Das Artemis Quartett

    • Das Artemis Quartett

      Natalia Prishepenko – Violine
      Gregor Sigl – Violine
      Friedemann Weigle – Viola
      Eckart Runge – Violoncello

      Auf allen CDs, die ich kenne, wird der Name als „artemis quartet“ geführt. Ich folge hier der Schreibweise der Texte auf der Homepage des Ensembles, die diesbzgl. aber auch nicht ganz konsequent ist. "artemis quartet" scheint eher den Charakter eines Logos zu haben, denn in allen Texten heißt es "das Artemis Quartett".

      Das Artemis Quartett fand im Jahr 1989 an der Lübecker Musikhochschule zusammen. Künstlerisch gefördert wurde es von Walter Levin (Primarius des LaSalle-Quartetts) sowie dem Emerson-, dem Juillard- und dem Alban-Berg-Quartett.

      Seit 1994 spielte man professionell als Streichquartett. Der Gewinn des 1. Preises beim ARD-Wettbewerb im Jahr 1996 war zusammen mit dem „Premio Borciani“ der Durchbruch. Auf eine schnelle Karriere wurde jedoch zugunsten weiterer Studien verzichtet: Zunächst wurde in 1998 ein Jahr mit dem Alban-Berg-Quartett in Wien eingelegt. So mag man ihr Debüt in der Berliner Philharmonie im Jahre 1999 als den eigentlichen Karrierestart betrachten.

      Neben ihrer Konzerttätigkeit rund um den Globus sind die Quartettmitglieder engagierte Lehrer, z. B. an der Universität der Künste Berlin.

      Im Jahre 2007 ergab sich ein Besetzungswechsel. Seitdem sind die Mittelstimmen neu mit Gregor Sigl und Friedemann Weigle (vorher beim Petersen Quartett) besetzt. In der neuen Besetzung sind sie z. B. auf dieser – wie ich meine: herausragenden - CD zu hören.



      Der bisher hochgelobte Beethoven-Zyklus, mit dem man sie auch an mehreren Orten live hören konnte, ist bereits abgeschlossen:



      Die beste mir bekannte Aufnahme der beiden Gattungsbeiträge Ligetis:



      Die neueste CD befasst sich wiederum mit Schuberts Spätwerk – atemberaubend:

      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Ja, das Artemis-Quartett! Ein schönes Threadthema! Ich habe das Ensemble 2003 zum erstenmal gehört, seitdem bin ich relativ regelmäßiger Gast bei seinen Konzerten und kenne auch fast alle seiner Einspielungen (außer den ganz frühen und Piazzolla - tut mir leid :D).

      Als ich es kennenlernte, war das Artemis-Quartett ein Garant für überaus ausgetüftelte und teils radikale Interpretationen wie sonst nur das Hagen-Quartett: sehr differenziertes Vibrato bis hin zu ganzen vibratolosen Passagen, perfekte Intonation, teils rabiater Gestus, großartige Spieltechnik. Hier sollten unbedingt noch die Namen des Geigers Heime Müller und des Bratschers Volker Jacobsen genannt werden, die dem Ensemble von 1989 bzw. 1991 bis 2007 angehört haben (heute aber, wie im Text des Cellisten Eckart Runge in der Beethoven-Box, fast schon totgeschwiegen werden). Übrigens wechseln sich die beiden Geiger (wie z.B. beim Emerson Quartet) an der Primgeige ab, heute aber anscheinend nicht mehr so oft wie früher.

      2007 war eine Wegscheide - seitdem ist das Artemis-Quartett nicht mehr das alte. Ich habe in den letzten 4-5 Jahren ganz unterschiedliche Erfahrungen mit dem Ensemble gemacht: enttäuschende, wie bei einer Aufführung von Beethovens 59/1, die schon spieltechnisch bei weitem nicht an die Aufnahme von 2005 heranreichte. Auch für einige der neueren Aufnahmen gilt das: leider geht der Bruch ja mitten durch die Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette. und die nach 2007 entstandenen Einspielungen z.B. von op. 74 und 135 finde ich zu vordergründig und vor allem zu wenig individuell.

      Andererseits sind auch nach 2007 großartige Aufnahmen entstanden. MB hat ja auf die Schubert-Einspielungen verwiesen. Zur Aufnahme des Streichquintetts habe ich hier kurz etwas geschrieben, zur Aufnahme des G-dur-Quartetts hier.

      Und auch nach 2007 gab es herausragende Konzerterfahrungen: noch vor wenigen Monaten eine wunderbar farbige Interpretation von Haydns 76/5, eine sehr expressive Lesart von Bartók 1 (und ein etwas neutraler Debussy). Alfred Brendel ist ja seit einigen Jahren Mentor und Berater des Ensembles - und das hört man auch. Der Klang ist voller, runder, kantabler, ohne dass frühere Tugenden ganz aufgegeben worden wären. Ich kann mich damit durchaus anfreunden, zumal meine eigenen Interpretationsideale im Fluss sind.

      Für den früheren, rabiaten Stil des Quartetts stehen (neben dem gezeigten Ligeti) bei den Beethoven-Aufnahmen z.B. op. 132, 59/3, 95. Oder auch die fast hyperdifferenzierte Interpretation von Brahmsens Quartettungetüm op 51/2 (noch für das Label ars musici aufgenommen):




      Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird!


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird!


      8|

      So war das aber nicht gemeint.

      Die Primgeigerin Natalia Prishepenko hat das Artemis-Quartett verlassen. "Nach 18 Jahren intensivem Quartettlebens möchte sie sich nun verstärkt eigenen künstlerischen Aktivitäten und ihrer Familie widmen", so die wie üblich nichtssagende Presseerklärung. Das Ensemble hat damit innerhalb von fünf Jahren drei Viertel seines Personals ausgetauscht. Gerade der Geigenton von Frau Prishepenko hat das Spiel der Formation stark geprägt. Nachfolgerin wird die lettische Geigerin Vineta Sareika, Preisträgerin des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs in Brüssel 2009.

      Quelle: "http://www.artemisquartet.com/"


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Die erste CD mit der neuen Primaria ist schon seit einem guten Monat auf dem Markt:



      Mendelssohn scheint wieder Konjunktur zu haben. Die Mandelrings haben eine GA begonnen. Ob das Artemis-Quartett auch nachlegt?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Die erste CD mit der neuen Primaria ist schon seit einem guten Monat auf dem Markt:



      Mendelssohn scheint wieder Konjunktur zu haben. Die Mandelrings haben eine GA begonnen. Ob das Artemis-Quartett auch nachlegt?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Glaube ich nicht, denn mit diesen drei Quartetten haben sie ihr Pulver praktisch schon verschossen (ausserdem: pro Schaffensphase ein Quartett einscheint mir eine gezielte Auswahl zu sein). Ich habe diese Aufnahmen und bin nicht restlos überzeugt. Das Mandelring-Quartett (GA der Kammermusik für Streicher ist abgeschlossen) spielt Mendelssohn wesentlich authentischer und - für mich - schlüssiger. Die Mandelring-Aufnahmen kann ich jedenfalls ohne Einschränkung empfehlen: alle Quartette sind mMn zumindest Co-Referenz. Das Oktett und die Quintette sind ebenfalls sehr gut gelungen - das zweite Quintett habe ich vielleicht noch nie so gut gehört.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • In der Zeit gibt es einen recht überschwänglichen Artikel von Volker Hagedorn über das Quartett, die neue Geigerin, Vineta Sareika und das D-Dur Quarttett von Mendelssohn.

      "http://www.zeit.de/2014/22/klassik-artemis-quartett-vineta-sareika


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • eifelplatz schrieb:

      In der Zeit gibt es einen recht überschwänglichen Artikel von Volker Hagedorn über das Quartett, die neue Geigerin, Vineta Sareika und das D-Dur Quarttett von Mendelssohn.

      "http://www.zeit.de/2014/22/klassik-artemis-quartett-vineta-sareika


      lg vom eifelplatz, Chris.

      Ich finde es schon recht gewagt, wenn Hagedorn meint, es wäre diese Mendelssohn-Teileinspielung vom Artemisquartett, die die Mendelssohnquartette endlich als Beethoven und Brahms ebenbürtig etabliert hat. Abgesehen davon, dass solche Vergleiche ohnehin nur begrenzt sinnvoll sind, wurden diese Werke in den letzten 20 Jahren von mehreren Spitzenensembles eingespielt (Gewandhausquartett, Quatuor Ysaye, Quatuor Talich, Cherubini Quartett, Pacifica Quartet, Henschel Quartett, Emerson Quartet, Melos Quartett, LSQ, Mandelring Quartett, etc..). Die ersten beiden Mendelssohnquartette gibt es auch von ABQ, Julliard und Mosaiques. Da sollte man die Kirche also im Dorf lassen, denn Mendelssohns Streichquartette sind heutzutage Mainstreamrepertoire.
      Mich stört an der Einspielung vom Artemisquartett vor allem der zu schwere Ton in den Mittelsätzen von op. 44/1 - hier soll Mendelssohnzu Beethoven umgemodelt werden - und das zu starke Zurücknehmen der Primgeige in op. 80. Dieses Werk ist nun einmal kein "Gespräch unter vier Herren". Das a-Moll Quartett hingegen fand ich zu zahm - das gibt es wesentlich besser bei der vor kurzem erschienenen Einspielung des Mandelringquartetts.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Zwielicht schrieb:

      Der Bratscher Friedemann Weigle ist am vergangenen Wochenende im Alter von 52 Jahren gestorben. Er war Mitbegründer und 20 Jahre lang Mitglied des Petersen-Quartetts, später dann vier Jahre Solobratschist des Konzerthausorchesters Berlin. 2007 wechselte er zum Artemis-Quartett. Mit diesem Ensemble war er noch am 29. Juni im Wiener Konzerthaus zu erleben. Ich selbst habe ihn zuletzt auch in Wien Ende Februar erlebt, das Artemis-Quartett spielte damals Dvorak (op. 96), Schostakowitsch (Nr. 5) und Tschaikowsky (Nr. 1). Seitdem Weigle - und der zweite Geiger Gregor Sigl - Mitglieder dieses Ensembles waren, pflegte das Artemis-Quartett einen sehr mittelstimmenbetonten Stil. Weigles akustische und auch visuelle Präsenz war ausgesprochen markant. Der Bruder des Frankfurter GMDs Sebastian Weigle hatte auch eine Professur für Kammermusik an der UdK Berlin sowie eine Honorarprofessur für Bratsche an der Hanns-Eisler-Hochschule Berlin inne.

      "http://www.artemisquartett.de/"

      "http://klassiker.welt.de/2015/07/07/artemis-quartett-tod-des-bratschers-friedemann-weigle/"

      Hier sind Weigle und seine Kollegen vom Artemis-Quartett mit dem Lento assai aus Beethovens op. 135 zu hören und zu sehen:
      "https://www.youtube.com/watch?v=AQWoDaBZkbE"


      Nach dem Tod Friedemann Weigles Anfang Juli dieses Jahres geht das Artemis-Quartett zwar auf seine geplante Tournee (Antwerpen, Frankfurt, Berlin, Lausanne, Wien), spielt aber nur Klavierquartette mit Elisabeth Leonskaja (Schumann, Brahms) und eine Bach-Bearbeitung von Piazzolla für Streichtrio. Der zweite Geiger Gregor Sigl übernimmt dabei die Bratsche.


      Die vakante Stelle hat das Ensemble jetzt öffentlich auf seiner Website ausgeschrieben, und zwar wahlweise für zweite Geige oder Bratsche:

      Das Artemis Quartett sucht neues Mitglied

      Nach einer Zeit der Einkehr und der Trauer um den Verlust unseres Bratschisten Friedemann Weigle, möchten wir nun wieder nach vorne blicken und die vakante Position im Ensemble neu besetzen.

      Da Gregor Sigl Geiger und Bratscher ist, haben wir entschieden, uns bei der Suche nach einem neuen Mitglied alle Möglichkeiten offenzuhalten und die Position sowohl für Bratsche, als auch für zweite Violine auszuschreiben.

      Neben einer ausführlichen Vita erbitten wir, den Bewerbungsunterlagen ein Video (mp4) mit Kammermusik (Streichtrio bis Streichsextett) beizufügen.


      "http://www.artemisquartet.com/"


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Trichomonas musicalis schrieb:

      Ich finde es schon recht gewagt, wenn Hagedorn meint, es wäre diese Mendelssohn-Teileinspielung vom Artemisquartett, die die Mendelssohnquartette endlich als Beethoven und Brahms ebenbürtig etabliert hat. Abgesehen davon, dass solche Vergleiche ohnehin nur begrenzt sinnvoll sind, wurden diese Werke in den letzten 20 Jahren von mehreren Spitzenensembles eingespielt (Gewandhausquartett, Quatuor Ysaye, Quatuor Talich, Cherubini Quartett, Pacifica Quartet, Henschel Quartett, Emerson Quartet, Melos Quartett, LSQ, Mandelring Quartett, etc..). Die ersten beiden Mendelssohnquartette gibt es auch von ABQ, Julliard und Mosaiques. Da sollte man die Kirche also im Dorf lassen, denn Mendelssohns Streichquartette sind heutzutage Mainstreamrepertoire.


      Mainstreamrepertoire für Streichquartette und den Freaks dieses Forums bekannt, dennoch gilt Mendelssohn im Kulturellen-Bereich immer noch als Wiederentdecker von Bach und Klavierspieler von Goethe, aber nicht als herausragender Komponist.

      Außerdem bezweifle ich, dass der Rezensent sich so intensiv mit Streichquartetten auseinandergesetzt hat... :D ABER: Vielleicht hat es ihm persönlich Mendelssohn erschlossen...Ob ich etwas mag oder nicht, hängt auch extrem von der Interpretation ab und ich habe kaum die Zeit mir 20 verschiedene Streichquartette anzuhören...Ich mag einiges vom Emerson Quartett (obwohl unhip), aber ihre Schostakovitch fand ich beim ersten hören schrecklich, daher bin ich davon ausgegangen, dass Schostakovitch mir nicht gefällt...Bei einer anderen Interpretation empfand ich es plötzlich ganz anders...Bei Mosaiques mag ich alle beteiligten Musiker und vor allem Christophe Coin, aber irgendwie fand ich die Mendelssohn oder Haydn Interpretation furchtbar...(Kann mich nicht so recht entsinnen) Leider habe ich dann das Quartett sofort aufgegeben, da ich Haydn, Beethoven etc. eh schon besaß oder in der Bib gehört hatte und nicht mochte... :hide: :hide: (Aber jetzt alle Aufnahmen von Mosaiques zu erwerben, wäre mir selbst in besserer Finanzlage zu teuer...

      Emerson hat mir Haydn dann erschlossen..., obwohl das viele anders sehen...Aber ich besitze auch nicht zig Einspielungen, sondern:D nur 2...Wer hat denn das Geld und die Zeit 20 Interpretationen zu kaufen...? Außerdem gibt es schon auch "Referenzaufnahmen"...


      Als Jugendliche bin ich Stundenlang in einen CD-Laden gegangen bis ich mir etwas ausgesucht habe...Deswegen bin ich dann doch wieder erstaunt, dass ich eigentich viel mehr CD's gehört habe als ich dachte...Jetzt nutze ich youtube, aber leider ist das viel chaotischer..., weil es diesen CD-Laden auch gar nicht mehr gibt und mediamarkt hat eine sehr üersichtliche Klassiksektion... :rolleyes:

      PS: Sorry, das ist off-topic aber keine Ahnung wohin man das verschieben könnte...Das Artemis Quartett ist mir nicht so stark im Gedächtnis, dass ich dazu etwas sagen könnte...
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      Mainstreamrepertoire für Streichquartette und den Freaks dieses Forums bekannt, dennoch gilt Mendelssohn im Kulturellen-Bereich immer noch als Wiederentdecker von Bach und Klavierspieler von Goethe, aber nicht als herausragender Komponist.

      Ich wundere mich immer ein wenig, wenn ich so etwas lese. Mendelssohns Orchesterwerke sind doch Dauergäste in den Konzertsälen. In folgendem Thread wird das Thema, u.a. von mir, sehr ausführlich besprochen:

      Mendelssohn Bartholdy – Wie bedeutend war er wirklich?
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • M.E. verbindet höchstens eine seltsame Spezies Bildungsbürger, die sich nur sekundär für Musik interessiert, Mendelssohn eher mit Goethe als mit dem Violinkonzert, der Italienischen Sinfonie und der Musik zum Sommernachtstraum.
      Dass Streichquartette nicht so populär sind wie diese Werke, gibt es nicht nur bei Mendelssohn. Es stimmt wohl auch, dass Mendelssohns Quartette bis Mitte des 20. Jhds. oder noch etwas länger ein Schattendasein führten. Warum das so gewesen ist, ist mir auch nicht ganz klar (aber es gilt z.B. auch für Schumanns Quartette so ähnlich). Aber das war jedenfalls schon anders, als das Artemis-Quartett gegründet wurde, nicht erst, seit sie Mendelssohn eingespielt haben...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      M.E. verbindet höchstens eine seltsame Spezies Bildungsbürger, die sich nur sekundär für Musik interessiert, Mendelssohn eher mit Goethe als mit dem Violinkonzert, der Italienischen Sinfonie und der Musik zum Sommernachtstraum.


      Ja, das mit dem "Goethes Klavierspieler" ist vermutlich eine sehr spezielle Sichtweise, aber Mendelssohn als Komponisten für minderwertig zu halten ist in Deutschland doch ziemlich verbreitet. Im angelsächsischen Raum ist das aber auch zu finden..Z.B.in diesem Werk...., das auch noch wisenschaftlich erklären möchte, warum wir etwas für "schön" empfinden und warum nicht , aber m.E.das eiegntlich nicht kann....( Jazz ist z.B. nur auf 2-10 Seiten gewürdigt und m.E.schildert der Autor nur, was er subjektiv mag und versucht das pseudowissenschaftlich zu beweisen...)


      PS: Bitte in den Bartholdy Thread verschieben, aber ich kann nicht im Bartholdy Thread auf etwas antworten,was da noch nicht steht...
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      Albert Camus (1913-1960)
    • Zum Tod von Friedemann Weigel

      Das Artemis Quartett

      Es wurde 1989 in Berlin gegründet, aber erst ab 2005 auf dem CD Markt regelmäßig präsent. Bei den Geigern gab es sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten schon zweimal Wechsel, so dass schon 6 verschiedene Geiger im Quartettb zu hören waren. Die meisten Aufnahmen, mit denen das Quartett bekannt wurde, entstanden aber in einer relativ stabilen Phase, die mehr als 15 Jahre anhielt. Noch immer eher selten: Die erste Geige wird seit 1994 von Frauen gespielt, denen dann drei Herren musikalisch Gesellschaft leisten. Die meisten Aufnahmen mit dem Artemisquartett entstanden in der Besetzung Natalia Prishepenko, Gregor Sigl, Friedemann Weigle (Bratsche) und Eckart Runge (Cello). Das Cello ist die einzige Position in der es nie einen Wechsel gab. 2012 wurde Natalia Prishepenko nach 18 Jahren von Vineta Sareika - einer Konzertmeisterin der Königlich Flämischen Philharmonie - abgelöst. Vor einigen Monaten nahm sich der manisch depressive Bratscher Friedemann Weigle gestorben das Leben. Inzwischen hat der Geiger Gregor Sigl die Funktion des Bratschers übernommen, und wurde die amerikanische Geigerin Anthea Kreston in das Quartett aufgenommen.

      Die Mitglieder des Artemis Quartetts spielen (wie inzwischen häufiger zu sehen ist) im Stehen (das Cello natürlich ausgenommen). Ich habe das Artemis Quartett in verschiedenen Besetzungen im Konzertsaal gehört, auch in reduzierter Form bei einem Gedenkkonzert für den Bratscher Friedemann Weigle, bei dem Klavierquartette gespielt wurden und Gregor Sigl bereits (völlig überzeugend) die Bratsche übernommen hatte. Es gibt nur wenige Quartette, die nicht mit dem Problem des Personalwechsels konfrontiert wurden.

      Das Artemis Quartett ist auf dem CD Markt gut repräsentiert. Bekannt und oft gelobt sind die vollständigen Beethovenquartette. Eine Seltenheit bei den bekannten Quartettformationen die beiden Quartette Ligetis: Abwesend sind bisher die Quartette Mozarts und Haydns. Die jüngste Aufnahme, noch mit Friedemann Weigle sind zwei der drei Streichquartette von Brahms. Sie sind für meinen Geschmack etwas zu stürmisch geraten. Empfehlen möchte ich die beiden Doppel CDs mit den wichtigsten Beiträgen Schuberts (z.Zt: anscheinend nicht lieferbar) und Mendelssohns zum Genre des Streichquartetts. Alle Aufnahmen sind jetzt (nach dem Verschwinden der Labels EMI/Virgin) bei dem wieder erstandenen Erato Label erschienen.
    • Anknüpfend an den Beitrag 9 vom September 2015: Inzwischen wurde die amerikanische Geigerin Anthea Kreston in das Ensemble aufgenommen. Gregor Sigl wechselt von der 2. Geige zur Bratsche. Ich nehme an, dass jemand berichtet, wenn er die neue Formation gehört hat. Mit Friedemann Weigle als Bratscher ist noch eine Brahms CD erschienen. Der Werbetext bei jpc spricht von "ungebremster Leidenschaft", eine Charakterisierung, die meinem eigenen Eindruck entspricht.


      es wurden ein paar Beiträge in den internenen Bereich verschoben; mto
    • Friedemann Weigle Programm für bipolare Depression bei Musikern

      Aus Anlass der (inzwischen in den internen Bereich verschobenen) jüngsten Diskussion habe ich mich an Eckart Runge, den Celiisten des Ensembles gewandt, um von ihm zu erfahren, welchen Umgang mit dem Tod Friedemann Weigles sich das Ensemble und die Familie des Verstorbenen wünschen. Er hat mir geantwortet, dass die zurückhaltend formulierte Pressemitteilung vom Juli 2015 noch unter dem unmittelbaren Schock aller Beteiligten entstand, die deshalb mehrheitlich eine diskrete Behandlung des Themas wünschten. In den Wochen und Monaten danach hatten aber alle Beteiligten Gelegenheit, sich in persönlichen Gesprächen und künstlerisch auf der Bühne mit dem Verlust auseinanderzusetzen, und haben sich zu einem offenen Umgang mit der Erkrankung und dem Suizid Friedemann Weigles entschlossen. Ausdruck dieser Offenheit ist vor allem das "Friedemann Weigle Programm für bipolare Depression bei Musikern", welches vom Ensemble gemeinsam mit der Familie Weigle und der Agentin unter dem Dach der Deutschen Depressionshilfe gegründet wurde. Herr Runge bittet mich in seiner Mail, auf dieses Programm und das Spendenkonto hinzuweisen, was ich hiermit gerne tue: www.deutsche-depressionshilfe.de/news_16-10-2015_friedemann-weigle-programm.php, Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Kto: 3474200, BLZ 86020500, IBAN: DE73860205000003474200, SWIFT / BIC: BFSWDE33LPZ, Kennwort: Friedemann-Weigle-Programm.
      Ich hoffe, bin mir aber eigentlich sicher, dass die von Herrn Runge geäußerte Sorge, dass "Diskussionsforen im Internet nicht immer ein Ort von Takt und Sensibilität sind", sich hier als unbegründet herausstellen wird.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Kurzer Eindruck vom gestrigen Konzert des Ensembles in Berlin: man spielte Mozart KV 590, dann Bartók 2 und nach der Pause Mozart KV 465. Nach drei Jahren das erstemal, dass ich das Artemis-Quartett wieder im Konzert erlebt habe. Vineta Sareika als Primgeigerin hatte ich schon 2015 gehört und der Eindruck von damals hat sich bestätigt: Sie dominiert den Klang weniger als Frau Prishepenko, ist stärker klanglich integriert. Die Mittelstimmen (jetzt Anthea Kreston an der zweiten Geige und Gregor Sigl als Bratscher) sind sehr präsent. Besonders bemerkenswert das fugenlose Hervortreten bzw. Zurücktreten einzelner Stimmen in Bezug auf den Gesamtklang. Bei Mozart arbeitet man mit minimalen Temporückungen, nicht so rhetorisch wie das Hagen-Quartett, aber auch nicht so straight wie andere Ensembles. Der Bartók war - erwartungsgemäß - eher von der expressiv-extrovertierten Sorte. Ein wunderschönes Konzert vor einem sehr konzentrierten Publikum im Kammermusiksaal. Am Schluss die schönste Zugabe seit langem: der langsame Satz aus Haydns op. 76 Nr. 1.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)