CD-Editionen von Aufnahmen der Schellack-Ära (bis ca. 1950)

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    • Zwielicht schrieb:


      Kater Murr schrieb:

      Das hat bei Schnabel mit großer Wahrscheinlichkeit nichts mit der Beschränkung auf 5 min Schellackseite zu tun. Ich habe natürlich nichts systematisch Grenzfälle überprüft, aber Schnabel ist in langsamen Sätzen (wo man ja viel einfacher durch leichte Beschleunigung mehr Zeit sparen könnte) oft sogar eher langsam, jedenfalls kaum je auffallend zügig (wie zB über 30 Jahre später Gulda) unterwegs.


      Höre ich auch so. Der Schnabel-Schüler Konrad Wolff hat überliefert, dass Schnabel häufig (nicht immer) extreme Tempi befürwortet habe ( schnelle Sätze besonders schnell, langsame Sätze besonders langsam).


      Angesichts des sehr breiten Spektrums, das inzwischen an Beethoven-Interpretationen vorliegt, weiß ich nicht, ob ich Schnabel durchweg als besonders langsam bei langsamen Sätzen einordnen würde. Es gibt jedenfalls einige sehr langsam genommen, u.a. die "Introduzione" der Waldsteinsonate oder auch den Mittelsatz von op.31/1.


      Allerdings berichtet Wolff auch, dass Schnabel den Mittelsatz von Beethovens G-dur-Konzert im Konzert nie so schnell gespielt habe wie in seiner Aufnahme mit Sargent aus den 30ern (ca. 4:45 Min.) - das sei der Begrenztheit des Mediums Schallplatte zuzuschreiben.


      Mag sein; ohne die Einspielung angehört zu haben, ist es aber kein extrem oder gar entstellend rasches Tempo, ich habe auch andere mit ca. 4:30-5:05. Sicher gab es einzelne Kompromisse, wenn ein geringfügig schnelleres Tempo dazu führte, dass ein Stück auf eine Seite passte. Andererseits ist meiner Erinnerung nach (ich habe diese CDs nicht) das Busch Q. in einigen langsamen Sätzen sehr langsam, u.a. in op.132, wo man durch ein zügiges Tempo sicher eine Seite hätte einsparen können.

      Noch eine legendäre Aufnahme: Horowitz' Liszt-Sonate von 1932, sowie einigen "Füllern" und der auf dem Cover unterschlagenen letzten Klaviersonate Haydns

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Interessant sind auch folgende Aufnahmen:



      Tondokumente zu "Verstummte Stimmen", eine Ausstellung des Hamburger Abendblattes zusammen mit der Hamburgischen Staatsoper. Die älteste Aufnahme ist aus dem Jahr 1908, Ottilie Metzger: Un ballo in maschera. Die jüngste Aufnahme ist zu Beginn der 1950er Jahre entstanden: Hilde Zadek singt aus Idomeno und dem fliegenden Holländer.

      calisto
    • Ich liste mal die Opernaufnahmen von Pathé auf, die Ward Marston veröffentlicht hat:

      Bizet - Carmen


      Gounod - Faust


      Verdi - Il Trovatore (Le Trouvère)


      Nouguès - Les Frères Danilo
      Verdi - La Traviata



      Massé - Galathée
      Massé - Les noces de Jeannette



      Donizetti - La Favorite


      Massenet - Manon


      Verdi - Rigoletto
      Gounod - Roméo et Juliette

      <stehen noch aus>



      Diese CDs lassen sich bei Marston direkt bestellen:

      "http://www.marstonrecords.com/html/order.htm"

      ----- -----

      Es gibt noch ein französisches Label - Malibran-Music - welches diese Aufnahmen vollständig oder in Auszügen ebenfalls veröffentlicht hat: "http://www.malibran.com"

      Ob es sich um eigene Überspielungen handelt oder vielleicht von Marston übernomme, kann ich nicht sagen.

      Philbert schrieb:

      Die ersten Aufnahmen der beiden letztgenannten hatten allerdings bereits 1908 in Berlin stattgefunden. Star war die tschechische Sopranistin Emmy Destinn.
      Marston hatte diese Aufnahme auch remastert:




      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Philbert schrieb:

      Bin gespannt auf das hier:


      Ich auch...

      Habe mal hier grob drübergesehen:

      "http://fischer.hosting.paran.com/music/Cortot/discography-cortot.htm"

      Zu erwarten ist:

      Bach - Brandenburgische Konzerte Nr. 1-6, Orgelkonzert Nr. 5 (BWV 596)
      Beethoven - Kreuzersonate
      Chopin - Klavierkonzert Nr. 2, Sonaten, Balladen, Études, Nocturnes.........
      Debussy
      Liszt
      Ravel
      usw usf


      möglicherweise auch die Sachen mit dem Casals Trio:

      "http://fischer.hosting.paran.com/music/Casals/discography-casalstrio.htm"


      jd :wink:
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      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      Donizetti - La Favorita (La Favorite)


      Es ist tatsächlich La Favorite, die französische Originalfassung (die italienische Übersetzung ist ziemlich entstellend).

      Josquin Dufay schrieb:

      Es gibt noch ein französisches Label - Malibran-Music - welches diese Aufnahmen vollständig oder in Auszügen ebenfalls veröffentlicht hat: "http://www.malibran.com"

      Ob es sich um eigene Überspielungen handelt oder vielleicht von Marston übernomme, kann ich nicht sagen.


