vielen bedeutenden Opernhäusern in Europa: in Wien, Paris oder beispielsweise in Brüssel war Sabine Kalter ein genauso gern gesehener Gast, wie an deutschen Bühnen. 1934 musste sich die Sängerin, die jüdischer Abstammung war, von ihrem Hamburger Publikum verabschieden. Sie emigrierte nach England und wurde dort, bis sie ihm Jahr 1939 ihre Karriere beendete, Mitglied der Covent Garden Opera in London. Nach dem Krieg kehrte Sabine Kalter noch einmal für ein Konzert im Jahr 1950 nach Hamburg zurück. Sie starb am 01.09.1957 in London.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Kraus, Edith (geb. 1913), Pianistin


      Edith Kraus wurde in Wien geboren. In der 20er Jahren studierte sie bei Artur Schnabel. 1933 heiratet sie Karl Steiner (sie ist auch unter dem Doppelnamen Steiner-Kraus bekannt). 1942 wurden sie und ihr Mann nach Terezín deportiert. Dort war sie eine der aktivsten Musikerinnen und gab Solokonzerte, spielte Kammermusik. 1943 spielte sie in Terezín die Uraufführung von Viktor Ullmanns 6. Klaviersonate. Die Familie von Edith Stein wird im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt in Terezín. 1949 siedelt sie nach Israel über. Hier unterrichtete sie viele Jahre an der Musikakademie Tel Aviv. Eine Aufnahme von Ullmanns 6. Klaviersonate existiert beim Label Koch (über Amazon Market Place noch erhältlich).

      Link: jeunessesmusicales-mv.de/index.php?id=157 (hier findet man ein ausführliches Videoportrait).

      With music I know happiness (Kurtág)
    • List, Emanuel (1886 (?) - 1967) Sänger



      Emanuel List gehörte zu den herausragenden "schwarzen" Bassisten seiner Zeit. Der in Wien geborene Sänger wurde in seiner Heimatstadt ausgebildet und debütierte dort auch an der Volksoper, bevor er in Berlin für über zehn Jahre Mitglied der dortigen Staatsoper werden sollte. Seine ungewöhnlich kräftige und dunkle Stimmfarbe prädestinierte List für Wagner-Partien, die er bis 1933 auch in Bayreuth interpretierte. 1934 musste der jüdische Künstler Deutschland verlassen, trat aber bis zum sog. "Anschluss" 1938 noch in Wien auf. Hauptwirkungsstätte wurde für List, der schon 1918 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, neben Covent Garden, die New Yorker Met. Nach dem Krieg kehrte List erst nach Berlin zurück, er sang nochmals eine kurze Zeit an der Staatsoper, dann übersiedelte List nach Wien. Dort starb Emanuel List am 21.06.1967.
      Der Kunst ihre Freiheit