Der Nominierungsthread zu Verfolgt, emigriert, ermordet...

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    • Liebe Capricciosi,
      ich finde es toll, wie viele Biographien schon zusammen gekommen sind und wie viele von Euch sich an dem Gedenktafelprojekt beteiligen. Ganz großer Dank natürlich an Rideamus für die Organisation des ganzen. :juhu:

      Mir sind auf die Schnelle einige bekannte Namen eingefallen, die auf der Tafel fehlen. Vielleicht hat jemand Lust, über sie zu schreiben?
      Béla Bartók
      Erich Wolfgang Korngold

      Josef Krips
      Rene Leibowitz
      Arturo Toscanini
      Michael Gielen
      Bronislaw Huberman
      Max Rostal
      Josef Tal

      Ich selbst würde gerne folgende übernehmen:
      Alice Herz-Sommer
      André Previn
      Arnold Rosé
      Anita Lasker-Wallfisch

      Aber es gibt noch so viele mehr...

      Danke an euch alle und liebe Grüße von

      :wink: Talestri
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Lieber Peter (Oper 337)

      die Verschiebung ist erledigt. Die dem Rahmen angepasste Kurzfassung Deines Textes werde ich morgen an Stelle Deines Kommentars auf meinen Vorschlag setzen, so dass Du den Text ggf. ändern kannst. OK? Ich gebe Dir per PN Bescheid, wenn es soweit ist.

      Liebe Amelia,

      Dein Angebot eines Textes über Joseph Roth nehme ich gerne an. Ich finde aber, dass Du den über Theodor Kramer nicht kürzen musst. Schon der über Paul Celan ist ja viel umfangreicher als die Musikerbiographien, und dem noch sehr jungen Literaturforum stehen längere Biographien m. E. gut an. Bei den Komponisten haben wir ja die vielen eigenen Threads zu den größeren Namen.

      Liebe Talestri,

      wenn sich Michael Schlechtriem nicht dafür engagieren will, übernehme ich gerne Wolfgang Korngold.

      Jedenfalls freut mich nicht nur Dein Lob, sondern vor allem, dass diese Threads offenbar wieder in Schwung kommen.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Busch, Adolf (1891 – 1952). Komponist und Violinist



      Adolf Busch wurde am 08. August 1891 in Siegen als Sohn des Instrumentenbauers Wilhelm Busch geboren. Bereits mit 4 Jahren trat er öffentlich auf. Nach seiner Ausbildung in Köln wurde er mit 21 Jahren Konzertmeister des Wiener Konzertverein-Orchesters (den heutigen Wiener Symphonikern). 1918 nahm er eine Professur an der Berliner Musikhochschule an. 1919 gründete er das weltberühmte Busch-Quartett, welches mit einigen Umbesetzungen wichtiger Angelpunkt seines Schaffens bis zu seinem Tod wurde. 1920 gründete er mit seinem Bruder Hermann sowie Rudolf Serkin das Busch-Serkin-Trio, welches über fast 30 Jahre bestand hatte. 1927 siedelte Adolf Busch nach Basel über, wo Yehudi Menuhin sein Schüler wurde. Ab 1933 sagte er alle Konzertverpflichtungen in Deutschland ab. 1938 war er Mitbegründer der Internationalen Musikalischen Festwochen in Luzern. Schließlich emigrierte er 1939 in die Vereinigten Staaten und mitbegründete dort die School of Music in Marlboro. Adolf Busch starb am 9. Juni 1952 in Guilford (Vermont). Adolf Busch gilt als der bedeutendste deutsche Geiger der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein kompositorisches Schaffen (u. a. 70 Werke mit Opuszahl) wird häufig in der Nähe von Reger, Brahms und z. T. Busoni gesehen.
    • Busch, Fritz (1890 – 1951). Dirigent