      Meines Wissens hat Malibran die Marston-Überspielungen nicht übernommen. Ich habe etliche CDs von denen, allerdings diese nicht. Was ich habe, sind Aufnahmen späteren Datums. Das Remastering ist in der Regel OK aber nichts mehr als das. Keine Sorgfalt à la Marston.

      Die Destinn Carmen habe ich im Rahmen der Gesamt-Destinn Edition von Supraphon. Ich glaube ehrlich nicht, daß Ward Marston damit Wunder machen konnte. Die Supraphon-Remasterer haben gute Arbeit geleistet: sie haben sich bemüht, die besten Quellen zu finden und auch nicht mit dem Rasenmäher-Prinzip gefiltert. Die späteren Destinn-Aufnahmen hören sich viel angenehmer an. Nur diese Carmen, Faust und Lohengrin-Auszug sind von der Ausgangsqualität nicht so gut (vielleicht gab Pathés Technik bessere Resultate als Grammophons, hier kann ich aber nicht beurteilen). Destinns Stimme war allerdings nicht sehr phono-kompatibel und sogar für eine schöne spätere Aufnahme wie ihre D'amor sull'ali rosee aus Il Trovatore muß man schon einiges an Phantasie mitbringen. Deshalb würde ich sagen, wer kein eingefleischter 78rpm-Fan ist, sollte dort nicht investieren.

      Marstons Roméo et Juliette hingegen würde mich verlocken.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Wobei man auch sagen muss, dass in der akustischen Aufnahmeära die SängerInnen in einen Trichter singen mussten, und das auch so laut wie möglich, um überhaupt etwas auf der fertigen Platte zu hören.

      Piano Höhen und ähnliches waren da sehr schwer bis gar nicht zu realisieren. Das hat sich ja dann gebessert ab ca. 1925 ;+)
    • Eine weitere Edition:



      Les Urnes de l'Opéra
      1907 / 1912

      (P) 2009 EMI Classics 50999 206267 2 3 (3 CDs)

      transfer & restoration by Luc Verrier, Samuel Rives & Tatiana Vandenbogaerde


      Dieses Projekt nahm seinen Anfang im Jahr 1907. Alfred Clark, Repräsentant der Gramophone Company in Frankreich, überredete die Pariser Oper, in einer Wandnische in ihrem Keller zwei Urnen einzumauern, die was Besonderes enthielten: insgesamt zwölf ausgewählte 78er Schellacks mit Opernarien oder Instrumentalstücken, interpretiert von den damals namhaftesten Künstlern. Am 24. Dezember 1907 wurden diese Urnen in einem feierlichen Akt eingemauert und sollten genau einhundert Jahre später geöffnet werden, damit die zukünftige Generation sich ein Bild von den momentanen Errungenschaften machen könnte.

      Das war sicherlich zunächst ein interessanter Marketing-Gag Clarks, aber auch das erste Mal, daß jemand den archivarischen Gedanken, den eine Tonaufzeichnung per se in sich trägt, in irgendeiner Art und Weise zur Diskussion stellt. Es war sogar so erfolgreich, daß am 13. Juni 1912 zwei weitere Urnen plus ein Grammophon in die Nische dazugestellt wurden. Mit diesen insgesamt 48 Schellacks sollte Geschichte geschrieben werden; und das Grammophon sollte dazu dienen, daß man im Zweifelsfall sie auch abspielen konnte ( :D ).

      Zwei Weltkriege überlebten die Urnen und das Grammophon unbeschadet; aber 1989 wurde entdeckt, daß sich jemand an der Nische zuschaffen gemacht hatte: eine der 1912 dazugekommenen Urnen war aufgebrochen und der Inhalt mitsamt des Grammophons gestohlen worden. Die Urnen wurden daraufhin in die Bibliothèque Nationale de France gebracht und dort eingelagert.

      Man nahm Clarks Verlangen ernst und plante für 2007 tatsächlich die Urnen zu öffnen; im September 2008 wurde das unter höchsten Vorkehrungen auch gemacht. Nach einer Konservierung wurden die Schellacks zur Veröffentlichung aufbereitet. Einige Schellacks waren zerbrochen, aber aufgrund der Bestandslisten, die in den Urnen waren, konnte man alle fehlenden und beschädigten Exemplare durch den eigenen Archivbestand wieder auffüllen. Zusammen mit EMI France wurden die Aufnahmen digitalisiert und aufwendig restauriert.


      Und was waren das für Scheiben, die von Alfred Clark wert befunden wurden, erhalten zu werden? Hier eine Auflistung aller Stücke, die die Box enthält:

      "http://www.emiclassics.com/releasetracklisting.php?rid=46603"
      (oder amazon: B001Q8UPI2)


      Hier habe ich die Matrizennummern der Schellacks aufgelistet [in Klammern: CD.Track]:

      Urne Nr 1 (1907)
      Gramophone concert: GC-33646/7 [I.2-3, I.5] - GC-33652/3 [I.4] - GC-33650 & GC-33651 [I.6-7] - GC-3-32674 [I.10] - GC-35508 [I.17] - GC-38000 [I.18] - GC-33592 [I.20]
      Zonophone: X-82464 [I.8-9] - X-82474/5 [I.11-12] - X-82501 & X-82509 [I.13-14] - X-82518 [I.15] - X-82519 [I.16] - X-88026 & X-88027 [I.19] - X-83075/6 [I.21]

      Urne Nr. 2 (1907)
      Gramophone Monarch: 052068 [I.22] - 054070 [I.23] - 054103 [I.25] - 054082 [II.1] - 043066 [II.4] - 053089 [II.5] - 053118 [II.6] - 030020 [II.7] - 07901 [II.8]
      Gramophone: 032048 [I.24]
      Gramophone Patti: 03055 [II.2]
      Gramophone Melba: 053110 [II.3]

      Urne Nr. 3 (1912)
      Gramophone: 030110 [II.9] - 07953 [II.10] - 045531 [II.11] - 032212 [II.14]
      Gramophone Monarch: 052224 [II.12] - 022093 [II.15] - 054117 [II.16] - 054204 [II.17] - 054205 [II.18] - 053165 [II.19] - 053113 [II.20]
      His Master's Voice: 2-052052 [II.13]

      Urne Nr. 4 (1912)
      Gramophone Monarch: 07959 [II.21] - 053146 [III.1] - 033064 [III.10] - 033065 [III.11] - 033112/033113 [III.14-15]
      Gramophone concert: GC-7-32001 [II.22] - GC-3-32788 [III.4] - GC-32789 [III.5] - GC-4-32074 [III.6] - GC-4-32075 [III.7] -
      Gramophone: 032209 [III.2] - 032240 [III.3] - 0320717 [III.8-9] - 033103/0033104 [III.12] - 034042/034038 [III.13]



      Man sollte nicht überrascht sein, daß Clark nur Aufnahmen der Gramophone Company ausgewählt hatte. Zudem ist das Meiste französisches Repertoir, welches ja gerade an der Pariser Oper gespielt wurde. An Komponisten tauchen Namen wie Massenet, Franck, Gounod, Verdi, Donizetti, Saint-Saêns, Rossini, Puccini oder Bizet auf; Mozart, Beethoven und Wagner kommen auch mal vor, auch Chopin. Die meisten Stücke sind Arien aus Opern, mit wenigen Ausnahmen in Französisch gesungen. Die SängerInnen waren damals die Crème-de-la-Crème: Marguerite Mérentié, Berthe Auguez de Montalant, Julia Lindsay, Maurice Renaud, Jean Noté, Léon Beyle, Hector Dufranne, Selma Kurz, Enrico Caruso, Antonio Scotti, Pol Plancon, Nellie Melba, Fédor Chaliapine [ :D ], Geraldine Farrar, Marcel Journet, Luisa Tetrazzini, Reynaldo Hahn, Daniel Vigneau..........

      Es gibt aber auch einige Instrumentalstücke von Meyerbeer, Beethoven, Chopin oder Sarasate, bei denen Musiker wie Jan Kubelik (der Vater von Rafael), Ignacy Jan Paderewski und Fritz Kreisler zu hören sind. Das macht aber nur einen kleinen Teil der Stücke aus.

      Was wirklich beeindruckt, das sind die Darbietungen: hier wird nicht am falschen Ende gespart, sondern jeder Sänger, jede Sängerin gibt ihr Bestes zum Vorschein. Niemand gibt sich die Blöße, ausdruckslos oder technisch unsauber zu sein, und das gilt auch für die Begleitung. Die Orchester klingen zumeist etwas zurückgesetzt, haben aber immer noch eine gewisse Kraft. Die Solisten an den Instrumenten sind ebenso hervorragend, und auch wenn eine große Besetzung eindeutig nicht realisiert worden ist (z.B. Beethovens 6. Symphonie, I. Satz), so erhalten sie immerhin noch den Schwung einer präzisen Virtuosität. Vor Allem hört man den Aufnahmen den damaligen Stand der Interpretation an, was heute besonders reizvoll sein kann.

      Entstanden sind die Aufnahmen zwischen 1903 und 1911 und haben im Grunde alle das gleiche Klangniveau: ein deutliches Grundrauschen ist zu vernehmen, welches aber durch seine Gleichmäßigkeit bald nicht mehr stört. Die Schellacks sind bis auf ein, zwei Ausnahmen sauber überspielt worden, mit einem stabilen Pitching und kaum Verzerrungen. Knackser und Störungen irgendwelcher Art sind praktisch nicht mehr zu hören. Die Stimmen und Instrumente heben sich deutlich vom Rauschen ab und haben eine geradezu beeindruckende Körperlichkeit zu bieten. Hier wurde nicht nur gefiltert, sondern auch der Frequenzraum präsenter gemacht. Aber was dabei an Details hörbar gemacht wurde, ist einfach grandios. Es wurde aufwendig und sorgfältig gearbeitet, und der Lohn ist das Klarste, was ich bisher an akustischen Aufnahmen gehört habe.

