Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

    • andréjo schrieb:

      Da ich mir das Konzert vorhin im Rundfunk angehört habe
      Irgendwie irre, dass Du als Rundfunkhörer schon das kennst, was mir als Konzertgänger erst in zwei Tagen bevorsteht :D

      andréjo schrieb:

      würden mich Meinungen von anderen Radiohörern oder - noch interessanter natürlich - Konzertgängern ... interessieren
      Meine bescheidene Meinung wird nach dem Berliner Konzert vom 14. April, wenn Du es möchtest, artikuliert. Versprochen. :cincinbier:
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
    • Ich danke Dir schon mal, werter music lover!

      Es wäre ja auch nicht uninteressant, festzustellen, dass sich die Aufführungen deutlich unterschieden hätten. In jedem Fall werde ich mich hüten, Dir entschieden zu widersprechen! :D

      Gute Nacht!

      Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ich habe mir das Konzert im Kino gegönnt :D

      Abgesehen davon, dass das ganze Drumherum (Vorprogramm mit Inerviews, gesprochene Einführung in das Konzert durch den "Hofpoeten" und eine wenig auch "Hofnarren" der Berliner) schon erfrischend unterhaltsam gestaltet wurde - der Umgang mit Medien dürfte auch nach Karajan wirklich kein Problem mehr sein :pfeif: :D - das Konzert war mir ein wahrer Genuß.
      Die Peri von Dukas - farbig musiziert, mal schmeichelnd, mal forsch, dann auch mal ekstatisch. Ich kannte das Werk noch nicht, war aber sofort in der Musik gefangen.
      Prokofievs Drittes KK ... ach ... nun ja ... meisterhaft wie zu erwarten (vielleicht ein wenig subjektiv testosterongefärber Eindruck - ich mag dieses Frauenzimmer :whistling: ). Aber hervorzuheben wäre die Abstimmung zwischen Pianistin und Orchenster im Klang, vor allem im langsamen Satz. Mal glasklar über dem Orchesterklang, dann wieder wie perfekt gemischt in einzelne Instrumentengruppen hinein, so daß das Klavier wie zur Einfärbung wirkt - große Klasse.
      Das Madame Wang dann auch noch den dritten Satz der 7. Sonate als Zugabe spielt - so mancher bekommt schon beim Anblick der Noten Schweißausbrüche - ist eine souveräne Demonstration ihrer musikalischen Kondition im besten Sinne.
      Der eigentliche Höhepunkt für mich war mit der vierten Sinfonie in C-Dur von Franz Schmidt überraschenderweise ein weiteres Werk, welches ich nicht kannte. Im Interview sprach Petrenko davon, wie dieses Werk von der Zeit (durch die prktisch gleichzeitig bekannt werdenden moderneren Werke bspw. Hindemiths oder Hartmanns) überholt und praktisch vergessen worden sei. Ich habe den Eindruck gewonnen, daß es extrem schwer zu spielen sein dürfte und damit für viele Orchester unattraktiv sein könnte. Die Sinfonie strotz nur so von Soli der einzelnen Instrumente, von Wechseln zwischen den Instrumentengruppen. Solo-Horn, Solo-Trompete, Solo-Cello und so weiter und so fort .... und das in einem komplexen sinfonischen Gefüge. Von den Etudes transzendentales von Liszt hat Arrau mal gesagt, daß ein Pianist, der nicht technisch weit über dem Werk stehe, sich der Lächerlichkeit preisgebe. Ich denke, dass das auch auf diese Sinfonie und die interpretierenden Orchester und Dirigenten zutreffenden dürfte. Die Berliner unter Petrenko haben ihre Aufgabe eindrucksvoll gelöst (dass sich auch bei den Berlinern mal ein leicht schwankender Ansatz bei der Solo Trompete oder dem Horn einschleicht - macht es menschlicher und ist Jammern auf stratosphärenhohem Niveau :versteck1: )
      Morgen vielleicht mehr - zu spät jetzt ....

      und nun sehe ich auch noch, daß das Ganze besser in die Konzertberichte gepasst hätte ... ups .... war ein langer Tag
    • Tastenrabe schrieb:

      Das Madame Wang dann auch noch den dritten Satz der 7. Sonate als Zugabe spielt - so mancher bekommt schon beim Anblick der Noten Schweißausbrüche - ist eine souveräne Demonstration ihrer musikalischen Kondition im besten Sinne.
      Okay - dank Dir, dass ich auf die Zugabe vorbereitet bin, die mich in nicht einmal 22 Stunden erwartet!!
      "We will play neue Stücke and alte Stücke - lots and lots of Stücke tonight"
      (Phil Collins in seiner Ansage der kommenden drei Stunden seines Berliner Waldbühnen-Konzerts)

      "Man redet ja in der Musik immer noch über Stücke. Das ist etwas, was mir ganz merkwürdig vorkommt, in Stücken, überhaupt in Teilen zu denken."
      (Karlheinz Stockhausen)
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      Tastenrabe schrieb:

      Aber hervorzuheben wäre die Abstimmung zwischen Pianistin und Orchenster im Klang
      Seltsamerweise ist genau das der Punkt, den die "professionellen" Kritiker vom Tagesspiegel und RBB teils scharf bemängelt haben. Ob hier für den Einzelnen "das Musizieren nicht als das Bewusstsein erweiternder Akt" wahrgenommen wurde, ist wohl Ansichtssache. Ich jedenfalls fand's großartig, bei Wang hat Prokofiev eine Schärfe und einen derart drängenden Puls, dass beinahe zurecht bereits nach dem ersten Satz applaudiert wurde (wohl eher als spontaner Reflex, Petrenko hatte die Philharmoniker selbst bei diesem Tempo beeindruckend im Griff). Ihre recht impovisierend wirkenden Variationen im 2. Satz konnte man aber durchaus als etwas aufgesetzt und farblos werten, wie es schon im 3. Satz vom 2. Konzert der Fall war. Klangfarbe und generelles Spiel des Orchesters haben solche Momente aber auch an anderen Stellen mehr als wieder gut gemacht, daher würde ich (wieder im Gegensatz zu den Kritikern) auch nicht behaupten, Yuja Wang sei keine gute Partnerin für die Berliner, absoluter Quatsch. Wenn ich mich bis zum Schluss kaum bewege und wie gebannt lausche, dann war's gut genug für mich. Mehr als gute Unterhaltung musste man doch hier nicht erwarten, oder (Stichwort Kinotauglichkeit)? Der Drive am Ende des 3. Satzes war jedenfalls der Wahnsinn.

      Am Donnerstag gab's übrigens keine Zugabe, wie war es Samstag?
      „Jeder Mensch hat einen Instinkt dafür, ob etwas echt ist oder vorgetäuscht. Aber ich glaube, Musiker sind durch ihr Training besonders empfindlich in dieser Hinsicht. Das macht sie nicht zu besseren Menschen, aber sie registrieren mehr.“ - Herbert Blomstedt
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      Tichy1988 schrieb:

      Ihre recht impovisierend wirkenden Variationen im 2. Satz konnte man aber durchaus als etwas aufgesetzt und farblos werten
      ... vielleicht auch eine Art, den "Anti-Romantiker" Prokofiev auszudrücken ... ich fand es nicht unpassend im Gesamtbild, wohlwissend, daß man es auch anders machen/ auffassen kann (aber wo geht das nicht?)


      Tichy1988 schrieb:

      Yuja Wang sei keine gute Partnerin für die Berliner, absoluter Quatsch
      Sehe ich auch so. Das diskreditiert in meinen Augen eher den Kritiker ... sei's drum


      Tichy1988 schrieb:

      Mehr als gute Unterhaltung musste man doch hier nicht erwarten
      Mußte man nicht, völlig o.k. - aber konnte man! Und in meinen Ohren wurde man auch nicht enttäuscht ...

      LG
    • Neu

      Tastenrabe schrieb:

      ... vielleicht auch eine Art, den "Anti-Romantiker" Prokofiev auszudrücken ...
      Ja, so habe ich das auch gehört, nicht nur im zweiten Satz, sondern auch bei den etwas synthetisch klingenden lyrischen Passagen im Kopfsatz (Reprise Seitenthema) und Finale (Teile des Seitenthemas). Insgesamt eine Interpretation, die stark die überdrehte klassizistische Maschine betont (nicht nur durch das schnelle Tempo im Kopfsatz) und das Groteske profiliert.

