"Wir sind die Urheber" vs "Anonymous"

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    • philmus schrieb:

      Das ist ja auch erst mal schön und gut. Wenn aber wie z.B. im Falle Brecht die Erben immer noch darüber entscheiden, wer die Texte vertonen darf (in der Öffentlichkeit wohlgemerkt), und damit aus ideologischen oder pekuniären Gründen Kreativität einschränken, finde ich das pervers.
      Es gibt doch auch etwas wie ein Recht der Gesellschaft auf kreativ nutzbares Eigentum an einer kulturellen Tradition. Oder ist die auch schon privatisiert worden?
      Sorry, aber daß das Urheberrecht in der bestehenden Form [edit] seiner Durchsetzung [/edit]unschöne antisoziale und -kulturelle Auswüchse zeitigt, kann man doch nicht ernsthaft bestreiten.

      Das kann man sicherlich so sehen, das hat aber mit dem Internet oder irgendeiner Kopier- und Verbreitbarkeit nullkommanix zu tun.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • philmus schrieb:

      Und wo ist denn die Kritik an gewissen Praktiken der GEMA, von den offensichtlich doch ganz gut profitierenden Mitgliedern? Ein bißchen Problembewußtsein über den eigenen Tellerrand hinaus würde das Klima schon erheblich verbessern...

      Weder die Praktiken der GEMA noch das aktuell gültige Urheberrecht sind per se sakrosankt. Auch dies hat aber mit dem Internet oder der versuchten Legitimation einer Urheberrechts-Beschneidung (unter Verwendung technischer Argumente) zunächst einmal nix zu tun.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • philmus schrieb:

      Es gibt doch auch etwas wie ein Recht der Gesellschaft auf kreativ nutzbares Eigentum an einer kulturellen Tradition.
      Gibt es das tatsächlich, oder ist das deine Meinung?

      Sorry, aber daß das Urheberrecht in der bestehenden Form [edit] seiner Durchsetzung [/edit]unschöne antisoziale und -kulturelle Auswüchse zeitigt, kann man doch nicht ernsthaft bestreiten.
      Wie ist das jetzt gemeint? Macht das hier jemand?

      philmus schrieb:

      Ich denke, der immaterielle Wert betrifft eher den Argumentationsstrang vom künstlerischen Allgemeingut und sollte nicht vermischt werden mit dem Wert, den eine geistige Schöpfung erstmal juristisch und materiell hat und der durchs Urheberrecht geschützt werden soll:
      Ich bin auch dafür dies auseinander zu halten.

      Arcangelo
      Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.
      Noam Chomsky
    • Magus schrieb:

      philmus schrieb:

      Passiert das wirklich "in diesem Zug"?
      Dies war zumindest die Argumentationskette der Piratin Julia Schramm.
      Ich meine, im Zuge einer Utopie, die darauf hinausläuft, daß sowieso niemand mehr von seiner Arbeit leben muß, kann man das ja irgendwie nachvollziehen.
      Ansonsten: geht so. Alle Argumente zusammengeworfen und umgerührt. ergibt für mich keinen Strang. Außer die Datenpiraten (die User) wären damit zufrieden, einen ungefilterten Strom aus kulturellem Brei runterzuladen und sich die daraus zusammengesetzen Artefakte selbst zu komponieren. Schon Mozart hat sich darüber beklagt, daß "komponieren" klänge wie die Herstellung eines Kuchens - offensichtlich hatte das Wort damals noch mehr diese Konnonation...
      Die kreative Leistung besteht nicht darin, das Material herzustellen, sondern anzuordnen, zu formen, filtern etc
      Wir sagen ja auch nicht dem Tischler, er hätte das Holz eh nur umgeformt und reduziert (da es ja nun mal keinen Draufhobel gibt...), also her mit dem Tisch für umsonst...

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Arcangelo schrieb:

      Symbol schrieb:

      Nach dieser Logik würde mein Auto allen gehören ...


      Keineswegs denn es wurde der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung gestellt.



      Aber wieso soll dies mit Verweis auf eine technische Neuerung geschehen?


      Weil die technische Neuerung darin besteht, dass man das Original und die Kopie nicht unterscheiden kann.

      Ein Künstler muß das Recht haben zu entscheiden, was mit seinem Werk geschieht.


      Das sehe ich nicht so. Wenn er ein Werk veröffentlicht, gibt er es zur Nutzung frei. Er kann aber durchaus gegen eine ihm nicht genehme Nutzung Protest einlegen.

      Arcangelo

      Hier haben wir gleich mehrere Irrtümer:

      1) Ein Künstler stellt sein Werk der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung, sondern er gestattet denjenigen, denen er es gestatten möchte, eine Begegnung mit seinem Werk. Wenn ich etwas komponiere, ist es mein Recht zu entscheiden, daß dieses Werk lediglich 5 guten Kumpels von mir vorgespielt wird, oder daß es 100 mir fremden Leuten vorgespielt wird, wenn diese Leute dafür bezahlen. Ich stelle es aber nicht der Allgemeinheit zur Verfügung - es sei denn, ich entscheide dies ausdrücklich so, z. B. indem ich meine Komposition auf einer Webseite veröffentliche und daneben schreibe "ist geschenkt, gebt das Ding weiter, an wen auch immer Ihr wollt" - oder indem ich die Partitur per Postwurfsendung an alle deutschen Haushalte verteile und draufschreibe "macht damit was Ihr wollt". (Rechtlich etwas einwenadfreier macht man das mit einer Creative-Commons-Lizenz, so weit ich weiß.)

      2) Daß man Original und Kopie nicht unterscheiden kann, ist ein uralter Hut. Auf Schulhöfen kreisten schon in den späten 80er oder frühen 90er Jahren (also lange vor dem Internet) gewisse Disketten rum, und das Brennen einer CD wurde auch nicht erst vorgestern erfunden. Außerdem: welche Relevanz hat denn diese Unterscheidbarkeit? Wenn eine Kopie nur hinreichend gut gemacht ist, verliert der Schöpfer des Originals deswegen doch nicht die Rechte an seiner Arbeit!

      3) Der Künstler gibt sein Werk nicht zur Nutzung frei. Er gestattet anderen eine Begegnung mit seinem Werk wie unter 1) beschrieben. Es bleibt trotzdem sein Werk, der Konsument erkauft sich mit seiner Bezahlung lediglich gewisse Rechte zur Nutzung des Werkes (z. B. das unbegrenzte Anhören einer CD in den eigenen 4 Wänden oder das Anfertigen einer privaten Sicherungskopie für den persönlichen Gebrauch).

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Weder die Praktiken der GEMA noch das aktuell gültige Urheberrecht sind per se sakrosankt. Auch dies hat aber mit dem Internet oder der versuchten Legitimation einer Urheberrechts-Beschneidung (unter Verwendung technischer Argumente) zunächst einmal nix zu tun.

      Natürlich nicht, hat es nicht.
      Aber mit dem schlechten Ruf des Urheberrechts hat es eben doch zu tun. Natürlich sehe ich ein, wenn ich beim Youtube-Suchen auf das berühmte GEMA-Symbol stoße: "okay, sie haben ja Recht" und fange jetzt nicht noch an meine IP zu verstecken und solche Tricks, bin ich zu brav und irgendwo auch einsichtig für.
      Aber wenn jemand dann denkt: "ach, das ist doch dieser Verein, an dem nur die verdienen, dies eh schon geschafft haben, der uns ständig Knüppel zwischen die Beine wirft in der regionalen Kulturarbeit" und dann eben "jetzt-erst-Recht" seinen illegalen Weg zum "Content" sucht und findet, wird die Argumentation dagegen unendlich mühsam.

      Arcangelo schrieb:

      philmus schrieb:

      Es gibt doch auch etwas wie ein Recht der Gesellschaft auf kreativ nutzbares Eigentum an einer kulturellen Tradition.
      Gibt es das tatsächlich, oder ist das deine Meinung?
      Ich bin der Meinung, daß es soetwas wie das Recht auf künstlerische Freiheit gibt. Dazu gehört für mich, daß ich etwas zitieren (nicht plagiieren) darf. Oder einen Text vertonen, dessen Urheber nicht mehr zustimmen kann, weil er tot ist. Daß Erben das Recht haben, die kreative Aneignung von Kulturleistungen zu verbieten, halte ich für grundgesetzwidrig.

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Symbol schrieb:

      Ich stelle es aber nicht der Allgemeinheit zur Verfügung - es sei denn, ich entscheide dies ausdrücklich so, z. B. indem ich meine Komposition auf einer Webseite veröffentliche und daneben schreibe "ist geschenkt, gebt das Ding weiter, an wen auch immer Ihr wollt" - oder indem ich die Partitur per Postwurfsendung an alle deutschen Haushalte verteile und draufschreibe "macht damit was Ihr wollt".
      Das betrifft jetzt die materielle Seite. Daß er es im Moment der Veröffentlichung in den Kontext einer kulturellen Entwicklung stellt, betrifft die geistige, auf die, denke ich, Arcangelo hier hinauswollte.

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      Daß Erben das Recht haben, die kreative Aneignung von Kulturleistungen zu verbieten, halte ich für grundgesetzwidrig.

      Das halte ich für eine ziemlich heftige Verkürzung und Simplifizierung eines reichlich komplexen Sachverhalts.

      Zunächst einmal ist es so, daß zum Eigentumsrecht auch das Recht gehört, sein Eigentum an seine Nachkommen zu vererben. Bei materiellen Gütern wie z. B. einem Haus wird das niemand diskutieren wollen. Ob und wieweit man das auf geistige Leistungen übertragen kann, ist ein nicht triviales Problem. Wenn ich möchte, daß geistige Leistungen als Eigentum ihres Urhebers ähnlich zu materiellem Eigentum gewürdigt werden, muß ich geradezu eine analoge "Erbschaftsregelung" treffen. Aber: das vererbte Haus ist irgendwann, ohne Folgeinvestitionen, auch nichts mehr wert, und analog muß man sich fragen, wie lange Erben Zugriff auf vererbtes geistiges Eigentum haben. Da hat man sich momentan auf den 70-Jahres-Zeitraum geeinigt, der sicherlich prinzipiell diskutabel ist (wieso 70 und nicht 65 oder 75 Jahre?).

      Die andere Frage ist, welche Rechte die Erben an dem Werk haben sollen. Einen künstlerischen Eingriff in das Werk können sie ästhetisch eigentlich nicht abschließend beurteilen (sie sind ja nicht der Schöpfer des Werks), aber sie können (und sollten) eine materielle Komponente bedenken. Nehmen wir ein Beispiel: der Musiker X spielt ein Stück des gerade verstorbenen Komponisten Y. Ihm fällt beim Proben auf, daß die Instrumentierung des Werks an drei Stellen problematisch ist (vielleicht war Y gesundheitlich schon angegriffen, als er das Stück komponierte, oder er verstarb vor einer letzten Revision des Stücks), und ändert dies. Die Aufführung wird ein riesiger Erfolg, wobei die drei Stellen mit ihren Änderungen wohl nur absoluten Experten aufgefallen sind. Trotzdem gibt es fortan eine Mischfassung des Stücks, nämlich das Werk des Komponisten Y in der revidierten Fassung von X. Aufgrund des Erfolgs der Uraufführung wird diese Mischfassung viel nachgefragt - und die Erben von Y müssen sich fortan die Tantiemen mit X teilen. Deswegen sind Erben gegenüber künstlerischen Eingriffen in die ererbten Werke so reserviert.

      Trotzdem gebe ich Dir Recht: manche Erbengemeinschaften agieren sehr unglücklich und "kunstverhindernd". Außerdem sollte man m. E. eine Ausnahmeregelung für die Aufführung nicht-gemeinfreier Werke verstorbener Künstler im Ausbildungskontext (an Schulen oder Kunsthochschulen) ins Urheberrecht aufnehmen.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • philmus schrieb:

      Außer die Datenpiraten (die User) wären damit zufrieden, einen ungefilterten Strom aus kulturellem Brei runterzuladen
      Ich habe manchmal den Eindruck, daß es im Grunde genau darum geht: nicht selten steht dabei eine große Technikaffinität im Vordergrund. Weil mein Gerät 25.000 (!) Musiktitel speichern kann, will ich 25.000 Musiktitel auf meinem Gerät haben. Gesetzt den Fall, ich müßte, um die Kapazitäten meines Geräts voll auszunutzen, auch nur € 0,10 pro Titel zahlen, hätte ich ein Problem....

      Ein Freund von mir führte mir einmal diese enormen Möglichkeiten seines Geräts vor Augen. Auf meine Frage hin, wann er denn beabsichtige, 25.000 Musiktitel (ca. 1.300 Stunden oder 54 Tage nonstop Musik) zu hören, erntete ich nur fassungsloses Kopfschütteln; denn darum gehe es doch gar nicht........

      :wink:

      Magus
      "Whenever we hear sounds, we are changed, we are no longer the same..." Karlheinz Stockhausen 1972
    • Symbol schrieb:

      Ich stelle es aber nicht der Allgemeinheit zur Verfügung - es sei denn, ich entscheide dies ausdrücklich so ...
      Der zweite Teil triffts. Es ist immer die Entscheidung des Künstlers sein Werk zu veröffentlichen - und darum geht es ja hauptsächlich in dieser Diskussion - oder auch nicht. Aber das mit dem immer stimmt so natürlich auch wieder nicht; als Beispiel sei hier nur mal Franz Kafka genannt.


      Daß man Original und Kopie nicht unterscheiden kann ...
      gilt für digitale Produkte. Hätte ich dazu schreiben sollen - sorry!

      Der Künstler gibt sein Werk nicht zur Nutzung frei.
      Sicher? Wie ist es denn mit den Noten die ein Komponist veröffentlicht? Ein Musiker kann das Werk doch interpretieren und muss sich nicht strikt - möglicherweise sogar noch unter Androhung von Strafe - an die notierten Informationen halten. In diesem Sinne meine ich freigeben. Was Anderes ist es natürlich, dass Werk zu verändern.

      Symbol schrieb:

      ... wie lange Erben Zugriff auf vererbtes geistiges Eigentum haben.
      Eine weitere spannende Frage in dieser Diskussion.

      Aber ich komme noch mal auf den Anlass mich an dieser Diskussion zu beteiligen zurück: ich bin der Ansicht, dass geistiges Eigentum Teil des denkenden Subjekts ist und von Anderen nicht genutzt werden kann. Erst die Veröffentlichung einer Idee - in welcher Form auch immer - macht sie für Andere nutz- bzw. verwertbar. Der Urheber sollte dafür angemessen entlohnt werden wenn er das will. Aber die Erben?

