Angepinnt Verboten, vertrieben, ermordet - Naziopfer in Film und Medien

    • Guntermann, Maria (1901 - 1968). Sekretärin

      Maria Guntermann wird 1928 bei der WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG) angestellt als Sekretärin von Hans Stein (s. hier unter Stein) in der Vortragsabteilung. Wegen ihrer Zugehörigkeit zum Betriebsrat und politischer Unzuverlässigkeit wird sie im Juni 1933 entlassen. Nach dem Krieg arbeitet sie bis zum Ruhestand 1965 beim Südwestfunk. Sie stirbt am 22.10.1968 in Köln.
    • Tigges, Wilhelm (1894 - 1986). Prokurist, Ltr. Der Programmverwaltung

      Wilhelm Tigges wird 1894 in Datteln geboren. Er besucht das Gymnasium und wird nach dem Abitur Bankvolontär. Ab August 1914 nimmt er am 1. Weltkrieg teil, er erhält dafür das EK I sowie EK II. 1924 beginnt er ein Studium in Köln, nach der Promotion 1928 wird er bei der WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG) Prokurist und Leiter der Programmverwaltung. Im April 1933 wird er zunächst beurlaubt und dann entlassen. Nach einem Besuch bei seinem Freund und ehemaligem Kollegen Hans Stein, der nach Amsterdam emigrierte (s. hier unter Stein), wird ihm der Pass entzogen.
      Wilhelm Tigges findet eine leitende Stellung in der Wirtschaft, wo er zuletzt Präsident des ZAW (Zentralausschuss für Werbewirtschaft) ist. Er stirbt im Oktober 1986 in Pöcking.
    • Stein, Hans (1894 - 1941). Redaktionsleiter Wirtschaft u. Soziales

      Hans Stein wird 1894 in Köln geboren. Nach dem Abitur 1914 studiert er zunächst Philosophie, Geschichte und Sprachwissenschaften in Bonn. Im August 1914 meldet er sich als Kriegsfreiwilliger, wird allerdings im Herbst wegen Krankheit entlassen. Vom Frühjahr 1914 bis November 1918 nimmt er wieder am Krieg teil, zuletzt als Kompanieführer. Er wird mit dem EK I und dem EK II ausgezeichnet. Ab 1919 studiert er in Köln Nationalökonomie, Wirtschaftsgeschichte und Sozialpolitik bis zur Promotion 1921. Danach arbeitet er u.a. als Assistent am Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv Köln. 1923 tritt er die die KPD ein und engagiert sich in der Folgezeit im Volksbildungswesen und besonders am freigewerkschaftlichen Seminar, das in Köln durch Dozenten wie Paul Honigsheim, Hans Mayer und Georg Beyer bekannt wird. Von November 1925 bis 1928/29 ist er wissenschaftlicher Korrespondent am Marx/Engels Institut Moskau und Mitarbeiter an der Marx/Engels Gesamtausgabe (MEGA), dafür reist er auch mehrmals zu Studienaufenthalten nach Moskau.
      Ab 1927 ist Stein freier Mitarbeiter der WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG). Im September 1928 wird er dort Leiter der Abteilung Wirtschaft und Soziales. Unter seiner Leitung entstehen dort längere Sendereihen zu praktischen Fragen von Arbeiter- und Handwerkerschaft, Industrie und Landwirtschaft. Besondere Aufmerksamkeit widmete er in den folgenden Jahren den Problemen der Arbeitslosigkeit.
      Im April 1933 erhält Hans Stein die Kündigung wegen seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie und der Mitarbeit an der MEGA. Da seine Bemühungen um eine neue Arbeitsmöglichkeit vergeblich sind, emigriert er 1934 nach Holland. Er findet Aufnahme am Internationalen Institut für Sozialgeschichte, dessen deutsche Abteilung er ab 1937 leitet. 1938 wird er ausgebürgert, 1939 sein Doktorgrad aberkannt. Im August 1939 flüchtet er mit dem Institut nach Grossbritannien.
      Hans Stein stirbt am 03. 07, 1941 in Harrowgate/GB.
    • Stern, Walter (1896 - 1970). Redaktionsassistent