      Ich habe die Aufführungen am Freitag und Samstag live erlebt. Freitag saß ich in Block F rechts (also erhöht hinter dem Klavier), Samstag in F links (erhöht vor dem Klavier) - Freitag erschien mir gelegentlich die Balance zugunsten des Klaviers verschoben, Samstag zugunsten des Orchesters. Mag also sein, dass es in Block A und B in der Mitte ausgewogen war. Aber bei Aussagen über Akustik und Balance bin ich nach verschiedenen Erlebnissen sehr vorsichtig geworden.

      Donnerstag (nur übers Radio gehört) gab es wohl noch kleinere Abstimmungsprobleme zwischen Pianistin und Dirigent/Orchester, Freitag und Samstag habe ich nichts davon vernommen. Yuja Wang spielte am Samstag dieselbe Zugabe wie am Freitag.

      Sowohl bezüglich der Werke wie bezüglich der Interpretationen fand ich die beiden anderen Programmpunkte allerdings fesselnder als den Prokofiev. Dazu vielleicht mehr in einem anderen Thread.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
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      Zwielicht schrieb:

      Sowohl bezüglich der Werke wie bezüglich der Interpretationen fand ich die beiden anderen Programmpunkte allerdings fesselnder als den Prokofiev. Dazu vielleicht mehr in einem anderen Thread.
      Fesselnder imO nicht unbedingt, aber - zumal der Prokofiev doch eher Standardrepertoire ist - fordernder und interessanter auf mehr Ebenen. Und ein anderer Thread zu diesen Werken wäre sicherlich gut. Zugegebenermaßen habe ich nach dem Hören der Sinfonie Schmidts einen gehörigen Respekt vor der Komplexizität dieses Werkes, was einerseits die Eröffnung eines Threads nicht wirklich erleichtert andererseits aber die Notwendigkeit eines Threads verdeutlicht ....
      LG
    • Neu

      Tastenrabe schrieb:

      was einerseits die Eröffnung eines Threads nicht wirklich erleichtert andererseits aber die Notwendigkeit eines Threads verdeutlicht ....
      Ich probier´s mal " so lala" am passenden Ort, im Lauf des Tages.
      EDIT: capriccio-kulturforum.de/index…midt-sinfonie-nr-4-c-dur/

      Mich hat Yuja Wangs Leistung in den beiden gehörten Konzerten (im Radio und im Kino, die Tonaussetzer wurden nach dem Ende der Übertragung mit Wetterproblemen in Berlin entschuldigt) ungeheuer beeindruckt. Ich habe ja erst dieser Tage eine DVD mit Martha Argerichs Liveperformance aus den 70ern gesehen. Martha Argerich wirkt auf mich da sensationell konzentriert und auf dem Sprung, eine famose Leistung. Yuja Wang hingegen hat eine Professionalität, die ganz der funktionalen Zeit des neuen Jahrtausends entspricht. Ich kann das und ich tu das und es klappt. Die Leistung darf nicht sichtbar sein, sie ist selbstverständlich abrufbar. Unheimlich. Martha Argerich blickt nach dem 1. Satz zu Previn - super, geschafft, weiter. Wang blickt auf die Tasten und schaut sich beim virtuosen Klavierspiel zu, es gefällt ihr offenbar. Und dann noch die Zugabe (nur im Kinokonzert), das Precipitato: Noch fulminanter als im Sommer davor am Odeonsplatz. Auch so eine Kraftleistung ist "einfach da", kann abgerufen werden. Sicher könnte man (ich habe die Radioübertragung aufgenommen) auch hier Fehler und Ungenauigkeiten finden, vielleicht höre ich es einmal mit Klavierauszug durch. Der Gesamteindruck war für mich aber in höchstem Maße beeindruckend.

      Im Kino gab es Werbung für eine CD- und DVD-Box der Berliner Philharmoniker zur Asientournee, darin ist wohl auch das 2. Bartók Konzert mit der damaligen Einspringerin Yuja Wang enthalten.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK