Piratenpartei verlangt Schließung der Deutschen Oper Berlin

  • inland_empire schrieb:

    Mal im Ernst: sie gehen da ziemlich naiv an die bestehenden Strukturen
    ran, auch wenn sie mehr für die Alternativszene sprechen wollen. Daß
    eine Oper so ohne Weiteres nicht mehr überleben kann, scheint sie dabei
    weniger zu interessieren; ich fürchte, sie gehen da ohnehin nicht hin. :stern:

    Die Gestalten von der Piratenpartei haben sicherlich noch nie ein Opernhaus von innen gesehen - weil es sie nicht interessiert. Aber dann einfach vollmundig eine Streichung der Subventionen fordern! Das hat man gern!


    Idioten ... Gestalten, ist das jetzt der Stil einer politischen Auseinandersetzung?

    Liebe Grüße Peter
    .
    Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
    (Hermann Bahr)
  • Josquin Dufay schrieb:

    Z.B. Musik auf Weltniveau zu machen, ist ein Fulltime-Job. Man ist also darauf angewiesen, daß finanziell auch etwas herumkommt. Wieviel es ist, weiß man ja nie, aber eine grundsätzliche Summe muß zusammenkommen, sonst lohnt der Aufwand nicht.


    Aber die großen Musikfirmen sind ja nun - vorsichtig gesagt - nicht generell ein Unterpfand dafür. Deshalb stören sich viele Musiker auch nicht am Runterladen, bei dem für sie nix rumkommt. Z.T. wird das sogar als gute Werbestrategie gesehen, weil sich Begeisterte dann den Tonträger kaufen.
    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
  • Peter Brixius schrieb:

    Idioten ... Gestalten, ist das jetzt der Stil einer politischen Auseinandersetzung?


    Ach, ein bisschen Leidenschaft darf doch dabei sein. Und um mal was Gutes über die Piraten zu sagen: Solche Wortwahl nehmen die im Durchschnitt wohl eher sportlich.
    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
  • Tyras schrieb:

    Deshalb stören sich viele Musiker auch nicht am Runterladen, bei dem für sie nix rumkommt. Z.T. wird das sogar als gute Werbestrategie gesehen, weil sich Begeisterte dann den Tonträger kaufen.
    Das halte ich für einen Mythos der Schwarzkopie-Download-Lobby. Ich war bis vor einigen Jahren in einem Homerecording-Forum (also Pop-orientiert) in dem sich auch einige Profimusiker tummelten. Fast keiner von denen war von Filesharing & Co begeistert.

    Gerade aktuell auch wieder:

    br.de/radio/bayern2/sendungen/…regener_interview100.html

    edit: aach - ich sehe gerade, dass wurde ja oben schon zitiert.. :)
    wellen unterschiedlicher frequenz und töne verschiedener höhe
  • Ich habe diverse Künstler in der Mandantschaft, die sher froh darüber sind, dass sie wenigstens noch ein paar Euros aus der Rechteverwertung bekommen.
    Alle, die für freie Rechte sind, kommen mehrheitlich aus der Konsumentenecke.

    Grüße
    AchIm
  • Josquin Dufay schrieb:

    Ich habe grad das Interview des BR mit Regener gehört:

    "http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html"

    Ohne Frage: er hat grundsätzlich Recht mit dem, was er sagt. Ein Künstler zu sein, ist kein Hobby, sondern zuweilen harte, schwierige Arbeit. Tolle Songs oder Bücher zu schreiben oder Filme zu machen sind kreative Arbeit, die solange dauert wie sie eben dauert. Sie dauert jedenfalls nie solange, wie man braucht, es niederzuschreiben, sondern immer länger.

    Z.B. Musik auf Weltniveau zu machen, ist ein Fulltime-Job. Man ist also darauf angewiesen, daß finanziell auch etwas herumkommt. Wieviel es ist, weiß man ja nie, aber eine grundsätzliche Summe muß zusammenkommen, sonst lohnt der Aufwand nicht.


    jd :wink:

    Ich finde auch, daß Sven Regener Recht hat, weil er auf eine Doppelmoral aufmerksam macht, die vielen nicht bewußt ist. Wenn man das Programm eines Programmierers knackt und vertreibt, ist die Hölle los. Wenn man hingegen künstlerische Erzeugnisse auf ähnliche Weise vertreibt, gilt das inzwischen fast als normal.

    Nun wird man die Zeit nicht zurückdrehen können, weshalb es wichtig ist, das Urheberrecht so zu gestalten, daß (i) die Künstler für ihr geistiges Eigentum auch angemessen entlohnt werden und (ii) eine lebendige Internet-Kultur bestehen bleibt. Punkt (i) als geringfügig zu erachten, bedeutet nichts anderes als einen Rückfall in Zeiten, in denen es noch kein Urheberrecht gab und in denen sich viele Leute an Kunstwerken delektiert haben, während deren Schöpfer Hunger litten. Ach nee, die erhalten dann ja das bedingungslose Grundeinkommen... :hide:

    LG :wink:
    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
  • Tyras schrieb:

    Aber die großen Musikfirmen sind ja nun - vorsichtig gesagt - nicht generell ein Unterpfand dafür. Deshalb stören sich viele Musiker auch nicht am Runterladen, bei dem für sie nix rumkommt. Z.T. wird das sogar als gute Werbestrategie gesehen, weil sich Begeisterte dann den Tonträger kaufen.
    Das ist aber eine gewagte These: ein Musiker wie auch seine Plattenfirma können die illegalen Downloads doch gar nicht verhindern, sosehr sie auch dagegen wettern. Das ist alles andere als Nicht-dran-stören.

