Mit Kindern in die Oper gehen (?)

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    • Meien Lieben!

      Die richtige "Kinder - Oper" wäre für mich entweder "Tosca" oder "Macbeth", denn Jugendliche sehen im TV oft Blutrünstigeres, und die Musik ist so schön, Verdi und Puccini sei Dank.

      Liebe Grüße sendet Euch Euer, nicht immer ernstzunehmender, Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Areios schrieb:



      Dafür allerdings die lieben Mitmenschen mit dem chronischen Reizhusten und dem psychosomatischen Konzerthusten und - aber das passt alles nicht recht in diesen Thread - bis zur Unkenntlichkeit einparfümierte Damen vor und neben einem, die einem schier die Luft zum Atmen rauben.

      Liebe Grüße,
      Areios
      Dazu passend auf den Punkt gebracht und immer wieder köstlich:

      http://www.youtube.com/watch?v=srRjgsjkg24

      :D
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Ich glaube, DIE richtige Empfehlung für einen ersten Opernbesuch mit einem Kind kann man gar nicht aussprechen. Erstens muss man sich sowieso nach dem Programm der jeweiligen Saison richten, und zweitens kommt es auch sehr auf das Kind und seine Interessen und seine Vorkenntnisse an.

      Dazu eine Anekdote aus meinem bewegten Leben: Ich wollte mit etwa sieben oder acht Jahren sehr gerne in CavPag gehen, wovon ich schon viel Interessantes im Opernführer gelesen hatte, aber meine Oma, die die graue Operneminenz in unserer Familie war, bevor ich sie von diesem Thron gestoßen habe, hat meinen Eltern sehr eindringlich davon abgeraten, da das "noch viel zu schwierig" für mich sei und so wurde es stattdessen die Gräfin Mariza, die nämlich musikalisch und dramaturgisch viel kindgerechter sei. Ich fand damals als Kind die Handlung unglaublich einfältig und albern (dieses etwas harte Urteil würde ich aus heutiger Perspektive teilweise revidieren) und die Musik grauenhaft banal (auch da bin ich mittlerweile toleranter, aber ich war damals definitiv auf "ernstere" Musik geprägt, vor allem gefielen mir schwerblütige russische und tschechische Orchesterstücke).

      Für mich wären "Tosca" und "Macbeth" damals sicherlich geeigneter gewesen. Aber es ist auch so etwas aus mir geworden. ;+)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • @Wulf:


      :D


      P.S.:

      (Fand auch den Kunst-Stenkelfeld herrlich, den ich hier kennengelernt hatte, als jemand wissen wollte, was das für eine Klaviermusik ist.
      Habe den dann einigen Bekannten (Kunstliebhabern, -sammlern und -kritikern) gemailt, aber das war keine allzu gute Idee... :shake: :hide:
      In Zukunft werde ich in solchen Kreisen zu solchen Themen tunlichst :stumm: )
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • @Areios:

      Areios schrieb:


      Ich wollte mit etwa sieben oder acht Jahren
      ...also wirklich noch ein "blutjunger Knirps", nach der Definition von Lionel...


      ..." Für mich wären "Tosca" und "Macbeth" damals sicherlich geeigneter gewesen. " 8o 8o 8o

      ...jetzt muß ich mich doch mal Merkatz anschließen, DAS hätte der zarten Knirps-Seele nun wirklich einen großen Schaden zugefügt !!! ;+)

      ...ja und "Hänsel und Gretel" hielt die Oma für ungeeignet ??!!??
      Zumal man dieses Stück mit tausendprozentiger Sicherheit jedes Jahr zur Adventszeit auf dem Spielplan findet...

      ...oder wolltest Du partout zur falschen Jahreszeit in die Oper?

      ...man sieht... ...alles nicht so einfach, zumal die "Knirpse" einen eigenen (Dick-)Kopf haben!

      :wink:

      amamusica :pfeif:


      P.S.:

      "Peter und der Wolf" ist dagegen wirklich keine Oper, aber für Kinder dennoch herrlich...
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • amamusica schrieb:


      ..." Für mich wären "Tosca" und "Macbeth" damals sicherlich geeigneter gewesen. " 8o 8o 8o

      ...jetzt muß ich mich doch mal Merkatz anschließen, DAS hätte der zarten Knirps-Seele nun wirklich einen großen Schaden zugefügt !!! ;+)


      Ich glaube, du möchstest lieber nicht wissen, was ich mit acht und neun alles gelesen habe. Sicher, Bücher haben den großen Vorteil, dass sie weniger unmittelbar wirken und die Erfahrung und Phantasie des Rezipienten eine bedeutendere Rolle für die Wirkung, die sie entfalten, spielt. Was in Büchern nicht kindgerecht ist, wird von Kindern oft einfach überlesen bzw. nicht verstanden, und das war bei mir damals sicher nicht anders. Und ich hatte ungefähr in diesem Alter eh häufig Angst im Dunklen, was ich mit einiger Sicherheit auf meine Lektüre, die man kaum altersgerecht nennen würde, schiebe. Aber ich kann nur wiederholen: es ist trotzdem was aus mir geworden... ;+)

      Was den Macbetto betrifft, der ist für dieses Alter vielleicht wirklich auch noch zu lang und zu langatmig. Auch bei der Tosca hat der erste Akt gewisse Längen, aber besser Längen im ersten Akt als gegen Schluss hin... Auch finde ich die Tosca nicht allzu arg. Die Hexe bei "Hänsel und Gretel" wird ja auch umgebracht! Aber ich gebe zu, darüber könnte man diskutieren. Mein eigentlicher Wunsch hingegen, "Cavalleria rusticana/Pagliacci" wäre doch wirklich sehr interessant und kurzweilig gewesen, sowohl dramaturgisch als auch musikalisch! Und die "Cavalleria" hat auch überhaupt keine grauslichen Szenen auf der Bühne, und bei "Pagliacci" geht am Schluss alles so schnell, dass man es eh nicht so drastisch mitkriegt...

      "Hänsel und Gretel" hatte ich damals im übrigen schon gesehen, und die Zauberflöte auch, und ich glaube sogar, den Zigeunerbaron auch; die Gräfin-Mariza-Affäre war nicht meine Erstbegegnung mit klassischem Musiktheater. Und zuhause hatte ich auch schon ein paar Opern-CDs angesammelt, darunter "Thais", "Aida" und "Die Zauberflöte" (kann man daraus eine gewisse Affinität zu ägyptischen Stoffen ableiten?).

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Amfortas09 schrieb:

      Neben Kindern sollte dieser Thread auch Jugendliche berücksichtigen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine musikalisch + szenisch sinnvoll realisierte "Hochzeit des Figaro" (z.B. unter der Regie von Ingo Kerkhof, die dem sog. "Regietheater" zuzurechnen ist) mit ordentlicher Übertitelung diese Zielgruppe sehr stark angesprochen hat. Mit "konventioneller" "Plüschverpackung" wärs nicht möglich gewesen....

      Da habe ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sehr andere Erfahrungen gemacht. Die Übertitelung ist wichtig, natürlich, kein Jugendlicher folgt begeistert der Handlung, wenn er nicht versteht, was da auf der Bühne passiert. Sehr wenig tolerant sind meiner Erfahrung nach aber die meisten Jugendlichen, was Veränderungen gegenüber der eigentlichen Geschichte angeht. Auf der Bühne sollte viel los sein, es sollte dem Auge etwas geboten werden, aber der Regiesseur sollte sich eng an den Text halten, so ist meiner Erfahrung nach die Erwartungshaltung der meisten jugendlichen Opernbesucher. Die Modernisierungen und Abweichungen, die typisch für das zeitgenössische "Regietheater" sind, irritieren sie meist und führen zu spontaner Ablehnung. Ich spreche dabei ausdrücklich nicht von den "zwangsverpflichteten" Oberstufenkursen, die, wenn man Glück hat, sich für die Dauer der Aufführung mit ihrem Handy beschäftigen und dann immerhin ruhig sind, sondern von den Jugendlichen, die an Theater und Oper interessiert sind und dort freiwillig hingehen.

      In einer Diskussion des Forums von "Spiegel online" habe ich kürzlich einen Beitrag offenbar eines Jugendlichen gelesen, der meine persönliche Erfahrung sehr genau bestätigt: "...meine erste (und bisher letzte) oper war mit meinem musikkurs auf dem gymnasium, bizet`s carmen in der komischen oper hier in berlin. die carmen war eine rockerbraut und irgendwann fuhren jeeps und motorräder auf der bühne herum. ich war sehr enttäuscht, wollte die "echte" carmen sehen. vielleicht mögen ja leute sowas, die die originalen opern schon x-fach hinter sich haben und nun was neues erleben möchten, aber ich habe das gefühl, daß es nur noch dieses "zeug" gibt, auf 3sat, arte etc. sieht man ja oft nur die krawall-version..."
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      Die Modernisierungen und Abweichungen, die typisch für das zeitgenössische "Regietheater" sind, irritieren sie meist und führen zu spontaner Ablehnung.
      lässt sich nicht generalisieren. Es kommt auf die jeweilige Umsetzung an und die war im Falle der Hochzeit des Figaros weitgehend überzeugend.
      :wink:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Cherubino schrieb:

      Sehr wenig tolerant sind meiner Erfahrung nach aber die meisten Jugendlichen, was Veränderungen gegenüber der eigentlichen Geschichte angeht. Auf der Bühne sollte viel los sein, es sollte dem Auge etwas geboten werden, aber der Regiesseur sollte sich eng an den Text halten, so ist meiner Erfahrung nach die Erwartungshaltung der meisten jugendlichen Opernbesucher. Die Modernisierungen und Abweichungen, die typisch für das zeitgenössische "Regietheater" sind, irritieren sie meist und führen zu spontaner Ablehnung.


      Diese Erfahrung kann ich aus meinem Bekanntenkreis bestätigen. Ich gehöre zu den ganz ganz wenig Einzelfällen unter Leuten meiner Altersklasse, die ich kenne, die sich für gut gemachte radikale Regietheaterinszenierungen wirklich begeistern können. Alle andern hätten gerne eine historienfilmartige Umsetzung der Geschichten. Ich vermute zumindest, dass die Ästhetik von Historien- und auch Fantasyfilmen bei den Erwartungshaltungen einen großen Einfluss ausübt. Und diese Ablehnung von Modernisierungen und Entfremdungen betrifft sowohl die meisten Kulturinteressierten als auch alle mehr oder weniger Zwangsverpflichteten.

      Ich erinnere mich zum Beispiel zu Schulzeiten an einen im Wildwestklischee angesiedelten, sehr lustigen Richard III. in Graz, der in der ganzen Klasse nur von mir goûtiert wurde... Er war aber wirklich gut gemacht und ein sehr kurzweiliger Abend, wenn es auch vielleicht eher "nach" als "von" William Shakespeare hätte heißen müssen. Diese Inszenierung hat mir erst die komischen und grotesken Elemente in Shakespeares Tragödien so richtig bewusst gemacht und war eine Horizont- und Perspektivenerweiterung, die ich nicht missen möchte!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Hier ein Beispiel für eine Oper, die sich dezidiert (auch) an Kinder wendet: "The Little Prince" (2003) von Rachel Portman.



      Ein paar kurze Ausschnitte gibt es hier zu sehen: "http://www.youtube.com/watch?v=E7gBWf6966c"

      Mit Kindern in die Oper? Aber ja doch, bitte!

      DiO :beatnik:
    • Ich wollte zu diesem Thema eigentlich gar nichts mehr sagen, weils im Prinzip eh nur darauf hinausläuft, dass man als Kinderhasser etc. bezeichnet wird, wenn man sagt, dass es geeignetere Veranstaltungen gibt für Kinder, als zwei Stunden lang stillzusitzen und kein Wort zu verstehen, und eventuell andere Besucher durch ständiges Reden oder (in einer HuG Aufführung in der Semperoper sah ich einen Säugling!!) Geplärre stören.

      Ich selber besuche ja jedes Jahr jede Vorstellung von HuG, und habe auch brave Kinder erlebt. Man darf da wirklich nicht pauschalisieren und sagen, dass ALLE so sind. 2008 saß ich in der 6. Reihe, vor mir ein Vater mit einem Buben, vielleicht 5 oder 6 Jahre alt. Ich befürchtete das Schlimmste, tatsächlich aber war er während der gesamten Vorstellung brav, saß und redete kein Einziges Wort, stand nicht auf dazwischen oder kletterte auf seinem Sessel herum. Ich gebe aber zu, dass es unschön war, auf die Musik und den Gesang zu achten, und gleichzeitig die Angst zu haben, dass der vor mir jeden Moment irgendeinen Blödsinn macht.

      In einem anderen Thread von mir ("Haben sie je in diese Gesichter gesehen") wurde ja schon viel über störende Gäste, Dauerhuster etc. geredet; auch Erwachsene haben oft kein Benehmen - aber die Angst, dass plötzlich irgendwo im Saal ein Baby anfängt zu weinen ... das wär ECHT peinlich für mich, weil das nicht nach 2 Sekunden wieder aufhört.





      pfuetz schrieb:


      Ich denke, dem kann ich zustimmen, denn Kinder sind noch viel unverbrauchter, und unverbildeter, und nehmen daher Vieles viel unmittelbarer wahr. Mist wird dann gnadenlos als Mist enttarnt (Kindermund tut Wahrheit kund!), und das, was gut ist, wird auch bei Kindern Bestand haben.


      Naja, nach der Logik müssen wir eigentlich nur mehr die Kinder fragen, wie sie eine Symphonie finden, und wenn sie sagen, dass es ihnen nicht gefällt, finden wir es auch Mist ...

      Gut, dass ich für mich selber bestimmte, was gut FÜR MICH ist, dass es mir gefällt ständig neue Details in Partituren zu entdecken und ich mir von niemandem sagen lassen muss, was ich darüber zu denken habe.
    • Ich war im Januar in Bratislava in einer Aufführung der "Traviata", bei der ich eine Menge Kinder im Zuschauerraum ausmachen konnte; nicht gerade im Grundschulalter, aber so von 10 ab aufwärts.

      Ich habe während der Aufführung keinerlei Störung bemerkt.

      Auch bei den Übertragungen aus der MET ins Kino fallen mir immer die vielen Kinder unter den Zuschauern auf. Ich war letztes Jahr beim Pasquale und beim Carlos, dieses Jahr in Enchanted Island. Jede Menge Kinder und jedenfalls keine auffallende Störung.

      Leider habe ich meine Kinder nicht in die Oper mitgenommen, als sie klein waren - aus dem einfachen Grund, dass ich selbst damals nicht ging. Aus der Erfahrung mit meinen beiden Töchtern kann ich aber jedenfalls sagen, dass die Annahme, Kinder könnten nicht lange genug stillsitzen und sich auf das Geschehen auf der Bühne konzentrieren, ein Irrglaube ist. Kinder können sehr lange stillsitzen und sich interessieren, wenn man sie lässt. Leider glauben viele Eltern, ein einfach still vor sich hinschauendes Kind bräuchte unbedingt Unterhaltung und Anregung - und legen dafür den Grundstein für Zappligkeit und überzogene Ansprüche. Meine Tochter hat mal, als sie klein war, fast eine Stunde lang wie gebannt aus dem Fenster geschaut. Auf meine Frage, was da sei, antwortete sie: "Schneewolken."



      Sorry fürs Klugscheißen.

      Jetzt, wo meine Töchter 21 und 24 sind, lass ich mich gern von ihnen in die Oper schleppen.



      Gruß von Zefira
    • Ich gehe sowieso nur noch in Privatvorstellungen, welche für mich allein gemacht sind, denn allein die Vorstellung, daß da irgendein anderer Mensch sitzen könnte, der mir unsympathisch sein könnte, stört meine Konzentration und beschmutzt die Kunst.


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Lieber Areios!

      Ich habe ja schon, früher, gemeint, dass Tosca oder Macbeth die richtigen Kinderopern sind, da ist wenigsten action drin [wie man so sagt sozusagen], auch die Cavalleria ist hier geeignet,

      aber es liegt wahrscheinlich daran, dass ich, in frühen, bis späteren, Kinder- und Jugendtagen, aktiv dabei war. Der Evangelimann kann, für Kinder, manchmal, relativ fad sein. :) :)

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Wie schon einige geschrieben haben: Kinder können sehr gut still sitzen, wenn es interessant ist. Was "moderne" Aufführungen für viele Kinder, Jugendliche und sonstige Nicht-Fachleute aber so uninteressant macht, ist meiner Ansicht nach, dass sich das sogenannte Regietheater zur Oper genauso verhält wie Sekundärliteratur zum literarischen Text. Wenn ich ein literarisches Werk kennen lernen will, lese ich ja auch nicht zuerst die Sekundärliteratur dazu oder informiere mich über die Rezeptionsgeschichte, denn ich weiß ja noch gar nicht, worum es eigentlich geht. Bei vielen Theaterinszenierungen kann man aber ohne gründliche Kenntniss des Originals auch nicht verstehen, um was es eigentlich geht. Das ist dann einfach langweilig, trotz "Action".



      Wie im Morgenglanze
      Du rings mich anglühst...
    • ganymed schrieb:

      Was "moderne" Aufführungen für viele Kinder, Jugendliche und sonstige Nicht-Fachleute aber so uninteressant macht, ist meiner Ansicht nach, dass sich das sogenannte Regietheater zur Oper genauso verhält wie Sekundärliteratur zum literarischen Text.


      Na, für mein Verständnis hinkt dieser Vergleich aber sehr.

      Literatur besteht aus einem Text, und der ist erst einmal so, wie er ist. Eine Oper ist ein Bühnenwerk, das einer Inszenierung bedarf, um überhaupt rezipiert werden zu können. Um eine Visualisierung, die ein Regisseur vorgenommen hat, kommt man sowieso nicht drum herum.

      Wie bei jedem anderen Opernbesucher auch, ist es vorteilhaft, wenn sich Kinder darüber informieren, was in der betreffenden Oper an Handlung eigentlich geschieht.

      Und dann gibt es sicherlich Inszenierungen, die nicht unbedingt kindgemäß sind. Regietheater aber per se nur für Fachleute zu empfehlen, das ist doch eine völlig verkürzte Sicht (und den Begriff finde ich zunehmend blöder... ab wann ist denn etwas "Regietheater"?)

      Ich kann mich jedenfalls daran erinnern, wie ich als kleiner Junge erlebt habe, wie im Staatstheater Kassel die Walküren in Lederkluft auf Motorrädern auf die Bühne gefahren kamen... ich war sehr beeindruckt und überzeugt davon, dass in der Oper aufregende Dinge geschehen.

      Tharon.
    • Tharon schrieb:

      Literatur besteht aus einem Text, und der ist erst einmal so, wie er ist. Eine Oper ist ein Bühnenwerk, das einer Inszenierung bedarf, um überhaupt rezipiert werden zu können. Um eine Visualisierung, die ein Regisseur vorgenommen hat, kommt man sowieso nicht drum herum.


      Korrekt: Jedes Theaterstück (nicht nur Oper) bedarf zwingend einer Umsetzung. Das Stück (der Text, die Personen, die Musik) an sich ist aber auch erst einmal so, wie es ist. Die Frage, die sich dabei stellt ist, wie weit diese Faktur geändert werden darf, ohne die Identität zu zerstören. Wo hört die Umsetzung (die Interpretation, die Ausdeutung) der Vorlage auf, und wo beginnt etwas Neues im Sinne einer Performance, die die Vorlage zwar als Anlass nimmt, als Motivgeber, aber nicht mehr als solche umsetzt, sondern neu schreibt? Anders gesagt: Jede Interpretation kann (sic) unmittelbar glaubwürdig sein, wenn man alle präexistierenden Elemente entfernt oder ändert, die dieser "Interpretation" entgegenstehen. Das führt dann aber - völlig wertfrei! - zu einer neuen Geschichte. Der Umstand, daß die Übergänge hier fließend sind, steht dem prinzipiell nicht entgegen.

      Aktuelle Diskussionsgrundlage dazu

      "http://www.br.de/radio/br-klassik/premierenkritik-wilhelm-tell-nuernberg100.html"
      "http://www.infranken.de/nachrichten/kultur/Wilhelm-Tell-Nuernberg-Neuinszenierung-Oper-Wilhelm-Tell-Regiewillkuer-wohin-man-schaut;art182,258173"

      (Nachtrag: Rockerbräute als Walküren ändern die Faktur der Wagneroper nicht, das fällt meiner Ansicht nach unter originelle Umsetzung...)
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • Tharon schrieb:

      ganymed schrieb:

      Was "moderne" Aufführungen für viele Kinder, Jugendliche und sonstige Nicht-Fachleute aber so uninteressant macht, ist meiner Ansicht nach, dass sich das sogenannte Regietheater zur Oper genauso verhält wie Sekundärliteratur zum literarischen Text.


      Na, für mein Verständnis hinkt dieser Vergleich aber sehr.

      Tharon.


      Das meine ich wohl auch.

      DiO :beatnik:
    • bustopher schrieb:

      Die Frage, die sich dabei stellt ist, wie weit diese Faktur geändert werden darf, ohne die Identität zu zerstören. Wo hört die Umsetzung (die Interpretation, die Ausdeutung) der Vorlage auf, und wo beginnt etwas Neues im Sinne einer Performance, die die Vorlage zwar als Anlass nimmt, als Motivgeber, aber nicht mehr als solche umsetzt, sondern neu schreibt? Anders gesagt: Jede Interpretation kann (sic) unmittelbar glaubwürdig sein, wenn man alle präexistierenden Elemente entfernt oder ändert, die dieser "Interpretation" entgegenstehen. Das führt dann aber - völlig wertfrei! - zu einer neuen Geschichte. Der Umstand, daß die Übergänge hier fließend sind, steht dem prinzipiell nicht entgegen.


