Arthur Rubinstein - edle Einfalt und stille Größe

    • Hallo Michael,

      Michael Schlechtriem schrieb:

      ...

      Horowitz und Rubinstein, man kann Sie einfach nicht vergleichen, finde ich.


      Nun, es sollte eigentlich auch kein Vergleich sein, sondern nur der Hinweis, dass es auch andere Pianisten gibt, die noch in hohem Alter zu aussergewöhnlichen Aufnahmen im Stande sind und da fällt mir jedenfalls als erstes Horowitz ein.

      Im Übrigen wäre ein Vergleich der Biographien oder Persönlichkeiten der Musiker an sich relativ sinnfrei. Allenfalls könnte man einzelne Einspielungen bestimmter Werke vergleichen.

      Vielleicht kennt jemand dieses Buch über Arthur Rubinstein:



      Ich habe vor etlicher Zeit auch ein sehr schöne filmische Biographie über ihn gesehen.

      VG Bernd
      ------

      Mit meinem Unwissen kann man ganze Bibliotheken füllen.
    • B.Albert schrieb:

      Nun, es sollte eigentlich auch kein Vergleich sein, sondern nur der Hinweis, dass es auch andere Pianisten gibt, die noch in hohem Alter zu aussergewöhnlichen Aufnahmen im Stande sind und da fällt mir jedenfalls als erstes Horowitz ein.
      Ich habe Horowitz 1987 live gehört, und fand vor allem seinen im Piano fast schwerelosen, aber unglaublich tragfähigen Klang faszinierend, aber auch sein enormes Gespür für Timing und manches mehr. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass gegenüber früheren Auftritten (Aufnahmen) seine manuelle Sicherheit und seine Kraft unüberhörbar abgenommen hatten. Das spiegelte sich schon in der Programmauswahl, die mit Chopins As-Dur-Polonaise nur ein einziges pianistisches Schwergewicht enthielt, ansonsten aus allerlei Petitessen bestand. Wie gesagt: Ich bewundere ihn für seine Leistung auch in diesem Konzert, aber sein Spiel hatte - im Positiven aber auch im Negativen - viel mehr von einem "Altersstil" als bei Rubinstein, dessen Chopin-Aufnahmen man es einfach nicht anhört, dass da ein 80-Jähriger spielt. Bei Horowitz hat man das seinerzeit in jedem Moment gehört.

      Christian
    • Frage an die Freaks: Wenn man wie ich noch gar nichts mit Rubinstein und Chopin hat: Welche Box würde sich denn da als Einstieg empfehlen?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann

      Ein Pianist, der still und schweigend am Klavier sitzt, ist bereits eine Aussage.
      Rebecca Saunders
    • Es gibt meines Wissens nur eine Chopin-Box, die mehrfach wieder neuaufgelegt wurde. Diese enthält meines Wissens normalerweise die letzten (Stereo-)aufnahmen der entsprechenden Werke. Bei den Balladen und der h-moll-Sonate ist das sowieso die einzige, dagegen liegen die Preludes nur in einer Aufnahme von ca. 1946 vor.
      Wenn ich recht sehe hat AR Mazurken, Polonaisen, Scherzi, Nocturnes je dreimal eingespielt, die Walzer und Impromptus zweimal, die Konzerte 3-4mal, die b-moll-Sonate eher noch häufiger. Typischerweise je einmal in den 1930ern, 1940ern/50ern (mono) und dann nochmal in den 60ern in stereo.

      Dank der BIG BOX habe ich die inzwischen auch alle, aber noch nie verglichen. Während die Stereo-Aufnahmen vermutlich heute die verbreitetsten sind, ziehen viele Kenner teilweise die weniger abgeklärten früheren Aufnahmen vor. (Jung war AR bei deren Aufnahme allerdings auch nicht....)

      Wie auch immer. Wenn Du eine günstige Box willst, gibt es nicht viel zu entscheiden. Einzeln gibt es alles evtl. gebraucht in den Ausgaben der Rubinstein-Edition, die vor ca. 15 Jahren herausgekommen ist.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Gurnemanz schrieb:

      Frage an die Freaks: Wenn man wie ich noch gar nichts mit Rubinstein und Chopin hat: Welche Box würde sich denn da als Einstieg empfehlen?

      Das wäre der (gemessen am Preis pro CD) preisgünstige Rundumschlag:



      Das wäre die Ergänzung um ältere Aufnahmen - wobei ich persönlich zunächst andere Interpreten vorziehern würde, z. B. Zimerman für die Konzerte (beide Aufnahmen), Andnes für die Sonaten, Pollini und Cortot und Perahia für die Etüden, Cortot für die Préludes, ...



      (Chopin-Freak bin ich wohl nicht .. aber wenn es schon Chopin sein soll, dann gerne mit Rubinstein)

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Danke für Eure Antworten! Jetzt habe ich eine Vorstellung, was ich zu tun hätte, wenn ich mein Chopin-Interesse ausweiten sollte (momentan bin ich bei Pollini).

      :wink: :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann

      Ein Pianist, der still und schweigend am Klavier sitzt, ist bereits eine Aussage.
      Rebecca Saunders
    • Ich muss gestehen, dass ich von den Preludes (die ich aber erst einmal angehört habe) bisher nicht soo begeistert war. Kann aber neben dem eingeschränkten Klang auch daran liegen, dass ich die Preludes schon lange vorher in anderen Interpretationen kennengelernt habe, während bei den meisten Mazurken, einige Polonaisen und einigen Nocturnes Rubinstein zu meinen ersten Aufnahmen gehörte. Meinem Eindruck nach werden die Mazurken und Polonaisen in Rubinsteins Einspielungen oft als besonders idiomatisch hervorgehoben. Aber natürlich ist das fast alles derart häufig eingespieltes Repertoire, dass es sehr viele hochgelobte Interpretationen gibt.

      Etwas vorsichtig wäre ich bei der EMI-Box. Diese Vorkriegsaufnahmen (HMV, glaube ich) wurden für die RCA-Ausgaben von einigen der besten Remasteringtechniker überspielt, ob EMI da ähnlich Sorgfalt hat walten lassen, weiß ich nicht.

      Die beiden Etüdenzyklen opp.10 und 25 fehlen bei Rubinstein. Da braucht man in jedem Falle also eine andere Aufnahme.
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    • Chopin und Rubinstein das ist eine optimale Verbindung. Ich persönlich liebe seine Einspielung der Walzer, die ich noch als LP besitze. Die wurden auch in der Serie aller Aufnahmen wiederveröffentlicht. Des Weiteren finde ich auch seine Nocturnes ganz grossartig.
      Aber im Grunde kann man alles was er an Chopin aufgenommen hat empfehlen. Die älteren Mono Einspielungen finde ich wegen der Klangqualität nicht befriedigend. Wegen der grossen Auswahl an hochkarätigen neueren Aufnahmen muß man auch nicht unbedingt darauf zurückgreifen. Aber wer Rubinstein auch als vergleichsweise "jungen" Künstler erleben möchte, der kommt um die älteren Einspielungen nicht herum.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Aber wer Rubinstein auch als vergleichsweise "jungen" Künstler erleben möchte, der kommt um die älteren Einspielungen nicht herum.
      Das will ich wohl meinen. Im Stereozeitalter war AR schon steinalt, wenn auch noch topfit - dennoch spielte er in jungen und mittleren Jahren einfach anders. Und nicht alle historischen Aufnahmen klingen wirklich sooooo schlecht; manche wurden hervorragend remastert. Kürzlich hörte ich mit Begeisterung das f-moll Konzert, 1931 mit dem LSO unter Barbirolli aufgenommen. Unbedingt hörenswert.




      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Die "mittleren" Aufnahmen um 1950 klingen m.E. einwandfrei (für ein einzelnes Klavier ist stereo überschätzt :hide: ) und ich habe normalerweise auch keine Schwierigkeiten mit Schellacküberspielungen aus den 1930ern. Bloß gibt es die "mittleren" eben gar nicht in einer Sammelbox, sondern nur als Einzel bzw. Doppel-CDs (Mazurken, Nocturnes).
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    • Kater Murr schrieb:

      Die "mittleren" Aufnahmen um 1950 klingen m.E. einwandfrei (für ein einzelnes Klavier ist stereo überschätzt :hide: )


      Finde ich auch - ich habe damals die Einspielungen aus der Rubinstein Collection gekauft und bin mit der Klangqualität absolut zufrieden - und was die Überschätzung von Stereo in diesem Zusammenhang angeht, lieber Kater, sind wir schon mal zwei ;+)

      Kater Murr schrieb:

      Bloß gibt es die "mittleren" eben gar nicht in einer Sammelbox, sondern nur als Einzel bzw. Doppel-CDs (Mazurken, Nocturnes).


      Aber deren Anschaffung lohnt sich, wie ich finde ;+)
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Caesar73 schrieb:

      und was die Überschätzung von Stereo in diesem Zusammenhang angeht, lieber Kater, sind wir schon mal zwei ;+)
      Drei :thumbsup:

      Ich gehe noch einen Schritt weiter: Tonqualität und Stereo sind nichts anderes als hübsche Verpackungen eines Produkts, das sich Musik nennt. Die Musik zählt, nicht die Verpackung. Wenn die Tonqualität gut ist: umso besser. Ist sie nur 40er oder 50er Jahre-mäßig, macht das auch überhaupt nichts, solange die Interpretation herausragend ist. Und das ist sie bei Rubinsteins 1946er Sichtweise der Chopin-Préludes (wie auch bei der zweiten Sonate in Rubinsteins historischer Aufnahme, die üblicherweise auf Einzel-CDs mit den Préludes gekoppelt wird) allemal.

      Den Meinungsstand (Bewunderer der 1946er Préludes-Aufnahme wegen ihrer künstlerischen Bedeutung vs. Skeptiker wegen ihres Monoklangs) kann man ganz gut hier nachlesen:
      "http://www.amazon.com/Rubinstein-Collection-Vol-Barcarolle-Impromptu/product-reviews/B001411W9W/ref=cm_cr_pr_btm_link_1?ie=UTF8&showViewpoints=0&sortBy=byRankDescending"
    • Jedenfalls, und das muß ich zugeben, haben die Tontechniker bei der Rubinstein Serie gute Arbeit geleistet. Da klingen auch die älteren Aufnahmen noch ganz passabel. Aber das ist ja auch der Kompromiss den man eingehen muß wenn man Rubinstein aus seiner Glanzzeit hören möchte. Das musikalische Ergebnis ist jedenfalls immer großartig.

      Ich bedauere übrigens dass er nicht mehr von Brahms eingespielt hat. M.E. war er einer der bedeutendsten Brahms Interpreten. Seine Aufnahmen der Klavierquartette und des Quintetts mit dem Guarneri Quartett gehören für mich zu den Sternstunden der Kammermusik. Aber reine Klaviermusik gibt es nicht so viel mit ihm.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Der Ausnahmerang der Brahms-Aufnahmen (Konzerte, Solo, Kammermusik) Rubinsteins ist meinem Eindruck nach weitgehend anerkannt. Ich würde die, allein mangels allzu viel Konkurrenz eher noch höher einstufen als den Chopin. Die Kammermusik ist ja nahezu vollständig, außer den Werken mit Bläsern. Wenn es die späten Klavierstücke opp. 116-119 komplett gäbe, das wäre schon was!
      An der BIG BOX befremdet ein wenig das Gegenüber von manchmal drei oder viermaligen Aufnahmen einiger Standard- oder Lieblingswerke und Lücken, nicht nur bei Brahms, sondern natürlich auch bei Beethoven, Schumann oder eben auch Chopins Etüden.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Seit einiger Zeit höre ich mich durch die eingangs genannte Complete Album Collection. Mal bin ich mehr, mal weniger begeistert, meist mehr.

      Chopin und Rubinstein gehören für mich seit langer Zeit zusammen. "Nehmen Sie Rubinstein", raunte mir älterer, vertrauenserweckender anderer Kunde im Plattenladen zu, als ich vor vielleicht 20 Jahren in den Chopin-Aufnahmen stöberte. Ich befolgte die Empfehlung, kauft die oben gezeigt, 11CD-Box und versank zuhause im reinsten HörGlück. Wie kann ein Mensch die Nocturnes so spielen? So beseelt und übervoll mit Musikalität.

      Es hat Jahre gedauert, bis ich Rubinstein mit anderen Komponisten hörte. Erst waren es einige Beethoven-Sonaten. Damals kannte ich besonders Gulda. Dessen Zugang blieb mir lieber.

      Über Feuermann kam ich dann zu den Trio-Aufnahmen mit ihm, Rubinstein und Heifetz. Zum Niederknien, vor allem das Trio von Tchaikovsky! Es folgte der Brahms, allerdings nicht die Sololiteratur, sondern die Kammermusik mit dem Guarneri Quartett. Wieder allerhöchste Klasse!

      Damit war ich irgendwie durch. Die eine oder andere Platte erwarb ich noch, ohne dass sich jemals wieder ein Funke, den geschilderten ähnlich einstellte.

      Jetzt gerade läuft die CD "Music of France", aufgenommen 1963:

      Und da ist es wieder, dieses ungläubige Staunen über Rubinsteins unfassbare Musikalität, über sein Rhythmusgefühl, aber auch über seine Delikatesse und Finesse! Eine CD für die einsame Insel.

      Wunderschön, dass es solch wunderbare Talente wie Rubinstein gibt und wir an seiner Kunst teilhaben dürfen.

      Nebenbei: Ich wusste gar nicht, dass Rubinstein auch so viel de Falla gespielt hat. Nächte in spanischen Gärten hatte er gleich mehrere.

      Noch nebenbeier: Ich kenne den Vornamen üblicherweise ohne "h". Dann und wann gibt es ihn aber auch mit, ich weiß.
    • Neu

      Zur Schreibweise des Vornamens:

      Momentan lese ich in den - kurzweiligen - Erinnerungen Rubinsteins. Darin heißt es: "Artur soll er heißen", bestimmte er, "wie Artur Goldsobel (ein Nachbarssohn), der spielt so schön Geige, vielleicht wird er dann auch ein großer Musiker". Also nannte man mich Artur - Arthur ist die englische Schreibweise.