      Wichtig ist mir die Veröffentlichung: das Werk wird vom Künstler sozusagen in die Freiheit entlassen - wo ihm alles mögliche widerfahren kann. Der Künstler gibt damit die unmittelbare Kontrolle über das Werk auf.
      Arcangelo
      Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.
      Noam Chomsky
    • Arcangelo schrieb:

      Wie ist es denn mit den Noten die ein Komponist veröffentlicht? Ein Musiker kann das Werk doch interpretieren und muss sich nicht strikt - möglicherweise sogar noch unter Androhung von Strafe - an die notierten Informationen halten. In diesem Sinne meine ich freigeben.
      Freigegeben zur Interpretation, sprich: zur öffentlichen Aufführung ist das Werk - auch nach Veröffentlichung als gedruckte Partitur - aber nur, wenn der Interpret bzw. Veranstalter das Recht dazu erwirbt (nicht meine Meinung, sondern geltendes Recht). Der Komponist könnte z. B. verlangen, daß sein Werk nur vollständig aufgeführt werden darf.

      Oder meinst Du mit "freigeben" etwas anderes, lieber Arcangelo?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Oder meinst Du mit "freigeben" etwas anderes, lieber Arcangelo?
      Ich habe meinen Beitrag gerade eben noch etwas erweitert und hoffe mal, dass ich mich verständlich machen konnte.



      Arcangelo
      Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.
      Noam Chomsky
    • Arcangelo schrieb:

      Wichtig ist mir die Veröffentlichung: das Werk wird vom Künstler sozusagen in die Freiheit entlassen - wo ihm alles mögliche widerfahren kann. Der Künstler gibt damit die unmittelbare Kontrolle über das Werk auf.
      Arcangelo
      Wie kommst Du denn darauf? Den Teufel werde ich tun. Wenn zum Beispiel einem meiner Gedichte "widerfährt", dass irgendwer bei einem Nachdruck oder auch einer Veröffentlichung im Netz nach eigenem Ermessen Interpunktion einfügt, den Zeilenfall verändert oder gar etwas weglässt, so weiß ich das - mit Hilfe meines Urheberrechts - zu verhindern. Es geht beim Urheberrecht eben nicht "nur" ums Geld, sondern auch um die künstlerische Integrität zum Beispiel eines Gedichts. Juristisch gesprochen geht es dabei also nicht nur um das Eigentumsrecht, sondern auch um das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Ein Gesetz, das diese Rechte antastet, würde spätestens vom Bundesverfassungsgericht kassiert. Und das ist auch gut so.

      Gruß, Carola
    • Symbol schrieb:

      Ein Künstler muß das Recht haben zu entscheiden, was mit seinem Werk geschieht. Wenn er es verschenken will, soll er dies tun. Wenn er es nicht verschenken will, darf man ihn nicht als "von gestern" brandmarken oder mit irgendwelchen Mob-Aktionen belästigen.


      Das alles geht ja noch viel weiter. Was ist mit Wissenschaftlern, die ihre »Ideen« (sprich: Forschungsergebnisse) öffentlich machen? Gehört das dann auch allen und darf einfach so angeeignet bzw. vereinnahmt werden (damit wäre wenigstens das um sich greifende Plagiatsproblem aus der Welt ... :D ). Was ist mit Patentschutz? Produktpiraterie?

      Das heute vielgescholtene Urheberrecht ist nur die Spitze des Eisbergs ...

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Carola schrieb:

      Wie kommst Du denn darauf?
      Nun ja - ich bin kein Künstler und kenne das Urheberrecht nicht gut genug - das schrieb ich ja schon.

      Belehrungen eines Besseren sind durchaus willkommen.

      Aber wie ist das denn: wenn jetzt jemand eines von deinen Gedichten nehmen würde, es verändern und veröffentlichen - kannst du ihn dann auf Unterlassung nach dem Urheberrecht verklagen?

      Arcangelo
      Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.
      Noam Chomsky
    • Harnoncourt-Fan schrieb:

      Das hat mir Urheberrechtsproblemen wie sie hier angesprochen werden nichts zu tun. Wenn ich mir einen Film aus dem Internet ziehe, kann man das nicht mit einem Internetforum gleichsetzen bei dem ich poste.


      Das hängt sehr wohl von der Ebene ab, auf der man das betrachtet. Ich denke schon, daß man Einiges davon gleichsetzen kann, zumindest, wenn man wie Du, pauschalisierte Aussagen trifft, die ich nur versucht habe, durch diese Überspitzung aufzubrechen. Weiter unten schreibst Du dann ja auch, daß Du, wenn es etwas kosten würde, hier nicht schreiben würdest. Ist das nun eine "Gratis-Mentalität" oder nicht? Diese Haltung konntest Du doch eh nur deswegen entwickeln, WEIL es eben im Internet Gratis Angebote gibt. Wenn dem nie so gewesen wäre, wärst Du dann je ins Internet gegangen? Das sind die Fragen, die ich stelle, um zu differenzierterem Umgang mit und Nachdenken über Begriffe und "Totschlagargumente" wie "Gratis-Mentalität" anzuregen.

      Harnoncourt-Fan schrieb:

      Ad Polemik: Das Spiegelzitat kommentarlos einzustellen, was außer Polemik soll das darstellen? Das hier diese Haltung jemand gefordert hat, habe ich nie behauptet. Das wäre ja noch schöner. Es ging mir nur darum zu zeigen, warum dieses Zitat diskussionsunwürdig ist.


      Weil es diskussionwürdig ist, habe ich es eingestellt, Du hast mir Polemik damit vorgeworfen...

      Harnoncourt-Fan schrieb:

      Was ich mir verbitte, ist dass du mir ein Zitat zu den Schlecker-Frauen unterschiebst!!! Ich habe das nie gepostet und verlange, dass du das änderst!!!


      Leider gibt es hier keine Möglichkeit, Polemik oder Ironie in einen Kasten zu packen. Wenn Du genau hingesehen hättest, hättest Du gesehen, daß da nur "Zitat" stand, aber eben nicht von wem (Wie immer, wenn ich hier aus dem Forum zitiere, steht da dann der Link mit bei!). Es sollte eine Box sein, in der die Ironie noch stärker rauskommt, war also nie dazu gedacht, Dir in den Mund gelegt zu werden. Ich habe es nun aber wieder rausgenommen, und als ganz normalen Text da stehen. Da es bei Dir den Eindruck erweckte, Dir zugeordnet zu sein, entschuldige ich mich bei Dir, das war nicht beabsichtigt!


      Harnoncourt-Fan schrieb:

      Wenn es nicht gratis wäre, würde ich hier nicht posten, diese Art der Bestätigung habe zumindest ich nicht nötig. Die "Ich-will-alles-gratis-und-sofort-wuppdidu"-Mentalität wäre, wenn ich das Forum hacken würde, weil ich es als Hedonist nicht ertrage, dass ich für die Befriedigung meiner Bedürfnisse etwas zahlen muss. Dann kommen wir schon eher hin. Ich will den Film sehen, jetzt und gleich, aber zahlen will ich nicht.


      Na, bisher hat mir noch keiner gesagt, daß Hacking "Kostenloskultur" sei... Again what learned... Ich denke aber, Du vermischt hier Dinge, um damit Deinen Standpunkt festigen zu können.

      Harnoncourt-Fan schrieb:

      Post-2.0 Web heißt, dass der vielfach verheißene Ansatz des freien Mitmachinternets zugunsten, vermeintlich freier, aber letztlich kontrollierter Plattformen aufgegeben wurde (auch bei Wikipedia kann man nicht mehr einfach so mitmachen). Vielleicht auch, weil die Leute nicht wussten, was sie damit anfangen sollen bzw. sie sich nicht dafür interessiert haben.


      Also, ich habe da andere Definitionen von Post 2.0... Bei mir ist das das "MItmach-Internet", und nicht mehr das nur "Selbst-Darsteller-Internet"...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • corda vuota schrieb:

      Arcangelo schrieb:

      Was ist eigentlich Eigentum? Nun: das was Teil des subjektiven Seins ist. Geistiges Eigentum sind Gedanken im Gehirn des denkenden Subjekts. Werden diese - in welcher Form auch immer - geäussert, sind sie nicht mehr nur dem Urheber eigen. Der Urheber der Gedanken - oder vielleicht besser: geistigen Erzeugnisse - hat sie veröffentlicht und damit sind sie kein Eigentum mehr, sondern öffentlich verfügbar. Darüber sollte sich der Urheber im Klaren sein.


      Das stimmt so nicht.

      Grundsätzlich:
      Wenn ich als Urheber eine Idee formuliere, das heißt ich bringe sie in eine dargestellte Forum, egal ob bildlich, schriftlich oder hörbar, ist sie urheberrechtlich geschützt. Mit Ideen, die ich nur verbal äußere verhalte ich mich vorsichtig, diese könnten mir noch „gestohlen“ werden.


      Verwechselst Du hier nicht etwas? Arcangelo sprach vom "philosophischen Konzept des Gedankens, Du sprichts von der in Deutschland geltenen Rechtslage... Das Urheberrecht ist ja genau eine Folge des von Arcangelo beschriebenen Zustands.

      corda vuota schrieb:

      Deine Äußerung, Arcangelo, wenn sie so Realität werden würde, hieße im Umkehrschluss auch: Ich sitze im Straßencafe und hänge meine Handtasche über die Armlehne. Ich mache sie also öffentlich zugänglich, ergo darf sich jeder daran bedienen. Ich weiß, ich benutze krasse Beispiele, aber diese verdeutlichen es gut.


      Weil es Dir ja auch dort geklaut werden kann, paßt Du darauf auf, oder? Und warum wird uns auf Flughäfen etc. immer gesagt: "Passen Sie auf Ihre Gepäckstücke auf?" Weil es eben nicht sicher ist, daß sie jemand anders mitnimmt. Auch hier gilt in unserer Zivilisation das Konzept, daß Sachen Eigentum sein können. Es gibt sehr wohl Kulturen, die das nicht so sehen, da sind auch alle Dinge Gemeinschaftseigentum (bzw. sogar ohne Besitzer), und damit für alle frei verwendbar.

      corda vuota schrieb:

      Ich halte den Ansatz, den Du ansprichst für durchaus diskutierenswert, aber er müsste umgekehrt ausformuliert werden: Wenn jemand auf sein Urheberschaft verzichtet, sollte er es vermerken /sichtbar machen. Ist kein diesbezüglicher Vermerk da, ist es geschützt.

      Als Urheber bin ich vom Urheberrecht immer an meine Arbeit „gebunden“. Selbst wenn ich jemanden sagen würde, ich verzichte auf meine Rechte, lässt das Gesetz dies nicht zu: Ich bin und bleibe Urheber an meinem Werk.

      Bis bald
      corda vuota


      Hier sagst Du es ja wieder. Es ist das geltende Recht, daß in einer auf Dingen basierenden Welt mit kapitalistischen Konzepten den ideen/Gedanken eine Dinglichkeit verpaßt hat, um auch damit handeln zu können.

      Daher ist es sehr wohl auch andersrum vorstellbar. "Die Gedanken sind frei"... :D

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
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      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Arcangelo schrieb:


      Aber wie ist das denn: wenn jetzt jemand eines von deinen Gedichten nehmen würde, es verändern und veröffentlichen - kannst du ihn dann auf Unterlassung nach dem Urheberrecht verklagen?

      Arcangelo
      Ja, kann ich. Musste ich aber bisher noch nie - in der Regel reicht eine E-Mail mit Hinweis auf das Urheberrechtsgesetz. Ich könnte natürlich auch gemein sein und über einen Anwalt eine teure Abmahnung schicken lassen. Wenn auf meine E-Mail nicht binnen weniger Tage reagiert wird, würde ich das auch machen. Bei Büchern müssen im Zweifelsfalls sogenannte Errata in jedes einzelne Exemplar gelegt werden, wenn der Abdruck fehlerhaft war - da kommt dann richtig Freude auf beim Verlag. Das hatte ich mal mit einer Anthologie, in der mehrere Gedichte von mir aufgenommen waren und irgendein Schlaumeier aus Gründen des "einheitlichen Schriftbildes" einfach Interpunktion eingefügt hatte. Außerdem führe ich eine interne schwarze Liste, auf der bisher zwei Verlage stehen. Das sind solche, die es auch in der zweiten Auflage nicht geschafft haben, Fehler zu korrigieren, auf die ich hingewiesen hatte. Die kriegen dann für weitere Auflagen einfach keine Abdruckerlaubnis mehr von mir.

      Gruß, Carola
    • Magus schrieb:

      pfuetz schrieb:

      Zitat von »Magus«
      was die "Piraten" zu diesem Thema von sich geben läuft darauf hinaus, daß die Politik bestimmt, was Kunst ist und was nicht.

      Magus



      Für diese Aussage hätte ich gerne mal ein Beleg! Das ist eine Behauptung Deinerseits, und, soweit ich das überblicken kann, durch nichts belegbar. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen, wenn Du mir eine offizielle Piratenaussage in dieser Richtung aufzeigst. Dass mußt Du dann aber bitte via PN machen, denn Politik müssen wir hier raushalten.
      Lieber pfuetz,

      das ist sicherlich in dieser verschärften Form nicht nachweisbar; dennoch erscheint mir die Argumentationslinie in diese Richtung zu gehen, indem der Begriff dem verfolgten Zweck untergeordnet wird. Ich habe es so verstanden: da das Netz die Möglichkeiten kostenlosen Zugriffs und kostenloser Vervielfältigung bietet, ist das bisherige Urheberrecht obsolet geworden und die Kriminalisierung der Nutzer ein unhaltbarer Zustand.


      Bis hierhin gehe ich konform.

      Magus schrieb:

      Ziel ist es also, den freien und unbeschränkten Zugriff auf Kunst im Netz zu ermöglichen (das ist letztlich der Gründungsimpuls dieser Massenbewegung gewesen - nicht etwa der Einsatz für Menschenrechte in China :hide: ). In diesem Zuge wird dem Kunstwerk (v.a. Literatur, Musik, Darstellendes Spiel - um diese geht es ja hauptsächlich) seine Einzigartigkeit abgesprochen mit dem Argument, daß das Kunstwerk aus bereits Vorgefundenem schöpfe, und der Künstler allenfalls "Filter" jenes vorgefundenen Allgemeinguts sei. Ich sehe darin eine Entwertung des künstlerischen Schöpfungsbegriffes, um das (politische) Ziel einer unbeschränkten Verfügbarkeit im Netz zu legitimieren. Das halte ich für bedenklich.

      :wink:

      Magus

      Ich hoffe, das ist unpolitisch genug formuliert.... ;+)


      Es geht dabei um "(straf-)freie private Nutzung", und, ja, nicht alles ist frei oder soll frei sein, und genau da liegt das Problem,das in dieser ganzen Diskussion zu lösen ist: Wie schaffen wir es, einen finaziellen Ausgleich, der gerecht ist, auch in Zeiten des Internets, wo nicht-dingliche Sachen technisch ohne Qualitätsverlust unendlich reproduzierbar geworden sind.

      Es gibt den bedeutenden Unterschied zwischen "free speech" und "free beer"... :)

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Magus schrieb:

      philmus schrieb:

      Passiert das wirklich "in diesem Zug"?
      Dies war zumindest die Argumentationskette der Piratin Julia Schramm.

      :wink:

      Magus


      Die auch in der Partei nicht unumstritten ist! Daher gilt als Parteimeinung nur das, was auf Parteitagen durch den Parteitag beschlossen wurde. Und das sieht eben anders aus...

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)