    Und wenn heutzutage ein Musiker einen Plattendeal unterschreibt, ohne den Vertrag vorher von einem spezialisierten Anwalt überprüfen zu lassen, der darf sich nicht wundern, wenn wenig am Ende herauskommt. Eine Plattenfirma ermöglicht ja ein ganz anderes Niveau an Vermarktung, Verkauf usw. als ein Ein-Mann-Unternehmen im Netz. Auch heutzutage noch. Dafür muß man halt sein Salär runterschrauben.

    [Dieser ewige Kampf gegen die Plattenfirma - sicherlich haben sich Musiker übern Tisch ziehen lassen, ne ganze Menge, aber es gibt auch welche, die ganz clever waren, wie z.B. die Beatles, Pink Floyd oder Iron Maiden. (Gut, die gehören zu den Goldeseln.)]

    Wer unabhängig sein will, muß alles selber machen. Bei manchen Musiker ist das definitiv klug gewesen (Loreena McKennitt, Peter Gabriel), aber nicht jeder hat den Geschäftssinn dafür.


    jd :wink:
    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux
    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul
  • EinTon schrieb:

    Und gerade Filme sind ohne beträchtliches Budget überhaupt nicht herzustellen...
    Man sieht einem Film sofort an, ob er teuer war oder nicht. Die größte Kunst von Low-Budget-Streifen liegt darin, dieses Aussehen so gut wie möglich zu kaschieren. (Regel: alles, was vor der Kamera erscheint, kostet Geld.)

    Ein Film zu machen, ist ein 24-Stunden-Job: erst, wenn er fertig ist, hört man auf, daran zu arbeiten. Ein Film vereinnahmt einen völlig, zumindest im Kopf.


    jd :wink:
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    Hudebux
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    Jean Paul
  • Josquin Dufay schrieb:

    Man sieht einem Film sofort an, ob er teuer war oder nicht. Die größte Kunst von Low-Budget-Streifen liegt darin, dieses Aussehen so gut wie möglich zu kaschieren.

    Auch die Produktionskosten von Low-Budget-Filmen sind noch so hoch, dass ein solcher Film als "Freeware" wohl nicht produzierbar wäre...
    wellen unterschiedlicher frequenz und töne verschiedener höhe
  • Das gilt schon für No-Budget-Filme, wenn sie ordentlich gemacht sein sollen - als Hobby ist Filmemachen definitiv ruinös... :cursing:


    jd :wink:
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    Jean Paul
  • Symbol schrieb:

    Er macht! Wobei er eher fürs Dichterische zuständig ist.



    Und die schöne Trompete?
    -
    Aber klar, die Texte sind auch hervorragend!


    "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
    Joris-Karl Huysmans
  • Diese Forderung der Piraten wundert mich nicht. Ich habe mal versucht, mit ein paar Vertretern von Generation Google Kulturpolitik zu diskutieren, und nach wenigen Minuten frustriert das Handtuch geworfen. Warum? Weil diese Menschen allen Ernstes behaupteten: Kultur überhaupt ist "unwichtig". Musiker sollen gefälligst "umsonst" arbeiten, denn "Musik machen ist keine Arbeit". Musik ist zur Unterhaltung aller da, und zwar gratis (daß Musik-Wollen einerseits und Kultur-Unwichtig-Finden andererseits ein Widerspruch ist, haben sie nicht bemerkt).

    Traurig ist es, daß die Partei mit solchen skandalösen Forderungen auch noch - vermutlich zu recht - hofft, breite Unterstützung bei ihrer Wählerschaft zu finden. Vergleichbar mit dem Ruf nach der Schließung der Komischen Oper ist die Forderung nach der Schließung der Bismarckoper auch nicht, denn diese ist ohne Frage das Flaggschiff der Berliner Opernhäuser.

    Anstelle der Deutschen Oper könnte man den Ehrensold für unehrenhafte Ex-Präsidenten und 5-Tages-Senatoren abschaffen.
    "To me, Eurotrash is Zeffirelli." Graham Vick
  • EinTon schrieb:

    Tyras schrieb:

    Deshalb stören sich viele Musiker auch nicht am Runterladen, bei dem für sie nix rumkommt. Z.T. wird das sogar als gute Werbestrategie gesehen, weil sich Begeisterte dann den Tonträger kaufen.
    Das halte ich für einen Mythos der Schwarzkopie-Download-Lobby. Ich war bis vor einigen Jahren in einem Homerecording-Forum (also Pop-orientiert) in dem sich auch einige Profimusiker tummelten. Fast keiner von denen war von Filesharing & Co begeistert.