      Am Beginn steht übrigens die jüngste Aufnahme: eine Rede des damals bekannten Schauspielers und Theaterregisseurs Firmin Gémier, der diese Platte kurz vor der zweiten Einmauerung im Juni 1912 aufgenommen hatte. Ein äußerst interessantes Dokument, aber ich verstand kein einziges Wort. Das liegt aber nicht am Remastering, sondern an mir... :P

      Die drei CDs sind gut gefüllt, und das 28seitige Booklet listet alle Stücke genau auf. Der Text ist aber nur in Französisch vorhanden. Da dies ohnehin eine rein französische Veröffentlichung ist, die allerdings weltweit vertrieben wird, sollte man nicht überrascht sein. Das Repertoire ist sehr sorgfältig ausgewählt worden, und wenn das heute eher einen Ausschnitt der damals angefertigten Aufnahmen darstellt, so hat die Edition dennoch einen immensen historischen Wert durch ihre Konzeption einer "Zeitreise". Bei uns ist die Box noch erhältlich, und wer daran Interesse hat, sollte zuschlagen, solange es noch geht. Mit 18,- € ist das eher ein Spottpreis.



      Links:
      "http://www.emiclassics.com/releaseabout.php?rid=46603"
      "http://www.nytimes.com/2009/02/17/arts/music/17vaul.html?_r=1"
      "http://www.nytimes.com/imagepages/2009/02/17/arts/17vaul_CA0.ready.html" [Photo]
      "http://www.gramophone.net/Issue/Page/September%202009/95/1003547/"
      "http://www.gramophone.net/Issue/Page/February%202009/26/1000741/That+strain+again++where+have+we+heard+this+before"
      "http://en.wikipedia.org/wiki/Gramophone_Company#History"


      EAN: 5099920626723
      Laufzeit: 221'02" Minuten


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      Jean Paul
    • Ich habe diese vor Kurzem erhalten:



      Domine Jesu Christe
      Johann Sebastian Bach
      Matthäus-Passion

      Aufnahme: Günther Ramin, März 1941

      (C) 2001 TIM Cz 205206-303 (2 CDs)
      EAN: 4011222052063


      Es handelt sich um eine Veröffentlichung der Membran Entertainment Group, die sehr viele historische Aufnahmen, die älter als fünfzig Jahre sind, in ihrem Programm hat. Zu Ramins 1941er Einspielung habe ich bereits hier was geschrieben.

      Die Qualität des Remastering ist annehmbar gelungen: man hört deutlich, daß die Aufnahme von Schellacks abgenommen wurde, denn leichte Laufgeräusche sind noch vorhanden. Störgeräusche sind reduziert und wurden gut weggefiltert. Der Klang an sich ist präsent, aber die Höhen wirken etwas muffig. Manche wenige Stücke sind nicht immer präzise gepitcht und wirken etwas verstimmt - die Meisten haben aber dieses Problem nicht. Die Übergänge zwischen den Schellacks sind in der Regel ohne Brüche realisiert worden. Insgesamt klingt diese Ausgabe sehr vernünftig, und digitale Tools wurden nicht übertrieben eingesetzt.


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    • Parallel zum Messiah-Thread :



      Georg Friedrich Händel
      Messiah

      Suddaby, Thomas, Nash, Anthony
      D: Sir Thomas Beecham

      Aufnahme: 23.02.-27.09.1947, London

      (C) Allegro Corporation "Classica d'Oro" CDO 1003 (2 CDs)
      EAN: 723724046627


      Eine kostengünstige Ausgabe mit wenig Ausstattung: Tracklisting ist auf der Rückseite des Booklets vorhanden, dazu ein kurzer Text zu Händel und Beecham (in English). Die CDs sind vollgepackt (Laufzeit: 157'35").

      Der Klang ist akzeptabel. Man merkt, daß Schellacks die Vorlagen waren: gelegentliche Rumpelgeräusche oder laute Knackser können mal vorkommen. Es wurde aber in einigem Umfang gefiltert: das Grundrauschen ist kaum zu hören, aber leider sind die Höhen mitgekappt worden. Mittellage klingt überpräsent, Bässe etwas mager. Insgesamt klingt es klinisch muffig; der Höhenregler hilft leider nicht.

      Immerhin sind die Schnitte der Tracks überlegt und gut ausgeführt worden, so daß es keinen großen klanglichen Bruch beim Hören gibt. Man hört keine Sprünge, keine stark beschädigten Stellen. Bis auf das zu starke Höhenfiltern ist das ganz ordentlich gemacht. Man gewöhnt sich im Laufe der Aufnahme an den Klang.


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    • Eine weitere CD, erschienen 1988:



      Nadia Boulanger war zu ihrer Zeit eine einflußreiche Lehrerin und Interpretin. Ihr Augenmerk beim Dirigieren legte sie besonders auf die moderne wie auch auf die Alte Musik. Diese CD bezeugt das beeindruckend.

      Faurés Requiem (1888) führte Boulanger 1936 in London auf, wohl das erste Mal, daß es in England erklang; doch erst im Oktober 1948 nahm sie es erstmals auf. Aus irgendeinem Grund wurden die Aufnahmen jedoch nie sofort veröffentlicht; erst 1979 scheinen diese Aufnahmen erschienen zu sein. Keith Hardwick überspielte sie von acht einseitigen 30-cm-Schellacks, die klanglich in sehr guter Qualität erhalten waren. Es sind nur sehr wenige Störungen zu hören - über große Teile hinweg sind die Aufnahmen recht klar und sauber.

      Die fünf Schellacks der Monteverdi-Madrigale wurden im Februar 1937 aufgenommen; die wurden im folgenden Juli auch veröffentlicht. Boulanger hatte sie mit ihrem Ensemble ebenfalls 1936 in London aufgeführt. Das war nach rund dreihundert Jahren das erste Mal, daß diese Stücke wieder in adäquater Weise erklangen. Hardwicke hatte da keine so perfekten Schellack-Exemplare erwischt: sie knistern stellenweise etwas stärker.

      Die Einspielungen haben einen guten Mittel- und Tieftonbereich; die Sänger entfalten ihren "Körper", das Orchester bzw. die b.c.-Begleitung der Madrigale klingen recht voll. Die Höhen enden ziemlich abrupt und nehmen der Aufnahme etwas an Präzision. Dafür ist das Grundrauschen kaum mehr auszumachen, speziell bei den Madrigalen.


      Ein paar Gedanken zum Klang:
      Als ich die CD hörte, hatte ich ein seltsames Gefühl beim Hören. Es schien so, als fehlte etwas, als klängen die Aufnahmen nicht richtig. Es dauerte eine Weile, ehe ich begriff, was es war: es fehlte das Grundrauschen.

      Ich muß dazu sagen, daß ich in der Woche zuvor gut zehn Stunden Material gehört hatte, welches von Schellacks überspielt, aber nicht nachbehandelt worden war. Diese Aufnahmen knisterten und rauschten in ihrer ganzen "Pracht". Da war der Wechsel auf eine remasterte Aufnahme tatsächlich erstmal gewöhnungsbedürftig. Denn die CD wurde von den Knacksern befreit, und das Grundrauschen wurde fast ganz elimiert. Mir fiel auf, daß im Wesentlichen die Höhen gekappt waren, wodurch die CD mit wenig Rauschen, aber auch mit einer gewissen Dumpfheit daherkommt.

      Ich habe diese Aufnahmen mal mit anderen CDs und dem unbehandelten Material verglichen. Das Requiem verglich ich mit der oben erwähnten Messiah-Einspielung und Bachs MP unter Jacques, die Madrigale mit Aufnahmen vom Philadelphia Orchestra unter Stokowski. Mir fiel auf, daß die unbehandelten Aufnahmen der Schellacks schon einen etwas höheren Frequenzanteil hatten, doch ist das konkret nicht mehr übermäßig viel, was da noch hinzukommt; vielmehr ist es das Grundrauschen, welches die Aufnahmen heller wirken läßt. Wenn man diese nun kappt, geht neben dem Grundrauschen auch ein bißchen der Höhe verloren, welches deutlich wahrzunehmen ist. Deshalb klingen diese Aufnahmen auch so muffig.

      Beim Messiah sind die Höhen ebenso gekappt, doch die MP hat mehr Höhenanteile erhalten können. (Allerdings ist diese CD-Edition von der LP-Vorlage transferiert worden, und Obert-Thorn machte das erst im Jahre 2011/12.) Die Stokowski-Aufnahmen leiden ohnehin durch die teilweise unpräzise Überspielung und an der Tatsache, daß manche Schellacks an sich nicht mehr so gut klingen. Doch als ich den Höhenregler nach unten drehte, wirkten die Aufnahmen praktisch so muffig wie die Madrigale.

      Das ist also letztendlich eine hörpsychologische wie auch eine klangästhetische Angelegenheit, wie man das Remastering solcher alten Aufnahmen beurteilt. Einerseits will man das Grundrauschen eliminieren, andererseits sollen die Höhen so gut wie möglich herauskommen. Damals in den 1980er Jahren hatte man das technisch nicht so im Griff, zumal man auf CDs kein Rauschen haben wollte; heute geht man einen anderen Weg (soweit es möglich ist). Insgesamt habe ich aber den Eindruck, daß der eigene Standpunkt zur Klangästhetik wichtiger ist als das Remastering.

      Die Boulanger-CD klingt sehr clean, sehr sauber. Das hat seinen Vorteil, aber an einem Kompromiß kommt man nicht umhin: die Höhen sind doch sehr begrenzt. Aber vielleicht liegt das eher an mir, da ich mich zusehr ans Grundrauschen gewöhnt habe. :S


      jd :wink:
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      Jean Paul
    • Das ist sehr anschaulich und richtig, was Du da beschreibst.

      Trotz aller Möglichkeiten, welche man heutzutage hat, bin ich, was solche Aufnahmen- gerade von EMI- angeht aber nach wie vor ein Liebhaber der analogen Ausgaben aus den 60er und 70er Jahren.
      Damals gab es bei EMI einen Tonmeister mit Namen Anthony C. Griffith, dessen Spezialität die Restaurierung alter EMI-Schellack -Schätzchen war.

      Möglicherweise war das Ausgangsmaterial damals noch in besserem Zustand, jedenfalls knistern und knacken diese damaligen analogen Restaurierungen nur minimal, und am Höhenregler wurde, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig herumgedreht.

      Ich weiß nicht, wie damals im einzelnen analog gefiltert wurde, aber die klanglichen Resultate meiner EMI-LPs, welche damals hergestellt wurden, spielen so gut wie alle modernen CD- Remasterings locker an die Wand.
      Natürlich, da rauscht es ein wenig, aber nicht störend, da knackst schonmal was, auch egal.

      Aber die Lebendigkeit und auch die Farben sind zu 100% erhalten.
      Was ich vom größten Teil der heutigen Remasterings nicht behaupten kann.

      Albert Sammons Version des Elgar-Violinkonzertes z.B. haut mich um in A. C. Griffiths analogem Remastering aus den 70ern und läßt mich eigenartigerweise ziemlich kalt in den modernen digitalen Remasterings.
      Sicher, die Töne sind alle noch da, aber die alte 70er Jahre Version lebt und atmet, die Klangqualität ist unheimlich gut für das orginale Entstehungsjahr.
      Wirklich, man ist mitten drin, da fehlt-fast- nichts.

      Die modernen digital remasterten Versionen derselben Aufnahme klingen dagegen wirklich "alt" und leblos.
      Sehr eigenartig.

      Und das ist nicht die einzige alte Aufnahme, bei der es mir so geht.
      Und es ist auch nicht auf EMI beschränkt, das ist nur ein Beispiel-ich könnte zig andere Beispiele hinzufügen.

      Natürlich sind es alte Aufnahmen aus den 20-40er Jahren, aber es gibt andere, wichtigere Parameter als Rauschen und Knacksen.

      Ich besitze auch LPs aus den 50er Jahren, auf denen Schellack- Aufnahmen verewigt wurden.
      Z.B. eine Telefunken LP mit einer Überspielung der "Tänzerischen Suite" von Künneke- einem ziemlich tollen Werk für Jazzband und Sinfonieochester.

      Und da wird es sehr interessant, denn diese Aufnahme von 1938 wurde Mitte der 50er Jahre auf LP herausgebracht, war also damals erst vielleicht 17 Jahre alt.
      Und großartig bearbeitet wurde die damals sicher nicht.

      Was soll ich sagen, diese sehr gut erhaltene 50er Jahre LP ist absolut clean.
      Da ist kein Knistern, auch kein großartiges Rauschen.
      Die Dynamik dieser Aufnahme ist überraschend beeindruckend.

      Insoferne ist es für mich klar, daß sehr viel erstmal vom Zustand der Orginale abhängt.

      Ein Freund von mir, der Liebhaber echter Schellacks(elektrisch aufgenommener, muß ich einschränken) ist, hat das mal vor vielen Jahren so formuliert:

      "Der Klang ist so, als wenn man ein Loch in die Decke über die Bühne gebohrt hätte und dort hört."

      Ich finde, das kommt hin, es ist natürlich Mono, etwas gedeckelt auch vom Frequenzumfang natürlich.

      Aber wenn man sich auf diesen Klang einläßt, dann fehlt letztendlich erstaunlich wenig, was einem das Verständnis eines Werkes und einer Interpretation mit sehr vielen Feinheiten verleiden könnte.
      Im Grunde ist alles da........
      Comedians machen Ihren Job wegen dem Geld.
      Satiriker wegen des Geldes.
      -Götz Alsmann-
    • Eine Link-Empfehlung: Händels Concerti Grossi op. 6 (Adolf Busch 1947)

      Ich habe hier etwas Feines gefunden:

      "http://www.talkclassical.com/19640-adolph-buschs-handel-concerti.html#post310338"

      Der User bigshot hat tatsächlich ein sehr gut erhaltenes Exemplar von Adolf Buschs 1947er Einspielung der Händelschen Concerti Grossi op. 6 gefunden und digitalisiert; der komplette Inhalt der 25 Schellacks hat er zum Download zur Verfügung gestellt. Die Links beinhalten mp3s - für jedes Konzert eine Datei.

      Ich höre sie mir gerade an... :tee:

      .
      Georg Friedrich Händel
      Concerti Grossi op. 6

      Busch Chamber Players
      D: Adolf Busch


      (P) 1947 Columbia MM-685 (25x 78er)
      rec. 01-02/1946, Liederkranz Hall (New York)
      Hier noch eine Diskographie zu Adolf Busch:
      "http://www.max-reger-institut.de/media/busch_adolf_diskografie.pdf"

      Die Concerti sind auf den Seiten 60-64 aufgeführt.

      -----

      Diese CD-Ausgabe soll klangtechnisch nicht so gut sein, zumal von schlechter erhaltenen Schellacks überspielt. Ich kenne sie nicht.




      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Meine erste Pearl-CD:



      Gregorian Chant
      The Complete 1930 French HMV Recordings of the Monastic Choir of the Abbey of Saint Pierre de Solesmes
      Director: Dom Joseph Gajard

      (P) 1995 Pearl/Pavillion Records GEMM CDS 9152 (2 CDs) [95'40"]

      produced & transferred by Mark Obert-Thorn


      Diese Aufnahmen sind wirklich Geschichte: sie stammen von der Choralschola jener Abtei, die sich seit etwa 1854 mit dem Gregorianischen Choral befaßte und aufgrund des Quellenstudiums eine Restitution des Chorals in Gang brachte, die letztendlich vom Papst anerkannt wurde. Im April 1930 unternahm die französische HMV (La Voix de son Maître) ein großes Aufnahmeprojekt mit der Choralschola, die zum ersten Mal Aufnahmen ihrer jahrzehntelang erprobten Gesangskünste zuließ: 43 Gesänge wurden eingespielt, verteilt auf insgesamt 25 Matrizen. Eine Matrize mit zwei Stücken wurde nie veröffentlicht, die anderen erschienen auf zwölf beidseitig bespielten Schellacks.

      Diese 41 Stücke bilden die erste umfassende Sammlung an Gregorianischen Gesängen, die je aufgenommen wurde; bis dato waren höchstens einzelne Stücke auf einzelnen Schellacks herausgekommen. Dom Joseph Gajard, der Leiter der Schola, hatte das Ensemble dabei so gut vorbereitet, daß die Mönche von Solesmes 22 Jahre lang keine neuen Aufnahmen für nötig hielten. Diese Sammlung an Schellacks wurde gut verkauft und wurde später auf LP wiederveröffentlicht; doch je mehr neuere Aufnahmen (von Silos, Münsterschwarzach oder Beuron) dazukamen, verloren die Solesmes-Einspielung an Bedeutung, zumal neuere Theorien zur Gesangsausführung berücksichtigt wurden.

      Neben den CD-Ausgaben dieser Aufnahmen von Solesmes selbst



      gibt es halt die oben genannte CD-Ausgabe, die allerdings als einzige alle Stücke der Schellacksammlung enthält. Mark Obert-Thorn griff auf gut erhaltene Exemplare zurück, die zwar knistern, aber nur wenig weitere Störungen aufweisen. Knackser tauchen selten auf, manchmal ist ein gleichmäßig an- und abschwillender Rauschebart zu hören. Der Chor klingt sehr geschlossen und wirkt sehr gut, nur der Solist wirkt etwas nah und unsicher im Timbre. Das Knistern ist präsent, aber leise; das Rauschen verbleibt im Hintergrund. Die Höhen sind leicht matt, die Mitten gut vernehmbar, die Tiefen solide. Der Gesang der Schola kommt recht gut zur Geltung, und man gewöhnt sich an die technische Begrenztheit sehr schnell. Ich würde sagen, daß Obert-Thorn nicht viel gemacht hat: starkes Knistern entfernt bzw. gedämpft, das Rauschen leicht reduziert.

      Mit diesem wohlüberlegten Remastering kann man sich auch heute noch gut anfreunden. Das Booklet ist etwas mager (ein englischsprachiger Text über den Choral und das Tracklisting), aber die Aufnahmen gleichen das wieder aus.
      :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


      Links:
      "http://www.medieval.org/emfaq/cds/pea9152.htm"
      "http://www.beaufort.demon.co.uk/disco.htm"
      "http://www.worldcat.org/title/gregorian-chant-the-complete-1930-french-hmv-recordings-of-the-monastic-choir-of-the-abbey-of-saint-pierre-de-solesmes/oclc/33664384?ht=edition&referer=di"
      "http://www.youtube.com/watch?v=sKm54iQ1i-M"


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
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      Jean Paul
    • Nun diese:



      Wolfgang Amadeus Mozart - Don Giovanni

      Brownlee, Souez, Helletsgruber, Baccaloni, von Pataky,
      Franklin, Mildmay, Henderson

      The Glyndebourne Festival Orchestra & Chorus
      D: Fritz Busch

      Aufnahme: 29.06.-05.07.1936, Glyndebourne

      (C) 1988 EMI "Références" CHS 7 61030 2 (3 CDs) [171'54"]
      EAN: 077776103020


      Diese Gesamtaufnahme des Don Giovanni erschien auf insgesamt 23 Schellacks (30 cm, 78 U/min. - 46 Seiten): DB 2961/83 [Matrizen: HMV 2 ER 130/175]. Sie wurde mit der Besetzung der 1936er Saison des Glyndebourne Festivals aufgezeichnet und wurde vermutlich noch Ende desselbes Jahres veröffentlicht. Das Remastering für CD übernahm Keith Hardwick und konnte auf exzellente Scheiben zurückgreifen; möglicherweise konnte er Abdrücke der originalen Matrizen machen.

      Das behaupte ich nicht umsonst, denn was man hier zu hören bekommt, ist einfach beeindruckend! Störgeräusche sind praktisch gar nicht zu hören, Rumpelgeräusche wurden stark minimiert. Dennoch haben die Stimmen ein Volumen, wie ich es bei einer Aufnahme aus den 1930er Jahren noch nie gehört habe. Hier gibt es keine gekappten Höhen, muffige Mitten oder dürftige Bässe. Der Höhenbereich ist präsent, ohne das Hintergrundrauschen der Schellacks zu haben; die Mitten sind ebenso präsent, und die Solisten wie auch das Orchester haben eine Körperlichkeit von erstaunlicher Klarheit; die Bässe weisen eine subtile Basis auf, die unaufdringlich bleibt. Die Abstimmung zwischen Solisten und Orchester ist sehr gut, und auch wenn die Dynamik nicht weit ausgeprägt ist, so bleiben aber alle Details gut ortbar.

      Mich hat es umgehauen, wie klar dieses Remastering klingt; man merkt nur an dem nicht ganz so breiten Frequenzraum und dem Monoklang, daß es eine alte Aufnahme ist (natürlich auch an der Aufführungstradition... ;+) ). Keith Hardwick hat alles Können in diese Bearbeitung gelegt und an den richtigen Knöpfen gedreht. Heraus kommt das beste Remastering einer Aufnahme aus den 1930er Jahren.

      Magisch!!! :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

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      Die drei CDs stecken in einer breiten Hülle, dazu ein 208seitiges Booklet mit Libretto plus Übersetzungen und Texten zur Entstehungsgeschichte dieser Einspielung. Das Ganze steckt in einem Pappschuber. 1988 hat man noch nicht mit erlesener Aufmachung gegeizt.


      jd :wink:
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      Jean Paul
    • Dieses 3-CD-Set erschien vor knapp zwanzig Jahren:



      (C) 1996 EMI Classics 7243 5 66206 2 9 (3 CDs) [222'49"]

      compiled & researched by Ken Jagger
      digitally remastered by Andrew Walter


      Es enthält tatsächlich Aufnahmegeschichte:

      (P) 1929/30? [Electrola?] C 1789 [Matrizen: CA 122 / CA 123]
      Symphonie Nr. 4 - Scherzo
      Wiener Philharmoniker
      D: Clemens Krauss

      rec. 03/07/1929, Wien

      (P) 1933/34? [Electrola?] C 2659 [Matrizen: CW 1899 / 2D 1787]
      Symphonie Nr. 3 - Scherzo
      Wiener Symphoniker
      D: Anton Konrath

      rec. 10/10/1928, Wien
      Symphonie Nr. 0 - Scherzo
      Orchester der Berliner Staatsoper
      D: Fritz Zaun

      rec. 10/1933, Berlin

      (P) 1934? [Electrola?] C 2685 [Matrizen: 2D 1954 / 2D 1955]
      Symphonie Nr. 1 - Scherzo
      Symphonie Nr. 2 - Scherzo

      Orchester der Berliner Staatsoper
      D: Fritz Zaun

      rec. 02/1934, Berlin

      (P) 1936/37? Electrola DB 4450-57 [Matrizen: 2RA 1350-59 & 1361-66]
      (8x 78er)

      Symphonie Nr. 4
      Sächsische Staatskapelle
      D: Karl Böhm

      rec. 06/1936, Staatsoper Dresden

      (P) 1937/38? Electrola DB 4486-94 [Matrizen: 2RA 2078-95]
      (9x 78er)

      Symphonie Nr. 5
      Sächsische Staatskapelle
      D: Karl Böhm

      rec. 1937, Staatsoper Dresden

      (P) 1964 EMI Electrola SMVP 8055-8056 / STE 91375-91378 (2 LPs)
      Symphonie Nr. 7
      Berliner Philharmoniker
      D: Wilhelm Furtwängler

      rec. 18/10/1949, Gemeindehaus Berlin-Dahlem


      Wenn man von Furtwänglers Einspielung der 7. absieht, sind das alles Ersteinspielungen der jeweiligen Sätze und Symphonien. Sie erschienen als Schellacks und sind für diese CD-Edition auch von solchen transferiert worden. Die einzelnen Scherzos sind alle gekürzt worden, damit sie auf eine Seite passen; selbst die Aufnahme von Clemens Krauss, die zwei Seiten einnimmt, enthält eine Kürzung in der Reprise des Scherzos. Die Böhm-Einspielungen der Symphonien Nr. 4 und 5 sind komplett, ebenso die 7. unter Furtwängler. Diese Aufnahme wurde 1949 auf Tonband aufgezeichnet und erschien nie auf Schellackplatten; erst 1964 gab es sie auf zwei LPs.

      Grundsätzlich erweist sich das Remastering als sehr sorgfältig gemacht. Es sind nur ausnahmsweise mal leise Knackser oder dergleichen zu hören, wenn die Schellackplatten entsprechend starke Beschädigungen aufwiesen. Das ist aber eher selten. Der Baß ist gut positioniert, die Mitten sehr präsent und durchhörbar. Bei den Höhen hat Andrew Walter eine gute Balance gefunden zwischen dem Bestreben, das Grundrauschen zu eliminieren, ohne die Höhen brutal zu kappen. Die Höhen klingen etwas begrenzt, aber nicht muffig, wodurch das Gehörte recht stimmig bleibt. Das Grundrauschen ist in den leisen Passagen immer noch leicht zu hören (bei den älteren Aufnahmen von 1928/29 etwas deutlicher), aber im Tutti verliert es sich. Manche Schellacks hatten ziemlich üble Nebengeräusche produziert, die manchmal klangliche Artefakte im Remastering zeigen. Ich finde aber, daß man darüber hinweghören kann. Die Dynamik kommt durch das reduzierte Grundrauschen recht gut zur Geltung, die Details sind fast immer gut erhörbar. Lediglich in der Krauss-Aufnahme verschmiert das Tutti den Klang etwas zu sehr.

      Bei der Furtwängler-Aufnahme hat man ein fein gestaffeltes Orchester in einem größeren Saal mit wenig Hall-Anteil. Hier ist das Grundrauschen kaum mehr auszumachen, wenn das Orchester spielt. Die Dynamik ist gut entwickelt, die Mitten und Höhen klingen ausgewogen. Details sind gut erfaßbar. Eine solide Aufnahme - gegenüber den Schellacks klingt das aber nur Nuancen besser.


      Ein hübsches Booklet mit einem Text von Robert Layton zu den damaligen Aufnahmen rundet das Set ab. Insgesamt eine erfreuliche Edition...
      :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:


      jd :wink:
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