Die Klarinette

    • philmus schrieb:

      Mir gehts zumindest so mit Giora Feidman, den ich mit seinem Kernrepertoire großartig bis genial finde, aber seinen Mozart kann ich nicht leiden.
      Giora Feidman hat meiner Meinung schlicht und einfach "verlernt" wie man Mozart oder andere Komponisten der Klassik spielt. Das klingt jetzt etwas unbeholfen, aber der Mann kann ja Musik machen, das ist unbestritten. Ich habe ihn selbst live gesehen, er ist in seinem Klezmer-Bereich einzigartig. Doch der "Klezmer-Ton" und Mozart vertragen sich einfach nicht.

      Eigentlich müsste Goodman Mozart liegen, doch wenn ich ihn damit höre, empfinde ich nichts bei. Dazu kommt, dass ich mit Mozart eh so meine Probleme habe.
      Viele Grüße sendet Maurice - Musica ist das beste Labsal eines betrübten Menschen (Martin Luther)
    • Kater Murr schrieb:

      kenne aber keine seiner klassischen Aufnahmen.
      Live habe ich Feidman (mehrfach) auch nur mit Klezmer erlebt. "Klassisch": Prokofjews Ouvertüre über hebräische Themen mit Feidman kenne ich von diesen beiden CDs:



      Auf der rechten ist es ja das "klassische" Original. Wobei Klezmertöne der Klarinette hier natürlich auch nicht verkehrt sind. Die linke CD finde ich insgesamt auch noch relativ "klassisch", soweit ich das in Erinnerung habe. Die linke CD, die ich vor fast 25 Jahren geschenkt bekam, ist entscheidend mitverantwortlich dafür, dass ich mich a) in die Klarinette verliebt habe, und ich b) damals anfing, verstärkt darauf zu achten, welche Instrumente im Orchester man gerade hört. (Feidman spielt darauf, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nicht nur auf der "normalen" Klarinette, sondern auch auf Bassetthorn und/oder Bassklarinette, deren Klang mir damals noch recht unbekannt war. Übrigens hat er im Israel Philharmonic ja auch viele Jahre die Bassklarinette gespielt.)

      maticus
      Wir lesen keine Bücher, wir schreiben sie. --- Alexander Grothendieck
    • Die Prokofieff-CD rechts habe ich auch, habe ich nicht dran gedacht, dass Feidman da mitspielt.
      Hier spielt er mindestens auf "Desert Dawn" Bassklarinette und soweit ich verstehe auf "The old Klezmer Band" unterschiedliche Klarinetten, die dann zusammengemixt wurden. Das war, glaube ich meine erste (oder zweite) Feidman-CD und obwohl sie klanglich nicht so gut ist wie die meisten späteren, ist sie musikalisch immer noch eine meiner Favoriten (so dass ich sie, nachdem sie mir abhanden gekommen war, vor einigen Jahren noch mal gekauft habe).

      Diese Musik ist scheußlich. Dieses Umkehren des Wohllautes, dieses Notzüchtigen des Schönen würde in den guten Zeiten Griechenlands mit Strafen von Seite des Staates belegt worden sein. Solche Musik ist polizeiwidrig, sie würde Unmenschen bilden, wenn es möglich wäre, daß sie nach und nach allgemeinen Eingang finden könnte. [...] Diese Oper kann nur Narren gefallen, oder Blödsinnigen oder Gelehrten, oder Straßenräubern und Meuchelmördern. (Grillparzer über Webers Euryanthe, 1823)
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      Probieren andere Klarinettisten hier (soo viele scheint es ja leider nicht zu geben) auch viel mit Mundstücken aus? Blattschrauben? Blätter?

      Ich finde es immer wieder faszinierend, und (mehr noch) frustrierend, wieviele Stellschrauben es gibt und wieviel davon abhängt.

      Mit der Intonation sehe ich es bei mir nun wieder unkritisch. Wenn ich von a'=442 Hz ausgehe (so hat sich der Hersteller das gedacht), dann liege ich immer fast so zwischen +0 und +15 Cent, das meiste zwischen +5 bis +10. Wäre bei a'=443 Hz noch besser, und außerdem rede ich es mir schön, weil ich es bei 23 Grad Celsius Raumtemperatur messe. Normalerweise bezieht sich die Normalstimmung auf 20 Grad Celsius, und ich "dürfte" noch 9 Cent abziehen. :rolleyes: Die besonderen Ausreißer, die kurzen Töne g' bis b' kann ich durch Lockerlassen deutlich verbessern. Überhaupt scheint es mir wichtig zu sein, einen festen Ansatz bei gleichzeitiger Entspanntheit (also: Unverkrampftheit) hinzubekommen. Deswegen genügen mir momentan 30 Minuten Üben allemal, da ich sonst verkrampfe. (Wie gesagt, bin ich ja vor kurzem nach langer Pause erst wieder eingestiegen.)

      Mein neuestes Mundstück, das BD5, habe ich gekauft, weil viele Rezensenten beschrieben, dass die Altissimo-Töne damit deutlich besser ansprechen. Und ich muss sagen, es stimmt tatsächlich. Nicht, dass alles völlig problemlos ist, aber bis zum g''' komme ich nun viel besser bei gleichzeitig größerer Entspanntheit. Mit meinem bisherigen Favoriten, dem B45., ist das definitiv problematischer. Dafür gefällt mir der Ton des B45. etwas besser. Er ist etwas brillianter, ein "Klingeln" im Clarinregister ist leichter zu erreichen. Das BD5 klingt eher wie das B40 (beide haben eine breitere Bahnspitze), aber das BD5 hat die bessere Ansprache der hohen Töne (die Bahn ist kürzer und enger als beim B40, und benötigt eine halbe Blattstärke mehr), und das BD5 neigt, gerade bei stärkeren Blättern, ein wenig zum Rauschen (was man aber wohl nur selber hört). Es gibt im Detail (ei einzelnen Tönen im Clarin) noch weitere kleinere Nachteile, aber die sind wiederum auch nicht ganz blattunabhängig (eine weitere "Wissenschaft" für sich!), und insgesamt bietet mir dieses Mundstück nun den größten Nutzen.

      Manchmal beneide ich die Oboisten, die haben nur Ärger mit dem Rohr und sonst nicht. :versteck1:

      maticus

      Nachtrag: Die genannten Mundstücke sind allesamt von Vandoren, und es handelt sich um solche für das Böhmsystem.
      Wir lesen keine Bücher, wir schreiben sie. --- Alexander Grothendieck
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      maticus schrieb:

      Manchmal beneide ich die Oboisten, die haben nur Ärger mit dem Rohr und sonst nicht.
      Und ich bendeide beim Lesen gerade die Klarinetten, da es hier neben dem Blatt noch eine zweite Stellschraube zur Optimierung gibt :trost:
      Zwar haben wir das beim Englischhorn und der d`Amore auch; aber wie ich gerade heute wieder feststellen durfte, nützt auch das nur bedingt ... und die S-Bögen sind auch nicht gerade billig ...
      Daher hätte ich mal ne Frage: was in etwa kostet denn bitte ein "anständiges" Klarinettenmundstück ? Und kann man da beim Händler seines Vertrauens auch mal mehrere ausprobieren vor dem Kauf ?
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
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      Allegro schrieb:

      was in etwa kostet denn bitte ein "anständiges" Klarinettenmundstück ? Und kann man da beim Händler seines Vertrauens auch mal mehrere ausprobieren vor dem Kauf ?
      Ein gutes Mundstück aus Ebonit (Kautschuk) kostet so zwischen 90 und 100 Euro, aber es gibt auch noch teurere. EIne Blattschraube kann, je nach Art, auch nochmal in diesen Bereich gehen. Mein Händler meines Vertrauens sitzt leider in Hamburg, da komme ich nicht mal gerade vorbei. Daher alles per Internet. Im Laden kann man probieren, per Internet kann man natürlich auch zurückschicken (obwohl ich letzteres generell wenig nutze). Mein B40 habe ich vor zig Jahren mal auf der Frankfurter Musikmesse getestet und gekauft. Ich hatte damals explizit nach einem "dunklen" Klang gefragt, da wurde mir dies empfohlen, und es hat mir auch gefallen. (Heutzutage möchte ich doch eher Brillianz und einen penetranteren Ton.)

      maticus
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      maticus schrieb:

      Probieren andere Klarinettisten hier (soo viele scheint es ja leider nicht zu geben) auch viel mit Mundstücken aus? Blattschrauben? Blätter?
      Bei diesem Thema muss ich leider passen, denn hier in Zürich lebe ich in der Diaspora. Die Händler haben weder deutsche Mundstücke noch deutsche Blätter vorrätig. Wäre das anders, würde ich liebend gerne Mundstücke ausprobieren. Als ich letztes Jahr beruflich in Berlin war, hatte ich eine ein wenig Zeit und probierte in einem gut sortierten Geschäft einige Mundstücke aus. Die Klarinette hatte ich vorsorglich mitgenommenen. Ich wollte vor allem Ersatz für mein bisheriges Mundstück (Zinner3*M), das mit der Zeit sehr unansehnlich aussah. Statt genau dass gleich neu zu kaufen, probierte ich ähnliche Mundstücke anderer Hersteller aus. Das hat sich sehr gelohnt. Denn nun habe ich ein ein Viotto T16-3, mit dem ich viel besser intoniere. Aber eigentlich bräuchte man viel mehr Zeit. Denn es reicht nicht einfach nur das Mundstück zu wechseln, gleichzeitig müsste man bei jedem Mundstück auch noch mehrere Blätter (und Blattstärken ausprobieren). Und es gibt viele Mundstücke. Hier eine Übersicht: klarinette24.de/material.html
      Was mir in der Tabelle fehlt ist eine Spalte für empfohlene Blattstärken für die Mundstücke. Solch eine Tabelle findet sich für die Zinner-Mundstücke: hans-zinner.de/html/bahnenubersichten.html
      Auf Verdacht habe ich vor langer Zeit und ohne Beratung einmal ein Wurlitzer 3M+ gekauft. Damit komme ich garnicht zurecht. Vielleicht habe ich aber auch noch nie das richtige Blatt dafür gehabt.


      Hudebux
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      Beim Googeln bin ich eben auf eine Traueranzeige gestoßen:

      Der renommierte Mundstückmacher Heinz Viotto ist letztes Jahr im Oktober im Alter von 77 Jahren gestorben.



      Dabei ist mir erst jetzt wieder bewusst geworden, dass Viotto in meiner alten Heimat lebte...

      maticus
      Wir lesen keine Bücher, wir schreiben sie. --- Alexander Grothendieck
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      maticus schrieb:

      Ein gutes Mundstück aus Ebonit (Kautschuk) kostet so zwischen 90 und 100 Euro, aber es gibt auch noch teurere. EIne Blattschraube kann, je nach Art, auch nochmal in diesen Bereich gehen.
      Danke für die Info. Und ich dachte immer, das Mundstück wäre auch aus Holz ....


      Dann hätte ich mal noch ne Frage:
      wie vertragen sich denn Deutsche und Wiener Klarinette im direkten Zusammenspiel ?
      Die Frage stelle ich mir deshalb, weil hier im kommenden Sommer die Brüder Ottensamer bei einem Konzert als Solisten zu Gast sein werden 8) (das ich selbstverständlich besuchen werde und auf das ich schon sehr gespannt bin) ... auf dem Programm stehen u.a. eine Sinfonia Concertante für zwei Klarinetten und Orchester von Pleyel ... oder packt da dann der Wiener üblicherweise auch ein deutsches Instrument aus, wenn er mit dem Berliner zusammenspielen muss ? :/
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
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      Allegro schrieb:

      wie vertragen sich denn Deutsche und Wiener Klarinette im direkten Zusammenspiel ?
      Die Frage stelle ich mir deshalb, weil hier im kommenden Sommer die Brüder Ottensamer bei einem Konzert als Solisten zu Gast sein werden (das ich selbstverständlich besuchen werde und auf das ich schon sehr gespannt bin) ... auf dem Programm stehen u.a. eine Sinfonia Concertante für zwei Klarinetten und Orchester von Oleyel ... oder packt da dann der Wiener üblicherweise auch ein deutsches Instrument aus, wenn er mit dem Berliner zusammenspielen muss ?
      Mit dem Berliner? Wenn du Andreas Ottensamer meinst, der spielt ja auch eine Klarinette mit Wiener Bohrung. (Nebenbei: Wenzel Fuchs, als Österreicher, vermutlich auch.)

      Ich kenne das Stück nicht, aber wenn die Klarinetten jede "für sich" solistisch spielen, sehe ich da per se kein Problem. Mittlerweile sieht man aber durchaus öfter (im Internet), dass im Orchester "sogar" deutsch und Böhm einträchtig miteinander spielen, etwas, was früher als "unmöglich" angesehen wurde. Ich denke, diese (verschiedenen) Systemphilosophien werden sich mehr und mehr auflösen, denn technisch sind die Profis ohnehin in der Lage, klanglich kompatibel zu spielen.

      maticus
      Wir lesen keine Bücher, wir schreiben sie. --- Alexander Grothendieck
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      maticus schrieb:

      Wenn du Andreas Ottensamer meinst, der spielt ja auch eine Klarinette mit Wiener Bohrung.
      Das ist ja interessant - und natürlich meinte ich Andreas Ottensamer.

      Hier ist das Pleyel-Konzert - ein wunderschönes Stück. Und da spielen schon beide Klarinetten direkt zusammen.
      youtube.com/watch?v=xbyv2_drbkk

      Ich bin schon sehr gespannt auf das live-Konzert im Sommer - noch dazu mit solch hochkarätigen Solisten
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)