    Gerade aktuell auch wieder:

    br.de/radio/bayern2/sendungen/…regener_interview100.html

    edit: aach - ich sehe gerade, dass wurde ja oben schon zitiert.. :)


    Mag sein, dass das eher ein Mythos ist. Ich hab da zu wenig Einblick. In der von mir oben verlinkten Antwort auf Sven Regener wird aber sogar behauptet, mit dem Internet könne man besser verdienen, da höherer Anteil an Werbeeinnahmen bzw. bei einem Deal mit Amazon.

    :wink:
    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
  • Über Sven Regener sind infolge seines Interviews zwei grundsätzliche Reaktionen herein gebrochen. Über Facebook z.B. konnte ich verfolgen, dass ihm sämtliche ausübende Künstler und Musiker, die ich kenne, dankbar waren. Und Menschen der Generation 40+, die noch wissen, wie man Tonträger in Geschäften erworben hat. Von anderer Seite brach das über Regener herein, was man im Internet-deutsch wohl als "shitstorm" bezeichnet. Nach dem Motto, er sei ein alter, saturierter Knacker, der noch nicht in der neuen Zeit angekommen sei. Bei diesen Reaktionen ist wahnsinnig viel durcheinander geschmissen worden. Da war mal die GEMA der Feind, dann die sogenannte "content industry", dann die Künstler selbst, die sich doch gar nicht so nennen dürften, wenn sie Geld für ihr Tun verlangen würden. Es war ein Irrsinn! Und es bestätigte Regener in seiner Kernaussage, Kunst würde nur noch als "exzentrisches Hobby" wahrgenommen werden.

    Die GEMA hat in der Tat viel Mist gebaut - allerdings mehr zu Lasten eines Großteils der in ihr organisierten Mitglieder als für die Konsumenten (Regionalschlüssel!). Die Plattenindustrie hat mit wirrem Kopierschutz und schwer nachzuvollziehenden DRMs sich ins eigene Bein geschossen. Das ist alles unbestreitbar. Ob nun in Zukunft Google/YouTube oder Spotify die Urheber entlohnen oder die Plattenfirmen, kann mir egal sein. Solange eben Google/Youtube oder Spotify (oder andere Web-Firmen) für die Infrastruktur sorgen, in denen immer wieder Musik entstehen und produziert werden kann. Und da habe ich meine Zweifel. Produziert haben die bislang gar nichts. Sie haben es nur vertrieben. Und zumeist auch noch umsonst. Das kann so nicht funktionieren.

    :wink:
    C.
    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)
  • Das Problem ist doch, daß es bis heute kein wirklich tragfähiges Internet-Geschäftsmodell für den Vertrieb von Musik gibt. Beim Download über iTunes oder die künstlereigene Homepage bleibt die Gefahr der Anschluß-Piraterie. Die einzige Möglichkeit, die ich noch sehe, ist die einer Pauschale pro Internet-Anschluß, die nach einem noch festzulegenden Schlüssel auf die besonders von der schnellen Vertreibbarkeit kopierter Ware mittels Internet betroffenen Künstler verteilt wird. Ein ähnliches Modell wird m. W. mit der VG Wort im Bereich von Druckwerken betrieben, nur daß beim Internet die Beträge höher ausfallen müßten.

    Ich frage mich, was die Piraten wohl sagen würden, wenn man bei ihrer nächsten Parteitags-Pinkelpause einfach mal durch die Reihen geht und alle Notebooks klaut. Das ist letztlich auch nichts anderes als das Online-Klauen von Musik. Man könnte die Computer dann bedürftigen Familien zukommen lassen und damit noch ein gutes Werk tun, während das Klauen von Musik nur der egoistisch motivierten eigenen Erbauung dient.

    LG :wink:
    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler


  • Wir sollten uns bei der Diskussion um Sachlichkeit bemühen. Bisher bewegt sicht der Diskurs - was die Sache angeht - noch im Rahmen. Dabei sollte es bleiben. Bei der Wortwahl bitte ich um Zurückhaltung, damit es erst gar keinen Grund zur Beanstandung gibt.

    Für die Moderation:

    Caesar73

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere
  • Von der Homepage der Piratenpartei:

    Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen,
    Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern
    explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information,
    Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle
    Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche
    Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar.


    [...]

    Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in
    vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem
    fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen
    der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und
    Kultur jedoch nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines
    Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen
    zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist
    daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der
    menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

    Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire
    Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt
    insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen
    auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.

    Übersetzt bedeutet dies: wer für seine Leistungen irgendwas dem öffentlichen Raum entnimmt, der hat diese Leistungen anschließend für ein Appel und ein Ei der Allgemeinheit zur Verwurstung zu überlassen. Nach dieser Logik müßte auch eine Putzfrau quasi umsonst putzen gehen, da sie schließlich ihre grundlegenden Fertigkeiten auf irgendeiner öffentlichen Schule erlernt hat. Und der Musiker, der sich von gemeinfreien Werken hat inspirieren lassen, hat seine eigenen Kreationen bitte auch günstig der Allgemeinheit zu überlassen.

    LG :wink:
    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler