Die Klarinette

    • maticus schrieb:

      Nochmal zum Thema Blatt: gerade eben hatte ich von den vielen Blättern, die ich in letzter Zeit eingespielt habe (und noch sehen muss, wie sich das eine oder andere noch entwickelt), eines dabei, das lief einfach fantastisch (ein Vandoren V.12 Stärke 3.5). Es sprach in allen Registern sofort an (bei durchaus entspanntem Ansatz), bis hoch zum g''' (das ist momentan der höchste Ton meines "Portfolios"), dynamisch flexibel, kaum Rauschen, schöner Klang, teilweise mit dem schönen "Klingeln" im Clarin. Und die Intonation war auch noch voll in Ordnung.
      Wenn ich das lese, wird mir wieder einmal mehr deutlich, warum ich so viel Ausschuss produziere: Es gibt einfach nicht viele Stücke arundo donax, aus deren kompletten Eigenschaften ein wirklich sehr gutes Blatt/Rohr resultiert. Wenn von x mit Hochpräsisionsmaschinen produzierten Blättern zunächst einmal nur eins "einfach fantastisch läuft", besteht der Rest halt aus suboptimalem Holz. Einen anderen Schluss kann ich nicht ziehen.

      maticus schrieb:

      Über Sharon Kam habe ich vor Jahrzehnten mal gelesen (FonoForum?), dass sie pro Jahr ca. 5000 Blätter verbraucht (wenn ich das richtig in Erinnerung habe; vielleicht waren auch auch "nur" 2000), wobei allerdings nur die wenigsten dann tatsächliche Verwendung finden
      Selbst wenn "nur" die 2000 Blätter stimmen sollten, spricht auch das Bände! Man muss sich mal überlegen, wie hoch dann der Anteil an verworfenen Blättern ist....

      Leider sieht man dem Schilf vor der Verarbeitung auch nur sehr bedingt an, was später mal aus ihm werden kann. Klar, krummes und zu weiches oder riefiges Material kann (und sollte) man als Produzent natürlich vor der Weiterverarbeitung aussortieren, aber auch optisch hervorragend wirkende Stücke führen viel zu oft zu unbefriedigenden Ergebnissen..... :heul1:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Danke, lieber Hudebux, für den Tipp. Ich habe sie sogleich bestellt. Gestern vor dem Einschlafen habe ich schonmal die mp3's gehört. Finde ich insgesamt sehr gut. Ich finde die Musik recht eingängig. Das Konzert von Lindberg finde ich fast schon "zu leicht". Tiefer angesprochen hat mich das Klezmerstück von Golijov, für Klarinette (inkl. Bassklarinette) und Streichquartett.

      Sehr, noch mehr, interessieren würde mich das Concert Fantastique von Rolf Martinsson.

      youtube.com/watch?v=L_MkUZp6RbI

      youtube.com/watch?v=zZqHG0X-6fM

      Es scheint aber leider noch keine Einspielung zu geben. Obwohl Martin Fröst und BIS da ja naheliegen würden.

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Nun konnte ich auch nicht widerstehen und habe bestellt.

      Das Konzert von Lindberg finde ich fast schon "zu leicht".
      Das kann ich mir gut vorstellen. Auf dieser CD
      , auf der Lindberg eigentlich als Posaunist fungiert, hat er noch einen "Bonus Track" mit eigener Komposition reingeschummelt. Den Titel "Dreams of Arkandia " finde ich kitschig und die Musik kommt mir auch zu leicht vor.


      Obwohl Martin Fröst und BIS da ja naheliegen würden

      Aber Fröst ist doch schon lange nicht mehr bei BIS sondern bei Sony. Scheinbar aber nicht sehr produktiv...!?
    • Hudebux schrieb:

      Aber Fröst ist doch schon lange nicht mehr bei BIS sondern bei Sony.
      Hat er denn einen Exklusivvertrag? Abgesehen davon könnte er das Konzert ja auch bei Sony einspielen. Auch, wenn mir als Konsument BIS lieber wäre. (Und als Künstler wohl auch. Kenne ja den Unterschied in USD nicht.)

      maticus

      P.S. Wer lesen kann (nächster Beitrag), ist klar im Vorteil. Dann beantwortet sich die USD-Frage wohl auch indirekt.
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Mahler: 3. Sinfonie

      Was mir gerade auffällt: Mahler verwendet in seiner 3. Sinfonie d-Moll nur B-Klarinetten (abgesehen von Bass- und Es-Klarinetten). Also keine A-Klarinetten. Das wundert mich, da mir Mahler in Partituren anderer Sinfonien durchaus gerne von allen Klarinettentypen Gebrauch zu machen scheint.

      Speziell wundert mich das im Finalsatz. Der steht weitgehend in D-Dur (2 Kreuze), manchmal sogar in E-Dur (4-Kreuze). Mit der B-Klarinette kommen jeweils noch zwei Kreuze hinzu. Für Profi-Klarinettisten sicherlich kein Problem. Aber wozu diese technische Schwierigkeit? Man sagt ja, Komponisten setzen B- oder A-Klarinette ein entweder aus grifftechnischen Erwägungen, oder um eine gewisse Klangcharakteristik zu betonen (sofern man unterstellt, dass es da überhaupt (hörbare) Unterschiede zwischen B- und A-Klarinette gibt). Beim genannten Satz könnte ja aus bereits genannten Gründen nur die zweite Absicht zum Tragen kommen. Aber mir scheint für den Fnalsatz doch der der A-Klarinette zugeschriebene wärmere, weichere Klang passender zu sein, oder nicht? Mir also unwahrscheinlich erscheint, dass Mahler hier bewusst den brillianteren Charakter der B-Klarinette haben wollte.

      Da scheint mir eher wahrscheinlicher, dass Mahler aus ganz anderen Gründen hier komplett auf A-Klarinetten verzichtet hat. Gab es vielleicht irgendwelche "Vorgaben"?

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Dass es bei der bis dato vermutlich längsten und einer der aufwendigsten Sinfonien (Riesenorchester, Altsolo, Kinderchor) irgendwelche speziellen Vorgaben bzgl. der Klarinetten gegeben haben sollte, scheint mir sehr unwahrscheinlich...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mein Klarinettenlehrer hat neulich erzählt, dass offenbar bis vor einiger Zeit (70er, 80er ?) bei italienischen Klarinettisten die A-Klarinette praktisch nicht im Einsatz war. Alle würde mit der B-Klarinette gespielt, die aber um das tiefe Es erweitert war, um das A-Klarinetten- Repertoir ganz abdecken zu können.

      Das steht wahrscheinlich in keinem Zusammenhang mit Mahlers 3. Symphonie, oder hatte er italienische Klarinettisten in der Uraufführung?

      Hudebux
    • Anscheinend war das Verwenden einer einzigen B-Klarinette mindestens in Spanien und Italien bis vor einiger Zeit Standard. Es handelte sich dabei meist um sogenannten Vollböhm-Klarinetten, die einen Halbton tiefer gingen und deren Mechanik weitere Hilfsfunktionen zur Verfügung stellten. Vor 20 Jahren oder so konnte man solche Modelle noch im Katalog etwa von Buffet Crampon finden. Diese Tradition scheint mir aber auszusterben. Jedenfalls scheinen die aktuell großen italienischen Klarinettisten wie Alessandro Carbonare (Santa Cecilia, Roma) und Fabrizio Meloni (La Scala, Milano) "normale" A- und B-Klarinetten zu verwenden.

      Dass Mahler dies bei seiner Dritten im Sinn hatte, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Was man jedenfalls ausschließen kann: dass Mahler eine bestimmte Aufführungssituation bzw. ein bestimmtes Orchester im Sinn gehabt hat. Erstens liegen zwischen der Vollendung der Sinfonie und ihrer Uraufführung sechs Jahre, zweitens ist die Besetzung nur mit B-Klarinetten bereits in der Erstpublikation von 1899 (Verlag: Weinberger, 1899 - also drei Jahre vor der Uraufführung) vorhanden und wird in der Zweitveröffentlichung (Verlag: Universal Edition, 1906 - also vier Jahre nach der Uraufführung) unverändert beibehalten.

      Mahler hat in Werken, die vor der Dritten komponiert worden sind (z.B. Sinfonien 1-2), und in Werken, die nach der Dritten komponiert worden sind (z.B. Sinfonien 4-7, 9) sowohl A- als auch B-Klarinetten eingesetzt. Nur in der Achten schreibt er wie in der Dritten ausschließlich B-Klarinetten vor. Ich habe aber keine Ahnung, was der Grund dafür sein könnte.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Ich habe auch keine gute Idee. Die 8. ist von den Haupttonarten her auch b-lastig, insofern lohnt es vielleicht nicht, bloß für einige Passagen das Instrument zu wechseln. Vermutlich müsste man die entsprechenden Werke komplett durchsehen, wie oft und unter welchen Umständen Mahler sonst einen Wechsel zwischen A- und B-Klarinette vorsieht. Evtl. würde sich dann ein Muster ergeben.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Interessante Aussagen zum Washingtoner Artenschutzabkommen CITES.

      clarinet.org/2017/10/02/new-ci…ns-a-clarinetists-primer/

      Bemerkenswert ist die Aussage:

      James Sullivan schrieb:

      In Africa, as in South America, hardwood poaching has little connection to woodwind building and is primarily attributed to furniture production and, in the case of grenadilla, artistic carvings. For example, Mozambique exports around 720,000 cubic meters of grenadilla a year. Of this quantity, only 255 cubic meters are used for instrument building (0.04% of all use)! As such, woodwind manufacturing is not considered a causal agent of the genus’ recent depletion.


      maticus
      Wer B sagt, muss auch A sagen. --- Klassische Klarinettistenweisheit
    • Neu

      Heute ist mir der Durchziehwischer in der A-Klarinette hängengeblieben. :schimpf1: :heul1: Die Duodezimhülse ist sehr lang. ;( Dabei war ich gerade heute mir ihr so zufrieden. Nun ist das Oberstück erst einmal auf Reisen...

      Vor fast genau einem Jahr habe ich mal einen neuen Becher nicht mehr vom Unterstück bekommen, was ebenfalls eine Kinderlandverschickung nach sich zog... :hammer1:

      maticus
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