      Regietheater definiert sich also dadurch, dass es die Identität eines Bühnenstückes zerstört?

      Vielleicht kann ich diese Definition akzeptieren. Ich überlege mir allerdings, ob ich so etwas wirklich schon einmal gesehen habe. Diese "Definition" hilft jedenfalls bei der Debatte nicht allzu viel, weil für jeden andere Kriterien gelten dürften, was die Identität eines Stückes ausmacht.

      In der zweiten von bustopher verlinkten Kritik findet sich der Versuch einer Negativ-Definition:

      Regietheater mache "blinder Aktionismus, Verrätselung und Verkleidung, Dekonstruktion und Umwertung von Handlung und Figuren sowie sonstige, offenbar unvermeidliche Provokationen" aus. So wie ich das sehe, führt nichts davon zwingend zur Zerstörung der Identität eines Stückes.

      Ich habe die Inszenierung, um die es hier geht nicht gesehen. Ich kenne noch nichtmal Rossinis Oper. Ich kenne nur den Schiller. Trotzdem fand ich interessant, was hier konkret bemängelt wurde:

      "Frauenpower ausgerechnet bei einem Stück, in dem die weiblichen Figuren nicht viel zu sagen haben?" Genau das könnte der Grund gewesen sein.
      Die Leiche des alten Melchthal, "die [...] zunächst in einem Schrank landet, später von Sohn Arnold in ein Kellerloch geschleppt, dann aufgebahrt und entkleidet wird." Das ist vielleicht ein wenig unnötiges Hin und Her, macht aber nicht die Identität eines Stückes kaputt, oder?
      "Schlimmer noch der Regieeinfall, Ruodi-Sänger Tilman Lichdi aus nicht nachvollziehbaren Gründen wie einen Hund auf allen Vieren durch die Szene zu jagen." Hier wird einer der Unterdrückten als Jagdwild ausgestattet. Nicht gerade originell. aber sicherlich auch keine zerstörte Identität des Stückes.
      "Tells Apfelschuss endet übrigens fatal, denn er trifft seine Tochter im Hals, die fortan gelähmt ist und vom Rollstuhl aus immer wieder vergeblich versucht, auf die Beine bzw. an ihre Armbrust zu kommen." Hier wird offensichtlich gezeigt, dass das Glück nicht immer auf Seiten der Gerechten ist. Warum nicht: das ist viel realistischer als dieser Heldenschuss des Dramas. Außerdem kann die Figur ihre Rolle weiterhin wahrnehmen, daher sehe ich auch nicht die Identität des Stückes zerstört.
      "Ob irgendetwas davon in den Vorlagen steht, die das Staatstheater Nürnberg laut Programmheft dem Palazetto Bru Zane in Venedig dankt?" Ob das Libretto den gesamten Schillertext unverändert übernommen hat?

      Es kann schon sein, dass das eine schlechte Inszenierung ist. Aus dem, was ich hier lese, kann ich aber für mich selbst nicht behaupten, dass die Identität des Stückes zerstört wäre. Es geht weiterhin um Unterdrückung und Auflehnung, um das Schlucken von Ungerechtigkeit oder heldenhafter Selbstaufgabe, um die Gefährdung der Mitmenschen aufgrund geleistetem Widerstand. Das sind Dinge, die Schiller wichtig waren und sie bieten auch hier noch Anlass zum Nachdenken.

      Und selbst wenn... wenn ich der Meinung wäre, dass hier die Identität eines Stückes zerbricht und ich entsprechend irritiert wäre, unterschiede sich dann diese Irritation grundsätzlich von der eines Kindes? Muss man bei solchen Dingen bei Kindern vorsichtiger sein? Man kann über moderne Inszenierungen streiten, aber sind sie wegen irgendwelchen Verfremdungseffekten grundsätzlich nichts für Kinder? Kann ich nicht bestätigen. Wenn das gut gemacht ist, kann das doch sogar lebensnäher als manch andere Inszenierung sein.

      Tharon.
    • Aber warum der Tell jetzt in der Oper seine Tochter erwischt hat, obwohl der Papa das zuhause noch ganz anders erzählt hat, das interessiert die Kinder garantiert! (Und so soll das auch sein, wenn man nach meiner Meinung fragt).

      Tharon.

      edit: Ja, schade... eben gab es hier noch einen Beitrag, auf den sich meiner bezogen hat.