Jazz im Spielfilm

    • Jazz im Spielfilm

      Liebe Jazz- und Filmfreunde,

      im folgenden Thread können Spielfilme vorgestellt und bewertet werden, die sich entweder direkt mit dem Jazz befassen oder auch besonders durch den Jazz als Soundtrack geprägt werden. Dokumentationen würde ich gerne in einem separaten Thread abhandeln.

      LG
      C.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Round Midnight

      USA/F 1986
      Regie: Bertrand Tavernier
      mit Dexter Gordon, Francois Cluzet, Sandra Reaves-Philips, Herbie Hancock u.a.
      Musik: Herbie Hancock




      Taverniers Film erzählt die fiktive Geschichte der Freundschaft zwischen dem Saxofonisten Dale Turner und dem mittellosen Pariser Grafiker Francis Borler. Die Zeichnung der Hauptfigur beruht allerdings auf biografischen Versatzstücken der Jazzmusiker Lester Young und Bud Powell. Dale Turner ist ein in den 30er Jahren in New York berühmt gewordener schwarzer Saxofonist, der später zum Militär eingezogen wird und dort schwerste Misshandlungen erlebt. Dem Alkohol verfallen, beschließt er in den fünfziger Jahren, nach Paris zu gehen, wie es viele Jazzmusiker seinerzeit taten, da sie in Europa erstens bessere Einkünfte erzielen konnten und ihnen dort größerer Respekt als Künstler entgegen gebracht wurde als in den USA. Turner lernt den finanziell klammen Grafiker Francis Borler kennen, der zunächst nicht einmal das Eintrittsgeld für den Jazzclub aufbringen kann. Es entwickelt sich eine Freundschaft, von der beide profitieren werden. Bis es Dale Turner doch irgendwann wieder nach New York zieht...

      Der größte Glücksfall dieses Films ist die Besetzung der Hauptrolle: Saxofonist Dexter Gordon als Dale Turner beherrscht mit seiner physischen Präsenz den Film von der ersten Minute an. Dieser schlaksige Koloss spielt eigentlich sich selbst, angereichert mit einigen Marotten, die man Lester Young nachgesagt hat. Zweites Plus ist die Umsetzung der Musik. Alle Stück sind live am Filmset eingespielt, seien es Szenen im engen Club Blue Note oder im Tonstudio. Herbie Hancock hat die Musik arrangiert und mehrere Dutzend renommierter Musiker hinzu geholt, die alle in dem Film mitwirken. Beim ersten Sehen sind mir gar einige entgangen, so viele tummeln sich dort. (Wayne Shorter, Billy Higgins, Bobby Hutcherson, John McLaughlin, Tony Williams, Ron Carter, Palle Mikkelborg, Pierre Michelot, um nur einige zu nennen). Feine Gastauftritte gibt es noch von Martin Scorsese und Philippe Noiret.

      Für Jazzfreunde gibt es einiges zu entdecken. Die Liebe steckt hier sowohl im Detail als auch in der behutsamen Annäherung an die Hauptpersonen. Dexter Gordon war für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert (den dann Paul Newman gewann). Herbie Hancock erhielt die Trophäe für den besten Soundtrack.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Mo' Better Blues

      USA 1990
      Regie: Spike Lee
      mit Denzel Washington, Wesley Snipes, Spike Lee, John Turturro, Samuel L. Jackson, Ruben Bladés u.a.
      Musik: Terence Blanchard




      Spike Lee hatte Ende der achtziger Jahre mit Filmen wie She's Gotta Have It und vor allem Do the Right Thing als junger schwarzer Regisseur für Furore gesorgt. Besonders letzterer, der die ethnische Eskalation an einem heißen Sommertag in Brooklyn beschreibt, ist ein kraftvolles Stück Kino, akustisch untermalt vom damals astreinen Hip Hop Public Enemies. In Mo' Better Blues wendet sich Spike Lee 1990 dann dem Jazz zu. Das Ergebnis ist eher enttäuschend.

      Denzel Washington spielt den Trompeter Bleek Gilliam, der aufgerieben wird zwischen Auseinandersetzungen innerhalb seiner Band, der Affäre mit zwei Frauen, den schlitzohrigen Club-Besitzern und den Kredithaien, die seinen besten Freund in die Mangel nehmen wollen. Irgendwann explodiert dieses unheilvolle Gebräu und Bleek Gilliam steht vor den Trümmern seiner Karriere.

      Die Musik ist in Ordnung. Eingespielt wurde sie vom Quintett um Trompeter Terence Blanchard und Saxofonist Branford Marsalis. Die Schauspieler "Imitieren" also nur das instrumentale Spiel, machen ihre Sache aber verdammt gut. Lediglich Schlagzeuger Jeff "Tain" Watts spielt sich selbst, weil es wohl unmöglich ist, Schlagzeugspiel im Playback-Verfahren echt wirken zu lassen.

      Mit Mo' Better Blues hat Spike Lee leider einen Hochglanz-Film abgeliefert, dem jede Tiefe fehlt und wirkliches Interesse an den Figuren vermissen lässt. Visuelle Gimmicks wie bestimmte Lee'sche Kamerafahrten oder Dialogsituationen finden sich auch hier und machen Spaß, sind aber inhaltlich nicht so eingebunden und gerechtfertigt, wie man das sonst von ihm kannte.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • Louis Malle / Miles Davis: FAHRSTUHL ZUM SCHAFFOTT

      Es ist wirklich erstaunlich, wie viele gute Jazzfilme es gibt, aber ich stelle jetzt nur mal einen ein um eine Diskussion zu diesem reizvollen Thema in Gang zu bringen. Leider muss ich mich derzeit nämlich um andere Dinge kümmern.

      Einer der klassischen Filme, die erst durch die Sprache des Jazz ihre volle Wirkungskraft entfalteten, war Louis Malles klassischer Thriller von 1957:



      Es ist unglaublich, dass dies der Debütfilm seines Regisseurs war, denn er wirkt auch heute noch ungemein zeitgemäß und traumwandlerisch sicher inszeniert. Seit ich ihn zum ersten Mal sah, gehörten jedenfalls Maurice Ronet und sowieso Jeanne Moreau anhaltend zu meinen Lieblingsdarstellern und haben die Erwartung, die diese frühe Begegnung weckte, eigentlich nie enttäuscht.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Kansas City

      USA 1996
      Regie: Robert Altman
      mit Harry Belafonte, Jennifer Jason Leigh, Steve Buscemi, Miranda Richardson u.a.
      Musik: Hal Willner



      Der große Robert Altman hatte mit The Player (1992) und Short Cuts (1993) ein fulminantes Comeback hingelegt. Doch anders als in diesen Meisterstücken, gelingt es Altman in Kansas City nicht, die vielen Handlungsfäden souverän in der Hand zu halten und zu verknüpfen. Immer mehr zerfasert die Geschichte rund um den Hey Hey Club, die Figur Charlie Parkers, den Gangsterboss Seldom Seen, die chaotische Entführung einer bourgoisen Dame und einigem mehr. Das Spiel ist teilweise hölzern, im Falle von Jennifer Jason Leigh gar schlicht unerträglich. Angesichts des Handlungschaos' setzt recht bald ein gewisses Desinteresse am Fortgang der Geschichte ein.

      Musikalisch hat der Film aber manches zu bieten: Die hauseigene Big Band des Hey Hey Clubs ist bestückt mit echten Hochkarätern, die den Big Band Sound der dreißiger und vierziger Jahre aufleben lassen und dabei doch auch ein Stück Modernität einfließen lassen. David Murray und Don Byron sind dabei, ebenso wie Nicholas Payton, Ron Carter, Victor Lewis oder Christian McBride. Besonders Joshua Redman und James Carter liefern sich wilde Duelle am Tenorsaxofon, was sicherlich als Hommage an Lester Young und Coleman Hawkins gedacht sein soll.
      „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
    • USA 1988
      Regie Clint Eastwood
      mit Forest Whitaker (Auszeichnung als bester Schauspieler bei den Filmfestpielen in Cannes), Diane Venora, Michael Zelniker, Samuel E. Wright u.a.



      Der Film erzählt das kurze und an tragischen Momenten reiche Leben des großen Charlie "Bird" Parker (1920-1955). Die Erzählstruktur ist eine mehr assoziative als lineare Reihung von Szenen aus Birds Leben, von den Jugendtagen in Kansas City bis zu seinem Tod in der Suite der Jazz-Sponsorin Baroness Pannonica de Koenigswarter. Eastwood gelingt eine leidenschaftliche Hommage an eine der großen Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. In Erinnerung bleibt auch das intensive Spiel des Hauptdarstellers Forest Whitaker.
      Der Film ist häufig für die technische Erstellung der Tonspur kritisiert worden: Aus Parkers Originalaufnahmen wurde elektronisch die Saxophon-Stimme isoliert und mit neu aufgenommener Musik gemischt. Dieses Verfahren erlaubte es, Parker original im Film zu hören und trotzdem eine Publikumskompatible Tonqualität zu erhalten. Der Kompromiss ist zwar irgendwo faul, macht den Film aber nicht weniger sehenswert.
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)


    • Los geht´s:

      1941 entsteht Hellzapoppin, ein Revuefilm, der sein eigenes Genre persifliert. Ganz ehrlich: ein lustigeres und durchgeknallteres kreatives Chaos habe ich noch nie gesehen. Die Handlung zu beschreiben ist völlig unerheblich, denn sie hat mit der Qualität des Filmes nichts zu tun. Stattdessen jagt ein Jux den nächsten... und diesmal ist "jagen" wirklich der richtige Ausdruck. Mir fällt eine einzige Szene ein, an der man kurz zum Luftholen kommt, dann setzt sich der Wahnsinn in noch viel stärkerem Maße als zuvor fort. Das Ganze unterliegt einer ausgeklügelten Dramaturgie: am Ende bleibt kein Stein auf dem andern... sogar die Handlung selbst hat vor den anarchischen Einfällen Reißaus genommen. Unterwegs werden keine Gefangenen gemacht: Handlungsebene? Langweilig! Wir zeigen einen Film im Film im Film! Bewegtes Bild? Langweilig! Wir lassen die Leinwand wackeln! Ironie? Langweilig! Wir begegnen der Ironie selbst mit Ironie! MetaMetaMeta...

      Well... (schnauf). Der Grund, warum der Film in diesem thread auftaucht ist natürlich die Musik (schmissiger Swing), aber vor allem eine unglaubliche Tanznummer, in der die "Whiteys Lindy Hoppers" (im Abspann als "Harlem Cangaroo Dancers" bezeichnet), die irrsinnigste Lindy-Hop-Nummer der Filmgeschichte hinlegen.

      Der Film war als DVD bzw. Video jahrelang nicht zu bekommen und wurde in deutschen Kinos nur selten gezeigt. Seit etwa einem Jahr bekommt man ihn in einer mäßigen Qualität, die aber ausreicht, um das Juwel schätzen zu können, das sich da vor unserem Auge abspult. Unbedingt ansehen!

      Tharon.
    • Nun hatten wir im Thread "Juwelen der frühen Popmusik" so viel die Rede von Lena Horne, Cab Calloway, Bojangles Robinson, Duke Ellington etc. - hier ist der passende Film zur Ära:





      Für meinen Geschmack vermittelt er ein auf jeden Fall faszinierendes, wenn auch etwas zu sehr stilisiertes und geschöntes Bild vom Harlemer Nachtleben der 20er Jahre. Außerdem wird mir einfach zu viel herumgeballert. Dennoch unbedingt sehenswert - allein schon wegen der Tab Dance-Einlagen von Gregory Hines!

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Da gibt es einen besonderen Film für mich aus den 80ern, damals aufgenommen und abgespielt und abgespielt bis das Band riss:





      Besonders in Erinnerung blieb mir bei diesem wirklich poetischen Film über gestrandete Menschen (mit Nick Nolte und Debra Winger in ihrer besten Zeit) an der kalifornischen Küste (nach John Steinbeck) die Filmmusik, ich habe sie lange gesucht und nie gefunden. Nun gibt es seit einiger Zeit endlich eine DVD des Films. :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

      Die Swamp Boogie Piano-Musik stammt von Dr. John aus den Südstaaten, wer die wundervolle Trompete blies kann ich bis heute nicht feststellen.

      Vielleicht weiß ja jemand von Euch das.

      Liebe Grüße von der auch oft filmbegeisterten

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Anatomy of a Murder, von Otto Preminger 1959 nach einem Roman von Robert Traver gedreht, gilt als einer der besten Justiz-Thriller aller Zeiten. In der Hauptrolle eines Rechtsanwalts ist James Stewart zu bewundern. Damals vor über 50 Jahren war es in den USA ein ungeheurer Skandal, dass ausführlich (im Zusammenhang mit Ermittlungen über eine angebliche Vergewaltigung) vom Höschen einer Frau die Rede war 8| In einer Nebenrolle als Klavierklimperer war der Mann zu sehen, dem die unvergleichliche Musik zu verdanken ist: Duke Ellington.





      Für die Filmmusik gewann der Duke, der schon 30 Jahre zuvor eine Filmmusik zu "Black and Tan Fantasy" geschrieben hatte und zwei Jahre später den Film "Paris Blues" untermalte, damals völlig zu Recht einen Grammy für den besten Soundtrack. Im Grunde hat Ellington hier ein ganz neues musikalisches Genre erfunden: Den "Crime Jazz". Erstmalig wurde hier Big Band Jazz komponiert, um ganz unterschiedliche Stimmungsbilder des Krimi-Skripts einzufangen. Quincy Jones und andere sind dann mit ihren Film-Soundtracks (zB zu Sidney Lumets "The Pawnbroker") auf diesem Weg voran geschritten.

      Besonders schön ist, dass der Duke trotz aller Vorgaben genügend Freiraum für Improvisationen seiner glänzenden Solisten gelassen hat. Noch schöner ist, dass dieser Soundtrack - anders als etwa Henry Mancinis großartige Filmmusiken - auch ohne Film als reines Jazz-Album sehr viel Freude bereitet.

      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Vielleicht darf ich, um diesen schönen Thread nach 1 1/2 Jahren wiederzubeleben, ein Posting von mir recyceln, welches ich heute mittag im "Gerade goutiert"-Thread geschrieben habe. Hier, in diesem Thread, passt es aber besser (zumal es thematisch zum vorstehenden Posting von GL passt):

      Bei uns laufen gerade zwei Soundtracks, die ich nicht nur deswegen schätze, weil die jeweiligen Filme sehr gut sind, sondern weil hier auch rein musikalisch gute Arbeit geleistet wurde: "Odds against tomorrow" (komponiert von John Lewis) und "Anatomy of a Murder" (komponiert von Duke Ellington)


      Auf der erstgenannten CD ergibt sich die bemerkenswerte Konstellation, dass Milt Jackson, Percy Heath und Connie Kay nicht mit John Lewis zusammenspielen, sondern mit Bill Evans (deswegen ist auch nicht das Modern Jazz Quartet unter den Mitwirkenden aufgeführt). John Lewis dirigierte das Orchester, saß deshalb nicht am Klavier. Bill Evans als Interpret von John Lewis-Kompositionen mit einem Dreiviertel-Modern Jazz Quartet plus Jim Hall als Basis des Orchesters ist natürlich ein wahrer Leckerbissen :klatsch:

      Beim "Anatomy of a Murder"-Soundtrack bin ich wieder mal erstaunt, wie visionär Duke Ellington war. Der Bläsersatz in "Sunswept Sunday" zum Beispiel klingt original wie ein Vince Mendoza-Arrangement aus dem 21. Jahrhundert. Bei einem blindfold-Test würde ich sofort: "Das ist Mendoza!" ausrufen. Ellington war seiner Zeit in geradezu unglaublicher Weise voraus. Beziehungsweise andersherum: er hat die Basis gelegt für alles, was im Bereich Big Band nach ihm kam.
    • Ray (Taylor Hackford, 2004)

      Obiges movie werde ich mir vorraus. Pfingsten (im Rahmen der D`er "Jazz Rally") ansehen...
      - mag hier der eine oder andere darüber berichten??
      UND würde ich unverzeihlich viel versäumen, falls ich mir nur die ersten ca. 80 Min. ansehen täte??

      THANKS :) der der mstislav war
      Fleiß ist gefährlich (Henning Venske >Inventur<) Majo ist ätzend (Gus van Sant >Paranoid Park<) Hollywood ist ein Witz (Aki Kaurismäki)


    • Herbie Hancock nahm seinen ersten Soundtrack für Michelangelo Antonioni's Blow Up auf - zwei mal, denn die erste Version mit englischen Musikern (Film und Soundtrack wurden in London gedreht) gefiel ihm dann nicht mehr genug. In New York nahm er die bekannten Versionen auf, mit Freddie Hubbard, Joe Henderson, Ron Carter, Jack de Johnette, Phil Woods, Jim Hall ... die CD letzter Bauart enthält zwei der Outtakes. Ein paar der Stücke spielt die am Anfang ihrer Karriere stehende englische Rockband Yardbirds, deren Gitarrenzertrümmerungsszene im Film mit Jeff Beck eine gewisse Berühmtheit erlangte.



      Die DVD des Film erlaubt übrigens, nur den Soundtrack zu hören, ohne Dialoge - und zwar auch in der alternativen Fassung! (Sicher weiss ich das allerdings nur von der nachstehend verlinkten DVD-Ausgabe.)

    • Für den wegen des Umgangs mit dem Thema Selbstjustiz umstrittenen Film Death Wish mit Charles Bronson in der Hauptrolle schrieb Herbie Hancock einen eher konventionellen Soundtrack, der z.T. die Musiker seiner damaligen Band Headhunters einsetzt - Bennie Maupin hat im letzten Titel ein tolles Solo, Harvey Mason spielt ein makelloses Schlagzeug, Bill Summers fantasievolle Percussion, Paul Jackson seinen typischen funky E-Bass - das ist eher nicht jazzig, aber sehr gut gemacht. Die Soundtrack-CD scheint es nur noch gebraucht zu geben.



      Ebenfalls mit den Headhunters (Bennie Maupin, Paul Jackson, Mike Clark, Bill Summers) machte Hancock die Musik für einen hierzulande unbekannten Agententhriller, The Spook Who Sat By The Door - leider enthält der Soundtrack die Musik nur mit den im Film darüberliegenden Dialogen und Geräuschen. Das musikalisch anspruchsvollste Stück der zweiten Headhunters-CD Thrust, Actual Proof, hat hier seinen Ursprung.

    • music lover schrieb:

      Vielleicht darf ich, um diesen schönen Thread nach 1 1/2 Jahren wiederzubeleben, ein Posting von mir recyceln, welches ich heute mittag im "Gerade goutiert"-Thread geschrieben habe. Hier, in diesem Thread, passt es aber besser (zumal es thematisch zum vorstehenden Posting von GL passt):

      Bei uns laufen gerade zwei Soundtracks, die ich nicht nur deswegen schätze, weil die jeweiligen Filme sehr gut sind, sondern weil hier auch rein musikalisch gute Arbeit geleistet wurde: "Odds against tomorrow" (komponiert von John Lewis) ...


      Auf der erstgenannten CD ergibt sich die bemerkenswerte Konstellation, dass Milt Jackson, Percy Heath und Connie Kay nicht mit John Lewis zusammenspielen, sondern mit Bill Evans (deswegen ist auch nicht das Modern Jazz Quartet unter den Mitwirkenden aufgeführt). John Lewis dirigierte das Orchester, saß deshalb nicht am Klavier. Bill Evans als Interpret von John Lewis-Kompositionen mit einem Dreiviertel-Modern Jazz Quartet plus Jim Hall als Basis des Orchesters ist natürlich ein wahrer Leckerbissen :klatsch:


      Auf dieser preiswerten Doppel-CD bekommt man den Soundtrack und die Quartettversion der für den Film komponierten Stücke - das Titelstück halte ich für eine der besten Kompositionen von Lewis überhaupt!



    • Kultstatus unter Blue Note Fans hat die Musik von Freddie Redd für The Connection, ursprünglich ein Theaterstück, aber dann auch verfilmt. Jackie McLean dominiert hier so sehr, dass man es für eine seiner Platten halten könnte. Die Band spielt im Film auch live mit!

    • Tharon schrieb:

      Kennt den jemand? Ich würde ihn gerne sehen, aber er kostet bei amazon derzeit 47,- €.


      Ich habe den vor Jahren, als er im Kino herauskam, gesehen und war sehr angetan, ja sehr angerührt, dabei vermeidet Bernard Tavernier irgendwelche Sentimentalitäten und Heldengeschichten a la Hollywood-"The Story of...". Auch hier ist die Musik wesentlich von Herbie Hancock geschrieben. Die Story ist sehr stark an der realen Geschichte Dexter Gordons und seines französischen Freundes, der auch am Drehbuch mitwirkte, orientiert. Dexter Gorden spielt sich bewegend selbst und bläst ganz wunderbar. Ihm gelang damit sein breiter wahrgenommenes Comeback. In meiner Erinnerung ist Tavernier damit einer der schönsten Jazzfilme überhaupt gelungen. Würde ich selbst sehr gerne mal wieder sehen, aber der Preis ist zu hoch. Ich werde mal in Bibliotheken danach suchen. Gebraucht bekommt man den sicherlich auch irgendwo mal billiger.

      :wink: Matthias