      Fritz Busch wurde am 13. März 1890 in Siegen als Sohn des Instrumentenbauers Wilhelm Busch in Siegen geboren. Bereits mit 19 Jahren wurde er Kapellmeister in Riga, darauf folgten Dirigententätigkeiten in Bad Pyrmont und Gotha. Von 1912 bis 1918 wurde er Kapellmeister in Aachen. 1918 folgte er einem Ruf nach Stuttgart, wo er bis 1922 Generalmusikdirektor und Hofkapellmeister wurde. 1922 begann die berühmte Ära an der Dresdner Semperoper und der Sächsischen Staatskapelle. Am 7. März 1933 beendete die Machtergreifung der Nationalsozialisten diese Tätigkeit („die berüchtigte SA-Pultvertreibung“) und Fritz Busch emigrierte nach England. Hier war ein gefragter Dirigent und gründete zusammen mit Carl Ebert die weltbekannten Glyndebourne-Festspiele, die Mozart-Aufnahmen von 1934-1936 zeugen davon. Weitere Stationen waren Buenos Aires, Stockholm, Kopenhagen, Edinburgh sowie Zürich. Am 26. November 1945 dirigierte Busch zur Wiedereröffnung der Metropolitan Opera New York Wagners „Lohengrin“. 1951 kehrte er nach Deutschland und Österreich zurück; sein Tod am 14. Januar 1951 machte die vorgesehene Berufung an die Wiener Staatsoper zunichte.
    • Busch, Hermann (1897 – 1975). Cellist



      Hermann Busch wurde am 24. Juni 1897 in Siegen als Sohn des Instrumentenbauers Wilhelm Busch geboren. Nach seiner Ausbildung in Köln und Wien wurde er Musiker des Sinfonieorchesters Brüssel. Von 1919 bis 1923 war er zuerst Solocellist in Bochum, dann Solocellist beim Sinfonieorchester in Wien. 1927 wurde er Lehrer an der Essener Folkwangschule. Hermann Busch trat als Solist, sowie als Kammermusikpartner mit seinen Brüdern Fritz und Adolf auf. Außerdem spielte er das Cello in dem berühmten Busch-Serkin-Trio. 1930 wurde er Mitglied des weltberühmten Busch-Quartetts, das unter der Leitung seines Bruders Adolf stand. 1933 emigrierte er in die Schweiz, ging 1940 in die USA und wurde Mitglied im Kammerorchester Adolf Busch. 1954 trat Hermann Busch eine Professorenstelle in Miami an. Er starb am 03. Juni 1975 in Bryn Mawr (USA).
    • Rideamus schrieb:


      ...
      Es gibt aber noch viele andere, die hier noch fehlen, und vielleicht können auch da einige andere noch mithelfen, unsere Gedenktafel weiter zu füllen. Ich habe mal folgende Namen notiert und wäre dankbar, wenn Ihr Euch meldet, welche davon - oder welche anderen Ihr gerne einen Kurznachruf für die Tafel widmen möchtet:

      Rosette Anday,
      Maria Hussa,
      Herbert Janssen,
      Fritzi Jokl,
      Sabine Kalter,
      Alexander Kipnis,
      Fritzi Massary (mache ich z. Zt.)
      Rose Pauly,
      Delia Reinhardt,
      Lotte Schöne,
      Elisabeth Schumann,
      PaulSchwarz,
      Vera Schwarz,
      Hilde Zadek
      ...

      Rideamus


      Hallo,

      übernehme Alexander Kipnis.

      Bis dann.
    • Previn, André (*1929) (Sir), Komponist, Pianist, Dirigent

      André Previn wurde 1929 als Andreas Ludwig Priwin in Berlin geboren. An der Hochschule für Musik in Berlin erhielt Previn Klavierunterricht, bis er 1938 als Jude zwangsexmatrikuliert wurde. Die Familie emigrierte nach Paris, von dort 1939 in die USA.
      Previn fand in Amerika schnell Kontakt zur Jazz- und Filmszene und arbeitete als Jazzpianist und Filmkomponist. Sowohl als Jazzmusiker wie als Komponist von Filmmusiken war Previn sehr erfolgreich (er wurde 12 Mal für den Oscar nominiert), dennoch stellte er die Weichen seiner Karriere Anfang der 60er Jahre neu und nahm Unterricht bei dem Dirigenten Pierre Monteux. 1963 gab er sein Debüt als Dirigent. Als Chefdirigent leitete er das Houston Symphony Orchestra, das London Symphony Orchestra, das Royal Philharmonic Orchestra, das Los Angeles Philharmonic Orchestra, das Philharmonische Orchester Oslo.
      Neben seiner Dirigiertätigkeit komponierte Previn zahlreiche Werke, unter anderem 1998 seine erste Oper "A streetcar named desire", sein Violinkonzert für die Geigerin Anne-Sophie Mutter, mit der er von 2002 bis 2006 verheiratet war, Lieder und Kammermusik.
      Previn ist sowohl als Pianist (Klassik und Jazz) wie als Dirigent wie als Komponist nach wie vor aktiv. Einen Überblick über seine Diskographie sowie seine Konzertdaten bietet die Seite:
      andre-previn.com/d_index.html
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      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Kipnis, Alexander (1891 -1978 ). Sänger



      Der Bass Alexander Kipnis wurde am 01. Februar 1891 in Shitomir (Ukraine) in ärmlichen Verhältnissen geboren. Nach ersten Schritten der Ausbildung bei einem Kantor studierte er Dirigieren und Gesang in Warschau, um dann in Berlin bei Ernst Grenzebach sein Studium fortzusetzen. Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurde er interniert, jedoch vom Lagerkommandanten, ein Bruder des Intendanten der Oper in Wiesbaden, zum Probesingen entlassen. Kipnis erhielt seine ersten Verträge für Hamburg (Debüt 1915) und Wiesbaden (1916-1919). 1919 folgte ein Vertrag für die Charlottenburger Oper Berlin (Städtische Oper Berlin). Danach sang der extrem vielseitige Kipnis an allen drei Berliner Bühnen. Nach ersten Erfahrungen in den USA folgte ein Engagement an die Oper in Chicago (1923-1932). Regelmäßige Gastauftritte an der Covent Garden Opera und bei den Bayreuther Festspielen (1927-1933) beförderten seine herausragende Stellung im deutschen, italienischen, französischen und russischen Fach. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten (1933) ging er an die Wiener Staatsoper und sang bis zum „Anschluss“ Österreichs (1938 ) bei den Salzburger Festspielen. Kipnis übersiedelte endgültig in die USA und war von 1940 bis 1946 an der Metropolitan Opera New York engagiert, an der er in der Saison 1946/1947 nach 32 Jahren seine Bühnenlaufbahn beendete und Lehrer an der Juilliard School of Music wurde. Viele halten Kipnis bzgl. Stimme, Technik, Expression und Timbre sowie aufgrund seiner Vielseitigkeit (Wagner, Verdi, Mozart, Weber, Rossini, Mussorgski, Rachmaninov u. a.; Liedgesang), für den „größten“ Bassisten des 20. Jahrhunderts. Alexander Kipnis starb am 14. Mai 1978 in Westport (USA).
    • Anday, Rosette (1903-1977) Sängerin, Gesangslehrerin, Geigerin

      Rosette oder eigentlich Piroska Anday wurde am 22. Dezember 1903 in Budapest geboren.


      Nach einem philologischen Studium an der Uni Budapest folgte sie ihren musikalischen Neigungen und belegte an der Königlich-Ungarischen Franz Liszt Landesmusikhochschule Violine bei Jenö Hubay und später Gesang bei Georg Anthes, Mme Charles Cahier und Gino Tessari. 1920 bekam sie ihr Diplom und debutierte an der Nationaloper Budapest. Bereits ein Jahr später engagierte Franz Schalk die erst 18jährige Sängerin für die Wiener Hofoper, wo sie sich als Carmen dem Publikum vorstellte. Ein Jahr später trat sie zum ersten Mal in Salzburg auf, dem sie lange Jahre hindurch die Treue hielt. Wichtige Stationen in der Karriere Rosette Andays waren die Pariser Grand Opéra, Covent Garden, die Scala, München, Amsterdam, Berlin, Gastspielereisen führten sie nach Nord- und Südamerika und nach Afrika.
      Rosette Andays Repertoire war breit gefächert: Sie sang Alt- und Mezzo-Partien aus den Opern von Mozart (Cherubino, Dorabella), Gluck (Orpheus), Weber (Fatima), Thomas (Mignon), Saint-Saens (Dalila), Verdi (Amneris, Azucena) und Wagner (Erda, Fricka, Brangäne), um die wichtigsten zu nennen.
      Im März 1938 erhielt Rosette Anday wegen ihrer jüdischen Herkunft Auftrittsverbot in Wien, ihr Vertrag wurde storniert und die Gagen eingefroren. 1940 erfolgte die offizielle Kündigung, nachdem ihr Mann Karl Bündsdorf vergeblich versucht hatte, ihre Weiterbeschäftigung und Aufnahme in die RMK zu erwirken.
      Nach dem 2.WK kehrte Rosette Anday an die Wiener Staatsoper zurück. Auch bei den Salzburger Festspielen trat sie wieder auf, so 1947 in der Uraufführung von Gottfried von Einems "Dantons Tod". 1961 verabschiedete sich Rosette Anday mit der Klytemnästra von ihrem Wiener Publikum. Sie starb am 18. September 1977 in Wien.

      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Weißmann, Frieder (1893 - 1984) Dirigent



      Frieder Weißmann studierte zunächst in München neben Musik auch Jura, bevor er über Mannheim nach Berlin kam, um dort bei Max von Schillings seine Studien als Dirigent fortzusetzen. Es folgten Engagements als Dirigent in Frankfurt am Main und Stettin, bevor Weißmann im Jahr 1920 nach Berlin zurückkehrte, diesmal als Dirigent an der Berliner Staatsoper. Mitte der 20er Jahre verliess Weißmann Berlin erneut und wandte sich, nach Zwischenstationen an den Opernhäusern in Münster und Königsberg mehr dem Konzertpodium zu, u. a. als Dirigent der in Dresden und des Concertgebouw-Orkest in Amsterdam. Anfang der 30er Jahre dirigierte Weißmann erneut in Berlin, diesmal bei den Berliner Philharmonikern. Schon 1933 verliess der jüdische Dirigent Deutschland und kam über Südamerika schliesslich 1937 in die USA. Seine dortigen Stationen waren u. a. San Francisco und New York. Nach dem Krieg machte sich Weißmann noch einen Namen als Mahler-Dirigent, dies vor allem in Italien. Noch heute gibt es zahlreiche Aufnahmen von Sängerinnen und Sängern aus den 20er und 30er Jahren, die Weißmann als Dirigent begleitete.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Weill, Kurt (1900 – 1950) Komponist



      Kurt Weill, am 02.03.1900 in Dessau geboren, war der Sohn des Kantors der jüdischen Gemeinde zu Dessau. Weill erlernte schon als Kind das Klavierspiel, vervollständigte seine musikalischen Kenntnisse während der Schulzeit und begann als Jugendlicher auch mit dem Komponieren. Mit 18 Jahren nahm Kurt Weill dann ein ordentliches Musikstudium in Berlin auf, schon mit 20 Jahren wurde er Kapellmeister in Lüdenscheid, ein Jahr später, 1921, studierte Weill dann bei Ferruccio Busoni, wieder in Berlin. 1926 heiratete Weill zum ersten Mal die Schauspielerin Lotte Lenya, 1927 begann die Zusammenarbeit Weills mit dem Schriftsteller Bertold Brecht., deren bekanntestes, gemeinsames Werk, „Die Dreigroschenoper“, 1928 in Berlin uraufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Weill bereits Lieder, orchestrale Musik und einige Opern komponiert. Seine Werke sind durchdrungen von der Musik der zwanziger Jahre und von den Tanzrhythmen dieser Zeit. 1930 folgt dann die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, der Text stammt wiederum von Brecht, die Uraufführung wird von Nazigruppen gezielt gestört. 1933 wird die Ehe mit Lotte Lenya geschieden, Weill wird aber die Schauspielerin 1937 ein zweites Mal heiraten. 1935 emigriert Weill über London in die USA. Eine biblische Oper „Der Weg der Verheissung“, mit dem Weill an seine jüdischen Wurzeln anzuknüpfen versucht, wird kein Erfolg. Der stellt sich erst mit seinen Arbeiten für den Broadway ein. 1943 wird Weill amerikanischer Staatsbürger und in Amerika, am 03.04.1950, stirbt Kurt Weill in New York, kurz nach seinem 50sten Geburtstag.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Jeral, Pavel (1890 – 1944 (?)). Sänger



      Der Tenor Pavel Jeral wurde am 15. Juli 1890 in Mladá Boleslav (Tchechien) geboren. Nach seiner Ausbildung am Konservatorium in Prag wurde er für 1919 bis 1923 vom Dirigenten und Komponisten František Neumann an das Opernhaus in Brno (Brünn) engagiert. 1923 bis 1924 folgte eine Verpflichtung an das Landestheater in Saarbrücken, Jeral trat jedoch weiterhin als Gast in Brno auf. Er wurde besonders als Sänger des Opern-Repertoires von Smetana, Dvořák und Janáček bekannt, so sang er am 23. November 1921 den ‚Tichon Kabanow’ in der Uraufführung von Janáčeks Oper „Katja Kabanowa“ am Nationaltheater in Brno. Von 1925 bis 1941 arbeitete er als Kantor für die Synagoge in Brno, trat aber weiter als Konzertsänger auf. Nach dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 und der Besetzung der restlichen Gebiete der Tschechoslowakei im März 1939 wurde Pavel Jeral als Jude verfolgt, verhaftet und nach Theresienstadt deportiert, wo er vermutlich 1944 ermordet wurde.
    • Ich habe eben versucht, eine Kurzbio zu Delia Reinhardt zu verfassen, bin aber bei der Internetrecherche auf zwei völlig verschiedene Angaben betreffend die NS-Zeit gstoßen: Nach der einen Quelle emigrierte sie 1938 in die USA und später in die Schweiz, nach der anderen blieb sie in Deutschland, ging aber als entschiedene Hitlergegnerin in die innere Emigration, verlor 1943 bei einem Bombenangriff ihr Haus und ganzes Hab und Gut und als Folge dieses Schockes ihre Stimme. Was also nun?? Das ist doch ein gravierender Unterschied! Weiß jemand von euch Näheres??
      lg Severina, ziemlich verwirrt :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Liebe Severina,

      nach meinen bescheidenen Kenntnissen düfte die erste Version die irrtümliche sein.

      Delia Reinhardt hatte sich zunächst in der Tat 1933 in die "Innere Emigration" begeben und ist erst 1948 mit Hilfe Bruno Walters in die USA emigriert.

      Nach dem Tode Walters 1962 übersiedelte sie in die Schweiz.

      Sie lebte dort in Dornach, einem Zentrum der Anthroposophie, da sie sich nach dem einschneidenden Erlebnis der Bombennacht 1943 intensiv mit dieser weltanschaulichen Richtung beschäftigt hatte. Den Zugang zur Anthroposophie hatte ihr seinerzeit der Dichter Oskar Franz Wienert eröffnet, den die ausgebombte Sängerin in ihrem vorübergehenden Asyl in Garmisch kennenlernte.

      Ich hoffe, das hilft Dir fürs erste weiter

      Momus
    • Lieber Momus,
      vielen Dank für deine Hilfe! Ja, genau diese Version habe ich auch gefunden, deshalb war ich ja so verblüfft, als ich in einem anderen (sehr oberflächlichem) Artikel zu Delia Reinhardt plötzlich von der Emigration 1933 las! Dann kann ich jetzt also beruhigt meine Kurzbio verfassen!
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Reinhardt, Delia (1892-1974) Sängerin (Sopran)

      Delia Reinhardt wurde am 27. April 1892 in Elberfeld geboren. Schon als Kind zeigten sich ihre künstlerische Begabung und ihr Musiktalent, das zunächst durch Gesangsunterricht in Wiesbaden gefördert wurde. Später studierte sie am Frankfurter Konservatorium bei Hedwig Schackel.



      1913 trat Delia Reinhardt ihr erstes Engagement an der Oper in Dresden an, von 1916-1923 gehörte sie dem Ensemble der Münchner Oper an, die unter der Leitung von Bruno Walter stand. Die Begegnung mit ihm war nicht nur künstlerisch, sondern auch menschlich bedeutsam für sie. Es folgten zwei Jahre an der MET, wo sie besonders in Wagnerpartien ihr Publikum beeindruckte.
      Max von Schilling holte Delia Reinhardt an die Münchner Staatsoper, aber die Machtergreifung Hitlers 1933 beendete ihre hoffnungsvolle Karriere. Als erklärte Gegnerin des NS-Regimes machte sie aus ihrer Einstellung kein Geheimnis und wurde mit einem Auftrittsverbot belegt. Trotzdem blieb sie in Deutschland, wo Wilhelm Furtwängler eine schützende Hand über sie hielt, und ging sozusagen in die innnere Emigration. 1943 fiel ihr Haus und gesamtes Hab und Gut einem Bombenangriff zum Opfer, der Schock schlug sich auf ihre Stimme - sie sollte nur mehr einige Male in privatem Kreis auftreten.
      Richard Strauss vermittelte Delia Reinhardt ein Asyl bei einer befreundeten Sängerin in Garmisch. Dort geriet sie in den Kreis von Anthroposophen und blieb dieser weltanschaulichen Richtung bis an ihr Lebensende eng verbunden.
      1948 holte sie Bruno Walter zu sich nach Santa Monica (Kalifornien). Nach dem Verlust ihrer Stimme besann sich Delia Reinhardt auf ihre anderen künstlerischen Talente und widmete sich der Malerei. 1962 starb ihr Lebensgefährte, sie kehrte Amerika den Rücken und ließ sich in Dornach in der Schweiz nieder, wo sich ein großes anthroposophisches Zentrum befand.
      Am 3. Oktober 1974 starb Delia Reinhardt in einem Klinikum in Arlesheim (CH).
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Martinů, Bohuslav (1890-1959). Komponist



      Bohuslav Martinů wurde geboren am 8. Dezember 1890 in Polička an der böhmisch-mährischen Grenze. Bereits mit Elf begann er mit Komposition. Zwischen 1920 und 1923 war er als zweiter Geiger in der Tschechischen Philharmonie tätig und gleichzeitig besuchte die Kompositionsklasse von Josef Suk. 1923 als er ein Stipendium für einen Aufenthalt in Paris erhielt, suchte er Albert Roussel auf und studierte Komposition bei ihm. Neben der Musik des französischen Impressionismus hinterließ nun die tschechische Volksmusik auch deutlich ihre Spuren in seinen Werken.

      Die Oper Juliette, die 1938 im Prager Nationaltheater uraufgeführt wurde, war sein letzter großer Erfolg in seiner Heimat, bevor das Land durch die Nationalsozialisten besetzt wurde. Sein nationales Engagement brachte Martinů in Gefahr, als die deutschen Truppen 1940 Frankreich besetzten. Martinů sah sich gezwungen, über Spanien und Portugal 1941 in die USA zu emigrieren. In Amerika entstand das Gedenkstück für Lidice, jenes tschechische Dorf, das die Waffen-SS als Vergeltungsmaßnahme für das Attentat auf den nationalsozialistischen Statthalter Heydrich vernichtete, nachdem sie alle männlichen Einwohner erschossen hatte.

      Nach Aufenthalten in Belgien, Holland und Paris ließ sich Martinů in 1953 in Nizza nieder. Er starb am 28. August 1959 in Liestal bei Basel.

      (Quelle: Martin Demmler, Komponisten des 20. Jahrhunderts, 1999, Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart)
      Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams
    • Schwarz, Vera (1888-1964) Sängerin (Sopran)

      Vera Schwarz wurde am 10. Juli 1888 in Agram geboren. Nach einem Gesangsstudium bei Philipp Forstén in Wien trat sie 1908 in einer kleinen Operettenpartie im Theater an der Wien erstmals vor ein Publikum. Der Operette blieb sie auch bei ihren nächsten Engagements treu, an der Oper Graz und am Wiener Johann-Strauss-Theater, wo sie als Rosalinde einen großen Erfolg feierte.



      Es folgten Verpflichtungen nach Karlsbad, Hamburg und Berlin, wo sie von 1918-1922 dem Ensemble der Staatsoper Unter den Linden angehörte. Im Rahmen eines Gastspiels trat Vera Schwarz 1921 zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper auf, die in den nächsten acht Jahren zu einem wichtigen Haus für sie wurde. Als Tosca, Carmen, Eva, Figaro-Gräfin und Rachel sang und spielte sie sich in die Herzen des Wiener Publikums.
      Von 1929-1933 war das Berliner Metropoltheater ihr Stammhaus, sie trat aber in den letzten beiden Jahren auch wieder häufig in der Staatsoper Unter den Linden auf. Große Popularität erlangte Vera Schwarz als Partnerin von Richard Tauber in den Operetten von Franz Lehár, sie sang auch in den Uraufführungen des "Zarewitsch" und "Land des Lächelns". Der Oper wurde sie deshalb nicht untreu, sie gastierte in Budapest, Amsterdam, London, Paris und 1929 auch bei den Salzburger Festspielen, wo sie den Octavian sang.
      Wegen ihrer jüdischen Abstammung musste Vera Schwarz 1933 Nazi-Deutschland verlassen. Sie kehrte an die Wiener Staatsoper zurück, wo sie im Jänner 1938 zum letzten Mal auf der Bühne stand, wieder gemeinsam mit Richard Tauber in "Land des Lächelns". Zwei Monate später holten sie die Nürnberger Gesetze auch in ihrer Heimat Österreich ein. Sie emigrierte nach England, wo sie als Lady Macbeth bei den Festspielen von Glyndebourne mitwirkte, und ein Jahr später in die USA. Neben einigen Auftritten an der Lyric Opera Chicago und der San Francisco Opera fand Vera Schwarz ihren künstlerischen Schwerpunkt nun als Konzertsängerin.
      1948 erfolgte die Rückkehr nach Wien, wo die Sängerin noch viele Jahre als Gesangspädagogin tätig war und schließlich zur Kammersängerin ernannt wurde.
      Am 4. Dezember 1964 starb Vera Schwarz in Wien.
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)