Die Klarinette

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    • Hudebux schrieb:

      Warum ist die Duodezime problematischer als eine Oktave? Per se finde ich das nicht einleuchtend.


      Ich meine, ich hätte das schon öfter gelesen, finde aber momentan keine gute Quelle. Außer, dass Stephanie Angloher (Onkel Google fragen) in ihrer Dissertation auf Seite 70 das ausdrücklich erwähnt (aber nicht näher begründet). Meine eigene Vorstellung ist, dass es sehr viel schwieriger ist, für Tonlöcher die richtige Position und Größe zu bestimmen, damit dieses zwei oder mehreren verschiedenen Lagen dient, zumal bei der Klarinette durch die Duodezime viele "Seiten"klappen hinzukommen, die bei der Oktave nicht nötig wären. Aber diese Vorstellung ist auch zuwenig begründet.

      Eine Sache, die allerdings nur indirekt mit der Duodezime zu tun hat, ist der Mißstand, dass die Duodezimklappe gleichzeitig auch die Klappe für das b' ist, und als Kompromiss für das b' zu klein und zum Überblasen zu groß ist, oder so ähnlich, sowie für das b' auch nicht an der richtigen Stelle.
      Wir hatten hier ja gerade noch diskutiert, dass man mit der richtigen Technik die Tonhöhe stark modulieren kann. Für die perfekte Intonation muss man das wohl beherrschen.


      Ja. Ich muss das alles üben. Etwa auch "lange Töne" zu Beginn, da verzichte ich gerne drauf, weil ich das langweilig finde. (Stattdessen gehen ich momentan die einzelnen Töne mit dem Tuner durch, was aber wohl kein guter Ersatz dafür ist.) Abgesehen davon gibt es ja noch Griffkorrekturen etc. Das Buch von Brymer z. B. ist voll von Hinweisen dazu, und man gewinnt schnell den Eindruck, dass man die gelernten "Basis"-Griffe selbst so gut wie nie verwendet, um es etwas übertrieben auszudrücken. Allerdings sind diese Tricks nicht nur zwischen "deutsch" und "Böhm" unterschieldich, sondern auch von den einzelnen Modellen. Von den vielen möglichen Parametern wie Mundstück, Blatt, Blattschraube, Birne mal ganz abgesehen.
      Nimmst Du eigentlich Unterricht? Falls ja, würde ich mal Deinen Leher bzw. Deine Lehererin fragen, ob Deine Klarinette ein Problem hat. Wenn sie kein Problem hat, dann hilft nur üben, üben, üben :pfeif:

      Ich hatte Lehrer und Lehrerinnen, aber das ist mehr als 10 Jahre her. Seitdem habe ich die Klarinette so gut wie garnicht mehr angerührt, erst seit wenigen Monaten wieder. Ich fange also wieder neu an. Mein erster Lehrer hatte nichts dagegen, dass ich mit Boehm anfangen wollte, obwohl er selbst "natürlich" Oehler spielte. (Ab und zu gab es mal die eine oder andere leicht abfällige Bemerkung über den Klang einer Boehmklarinette schlechthin.) Auf der anderen Seite lobte er meinen Klang und hat auch mal meine Klarinette angespielt. Kann mich nicht erinnern, dass er irgendetwas beanstandet hat. Bzgl. Intonation meinte er, dass man merken würde, dass ich viel klassische Musik höre. Mag ja sein, dass ich unbewusst beim Spielen eines Stückes die Intonation anpasse.
      Die kurzen Töne sind leider nicht so wohlklingend auf der Klarinette. Irgendwie matt.
      Und für die ganz hohen Töne müssen Ansatz und Atemtechnik perfekt sein.


      Und hast du deine Intonation mal ausgemessen?

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • arundo donax schrieb:

      Wer hat dir das denn erzählt?

      In der Zeitschrift "Rohrblatt" (die besonders viele für Klarinettisten interessante Artikel enthält!) gibt es einen Beitrag über Intonationsmessungen an Oboen/Oboisten. Die Messungen ergaben, dass Oboen im Hinblick auf die Intonation in einem geradezu erschreckend hohen Maße problematischer sind als Klarinetten. Die beiden Autoren Christoph Teßmar und Martin Schöttle (letzterer ist Klarinettenbauer) schreiben u.a.:
      Okay, dann habe ich das wohl missverstanden.

      Wenn ich mir die Intonationskurven, etwa bei Clarissono, anschaue (es ist sogar eine für mein Modell dabei), dann muss ich mich nicht unbedingt verstecken. Die der Oboen sind teilweise in der Tat noch schlechter.

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Hudebux schrieb:

      Wisst Ihr gute Übungen?
      Hmm, ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich dieses Fehlverhalten nicht auch begehe. Glaube allerdings, dass ich das nicht tue. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch hier die langen Töne (crescendo - decrescendo) mit bewusster Konzentration auf Zwerchfellatmung und - stütze hilfreich sein sollten. Und dann erstmal nur Legatospiel mit derselben Konzentration. Aber das sind nur meine eigenen Thesen dazu. Frag doch deinen Lehrer mal dazu.

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Und hast du deine Intonation mal ausgemessen?
      So masochistisch war ich noch nicht. Werde ich mal machen...


      Und dann erstmal nur Legatospiel mit derselben Konzentration.
      Das mache ich gerade. Ich missbrauche dazu den molto-allegro-Satz der Klarinettensonate von Camille Saint-Säens als Legatoetüde, die ich freilich die meiste Zeit schön langsam spiele. Da geht es rauf und runter von e bis a'''.
    • arundo donax schrieb:

      maticus schrieb:

      So war ich neulich nach dem Warmspielen schon bei a'=445-446 Hz.

      Wenn ein Oboist neben dir sitzen würde, würde den das wahrscheinlich freuen..... :D

      Übrigens habe ich solche Bemerkungen schon häufiger irgendwo gelesen. Was steckt eigentlich tatsächlich dahinter, abgesehen von dem Witz dabei? Tendieren Oboisten -- mehr als andere -- dazu, zu hoch zu intonieren?

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • maticus schrieb:

      Tendieren Oboisten -- mehr als andere -- dazu, zu hoch zu intonieren?
      Ja, dazu tendieren Oboisten wohl. Der frühere Solooboist des Hamburger NDR-Orchesters hieß Manfred Zeh. Er spielte tonlich großartig, aber sein Spitzname lautete nicht völlig grundlos Manfred Cis.... :D

      Auf 446 kann ich, wenn es sein muss, gut spielen, 440 ist schon ein ziemliches Problem.

      Herzliche offtopische Grüße

      Bernd
    • Wie steht Ihr dazu? Weniger beim Spielen als beim Hören, aber man kann natürlich über beides reden. Ich bin den "deutschen" vibratolosen/armen Stil so gewöhnt, dass ich z.B. gerade in der historischen Diapason-Brahms-Box Reginald Kell in op.120 (aufg. 1949) höflich ausgedrückt gewöhnungsbedürftig finde. Die Kombination von historischer Aufnahmequalität und Vibrato löst leichte Übelkeit aus...
      Allerdings ist anscheinend unstrittig, dass Ende des 19. Jhds. auch die Deutschen vibriert haben, also z.B. Mühlfeld; ich habe irgendwo mal einen Bericht über frühe Aufführungen des Brahms-Trios gelesen und da hieß es, Mühlfeld habe mit mehr/stärkerem/weiterem Vibrato gespielt als der Cellist!
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Wie steht Ihr dazu? Weniger beim Spielen als beim Hören, aber man kann natürlich über beides reden. Ich bin den "deutschen" vibratolosen/armen Stil so gewöhnt, dass ich z.B. gerade in der historischen Diapason-Brahms-Box Reginald Kell in op.120 (aufg. 1949) höflich ausgedrückt gewöhnungsbedürftig finde. Die Kombination von historischer Aufnahmequalität und Vibrato löst leichte Übelkeit aus...
      Allerdings ist anscheinend unstrittig, dass Ende des 19. Jhds. auch die Deutschen vibriert haben, also z.B. Mühlfeld; ich habe irgendwo mal einen Bericht über frühe Aufführungen des Brahms-Trios gelesen und da hieß es, Mühlfeld habe mit mehr/stärkerem/weiterem Vibrato gespielt als der Cellist!
      Ich habe in op.120 gerade bei Spotify reingehört.
      open.spotify.com/track/5Nju0LMdpaFvPsN1O1MuAt
      Erstaunlich. Habe ich so auch noch nicht gehört. Vibrato habe ich auf der Klarinette ehrlich gesagt noch nie gespielt. Höchstens unfreiwillig, wenn ich mit kaum noch Luft einen langen Ton aushalten muss.

      Schauerlich schön auch das Klarinette Quintett, wo Reginald Kell, mit den Streichern um die Wette vibriert.
      open.spotify.com/track/5dlOAWQj2K5nCADROHo31g



      Hudebux
    • Soweit ich weiss, hatte der Jazzer Benny Goodman Unterricht bei Reginald Kell genommen. Generell, auf vielen Klassik-CDs mit dem LSO, LPO u.s.w. höre ich oft ein leichtes Vibrato bei den Klarinetten. Wohl ein Feature der britischen "Schule".

      Selbst bevorzuge ich (als Hörer) Klarinette vibratolos, habe aber nichts gegen ein leichtes, niederfrequentes Vibrato; insbesondere bei "moderner" Musik und im Altissimo-Register. Dann kann es angenehm wie entspanntes "Wellenreiten" wirken.

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • maticus schrieb:

      Soweit ich weiss, hatte der Jazzer Benny Goodman Unterricht bei Reginald Kell genommen
      Wann soll das gewesen sein? Davon schreibt er nicht mal in seiner Biographie. Er hat bei Prof. Franz Schoepp gelernt, der wiederum im Chicago Symphony Orchestra gespielt hatte und zu den vielen Auswanderern gehört hatte, die um den 1.Weltkrieg herum in die USA kamen. Ebenfalls bei Schoepp studierten die späteren Jazzklarinettisten JImmie Noone und Buster Bailey.

      Einen vibratoloser Klarinettenton finde ich absolut langweilig, oft kalt wirkend, doch das ist Ansichtssache.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Wenn der Bericht über Mühlfeld, an den ich mich erinnere, stimmt, dann war Kell sicher nicht der erste, der Vibrato verwendete. Zumal es im Jazz durchgehend üblich war.
      Ich vermute, dass es in der Klassik lokale Unterschiede gab und sich schon früh im 20. Jhd. zumindest im "deutschen" Bereich kein/kaum vibrato durchgesetzt hatte. Die britischen Musiker in Klemperers/Legges Philharmonia in den 1960ern spielen kein/kaum vibrato, sogar bei der Oboe nur wenig.
      Auf der genannten Diapason-Brahms-Box ist das Quintett mit Leopold Wlach (1902-56), aufg. Westminster 1953 mit dem Wiener Konzerthausquartett, der spielt ohne vibrato. (Der Klang der Aufnahme ist, warum auch immer, viel besser als auf den nur wenige Jahre älteren Sonaten und Trio mit Kell.)

      Es ist natürlich auch viel Gewöhnung; viele finden vibrato anscheinend ausdruckstärker, dagegen klingt es für mich halt immer etwas nach Salonorchester ;)
      (Goodman klingt m.E. in seinen Klassikaufnahmen eher schrottig und unpassend, sofern es sich nicht um klar jazz-inspirierte Werke handelt, also z.B. Ebony Concerto, Morton Gould oder Bernstein.)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • maticus schrieb:

      Ab 1949.
      Ich korrigiere mich, es stimmt. Er nahm sogar noch früher Unterricht (etwa um 1940 herum) bei Simeon Bellison Unterricht, der Solo-Klarinettist im New York Philharmonic Orchestra war. Man lernt nie aus.

      Mir persönlich gefällt sein Ton nicht in den Einspielungen Klassischer Musik. Irgendwie ist mir das bei ihm zu "süßlich".
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Mir persönlich gefällt sein Ton nicht in den Einspielungen Klassischer Musik. Irgendwie ist mir das bei ihm zu "süßlich".
      so gehts mir auch.
      scheint aber nicht der Einzige zu sein, der aus anderen Kontexten kommt und (zumindest mich) in klassischen Stücken nicht überzeugt.
      Mir gehts zumindest so mit Giora Feidman, den ich mit seinem Kernrepertoire großartig bis genial finde, aber seinen Mozart kann ich nicht leiden.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Anders als Goodman hat Feidman allerdings jahrelang in einem klassischen Orchester (Israel Philharmonic) gespielt. Ich schätze besonders seine älteren Klezmer-CDs und habe ihn auch mal live mit seinem Trio gehört, kenne aber keine seiner klassischen Aufnahmen.
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