      Walter Stern wird am 18. 01. 1896 in Troisdorf geboren. Nach dem Studium in Köln wird er als Assistent in der Vortragsabteilung für das Referat Architektur und Bildende Kunst bei der WERAG angestellt. Gleichzeitig ist er Redakteur der Zeitschrift “a - z. Organ der Gruppe progressiver Künstler Köln “. Im März 1933 scheidet er aus der WERAG aus und flüchtet über Frankreich nach Barcelona und Ibiza. 1936 trifft sich die aus Deutschland und Ibiza kommende Familie in Zürich, von dort emigrieren sie gemeinsam nach Kolumbien. In Kolumbien arbeitet Stern als Fotolaborant, Dozent für Kunstgewerbe, er fertigt Wetterhäuschen an und verkauft diese, schließlich wird er Milchfachmann in einer Pasteurisierungsanstalt.
      Walter Stern stirbt 1970 in Cartagena, Kolumbien.
    • Sand, Hans (1895 - 1970). Stellv. Verwaltungsleiter

      Hans Sand wird am 05.07. 1895 in Sürth bei Köln geboren. Er ist Bankangestellter als er 1928 zur WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG) kommt, um dort Bürovorsteher und stellvertretender Abteilungsleiter zu werden. Im Juni 1933 erhält er die Kündigung. Von 1935 - 1945 arbeitet er wieder als Verwaltungsleiter bei der Reichsrundfunkgesellschaft in Berlin.
      1950 wird er Verwaltungsleiter beim NWDR in Köln, 1961 geht er als Hauptabteilungsleiter Verwaltung in den Ruhestand, 1970 ist er in München verstorben.
    • van den Wyenbergh, Marie Theres. Leiterin des Frauenfunks

      Marie Theres van den Wyenbergh wird 1902 in Düsseldorf geboren. Sie absolviert eine Ausbildung in der Wohlfahrtspflege. Ab 01. 01. 1928 ist sie bei der WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG) als Assistentin in der Vortragsabteilung und Leiterin des Frauenfunks angestellt. Als politisch unzuverlässig und weil sie sich negativ über Hitler geäußert habe, wird auch sie 1933 entlassen. Nach längerer Arbeitslosigkeit findet sie eine Stelle bei Krupp in Essen. Von 1947 - 1962 ist sie Leiterin des Frauenfunks beim Südwestfunks.
    • Beyer, Georg (1884 - 1943). Journalist

      Georg Beyer wird 1884 in Breslau geboren. SPD-Mitglied seit 1905 ist er 1906 - 1908 im Herausgeberstab von SPD Publikationen in Dortmund und Erfurt, ab 1912 bei der Rheinischen Zeitung in Köln. Als Stadtrat in Köln ab 1919 profiliert er sich als Kulturpolitiker und sympathisiert mit dem christlichen Sozialismus. Wegen seiner jüdischen Herkunft wird er von den Nationalsozialisten schon früh bedroht und schikaniert.
      1933 flüchtet er mit seinem Freund Wilhelm Sollmann ins Saarland, dort gibt er die antifaschistische “Deutsche Freiheit” heraus. 1935 geht er ins Exil nach Südfrankreich, wo er unter falschem Namen lebt. Trotz schwerer Krankheit schreibt er noch Artikel für den ”Neuen Vorwärts” und andere Emigrantenzeitungen.
      Vollständig gelähmt ist Georg Beyer unbekannt in einem Kloster in Toulouse gestorben.
    • Beradt, Charlotte (1907 - 1986. Journalistin, Publizistin

      Charlotte Beradt wird am 07. 12. 1907 in Forst (Lausitz) geboren und wächst in Berlin auf. Dort wird sie auch freie Mitarbeiterin für verschiedene Tageszeitungen und Zeitschriften. Ab 1930 ist sie Autorin von Ossietzkys “Weltbühne”. Als KPD-Mitglied verlässt sie die Partei unter dem Eindruck der Stalinisierung. Nach 1933 ist ihr als Jüdin keine Berufsausübung mehr möglich. 1938 heiratet sie den Schriftsteller und Juristen Martin Beradt (1881 - 1949) und geht mit ihm über London ins Exil nach New York. Martin Beradt ist zu dieser Zeit schon fast nahezu blind. Das Ehepaar ist vollständig mittellos; Charlotte Beradt verdient ihren Lebensunterhalt als Friseurin, Haare färben, Dauerwellen bzw. Haare entkrausen.
      Nach 1945 beginnt Charlotte Beradt wieder als Journalistin zu arbeiten. Sie lebt mitten im Puertorikaner-Viertel von New York und bekommt schon früh einen Blick für die Rassenproblematik. Ihre Sympathie gehört der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung. Sie ist befreundet mit Hannah Arendt und übersetzt einige ihrer Werke ins Deutsche. Nach Bekanntschaft mit dem Kulturredakteur Roland Wiegenstein schreibt sie auch viele Beiträge für den WDR Hörfunk.
      1966 veröffentlicht Charlotte Beradt eine Sammlung von Träumen aus der Zeit des Nationalsozialismus, “Das Dritte Reich des Traums”, 1969 erscheint ihre Biographie von Paul Levi, Freund und Verteidiger Rosa Luxemburgs. Später gibt sie noch eine Auswahl der Briefe von Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis an
      deren Freundin und Sekretären Mathilde Jacob heraus.
      Charlotte Beradt ist bis ins hohe Alter journalistisch tätig. Sie stirbt am 15. 05. 1986 in New York.

      "http://www.exil-archiv.de/html/biografien/beradt.htm"

      (Martin Beradt s. hier: Literatur: Lesen, Verfolgt …)
    • Grete Mosheim – Schauspielerin 1905 – 1986

      Vorbemerkung: Da dieser Thread innerhalb von zwei Jahren nicht die halbe „Einschaltquote“ erreicht hat wie die aktuelle Diskussion um Johannes Heesters in nur einer Woche, möchte ich das alte Jahr nicht ohne einen Versuch vergehen lassen, diese Schlagseite ein wenig aufzurichten. Die Moderation darf und sollte diese Vorbemerkung löschen, wenn der Thread eines Tages auch in eine eigene Sammlung von Erinnerungstafeln umgewandelt werden sollte.




      Geboren in Mannheim als Tochter einer jüdischen Arztfamilie, studierte Grete Mosheim schon in jungen Jahren bei Max Reinhart (Marlene Dietrich war eine Kommilitonin) und wurde bereits mit 17 an das Deutsche Schauspielhaus in Berlin engagiert, in dessen Ensemble sie bis 1931, dem Jahr ihrer größten Filmerfolge, aktiv blieb und zahlreiche Hauptrollen spielte. Während der zwei Jahre ältere Johannes Heesters noch kleine Rollen an holländischen Theatern spielte, bevor er mit Operettenfilmen wie DER BETTELSTUDENT und DAS KLEINE HOFKONZERT reüssierte, verkörperte sie die Hauptrollen in den den frühen Tonfilmmeisterwerken CYANKALI, einem bewegenden Plädoyer gegen den sozialen Notstand und die daraus resultierende Pfuscherei bei illegalen Abtreibungen, und Richard Oswalds DREYFUS, in dem der französische Antisemitismus zu einem Zeitpunkt angeprangert wurde, als der deutsche begann, die schrecklichsten Blüten zu treiben.

      Mit diesem "undeutschen" Hintergrund war es trotz ihrer großen Beliebtheit beim deutschen Publikum unvermeidlich, dass Grete Mosheim bereits 1933 die Zeichen der Zeit erkannte und über Österreich und England in die USA auswanderte, wo sie in New York das Emigrantentheater „Players from Abroad“ mitbegründete. Ähnlich wie vielen anderen Emigranten gelang es ihr jedoch nicht, am amerikanischen Theater oder gar im Film Fuß zu fassen, so dass die englische Produktion CAR OF DREAMS von 1935 (s. "http://www.imdb.com/title/tt0026179/") ihr einziger englischsprachiger Film blieb. Ab 1952 kehrte sie deshalb immer wieder nach Deutschland zurück, wo sie sich, zumindest teilweise, die frühere Anerkennung am Theater wieder erwerben konnte, u.a. als Sally Bowles in dem Stück „I am a Camera“ nach Christopher Isherwoods Berlin-Romanen, auf denen auch das Musical CABARET fußt.

      Diese erneute, wenn auch weit bescheidenere Prominenz brachte ihr 1971 auch eine späte Anerkennung in Form eines deutschen Filmpreises für ihr Lebenswerk ein. Als Hark Bohm sie jedoch 1978 für ihren letzten Kinofilm MORITZ, LIEBER MORITZ engagierte, war sie schon wieder eine, zwar viel geehrte und halb legendäre, für die meisten jedoch schlicht vergessene, alte Mimin. Vorgestern waren es genau 25 Jahre, dass sie im Alter von 81 Jahren in ihrer letzten Heimat New York an Krebs verstarb. In Deutschland bemerkte dies leider kaum jemand.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung