WAGNER: "Lohengrin" - Kommentierte Diskographie

    • Nun will sich ja auch Anna Netrebko -laut einer Meldung letzten Jahres- am Lohengrin versuchen:

      "http://www.news.de/medien/855150899/anna-netrebko-wagner-ist-mein-lieblingskomponist/1/"

      "Hamburg (dpa) - Opernstar Anna Netrebko (39) liebt Richard Wagner und will bald ihre erste Wagner-Rolle singen - die «Elsa» in der Oper «Lohengrin». «Ich liebe Wagner! Er ist mein Lieblingskomponist», sagte sie dem Fachblatt «Das Opernglas».

      Die «Elsa» zu singen, sei «ein absoluter Traum». «Ich darf leider noch nichts Näheres verraten, aber es gibt einen Plan in Deutschland und mit einem Dirigenten, den ich mir gewünscht habe.»

      Bis dahin will sie aber noch an ihrem Deutsch arbeiten, sagte die russische Sopranistin. «Die Sprache ist eine große Herausforderung.» Sie habe zwar schon einiges auf Deutsch gesungen. «Aber es ist doch etwas anderes, all die Wörter so einer großen Partie nicht nur zu verstehen, sondern auch zu behalten!» (...)"

      Soweit ein Teil aus der offiziellen Meldung. Man hört, dass sie mit Christian Thielemann arbeiten will. Was meint ihr dazu? Wäre das was für sie?

      -falls das hier eher in den Netrebko-Thread gehören sollte, bitte ich die Mods, diesen Beitrag entsprechend zu verschieben, danke schön! - :D
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Lieber Boris!

      Ich bin auch der Meinung, dass A.N. Elsa, Eva, Elisabeth oder Senta singen könnte, es würde ihrer Stimme sehr entgegenkommen, doch soll sie auch im ital.oder franz. Fach bleiben.

      Jedoch niemals eine Lucia oder Violetta, sie hat nicht die Koloraturtechnik und wird sie auch nie bekommen. Die Lisa oder Tatjana liegen näher an der deutschen Oper als man denken kann.

      Nur sollte sie sich beraten lassen und da gehört auch Selbstkritik dazu und nicht nur ich will sagen, dass ich eine Tosca singen oder Turandot singen kann, bzw. möchte, das genügt keinesfalls.

      Martina Serafin hat Jahre gebraucht um von der Operettendiva zur Tosca, Tuandot zu kommen und gibt es zu. Sie hat auch den Lehrer - Gabriel Bacquier.

      Ich versteh nicht so viel davon, der liebe gioacchino bedeutend mehr - aber es sollte A.N. niemals sich an eine Isolde oder Sieglinde oder Brünnhilde trauen, diese Stimme hat sie nicht, von Richard Strauss will ich hier gar nicht sprechen.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien :wink:
    • Um mir selbst nach dem Lohengrin - Erlebnis aus der Scla vom letzten Freitag ein abgewogenes Urteil zu ermöglichen, habe ich mir diese DVD am Tag nach dem Mailänder Lohengrin angesehen:



      Als bekennender Staubi kann ich mich mit der szenischen Einrichtung dieser Produktion von der Wiener Staatsoper aus dem Jahr 1990 entschieden mehr anfreunden als mit den neueren Aufführungen unter der Ägide von Guth et.al. Sänger und Chor tun genau das, was in den Regieanweisungen von Partitur und Klavierauszug steht, und das ist schon einmal eine ganze Menge: man mag es kaum glauben, aber es wird auch so eine schöne Geschichte daraus, ohne daß man Lohengrin als Schwanenembryo in konvulsivische Zuckungen befiehlt ;+) .

      Musikalisch überzeugte mich diese Aufführung fast noch mehr als die Barenboim-Aufführung vom Freitag. Dabei weiß ich, daß sich an Placido Domingo in der Titelrolle immer die Geister scheiden werden. Vielen ist er zu unidiomatisch im Deutschen (denken das die Italiener eigentlich auch von deutschen Sängern in italienischen Partien? Würde mich interessieren...), obwohl er sich hörbar allergrößte Mühe gibt und zum damaligen Zeitpunkt sicher viel an seiner Aussprache gearbeitet hat. Die Tessitura des Lohengrin ist m.E. ganz außerordentlich unangenehm, alles im passaggio, der höchste Ton ist zwar nur ein A, aber darunter muß man sich schon die ganze Zeit arg plagen. Das hört man Domingo -es hilft nichts, darüber hinwegsehen zu wollen- auch an, aber er meistert es nach seinen Möglichkeiten sehr gut: und singt intelligent und wo immer möglich auch sehr klangschön. Daß mit ihm ein sehr gut aussehender, immens stattlicher Ritter in einem wunderschönen Kostüm auf der Bühne steht, stört mich, ehrlich gesagt, auch nicht.

      Ich habe, ich gestehe es, ein penchant für Cheryl Studer - zu ihren guten Zeiten (und 1990 war gut) konnte sie alles, alles singen und klang immer berückend. So auch hier. Wo andere einfach irgendwie durchsingen, wird jede Phrase überlegt gestaltet, feinste Piani schweben (so in "Du Ärmste kannst es nie ermessen") wunderschön, und sie hat dieses Element der Zartheit, welches ich ganz persönlich für eine Elsa unverzichtbar finde, heute aber kaum noch finde.

      Dagegen gefällt mir Dunja Vejzovic als Ortrud nicht sehr. Undeutliche Aussprache muß man ihr schon vorwerfen (wenn andere daran arbeiten, warum nicht sie?), und sie singt zwar sehr engagiert, aber es fehlt ein wenig der vokale Funken. Vielleicht liegt mir ihre Stimmfarbe auch nicht, jedenfalls fand ich sie in der Reihe der Sänger als eher schwächeres Element. Schauspielerisch hingegen ist Frau Vejzovic sehr gut und in der großen Szene mit Telramund zeigt sie alle Facetten eines manipulativen Charakters auch eindrucksvoll ohne daß sie sich mit Telramund über die Bühne wälzen muß.

      Grandios ist dieser Telramund von Hartmut Welker! Was er an Textgestaltung in dieser höllisch schweren Rolle zeigt, wäre schon im Sprechtheater ein Erfolg. Er meistert mühelos die -nein: alle!- Höhen der Partie, souverän, ohne sichtbare Anstrengung, völlig souverän auch kleinste Nuancen in Text und Musik vermittelnd. Es lohnt sich schon für ihn allein, diese Aufnahme anzusehen und anzuhören. Die Szene mit Ortrud am Beginn des 2. Aktes ist ein Lehrstück intelligenten Singens!

      Gleichfalls überragend ist der Heerrufer von Georg Tichy, ein Wunder an Textverständlichkeit und Gestaltung. Robert Lloyd als König Heinrich singt klangschön und sicher.

      Daß der Chor der Wiener Staatsoper um Klassen besser singt als der Scala-Chor vom Freitag, liegt wohl auch an dem Umstand, daß er tatsächlich auf der Bühne steht und also dabei ist, nicht nur auf irgendwelchen Galerien fernab des Geschehens wie in Mailand. Claudio Abbado erlaubt dem Orchester der Wiener Staatsoper Temperament, Farben und Nuancen; mehr und intensiver als Barenboim am 7. Dez. in der Scala.

      Mir hat die Aufnahme jedenfalls trotz der schlechten technischen Qualität sehr gut gefallen. Vergleichbares getreues auch szenisches Umsetzen dessen, was im Buche steht, ohne eigene Regie-Ambitionen, wird man heute wohl nicht mehr finden.

      Grüße!

      Honoria
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)
    • Liebe Honoria,

      Da hatten wir wohl beide die gleiche Idee, habe mir den gestern Abend auch via yt angesehen.

      Honoria Lucasta schrieb:

      Daß mit ihm ein sehr gut aussehender, immens stattlicher Ritter in einem wunderschönen Kostüm auf der Bühne steht, stört mich, ehrlich gesagt, auch nicht.

      Gelle?...Was ich auch sonst dazu sagen mag, aber da stimme ich dir auf jeden Fall zu. :D (hach, was bin ich oberflächlich... :schaem: )
      Rein stimmlich fehlt mir bei Domingo ein wenig das lichte und sanfte, er macht i-wie zu viel Druck.

      Und auch bei der Leistung von Cheryl Studer schließe ich mich deinen Worten voll an...ich habe sowieso nie verstanden, warum sie dermaßen abgelehnt wird, ich halte sie für eine hervorragende Sängerin mit einer wunderbaren Stimme. Und auch sonst stimme ich größtenteils überein.
      Die für mich äußerst wichtige Ortrud-Telramund-Szene und zumindest, was den Telramund-Part angeht für spätere Post-60er-Zeiten (ist ja von 1990) eine der besten, die ich je gehört habe, schade dass seine Ortrud nicht ebenfalls auf dem Niveau ist.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Hallo miteinander,

      diese Idee mit Placido Domingo als Lohengrin hatte ich heute Nachmittag auch und, oh Wunder, er gefällt mir, trotz Akzent, ganz toll als Schwanenritter. In Anbetracht der Prachtstimme, die er damals in Wien (80er Jahre?) noch hatte stört mich der gefürchtete Akzent nicht die Bohne.

      Cheryl Studer und die anderen Sänger finde ich, völlig Lohengrin-unerfahren, ganz wundervoll und auch mit der Inszenierung kann ich leben, das ist wenigstens in etwa die Zeit, in der ich mir einen Lohengrin vorstelle, für mich dadurch irgendwie glaubwürdiger, falls man das von Sagen behaupten kann.

      Das Ganze gefällt mir sehr viel besser als die Scala-Veranstaltung, die mir diese Oper leider überhaupt nicht nahebringt.


      :wink: :wink: Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Von Sawallisch kennt man meist nur den Bayreuther "Lohengrin", aber es gibt noch einen anderen - viel preiswerteren - Mitschnitt von 1965 aus der Mailänder Scala (vermutlich eine Rundfunkaufnahme), der allerdings nicht so leicht zu bekommen ist:

      TDK Living Stage (2002) - Bild findet man bei amazon.com

      Die Besetzung braucht sich vor Bayreuth nicht zu verstecken. Sawallisch wußte schon, wen er sich holte. Und für italienische Orchester hat er das richtige Gefühl. So mancher andere "Lohengrin" wird mir dagegen klangbreiig vorkommen...
      Franz Crass (König heinrich), Gustav Neidlinger (Telramund) und Tom Krause (Heerrufer) bieten absolute Spitzenleistungen. Ingrid Bjoner verkörpert als Elsa natürlich nicht den tumben Mädchentyp, sondern bleibt Heroine, singt aber phantastisch. Astrid Varnay gibt eine ausgezeichnete Ortrud. Jess Thomas in der Titelrolle kämpft ein bißchen mit dem Deutsch und ist vom Typ her eher ein nobelbürgerlich glänzender Stolzing als ein kämpfender Ritter, aber trotzdem gehört er zu den eindrucksvollen Vertretern des Grals.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Kennt jemand diese Aufnahme? Nach Thielmann sängen hier die Protagonisten zärtlich mühelos und deutlich und das Orchester klänge zauberhaft. Die Partien würden gesungen und nicht gesprochen, gerufen oder gebrüllt! Die Wurzeln des Wagner-Gesangs im italienischen Belcanto würden deutlich!

      Liebe Grüße

      Yorick


      Hoffnung ist etwas für Leute, die unzureichend informiert sind. (Heiner Müller)
    • Die Attribute stimmen schon so, aber um ein zauberhaftes Orchester zu hören, muss man zuerst gegen
      ein etwas weniger zauberhaftes Rauschen anhören.... Aber Furtwängler lohnt immer.
      "Nicht immer sind an einem Misserfolg die Künstler schuld.
      Manchmal ist es auch das Publikum, das indisponiert ist."
      Leonie Rysanek (1926-1998)
    • Im Eingangsbeitrag habe ich behauptet, daß heutzutage die idealen Lohengrins eher fehlen - was ich hiemit widerrufe. Denn vor ein paar Tagen erwischte ich bei Radio Bartok teilweise einen Mitschnitt einer Aufführung der Ungarischen Staatsoper (übrigens mit sehr gutem Dirigat, sehr gutem Chor und einer sehr ansprechenden Elsa, gesungen von Ricarda Merbeth, während der König Heinrich weniger gut klang). Den Lohengrin sang István Kovácsházi, der seit einiger Zeit auch in Deutschland (Mannheim, Detmold) zu hören ist. Er war besser als alle Lohengrins der Gegenwart, die ich bisher gehört habe. Die Stimme ist nicht hart, aber besitzt Volumen, auch Kraft, ebenso jedoch auch sinnliches , sehr ansprechendes Timbre, nicht silbrig, sondern eher samtig. Man spürt, daß der Sänger von Mozart und vom italienischen Fach herkommt (auf youtube kann man ihn in einem Traviata-Duett mit Katalin Pitti hören). Kovácsházi ist Jahrgang 1967, hat seine Karriere in Debrecen begonnen und tritt regelmäßig an der Budapester Staatsoper auf, war aber auch schon in Übersee. Nach eigener Aussage hat sich seine Stimme seit einiger Zeit zu verändern begonnen, und er singt jetzt viel Wagner. Seine Schwäche scheint der Mangel an schauspielerischem Talent zu sein, aber das kann ich selbst natürlich nicht beurteilen. Die Stimme wurde aber auch schon von unserem Zauberton gelobt. Die damals noch bestehenden Mängel in der Artikulation scheinen inzwischen weitgehend ausgemerzt. Mit dieser Kehle sollte Kovácsházi noch eine große Zukunft vor sich haben.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Finde gerade keinen passenderen Thread (gibt es einen "Lohengrin"-Diskussionsthread - oder ist euch das Stück zu "einfach"? :D ) ... daher "missbrauche" ich mal diesen Thread dazu.

      In der Doppel-CD von Stefan Mickisch ("Stefan Mickisch spielt und erklärt Lohengrin") wurde erwähnt, dass die 2. Strophe der Gralserzählung gebracht werden sollte, insofern es der Tenor "aushält", da sie wesentliche Informationen zum Inhalt enthält.

      "WWW.wikipedia.org/wiki/Gralserz%C3%A4hlung"

      Ich werde heute mal nachschauen, ob auf der DVD, die mir vorliegt (mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros), auch nur die 1. Strophe gesungen wurde. Kennt ihr Aufführungen, in welchen auch diese 2. Strophe gesungen wurde? Möglichst mit Video-Beispiel (Youtube, etc.)?
    • Hallo Newbie69, im Netz habe ich auch so auf die Schnelle nichts gefunden, bei den Lohengrin GA gibt es meiner Meinung nach nur die vollständige Gralserzählung hier....

      mit Sandor Konya

      ansonsten auf diesen Recitals....






      Botha, Kaufmann, Lorenz !
      Kennst du den Text ?


      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Vielen Dank, Palestrina! Einen Link zum Text der Gralserzählung (inkl. 2. Strophe) hatte ich in meinem Post eingefügt.

      Habe mir nun die DVD angeschaut, aber dort wurde nur die 1. Strophe gesungen. Die J. Kaufmann-CD liegt mir vor und ich habe mir soeben mal das Stück angehört: ja, dort singt er auch die 2. Strophe. Ich hatte mir die CD-Box "Jonas Kaufmann - it' s me" gekauft, aber bisher wusste ich nichts von der 2. Strophe und hatte auch nicht so genau hingehört. Daher danke für den Hinweis!
    • Kurze Ergänzung zur J. Kaufmann-CD und der 2. Strophe: er singt dort (2. Absatz) statt "wohin ein Streiter zu entsenden sei" ... "wohin ein Ritter zu entsenden sei". Ist ja aber im Grunde gleichzusetzen. Nur zur Info.


      Armin Diedrich schrieb:

      Die vollständige Gralserzählung gibt es auch in einer Gesamtaufnahme mit Seiffert (ich glaube unter Barenboim)


      Auch dir vielen Dank!
    • Obwohl es vom Dresdner "Lohengrin" 2016 noch keine DVD oder Blue-ray gibt, ist doch anzunehmen, daß es die irgendwann in hoffentlich naher Zukunft geben wird. Daher möchte auch ich, nachdem die Oper gestern in ORF III ausgestrahlt wurde, diesen Thread hier "mißbrauchen":

      Die Inszenierung fußt auf der von Christine Mielitz 1983 und ist ein wenig überarbeitet. Sicher kann man gegen manche Details Einwände erheben (daß der Regiestil natürlich nicht von heute ist, sehe ich persönlich nicht als solchen), aber trotzdem ist das eine gelungene Lösung, weil sie viel hintergründiger ist, als sie zunächst ausschaut. Ich denke, es ist durchaus authentisch verstanden, wenn der Akzent auf dem Seelischen liegt und nicht auf dem Heldischen. Dafür hatte man in Dresden auch wirklich ideale Interpreten zur Verfügung.
      Die meisten Gänsehauterlebnisse vermittelte mir Piotr Beczala in der Titelrolle: Kein glänzender Recke, sondern ein Glaubensritter, den mit dem preußischen Militärgetue nicht wirklich etwas verbindet. Ehrlich, überzeugend, durch und durchmenschlich und doch würdevoll. Erstaunlich, wie er bis zum Schluß voll durchhielt. Vermutlich dürfen wir dereinst einen Stolzing von ihm erwarten.
      Einen besseren Heinrich als Georg Zeppenfeld kann ich mir derzeit nicht vorstellen. es mag ja durchaus ein, daß es jemanden gibt, den ich nicht kenne, aber diese Summe an Stimmkultur, Eleganz, Ausstrahlung und Autorität ohne Selbstüberhebung muß Zeppenfeld erst einer nachmachen.
      Vollstes Lob auch für Anna Netrebko, die wieder einmal zeigte, was sie unter einer anspruchsvollen Leitung zu leisten imstande ist, und die hervorragend sang. Ihre Schwierigkeiten mit Deutsch fand ich eher unerheblich. Eine facettenreiche Elsa, die sich nicht auf einen Typ beschränkte.
      Der Akzent störte mich anfangs ein wenig bei Tomasz Koniecznys Telramund, aber bald vergaß ich das. Konieczny paßte hundertprozentig, äußerlich und interpretatorisch. Böse, aber so, daß man das frühere Edle durchspürte, innerlich schwach, aber leidenschaftlich und verführbar, perfekt im Stimmcharakter.
      Kein Wunder, wenn man so eine starke Ortrud hat wie Evelyn Herlitzius. Auch sie verblüffte mich mit ihrem Durchhaltevermögen. Und auch sonst stimmte alles.
      Derek Waltons Heerrufer, hier als eine Art höchstrangiger Adjutant, singt sehr brav, aber die Stimme bräuchte mehr Kern und Farbe, insgesamt war es aber nicht schlecht.

      Thielemann, Orchester und Chor - naja, als Wiener fraß mich bezüglich "Lohengrin" der blanke Neid (während ich vor längerer Zeit beim Dresdner "Freischütz" nichts dergleichen verspürte, sieht man von Zeppenfelds Kaspar ab).

      Gratulation der Dresdner Semperoper für einen herausragenden Abend, sicher das Zeug hat, als Klassiker zu gelten.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Obwohl es vom Dresdner "Lohengrin" 2016 noch keine DVD oder Blue-ray gibt, ist doch anzunehmen, daß es die irgendwann in hoffentlich naher Zukunft geben wird. Daher möchte auch ich, nachdem die Oper gestern in ORF III ausgestrahlt wurde, diesen Thread hier "mißbrauchen":
      Von der DVD nach wie vor keine Spur, aber momentan gibt es die Aufnahme in der ARTE-Mediathek:

      concert.arte.tv/de/lohengrin-r…na-netrebko-piotr-beczala

      Waldis Beschreibung kann ich nur beipflichten. Die Sängerbesetzung ist schon außerordentlich.

      Die Inszenierung hat für mich persönlich, egal wie man sie heute bewertet, nostalgischen Wert, denn damit hatte ich in Mitte der 1990er meinen Erstkontakt mit dem "Lohengrin" und es war damals, wenn ich mich nicht täusche, erst mein drittes Opern-Liveerlebnis überhaupt.